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Always choose the bigger life.

Im Podcast “Happier” von und mit Gretchen Rubin* ging es kürzlich darum, wie man mit schwierigen Entscheidungen umgeht. Im Beispiel ging es darum, ob ein Hund angeschafft werden sollte. Die Pro- und Contra-Liste war dabei recht ausgewogen. Ein Hund macht glücklich, sorgt für mehr Bewegung, kann die Familie zusammenschweißen und den Kindern Verantwortung beibringen – ein Hund macht Arbeit, kostet Zeit und Geld, ist eine jahrelange Verantwortung. Wie entscheidet man sich in so einem Fall?

Ich denke, jeder von uns stand schon mal vor so einer Entscheidung. Meistens handelt es sich dabei um wirklich große und wichtige Themen. Jobwechsel, Hauskauf, oder vielleicht ging es auch mal um Liebesdinge? Man wägt ab, schreibt Listen, ist hin- und hergerissen. Montags ist man noch sicher, dass Entscheidung A die richtige ist, aber Mittwoch führt vermeintlich kein Weg mehr an Entscheidung B vorbei. Ich selbst bin da auch sehr groß drin. Es ist einfach schwierig.

Gretchen Rubins Antwort klingt erst einmal simpel: “Always choose the bigger life”. Entscheide dich immer für das größere Leben. Triff die Entscheidung, die dein Leben reicher macht, deinen Erfahrunsschatz erweitert, deine Welt vergrößert. Dabei muss diese Entscheidung nicht zwangsläufig offensichtlich sein. Um auf das Beispiel mit dem Hund zurückzukommen: Hier ist es keineswegs eindeutig, dass die Entscheidung für den Hund das Leben größer macht, auch wenn es erst einmal so wirkt. Vielleicht möchte die Familie viel reisen und von der Welt sehen, sehr flexibel sein und Abenteuer erleben. Dabei ist ein Hund oft eher hinderlich. Man muss also ein bisschen in sich gehen und überlegen, was man vom Leben erwartet und wie es reicher würde. Und sich dann für das größere Leben entscheiden.

An großen Entscheidungen mangelt es in meinem Leben derzeit nicht, und ich versuche, “Choose the bigger life” immer zu bedenken. Aber auch im Alltag finde ich das ein wunderbares Lebensmotto. Raus aus der Komfortzone! Zum Beispiel hätte ich liebend gern am Zeit-Projekt “Deutschland spricht” teilgenommen, bei dem Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten aufeinandertrafen. Ich habe mich aber nicht getraut, mich anzumelden – schade, dass ich die Podcast-Folge erst danach gehört habe. Denn ein Gespräch mit einem Menschen außerhalb meiner “Filterblase” hätte mein Leben sicherlich größer gemacht, auch wenn ich große Angst gehabt hätte.

Beim nächsten “Soll ich oder soll ich nicht” werde ich es mir also wieder einmal vor Augen halten: Choose the bigger life! Etwas ist aufwändig, aber man wollte es schon immer mal probieren? Choose the bigger life! Alle finden etwas toll, aber du kannst dir nicht vorstellen, dass es wirklich so toll ist? Choose the bigger life! Ich bin gespannt, wohin mich dieses neue Lebensmotto noch führen wird…


* Gretchen Rubin ist Autorin so schöner Bücher wie Das Happiness Projekt oder Erfinde dich neu. Der Podcast “Happier” geht es um Gewohnheiten und kleine “Life Hacks”, die das Leben glücklicher und einfacher machen sollen.

Gerade jetzt #3

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich? Und was könnte ich mir Ostern von meiner Mama zu Essen wünschen?

Gerade jetzt…

denke ich tatsächlich und ernsthaft darüber nach, ob wir uns einen Hund anschaffen. Der Held wäre dabei, allerdings wissen wir nicht, was unsere Vermieter davon halten und außerdem ist unser Bürohund nicht mit anderen Hunden kompatibel und daher wüssten wir nicht so recht, wohin tagsüber.

mag ich den Sonnenschein!

mag ich nicht die Tatsache, dass so viele meiner Kollegen krank sind und ich somit morgens extra früh im Büro sein muss.

fühle ich mich aktiv, energiegeladen und voller Pläne. Das muss der Frühling sein!

trage ich endlich wieder Chucks!

brauche ich Geduld und Optimismus.

höre ich ziemlich viel Irish Folk-Rock – hat dieses Genre einen offiziellen Namen?

mache ich geheime Kleinigkeiten im Näh- und Bastelzimmer – Überraschungen für die verschiedensten Menschen! Währenddessen schiebe ich Möbel von links nach rechts, die optimal-perfekte Einrichtung für das Zimmer habe ich nämlich noch nicht gefunden.

