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Schnipsel

Heute war ich Wandern. Es regnete, die Sicht war neblig, das Thermometer im Auto zeigte zehn Grad. Egal, Wald. Zwanzig Minuten mit dem Auto von hier und dann ging es auf und ab. Unter anderem war ich zum ersten Mal überhaupt am Longinus-Turm. Dieser Aussichtsturm steht auf der höchsten Erhebung des Münsterlands: dem immerhin 187,6 Meter hohen Westerberg. Überrascht war ich davon, wie unfassbar hässlich dieser Turm ist. Mir wurde dann auf Instagram mitgeteilt, dass man ja auch nicht den Turm fotografieren soll, sondern daraufsteigen und von dort aus dann die Aussicht bewundern. Bei dem heutigen Regenwetter habe ich mir das aber mal gespart.

So bin ich aber immerhin mal wieder auf 16.000 Schritte gekommen. Seit ich meine persönliche Challenge, 100 Tage am Stück jeweils 10.000 Schritte zu gehen, geschafft habe, dümpelt meine Schrittzahl nämlich so ziemlich am Boden vor sich hin. Das ist etwas traurig. Und da ich die letzten Tage auch noch krank war und auf dem Sofa Rückenschmerzen von zu viel Liegen bekam, tat die Bewegung auch bei schlechtem Wetter richtig gut.

Außerdem dieses Wochenende bzw. in der Krankenwoche zu berichten: eine lange im Regal vor sich hin staubende Serie in den DVD-Player geschoben und sofort gefesselt gewesen. Boardwalk Empire spielt in den USA der 20er und 30er Jahre und fängt an zum Beginn der Prohibition. Spannend! Leider nirgendwo zu streamen, aber ich habe mir direkt die Komplettbox bestellt, die zu dem Zeitpunkt im Angebot war und nur 27 Euro gekostet hat (statt – wie jetzt – 99!).

Unser Buchclub hat sein Schicksal endlich eingesehen. Wir sind jetzt offiziell ein Dystopien-Buchclub. Nein, nicht wirklich, aber wir haben festgestellt, dass wir wirklich oft Dystopien lesen, und diese zählen dann meist zu den Büchern, die allen am besten gefallen. Ein paar habe ich ja hier auch schon besprochen (Die Berufene und Ein Jahr voller Wunder), es standen aber noch mehr auf dem Programm. Das Licht der letzten Tage war das vorletzte Buch, und dieses Mal haben wir eine ganz besondere Lektüre ausgewählt: Der Bericht der Magd von Margaret Atwood. Nicht wenige hatten die Autorin für den Literaturnobelpreis auf dem Schirm (den hat ja letzten Endes dann mal wieder ein Mann gewonnen – aber bei einem Verhältnis von mittlerweile 100 Männern zu 14 Frauen sind Männer wohl einfach die besseren Autoren *husthust*) und zu dem Buch, das schon mehrfach verfilmt wurde, gibt es auch aktuell eine sehr gehypte Serie (The Handmaid’s Tale nach dem Originaltitel), die man hierzulande leider nicht ansehen kann. Also, außer auf obskuren PayTV-Sendern, die niemand hat. Das Buch war jedenfalls unglaublich gut. Da steht wohl mal eine ausführliche Rezension an. Da hab ich allerdings noch mehrere Bücher auf der Liste.

Mehr Zeit wäre also schön – also alles wie immer. Nebenbei nähe ich, habe die ersten Weihnachtsgeschenkideen, und entrümpele fröhlich die Wohnung nach Konmari. Es wird nicht langweilig!

Buchtipp: 20 Kilo weniger dank “Fettlogik überwinden”

Mir fällt es etwas schwer, diesen Beitrag zu beginnen. Immerhin leben wir irgendwie zwischen zwei Polen. Zwischen Magerwahn und Body Positivity, zwischen Schlank im Schlaf und Fat Acceptance. Das Buch, das ich empfehlen möchte, hat auf Twitter auch in meiner Timeline Staub aufgewirbelt, das Wort “Sektenanhänger” fiel, und der Satz “Ich dachte, übers Kalorienzählen wären wir als Gesellschaft mittlerweile hinaus”. Das ist die eine Seite; auf der anderen Seite lese ich von Menschen, denen nach Jahren plötzlich wieder die Jeans passen und die plötzlich Spaß an der Bewegung haben. Ich habe mich bisher selten dazu geäußert: Das Thema Gewicht ist sehr persönlich, ich habe keine Lust auf Grabenkriege und von mir aus soll jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Wer mich nicht fragt, kriegt zumeist auch nichts gesagt und selbst bei meiner Meinung nach offensichtlichem Bullshit seufze ich zumeist nur innerlich und schweige. Der Mensch will ja in der Regel nicht belehrt werden und die Reaktion ist in den seltensten Fällen positiv. Dann sollen die Leute doch glauben, was sie gern glauben möchten; da bin ich mit den Jahren offen gestanden etwas resigniert.

Dieser recht lange Beitrag wird daher vor allem nicht: Anleitung zum Abnehmen. Regeln für alle. Vorschriften darüber, wer welche Figur haben sollte. Leute! Ihr wisst selbst, wie ihr euch am wohlsten fühlt und wenn ihr Menschen, die abnehmen möchten oder Kalorien zählen oder davon erzählen, dass sie zu dick sind,  grundsätzlich blöd findet, solltet ihr jetzt das Browserfenster schließen.

Selbstdiagnose: Huch, ich bin dick!

In unserer Familie bin ich ja so was wie die Fotografin. Bei allen wichtigen Ereignissen schleppe ich die große Kamera an – neulich bekam ich sogar den offiziellen Auftrag, die Taufe der Mini-Nichte festzuhalten. Das hat eine logische Konsequenz, die vermutlich die meisten Bloggerinnen kennen: Auf den meisten Fotos bin ich nicht zu sehen. Viel lieber dokumentiere ich, wie die Kinder groß werden – die sind ja auch viel niedlicher.

Umso erschrockener war ich, als ich Weihnachten 2015 die Kamera doch mal aus der Hand gab. Plötzlich war ich nämlich auch auf den Bildern. Und nicht von mir selbst möglichst vorteilhaft in Pose gesetzt. Denn natürlich war mir aufgefallen, dass ich mir dafür mittlerweile etwas mehr Mühe geben musste. Gewisse Winkel sehen einfach besser aus als andere. Oder man hält sich einfach dekorativ-unauffällig einen Puschel vors Doppelkinn. Aber auf familiären Schnappschüssen klappt das eben nicht. Und so sah ich mich damit konfrontiert:

Ein Schritt auf die Waage bestätigte: Ich kratzte langsam, aber sicher am Rand des starken Übergewichts, wenn man meinen BMI ausrechnete. Die 30 hatte ich nämlich so gerade überschritten. Hallo, Adipositas! Und da der BMI nicht mit dem Alter identisch sein sollte (naja, außer vielleicht, man ist gerade Anfang 20), sollte sich etwas tun.

Fettlogik überwinden? Nadja to the rescue!

Den Blog von Nadja Hermann lese ich schon lange: erzählmirnix. Er steht auch seit Jahren auf meiner Blogroll. Als ich angefangen habe, dort mitzulesen, war Nadja selbst noch stark übergewichtig. Also, deutlich mehr noch als ich. Wenn ich mich recht entsinne, wog sie um die 150 Kilo. Sie postete gelegentlich darüber – eher in Richtung Fat Acceptance denn kritisch. Mir war’s recht, im Grunde genommen war es mir egal, ich mochte ihren Blog eher wegen der politischen, feministischen Grundeinstellung und natürlich der Comics, die zum Lachen bringen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen.

Irgendwann jedoch begann Nadja, auf dem Blog Artikel zum Thema Abnehmen einzustreuen. Und sie nahm ab (im Buch erfährt man, dass eine Verletzung und andere Gesundheitsprobleme der Auslöser waren). Und sie beschäftigte sich mit dem Thema, recherchierte, las Studien, las Gegenstudien, und sicherlich gibt es auch Gegen-Gegenstudien, las Bücher, Foreneinträge, Artikel. Und schließlich und endlich veröffentlichte sie ein Buch zum Thema: Fettlogik überwinden.

