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Und plötzlich…

Auf einmal ist wieder Land in Sicht. Der Held, der von dem Haus erzählt, das wir haben könnten – direkt neben seinen Eltern – und der davon ausgeht, dass ich das nicht will. Zu nah dran. Aber ich will. Unter gewissen Voraussetzungen, natürlich. Und so werde ich im Herbst wahrscheinlich – vielleicht – hoffentlich wieder nach Münster ziehen und wir haben eine total großartige Wohnung. Hach.

Was wir machen, wenn meine Stelle in Düsseldorf verlängert wird – mal sehen. Was wir machen, wenn sie nicht verlängert wird und ich stattdessen arbeitslos bin – mal sehen. Der Plan ist es natürlich, dass ich bis dahin eine Stelle in Münster habe. Beworben wird fleißigst, aber so viele Stellen gibt es eben nicht.

Am Wochenende waren dann aber auch andere Themen angesagt: Wie soll unser Teppich aussehen? Heizen wir mit dem Kamin oder der Heizung? Brauchen wir mehr Regale? Wer nimmt unsere Pakete an, wenn wir nicht mehr in einem Mehrfamilienhaus wohnen? Werden wir es ohne Badewanne überstehen? Wir müssen daran denken, die Mülltonnen selbst rauszustellen! Wir haben gar keinen Rasenmäher (für den ca. 4 Quadratmeter großen Rasen)! Kann man die Fahrräder unterstellen? In welcher Farbe streichen wir die Wohnzimmerwand? Was machen wir mit dem Keller? Wird das Kinderzimmer zum Computerzimmer für den Helden oder zum Nähzimmer für mich? Und: Können wir uns die Miete überhaupt leisten?

Es ist alles sehr, sehr aufregend!

Tote Tage

Die Woche startet, und wie üblich sind es für mich einfach vier “Irgendwie-Tage” und das Wochenende. Es gibt ein Lied von Acda en de Munnik, zwei niederländischen Musikern, das genau davon handelt. “Vier uit zeven” heißt es, “Vier von sieben”. Leider kann ich es online nicht finden. Der Text:

Maandag heb ik niets (Montag hab ich nichts)
Dinsdag ben ik vrij (Dienstag bin ich frei)
Woensdag ben ik vrij van niets (Mittwoch hab ich frei von nichts)
En donderdag kom jij (Und Donnerstag kommst du)
Vrijdag ben jij (Freitag bist du)
Zaterdag ben jij (Samstag bist du)
En zondag moet je terug (Und Sonntag musst du zurück)

Wir haben nur 3 Tage, und kürzlich habe ich sogar festgestellt, dass es genau genommen nicht einmal 48 Stunden sind, die wir haben. Nicht mal 48 von 168 Stunden, denn wenn wir uns Freitag sehen, ist es schon etwa 19 Uhr, und sonntags verabschieden wir uns gegen 17 Uhr. So war ich sogar schon neidisch auf den Sänger des Lieds – wie albern ist das?

Die “Dazwischen-Tage”, das sind häufig nur Tage zum Herumkriegen. Klar gibt es auch hier Highlights, der Spieleabend oder die Chorprobe. Aber irgendwie ist es dann beim Zubettgehen doch wieder ein “Noch drei Mal schlafen”. Ist es im Büro noch viel mehr ein Tagezählen bis zum Wochenende. Montag bis Freitag, das sind “tote Tage”:

de dode dagen (die toten Tage)
doen me voelen (lassen mich fühlen)
waar het leven voor bestaat (worum es im Leben wirklich geht)
de levenden (die lebenden)
de vier uit zeven (die vier von sieben)
dat het om de liefde gaat (dass es um die Liebe geht)

Und deswegen werde ich auch diese Woche wieder die Tage zählen. Wir haben dieses Mal nur “zwei von sieben”, da wir uns erst Samstagmorgen treffen. Was aber okay ist, weil wir das selber so überlegt haben. Die Fahrtkosten und so… (Wir haben Spielewochenende und treffen uns in der Mitte, alles andere würde sich kaum lohnen.) Ich wünsche mir mehr gemeinsamen Alltag, das wäre schön.

12:12 – make a wish

Jetzt ist das neue Jahr da: 2012. Und natürlich habe auch ich ein paar gute Vorsätze. Ein paar Kilos runter, mehr Ordnung, mich im Job mehr konzentrieren…

Aber Frau Jolijou und Bine haben nicht nach guten Vorsätzen, sondern nach Wünschen gefragt, als sie das neue Fotoprojekt 12:12 ins Leben gerufen haben. “make a wish” lautet das erste Motto nämlich, und da ist mein größter Wunsch fürs neue Jahr ganz klar:

Seit inzwischen 10 Monaten leben der Held und ich nun schon aus beruflichen Gründen getrennt, in einer Wochenendbeziehung, in der einer ständig fahren muss und der andere warten. Ich wünsche mir, dass der Held und ich wieder zusammen sein können. So ganz alltäglich und nicht nur an den Wochenenden. Ich wünsche mir wieder eine gemeinsame Wohnung, dort oben in der Nähe der Münsteraner. Die können wir dann gemeinsam einrichten, zum ersten Mal, denn beim letzten Mal ist er ja in meine schon fertig eingerichtete Wohnung dazugekommen. Ich wünsche mir, dass wir den Tatort am Sonntag tatsächlich gemeinsam schauen, nicht nur verbunden über unsere Smartphones (auch wenn das ein tolles Ritual geworden ist). Ich wünsche mir, dass ein “Ich fahr jetzt los” heißt, dass er in zehn Minuten zuhause ist und nicht in fast 2 Stunden. Dass jemand da ist, wenn ich abends später nach Hause komme. Und dann – wenn wir DAS geschafft haben – dann wünsche ich mir vielleicht auch ein bisschen Dreisamkeit