lese ich schon wieder ein Buchclub-Buch: “Die Berufene” von M. R. Carey. Das ist wirklich unglaublich spannend und ich werde noch einen Artikel dazu schreiben!

trinke ich Kaffee mit aufgeschäumter Milch, zumindest am Wochenende. Beim Umzug ist mir ja der Induktionsmilchaufschäumer wieder in die Hände gefallen und ich genieße es, selbst gemachten Latte Macchiato zu schlürfen und dabei noch ein, zwei, siebenundzwanzig Seiten in meinem Buch zu lesen.

vermisse ich Münsteraner, die mit mir Bouldern wollen. Anyone?! Ich bin einfach so wenig ehrgeizig, wenn ich allein in der Halle bin! Dann gebe ich nach dem 3. erfolglosen Versuch einer Route auf. Obwohl man doch weiß, dass das beste Gefühl ist, wenn man nach zahllosen Fehlversuchen endlich den Top erreicht!

schaue ich mit dem Helden Modern Family, Babylon 5 und die neue Staffel Broadchurch auf ITV. Für mich selbst habe ich gerade die 3. Staffel Mr. Selfridge beendet und weiß noch nicht ganz, was als nächstes kommen soll.

träume ich von einem neuen Tattoo (Terminanfrage ist gestellt – aber beim letzten Mal habe ich keinen Termin bekommen, das heißt also nichts) und vom Sommerurlaub!

Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

Die feine Kunst der Unproduktivität

“Brrrrrt”, brummt das Smartphone. “Brrrt-brrrt-brrrrrrrt”, vibriert analog der neue Fitnesstracker, der sich mit “Smartwatch-Features” rühmen kann. Immerhin muss ich das Handy nun nicht extra zur Hand nehmen, um festzustellen, dass ich einen Termin habe. Den dritten diese Woche. Oder vierten? Kommt drauf an, was man alles als Termin zählt, nehme ich an. Bouldern, Stammtisch, eine Geburtstagseinladung – alles Spaß, alles Stress. Freizeitstress. Dazwischen kommen die ganzen “Eigentlichs”. Eigentlich müsste man mal wieder. Da fällt ja so ungefähr alles drunter, von “zum Zahnarzt gehen” über “alte Freunde anrufen” bis hin zu “früher ins Bett gehen”.

Ein voller Terminkalender ist mittlerweile Standard, das merke ich, wenn ich mich mit jemandem verabreden will. Wie mit der Freundin, die ich im Oktober treffen wollte, dann im November, mittlerweile ist das Treffen auf unbestimmte Zeit verschoben (ich winke hier mal unauffällig rüber – es ist immer noch Saunazeit, meine Liebe!). Aktivität ist positiv, Produktivität ist Alltag. Selbst beim Seriengucken wird es doch heutzutage produktiv – schnell, die neue Staffel von der Lieblingsserie rein-bingen, damit wir den Anschluss bei der anderen Serie nicht verpassen, und einen Haken dranmachen können! Ich nehme mich da nicht aus, gerade bei Serien leide ich unter einem schweren Fall von #Fomo, mir fällt es wirklich schwer, Serien abzubrechen oder als “Interessiert mich nicht” abzulegen, insbesondere, wenn alle Welt begeistert ist. Und die ständige Verfügbarkeit von ganzen Staffeln ist zwar ganz schön, setzt aber auch unter Druck. Angst vor Spoilern! Mitreden können! Aber ich schweife ab.

Denn eigentlich geht es mir um Unproduktivität und das Gefühl, wie gut es tun kann, einmal völlig absichtlich gar nichts zu tun. Oder etwas, das kein Ziel hat. Zeit mit sich allein zu verbringen. Zeit nicht effizient zu nutzen – wie wir es tun, wenn wir in der Schlange im Supermarkt eben Instagram checken oder auf dem Weg ins Büro ein Hörbuch hören, das wir sonst nie gelesen kriegen würden, weil die Zeit fehlt. Sondern im Gegenteil: Zeit zu verschwenden, indem wir sie eben nicht nutzen. Denn diese Zeit ist nicht verschwendet, und wir tun nicht “gar nichts”. Wir laden unseren Akku auf, gewinnen vielleicht Selbsterkenntnis oder Ruhe. Ich persönliche verspüre nach solch “verschwendeter Zeit” oft ein wohliges Gefühl von Zufriedenheit und bemerke plötzlich ein Lächeln in meinem Gesicht – ob ich mir nun fünf Minuten oder eine Stunde gegönnt habe, oder auch mal einen ganzen Tag. “Mental Health Day” habe ich kürzlich gelesen – klingt ja auch besser als “schluffiger, fauler Sonntag”! 😉 Jedenfalls tut es mir gut, nichts zu tun. Eindeutig ein Grund, es weiterzuempfehlen!