Aufgrund der regelmäßigen Begleitung des Themas auf ihrem Blog bekam ich das schnell mit. Trotzdem kaufte ich mir das Ebook erst, als es bei mir selbst akut wurde. Und ganz klassisch, am 1. Januar 2016, begann ich: mit dem Abnehmen. Mit der Diät? Mit der Lebensumstellung? Nahrungsumstellung? Von allem etwas, nehme ich an.

Erkenntnisse: Das nehme ich mit

Nun bin ich weder Neuling in Sachen Abnehmen (ich habe vor zehn Jahren schon einmal rund zehn Kilo abgenommen und danach mehrere Jahre mein Gewicht gehalten), noch ernähre ich mich unfassbar ungesund. Tatsächlich ist es bei mir die schiere Menge, die das Übergewicht langsam, aber sicher angefuttert hat. Ein Gummitierchen nach dem anderen, eine Portion Nudeln extra, eine große statt kleiner Pizza, und zum Überbacken die Hand großzügig in die Tüte mit dem Reibekäse.

Innerhalb von 9 Monaten verlor ich ungefähr 15 Kilo. Keine Frage wurde mir seither so oft gestellt wie: Wie hast du das gemacht? Und meine Antwort lautet stets: weniger essen, mehr bewegen. Die meisten sind dann enttäuscht. Sorry, aber das ist das ganze Geheimnis. Weniger essen, als man verbraucht. Das wusste ich auch, bevor ich “Fettlogik überwinden” gelesen habe. Und ja: So revolutionär, wie es oft dargestellt wird, ist das Buch vermutlich nicht. Es stellt im Grunde gängige Ernährungsmythen bzw. übliche Ratschläge und “Allgemeinwissen” zum Thema Gewicht nacheinander auf den Prüfstand und untersucht sie einzeln anhand von Studien. Und ich wette, jeder fühlt sich bei wenigstens einer dieser so genannten “Fettlogiken” irgendwie ertappt. Hier eine Checkliste für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben – welchen dieser Aussagen würdet ihr zustimmen:

  • Es ist gefährlich, wenig zu essen, dann hat man keine Energie und baut Muskeln ab!
  • Im Alter nimmt man zu, weil der Stoffwechsel langsamer wird.
  • Leichtes Übergewicht ist sogar gesünder als Normalgewicht!
  • Jojo-Diäten sind viel schädlicher als Dicksein!
  • Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt unweigerlich zu.
  • Von Diätprodukten nimmt man zu!
  • Wer abnehmen will, sollte mehr Obst essen.
  • Kalorien zählen ist essgestört und genussfeindlich.
  • Man sollte maximal ein Pfund pro Woche verlieren.
  • Manche Menschen können nie wirklich schlank sein, dafür sind sie körperlich einfach nicht gebaut.
  • Kalorienzählen funktioniert bei mir nicht. Ich esse nur 1.000 Kalorien am Tag und nehme trotzdem nicht ab! Mein Stoffwechsel ist ruiniert!
  • Bei zu schnellem Abnehmen oder zu viel Gewichtsverlust rutscht man ganz schnell in die Magersucht.
  • Das Idealbild der dünnen Frau ist ein Phänomen unserer Zeit, früher war das ganz anders.
  • Abnehmen ohne Sport geht nicht.
  • Das Übergewichtsproblem ist überbewertet. (Das ist doch noch nicht adipös!)
  • Tägliches Wiegen ist schlecht oder sogar gefährlich.

Und? Also, ich muss zugeben, obwohl ich “weiß, wie es geht” und quasi frei Schnauze schon mal erfolgreich abgenommen hatte, hätte ich einigen dieser Sätze zugestimmt. Vor allem der Aussage, dass man langsam abnehmen soll, damit es gesund bleibt; aber auch, dass leichtes Übergewicht gesünder sei als Normalgewicht oder dass man maximal einmal in der Woche auf die Waage steigen sollte. Tja. Ich werde jetzt nicht Punkt für Punkt widerlegen, aber allen diesen Punkten (und zahlreichen mehr) widerspricht Nadja Hermann in dem Buch. Sämtliche Aussagen untermauert sie dabei mit Studien, bezieht auch Studien ein, die vermeintlich das Gegenteil beweisen, und nimmt diese Studien Schritt für Schritt auseinander, was den Aufbau und die Aussagekraft betrifft.

Jojo-Effekt und Hungerstoffwechsel: Kann man nix machen!

Zum Beispiel der Jojo-Effekt: Das weiß man doch, dass der Körper nach einer Diät froh ist, endlich wieder genug zu essen zu bekommen, und alles einlagert, was er kriegen kann. In Vorbereitung auf die nächste Hungersnot. Der Stoffwechsel fährt runter und man nimmt plötzlich viel schneller zu – gibt’s doch Studien zu und hat auch jeder schon mal erlebt, nach einer Diät wiegt man ganz schnell und quasi urplötzlich wieder mehr als vorher, obwohl man nicht anders isst.

Tja, nun. Das denkt man so. Und ja, es stimmt. Nimmt man ab, verbraucht man weniger Kalorien und kann nicht mehr so viel essen wie vorher. Zudem man ja auch schon vorher mit eben dieser Menge an Nahrung offenbar zugenommen hat, sonst wäre ja die Diät nicht nötig gewesen. Aber ja, auch abgesehen von den Kalorien, die man aufgrund von geringerer Körpermasse weniger verbraucht, benötigen laut einigen (längst nicht allen) Studien einige Menschen nach einer Diät plötzlich weniger Kalorien als erwartet. Und zwar ungefähr 50-80 täglich. Das ist nicht besonders viel. Es ist also nicht so, als dürfte man nach einer Diät keinen Apfel mehr ansehen, ohne zuzunehmen. Und selbst dieser Effekt trat nur bei Menschen auf, die bei der Abnahme völlig auf Sport verzichtet hatten. Warum der Hungerstoffwechsel Unsinn ist, wird im Buch ausführlich und nachvollziehbar erklärt.

Umsetzung: Wiegen, wiegen, wiegen oder Quantifizierung ist alles

Fettlogik überwinden” sagt dem Leser nicht, was er tun soll. Es will keine Anleitung zur Abnahme sein. Nadja erzählt von ihrem eigenen Weg und stellt ansonsten eben die üblichen Mythen auf die Probe. Daraus kann sich jeder selbst mitnehmen, was ihm weiterhilft. Mein Weg war der folgende: Ich habe Kalorien gezählt. Alle. Ich habe mir eine Mini-Waage fürs Büro gekauft und mein Mittagessen abgewogen. Ich habe beim Kochen jede Zutat einzeln auf die Waage gelegt und in die FDDB-App eingetragen. Ich hatte kein festes Kalorienziel; möglichst wenig halt, ohne zu viel Hunger zu haben (und oh Wunder, Hunger kann man manchmal aushalten, wenn man das will). An manchen Tagen war das mehr, an anderen weniger. Ich habe ganz normal auswärts gegessen, wenn es Anlässe gab; aber das Essen dort habe ich dann eben geschätzt und trotzdem in die App eingetragen. So war ich eben manchmal nur knapp unter meinem täglichen Kalorien-Gesamtumsatz und manchmal sehr viel.

Nicht nur mein Essen habe ich gewogen; auch mich selbst. Täglich. So lernte ich, dass Schwankungen ganz normal sind und konnte auch ein bisschen abschätzen, woran sie lagen. Bei bisherigen Abnahme-Aktionen hatte ich mich maximal einmal in der Woche gewogen. Das kann sehr frustrierend sein, wenn die Waage dann genau am Wiegetag einen Ausreißer nach oben hatte. Außerdem gab es mir Routine, sich halt jeden Tag draufzustellen. Wenn mir das Ergebnis gefiel, freute ich mich; wenn nicht, gab ich nicht allzu viel drum.

