Schlagwort-Archive: Das Bloggen an sich

Gilmore Girls, Fahrradlicht und ein paar Blog-Gedanken.

Ich bewundere ja immer die Bloggerinnen, die es schaffen, täglich zu bloggen. Frau Brüllen zum Beispiel. Oder ganz generell die, die mich mit ihren ganz normalen Alltagsgeschichten faszinieren. So wie Suomalainen Päiväkirja, Frische Brise oder Leitmedium auf vier plus eins. Alle haben sie kein “festes” Thema, sondern sind eher klassische Tagebuch-Blogs. Vielleicht würde man heute Familienblogs sagen, aber es gibt sicher auch genug Menschen, die ohne Kinder über ihren Alltag schreiben. Ich mag ihren Stil, ich lese gern ihre im Prinzip völlig irrelevanten Geschichten über Kleinigkeiten, die ihnen im Leben halt so begegnen.

Jedenfalls bin ich immer top-motiviert, das auch einfach so zu machen. Euch zu erzählen, dass ich es nicht geschafft habe, in einer Woche 31 Folgen Gilmore Girls zu schauen und somit immer noch 27 Folgen fehlen, bis morgen die neuen Folgen auf Netflix starten. Wie ist das eigentlich? Kommen alle auf einmal? Oder muss man wieder warten zwischen den Folgen, so wie früher, als ich die Folgen alle im Fernsehen geschaut habe? Als ich immer exakt im gleichen Lebensabschnitt wie Rory war und mich so, so verstanden gefühlt habe? Als meine WG-Freundin und ich nach der Uni zusammen im WG-Wohnzimmer saßen und uns, wenn es mal nicht klappte, per SMS auf dem Laufenden gehalten haben (einen Videorecorder hatten wir nicht und so gab es kein “nachträglich schauen”)? Ich erinnere mich noch genau an den Inhalt einer dieser Nachrichten: “LUKE UND LORELAY HABEN SICH GEKÜSST!!!” Es war sehr aufregend.

Ich könnte auch von meinen Fahrradplänen erzählen – ich habe ja momentan ein “Sommerfahrrad” und wollte mir im Herbst eigentlich ein neues kaufen. Nun kam aber ein Umzug mit dem einen oder anderen Kostenpunkt dazwischen, und gleichzeitig meinte ein Kollege: “Wieso willst du dir denn ausgerechnet im Herbst ein neues Rad kaufen? Nimm doch das günstige mit über den Winter, wo es nass und dreckig werden kann, und kaufe dir dann ein neues, wenn’s wieder schön ist draußen?” Und während ich immer noch die Idee eines Sommer- und eines Winterfahrrads mag (und außerdem hoffe, im Winter vielleicht ein günstiges Schnäppchen machen zu können, vielleicht nach Weihnachten, weil es außerhalb der Saison ist), fahre ich also erst mal noch mit meinem Sommerfahrrad. Das Problem: Das Sommerfahrrad hat nur einen stinknormalen Dynamo, das Frontlicht ist ein hübscher Nostalgie-Scheinwerfer, aber etwas funzelig, und wenn es regnet oder matschig ist, geht das Licht nicht. Nicht so hilfreich! Nun habe ich mir ein extra Aufstecklicht besorgt und bin wieder sicher unterwegs. Ein paar Tage war es allerdings ziemlich (viel zu!!!) aufregend. Immerhin habe ich meine Reflex-Jacke wieder an und bin so ziemlich gut von Autos sichtbar. Habe ich eigentlich mal erwähnt, dass tatsächlich an der Hauptstraße mal ein Autofahrer angehalten hat, ausstieg und auf mich zukam? Ich war sehr irritiert, aber er war ganz begeistert von meiner Jacke. “Ich habe Sie schon öfter gesehen auf dem Heimweg nach Feierabend und MUSS Sie das jetzt fragen: Wo gibt es denn SO eine tolle Jacke?”

Dann könnte ich noch von meinem Ärger mit Alma Küchen, von unserer tollen neuen Wohnzimmerlampe, von der Wichtel-App, die ich für die Schwiegerfamilie ausprobiert habe oder von meinem ersten Besuch eines Poetry Slams erzählen. Vielleicht mache ich das einfach mal. Und bringe Alltagsgeschichten mit. Ohne Fotos. Ich erzähle gern und bearbeite Fotos ungern. Das ist eigentlich ein sehr, sehr gutes Argument. Im Prinzip das beste Argument von allen.

