Frau Brüllen ist neugierig und möchte gerne in unseren Alltag reinschnuppern. Kenne ich – ich bin nämlich auch neugierig, deshalb mag ich ja auch die 12 von 12 so gerne! Hier geht es um ein „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“, eine Frage, die sich mir selbst bei vielen Menschen stellt, deren Berufsbezeichnung mit wenig sagt. Und da ich nicht unfair sein will und nur selbst „lünkern“ (Kennt noch jemand dieses Wort?), mache ich natürlich brav mit. Heute geht’s los!

6:30 Uhr Der Heldenwecker geht morgens vor meinem, aber inzwischen höre ich das nicht mehr. Ich merke nur irgendwann, wie er aufsteht, und stelle dann enttäuscht fest, dass er gar nicht nur auf einem nächtlichen Badezimmer-Besuch ist, sondern dass es tatsächlich schon fast Zeit ist, aufzustehen. Mein Wecker schließt sich dieser Meinung um 6.50 Uhr an. Ich brauche dann noch einige Zeit, um richtig wach zu werden, und checke mit meinem Smartphone erst das Wetter und dann die Nachrichten.

7:30 Uhr Der Held hat aus dem Fenster geschaut und Schnee festgestellt. Daher will ich heute nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, sondern mich chauffieren lassen. Während ich meine 7 Sachen noch zusammensuche, fegt der Held noch schnell Schnee und räumt das Auto frei. Unsere Beifahrertür ist zugefroren – ich sitze heute hinten, und fühle mich wie eine edle Dame. 😉 Unterwegs diskutieren wir mal wieder über den schnellsten Weg. Heute setze ich mich durch und der Held gibt mir hinterher sogar Recht!

8:00 Uhr Im Büro gibt’s erst mal Kaffee in der Küche und ein paar Plaudereien über das Wochenende, dazu die üblichen Klagelieder über den Schnee. Ich stelle ein paar Brownies für meine Kollegen ab, die von gestern übrig geblieben sind. Praktisch: Da ich viel weniger Kollegen habe als der Held (nämlich vor Ort nur 4), dürfen die jetzt den übrig gebliebenen Geburtstagskuchen futtern, beim Helden hätte es nie gereicht für alle. Ich selbst frühstücke übrigens auch erst im Büro. Ein vorletztes Stück California Cheesecake (das letzte Stück steht noch im Kühlschrank, für den Helden).

8:30 Uhr „Mein“ Shop funktioniert nicht, genauso wenig wie sein Backend. Ich bin unter anderem zuständig für unsere Kunden in der Schweiz, die müssen nun leider ein bisschen warten, bis ich mich um sie kümmern kann. Ich lese dann erst mal die deutschen Emails. Nach einer halben Stunde geht wieder alles, und ich kümmere mich um unsere Schweizer: Zahlungseingänge abgleichen, Bestellungen versandfertig machen (das heißt in meinem Fall aber lediglich, Lieferscheine und Rechnungen zu erstellen und diese dann ans Lager zu mailen), Emails beantworten, Bestände checken. Ich bin übrigens offiziell als Medienkauffrau eingestellt. Da ich vorher was ganz anderes gemacht habe und in diesem Beruf auch gar nicht ausgebildet bin, weiß ich aber nicht, ob das ein normaler Medienkauffrauenalltag ist. Ist mir auch egal, es ist jedenfalls schön abwechslungsreich.

9:00-12:30 Uhr Arbeit. 😉 Etwas konkreter: Ich stelle eine neue Lieferung von Waren in die Schweiz zusammen (dazu prüfe ich die vergangenen Verkaufszahlen und wähle dann passende Artikel aus, rechne Preise aus, fülle Tabellen aus), schreibe Texte zu unseren neuen Artikeln (die neue Jahreskollektion trudelt nach und nach ein) und erledige nebenbei noch die eine oder andere Kundenanfrage, Chef-Anfrage und Kleinigkeit.