Die dritte Säule meines “Quantifizierungswahns” kam nach ein paar Monaten hinzu. Ich erstand nämlich günstig ein gebrauchtes Fitbit-Fitnessarmband. Yay, ein Gerät, das alle meine Bewegungen aufzeichnet und auf dubiosen Servern in den USA speichert! Was tut man nicht alles. Das Armband zählte zuverlässig meine Schritte und zeichnete meinen Sport auf. Außerdem rechnete es erstaunlich genau meinen Kalorienverbrauch aus, was natürlich fürs Zählen äußerst hilfreich war. Und das tägliche Schrittziel von 10.000 Schritten zu erreichen – und sich womöglich gar in Wettbewerben mit anderen Nutzern zu messen – hat mich enorm motiviert. Vor allem, weil ich sehen konnte, was ein Tag mit 3.000 Schritten für einen Kalorienverbraucht hat im Vergleich zu einem mit 10.000. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Der Unterschied ist erstaunlich. So ein paar Schritte durch die Wohnung, da erwartet man ja nix. Aber doch, es bringt etwas, definitiv. (Mittlerweile habe ich ein neues Armband, das die Kalorien weitaus ungenauer ausrechnet, aber ich kann den Verbrauch relativ zuverlässig selbst abschätzen.)

Sportlich bin ich also viel gegangen (dazu kam ja auch noch Pokemon Go in der Zeit, yay!). Und mit dem Bouldern habe ich in der Zeit angefangen. Was das so verbraucht, weiß ich aber nicht, doch Muskelaufbau kann ja schließlich auch nicht schaden und der Spaß stand dabei im Vordergrund.

Ein Fazit und zwei Sätze, die ich nicht mehr hören kann


Bis September 2016 hatte ich also 15 Kilo abgenommen. Aber in der Überschrift steht doch 20? Bin ich danach etwa auf meinen ominösen Setpoint gestoßen, ab dem es nicht mehr weitergeht? Nö, es ist viel banaler. Ich habe pausiert. Im Oktober sind wir umgezogen und danach bin ich irgendwie nicht mehr richtig in den Tritt gekommen. Wie sagt Nadja so schön? Es ist nicht schwierig, aber es ist trotzdem schwer. Ungefähr im März habe ich wieder angefangen, und seither sind wieder etwa fünf Kilo runter. Also, keine Sorge: Es klappt. Außerdem keine Sorge: Ich bin weder magersüchtig noch zu dünn, noch werde ich zu dünn, wenn ich mein Gewichtsziel eines mittleren Normalgewichts erreicht haben werde. Denn das ist einer der beiden Sätze, die ich nicht mehr hören kann – in verschiedensten Variationen: Wo willst du denn noch abnehmen? Jetzt ist es aber gut. Das reicht doch jetzt. Vor der Magersucht hat mich noch niemand gewarnt, aber hey, ich schmiere es auch nicht allen aufs Butterbrot, dass ich noch nicht fertig bin. Ich finde dennoch, das muss eigentlich niemand kommentieren. Ich sage ja auch niemandem, dass er unbedingt abnehmen sollte; wieso sollte es besser sein, jemandem zu sagen, dass er das auf keinen Fall tun sollte?

Die zweithäufigste Satzvariation kommt nach meiner Antwort auf die Frage, wie ich das denn gemacht hätte (zur Erinnerung: weniger essen, mehr bewegen). Dann kommt nämlich gefühlt in der Hälfte der Fälle eine Rechtfertigung, wieso das bei mir zwar geklappt hat, aber bei meinem Gegenüber auf keinen Fall so klappen kann: Ach, in deinem Alter geht das ja auch noch. Dafür habe ich keine Zeit. Das klappt bei mir nicht, habe ich schon probiert. Wenn das mal so einfach wäre. Das ist zu kompliziert. Das ist ja auch Typsache. Leute, echt jetzt? Ihr braucht euch nicht zu rechtfertigen. Mir ist das doch egal, was ihr wiegt. Ihr habt mit dem Thema angefangen. Allerdings ist die Hälfte von dem, was ihr sagt, durch Studien widerlegt. In der Regel habe ich aber keine Lust auf Diskussionen und steige aus dem Gespräch aus. Manchmal erwähne ich das Buch – das ich mir mittlerweile gleich zwei Mal als Printversion gekauft habe, weil ich gern darin blättere, es aber auch regelmäßig verleihe.

Buchtipp: Die Berufene von M. R. Carey

England, in der nicht allzu fernen Zukunft. Unter den Menschen tobt ein Parasit – vor rund zwanzig Jahren tauchte er das erste Mal auf, heute leben die verbliebenen gesunden Menschen in wenigen, großen Städten der Welt hinter hohen Mauern und unter widrigen Umständen. Denn eine Infektion verwandelt die Menschen in sogenannte “Hungernde”, die keinen eigenen Willen haben und deren einziges Ziel es ist, andere Menschen zu fressen. Die zehnjährige Melanie lebt allerdings nicht in einer Stadt, sondern auf einem schwer bewachten Militärstützpunkt. Gemeinsam mit anderen Kindern wird sie hier unterrichtet, beobachtet und untersucht. Ihre Besonderheit: Sie sind immun gegen die Auswirkungen des Pilzparasiten – und niemand weiß, weshalb. Die skrupellose Forscherin Dr. Caldwell schreckt vor nichts zurück, um ein Heilmittel zu finden. Schutz findet Melanie in ihrer verehrten Lehrerin Miss Justineau, die ihnen griechische Sagen vorliest und vom Leben außerhalb des Stützpunkts erzählt. Dann kommt es zu einem Angriff auf den Stützpunkt – und Melanie findet sich in einer unerwarteten Gruppe wieder, die sich ab sofort gemeinsam durchschlagen muss.

Ich weiß nicht, weshalb jedes neue Buch und jede Fernsehshow meint, sich ein neues Wort für Zombies einfallen lassen zu müssen. Ist es nicht wahrscheinlich, dass unsere Gesellschaft, sollte es irgendwann dazu kommen, die wieder aufstehenden Untoten als genau das bezeichnen würde, als was wir sie seit Jahren aus der Unterhaltungsindustrie kennen: Zombies? Ich glaube nicht, dass sich ein Begriff wie “Hungernde” durchsetzen würde. Nichtsdestotrotz ist “Die Berufene” von M. R. Carey ein lesenswerter Roman – für mich aber eben trotzdem ein Zombieroman.

Dass die Geschichte zum großen Teil aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, macht es besonders spannend. Melanie weiß nicht viel über die Welt um sie herum. Sie ist ein Forschungsobjekt und erschließt sich ihre Umwelt erst nach und nach. Dabei gibt es für den Leser durchaus einige “Aha”-Momente, die die gesamte Geschichte in einem anderen Licht erscheinen lassen. Allerdings kann ich hier nicht darauf eingehen, ohne zu spoilern. 😉

In dem Buch geht es nicht nur ums reine Überleben der Protagonisten, sondern es werden auch große Fragen angesprochen. Wo hört Menschlichkeit auf? Wieviel Zweck heiligt welche Mittel? Und was ist das Überleben der Menschheit überhaupt wert? Es handelt sich um keinen blutrünstigen Horror-Roman, und die natürlich dennoch nicht ausbleibenden Szenen von Zombieangriffen und Verletzungen sind eher sachlich gehalten. Statt reißerischer Details gibt es hier viel wissenschaftlichen Hintergrund, der das ganze zumindest für mich als Laiin* natürlich realistischer erscheinen lässt, ohne dabei langweilig zu werden. Die Charaktere sind gut gezeichnet, auch wenn ich mir etwas weniger von der einen und dafür etwas mehr von dem anderen gewünscht hätte – aber so hat man halt seine Favoriten. Die kleine Melanie jedenfalls ist mir schnell ans Herz gewachsen.


Nach langer Zeit war “Die Berufene” mal wieder ein Buch, dass mich an den Lesesessel gefesselt hat. Innerhalb von drei Tagen hatte ich den Roman mit immerhin rund 500 Seiten ausgelesen, und anschließend hatte ich ein bisschen “Buchweh”.** Andere sahen das offenbar auch so, denn vor kurzem kam die Verfilmung unter dem Originaltitel “The Girl with all the Gifts” in die Kinos (leider habe ich das wohl verpasst und muss auf die DVD warten). Der Trailer verrät meiner Meinung nach aber schon zuviel und natürlich gilt sowieso wie üblich: erst mal das Buch lesen! Am besten, ohne sich vorher groß zu informieren. Denn je weniger man weiß, desto spannender ist es!