Inspiriert von diesem Blogpost habe ich aufgeschrieben, was ich gern so unproduktives mache. Manches davon könnt ihr jetzt direkt, right now, einfach mal ausprobieren -anderes dauert etwas länger:

  1. Einen Spaziergang machen
  2. Ohne Kopfhörer
  3. Und ohne zu fotografieren, wenn dir ein Motiv über den Weg läuft
  4. Aus dem Fenster schauen
  5. Die Musik ausschalten
  6. Eine Zeitschrift durchblättern
  7. Das Fenster öffnen und die frische Luft einatmen
  8. Ein Buch lesen, das man schon kennt
  9. Oder einen Film schauen, denn man schon oft gesehen hat
  10. Ohne Smartphone-Ablenkung
  11. Ein Foto bewusst nicht machen
  12. Eine Email an Freunde schreiben – noch besser einen Brief, aber wir wollen realistisch bleiben
  13. Aufstehen und eine Runde durch die Wohnung gehen
  14. Auf dem Sofa sitzen. Die Wohnung anschauen.
  15. Eine Tasse Kaffee trinken
  16. Deine/n Liebste/n umarmen
  17. Atmen
  18. Bewusst Musik hören
  19. Eine Liste mit Ideen aufschreiben, was man schon lange mal machen wollte
  20. Nichts davon heute machen
  21. Oder nur etwas, was wirklich Freude macht

Wie nutzt ihr eure Zeit am liebsten unproduktiv?

Gerade jetzt #2

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich? Und muss ich heute eigentlich das Altpapier oder den gelben Sack an die Straße stellen?

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Gerade jetzt…

denke ich über Weihnachtsgeschenke nach. Ich habe erst eins, und das auch nur, weil die Person sich explizit etwas bestimmtes gewünscht hat. Außerdem schenken der Held und ich uns wieder gemeinsam ein großes Lego-Gebäude. Aber sonst? Keine Ahnung.

mag ich unsere neue Wohnung so gern! Es ist so gemütlich und ich freue mich sehr, dass jetzt endlich alles fertig ist.

mag ich nicht mehr mich mit Kundendiensten herumschlagen. Jedenfalls soll mir bitte keiner mehr mit dem Wort “Alma-Küchen” kommen.

fühle ich mich gemütlich, adventlich, mit Lust auf Weihnachtsfilme, Tee und Plätzchen.

trage ich Strumpfhose unter der Jeans, weil es echt kalt geworden ist. Außerdem natürlich dicke Schuhe, noch dickere Handschuhe und die super-reflektierende Fahrradjacke.

brauche ich Zeit für mich, und die nehme ich mir auch.

höre ich Weihnachtslieder, das Weihnachtsoratorium und auf dem Fahrrad wie üblich Podcasts – derzeit meist “Note to Self”.

mache ich regelmäßig einen Essensplan! Da ich es einfach nicht schaffe, das wöchtenlich zu machen, hat sich folgender Rhythmus eingebürgert: Der aktuelle Essensplan läuft aus, wir haben keinen neuen, ich bin nach drei Tagen genervt, weil wir nie wissen, was wir kochen sollen. Also setze ich mich hin, habe superviele Ideen, mache einen Essensplan für direkt drei Wochen und hab dann erst mal Ruhe. Dann läuft der Essensplan irgendwann wieder aus und alles geht von vorne los!

lese ich bald das neue Buch für den Buchclub, nämlich “Alles Licht, das wir nicht sehen” von Anthony Doerr.

trinke ich Kaffee. Aber bald ist Glühwein-Zeit – immerhin spielen die Temperaturen da schon mal mit!

vermisse ich Fensterbänke. Die neue Wohnung hat fast keine und das macht das weihnachtliche Dekorieren doch etwas schwieriger!

schaue ich mit dem Helden Modern Family, Babylon 5 und bald die zweite Staffel Gotham. Und für mich selbst jetzt noch die letzten Gilmore Girls-Folgen (auch wenn ich die neuen jetzt schon gesehen habe) und danach vielleicht The Crown?

träume ich von einer weißen Weihnacht… Neeeein, auf gar keinen Fall! 😉 Ich träume von meinem Plänen fürs kommende Jahr, von einem neuen Tattoo (vielleicht), von tollen Urlauben und wen ich alles besuchen möchte.

Ach übrigens, es ist das Altpapier. Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

Gilmore Girls, Fahrradlicht und ein paar Blog-Gedanken.

