Ich hoffe, alle Leserinnen haben die Woche unfallfrei überstanden! Ich hätte beinahe am Mittwoch versehentlich einen Sonntagsbraten gezaubert. Nur die fehlende Kittelschürze hat mich davon abgehalten. Puh, nicht, dass die gute Hausfrau in mir noch durchgeht. Kümmern wir uns aber heute erst einmal um die Buchstaben L und M.

Handtaschen wollen ebenso gepflegt werden wie Schuhe. Wohl dem, der Hühner im Garten hat:

Lacktaschen einmal im Monat mit rohem Eiweiß abreiben und ins Leder einziehen lassen. Um der Tasche wieder Glanz zu geben, mit Spezialcreme behandeln.

Rabatz im Treppenhaus? Nein, danke! Wenn mir jetzt noch jemand den Unterschied zwischen Hämmern und Klopfen erklären könnte? Ich bin eben Hausfrau, kein Heimwerker:

Lärm in der Wohnung vermeiden, also unachtsames Türenzuschlagen ebenso wie unnötig lautes Hantieren bei der Hausarbeit. Mit großem Lärm verbundene Kinderspiele gehören nicht in die Wohnung! Auch die Kinder dazu anhalten, im Treppenhaus keinen überflüssigen Radau zu machen. Dass Rundfunk- und Fernsehgeräte nur auf Zimmerlautstärke eingestellt werden dürfen, ist allgemein bekannt, aber auch der Bastler darf während der vorgeschriebenen Ruhezeit weder laut hämmern noch klopfen. Von 13 bis 15 Uhr herrscht Mittagsruhe.

Ich weiß zwar, dass die meisten Besucherinnen hier Damen sind. Aber ich weiß ebenfalls, dass der eine oder andere Mann hier reinschaut. Also, dies ist für euch, werte Herren:

Männerbrevier, kleines: Ein altes Sprichwort besagt, dass Eitelkeit beim Mann ein Laster ist, bei der Frau jedoch eine Tugend. Zwischen Eitelkeit und gepflegtem Aussehen ist ein großer Unterschied. Auch der Mann hat die Pflicht, sich zu pflegen, um mit sich selbst zufrieden zu sein und um seinen Mitmenschen einen erfreulichen Anblick zu bieten. Bequemlichkeit führt leicht zu Fettpolstern, also gleich am Morgen nach dem Aufstehen mit ein paar gymnastischen Übungen beginnen, am besten am offenen Fenster. Kräftiges Ein- und Ausatmen dabei ist wichtig. Durch Abbürsten des ganzen Körpers wird die Durchblutung angeregt, dabei stets in der Richtung nach dem Herzen zu bürsten, so wie die Adern verlaufen. Dass auch der Mann regelmäßig zum Friseur geht, um sich die Haare schneiden zu lassen, ist ebenso selbstverständlich wie die tägliche Rasur.

maennerbrevier-60er-jahreWenn der Herr dann noch Tischmanieren an den Tag legt, ist doch alles geritzt. Ich gehe zwar davon aus, dass ihr alle bereits jetzt euer Butterbrot mit Messer und Gabel esst oder bei Tisch füßelt, aber nur mal so zur Sicherheit:

Manieren, gute, bei Tisch, sind nicht nur für „gesellige Stunden“ wichtig, sondern auch im Familienkreis, damit die Kinder beizeiten lernen, was richtig und was falsch ist. Wenn auch charakterliche Veranlagung und berufliche Tüchtigkeit im Leben mehr wert sind als gute Manieren bei Tisch, so sollten diese doch nicht vernachlässigt werden.

