WMDEDGT? – Tagebuchbloggen am 5. Dezember

Der Adventskalender erinnert mich morgens daran, dass heute der fünfte ist – traditionell der Tag des “WMDEDGT” von Frau Brüllen. WMDEDGT steht – das ist zwar eigentlich absolut selbsterklärend, aber ich schreibe es vielleicht trotzdem noch mal dazu – für “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” und fordert uns quasi höchstoffiziell dazu auf, unseren Tag im Blog zu dokumentieren. Nun denn, dann mache ich das doch mal!

7:00 Uhr. Ich wache auf, weil a) der Wecker klingelt und b) der Held mir einen “Hab einen schönen Tag”-Kuss ins Gesicht drückt. Ich bin leicht verwirrt, denn normalerweise werde ich schon ein bisschen wach, wenn der Heldenwecker klingelt und der Held aufsteht. Heute habe ich das alles geflissentlich verschlafen. Ich drehe mich noch ein bisschen von links nach rechts und snooze, weil meine warme Bettdecke sooo kuschelig-gemütlich ist. Dabei spiele ich ein bisschen mit dem Handy herum. Eigentlich habe ich ja Social Media-Verbot morgens im Bett. Also werden “nur” die Emails gecheckt, der Wetterbericht aufgerufen (-5 Grad! Aber der nächste Regen “voraussichtlich Donnerstagnachmittag”, damit kann ich leben), und höchstens 2, 3, 4, 7 Tweets gelesen. Hüstel. Ich muss noch mal etwas üben, scheint mir.

Dann aber: raus aus dem Kuschelbett, rein ins Bad und anschließend in die Klamotten, die ich ungewohnterweise schon am Vorabend herausgelegt habe. Und dann zum Adventskalender! Mein Tausch-Adventskalender ist wie jedes Jahr toll. In den letzten Tagen habe ich dort schon einen Schlüsselanhänger, niedliche Blumenstecker, einen Gürtel und selbst gemachte Gewürzsalze herausgeholt. Heute gibt es ein besonders großes und schweres Päckchen. Darin versteckt sich eine Plätzchen-Backmischung!

Da trifft es sich gut, dass ich eine Email im Postfach habe. Ich habe bei einem Ersatzteil-Händler angefragt, ob ein bestimmtes Backblech in unser Backofen-Modell passt. Unser Backofen (der jetzt vom Techniker endlich für perfekt funktionsfähig erklärt wurde und im Prinzip die letzte Baustelle in unserer neuen Wohnung war) wurde nämlich ohne Backblech ausgeliefert. Ausstellungsküche halt. Oder sagen wir es mal so: Ich habe nicht die Nerven, mich noch mal mit Alma Küchen auseinanderzusetzen, ob dort eigentlich ein Backblech mitgeliefert hätte werden müssen. Immerhin war ein Rost dabei. Aber ich schweife ab – ich war auf der Suche nach einem passenden Backblech und das ist schwieriger, als man so gemeinhin denken mag, wenn man kein ausziehbares Blech haben möchte. Jetzt haben wir aber endlich ein passendes gefunden und ich schicke dem Helden schnell den Link, damit er es bestellen kann. So kann er es sich ins Büro liefern lassen. Tagsüber sind wir ja  nie zuhause und können daher auch keine Pakete annehmen – wir lassen uns vieles ins Büro schicken, aber größere Pakete darf dann der Held bestellen, damit ich nicht so viel auf dem Fahrrad transportieren muss.

Nach ein paar Minuten Instagram auf dem Sofa packe ich mich warm ein. Dann geht’s ab aufs Fahrrad. Erwähnte ich die minus fünf Grad? Brrr, es ist kalt. Als erstes merke ich es im Gesicht, dann an den Daumen, dann an den Füßen (dann bin ich da). Aber die Landschaft ist wunderschön weiß überzogen und die Sonne geht auf (und blendet nur ein bisschen), so dass alles erträglich wird. Ich höre eine Folge “Note to Self” mit einem Interview mit Marina Abramović, eine serbische Performance-Künstlerin. Es geht darum, unser Smartphone mal eine Weile zur Seite zu legen und uns auch mit uns selbst zu beschäftigen. So empfiehlt sie, sich an einem Tag, an dem man sich voller Energie fühlt, einfach mal auf einen Stuhl ans Fenster zu setzen und drei Stunden lang gar nichts zu tun. Oder eine Tüte Linsen oder Reis zu zählen – gerne 6 Stunden lang. Nun ja. Ich finde den Ansatz interessant, nehme mir (wie so oft) fest vor, das Smartphone öfter zuhause zu lassen, aber habe nicht vor, eine Tüte Linsen zu zählen.

