Rezensionshüpfer

Buchtipp: Wo steckst du, Bernadette? von Maria Semple*

6. Juli 2015

Bernadette Fox ist nicht die angenehmste Person auf Erden. Sie ist ungern unter Menschen, nicht immer freundlich, schimpft gern beim Autofahren und hilft nicht ehrenamtlich in der Schule ihrer Tochter mit. Aber sie ist auch eine geliebte Ehefrau und Mutter, die Humor und verrückte Ideen hat. Sie legt im stetigen Clinch mit den anderen Müttern an der Privatschule ihrer 15jährigen Tochter Bee, und für einen winzigen Stundenlohn leistet sie sich eine virtuelle Assistentin in Indien, die ihr Alltagsdinge abnimmt und von der ihr Mann nichts wissen darf. Zum Schuljahresabschluss will die Familie auf eine Kreuzfahrt in die Antarktis fahren – doch dann ist Bernadette plötzlich verschwunden…

Das BuchWo steckst du, Bernadette?“ von Maria Semple wurde mir zunächst von der besten Freundin empfohlen, die das ganze im „Book Club“ in Kanada auf dem Programm stehen hatte. Und ich kann verstehen, warum es ihr Spaß gemacht hat! Es handelt sich hier nämlich um keinen klassischen Roman, erzählt von einer Person. Zwar gibt es einen grundsätzlichen Erzähler: Bee, die Tochter der titelgebenden Bernadette. Doch die mischt sich eigentlich nur zwischenzeitlich ein.

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Zum Großteil besteht das Buch aus einzelnen Abschnitten: Emails, die Bernadette an Freunde geschrieben hat. Emails, die andere Mütter aus der Schule sich über Bernadette geschrieben haben. Emails von Bernadette an ihre indische Assistentin, die für 75 Cent in der Stunde alles organisiert, wofür Bernadette ansonsten unter Menschen gehen müsste. Berichte, Briefe, Akten, Erinnerungen – auf den ersten Blick wirkt vieles ganz zusammenhangslos, doch nach und nach ergibt sich ein immer deutlicheres Bild! Dabei steuert die Geschichte tatsächlich auf einen Höhepunkt zu, auch wenn es zunächst nicht so wirkt. Und dann wird es noch richtig spannend!

Mir hat die Lektüre auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, weil es mal etwas anderes war. Keine „schwere Kost“, klar – aber das möchte man ja im Urlaub vielleicht auch gar nicht unbedingt. Ich habe das Buch an einem entspannten Strandtag komplett geschafft (bzw. habe abends in der Badewanne den Rest gelesen) und mich herrlich unterhalten gefühlt. Manches Mal konnte ich laut auflachen, und auf jeden Fall habe ich mitgerätselt. Tatsächlich gibt es zum Schluss eine Auflösung, das ist ja auch nicht selbstverständlich bei solchen Themen. Wer also keine Bücher mit offenen Enden mag, kann hier ruhigen Gewissens zugreifen (mir persönlich hätte es „offen“ ja besser gefallen, aber nun gut, es hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan). „Wo steckst du, Bernadette?“ ist somit auf jeden Fall meine persönliche „leichte Lektüre des Sommers“, wenn ich ein Buch nominieren müsste!


*Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag auf meine Anfrage hin kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung ist selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

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Rezensionshüpfer

Neue Höhen und Tiefen des Lesealltags*

27. Mai 2015

In den letzten Wochen lagen immer mal wieder Bücher auf meinem Wohnzimmertisch, die ich absolut nicht weglegen konnte – aber auch eines, das ich nicht einmal zur Hälfte geschafft habe, weil es mich nicht fesseln konnte. Heute wollte ich euch mal wieder meine jüngste Lektüre vorstellen – ein Flop, ein Top, ein… Mop?

 

Top: „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau

Der Roman „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau fällt wohl in die Kategorie „Literatur“. Sonst ist das eher nicht so mein Fall, bei diesem Buch mache ich eine begeisterte Ausnahme. Sprachlich durchaus anspruchsvoll mit ellenlangen Sätzen, war der Roman trotzdem wunderbar zu lesen. Es geht um das Ehepaar Isabell und Georg, beide in den Dreißigern bzw. Anfang 40. Ihr Sohn Matti ist gerade ein Jahr alt, Isabell will wieder arbeiten gehen. Sie ist Cellistin, doch plötzlich klappt es mit dem Spielen nicht mehr so recht, ihre Hände zittern. Die Nerven? Gleichzeitig verliert Georg seinen Job bei einer Zeitung und langsam, aber sicher geraten die beiden in finanzielle Schwierigkeiten, unter denen auch ihre Ehe leidet. Wie soll es weitergehen? Ist ein anderes Leben vorstellbar? Es breitet sich eine Sprachlosigkeit aus zwischen den beiden, unausgesprochene Vorwürfe, einzig der gemeinsame Sohn hält sie zeitweise noch zusammen. Ich habe mich in den Beschreibungen sehr oft wiedergefunden, in diesem „präzise[n] Bild einer nervösen Generation, überreizt von dem Anspruch, ein Leben ohne Niederlagen zu führen“ (Klappentext). Keine leichte Lektüre, aber sehr lohnenswert.

 

Flop: „Stadt in Angst“ von John Matthews

Ich bin mir fast sicher, dass es an mir lag, dass mir „Stadt in Angst“ von John Matthews einfach nicht ans Herz wachsen wollte, denn das Buch hat bisher fast nur positive Rezensionen bekommen. Es geht in diesem historischen Krimi um Jack the Ripper, der sein Unwesen nach London nun im New York der 1890er Jahre fortsetzt. Ein New Yorker Cop soll den Fall gemeinsam mit einem britischen Kriminalanalytiker von Scotland Yard, der bereits in London den Ripper jagte, aufklären. Dabei fand ich es immer wieder erstaunlich, wie so ein Kriminalanalytiker vor 120 Jahren noch arbeiten musste. So lang ist das doch noch gar nicht her, und doch gab es nicht einmal die Möglichkeit, verschiedene Blutgruppen zu bestimmen. Faszinierend! Leider haben mich die beiden Detektive aber dennoch nicht in ihren Bann ziehen können, so dass ich das Buch irgendwann zur Seite legte, weil ich merkte, dass ich mich quälte. Daraus lerne ich: In Zukunft nur noch ausgewählte Krimis für mich. Aber verzagt nicht: Ich habe das Buch an Tüt weitergereicht, bekennender Krimi-Fan, sie weiß sicherlich mehr mit dem Roman anzufangen als ich! 😉