Zurück in der Zukunft

Wenn man in seinem Blog so lange nicht geschrieben hat wie ich, ist es ein bisschen wie mit einer Freundin, bei der man sich lange nicht gemeldet hat. Manchmal denkt man an sie, und dann sticht das schlechte Gewissen. Ist es jetzt zu spät? Ist sie sauer? Denkt sie auch noch an mich? Wenn ich mich jetzt noch melde, was ist meine Entschuldigung? Haben wir uns überhaupt noch etwas zu sagen?

So stehe ich jetzt hier, in meinem guten alten Blog, und schaue etwas betreten nach links und rechts. Seit Monaten habe ich nichts mehr geschrieben, mich kaum noch eingeloggt. Blog-Müdigkeit, kombiniert mit privatem Stress und generell dem Bedürfnis, mich etwas einzuigeln, waren der Grund. Aber alles ist noch da, so wie ich es zurückgelassen habe. Angefangene Entwürfe, in der Seitenleiste ein Buch, das ich vor Monaten gelesen habe. Was nun?

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Nun, der Freundin würde man vermutlich zunächst einmal erzählen, was man in der letzten Zeit so getrieben hat. Was ist also in den letzten Monaten passiert in meinem Leben? Ich habe Bücher gelesen und nicht aufgeschrieben, welche. Ich habe mein Tattoo nachstechen lassen, jetzt ist es wirklich und wahrhaftig fertig. Ich habe angefangen, regelmäßig zu Bouldern und habe riesigen Spaß dabei. Ich habe einen türkischen Kochkurs besucht und eine Lesung der drei Fragezeichen. Ich habe mich von Kapelle Petra und Elfmorgen überzeugen lassen, mehr auf Konzerte zu gehen – das nächste steht Ende des Monats an. Ich habe gemeinsam mit dem Helden eine kleine emotionale Achterbahnfahrt durchlebt, als wir überlegten, wo und wie wir in Zukunft leben möchten; letzten Endes haben wir aber die perfekte Wohnung für uns gefunden und werden voraussichtlich im Sommer umziehen, wenn der Vermieter mit dem Renovieren fertig ist.

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Wenn ich das alles auf einen Haufen sehe, frage ich mich, woher dieses Gefühl kommt: dass ich eigentlich gar nichts mehr zu erzählen hätte hier im Blog. Dass alles schon gesagt und gezeigt ist, dass ich gar nichts mache und all das sowieso niemanden interessiert. Allerdings frage ich mich dennoch nach wie vor, wo es mit diesem Blog hingehen soll. Ob ich nicht doch mal einen (anderen?) Schwerpunkt setzen sollte. Und ob ich überhaupt Lust habe, wieder anzufangen.

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Tja, hmm. Wie sieht’s aus, worüber wollt ihr denn wieder mal was lesen? Alltag, Bücher, Kreatives? Umzugsgeschichten oder Konzertberichte? Oder mal was ganz anderes, über Serien, Videospiele, übers Bouldern oder …?

So oder so verspreche ich, dass dies der einzige Beitrag in diese Richtung bleiben wird. Egal, wann der nächste Artikel folgt – es gibt ja nichts nervigeres, als in einem Blog fünf Posts hintereinander zu lesen, in denen es nur darum geht, dass sich die Autorin entschuldigt, so lange nicht geschrieben zu haben. Aber es wenigstens einmal zu thematisieren, war mir doch ein Bedürfnis.

Jetzt schaue ich mich etwas verschüchtert um: Was sagt die Freundin, bei der man sich nach Monaten plötzlich wieder meldet? Was sagt der Blog – sind die Leserinnen überhaupt noch da, oder schreibe ich allein auf weiter Flur? Ein ungewohntes Gefühl. Aber ich sag einfach mal ganz optimistisch: Bis bald!

Spezies Blogger – ein Podcast in Zusammenarbeit mit Mita & Manani / #bloggenmitherz

Ein langes Wochenende, 25 Frauen, ein Mann, 26 Kameras, 26 Laptops und ein Thema: Bloggen! Beim Bloggen mit Herz-Workshop am vergangenen Wochenende auf Föhr konnte man beobachten, wie sich die ganz besondere Spezies “Bloggerinnen” in freier Wildbahn und unter sich verhielt.