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Im Büro angekommen: erst mal das Fahrrad reintragen (nachdem es mehrfach vor der Tür beschädigt wurde, stelle ich es genervt in den Flur), mich auspacken, die Heizung aufdrehen, Kaffee eingießen. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Es ist Montag, da sind es immer besonders viele Emails. Aber es geht eigentlich. Der große Weihnachtsstress ist (noch) nicht angekommen bei mir.

Mittags mache ich einen kleinen Spaziergang zum Bücherschrank. Ich habe gestern Abend ein Buch ausgelesen, was ich okay fand, aber nicht unbedingt behalten möchte. Das stelle ich dort hinein. Es ist wunderbares Wetter, die Sonne scheint und es ist knackig kalt. Ich genieße den Spaziergang. Anschließend machen wir alle Mittagspause. Wir sitzen in der Büroküche – ich mache mir eine Dosensuppe warm (pssst, nicht die beste Ernährung, aber egal). Zwischendurch schicken wir ungefähr 3 mal den Bürohund zurück in den Flur, der lernen soll, dass er nicht (mehr) in die Küche darf. Es klappt ganz gut, dafür, dass er es jahrelang durfte.

Nachmittags: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Wie sich das gehört. 🙂 Irgendwann gegen 17:15 habe ich genug und packe mich wieder Schicht für Schicht ein. Draußen ist es mittlerweile schon längst dunkel, ich schwinge mich aufs Fahrrad und mache die nächste Folge von “Note to Self” an. Eigentlich geht es bei diesem Podcast um Technologie und vor allem, wie diese unser Leben beeinflusst. Aber nachdem es heute früh schon um den Abstand zur Technologie (und das Zählen von Linsen) ging, wird auf dem Heimweg ein ehemaliger Google-Mitarbeiter interviewt, der Meditation für IT-Mitarbeiter lehrt. Achtsamkeit ist das Thema… Nun ja, das ist nicht so meins, aber immerhin kann ich dadurch üben, asiatisch gefärbtes American English zu verstehen und 25 Minuten kann man sich das mal anhören. Vielleicht hätte ich die Folge übersprungen, aber mit den dicken Fäustlingen auf dem Fahrrad halte ich ungern an, um das Smartphone zu bedienen – das ist immer so umständlich.

Zuhause angekommen stelle ich fest, dass ich eine Email vom Fitbit-Support bekommen habe. Ich habe mein neues Armband reklamiert, weil es oft meine Schritte nicht zählt. Nun soll ich hundert Schritte gehen, dabei im Kopf mitzählen und anschließend berichten, was der Tracker anzeigt. Siehe da: Er zeigt nur 60 an. Also schnell dem Support von diesem Ergebnis berichtet. Dann kommt auch der Held nach Hause und während das Wasser für die Nudeln heiß wird, spülen wir schnell das Kochgeschirr vom Vorabend und unterhalten uns über unseren Tag. Während des Essens (es ist Montag – da gibt’s bekanntermaßen Miracoli) schauen wir eine Folge Modern Family, anschließend spielen wir noch ein bisschen was. “Planet Coaster” – früher habe ich “Theme Park” geliebt, da musste man einen Vergnügungspark mit Achterbahnen und Co. bauen. Das neue Spiel ist im Prinzip das gleiche. (Noch besser fand ich nur “Theme Hospital”, ein großartiges Spiel. Davon gibt’s aber meines Wissens keine gute Neuauflage.) Es ist eigentlich ein PC-Spiel, aber weil der Held der Held ist, ist er bestens ausgestattet und wir können das Spiel mit einem Steam Controller am Fernseher spielen. Das macht es natürlich viel entspannter (und ich kann den Argumenten des Helden, wir bräuchten im neuen Wohnzimmer einen neuen Fernseher, schwerer widersprechen, denn wir sitzen so weit weg, dass ich beim Spielen immer häufiger die Schrift nicht lesen kann.*)