Lest ihr Zombie-Romane? Ist das eigentlich ein eigenes Genre? Und welches Buch sollte unser Buchclub unbedingt als nächstes auf die Leseliste setzen? 

* Ja, ich habe gegoogelt, und die weibliche Form von Laie ist Laiin, auch wenn es merkwürdig aussieht! 😉

** Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr gedanklich noch ein paar Tage bei den Charakteren hängt und eigentlich ganz gern noch ein bisschen länger “dageblieben” wärt?

Diebe! Piraten! Abenteuer! Ein Buchtipp.

Zwölf Götter gibt es in Camorr, dem Stadtstaat, in dem Locke Lamora lebt. Alles, was man so aus den üblichen Fantasy-Geschichten kennt, ist dabei. Da ist Iono, Gott des Wassers und des Meeres; Azra, Göttin des Krieges; oder Gandolo, Gott der Händler und Kaufleute. Locke Lamora, als Waisenkind in Camorr großgeworden, folgt keinem von ihnen. Er betet zum dreizehnten Gott: der namenlose Gott, der “korrupte Wächter”, der Schutzherr der Diebe und Ganoven. Von klein auf ist Locke bei Dieben in die Lehre gegangen, denn ich Camorr herrscht der “Geheime Frieden”, der besagt, dass Verbrecher relativ ungestraft davonkommen, solange sie sich an gewisse Regeln halten und der Aristokratie nicht schaden. Doch Locke hat andere Pläne. Größere Pläne…

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Das Buch “Die Lügen des Locke Lamora” von Scott Lynch stand bei uns schon seit Jahren im Regal. Eigentlich hat der Held es einmal geschenkt bekommen, aber wie das so ist, man hat so viele ungelesene Bücher, das manches in Vergessenheit gerät. Doch ich hatte schon viel gutes über den Roman gehört, daher nahm ich ihn kurz vor Weihnachten selbst in die Hand. Und nach einem etwas holprigen Einstieg war ich schnell gefesselt. Sehr gefesselt!

Persönlich tue ich mich immer etwas schwer, in völlig neue Fantasywelten einzutauchen. Auf den ersten Seiten muss man sich ja erst mal daran gewöhnen, wo man eigentlich ist: Was gibt es hier, was es in unserer Welt nicht gibt? Wie sieht alles aus? Was ist normal, wie sind die Sitten? Mag sein, dass mancher sich da sofort hineinwerfen kann, aber ich kann es nicht. Ich brauche ein-zwei Kapitel. Daher möchte ich den holprigen Einstieg auch gar nicht dem Buch vorwerfen. Es liegt an mir, nicht an dir…

Scott Lynch hat eine stimmige Welt erschaffen, die sich erst nach und nach eröffnet. Das fand ich sehr hilfreich. Das erste Buch spielt ausschließlich in der Stadt Camorr, und wir erfahren nur ein wenig über die Hintergründe der gesamten Welt. Stattdessen lernen wir Camorr von Kopf bis Fuß kennen. Die Verwaltung, die Aristokratie, aber auch die strengen Regeln der Unterwelt, in der klar festgelegt wird, wer wem unterstellt ist und wen man überhaupt bestehlen darf. Locke Lamora widersetzt sich diesen Regeln von klein auf. Daher muss der Lehrherr der Diebe ihn loswerden. Vater Chains, Priester des dreizehnten Gottes, nimmt ihn auf in seine Bande der Gentleman-Ganoven. So bleibt er kein bloßer Taschendieb oder gewöhnlicher Straßenräuber, sondern kann seinen Kopf einsetzen und lernt seine besten Freunde kennen, die bald wie eine Familie für ihn sind.

Das erste Buch springt noch recht viel hin und her zwischen Lockes Kindheit und seinem aktuellen Coup. Das kann manchmal etwas verwirrend sein, zumal Locke in seine Pläne gern Tarn-Identitäten, Plottwists und Betrug im Betrug einbaut. Wenn er gerade einen auf die Nase bekommt, weiß man nie, ob das nicht vielleicht eigentlich doch zu seinem gewieften Plan dazugehörte. Und selbst wenn nicht: Er hat es sicherlich schnell raus, diesen Rückschlag zu seinen Gunsten zu nutzen. Doch auch seine Gegner nutzen Intrigen und Täuschungsmanöver, und sind Locke und den Gentleman-Ganoven vielleicht schon einen Schritt voraus…

Im zweiten Buch “Sturm über roten Wassern” verschlägt es Locke dann in die weite Welt: Nachdem er aus Camorr fliehen muss, findet er sich unerwartet auf einem Piratenschiff wieder. Wir lernen weitere Orte, Herrscher, Traditionen kennen. Auch hier gibt es wieder unerwartete Wendungen noch und nöcher, und das Buch fängt schon mit einem unfassbaren Cliffhanger an, der erst ganz am Ende aufgelöst wird.

Ich habe beide Bücher verschlungen – schon lange habe ich keine solchen Page-Turner mehr gelesen. Wobei ich dennoch gute Bücher gelesen habe, aber halt keine, wo man un-be-dingt wissen muss, wie es weitergeht. Besonders gut hat mir gefallen, dass Locke Lamore und seine Kumpane keine eindimensionalen, schwarz-weißen Figuren sind. Es gibt Krisen, Streit, Loyalitätskonflikt, man gewinnt Vertrauen und verliert es wieder, jeder macht mal einen Fehler, keiner ist perfekt, und es “darf” auch mal gestorben werden (nicht ganz so viel wie bei George R.R. Martin, aber trotzdem werden hier auch Protagonisten nicht zwangsläufig geschont). In den Büchern wird gesoffen und geflucht. Da darf natürlich auch Sex nicht fehlen, auch wenn der Autor hier freundlicherweise nie sehr ins Detail geht – Kinderbücher sind es trotzdem nicht. Schön fand ich hier, dass es nicht nur relativ schnurz ist, wer jetzt wen liebt; generell sind Frauen in der Welt von Locke Lamora völlig gleichberechtigt, ohne das großes Aufheben darum gemacht würde. Dass der Kapitän oder der Kopf der Stadtwache Frauen sind, erkennt man plötzlich an den Pronomen (die Namen helfen nicht immer, wie das in Fantasiewelten nun mal manchmal so ist) und ist kurz überrascht, weil das immer noch nicht überall üblich ist. Ich persönlich fand es sehr angenehm.

Auch nach dem Ende des zweiten Buchs gibt es noch einige offene Fragen. Ich persönlich möchte ja endlich wissen, was aus Lockes alter Jugendliebe geworden ist und was es nun mit diesen geheimnisvollen Eldren auf sich hat, die überall in der Welt Bauwerke aus mysteriösen Materialien zurückgelassen haben, lang bevor dort Menschen lebten… Zum Glück sind bisher schon zwei weitere Bände erschienen: “Die Republik der Diebe” (hier geht es tatsächlich um Lockes erste Liebe) und “Das Schwert von Emberlain“. Diese beiden werden sicherlich bald den Weg in mein Bücherregal finden!

Was war euer spannendstes Buch der letzten Zeit?

Buchtipp: Ein Jahr voller Wunder von Karen Thompson Walker

Seit einiger Zeit bin ich nun Mitglied eines Buchclubs. Einmal im Monat treffen wir uns, reden über Bücher und andere Themen, trinken Kaffee oder Bier, und entdecken dabei auch noch neue Lokale in Münster. Bei jedem Treffen wählen wir ein Buch aus, das wir bis zum nächsten Mal lesen. Über dieses Buch reden wir dann gemeinsam.

Das Buch, das wir über die Weihnachtstage gelesen haben, durfte ich vorschlagen. Ich entschied mich für Ein Jahr voller Wunder von Karen Thompson Walker, weil ich es schon so lange auf meiner Liste hatte. Dabei hatte ich mich vorher nicht groß informiert, worum es in dem Buch geht, sondern mich von einer Empfehlung überzeugen lassen. Dementsprechend unvorbereitet ging ich an das Buch ran.