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“Typisch Blogger”, die Worte fielen häufiger – oder, um es wie Bine zu formulieren: “Wir sind Blogger, wir dürfen das”. Egal, ob sich mal wieder jemand zum Fotografieren auf die Straße legte oder ob bei jedem Gespräch das Smartphone zur Hand war, ob sich mal wieder vier Damen um das gleiche Motiv drängten oder sich an den Steckdosen abwechseln mussten, um ihre Computer zu laden.

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Wir waren unter uns und konnten das nachvollziehen. Niemand musste sich – wie sonst manchmal im Alltag – rechtfertigen, wenn er sein Essen auf Instagram posten wollte oder unbedingt noch eben seine Twitter-Timeline nachlesen musste.

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Danke an Bine für das perfekt passende Bild!

Wenn man also ein ganzes Haus voller Blogger hat, liegt es nahe, dass man einmal darüber nachdenkt, was “den Blogger an sich” eigentlich ausmacht. Sanna und ich haben uns mit dem Thema beschäftigt und wollten eigentlich gemeinsam einen Dialog schreiben. Aber hey – das Motto das Workshops lautete “Raus aus der Routine”! Also, wieso nicht einmal etwas völlig anderes probieren? Es wurde schnell deutlich, dass eines ziemlich bloggertypisch ist – und zwar, dass sie gern und viel reden. Also haben wir uns “mal eben” in Sandras Zimmer zurückgezogen und etwas ausprobiert, das für uns beide völlig neu ist: einen Podcast! Aus “mal eben” wurden schnell mehrere Stunden und es ist auch sicherlich nicht perfekt geworden, so ganz ohne Mikrofon im Hotelzimmer. Aber wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß beim Aufnehmen und ich hoffe, das kommt auch beim Anhören rüber:

Liebe Sanna, vielen Dank für diese Kooperation, es hat riesig viel Spaß gemacht und ich wünschte, wir hätten ein paar Outtakes! 😉 Und ihr, liebe Leserinnen, schaut auf jeden Fall auch mal bei Sannas Blog Mita und Manani rein und lest, was sie zu diesem Thema zu erzählen hat!

Mein Blog – ein privates Tagebuch? {Schreibzeit}

“Was bedeutet für Euch Euer Blog? Ist er tatsächlich ein privates Tagebuch? Schreibt Ihr wirklich nur für Euch? Ganz ehrlich? Oder möchtet Ihr vielleicht doch, dass Eure Stimme da draussen gehört und wahrgenommen wird?” Das fragt Bine von Was Eigenes in ihrem Beitrag zum aktuellen Schreibzeit-Thema. Ist mein Blog ein privates Tagebuch? Diese Frage beantworte ich ganz klar mit “Nein”. Denn als privates Tagebuch habe ich genau das: ein privates Tagebuch. Ein Büchlein, in das ich gelegentlich schreibe – eigentlich zu selten – und zwar von Hand und geheim.

Aber mein Blog ist schon eine Art Tagebuch, wenn auch ein öffentliches. Kürzlich war ich in einer lokalen Zeitung zu sehen, und plötzlich hatte ich sehr viel mehr Leser (Hallo an euch alle, falls ihr jetzt häufiger vorbeischaut, was mich freuen würde! 😉 ). Unter anderem erzählte eine Mit-Sängerin im Chor den anderen Chor-Damen davon und erklärte den Blog folgendermaßen: “Da kann man dann genau nachlesen, was Nele den ganzen Tag so macht!” Ähem. Räusper. Ja, an einigen Tagen kann man das. Man kann sich ein Bild davon machen, was ich im Monat so vorhabe, wie mein Alltag aussieht, wen ich treffe und welche Bücher ich in meiner Freizeit lese.