Ich bewundere ja immer die Bloggerinnen, die es schaffen, täglich zu bloggen. Frau Brüllen zum Beispiel. Oder ganz generell die, die mich mit ihren ganz normalen Alltagsgeschichten faszinieren. So wie Suomalainen Päiväkirja, Frische Brise oder Leitmedium auf vier plus eins. Alle haben sie kein “festes” Thema, sondern sind eher klassische Tagebuch-Blogs. Vielleicht würde man heute Familienblogs sagen, aber es gibt sicher auch genug Menschen, die ohne Kinder über ihren Alltag schreiben. Ich mag ihren Stil, ich lese gern ihre im Prinzip völlig irrelevanten Geschichten über Kleinigkeiten, die ihnen im Leben halt so begegnen.

Jedenfalls bin ich immer top-motiviert, das auch einfach so zu machen. Euch zu erzählen, dass ich es nicht geschafft habe, in einer Woche 31 Folgen Gilmore Girls zu schauen und somit immer noch 27 Folgen fehlen, bis morgen die neuen Folgen auf Netflix starten. Wie ist das eigentlich? Kommen alle auf einmal? Oder muss man wieder warten zwischen den Folgen, so wie früher, als ich die Folgen alle im Fernsehen geschaut habe? Als ich immer exakt im gleichen Lebensabschnitt wie Rory war und mich so, so verstanden gefühlt habe? Als meine WG-Freundin und ich nach der Uni zusammen im WG-Wohnzimmer saßen und uns, wenn es mal nicht klappte, per SMS auf dem Laufenden gehalten haben (einen Videorecorder hatten wir nicht und so gab es kein “nachträglich schauen”)? Ich erinnere mich noch genau an den Inhalt einer dieser Nachrichten: “LUKE UND LORELAY HABEN SICH GEKÜSST!!!” Es war sehr aufregend.

Ich könnte auch von meinen Fahrradplänen erzählen – ich habe ja momentan ein “Sommerfahrrad” und wollte mir im Herbst eigentlich ein neues kaufen. Nun kam aber ein Umzug mit dem einen oder anderen Kostenpunkt dazwischen, und gleichzeitig meinte ein Kollege: “Wieso willst du dir denn ausgerechnet im Herbst ein neues Rad kaufen? Nimm doch das günstige mit über den Winter, wo es nass und dreckig werden kann, und kaufe dir dann ein neues, wenn’s wieder schön ist draußen?” Und während ich immer noch die Idee eines Sommer- und eines Winterfahrrads mag (und außerdem hoffe, im Winter vielleicht ein günstiges Schnäppchen machen zu können, vielleicht nach Weihnachten, weil es außerhalb der Saison ist), fahre ich also erst mal noch mit meinem Sommerfahrrad. Das Problem: Das Sommerfahrrad hat nur einen stinknormalen Dynamo, das Frontlicht ist ein hübscher Nostalgie-Scheinwerfer, aber etwas funzelig, und wenn es regnet oder matschig ist, geht das Licht nicht. Nicht so hilfreich! Nun habe ich mir ein extra Aufstecklicht besorgt und bin wieder sicher unterwegs. Ein paar Tage war es allerdings ziemlich (viel zu!!!) aufregend. Immerhin habe ich meine Reflex-Jacke wieder an und bin so ziemlich gut von Autos sichtbar. Habe ich eigentlich mal erwähnt, dass tatsächlich an der Hauptstraße mal ein Autofahrer angehalten hat, ausstieg und auf mich zukam? Ich war sehr irritiert, aber er war ganz begeistert von meiner Jacke. “Ich habe Sie schon öfter gesehen auf dem Heimweg nach Feierabend und MUSS Sie das jetzt fragen: Wo gibt es denn SO eine tolle Jacke?”

Dann könnte ich noch von meinem Ärger mit Alma Küchen, von unserer tollen neuen Wohnzimmerlampe, von der Wichtel-App, die ich für die Schwiegerfamilie ausprobiert habe oder von meinem ersten Besuch eines Poetry Slams erzählen. Vielleicht mache ich das einfach mal. Und bringe Alltagsgeschichten mit. Ohne Fotos. Ich erzähle gern und bearbeite Fotos ungern. Das ist eigentlich ein sehr, sehr gutes Argument. Im Prinzip das beste Argument von allen.

Vom Gönnen.

“Gönnen Sie sich was”, sagt die Ärztin zu mir. Ich bin zu ihr gegangen, weil es mir nicht gut geht. An der (Ur-)Sache können wir nichts ändern – nur an meinem Umgang damit. “Gönnen Sie sich etwas – belohnen Sie sich, kümmern Sie sich um sich selbst.”