 

Familienwälzer: „Der erste Sohn“ von Philipp Meyer

„Der erste Sohn“ von Philipp Meyer ist ein amerikanisches Familienepos aus Texas, mit allem, was man sich da so vorstellen kann: Indianer, Cowboys, Mexikaner, Rinder, Öl, Hitze, Reichtum und Armut. Der Roman umspannt über 150 Jahre Familiengeschichte der McCulloughs. Erzählt wird dabei aus Sicht des Urgroßvaters Eli, der in seiner Jugend in den 1850er Jahren von Indianern entführt wird und viele Jahre bei ihnen verbringt, und der sich anschließend schwertut, sich wieder in die Gemeinschaft der Weißen einzufügen; des Großvaters Peter, der sensibler ist als seine Brüder, mit den rauhen Sitten nur schwer zurechtkommt und dem die Liebe wichtiger ist als der Aufstieg seiner Familie; und der Urenkelin Jeanne, die als Mädchen in einer männerdominierten Umgebung aufwächst und erst lernen muss, sich durchzusetzen. Dabei wechseln sich Perspektiven ebenso ab wie Zeitstränge, so dass man sich manches Mal gehörig konzentrieren muss, um mitzukommen. Zu Beginn musste ich regelmäßig an den Anfang blättern, wo ein Stammbaum der Familie hilft, die einzelnen Namen zuzuordnen. Die Geschichte ist wirklich spannend, aber eben auch teilweise etwas unübersichtlich und langatmig – einige Seiten weniger hätten dem 600-Seiten-Roman nicht geschadet. So aber lernen wir quasi zeitgleich mit der Familiensaga die Geschichte von Texas kennen. Ehrlich, brutal, spannend (vor allem die Zeit bei den Indianern), aber manchmal einfach einen Tick zu detailliert. Mit keinem der Protagonisten kann man sich so richtig identifizieren, dazu ist alles zu realistisch. Ich empfehle das Buch trotzdem allen, die keine Angst vor vielen Seiten haben und sich auch nur ein bisschen für amerikanische Geschichte (und Familiensagas) interessieren.

 


 

*Sponsored Post: Diese Bücher habe ich vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

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Geek | Rezensionshüpfer

Buchtipp: Besser als die Wirklichkeit von Jane McGonigal*

10. Mai 2015

Bei mir ist es Diablo 3. Ich habe das Spiel eigentlich schon längst durchgespielt. Aber dann kann man ja einen neuen Charakter anfangen. Oder mit dem alten, den man schon so schön ausgerüstet und hochgelevelt hat, noch mal von vorne beginnen. Oder im Abenteuer-Modus verschiedene Quests erfüllen oder Dungeons aufräumen. Es nimmt einfach kein Ende.

Über 500 Millionen Menschen weltweit spielen regelmäßig Videospiele. Jane McGonigal gehört auch dazu. Ihre Begeisterung führt soweit, dass sie ein Buch geschrieben hat. In Besser als die Wirklichkeit! will sie laut Untertitel erklären, „warum wir von Computerspielen profitieren und wie sie die Welt verändern“. Ein Sachbuch? Normalerweise nicht unbedingt mein Ding, aber hier hat mich schon das Titelbild direkt angesprochen. Und tatsächlich saß ich dann tagelang lesend auf dem Sofa, weil ich mich nicht losreißen konnte. Kompliment an Frau McGonigal, die es geschafft hat, mich mit einem Sachbuch so zu fesseln wie mit einem Roman!

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Warum Spiele uns glücklich machen

Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin die Welt von Gamern, und ich habe mich an vielen Stellen wiedererkannt, obwohl ich gar nicht so ein riesiger Spieler bin. Ich schalte äußerst selten die Konsole an, wenn der Held nicht da ist. Naja, mal abgesehen von Diablo 3 natürlich. 😉 Aber wir spielen gern gemeinsam, außerdem zocke ich auch gerne mal am Smartphone oder am Computer.

Zunächst einmal wird geklärt, was ein Spiel eigentlich ist und weshalb es uns Spaß macht. Klingt langweilig, war aber wirklich aufschlussreich. Was ist beispielsweise deiner Meinung nach das Gegenteil von Spielen? Laut der These von McGonigal ist es nicht Arbeit, wie man vielleicht meinen mag – sondern Depression. Spielen hingegen kann man sogar als Arbeit betrachten – „Ein Spiel zu spielen bedeutet, aus freien Stücken zu versuchen, unnötige Hindernisse zu überwinden“. Dabei bewegen wir uns in einem guten Spiel stets an der Obergrenze unserer Fähigkeiten, werden also herausgefordert, und stürzen auch mal ab – wollen es aber gleich wieder versuchen. Der Schwierigkeitsgrad steigt, sobald wir besser werden, damit uns nicht langweilig wird. Außerdem werden „alle unsere neurologischen und physiologischen Systeme, die dem menschlichen Glücksgefühl zugrunde liegen – sprich: die Aufmerksamkeits-, Belohnungs-, Motivations-, Gefühls- und Erinnerungszentren im Gehirn“ durch Spiele aktiviert. Wir erhalten lösbare (wenn auch schwierige) Aufgaben, und wenn wir diese erfüllt haben, werden wir belohnt und können mit dem nächsten Quest beginnen. Es gibt also jederzeit erreichbare Ziele, und es gibt gute Gründe, weshalb wir diese Ziele erreichen sollen. Gute Spiele sind also genau darauf ausgelegt, uns glücklich zu machen, indem sie uns fordern – ein Versprechen, was unsere tatsächliche Arbeit nicht halb so gut erfüllen kann.

Dabei ist es aber nicht nur von Belang, diese Ziele tatsächlich zu erreichen. Spiele, in denen wir sofort alles können und jede Aufgabe mit minimalem Aufwand lösen, langweilen uns bald. Während ich dies schreibe, sitzt der Held neben mir und spielt Dark Souls 2 auf der XBox – ein Spiel, das als überaus schwierig gilt. Unglaublich, wie oft ich den Helden hier schimpfen höre und das große, rote „Ihr seid gestorben“ auf dem Bildschirm erblicke. Trotzdem hört er nicht auf und spielt in jeder freien Minute. „Spiele bringen uns bei, trotz einer potenziellen Niederlage höchst optimistisch zu bleiben, und diese wichtige emotionale Stärke lässt sich auch im wahren Leben nutzen.“ Das ist dann auch der Grund, weshalb wir ein Spiel nicht ewig spielen: Irgendwann haben wir erreicht, was der Spieledesigner uns zu erreichen ermöglicht hat, und dann wird es langweilig.