“Ein Jahr voller Wunder” hat ein hübsches, fast schon romantisch wirkendes Titelbild, und auch der Titel lässt an Liebe, Romantik, schöne Dinge denken. Mehr könnte man kaum irren. “Wunder” sind nämlich nicht immer wunderbar, stellen wir in diesem Roman fest. Es geht um Julia, zu Beginn des Buchs gerade einmal 11 Jahre alt, und ihre Welt. Da sind ihre Eltern – der Vater, der als Arzt ständigen Schichtdienst schiebt, die Mutter, die mit Depressionen lebt. Ihre beste Freundin, Hanna, eine Mormonin. Und natürlich der Junge, in den sie heimlich verliebt ist. So weit, so langweilig. Nichts, was man nicht in anderen “Coming of Age-Romanen” schon hundert Mal gelesen hätte.

Aber dann passieren sie, die Wunder. Und während die Geschichte sich immer noch um Julia und ihre kleine Welt dreht, wurde für mich das gesamte Drumherum plötzlich sehr viel spannender. Auf einmal, niemand weiß weshalb, dreht sich die Erde langsamer. Das hat zur Folge, dass die Tage länger werden – die Abstände zwischen Tag und Nacht vergrößern sich. Ich schreibe das deswegen so, weil mich das Konzept “Die Tage werden länger” erst einmal total verwirrt hat. Ein Tag im Sinne der Zeitspanne zwischen zwei Sonnenaufgängen hat also plötzlich mehr als 24 Stunden. Zunächst unmerklich einige Sekunden, später Minuten, noch später Stunden.

Es war wirklich faszinierend, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Zunächst einmal das offensichtliche: Der Tagesrhythmus ist schnell im Eimer. Wie soll die Gesellschaft weiter vorgehen – geht die Schule los, wenn es hell wird, oder wenn es acht Uhr ist? Aber es geht ja noch viel tiefer. Die Pflanzen und Tiere bekommen Schwierigkeiten, auch die Menschen kommen mit der starken Strahlung der Sonne nicht zurecht. Die Gezeiten verändern sich. Die Schwerkraft wird stärker. Die Gesellschaft verändert sich.

Das Buch war wirklich etwas besonderes: Es hat mich gefesselt, obwohl die Geschichte, die erzählt wird, nicht besonders spannend war. Julias Eltern trennen sich, ihre Freundin zieht weg, sie versucht, in der Schule dazuzugehören, dazu die erste Liebe – die übliche 0815-Teenager-Geschichte. Doch die Atmosphäre des Buchs und die innovative Hintergrundgeschichte hat mich das völlig vergessen lassen. Tatsächlich habe ich das Buch an einem Abend auf dem Sofa verschlungen, und als der Held heimkam, musste ich erst einmal wieder in unserer Welt ankommen. Kurzer Blick auf die Uhr – es war Mitternacht – kurzer Blick nach draußen – es war dunkel. Alles in Ordnung hier bei uns. Es war wirklich ein mulmiges Gefühl entstanden. Danach musste ich dem Helden das Phänomen des Buchs noch in aller Ausführlichkeit darlegen und wir diskutierten über Folgen, Probleme und woran es wohl liegen könnte (darauf wurde im Buch nämlich gar nicht eingegangen).

Also: Eine Leseempfehlung für euch! Meinen Damen im Buchclub hat es glücklicherweise auch gefallen. Diesen Monat haben wir Das Buch der verlorenen Dinge gelesen, und irgendwie hatte ich schon nach einigen Seiten so ein vertrautes Gefühl… Und tatsächlich, ein Blick in meine vergangenen Leselisten des Blogs verriet mir, dass ich das Buch schon 2012 gelesen habe. Upps. Nun denn, neuer Monat, neues Glück!

Bücher schenken leicht gemacht – meine Buchtipps für das Jahr 2015

Nur noch ein knapper Monat – dann ist Weihnachten! Ich habe gerade einmal ein einziges Geschenk bislang, denn natürlich denke ich mir “Ach… Noch ein ganzer Monat!” Aber ihr kennt das vermutlich auch – im einen Moment hat man noch alle Zeit der Welt, und im nächsten ist schon der 22. Dezember und mindestens ein Geschenk fehlt immer noch!

Zumindest für die Leser in eurem Freundes- und Familienkreis könntet ihr dieses Problem hier und jetzt lösen! Wie schon im letzten Jahr habe ich meine Highlights des Lesejahres 2015 zusammengesucht und kurz charakterisiert, für wen welches Buch das perfekte Weihnachtsgeschenk wäre.

 

Für die Mama und andere Fans von Familiengeschichten

Wir sind doch Schwestern von Anne Gesthuysen ist ein Roman über drei niederrheinische Schwestern, die sich auf den 100. Geburtstag der ältesten, nämlich Gertrud, vorbereiten. Dabei denken sie an ihr Leben zurück – an vieles, das sie gemeinsam erlebt haben, aber auch einiges, was sie voneinander entfernt hat. Dabei geht es um Liebe, Schnaps und Zeitgeschichte quer durch das 20. Jahrhundert. Das spannendste daran? Im Nachwort erfährt man, dass die drei Schwestern tatsächlich die Vorfahrinnen der Autorin waren. Natürlich ist es dennoch ein fiktiver Roman, aber ich finde, es gibt der Geschichte noch mal eine ganz besondere “Würze” zu wissen, dass es Katty, Paula und Gertrud tatsächlich gegeben hat – zumindest ein bisschen.

 

 Für die kleine Nichte, das Patenkind oder den wilden Nachbarsjungen

Das ABC der wilden Piraten von Günther Jakobs ist ein verrücktes, lustiges Seeräuber-Buch, an dem nicht nur der Nachwuchs Spaß hat: Bei Bloggen mit Herz habe ich es einigen anderen Bloggerinnen komplett vorgelesen und wir haben uns kringelig gelacht! Dieses Jahr bekommt unser Patenneffe es zu Weihnachten, er ist 2,5 Jahre alt und das sollte auch ein gutes Alter für das Buch sein. Das Buch schult das Sprachgefühl und man sollte auch ein halbwegs guter Vorleser sein, damit es Spaß macht. “Niklas navigiert normalerweise nachdenklich durch Nacht und Nebel. Nur nerven ihn nun neun neunmalkluge Naseweise.” Schön auch, dass die Piraten hier Judith und Achim, Johanna und Emil heißen – auch wenn auf der Rückseite des Buchs ärgerlicherweise trotzdem steht, es sei “für Jungen”. Blödsinn. Glücklicherweise berührt das aber ja nicht den Inhalt.

 

Für den begeisterten Gamer – oder den Papa, der sich Sorgen macht, dass das Kind zuviel Videospiele spielt

Besser als die Wirklichkeit! heißt das Buch von Jane McGonigal. Der Untertitel “Warum wir von Computerspielen profitieren und wie sie die Welt verändern” trifft es vielleicht eher. Ein erstaunlich unterhaltsames Sachbuch, das vielleicht auf der einen Seite Verständnis wecken kann, auf der anderen Seite Argumente liefert, weshalb es gar nicht so schlimm ist, dass man nach der Schule oder Arbeit erst mal ein Stündchen vor der XBox oder Playstation sitzt – und beide Seiten lernen auf jeden Fall, wie man die Fähigkeiten, die man dabei lernt, im “wahren Leben” einsetzen kann. Hier habe ich eine ausführliche Rezension zu dem Buch geschrieben.