Ein paar Monate ist das jetzt schon her. Und der Satz blieb hängen. Vor allem, weil es mir erst einmal so schwer fiel, mir etwas zu überlegen, was ich mir gönnen könnte. Alles, was mir einfiel, war Essen. Pizza, Weingummi, Lasagne und dazu ein leckerer Wein? Aber ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man nicht innerhalb eines Monats wie ein kleiner Kürbis auf Beinen durch die Gegend rollen will, sollte man diese Art des Gönnens auf Ausnahmefälle beschränken.

Das zweite, was mir einfiel: mir Dinge kaufen. Geld ausgeben für Sachen, die nicht wirklich nötig sind. Das habe ich auch probiert. So bin ich an ein wunderbares neues Fitness-Armband gekommen, eine neue Handyhülle durfte einziehen, und generell hab ich im Laden häufiger mal “was soll’s” gesagt und die Schuhe, die Zeitschrift, die Hose halt einfach gekauft. Die Strategie funktioniert – kurzfristig und wenn man nicht zu sehr auf das Bankkonto guckt.

Letzten Endes ist es aber so: Nachhaltig hilfreich sind nicht die materiellen Dinge, die ich mir gegönnt habe. Aufbauend, glücklich machend, ablenkend und motivierend ist eine neue Einstellung. Ich gönne mir die Zeit, das zu tun, was ich tun möchte. Ohne nach Ausreden zu suchen oder etwas generell als zu schwierig oder unmöglich abzutun. Ich habe mir Konzertkarten einfach gekauft, auch wenn das Konzert noch so weit in der Zukunft lag, dass es mir absurd vorkam (jetzt sind es nur noch 3 Wochen!). Ich habe nicht gebloggt, wenn mir nicht nach Bloggen war. Ich habe früh Feierabend gemacht und bin in die Stadt gefahren, habe mir ein Eis geholt und bin durch die Geschäfte gebummelt – einfach so, mitten in der Woche. Ich habe im Urlaub keine Fotos gemacht, nicht darüber gebloggt, und kein Album gestaltet (womit auch?). Ich habe nicht einmal Postkarten geschrieben (sorry!). Ich bin Wandern und Spaziergen gegangen, bin in neue Innenstädte gefahren, war in der Sauna, habe neue Rezepte ausprobiert (mit wechselndem Erfolg) und das Bouldern als neue Sportart für mich entdeckt.

Am hilfreichsten war für mich nämlich die Erkenntnis, dass man gar nicht lange planen muss. Es ist gar nicht immer so leicht, zu erkennen, was einem wirklich gut tut. Aber was mir nicht gut tut, sind vollgepackte Wochenenden und jeden Abend ein neuer Termin. Hingegen spontan am Wochenende zu entscheiden, irgendwo hinzufahren – das ist was ganz anderes. Und deswegen ist mein Vorsatz für die nahende Weihnachtszeit auch: Möglichst wenig Termine. Vielleicht versende ich spontan ein paar Weihnachtskarten – vielleicht auch nicht. Vielleicht backe ich Plätzchen – vielleicht nicht. Mal sehen, worauf ich Lust  habe – und was ich mir gönnen möchte.

Guten Morgen, liebe Sorgen – ein Fazit der Aufsteh-Challenge

Morgens im Bett. Du kuschelst dich noch mal in deine Bettdecke. Sie ist warm, weich, wohlig. Am liebsten würdest du sie über den Kopf ziehen, um das Licht auszusperren. Aber das würde nicht reichen, denn neben dem Licht stört dich noch etwas anderes: Es dudelt auf dem Nachttisch vor sich hin. Mit blinzelnden Augen tastest du danach. Dein Smartphone, dein Wecker. Aufstehen! Zeit, in den Arbeitstag zu starten!

Wie geht die Geschichte bei euch weiter? Für mich gab es bis vor kurzem nur eine Fortsetzung: Snooze. Ja, ich bin bekennende Langzeitsnoozerin, Gleitzeit macht’s möglich. Doch irgendwann nervte mich das ganz enorm und ich rief – nur für mich allein – im April die Aufsteh-Challenge ins Leben. Anfangs war ich hochmotiviert und hielt euch tagesgenau auf dem Laufenden. Das hat nicht lang gehalten. Dennoch hat sich mein Verhalten am frühen Morgen verändert, auch vier Monate später noch. Davon möchte ich heute berichten.

Mit dem ersten Weckerklingeln aus dem Bett springen – das war mein Ziel. Schon im Laufe der ersten paar Tage justierte ich das zu einem freundlichen “1-2 mal kann man schon snoozen, oder?”. Ich schaffe es nicht, direkt hellwach zu sein. Muss ich auch nicht. Wie gesagt, ich will nicht unbedingt zur Frühaufsteherin mutieren. Doch der Wecker klingelt nach wie vor um 7 Uhr und das Snoozen ist auf zwei Versuche begrenzt. Dann erwartet die Wecker-App, dass ich eine kleine Aufgabe löse (Multiplikation vor 8 Uhr ist besonders unangenehm), und schaltet sich ab. Jetzt ist es mein Job, aufzustehen.