Das Buch erklärt noch sehr viel mehr Gründe, weshalb Spiele uns glücklich machen – ich habe hier nur die für mich interessantesten herausgepickt. Unter anderen wird noch beschrieben, wie uns Spiele das Gefühl geben, ein Teil von etwas größerem zu sein oder wie wir dank Spielen stärkere soziale Bindungen eingehen (beispielsweise durch stellvertretenden Stolz und sogar durch „Trash Talk“, also Sticheleien).

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Die Wirklichkeit neu erfinden

Im zweiten Teil des Buchs geht es um sogenannte Alternate Reality Games (ARGs). Das klingt wilder, als es ist. Bei ARGs geht es im Grunde einfach nur darum, ein Spiel in die Wirklichkeit zu integrieren. Während wir bei Videospielen aus der Realität abtauchen in eine andere Welt, handelt es sich bei ARGs um „antieskapistische Spiele“. Sie sollen es ermöglichen, die Vorteile von Videospielen auch in der Wirklichkeit zu erzeugen, „mehr aus unserem echten Leben herauszuholen“ und uns im Alltag genauso engagiert einzusetzen wie in Videospielen.

Dementsprechen gibt es natürlich unglaublich viele Möglichkeiten, ARGs einzusetzen. Da gibt es beispielsweiseChore Wars„, bei dem die einzelnen Mitspieler Punkte für das Erledigen verschiedener Haushaltstätigkeiten erlangen können (der Held und ich haben das ca. 3 Wochen ausprobiert, es war zu Beginn wirklich enorm motivierend, ließ dann aber sehr schnell nach, weil man mit den dort erlangten Punkten irgendwie nichts anstellen kann). Andere ARGs versuchen beispielsweise, Depressionen zu bekämpfen oder alte und junge Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Oder das Bildungswesen zu revolutionieren, wie es eine Schule in New York City versucht: „Quest to Learn“ ist die erste spielebasierte Schule der Welt, in der die Schüler ihre Ausbildung als „Quest“ verfolgen, mit dem Ziel, aufzuleveln (= gute Noten bekommen), geheime Missionen zu erfüllen (= zusätzliche Aufgaben lösen) oder Bosslevel (= Abschlussprüfungen) zu überstehen. Wer wäre als Kind nicht gern auf so einer Schule gewesen?

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Wie Computerspiele die Welt verändern

Der letzte Teil des Buchs zeigt uns, an welchen Stellen Spiele bereits unsere Welt verändern und verbessern. Beispiel: Wikipedia. Ein Spiel? Für uns als Nutzer eher nicht. Wir nutzen Wikipedia als Lexikon, oder um in einer Diskussion schnell nachzuschauen, wer Recht hat. Als Spiel kann es aber für die Autorinnen und Autoren der Plattform gelten, weil sie sich freiwillig der Herausforderung stellen, das Wissen dort zusammenzutragen und aktuell zu halten. Dabei gibt es eine riesige Spielwelt (über 3 Millionen Artikel), eine klare Spielmechanik mit sofort sichtbaren Ergebnissen und verschiedenen Schwierigkeitsgraden (man kann über Quantenphysik genauso schreiben wie über den Tatort am vergangenen Abend), sowie eine gute Spielgemeinschaft unter den „Wikipedianern“. Über zehn Millionen „Spieler“ füllen Wikipedia weltweit – und verändern damit eindeutig die Welt dadurch, dass für viele Menschen der Zugriff auf Wissen enorm erleichtert wird.

Ein anderes Beispiel gab es im Jahr 2009 in Großbritannien: Es war bekannt geworden, dass Hunderte Parlamentsabgeordnete überhöhte oder falsche Spesen in Rechnung stellten und den Steuerzahler damit jährlich mehrere Zehntausend Pfund kosteten. Die Spesenanträge lagen jedoch nur als unsortierte Sammlung eingescannter Zahlungsbelege im Bildformat vor, die man nicht durchsuchen oder automatisiert analysieren konnte. Die Spesenanträge wurden der Öffentlichkeit freigegeben, aber es handelte sich um über eine Million Dateien – viel zu viel für einzelne Personen. Die Zeitung Guardian entwickelte daraufhin mit relativ geringem Aufwand ein Crowdsourcing-Spiel – jeder Bürger konnte sich anmelden und beliebig viele Dokumente prüfen. Wenn ihm etwas auffiel, was ihm verdächtig vorkam, drückte er einfach auf den Button „Untersuchen“. Somit wurde die Zahl der tatsächlich zu prüfenden Dokumente enorm verringert, denn die Experten konnten sich auf die als verdächtig gemeldeten Dokumente beschränken. Das Projekt war ein großer Erfolg – innerhalb von 3 Tagen waren bereits 170.000 Dokumente analysiert! Im Anschluss traten mindestens 28 Parlamentsmitglieder zurück, es wurden Strafverfahren gegen 4 Abgeordnete eingeleitet und neue Gesetze verabschiedet.

 

Fazit

Computerspiele können die Welt tatsächlich verändern, und sie tun es bereits! Videospiele als kindische Zeitverschwendung abzutun, ist daher an vielen Stellen zu kurz gedacht. Das Buch von Jane McGonigal zeigt dies anschaulich und stellt dabei insbesondere die Mechanismen von Computerspielen sehr gut dar. Der erste Teil von Besser als die Wirklichkeit hat mir daher auch am besten gefallen. Die weiteren Teile waren ebenfalls interessant und gut geschrieben, allerdings bin ich mit der Autorin nicht immer einer Meinung und war häufig der Ansicht, dass sie Spielen und ihrer Wirkung nun doch etwas zu viel zutraut. Nichtsdestotrotz hat sie auch anhand vieler Beispiele gezeigt, wie Spiele bereits jetzt Einfluss haben und dass ihre Thesen daher sicherlich nicht unberechtigt wird. (Allerdings hätte sie dazu nicht jedes ARG, das sie in ihrem Leben erfunden hat, detailliert vorstellen müssen. 😉 ) Das Buch war dennoch ein absolutes  Highlight in meinem bisherigen Lesejahr. Gamern sei es daher auf jeden Fall zu 100% ans Herz gelegt – aber auch für Nichtspieler eine interessante Lektüre, der ich 5 von 5 Sternen gebe!


* Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Begeisterung ist aber echt und die Meinung selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Wunder von Raquel J. Palacio

8. April 2015

„Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.“ Mit diesen Worten stellt sich die Hauptfigur von Wunder vor. Damit ist schon alles gesagt – und auch wieder gar nichts. August ist zehn Jahre alt, als er zum ersten Mal auf eine reguläre Schule gehen soll. Er hat das Treacher-Collins-Syndrom – es bewirkt, dass er sich schon im Kindesalter diverser Operationen unterziehen musste und dass er nun einmal anders aussieht als andere Kinder. Sehr viel anders.

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Das Buch von Raquel J. Palacio beschreibt im Grunde genommen nur das erste Schuljahr von August. Unter dieser Rahmenhandlung erzählt es aber von so viel mehr: von der Grausamkeit, zu der Kinder fähig sind; vom Einfluss, den Eltern auf ihre Kinder haben, im Guten wie im Schlechten; von Menschen, die sich weiterentwickeln können; von Freunden und Familie, die sich wünschen, alle anderen würden August auch als das ganz normale Kind, das er ist, sehen; von Mut, Solidarität, Akzeptanz und Freundschaft. Ein großer Teil der Geschichte ist aus Augusts Perspektive geschrieben, aber auch andere Personen – beispielsweise seine Schwester oder seine neuen Klassenkameraden – kommen kapitelweise zu Wort und schildern ihre Sicht der Dinge.

August ist dabei eine wirklich sympathische Persönlichkeit. Er hat Humor und gute Ideen, ist dabei aber ein ganz normaler Zehnjähriger, der das Leben manchmal falsch einschätzt, der Angst hat und sich über seine Eltern ärgern kann. Tatsächlich ist das Buch an manchen Stellen traurig, aber an viel mehr Stellen ist es wirklich lustig und hat mich zum lauten Lachen animiert! Es ist also kein rührseliger Schmalz, sondern eine erfrischend andere Geschichte, die aber auch – und das gehört definitiv dazu – ans Herz rührt.

Wunder“ ist ein Jugendbuch, ist aber definitiv auch eine Empfehlung für erwachsene Leser. Erhältlich ist es natürlich im Buchhandel vor Ort genauso wie online!

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Rezensionshüpfer

Buch- und Filmtipp: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

20. März 2015

Es ist jetzt schon vier Jahre her, dass ich ein Buch gelesen habe, das mir seither im Gedächtnis geblieben ist. Mein Leben ohne Gestern hat mich wirklich sehr beeindruckt. Der Roman schildert die Geschichte von Alice, hochintelligente Harvard-Professorin, die mit 50 unerwartet früh einsetzendes Alzheimer bekommt. Wirklich äußerst berührend, traurig und zum Nachdenken anregend. Umso gespannter war ich, als ich hörte, dass das Buch verfilmt werden sollte. Für „Still Alice“ (so der Originaltitel des Buchs und auch der Filmtitel) hat Julianne Moore dann sogar den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle bekommen!

Und natürlich musste ich diesen Film sehen! Und so waren die liebe Tüt und ich am vergangenen Dienstag in unserem kleinen Programmkino, dem einzigen Kino der Stadt, das diesen traurigen Film zeigte.

Ich muss sagen, das Buch hat mir noch deutlich besser gefallen, aber auch beim Film habe ich zahlreiche Tränen vergossen. Im Film wird im Grunde genommen die Geschichte des Buchs wiedergegeben. Was mir jedoch zu kurz gekommen ist, war die Innenwelt von Alice sowie die Kämpfe, die ihre Kinder mit sich selbst genauso wie mit ihren Eltern ausfechten. Auch das Ende war – ohne etwas vorwegnehmen zu wollen – im Buch auch meiner Erinnerung nach deutlich positiver als im Film. Dennoch ist der Film eine Empfehlung – die Schauspielleistung von Julianne Moore, Alec Baldwin (♥) und Kristen Stewart (!) waren wirklich eindrucksvoll und welche Verfilmung kommt schon an das Buch heran?

Hier noch einmal meine Rezension, zuerst veröffentlicht im Oktober 2011:

Alice ist 50 und erfolgreiche Harvard-Professorin. Auch ihr Mann John ist dort Professor. Die 3 Kinder sind inzwischen alle aus dem Haus, Alice geht gerne Laufen, liest Bücher und liebt ihre wissenschaftliche Arbeit mit Kollegen und Studenten über alles.

Das Buch beginnt damit, dass John seine Brille nicht findet – wie üblich. Alice ist genervt bis amüsiert, typisch Mann eben, nie finden die etwas. Doch dann erinnert sie sich daran, wie sie selbst neulich das Ladegerät für ihr Blackberry verlegt hat – sie hatte schließlich ein neues gekauft, nur um das alte abends an seinem gewohnten Platz in der Steckdose zu finden.

So geht es los, und es wird nicht besser. Alice fallen plötzlich einfache Wörter nicht mehr ein, und beim Laufen findet sie den Heimweg nicht mehr, obwohl sie genau benennen kann, wo sie gerade ist. Sie schiebt es auf die Wechseljahre und geht erst zum Arzt, als es nicht besser wird und sogar vergisst, zu einem Seminar zu fliegen. Die niederschmetternde Diagnose: Alice hat Alzheimer, eine früh einsetzende Form der schrecklichen Krankheit.

In der Folge muss nicht nur sie mit dem Verlust ihres Gedächtnisses leben, sondern auch ihr Ehemann, ihre drei Kinder und ihre Arbeitskollegen und Studenten. Denn obwohl sie die Krankheit vor letzteren zunächst verbirgt, ist es doch offensichtlich, dass sie nicht mehr unterrichten kann. Ihrem Mann, John, selbst ja Wissenschaftler und äußerst intelligent, fällt es sehr schwer, seine Frau so zu sehen – er sucht fieberhaft nach neuen Behandlungsmethoden. Die Kinder wissen nicht, ob sie die Krankheit geerbt haben (und treffen unterschiedliche Entscheidungen). Und Alice selbst hat das Gefühl, den Verstand zu verlieren, wenn sie die Toilette im eigenen Haus nicht mehr findet, den Blackberry ins Tiefkühlfach legt oder das Thema der Vorlesung vergisst, auf die sie sich gerade eine Stunde vorbereitet hat. Sie weiß – das ist erst der Anfang. Eines Tages wird sie vergessen, wer ihr Mann ist, wird sie ihre Kinder nicht mehr erkennen – ja, wird sie sich selbst vergessen.