Viel Zeit haben wir allerdings nicht, denn montags ist auch Chorprobe. Kurz vor 8 mache ich mich auf die Socken – mein Weg zur Grundschule, in der wir proben, ist zu Fuß nur ungefähr 150 Meter. Das ist machbar. Die Hälfte fehlt heute irgendwie, zum Glück ist meine Altstimme ganz gut besetzt. Wir singen derzeit hauptsächlich kirchliche Lieder und üben neu von Vivaldi “Domine Fili Unigenite” ein. Erst mal ganz schön viele Töne, aber wenn ich es mir jetzt in Originalgeschwindigkeit anhöre, klingt es sehr schön.

Um 21:30 Uhr ist die Probe vorbei. Ich schaue auf meinen Schrittzähler: 7.500 Schritte. Eigentlich hatte ich heute vor, die 10.000 mal wieder zu schaffen. Also gehe ich noch eine Runde um den Block. Ich möchte mir die Weihnachtsbeleuchtung in den Fenstern ansehen, aber die meisten Häuser haben ihre Rolläden schon heruntergelassen. Pfff. Das finde ich ja doof. So ist es kalt und dunkel, und als ich wieder am Haus ankomme und eigentlich noch 500 Schritte fehlen, ist mir das auch egal und ich husche lieber schnell ins Warme.

Jetzt sitze ich mit dem Laptop auf dem Schoß im Nähzimmer auf dem Sofa und habe es gemütlich. Der Fitbit-Support hat noch mal geantwortet und mir einen Neustart des Armbands empfohlen. Ich frage mich, ob man das nicht direkt hätte sagen können, dann hätte ich mir die 100 Schritte sparen können, der Tipp ist ja jetzt nicht gerade revolutionär. Ich probiere es (ja, eigentlich ist das bei Technik immer der erste Schritt – aber diese Armbänder werden eigentlich gar nicht ausgeschaltet) und werde morgen mal testen, ob es jetzt besser ist. Die fehlenden 500 Schritte werde ich heute wohl nicht mehr schaffen. Aber da das Armband ja zu wenig zählt, habe ich eine gute Ausrede. 😉

Heute werde ich nicht mehr viel machen. Vielleicht lese ich noch etwas, oder gehe einfach nur duschen und früh ins Bett. Da ist es schließlich so kuschelig unter der dicken Winterbettdecke mit Bieberbezug. SO kuschelig!!!

* Held, ich weiß, dass du das liest. Nein, wir kaufen keinen neuen Fernseher.

3 Antworten

  1. Oooooh, Theme Hospital! Das habe ich ja schon fast wieder vergessen! Das habe ich sooooo oft gespielt bis ich fast wahnsinnig wurde vor lauter Notfällen *gg*
    Hat total viel Spass gemacht.

    Der Tipp vom FitBit Support hat mich ja jetzt schon ein bisschen zum Lachen gebracht… have you tried to turn it off and on again? Der Klassiker, oder? ^^

    Liebe Grüße
    Katha

    • Nele

      “Ein Arzt in die Allgemeinmedizin!” Ich hab es tatsächlich vor ein paar Jahren noch mal durchgespielt. So toll! 😀

  2. Die letzten Tage hatte ich morgens tatsächlich irgendwie Brain freeze auf dem Rad. Bei mir waren es um kurz nach sechs noch minus sieben, puh! Aber es ist auch soo angenehm irgendwie, trotz kalt.
    Ich finde es schön, solche Texte zu lesen. Man hat dazu zwar nicht so viel zu kommentieren, aber es ist ein Einblick in dein Leben, der interessant ist 🙂

  3. […] es ein bisschen witzlos, die 12 von 12 zu posten, denn sie sind inhaltlich fast identisch mit dem Tagebuchbloggen vom letzten Montag… Aber hey, dieses Mal gibt’s wenigstens Bilder dazu! Dafür halte ich mich mit dem Text […]

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