Wochenende

“Tschüs, bis Montag!” – Mann, das klingt viel zu nah dran schon wieder…
Ab ins Auto – Mr. Nüvi sucht sich Empfang.
Ganz schön was los heute, so im Feierabendverkehr. Wieso schickt mich denn das Navi hier entlang?
Stau auf der A40. Wie überraschend. Danke Navi.
Cholerische Anfälle in Bochum.
“Ankunft am Ziel auf der rechten Seite.” – Mr. Nüvi schuldet mir 25 Minuten Lebenszeit.
Begrüßung. “Ich möchte NICHT darüber reden!” Erst mal drücken.
Sturmfreie Bude. Schade eigentlich.
“Small World” kann man auch zu zweit spielen.
Eindösen auf dem Sofa. Gehen wir doch heute mal früh ins Bett.

Aufwachen. Kurz vor neun. Super, ausgeschlafen.
Frühlingswetter. Fast schon sommerlich.
Erst mal in aller Ruhe frühstücken.
Geburtstagsgeschenk kaufen. Ein großartiger Laden dort im Dorf.
Cachen fahren. Acht Caches finden. Pizza/Döner essen. Neue Leute treffen.
Heimfahren. Füße tun weh.
Noch etwas fernsehen.
Ab ins Bett.

Aufwachen. Es ist halb 11. Hui.
Frühstücken, duschen, rumtrödeln.
“Wikinger spielen”, zu viert. Ein schönes Spiel.
Eine Folge “Als die Tiere den Wald verließen”, nachdem wir den DVD-Player verstanden haben.
Kochen. Asiatischer Nudelauflauf – lecker und kommt gut an.
Fahren. Es regnet. Grönemeyer singt. “Es geht mir auf den Keks, das Leben unterwegs.”
Daheim. Allein. Tatort schauen.

Schon wieder vorbei, das Wochenende.

Heute

Heute knabbert es an mir. Heute ist die Wohnung größer als sonst und mein Held weiter weg. Gefühlt zumindest. Heute streife ich ohne Plan vom Wohnzimmer über die Küche ins Schlafzimmer und räume mal hier, mal dort etwas von einer Ecke in die andere. Ich vermisse meinen Helden, heute zum ersten Mal. Immerhin, fast eine Woche habe ich es ausgehalten. Wir sehen uns aber auch erst in einer Woche wieder.

Dick belegte Brote, heiße Chocomel aus Holland aus der Maulwurfstasse, eine süße Kiwi. Jetzt eine Serie in den DVD-Player. Ich bastle mir mein kleines Glück. Das geht schon.

Nur vier Wochen

Heute sind es noch vier Wochen, die vor uns liegen. Vier Wochen – ein Monat – der Februar, und das ist noch der kürzeste aller Monate. In vier Wochen wirst du nicht mehr bei mir wohnen.

Keine Frage, ich freue mich, dass du eine Chance bekommst. Das du einen Job in Aussicht hast nach diesem Praktikum, dass endlich eine Perspektive in Sicht ist. Und ich weiß, du hast dich auch ganz woanders beworben. Es hätte schlimmer kommen können. Und du bist ja nicht aus der Welt.

Trotzdem… Ich mag nicht wieder allein sein. Ich habe schon allein gewohnt hier, und ich erinnere mich noch gut daran, dass ich jeden Abend traurig war, wenn ich allein ins Bett musste. Am vergangenen Wochenende war es sehr schön, die Wohnung einmal ganz für mich zu haben – aber ich wusste, dass du abends wieder da bist. Ich schlafe besser, wenn du neben mir liegst, und ich fahre lieber nach der Arbeit heim, wenn du dort auf mich wartest. Telefonate sind kaum ein Ersatz.

Wochenendbesuche – ich erinnere mich gut. Es war schön, die Zeit gemeinsam zu verbringen, aber es war auch anstrengend. Alles andere blieb liegen, damit man die gemeinsame Zeit möglichst gut nutzen konnte. Frisörbesuch? Nee, der Held ist doch da. Badezimmer putzen? Nee, du fährst doch zum Helden. Eigentlich Bock, den Abend mit der besten Freundin zu telefonieren? Nee, du musst doch die Zeit mit dem Helden optimal ausnutzen.

Ich möchte keine Wochenendbeziehung, aber wir werden nicht drumherum kommen. Zumindest für einige Monate. Und dann? Wer weiß, wo ich Arbeit finden werde. Natürlich werde ich bei dir in der Ecke suchen. Da wollte ich doch schon von Anfang an arbeiten, eigentlich. Aber ob das klappt? Dein Praktikum muss ja auch erst mal gut laufen, damit du übernommen wirst.

Hach. Der Mensch hat auch immer was zu meckern. Ich weiß noch, dass du Angst hattest, wie es wird, wenn wir zusammenziehen. Und? Es klappt ganz wun-der-bar. Wir streiten uns nicht mal darüber, welches Klopapier wir kaufen (ja – du weißt, das war immer meine größte Sorge). ABER vorher hat es auch geklappt. Und ein Fuchs muss eben tun, was ein Fuchs tun muss…

Noch vier Wochen. Ich will nicht, dass du weggehst…