Das Buch habe ich mir nur wegen der guten Rezensionen bei Amazon ausgesucht. Das klappt nicht immer, aber irgendwie muss man ja in der Bibliothek aus den Hunderten von Exemplaren etwas heraussuchen. Dieses hier war ein Treffer. Es ist nicht hochliterarisch geschrieben und hätte es ein anderes Thema behandelt, wäre ich sicher nicht so gefesselt gewesen. So aber habe ich wirklich Rotz und Wasser geheult (gut, ich war sowieso angeschlagen). Die Vorstellung, plötzlich nicht mehr zu wissen, wer man ist, und so vieles nicht mehr zu wissen, von dem man aber wiederum noch weiß, dass man es wissen müsste… Schrecklich, wirklich fürchterlich!

Das Buch war perfekt passend nüchtern geschrieben. Und vor allem: Es ist durchgehend aus Alice‘ Sicht geschrieben. So werden ihre Handlungen, die den anderen Menschen wirr erscheinen, für den Leser völlig nachvollziehbar. Da gibt sie einen wissenschaftlichen Rat, der anerkannt wird – sie ist stolz auf sich und denkt sich, so schlimm kann es doch gar nicht um mich stehen, auch wenn ich Alzheimer habe, kann ich immer noch logisch und analytisch denken. Und wenige Minuten später gibt sie den selben Rat noch einmal und ärgert sich darüber, dass sie nicht richtig ernst genommen wird (niemand macht sich Notizen etc.) – obwohl sie doch noch immer logisch und analytisch denken kann und ihr Rat ganz offenbar richtig ist. Diese Perspektive hat mir sehr gut gefallen, denn sie zeigte, dass es nicht nur für das Umfeld des Menschen schwer ist, sondern dass es auch für den Patienten selber unglaublich schwierig ist, zu verstehen, was da gerade passiert. Es erklärt damit meiner Ansicht nach auch, wieso Alzheimer-Patienten häufiger aggressiv werden. Aus ihrer Perspektive sind nicht sie die „Komischen“ – sondern die anderen.

Die Geschichte von Alice‘ Kampf gegen die Krankheit (sie will nicht aufgeben, sie hat sich sogar einen Plan dafür zurechtgelegt, was passiert, wenn sie sich an bestimmte Dinge wie die Anzahl ihrer Kinder nicht mehr erinnern kann) hat mich berührt und beeindruckt. Also spreche ich hier gerne eine Lese-Empfehlung aus für alle, die sich für menschliche Schicksale interessieren. Wirklich viel „Handlung“ hat das Buch nicht, es beschreibt den ganz normalen Alltag, der nicht mehr normal sein kann. Ich habe es an einem Abend durchgelesen und konnte nicht ins Bett gehen, bis es zu Ende war. Danach habe ich mich ganz komisch gefühlt und alles um mich herum mit ganz anderen Augen betrachtet. Ich musste meine Teetasse noch in die Spülmaschine stellen – was, wenn ich eines Tages nicht mehr weiß, wo die Spülmaschine ist? Oder wenn ich morgens aufwache und keine Ahnung habe, wo ich bin? Gruselig…

Sehr bezeichnend fand ich einen Satz von Alice, als es schon ziemlich schlimm war mit der Krankheit: „Ich vermisse mich“. Sehr traurig. Fünf Sterne von mir.

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Wildwood von Colin Meloy

7. März 2015

Ein kleines Geständnis: Wenn ich in einem Wald unterwegs bin, stelle ich mir gerne vor, ich wäre in Mittelerde. Im Herbst, wenn sich die Blätter goldgelb verfärben, bin ich in Lothlorien; wenn Schnee liegt, bin ich gedanklich auch gerne mal in Westeros oder in irgendeiner anderen Fantasy-Welt, die mir im Kopf rumspukt. Demnächst bin ich dann vielleicht in der Undurchdringlichen Wildnis – im „Wildwood“! Dieses Buch von Colin Meloy hat mir nämlich sehr gut gefallen.

 

Die Story

Jedes Kind (und jeder Erwachsene) in Portland kennt die „Undurchdringliche Wildnis“. Der Wald liegt vor der Stadt und ist sogar in den Karten als „U.W.“ eingezeichnet. Niemand geht dorthin – die Menschen kommen gar nicht auf die Idee. Doch eines Tages, als die 12jährige Prue auf ihren kleinen Bruder aufpasst, geschieht unglaubliches: Ein Schwarm Krähen taucht auf, greift sich den kleinen Mac und fliegt mit ihm davon!

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Natürlich flitzt Prue auf ihrem Fahrrad hinterher, so schnell sie kann – am Ende kann sie Mac und die Vögel aber nur noch im Wald verschwinden sehen. In der undurchdringlichen Wildnis! Aber Mac ist ihr Bruder, noch ein Baby, und sie kann ihn schließlich nicht seinem Schicksal überlassen. Als sie die Verfolgung aufnimmt, entdeckt sie, dass sich im Wald eine unbekannte Welt versteckt. Eine Kojoten-Armee gibt es da ebenso wie eine böse Hexe, einen Uhu-Prinzen oder eine hilfreiche, clevere Ratte. Zusammen mit ihrem Klassenkameraden Curtis, der sich ihr unterwegs angeschlossen hat, macht sich Prue auf die Suche nach ihrem kleinen Bruder und stellt fest, dass es nicht so einfach ist, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie geraten in den Krieg zwischen dem Nordwald und dem Südwald, und bald müssen sie sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Aber natürlich spielen nicht alle Waldbewohner mit offenen Karten…

 

Meine Meinung

Die Welt von Wildwood ist detailliert, teilweise skurril und amüsant, aber auch oft richtig ernst (Ja, es ist eine Kojoten-Armee. Ja, das klingt lustig. Das kann aber auch richtig böse werden!). Prue und Curtis sind zwei eigenständige Kinder, die sich im Laufe des Buchs weiterentwickeln und überraschen können. Das gefiel mir sehr gut, denn ich mag nichts weniger als stures Schwarz-Weiß-Denken und vorhersehbare Charaktere! Aber auch die Nebenfiguren überzeugen, sind aber schon deutlicher in schwarz-weiß bzw. gut und böse eingeteilt. Nur bei einigen gibt es eine Entwicklung bzw. man kann sie nicht direkt durchschauen.

Nicht nur inhaltlich hat mir das Buch gut gefallen – es sieht dabei auch noch super aus! Die Illustrationen von Carson Ellis (die Ehefrau des Autors) passen super zur Geschichte. Zusätzlich gibt es Karten (Bücher mit Kartenmaterial muss man einfach lieben, oder?), auf denen die einzelnen Ortschaften in Wildwood dargestellt sind. Das englische Buch hat außerdem noch einen „rauen Buchschnitt“ (Rough Cut), die Buchseiten wirken also am Rand ausgefranst oder wie herausgerissen. Tatsächlich hat mich dieses Merkmal des Buchs erst dazu gebracht, es in der Buchhandlung in die Hand zu nehmen – es sieht einfach total cool aus!