 

Für die Urlaubsleserin mit dem Hang zu lustig-leichter Lektüre

Dabei ist der Hang zur leichten Lektüre gar nicht böse gemeint, denn ich habe Wo steckst du, Bernadette? von Maria Semple sehr genossen! Es ist ein außergewöhnlicher Roman über eine außergewöhnliche Frau – natürlich Bernadette nämlich. Bernadette ist Mutter, Ehefrau, Schrecken der anderen Mütter, und plötzlich ist sie vor allem eins: verschwunden. Niemand weiß, wo sie ist, am wenigsten ihr Mann und ihre Tochter. Das Buch begibt sich auf die Suche – nicht in chronologischer Erzählform, sondern anhand von Emails, Rechnungen, Tagebucheinträgen und vielem mehr. So macht es besonders viel Spaß, Bernadettes Geschichte aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu entdecken und mitzurätseln, was passiert sein könnte. Eindeutig mal “was anderes” und wunderbar wegzulesen!

 

Für den Science-Fiction-begeisterten Papa oder die Schwester mit Humor

Die meisten haben wohl mittlerweile schon von Der Marsianer von Andy Weir gehört, da der Roman verfilmt wurde und vermutlich sogar gerade noch in den Kinos läuft. Und während Matt Damon ein sehr sympathischer Mars-Astronaut ist, ist Mark Watney im Buch noch einen Tick besser. Das Buch hat Humor, ist spannend und langweilt kein bisschen, obwohl die meiste Zeit ein Mann einsam auf dem Mars mit sich selbst redet. Hier habe ich ausführlicher dazu geschrieben. Falls möglich, verschenkt die Originalversion an popkulturell versierte Leserinnen – das macht doppelt so viel Spaß. Da aber auch schon die übersetzte Version sehr, sehr viel Spaß macht (ich habe selbst die deutsche Version gelesen), könnte das fast schon etwas zu spaßig werden. Ihr müsst selber wissen, ob ihr das riskieren möchtet. 😉

 

Für die Studentin kurz vorm Studienabschluss oder den Neffen im ersten Job

Eigentlich gebe ich keine rein englischsprachigen Buchtipps, aber für die junge Generation kann man a wohl mal eine Ausnahme machen. Adulting: How to Become a Grown-up in 468 Easy(ish) Steps von Kelly Williams Brown lohnt sich nämlich wirklich und ist bisher nicht in einer Übersetzung zu haben (tatsächlich gibt es eine niederländische Version, aber das bringt die meisten wohl auch nicht weiter)! Das Buch bietet zahlreiche Tipps zum Erwachsenwerden, in erster Linie ist es aber unglaublich unterhaltsam geschrieben. Die Leseprobe auf Amazon gibt einen guten Eindruck, denn genau so geht es weiter. Bis auf einige sehr aufs amerikanische zugeschnittene Punkte lernt man hier fürs Leben: Fake it till you make it, den Umgang mit Geld, ob man sich wirklich eine Katze zulegen sollte und wie zum Kuckuck man eigentlich eine Dinnerparty schmeißt.

 

Für den Weltenbummler oder die Schwester, die von fernen Ländern träumt

Nach einer Reise ist doch es doch definitiv the next best thing, die Abenteuer in fremden Ländern durch ein Buch zu erleben, oder? Ist auch viel günstiger und kann man sogar zu Weihnachten verschenken – mit Ein Teelöffel Land und Meer von Dina Nayeri! Das Buch spielt im Iran und handelt von Saba und ihrer Zwillingsschwester, also vielleicht auch ein gutes Buch für Geschwister? Ich als Einzelkind muss da leider passen. Hier habe ich noch etwas ausführlicher zum Buch geschrieben. In jedem Fall ist es ein wunderschönes Buch aus einer ganz anderen Welt, in die man abtauchen kann.

 

Vielleicht seid ihr fündig geworden – ich würde mich freuen! Ansonsten findet ihr hier auch meine komplette Leseliste des Jahres. Welches Buch war euer Jahreshighlight – und wem sollte ich es zu Weihnachten schenken?

Buchtipp: Der Marsianer von Andy Weir

Es gibt so Bücher, von denen hört man und denkt: “Das kann ja nichts werden.” So ging es mir mitDer Marsianer” von Andy Weir. Ich hörte zunächst in einem Podcast davon, in dem der Roman ungefähr folgendermaßen zusammengefasst wurde: Ein Mann strandet auf dem Mars und ist die ganze Zeit allein dort und benutzt die Wissenschaft, um Dinge zu bauen. Ähh, klingt nicht sehr einladend, oder? Dennoch waren die beiden Podcast-Autoren begeistert.

Bald darauf erfuhr ich, dass der Roman verfilmt werden sollte – richtig groß von Hollywood, mit Matt Damon in der Hauptrolle. Ich wurde also schließlich doch neugierig, und so fand das Buch doch seinen Weg in mein Regal. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt!

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Es ist tatsächlich so: Mark Watney, Protagonist des Buchs, wird von seiner Crew versehentlich allein auf dem Mars zurückgelassen. Versehentlich? In einem Sturm geht Watney verloren, seine Übertragungssysteme fallen aus und so wird er für tot gehalten. Plötzlich ist er auf sich gestellt – ausgerüstet mit Nahrung für einige Monate, lebenserhaltenden Systemen, nicht genug Wasser und zwei Mars-Rovern, mit denen er umherfahren kann.

Die Geschichte wird in der Hauptsache durch Watneys Logbucheinträge erzählt (im Film ist das clever dadurch gelöst, dass er ein Video-Logbuch führt – im Buch schreibt er, soweit ich weiß). Glücklicherweise ist Mark ein durchweg sympathischer, optimistischer, ehrlicher Typ, der darüber hinaus noch mit einer ordentlichen Portion Humor ausgestattet ist. Der Held hat das Buch nach mir gelesen – ich konnte oft schon an der Dauer seines lauten Lachens erraten, an welcher Stelle er gerade war. 😉 Es macht einfach Spaß, Watney zuzuhören – und das trotz der Tatsache, dass er ausführlich chemische Formeln, mathematische Berechnungen oder botanisches Fachwissen beschreibt.

Aber das Buch spielt nicht ausschließlich auf dem Mars. Nachdem der Rest der Crew sich in Sicherheit gebracht hat und Mark Watney auf der Erde für tot erklärt wurde, stellt die NASA nämlich plötzlich fest, dass er doch noch lebt. Und so beginnt ein Rennen mit der Zeit: Ist es möglich, Watney zu retten, bevor ihm die Nahrung ausgeht? So kommen noch einige andere Personen ins Spiel, was der Unterhaltung sicherlich auch nicht schadet. 🙂

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Thematisch hätte ich vorher wirklich nicht erwartet, dass das ein Buch für mich ist. Science Fiction ist oft nicht so mein Fall. Aber hier ist das anders (einige technische Beschreibungen habe ich allerdings auch nur überflogen). “Mark Watney is my spirit animal”, habe ich kürzlich gesagt – er ist einfach herrlich sarkastisch und lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht unterkriegen, egal was passiert! Und obwohl es natürlich nach dem üblichen Muster Problem – Lösung – Rückschlag vonstatten geht, wird es einfach nicht langweilig und man wird immer wieder überrascht.

Absolute Lese-Empfehlung also! Wobei ich sagen möchte: Wer kann, sollte das Buch wirklich im englischen Original lesen. Ich habe es auf Deutsch gelesen und bei der Übersetzung stellenweise ein nervöses Augenzucken entwickelt. Sie ist nicht wirklich schlecht, doch dadurch, dass Watney so lässig und sarkastisch erzählt, dabei noch popkulturelle Bezüge einbringt und alberne Wortspiele macht, ist es einfach stellenweise unmöglich zu übersetzen. Ich meine sogar, an einer Stelle hätte man einen Spruch von ihm auf Englisch stehenlassen müssen, da er unübersetzbar ist. Und “Hell yeah” klingt einfach cooler als “Teufel, ja!” Aber trotzdem war das Buch auch auf Deutsch ein großes Vergnügen!