Zugegeben: Das mache ich immer noch nicht sofort. Ich mache meist Musik an. Normalerweise hätte ich jetzt Twitter, Instagram oder Facebook gecheckt und so viel Zeit verdaddelt. Das ist nicht mehr so. Soziale Medien im Bett sind verboten! Zumindest morgens. Die Facebook-App habe ich gar nicht mehr. Die Benachrichtigungen von Twitter und Instagram habe ich abgeschaltet. Ich starte eigentlich nur die Wetter-App, um zu überlegen, was ich anziehen soll. (Denn nein, natürlich lege ich mir meine Klamotten für den Tag immer noch nicht am Abend vorher raus!)

Ich stehe nicht jeden Tag zur gleichen Zeit auf, sondern entscheide das jeden Morgen neu. Es regnet, aber laut Wetter-App hört es in einer Stunde auf? Okay, dann wird das mal ein später Tag im Büro, dafür komme ich trocken zur Arbeit. Ich bin heute so müde, dass es keinen Zweck hat? Ok, bleib noch was liegen, aber nicht wieder einschlafen! Und das funktioniert. In der Regel bin ich heute zwischen 8:15 und 8:45 Uhr im Büro, wobei letzteres schon eher eine Ausnahme ist. Vor der “Challenge” war es 9 Uhr. Das klingt nicht viel. Aber trotzdem: Ich fühle mich besser, weil ich kein schlechtes Gewissen habe und mich tatsächlich morgens nicht mehr hetzen muss. Ich fühle mich trotzdem nicht gequält, weil ich weiß, im Zweifel bleibe ich halt noch eine halbe Stunde liegen. 9 Uhr GEHT ja immer noch, es ist nur nicht mehr die Regel, sondern eine Ausnahme.

Fazit: Es ist erheblich besser. Die zwei Hauptgründe sind das Snooze-Limit und das Social Media-Verbot. Ich bin eher wach, weil ich nicht noch fünfzehn Mal snoozen kann. Und ohne Twitter oder Instagram ist es morgens einfach langweilig im Bett! Dazu noch Musik und schon kann der Tag starten.

Menden, 1994/1997.

Menden, 1994

Die Musikbox meines Onkels konnte sicherlich um die 80 Platten abspielen, aber wenn ich da war, wählte ich immer nur zwei aus: “The Sound of Silence” oder “Over in the Glory Land”, denn das waren die einzigen Lieder, die ich mit meinen zehn Jahren kannte. Die Musikbox leuchtete, und ein Greifarm legte automatisch die Platte auf, wenn man eine Zahl und einen Buchstaben drückte.

Der Flipper stand im gleichen Raum. Der Flipper! Ein eigener Flipper, und eine Musikbox. Stundenlang versuchte ich, Flipper-Rekorde zu knacken. Wenn man zu fest gegen den Flipper stieß, ertönte ein lautes Quäken und die Hebel blockierten für kurze Zeit. Ärgerlich. Aber dann das Gefühl, am Metallgriff zu ziehen, bis die Feder zurückschnellte und die schwere Metallkugel nur so ins Spielfeld hineinschoss. Die Knöpfe, weiß aus Kunststoff – ich fühle sie noch unter den Fingern, und höre ihr leises Klacken. Das Blinken und Aufleuchten, die Sonderpunkte und die diebische Freude, wenn die Kugel zwischen den Bumpern gefühlte Ewigkeiten hin- und herprallte, ohne herunterzurollen, und der Punktezähler hochschnellte. Das metallische Klingeln der Bumper.

Die erreichten Punkte notierte ich akribisch in meinem Tagebuch. 29.270, 32.720 und einmal gar 58.700 Punkte, das absolute Highlight. Im Tagebuch zeichnete ich den Flipper auch auf, er war blau und hatte ein Tauchermotiv. Darüber hinaus existiert in unserem Haushalt kein einziges Foto von diesen Geräten. Erstaunlich, wo ich doch sonst so ziemlich alles fotografiert habe.

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Menden, 1997.