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„Wildwood“ ist der erste Teil einer Trilogie. Die Geschichte ist aber erst einmal abgeschlossen, so dass ich die weiteren Teile bislang noch nicht gelesen habe. Das mag ich sehr gern, denn so kann man erst einmal nur einen Teil lesen und ist nicht so gezwungen, direkt danach die weiteren zu lesen, weil es im Grunde nur ein sehr langes Buch ist. Ich freue mich aber schon darauf, die weiteren Teile zu genießen!

Wildwood von Colin Meloy: deutsche Ausgabeenglische Ausgabe

P.S.: Kennt ihr die Band „The Decemberists“? Colin Meloy, der Autor von Wildwood, ist dort Sänger!

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Rezensionshüpfer

Bücher schenken leicht gemacht – meine Buchtipps im Jahr 2014

18. Dezember 2014

Ihr Lieben, braucht ihr noch dringend Last-Minute-Weihnachtsgeschenke? Bücher passen immer! Wie wäre es also mit der passenden Lektüre für den Liebsten, die Mama, die Patentante oder den Mini-Neffen? Hier findet ihr meine Buch-Highlights des Jahres – fein säuberlich sortiert nach Zielgruppe, damit ihr auch wisst, welches Buch unter welchen Baum gehört.

 

Für die Mama, den Downton Abbey-Fan oder die England-begeisterte Cousine

Eine Klasse für sich von Julian Fellowes. Fellowes ist auch der Drehbuchautor von Downton Abbey – auch in diesem Roman dreht sich alles um das Leben im englischen Adel und der Upperclass. Der Erzähler des Buchs muss in seine Vergangenheit tauchen, um einem alten Freund, der inzwischen zum Feind geworden ist, zu helfen. Dadurch verbinden sich geschickt Erinnerungen aus dem 1960er Jahren mit dem heutigen Zeitalter. Die Handlung ist nett, aber faszinierender ist die treffende und manchmal spitze Beschreibung der Personen und ihrer „Leichen im Keller“.

 

Für den reisebegeisterten Bruder oder die abenteuerlustige Freundin

Mit dem Kühlschrank durch Irland von Tony Hawks. Eine wahre Geschichte und eigentlich schon ein Klassiker (aus dem Jahr 2000). Tony Hawks wettet, dass er mit einem Kühlschrank an seiner Seite durch Irland reisen kann – und das per Anhalter. Nun ist Tony ein fröhlicher Kerl, und so gerät seine Reise zu einem Trip von Pub zu Pub, auf dem er die Menschen manchmal besser kennenlernt, als ihm lieb ist!

 

Für den Mini-Neffen, das Patenkind oder die kleine Nachbarin

Piep, Piep, Piep: Das Buch der Geräusche„. Was aussieht wie ein langweiliges und stinknormales Geräusche-Buch für kleine Kinder, ist ein wirklich lustiger, stabiler und vor allem dicker (über 100 Seiten!) Zeitvertreib. Den Zeichenstil muss man vielleicht mögen, aber ansonsten werden auch die Eltern beim Vorlesen Spaß haben. Die ersten hundert Male jedenfalls, aber danach wird jedes Buch grenzwertig. 😉 Auf jeder Seite ist ein Objekt (oder Tier, etc.) abgebildet, auf der anderen Seite steht dann das zugehörige Geräusch: „Der Esel macht i-Aaah“. Aber eben auch „Die Steckdose macht NEIN!“ oder „Die Schnecke macht gar nichts, bewegt aber elegant ihre Fühler“. Wir haben es dem Neffen zum 1. Geburtstag geschenkt und er liebt es. Und wer ihn fragt, wie die Schnecke macht, der kriegt sich elegant bewegende Finger-„Fühler“ zu sehen. Hach!

 

Für den Teenie, der seine Facebook-Privatsphäreneinstellungen endlich mal anpassen soll

Little Brother von Cory Doctorow. Eine wirklich spannende Geschichte über einen jugendlichen Helden, der den Überwachungsstaat, zu dem die USA nach einem Terroranschlag nach und nach geworden ist, bekämpft. Viel Wissen über Datenschutz, Privatsphäre und „Ich hab doch nichts zu verbergen“. Und dabei absolut korrekt und aktuell von der technischen Seite – Cory Doctorow weiß, wovon er schreibt. Jetzt noch schnell kaufen, in einigen Jahren wird das Buch wohl veraltet sein. Hier könnt ihr übrigens meine ausführliche Rezension zu dem Buch lesen, das man auch als Erwachsener noch sehr gut lesen kann.

 

Für den Papa, den geschichtsinteressierten Freund oder die Kollegin mit dem schwarzen Humor

Mr. Chartwell“ von Rebecca Hunt. Mister Chartwell ist ein großer, schwarzer und an sich ausgesprochen unangenehmer Hund. Er möchte zur Untermiete bei der jungen Esther einziehen, und irgendwie kann sie nicht ablehnen. Beruflich ist er den ganzen Tag bei Winston Churchill zu Besuch… Irgendwann kreuzen sich Esthers und Churchills Wege. Winston Churchill hat seine Depressionen als „schwarzen Hund“ bezeichnet und so ist dieses Buch auch nicht wörtlich zu verstehen. Trotz des ernsten Themas eine Geschichte mit typisch britischem Humor und skurrilen Ideen.

 

Als Mitbringsel zum Weihnachtsessen

Oberst von Huhn bittet zu Tisch – Speisekartendeutsch für Anfänger. Axel Hacke kennt ihr vielleicht schon vom „weißen Neger Wumbaba“ und den Handbüchern des Verhörens. Ich finde ihn urkomisch, und während die falsch übersetzten Speisekarten vielleicht an sich gar nicht besonders witzig wären, lache ich mich jedes Mal schlapp über Axel Hackes wunderbare Kommentare dazu.

 

Da ist doch bestimmt auch für eure Weihnachtseinkäufe noch DAS Buch dabei, das ihr noch gesucht habt – oder? Was waren eure Buch-Highlights des Jahres?

Übrigens: Die Links sind Amazon-Partnerlinks. Aber vielleicht überlegt ihr mal, ob ihr eure Bücher nicht lieber bei Buch7 bestellen möchtet. Die Seite versendet genauso schnell wie Amazon, Bücher sind auch hier versandkostenfrei – aber 75% des Gewinns wird an soziale, kulturelle und ökologische Projekte gespendet. Und da Amazon in den nächsten Tagen ja auch noch bestreikt werden soll, ist das vielleicht sogar die zuverlässigere Alternative?