12:30-13:15 Uhr Pause. Die Brownies haben sich bis auf ein letztes Anstandsstückchen verflüchtigt, das ich mir schnell selbst sichere. Der Nachmittag kommt schließlich! Ich gehe erst mal einen Blick in den Kühlschrank werfen, es ist noch Käse da. Also hole ich mir jetzt erst mal ein Brötchen beim Bäcker! In meinem Portmonee ist allerdings Ebbe, ich hätte noch mal am Geldautomaten vorbeischauen sollen. Nachdem ich mir ein Krusti für 38 Cent gegönnt habe, verbleiben noch königliche 6 Cent in der Börse! Wieder im Büro setze ich mich zu einigen meiner KollegInnen in die Küche, wir essen und unterhalten uns über Privates wie Berufliches. Bürohund Lulu schaut auch mal rein, um uns mit traurigen Augen dazu zu bringen, ihr etwas abzugeben. Machen wir nicht, aber nach dem Essen gibt’s noch eine Runde Hundekuscheln. 😀

13:15-17:20 Uhr Arbeit. Ich bin schon so ab 16:45 Uhr ganz allein im Büro, aber muss noch auf meinen Bus warten. Dafür schaffe ich ganz schön was weg, und zwischendurch bleibt noch Zeit für eine klitzekleine Surf-Runde, bei Kaffee und Brownie natürlich! Die Software nervt mich, denn sie stürzt dauernd ab. So kann ich Teile der Arbeit einfach gar nicht erledigen, die verschiebe ich auf morgen. Der Held bietet an, mich abzuholen, aber damit wäre ich auch nicht wirklich eher zuhause. Die Zeit, die er spart, soll er lieber schon mal zum Aufräumen nutzen, die Küche haben wir nämlich gestern als kleines Schlachtfeld hinterlassen.

17:20-17:50 Uhr Heimweg. Ein paar Minuten Fußweg zum Bus. Es liegt zwar kein Schnee, aber er stöbert um mich herum und es ist bitterkalt. Ich bin froh, nicht mit dem Rad unterwegs zu sein! Meine Fellmütze über den Ohren dämpft alle Geräusche ab. An der Haltestelle muss ich noch einige Minuten warten, hier stehen mit mir jede Menge Schüler. Die Armen, dass sie so lange Schule haben! Trotzdem fühle ich mich in Gegenwart von fremden Teenagern immer etwas unwohl. Ich weiß auch nicht warum. Ich stehe abseits der Haltestelle und starre dem Bus entgegen. Die Fahrt geht dann fix: 7 Haltestellen.

17:50-18:45 Ich komme nach Hause und sehe als erstes, dass der Held die Glühlampe im Flur endlich ausgetauscht hat. Juchuh! Dann beichtet er aber, dass er dabei den Glaszylinder besagter Lampe kaputtgemacht hat. Ein bisschen Schwund ist immer… Er räumt wie versprochen die Küche auf, ich koche schnell. Montags ist bei uns Miracoli-Tag, also eigentlich ist es meistens gar kein Original-Miracoli, aber es gibt halt eine Packung Nudeln mit Sauce. Wir haben nämlich nicht so viel Zeit. Heute darf ich viel mehr als die Hälfte der Nudeln futtern, denn der Held hat ja noch sein Kuchenstück. Ich bin pupsatt, als wir fertig sind. Ich räume fix weg und schmeiße die Spülmaschine an.

18:45-20:00 Uhr Montags hat der Held „Fußball“. Also… Es kommen ein paar Freunde und sie spielen zusammen Fußball auf der X-Box. 😉 Bis alle da sind, spiele ich noch ein bisschen mit den Jungs andere X-Box-Spiele. Gestern hat der Held das „Rayman Raving Rabbids“ für X-Box Kinect zum Geburtstag bekommen und deshalb gibt es heute lustige Kinect-Spielereien, die uns richtig ins Schwitzen bringen. Es muss von außen sehr lustig aussehen, wie wir uns zu dritt plötzlich alle auf den Boden werfen, in die Luft springen, Luftgitarre spielen oder wie wild zu zappeln anfangen! 😉 Um 20 Uhr sind alle da und ich lasse die Herren in Ruhe.

20:00-20:30 Telefonat mit Muttern.