 

Der Marsianer im Kino

Den Film haben der Held und ich mittlerweile auch gesehen – und er ist ebenfalls empfehlenswert. Wie immer schlägt das Buch den Film, die Story ist natürlich erheblich gekürzt (bei einem 500 Seiten-Roman kein Wunder), das Ende ist nicht ganz identisch zum Buch und eine der spannendsten Plot-Stellen wurde einfach weggelassen. Aber Matt Damon ist ein toller Mark Watney, die Bilder vom (nachgestellten) Mars sind beeindruckend und es ist spannend, die ganzen Gerätschaften, Ausrüstung und Vorgänge zu sehen, die im Buch nur beschrieben werden und die ich mir teilweise ganz anders vorgestellt hatte. Hier ein Trailer:

Lieblingsstelle

Teddy drehte seinen Stuhl herum und betrachtete durch das Fenster den Himmel. Die Abenddämmerung war nahe. “Wie muss das sein?”, überlegte er. “Er sitzt da draußen fest und glaubt, er sei ganz allein und wir hätten ihn aufgegeben. Wie wirkt sich das auf die psychische Verfassung eines Menschen aufs?” Er wandte sich wieder an Venkat. “Ich frage mich, was er gerade denkt.”

Logbuch: Sol 61. Wie kommt es, dass Aquaman Wale kontrollieren kann? Sie sind Säugetiere! Das ist doch Unsinn.

Andere Länder, spannende Bücher

In letzter Zeit habe ich viel gelesen, aber ich bin kaum dazu gekommen, euch auch mal wieder ein paar Bücher zu empfehlen. Deshalb habe ich heute gleich mehrere Exemplare mitgebracht – und zwar drei Bücher völlig unterschiedlicher Art, die nur eines gemeinsam haben: Sie entführen uns in andere Länder!

 

Den Anfang macht “Der Araber von morgen” von Riad Sattouf. Der autobiografische Graphic Novel* illustriert die frühe Kindheit des Autors, Sohn eines Syrers und einer Franzosin. Dabei werden die Jahre 1978 bis 1984 dargestellt – eine Zeitspanne vor meiner Geburt und so kannte ich mich auch relativ wenig mit der Geschichte dieser Zeit aus. Riads Eltern lernen sich in Frankreich kennen, doch bald möchte sein Vater zurück in seine Heimat, den Nahen Osten. Frau und Kind kommen mit, es geht zunächst nach Libyen unter Gaddafi, später dann auch nach Syrien ins Heimatdorf des Vaters. Dabei geht es im Comic aber nicht (sehr) um politische Zusammenhänge – alles ist aus der Sicht des kleinen Riad dargestellt, der mit seinen blonden Locken bei den Erwachsenen gut ankommt, es bei den anderen Kindern jedoch schwer hat. Mit dem Rest der Familie bin ich allerdings nicht ganz warm geworden. Der Vater unsympathisch, begeistert von Diktatoren und Traditionen, die Mutter, die sich blass und still alles gefallen lässt und nur selten den Mund aufmacht. Erklärt wird wenig, wie auch dem vierjährigen Kind im Buch wenig erklärt wird. Insofern also passend und auch wirklich interessant – wer sich für kulturelle Unterschiede interessiert und nicht gleich einen meterdicken Roman lesen möchte, ist hier gut aufgehoben!

* Ich habe kürzlich gelernt, es hieße “die Graphic Novel”, aber das will mir nicht in den Kopf. “Novel” heißt doch nichts anderes als “Roman”?

 

Eines meiner absoluten Jahreshighlights unter den Büchern ist auf jeden Fall “Ein Teelöffel Land und Meer” von Dina Nayeri. Hinter dem wunderschönen Cover, das mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat, versteckt sich ein sanfter und zunächst etwas fremdartiger Roman aus dem Iran der 1980er Jahre. Es geht um zu Beginn elfjährige Saba, die als Tochter eines wohlhabenden Mannes in einem kleinen Dorf auf dem Land aufwächst. Doch ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab sind nicht bei ihnen. Saba weiß, dass die beiden in Amerika sind – im Iran ist die islamische Revolution ausgebrochen, doch die Flucht der ganzen Familie hat nicht geklappt. Oder ist etwas ganz anderes geschehen? Während Saba auf dem Dorf aufwächst, bleibt stets die Sehnsucht nach der Mutter und dem Zwilling in ihrem Herzen. Deren Leben in Amerika kann sie sich ganz genau vorstellen, und sie erzählt den Nachbarinnen und Freundinnen Geschichten über Mahtabs Leben in der Ferne. Geschichten spielen nämlich eine große Rolle im Dorfleben – was ist wahr, was ist gelogen? Saba wächst auf, verliebt sich, träumt, heiratet – ihr Leben ist real, manchmal viel zu real, wenn es um die Obrigkeit, um Vergewaltigung, um Religion, um Politik und um Liebe geht. Sie flieht in die Geschichten rund um ihre freiere Schwester, doch die tatsächliche Wahrheit um Mahtab bleibt lange Zeit ein Rätsel und diese Spannung ist wirklich gekonnt konstruiert – zwischen den beiden Theorien bin ich bis kurz vor Schluss immer hin- und hergeschwankt! Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in die fremde, iranische Welt konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen – ungewöhnlich, spannend, optimistisch, verträumt und dennoch historisch korrekt. Absolute Lese-Empfehlung für alle Romanfreunde!

 

“Kleiner Phoenix” ist ebenfalls eine Autobiografie, aber wir begeben uns nun in einen anderen Teil der Welt – nach China. Jie Zhao ist in China unter Mao aufgewachsen. Dieser Teil der chinesischen Geschichte war mir (im Gegensatz zum Hintergrund der ersten beiden Bücher) nicht völlig fremd. Doch natürlich ist eine Autobiografie etwas völlig anderes als die Texte und Filme, die ich bisher kannte, denn hier geht es nicht um Mao, sondern um ein kleines Mädchen und seine Familie. Jie wächst bei der Großmutter auf, da ihre Eltern beide als Schauspieler (!) in der Armee tätig sind. Die politischen Entwicklungen der Kulturrevolution versteht sie zwar nicht wirklich – aber sie ist intelligent und begeisterungsfähig, und so glaubt sie ans System, durch das sie seit dem Kindergarten Schritt für Schritt indoktriniert wird, wird vorbildliche Rotgardistin und sogar Kompanieführerin. Die Ideologie überzeugt, obwohl sie oft überrascht ist, wenn plötzlich Nachbarn oder Lehrerinnen zu Verrätern erklärt und bestraft werden. Aber sie macht mit, denn selbstverständlich vertraut sie auf den “großen Vorsitzenden”. Erst nach vielen Jahren kommen ihr Zweifel, als sie zur “Umerziehung” unter erbärmlichen Verhältnissen auf dem Land arbeiten muss und spätestens, als sie aus dem Ausland die Bilder vom Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Fernsehen sieht. Das Buch ist wirklich ein beeindruckendes Dokument und zeigt eindrücklich, wie der Alltag und das Aufwachsen junger Menschen in der damaligen Zeit tatsächlich war. Das Buch ist allerdings, das muss man auch sagen, ein echt “dicker Brocken”. So ein Leben passt nun einmal nicht auf 200 Seiten, und so habe ich wirklich lange an der über 700 Seiten langen Biografie gelesen. Es handelt sich eben um eine Autobiografie, keinen Roman mit extra konstruierten Spannungsbögen etc.! Das muss man schon mögen. Interessant ist es in jedem Fall, nicht nur aus geschichtlichen Gründen, sondern auch, um die Mentalität und Gebräuche des chinesischen Alltags kennen zu lernen. Hier gibt es übrigens noch ein interessantes Interview mit der Autorin. Allen Biografie-Freunden oder China-Interessierten empfehle ich dieses Buch!

Häufig tue ich mich schwer mit Büchern, die in völlig anderen Kulturkreisen spielen. Man muss sich wirklich darauf einlassen, aber dann ist es oft eine ganz besondere Erfahrung. Habt ihr vielleicht noch Buchtipps für mich, die in für uns ganz fremden Welten spielen?

Buchtipp: Goodbye Arschgeweih von Daniel Krause*

Bevor ich euch heute einen Buchtipp geben kann, müsst ihr ein paar Dinge über mich wissen. Erstens: Ich bin ein Ratgeber-Typ. Ich springe auf Ratgeber sofort an, wenn sie “mein” aktuelles Thema nur halbwegs behandeln. In meinem Bücherregal finden sich Bücher über Ernährung, über Fotografie, über die Steigerung der Kreativität, über den Umgang mit Geld, übers Aufräumen, übers Selbermachen, über Achtsamkeit, und sicher noch ein paar mehr. Diese Bücher stelle ich im Regelfall nach dem Kauf übrigens ungelesen ins Regal… Nur wenige davon sind komplett gelesen.