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Trix Solier von Sergej Lukianenko

4. November 2014

Schon im Urlaub habe ich Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel“ von Sergej Lukianenko gelesen und war begeistert! Da der Held es ebenfalls gut fand und sogar mein Papa das Buch verschlungen hat, wird es endlich einmal Zeit für eine Buchvorstellung. Ich kann euch gleich sagen: Wenn ihr humorvolle Fantasygeschichten a la Terry Pratchett oder Walter Moers mögt, dann legt euch dieses Buch zu. Denn die Geschichte hat alles: Abenteuer! Magie! Zauberwesen! Edelleute und Prinzessinnen! Und alles versehen mit einer ordentlichen Dosis Spannung, aber vor allem: Humor.

Unser Titelheld, der junge Trix, ist der Erbe eines Herzogtums (genauer gesagt: der Erbe eines Co-Herzogtums, denn so einfach ist das alles nicht in seiner Welt) und langweilt sich fürchterlich. Doch dann wird er plötzlich das Opfer eines Putsches und findet sich auf der Flucht wieder. Natürlich schwört er auf Rache! Aber das ist nicht so einfach, wenn man erst 14 Jahre alt ist, als junger Adliger bisher nicht besonders viele lebenspraktische Fähigkeiten gelernt hat und mit keinerlei Möglichkeit ausgestattet ist, zu beweisen, dass man tatsächlich der echte Trix Solier ist. Nach einigen Abenteuern beginnt er schließlich eine Zaubererlehre beim großen Zauberer Radion Sauerampfer. Und als er plötzlich durch einen Zufall erfährt, dass die Prinzessin Tiana zur Zwangsheirat auf die Kristallenen Inseln entführt werden soll, beschließt er, sie auf jeden Fall zu retten …

trixsolier

So erleben wir also mit Trix diverse Abenteuer und lernen märchenhafte Figuren kennen – den lustigen kleinen Klaro, die etwas verwirrte und meist nicht besonders hilfreiche Fee Annette (die es immer nur gut meint), natürlich den großen Zauberer Sauerampfer, die edle Prinzessin und sogar den einen oder anderen minderbemittelten Minotaurus. Dabei werden zahlreiche sarkastische und äußerst amüsante Anspielungen auf die heutige Zeit gemacht. Diese Ebene wird Kindern bei dem Buch wohl entgehen, Erwachsene genießen sie umso mehr! Neben dem großartigen Humor wartet der Roman auch mit neuen Ideen auf, was ja bei Fantasy immer sehr erfreulich ist. Die Methode, nach der hier die Magie funktioniert, ist ausgeklügelt, stimmig und mir dabei vollkommen neu!

In einem zweiten Teil taucht unser Held übrigens erneut auf: Trix Solier – Odysee im Orient heißt der nächste Band, der bereits bei uns im Regal steht und ungeduldig darauf wartet, dass er endlich an der Reihe ist.

Auf das Buch bin ich übrigens in der Münsteraner Buchhandlung meines Vertrauens (lediglich für Bilderbücher habe ich eine andere – beide sind uneingeschränkt empfehlenswert!) gestoßen, als ich nach einem Geschenk für den Helden suchte. Die Beratung war wirklich exzellent und bisher war jede Buchempfehlung der netten Mitarbeiterinnen ein Volltreffer! Ich gehe einfach mit ein paar Favoriten des zu Beschenkenden hin und bekomme etwas in die Hand, von dem ich vorher noch nie gehört habe (der Beschenkte auch nicht – perfekt!) und das großartig ist! Also, Leute: Geht mehr in Buchhandlungen!

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Rezensionshüpfer

Der Guernseyer Club der Freunde von Literatur und Kartoffelschalenauflauf – Buchtipp

19. August 2014

Während eigentlich der Winter ja die Jahreszeit ist, zu der man klischeehaft auf dem Sofa eingekuschelt vor dem prasselnden Kamin Seite um Seite in guten Büchern verschlingt, ist es bei mir eher der Sommer, in dem ich meine Lese-Statistik in die Höhe treibe. Während ich an Regentagen oder bei klirrender Kälte wunderbar Serien schauen oder Xbox spielen kann, genieße ich im Sommer ganze Sonntage auf der Terrasse – natürlich mit Buch. Draußen kann man nun einmal nicht so viele andere Dinge machen, die vom Lesen ablenken. In den letzten Wochen haben mich zwei Bücher besonders gefesselt. Beide sind sehr unterschiedlich, aber beide konnte ich kaum weglegen, weil sie mir so gut gefallen haben! Das erste möchte ich euch heute vorstellen.

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Deine Juliet von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows spielt in England direkt nach dem Krieg, im Jahr 1946. Die Nachwirkungen des Krieges sind also immer noch überall spürbar und auch ein großes Thema des Buchs. Der Roman ist komplett als Briefwechsel verfasst – zwar zwischen vielen verschiedenen Personen, aber immer verständlich. Im Mittelpunkt steht Juliet, eine Autorin. Sie lebt in London, gerät aber in einen schriftlichen Kontakt mit einigen Menschen auf Guernsey, die während des Krieges einen Literaturclub gegründet haben – eher zufällig, um den Besatzern zu entgehen, aber bald entdeckten sie alle ihre Liebe zu Büchern. Im Laufe des Buchs schließt Juliet die Inselbewohner um den wortkargen Dawsey ins Herz, besucht die Insel und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Das Buch wirkt auf den ersten Blick dank Cover und Titel recht kitschig – und so ganz von der Hand zu weisen ist das auch nicht, es kommt durchaus eine Liebesgeschichte vor, aber sie spielt nicht die Hauptrolle. Der Originaltitel „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ („Guernseyer Club der Freunde von Literatur und Kartoffelschalenauflauf“) zeigt viel eher den Charakter des Romans, in dem es nicht nur um die Nachkriegs- und Besatzungszeit, sondern auch um die Liebe zu Büchern geht! Es ist eine warmherzige Geschichte mit einer sehr sympathischen, humorvollen und selbstironischen Hauptperson, ohne allzu große Überraschungen und Wendungen, die sich sehr angenehm weglesen lässt. Natürlich wird die Besatzungszeit thematisiert und es sind sicherlich auch einige traurige Stellen vorhanden, aber insgesamt ist es ein positives Buch. Das ist auch der einzige Minuspunkt, den ich verteilen würde: Die Personen sind alle so makellos positiv (oder eben so makellos unsympathisch, als Gegenpol), alle lieben Juliet, Juliet liebt sofort ebenfalls alle, es ist eine heile Welt so kurz nach dem Krieg, wie sie es vermutlich nicht wirklich gewesen sein kann. Die wenigen Störenfriede in der Geschichte werden nur kurz angerissen, damit man sieht, dass es sie auch gibt – aber sie spielen in der Handlung nicht wirklich eine Rolle, genauso wie Probleme schnell aus dem Weg geräumt werden. Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre genossen und auch mir sind die Inselbewohner, Juliet, Sidney und Sophie ans Herz gewachsen – es ist halt keine hohe Literatur, aber da ich über die Besatzungszeit auf den Kanalinseln so gar nichts wusste, war es vielleicht sogar etwas lehrreich und ich hatte auf jeden Fall eine vergnügliche Zeit mit dem Buch!