Ich verbringe die Ferien immer noch gern bei meiner Tante und meinem Onkel. Ich bewundere meine älteren Cousins, die schon fast erwachsen sind und in deren Freunde ich mich regelmäßig verliebe. Ich darf lange aufbleiben, viel länger als zuhause – eigentlich, solange ich möchte. Und im Gästezimmer steht ein eigener Fernseher, auf dem ich bis spät in die Nacht Filme schaue. Ich bin 13 Jahre alt und sitze mit meiner Tante abends lange im Wohnzimmer. Wir sehen fern, und danach wir unterhalten uns, und regelmäßig sagt sie “Eine rauche ich noch, dann gehe ich ins Bett.” Es ist spät, Mitternacht ist lange vorbei, aber ich halte dem Atem an und hoffe, dass sie es vergisst. Und tatsächlich, eine halbe Stunde später schaut sie auf die Uhr und sagt “So – eine rauche ich noch, dann gehe ich ins Bett.” Zu meinem größten Glück wiederholt sich das mehrfach. Und egal, wie müde ich werde, ich würde an diesem Abend nie freiwillig ins Bett gehen, wenn ich doch stattdessen hier sitzen kann, zwei Erwachsene, die gemeinsam den Abend verquatschen.

Heute kann ich mich an kein einziges unserer nächtlichen Gespräche mehr inhaltlich erinnern. Das Gefühl, das ist hängen geblieben: ernst genommen werden. Als erwachsener Gesprächspartner behandelt werden.

Gerade jetzt #1

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Zuerst hier aufgeschrieben, ab jetzt vielleicht häufiger mal zwischendurch. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich?

rickscafe

Gerade jetzt…

denke ich eigentlich die ganze Zeit nur an unsere neue Wohnung und wie wir sie einrichten werden! Die Küche haben wir schon ungefähr 5 mal umgeplant und es macht riesig Spaß. Am Wochenende wird es wieder in die Möbelhäuser gehen!

mag ich den Frühling! Es sprießt und wird überall grün, und die Sonne scheint. Das macht mich so glücklich!

mag ich nicht so gern meine Haare, deshalb habe ich am Samstag einen Termin beim Frisör.

fühle ich mich optimistisch, motiviert und topfit. Das macht der Frühling mit mir!

trage ich leider immer noch Handschuhe auf dem Fahrrad morgens. Und meistens auch abends.

brauche ich noch sehr viel Kraft, um morgens pünktlich aus dem Bett zu kommen. Aber ich setze fest darauf, dass Gewohntheit daraus wird.

höre ich immer noch “Hamilton”, das Musical über den amerikanischen Gründungsvater. Außerdem Podcasts – am liebsten “Dear Hank and John” und ganz neu für mich “My brother, my brother and me“.

mache ich mich fit und mir selbst dicke blaue Flecken beim Bouldern. Es macht so viel Spaß! Ich glaube, ich habe endlich den perfekten Sport für mich gefunden.

lese ich bald das neue Buch für den Buchclub: Die Widerspenstigkeit des Glücks von Gabrielle Zevin.

trinke ich jeden Tag eine Kanne Früchtetee im Büro, am liebsten “Persischer Granatapfel” von Teekanne.

vermisse ich Urlaubstage! Aber bald kommt ja der Mai mit seinen vielen Feiertagen und im Juni haben wir dann tatsächlich Urlaub.

schaue ich mit dem Helden die zweite Staffel Better Call Saul, und allein noch mal die alten Gilmore Girls-Folgen durch, bevor ja dann irgendwann die neuen rauskommen sollen. Ich freue mich schon!

träume ich nachts wirre Wohnungsträume und tags … eigentlich auch. Nur nicht ganz so wirr. 😉

Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

Die Aufsteh-Challenge – ein Zwischenbericht

Tag 1:

Ich habe abends natürlich keine Klamotten rausgelegt. Ich bin aber schon vor dem Wecker so halbwach. So geht es mir immer, wenn ich weiß, dass ich pünktlich rausmuss. Es ist dann das erste, an das ich morgens denke, und ich schlafe nicht mehr so entspannt. Hilft beim Aufstehen, ist aber für die Schlafqualität wahrscheinlich gar nicht mal so geil.

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Als um 7 Uhr der Wecker klingelt, darf ich noch einmal snoozen, habe ich beschlossen. Es fällt mir schwer, nicht auf Instagram oder Twitter zu klicken, wenn ich doch sowieso schon wach bin. Ich bleibe noch 5 Minuten liegen und stehe dann – noch vor dem Snooze-Klingeln – tatsächlich auf, auch wenn ich matschig bin.

Unter der Dusche fällt mir eine Schwachstelle des Plans auf: Ich finde nichts gemütlicher, als sich nach dem Duschen noch mal ins warme Bett zu kuscheln. Tja, mache ich aber nicht. Ich ziehe mich an und dann kommt die zweite Schwachstelle: Ich muss mir die Haare föhnen. Ich hasse Haare föhnen! Aber auch diese Hürde wird erfolgreich genommen. Ich habe sogar noch Zeit, mir die Nägel zu schneiden und ein bisschen im Wohnzimmer die Unordnung vom Vorabend zu beseitigen.