Somit ist es also schon ein Tagebuch. Ein öffentliches Tagebuch. Wie um alles in der Welt bin ich also auf den Gedanken zu kommen, mein persönliches Tagebuch könnte die Welt interessieren? Und so gesehen kann ich sagen, dass ich irgendwie schon “nur für mich” schreibe. Zumindest hat es so begonnen, als ich noch zu Schulzeiten begann, online Tagebuch zu führen. Dort habe ich tatsächlich akribisch meinen Tagesablauf dokumentiert. “Nach diesem Einkaufserlebnis holen wir uns erst einmal ein Eis. Redlich verdient, wie ich meine! 🙂 Saladin muss Tennis spielen, ich schalte meinen Compi an, aber niemand ist online. Also schreibe ich eine liebe Away-Message für ICQ und lege mich gemütlich in den sonnigen Garten, nehme mein schönes Buch mit und leckere Fanta.” Blogs gab es noch nicht – jedenfalls kannte ich keine. Es gab spezielle Tagebuch-Webseiten.  Natürlich gab es auch dort Interaktion zwischen den verschiedenen Tagebuchschreibern. Aber in sehr geringem Ausmaß. Ich habe fast nur die Tagebücher von Menschen, die ich persönlich kannte, gelesen. In erster Linie hat es mir Spaß gemacht, in die Tasten zu hauen. Tippen am PC ist für mich sehr viel komfortabler als das Schreiben von Hand.

Aus diesem Tagebuch ist letzten Endes irgendwann auf verschiedenen Umwegen mein Blog entstanden. Natürlich hat sich das Schreiben im Laufe der Zeit verändert. Ich bin nicht mehr 16, ich habe etwas gelernt über Privatsphäre und zu viele Informationen. Auch optisch und technisch hat sich das ganze vom reinen Tagebuch zum Blog natürlich enorm weiterentwickelt. Heute würde ich nicht mehr sagen, dass ich “nur für mich” schreibe – aber durchaus zu einem großen Teil. Wenn von heute auf morgen alle meine Leser verschwinden würden und niemand mehr kommentieren würde – ich würde weitermachen. Ich würde mir aber sicherlich etwas weniger Mühe geben, weniger Fotos machen und die Themen anders auswählen. Ich würde mir die Arbeit sparen, meine Texte Korrektur zu lesen, zu formatieren und zu bebildern. Aber ich würde schreiben.

Mein Blog ist immer noch persönlicher als manch anderer, den ich lese. Ich mag das so. Ich weiß aber auch, dass ich mich damit verletzbar mache. Ich hoffe, dass ich damit umgehen kann, sollte jemand das jemals gegen mich wenden. Das ist glücklicherweise seit ca. 15 Jahren nicht mehr vorgekommen, und ich glaube ja nun einmal an das Gute im Menschen. Außerdem will ich mich von Möglichkeiten nicht einschränken, einschüchtern lassen.

Hier habe ich mir schon einmal Gedanken zum Thema gemacht: Die Flow, Wil Wheaton und das Bloggen / Gedanken zum Bloggen

Die Flow, Wil Wheaton und das Bloggen

Als Kind hatte ich keinen eigenen Fernseher. Wenn ich etwas sehen wollte, dann musste das im Wohnzimmer geschehen. Glücklicherweise musste ich mich nicht mit Geschwistern um die Fernbedienung streiten – aber auch die Programmvorstellungen meiner Eltern und mir gingen gelegentlich leicht auseinander. Vor allem mein Vater wollte immer Dinge schauen, die mich von meinen heiß ersehnten Sendungen abhielten. So kommt es, dass ich mich zwar beim besten Willen nicht erinnern kann, was ich eigentlich sehen wollte – aber noch sehr genau weiß, was stattdessen lief. Am schlimmsten fand ich Highlander und Raumschiff Enterprise. Diese Sendungen fand allerdings auch meine Mutter blöd, und so bürgerte sich der wunderbare Name “Raumschiff Entenscheiß” als fest stehender Begriff in unserer Familie ein. Erwähnte ich eigentlich schon mal, dass meine Familie äußerst anfällig für wirklich schlechte Wortspiele ist?

So oder so fand ich Raumschiff Enterprise absolut unmöglich, denn es hielt mich ja von anderen wunderbaren Fernseherlebnissen (welchen auch immer) ab! Und deshalb stand ich Science Fiction an sich und Star Trek im Besonderen immer recht kritisch gegenüber. Während sich die SF-Abneigung in den kommenden Jahren nach und nach legte, wurde ich mit Star Trek nie wirklich warm (ich bin da nachtragend). Tatsächlich habe ich vermutlich eine halbe Stunde Star Trek in meinem Leben gesehen. Zusammengerechnet, nicht am Stück.