  • Wenn der Appetit auch noch so groß ist und das Gericht zu den Leibspeisen gehört, den Teller nicht überladen. Es kann ein zweites Mal genommen werden.
  • Trockenes Brot oder Brötchen nicht schneiden, sondern brechen.
  • Vor dem Trinken die Lippen mit dem Mundtuch abwischen. Fettränder an Gläsern sind unschön.
  • Tassen, Gläser und Bestecke nicht mit abgespreiztem kleinen Finger anfassen, das wirkt affektiert. Bestecke am Stiel angreifen, und zwar im oberen Drittel.
  • Während der Mahlzeiten nicht rauchen. Ein Gast hat auch nach beendeter Mahlzeit die Hausfrau zu fragen, ob Rauchen gestattet ist.
  • Tuscheln bei Tisch ist ebenso ungebührlich wie „Füßeln“ unterm Tisch.
  • Wenn auch der ursprüngliche Grund, Fisch nicht mit dem Messer zu essen, heute durch die rostfreien Klingen nicht mehr stichhaltig ist, den Fisch, falls kein Fischbesteck vorhanden ist, mit zwei Gabeln zerlegen. – Gräten, die in den Mund gekommen sind, mit der Gabel von der Zunge nehmen und auf Tellerrand oder Grätenschale legen.
  • Fleisch erst beim Essen, nicht schon vorher in kleine Stücke zerschneiden. Knochen in Gesellschaft nicht abknabbern. Im Familienkreis kann schon mal ein Hühnerbein in die Hand genommen werden.
  • Gekochte Eier etwa 2 bis 3 cm unterhalb der Spitze mit dem Messer leicht einschlagen, das Hütchen lässt sich dann mit dem Eierlöffel gut abheben.
  • Während belegte Brötchen unzerkleinert in die Hand genommen werden, sind belegte Brotscheiben in mundgerechte Stücke zu schneiden und mit der Gabel in den Mund zu führen. Kindern bis zu zwölf Jahren ist aber auch ein herzhaftr Biss in die geviertelte oder halbierte Schnitte erlaubt.
  • Butter und Marmelade nicht vom Behälter nehmen und gleich auf Brot oder Brötchen streichen, sondern die erforderliche Menge auf den Frühstücksteller löffeln und von da aus aufstreichen.
  • Kartoffeln und Klöße nicht mit dem Messer zerschneiden. Sie werden mit der Gabel zerteilt. Messer überhaupt nur verwenden, wenn unbedingt erforderlich, also nicht etwa bei Hackbraten.
  • Torten und Kuchen mit Kuchengabel oder Kuchenlöffel essen. Kleingebäck mit der Hand zum Mund führen.

Glücklicherweise steht einer Hausfrau auch Mittagsruhe zu – wenigstens ein Viertelstündchen. Ob ich das auch meinem Chef begreiflich machen kann? Wir bräuchten nur zwingend einen Satz Betten im Büro, denn das Sofa ist nicht empfehlenswert:

Mittagsruhe ist jeder Hausfrau zu empfehlen, denn der Körper, der bis zum Mittag schon viele Kräfte verbraucht hat, braucht Entspannung, um bis zum Abend durchhalten zu können. Die Haut regeneriert sich, die Blutzirkulation in den Beinen gleicht sich aus, Fältchen auf der Stirn und um die Augen glätten sich von selbst. „Nur ein Viertelstündchen“ Mittagspause ist ausreichend, allerdings nur dann, wenn ins Bett gegangen wird (den Mehraufwand nicht scheuen). Für diese kurze Zeit braucht nur die Oberkleidung abgelegt zu werden. An nichts denken, alle Glieder lockern, ruhig einschlafen. Solcher Schlaf ist meist nicht tief, aber erholsam. Voll angezogen auf der Couch ein Schläfchen zu machen, hilft nicht viel. Liegen ohne Zudecke ist ganz falsch. Der Körper drosselt, um ausruhen zu können, die Wärmeversorgung. Mit dem Ausruhen kann es aber nicht weit her sein, wenn beim Liegen ohne Zudecke die gleiche Wärmeversorgung wie beim wachen Zustand nötig ist.

Am faszinierendsten finde ich diese absoluten Wahrheiten, die in dem Buch aufgeführt werden. Es ist nicht so, dass man dies oder jenes so machen kann, nein, so ist es richtig und anders ist es falsch. Tja, also ab sofort Mittagsschlaf nur noch im Bett. Hausaufgabe: Mittagsschlaf halten. Machbar, oder? Nächste Woche geht es um Porzellangeschirr und Parkettböden!

Post Author: Nele

13 Replies to “Zur besseren Hausfrau von A bis Z – Heute: Lacktaschen, Mittagsruhe und ein kleines Männerbrevier”

  1. Ich finde übrigens auch, dass man unseren Rentnern im Haus ruhig mal hätte beibringen sollen, dass man Samstags früh um 8h nicht das ganze Haus unterhalten muss… *g*
    Aber hauptsache, die Kinder sind ruhig und die Hunde bellen nicht =)

  2. HIhi, großartig! Ich denke über ein tragbares Bett nach – mit Decke, versteht sich, sonst ist es ja ganz falsch ;-)!
    Danke für die Portion gute Laune am Sonntag!
    Liebst,
    Sabine

  3. Meine Kollegen und ich sind schon lange der Meinung, dass mindestens ein Sofa ins Büro muss, ich geb das mal weiter, dass es lieber Betten sein sollten 😉

    Liebe Grüße, Jessica

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