Eine knappe Stunde früher als sonst komme ich aus dem Haus. Auf dem Weg zur Arbeit halte ich an, um ein paar Fotos für Instagram zu machen. Das habe ich in letzter Zeit immer gelassen, weil ich schon so spät dran war – schön, es jetzt wieder zu können! Um Punkt 8:05 Uhr bin ich am Büro – das ist exakt eine Stunde eher als die letzten Tage! Die Kollegen schauen etwas verwirrt. 😉

 

Tag 2:

Heute fahre ich mit dem Auto zur Arbeit. Das weiß ich schon vorher. Ich werde um 7 Uhr geweckt, blinzle in den Morgen und bleibe noch ein paar Minuten liegen. Mit dem Auto brauche ich ja nicht so lang wie mit dem Fahrrad, denke ich mir.

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Wieder habe ich nicht daran gedacht, mir Kleidung rauszulegen. Aber es geht ja auch so. Die Hoffnung mit dem Auto erweist sich als Trugschluss, da um diese Zeit sehr viel Verkehr ist und ich etwa genauso lange wie  mit dem Rad brauche. Gut ist es trotzdem, denn es regnet wie aus Kübeln. Ich bin wieder gegen kurz nach 8 Uhr im Büro, und die Kollegen sind wieder verwirrt. Nachmittags gönne ich mir einen frühen Feierabend. Schließlich war ich jetzt schon 2 Tage lang früh da.

 

Tag 3:

Heute – Montag. Ich schlafe nicht sehr gut, und irgendwann bin ich wach und weiß, jetzt muss ich aufstehen. Ich versuche verzweifelt, mich wachzuhalten, bis der Wecker wieder snoozt, aber es ist sehr schwer. Ich stehe auf und gehe ins Bad, und wundere mich, dass der Held noch schläft. Sonst steht er vor mir auf. Ein Blick aufs Handy: Es ist 4.30 Uhr. Uaah, schnell wieder einkuscheln! Es ist schön, noch etwas schlafen zu können. Es zeigt mir aber auch, dass mich das Thema offenbar ziemlich beschäftigt und eine gewisse innere Anspannung verursacht. 😉

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Um 7 Uhr dann klingelt tatsächlich der Wecker und holt mich aus wirren Träumen über neue Wohnungen (wir mussten unter anderem einen Klimaanlagen-Makler beauftragen). Heute muss ich nicht duschen und bleibe daher tatsächlich noch ein paar Minuten liegen. Aber um 7.20 Uhr muss es auch genug sein. Und das Handy habe ich nicht angefasst. Stattdessem habe ich dem Helden, während er sich anzog, von meinem verrückten Traum erzählt. Sehr erstaunlich, denn eigentlich finde ich nichts schlimmer, als morgens zu reden. Oder generell zu reden, wenn ich müde bin.

Ratet mal, ob ich mir Klamotten rausgelegt habe? Natürlich nicht. Vielleicht wird das mein Ziel für die kommende Woche. Jedenfalls bin ich wieder zeitig im Büro und vielleicht muss ich den Kollegen doch irgendwann einmal erzählen, woran das eigentlich liegt. Auf dem Weg zur Arbeit will ich eigentlich noch ein Rezept in der Apotheke abholen – aber die hat noch geschlossen! Das ist mir bisher glaube ich noch nie passiert (sie öffnet um 8.15 Uhr).

 

Erstes Fazit

Unglaublich, aber wahr: Es geht! Und es macht mir immer noch Spaß. Nicht das Aufstehen an sich, natürlich. Aber so früh fertig zu sein und vor dem Losfahren sogar noch einige Kleinigkeiten zu erledigen. Nix dolles. Ich mache unsere Betten. Ich räume etwas zusammen. Heute früh wollte ich meine am Wochenende gekaufte neue Klingel ans Fahrrad montieren (bin aber an der Schraube der alten Klingel gescheitert). Das ist schön! Nicht so schön ist natürlich, wenn ich um 4.30 Uhr aufwache und meine, ich muss dringend aufstehen. Das zeigt mir aber auch, dass die Challenge noch neu ist in meinem Kopf und keine Routine. Mal sehen, ob die sich in den nächsten Tagen oder Wochen einstellt.

Ich bin dennoch jeden Tag etwas später aufgestanden. Immer noch viel früher als sonst, aber. Das sollte jetzt nicht einreißen… Morgen geht’s spätestens beim ersten Snoozeklingeln um zehn nach sieben aus den Federn.

Vielen Dank an euch alle für die vielen lieben Kommentare und Tipps zum ersten Beitrag. Ich denke über einen Lichtwecker nach – meint ihr, der ist die Investition wert?