So kam es, dass ich völlig unwissend war, als der Held und ich eines schönen Abends The Big Bang Theory schauten und Wil Wheaton auftauchte. Wer zum Henker…? Die Tatsache, dass der gute Wil sich in der Serie selbst spielt, half nicht gerade, denn da sollte man doch besser wissen, wer er eigentlich ist. Der Held erklärte es mir also, und eine kurze Recherche ergab, dass Wil Wheaton nicht nur seine besten Teenager-Jahre bei Raumschiff Enterprise verbracht hatte, sondern als Kind auch in Stand By Me mitgespielt hatte, einen Film, den wir sogar in der Schule gesehen hatten!

Ab diesem Moment kam mir Wil Wheaton ständig unter die Nase. Vor allem online. Er produziert die großartige YouTube-Serie Tabletop, bei der man einer Runde Mehr-oder-weniger-Promis beim Spielen von Gesellschaftsspielen zusieht (was deutlich unterhaltsamer ist, als es klingt); er tweetet lustige Sprüche; er hat schon mehrere Bücher veröffentlicht; und er hat einen Blog, auf dem er aus seinem Leben erzählt.

Was Wil Wheaton nun mit der Flow und dem Bloggen zu tun hat, fragst du dich? Die Zeitschrift Flow, die es nach langer Wartezeit endlich auch bei uns in Deutschland gibt, hat in dieser Ausgabe das Thema “Mut und Verletzlichkeit”. Und gleich beim Leitartikel musste ich direkt an Wil Wheatons Blog denken. Es geht darum, mehr Gefühle zu zeigen, Verletzbarkeit zu wagen und auch nach außen hin zuzugeben, dass man vielleicht mal Hilfe benötigt, dass nicht immer alles perfekt ist. Denn sind wir doch mal ehrlich: In unserer Blog-Blase herrscht meistens Heile-Welt-Stimmung. Wenn jemand mal über etwas Ernsteres schreiben möchte, wird sich meist gleich zu Beginn des Artikels dafür entschuldigt. Aber es kommt generell auch sehr selten vor – ernstere Themen vielleicht, aber persönliche eben nicht so sehr. Bei mir auch nicht! Dabei sind die Artikel, bei denen ich es vielleicht doch mal gewagt habe, einige meiner liebsten und auch von Kommentatoren am meisten gelobten (hier meist unter der Kategorie “Gedankenhüpfer” zu finden).

In seinem Blog schreibt Wil Wheaton über seinen Alltag, über seine TV- und YouTube-Projekte, aber eben auch über seine Depressionen, über die Ablehnung, die er im Job erfahren hat (nach Star Trek ging seine Filmkarriere ziemlich den Bach runter), über Unsicherheit und über sehr viele persönliche Gefühle. Ich finde das unglaublich mutig. Immerhin sind wir hier zum einen im Internet (irgendwer trollt garantiert), zum anderen ist er sehr bekannt. Und wer hätte schon mal von einem Hollywood-Star gehört, der sich hinstellt und sagt “Ja, ich hab die Rolle nicht bekommen, und das finde ich total scheiße und mir geht’s jetzt gerade richtig mies”? Wil wagt das, aber gleichzeitig (oder vielleicht eher: an anderen Tagen) ist er unglaublich lustig und begeisterungsfähig. Deswegen ist er einer der Prominenten, die ich wirklich bewundere!

Während ich diesen Artikel schrieb, musste ich übrigens mehrfach den Impuls bekämpfen, mich für seine Länge zu entschuldigen. Oder gar für sein Thema (siehe oben), wer weiß, wen das überhaupt interessiert. 😉 Aber ich möchte sehr gern mehr wirklich schreiben und dabei vielleicht auch selbst einmal mehr Verletzlichkeit wagen. Ganz nach Wil Wheatons Vorbild, denn die fröhlichen Seiten, die sollen natürlich ebenfalls bleiben!  Wenn ich dann mal wieder denke “Das ist das Internet… Das kann ja jeder lesen!” (ich bin ja schließlich nicht mehr anonym), denke ich einfach an Wil und dass er noch viel weniger anonym ist und sich dabei dennoch deutlich verletzlicher zeigt. Und hat es ihm geschadet? Nein, ich finde ihn gerade deshalb sympathisch!

Was meint ihr? Böses Internet und lieber eine Fassade bewahren aus Gründen der Privatsphäre, oder gehören ernstere Themen grundsätzlich nicht in DIY- und Alltagsblogs, oder würdet ihr solche Gedanken und Themen mit euren Lesern teilen?