20:30-21:25 Uhr Wildes Rumsurfen! 🙂

21:25 Ich kriege einen Koller wegen des Chaos‘ um mich herum und räume endlich mal wieder meinen Schreibtisch auf. Dabei finde ich eine unbezahlte Rechnung, die seit 2 Wochen überfällig ist – zum Glück nur über 11 Euro. Upps. So erledige ich gleich noch ein paar mehr Überweisungen und erfreue mich an der Armfreiheit auf dem Schreibtisch. Hey, ich kann die Maus wieder bewegen! 😉

22:15 Uhr Jetzt, wo ich wieder Platz habe, kann ich den Laptop nach hinten schieben und vorn Hochzeitskram basteln. Ganz gemütlich, dabei lasse ich eine Folge Doctor Who über Lovefilm laufen. Die Serie habe ich nicht zuletzt dank Katha und natürlich dank der gesamten Begeisterung im Netz mal angefangen zu schauen! Ich muss zugeben, dass es mich heute leicht gruselt. Und dann ist es auch noch eine Doppelfolge und das Ende gruselt weiter! (Und beim Basteln hab ich auch nicht viel geschafft…)

23:00 Uhr Meinen guten Vorsätzen zufolge müsste ich jetzt im Bett liegen. Wenn ich 8 Stunden schlafe, geht’s mir am besten. Aber ganz ehrlich? Das schaffe ich nie. Auch heute nicht. Gerade bringe ich noch letzte Basteleien zu Ende und höre das Elisabeth-Musical dabei. Ich werde danach noch duschen gehen, ich bin ein Abendduscher, weil mir morgens jede Minute so wertvoll ist. 😉 Dann ab ins Bett und so schnell wie möglich schlafen, und hoffen, dass die Herren im Wohnzimmer beim Fußball nicht so gut spielen, dass ich von Jubelschreien geweckt werde! 🙂

Post Author: Nele

9 Replies to “Tagebuch-Blogging à la Kl. Brüllen”

  1. Wow ein ausgefüllter Tag und dein Arbeitsleben hört sich spannend an. Darf man fragen, was du gelernt hast?
    Und ich bezweifle mal, dass der gelernte Beruf später meist mit der alltäglichen beruflichen Praxis übereinstimmt. Häufig entwickelt man sich weiter, bekommt einen anderen vllt. neuen Aufgabenbereich – warum auch nicht? So bleibt es wenigstens spannend. Und wichtig ist doch nur, dass einem die Arbeit auch Spaß macht.

    1. Ich habe die letzten Jahre als Werbetexterin gearbeitet, was jetzt nur noch ein kleiner Teil meines Jobs ist. Aber da ich bei der vorigen Stelle nur und ausschließlich Produktbeschreibungen und Newsletter schreiben musste, ist das wirklich mal was ganz anderes. Und jetzt habe ich auch viel mehr mit den Kunden zu tun, was mir viel Spaß macht – meistens jedenfalls! 😉

  2. oh, toll, ich hab meine alte studi-stadt bei dir im blog entdeckt! liebe grüße nach MS – regnet’s gerade, läuten die glocken, oder beides ? ;-))
    viel spaß noch beim hochzeitsgebastel!
    LG – steffi

  3. Hach, interessant! 🙂 Eine gute Idee, das Tagebuchbloggen! Stelle einige Parallelen fest (der Mann steht eher auf, Doctor Who, Unwohlsein in der Gegenwart von Teenagern im Rudel und ich könnte auch ziemlich genau benennen woran das liegt, aber das führt hier zu weit :-). Und zu spät im Bett trotz besseren Wissens.
    Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may also like

5 Sätze, die mehr Ordnung in dein Zuhause bringen

Aufräumen! Wenige Menschen würden das vermutlich als ihr Hobby bezeichnen.

Schnipsel

Heute war ich Wandern. Es regnete, die Sicht war neblig,

Gerade jetzt #4

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Was steht auf

Hereinspaziert!

Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Ich bin Nele - Münsteranerin mit Ruhrpottwurzeln, Buchliebhaberin, Internet-Bewohnerin, Fahrradfahrerin, Geek, Pragmatikerin. Bei Bedarf laut und mit Meinung. Ich mag Roboter, Streifen und Diversität.

Kleine Einblicke