(Übrigens etwas off-topic, aber oben auf dem Bild sieht man schön das tolle Sonnenglas, das ich bei Frische Brise gewonnen habe! Es macht sich sehr gut auf dem Balkon und auch wenn das Licht zum Lesen nicht ausreicht, ist es sehr gemütlich, wenn man abends noch draußen sitzt.)

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Rezensionshüpfer

Höhen und Tiefen des Lese-Alltags

7. Mai 2014

Mit meinem aktuellen Buch komme ich irgendwie nicht so richtig voran. „Die Brautprinzessin“ von William Goldman habe ich mir vor allem deswegen geholt, weil der zugehörige Film im Internet unglaublich beliebt ist und häufig zitiert wird. Wie man weiß, sind die Buchvorlagen aber ja grundsätzlich viel viel toller als die Verfilmungen, also musste zunächst einmal die Lektüre her. Und dass hinten auf dem Buchrücken Campino verspricht, es sei ein „großer Spaß, das zu lesen“, hat mich als alten Hosen-Fan natürlich nicht unbedingt abgeschreckt.

Aber wie gesagt, ich komme derzeit nicht so richtig zum Lesen. Daher wollte ich euch die letzten drei Bücher, die ich tatsächlich geschafft habe, einmal vorstellen. Und wie der Titel schon sagt, war alles dabei: Ein Highlight, ein Flop und ein Hmm-Naja-Buch.

In der Einleitung habe ich behauptet, dass Romanvorlagen grundsätzlich besser als ihre Verfilmungen sind. Tja, was soll ich sagen? Ausnahmen bestätigen die Regel! Wir lieben die Serie Dexter, und in jedem Vorspann sprang mir das „based on the novel ‚Darkly Dreaming Dexter‘ by Jeff Lindsay“ ins Auge. Wenn die Serie schon so gut ist, wie gut wird dann erst die Vorlage sein? Also wanderte der erste Band (es ist nämlich auch eine Roman-Reihe) ins Bücherregal und Ostern kam ich endlich zum Lesen. Und es war… Okay. Nicht mehr und nicht weniger. Natürlich konnte mich die Grundidee schon nicht mehr überraschen. Aber der Roman erzählt die Handlung der ersten Serienstaffel, so dass man sehr gut vergleichen kann. Und: Die Serie ist besser. Nicht nur, dass im Roman die Nebenfiguren so gut wie kaum ausgearbeitet werden. Die Tatsache – Achtungs Spoiler! – dass Buch-Dexter die Hinweise, wie er am Ende zur richtigen Location des Showdowns kommt, träumt, wirkte für mich sehr nach einem faulen Kompromiss, weil dem Autor keine bessere Erklärung eingefallen ist.

Ebenfalls zu Ostern – im Zug auf dem Weg nach Sylt – hatte ich „Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen“ von Aimee Bender auf dem Programm. Ich fand die Idee wirklich nett – die Protagonistin stellt fest, dass sie Gefühle schmecken kann. Sie schmeckt also sofort, welche Stimmung bei der Zubereitung eines Essens herrschte, und ob die Eier jetzt aus Käfighaltung oder von glücklichen Hühnern kommen. Es hätte ein wirklich nettes Thema werden können – aber es rutschte mir doch zu sehr ins Absurde. Es ging dann nämlich nicht mehr nur um die Protagonistin und ihre Fähigkeit, sondern auch um ihren Bruder. Ich werde jetzt total spoilern, aber ich komme einfach über dieses Ende nicht hinweg und muss mit jemandem darüber reden. 😉 Besagter Bruder verschwindet nämlich häufig auf mysteriöse Weise. Es stellt sich dann heraus, dass er sich in dieser Zeit verwandelt … in einen Klappstuhl. Ja, die Lösung für sein ständiges Verschwinden ist, dass er sich in ein Möbelstück verwandelt. Er verwandelt sich in einen KLAPPSTUHL!!! Wenn das nicht eines der bescheuertesten Dinge ist, die ich je gelesen habe, dann weiß ich auch nicht. Und was die Autorin mir damit sagen wollte, habe ich ebenfalls nicht verstanden.

Aber ich hatte ja auch noch ein Highlight versprochen. Wirklich Spaß gemacht hat mir nämlich die Lektüre von „Ready Player One“ von Ernest Cline! Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, es ist aber auch schon auf Deutsch erschienen. Der Roman spielt im Jahr 2044. Die Welt ist kein schöner Ort mehr, die Ressourcen sind so gut wie zu Neige gegangen, und die Mehrheit der Menschen flüchtet sich in die virtuelle „Oasis“, die sozusagen als Parallelwelt und virtuelle Realität funktioniert. Dann stirbt der Gründer und Besitzer von „Oasis“. Er verspricht sein Erbe demjenigen, der als erster seine gut versteckten „Easter Eggs“ in der Oasis findet. Da er ein riesiger Fan von Filmen, Computerspielen und Musik der 1980er Jahre war, erlebt diese Epoche ein großes Comeback und so ist dieses Buch gespickt von Anspielungen und Themen aus dieser Zeit. Ein großartiges Geek-Vergnügen. Die Idee fand ich super, die Welt ist toll ausgearbeitet (zumindest die virtuelle – in der wahren Welt hätte ich gerne noch etwas mehr Zeit verbracht) und spannend war es auch noch. Da kann ich schon fast darüber hinwegsehen, dass die Story selbst teilweise relativ eindimensional gut gegen böse war, und das Ende somit recht voraussehbar. Trotzdem ein großartiges Lese-Vergnügen!

Und bei euch – was liegt so auf dem Nachttisch? Was waren Highlights der letzten Zeit, und wovon sollte ich unbedingt die Finger lassen? 😉

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