Gedanken zum Bloggen

Kaum bin ich berühmt, schon fällt mir nichts mehr zu schreiben ein. Schon fast wieder eine Woche ohne Posting, au wei! Das kann man sich als Promi-Blogger ja kaum erlauben! 😉 Nun ja, ich gehörte noch nie zu den Fans des Schreiben um des Schreibens willen, und ich nehme auch an zu wenigen regelmäßigen Blog-Aktionen teil, um damit groß Inhalte zu liefern. Mich stresst manchmal ja schon das monatliche 12 von 12, da schaffe ich sicher nicht wöchentlich den Foto-Frage-Freitag (oder heißt er Frage-Foto-Freitag? Seht ihr, nicht mal das kann ich mir merken!), so gerne ich mir den und andere Regelmäßigkeiten in anderen Blogs ansehe. Lieber ungezwungen und dafür etwas seltener.

Außerdem habe ich zur Feier des Zeitungsartikels mit dem Blog auch der “Facebook-Meute” geoutet und seither sprechen mich erstaunlich viele Freunde, Familienmitglieder und Bekannte auf den Blog an. Alle Reaktionen waren bisher positiv, aber es ist irgendwie doch noch sehr ungewohnt – schließlich habe ich den allergrößten Teil meines Blogs quasi inkognito geschrieben und jetzt fühlt es sich ein bisschen so an, als hätte man mein Tagebuch gelesen. Man will etwas erzählen und die Freunde wissen es schon – ach ja, da habe ich ja schon drüber geschrieben. Meine Mutter fragt, ob das Radio im Auto wieder geht, dabei hatte ich ihr noch gar nicht berichtet, dass es gesperrt ist. Dieses Wissen verwirrt mich oft noch enorm! 😉

Natürlich fragt man sich jetzt auch gleich noch mal so sehr, worüber man eigentlich schreiben will. Dabei habe ich vorher ja auch nichts Geheimes gepostet. Ich stelle aber fest – und frage mich, ob das wohl allen Menschen so geht? – dass ich so viele verschiedene Seiten habe und irgendwie auch Rollen besetze, je nachdem, mit wem ich gerade zusammen bin. Bei meinen Eltern bin ich anders als bei meinen Kollegen, und mit meinen Freunden rede ich über deren Dinge als mit meiner Tante. “Hi there” an dieser Stelle an euch alle. 😀 Ich findest toll, dass ihr hier mitlest. Aber hier ist eben die Blog-Persönlichkeit, die noch mal ganz anders ist.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Das bin alles ich, und ich verstelle mich auf keiner dieser Seiten. Ich denke, dass ist alles ganz normal. Aber genau so, wie ich bei Mails an den ehemaligen Deutschlehrer immer noch ganz besonders penibel auf die Rechtschreibung achte, denke ich auch hier natürlich plötzlich viel mehr darüber nach, wer diesen Text lesen wird. Und was er darüber denken wird. Dabei wird ja keiner gezwungen, hier zu lesen, und sich meine diebische Freude über geekige T-Shirts, meine stümperhaften oder erfolgreichen Bastelaktivitäten oder einfach meine häufig doch einfach stinknormalen tagebuchartigen Beiträge reinzuziehen. Und im Gegenteil sollte mich der Zuspruch nicht nur durch den Artikel, sondern eben auch durch die neuen Leser doch eigentlich ermutigen und nicht verunsichern.

Das soll’s dann für heute auch gewesen sein, grüblerische Geistesergüsse um halb 2 nachts auf dem Sofa (mit dem geliebten Tablet). So schlimm kann es alles nicht sein, denn mir sind beim Schreiben schon wieder 3 neue Artikelthemen eingefallen. 😉 Wer sich von meinen neuen Lesern also nicht weiter für meine Kochrezepte, Geek-Gedanken oder Näherfolge interessiert, braucht nicht mehr mitzulesen. Macht ja nix: Ich mochte euch vorher, ich mag euch immer noch (und es ist ja nicht so, als würde ich mitbekommen, wer hier liest). 😉 Alle anderen dürfen selbstverständlich gerne auch mal einen Kommentar hinterlassen unter diesem oder einem anderen Artikel. Falls ihr neu in der Bloggerwelt seid, lasst euch gesagt sein: Das ist die Nahrung, von der wir Blogger leben. Kommentare zum Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Nur dafür habe ich eigentlich meinen Blog der Allgemeinheit präsentiert. Fishing for compliments comments.