Zweitens: Ich träume von einem Tattoo. Seit einiger Zeit wird der Gedanke immer konkreter, ich grüble übers genaue Motiv, ich schaue mir tätowierte Menschen online an, ich google nach Adressen von Tattoostudios und bin mir zu 90% sicher.

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Ja, ich habe mir für das Bild was auf dem Arm gemalt. Nein, dass ist nicht das Tattoo, was ich haben möchte, zumindest nicht als erstes.

Wenn ihr das über mich wisst, werdet ihr verstehen, weshalb ich das Buch Goodbye Arschgeweih: Von der Kunst, beschissene Tätowierungen zu vermeiden haben musste. Obwohl ich Daniel Krause, der es geschrieben hat, überhaupt nicht kannte. Vielleicht hätte mich das auch eher abgeschreckt, denn alles, was ihn bekannt gemacht hat, interessiert mich leider nicht die Bohne: Er hatte eine Sendung bei DMAX, war Darsteller bei “Berlin Tag und Nacht”, und hat mittlerweile wohl ein Format im Frühstücksfernsehen bei Sat 1. Tut mir Leid – nicht meine Welt.

Macht aber gar nichts – auch wenn ich etwas skeptisch wurde, als ich das las und das Buch bereits vor mir lag. Doch keine Sorge: Krause schreibt wirklich sympathisch, amüsant und einfach nett. Auch wenn er gleich im ersten Kapitel versucht, mir den Zahn zu ziehen, mein erstes Tattoo müsse gleich auf den Unterarm. Ich fühlte mich etwas ertappt, als er dies als Trend ausmachte und Neulingen erst einmal davon abriet… 😉 Tatsächlich denke ich nun über eine andere Stelle nach (aber das letzte Wort ist noch nicht gefallen).

Das Buch behandelt sämtliche Themen, die einem zum Thema Tattoo so einfallen können. Zunächst gibt es einen kleinen Test, welcher “Tattoo-Typ” man so ist. Bist du eher “Der Entschlossene” oder “Der Kreative”? “Der Anspruchsvolle” oder “Der Emotionale”? Anschließend gibt es Tipps zur Wahl des richtigen Tattoostudios (Worauf sollte ich beim Besuch achten, wenn ich mir das Studio vorher ansehe?), zum Umgang mit Schmerzen, zur Auswahl des Motivs und tatsächlich auch ein Kapitel zum Thema Tattoo-Entfernung. Zwischendurch wird das ganze unterlegt mit Anekdoten und Fakten aus dem Tätowier-Alltag. Und mit interessanten Infos – wusstet ihr beispielsweise, dass hierzulande überhaupt keine Richtlinien und Gesetze für Tattoostudios gelten? Tätowierer ist keine Berufsbezeichnung, jeder kann ein Studio eröffnen und eine Tätowiermaschine in seinem Badezimmer benutzen, wenn es ihm Spaß macht.

Zwischen all diesen Kapiteln kommen Freunde von Krause zu Wort. Juchuh, noch mehr Promis, die ich nicht kenne! 😉 Einzig Mark Benecke war mir halbwegs ein Begriff. Außerdem tauchen noch Pia Tillman, Ingo Kantorek, Hagen Stoll, Makani Terror und Judith van Hel auf – vielleicht sagt euch einer von den Namen ja was? Alle erzählen ihre persönliche Tattoo-Geschichte, ihre Tattoo-Sünden, was sie bereuen oder eben nicht.

Die große Frage ist natürlich: Hat mich das Buch nun weitergebracht? Diese kann ich mit einem klaren Jein beantworten. 😀 Das Kapitel zur Motivwahl hat mich am meisten interessiert, aber natürlich kann man hier nicht für jeden Leser ein passendes Motiv empfehlen. 😉 Stattdessen werden die verschiedenen Stilrichtungen erklärt, was auch interessant war. Die Tipps zur Wahl des Tattoostudios sowie dazu, wie man sich nach einer Tätowierung verhalten sollte, werde ich sicherlich noch anwenden, wenn es akut wird. Ansonsten muss ich – wie eingangs erwähnt – nun noch einmal genauer die Stelle überlegen, an der das Motiv meinen Körper zieren soll. Auch über meine Motivation für eine Tätowierung denke ich nach. Die Infos über Tattoo-Farben zum Thema Sicherheit etc. haben mich beruhigt, obwohl ich vorher gar nicht wusste, dass ich beunruhigt war.

Ansonsten hat mir das Buch glaube ich auch ein wenig die Angst genommen, überhaupt erst mal zu einem Tätowierer zu gehen. Denn auch wenn ich weiß, dass es vermutlich Quatsch ist: Irgendwas in mir drin denkt, wenn ich in ein Tattoostudio gehe und sage, was ich mir vorstelle, lachen die mich aus. Aber wie schreibt Krause so schön: “Auch wenn ich mittlerweile selbst zu 70% zutätowiert bin und aussehe wie ein bunter Taucheranzug, bin auch ich ohne Tattoos auf die Welt gekommen. Wir können also auf Augenhöhe sprechen, und es braucht sich keiner ausgeschlossen zu fühlen.” Sprich: Jeder, der tätowiert ist, hat mal sein erstes Tattoo bekommen und vielleicht befürchtet, ausgelacht zu werden. Und sollte das tatsächlich passieren, bin ich offensichtlich an ein Arschloch geraten, von dem ich sowieso kein Tattoo haben möchte.

Jedenfalls habe ich mich von dem Buch auf jeden Fall gut unterhalten gefühlt und es komplett gelesen – was man nicht von jedem Ratgeber in meinem Bücherregal behaupten kann! (“Schlank durch Achtsamkeit”, “Wie man gute Laune bekommt” und den Finanzberater von Peter Zwegat *hüstel* habe ich neulich noch ungelesen bei Momox verkauft…) Daher kann ich es jedem, der über ein Tattoo nachliest und noch etwas unsicher ist, empfehlen.

Wie sieht das überhaupt aus bei euch? Habt ihr Tattoos? Warum – findet ihr es einfach schön, gab es einen persönlichen Anlass…? Wie lief eure Entscheidung auf dem Weg dorthin ab? Und könnt ihr mir einen Tätowierer in der Gegend besonders ans Herz legen? 😉


*Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag auf meine Anfrage hin kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung ist selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

Buchtipp: Wo steckst du, Bernadette? von Maria Semple*

Bernadette Fox ist nicht die angenehmste Person auf Erden. Sie ist ungern unter Menschen, nicht immer freundlich, schimpft gern beim Autofahren und hilft nicht ehrenamtlich in der Schule ihrer Tochter mit. Aber sie ist auch eine geliebte Ehefrau und Mutter, die Humor und verrückte Ideen hat. Sie legt im stetigen Clinch mit den anderen Müttern an der Privatschule ihrer 15jährigen Tochter Bee, und für einen winzigen Stundenlohn leistet sie sich eine virtuelle Assistentin in Indien, die ihr Alltagsdinge abnimmt und von der ihr Mann nichts wissen darf. Zum Schuljahresabschluss will die Familie auf eine Kreuzfahrt in die Antarktis fahren – doch dann ist Bernadette plötzlich verschwunden…

Das BuchWo steckst du, Bernadette?” von Maria Semple wurde mir zunächst von der besten Freundin empfohlen, die das ganze im “Book Club” in Kanada auf dem Programm stehen hatte. Und ich kann verstehen, warum es ihr Spaß gemacht hat! Es handelt sich hier nämlich um keinen klassischen Roman, erzählt von einer Person. Zwar gibt es einen grundsätzlichen Erzähler: Bee, die Tochter der titelgebenden Bernadette. Doch die mischt sich eigentlich nur zwischenzeitlich ein.

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Zum Großteil besteht das Buch aus einzelnen Abschnitten: Emails, die Bernadette an Freunde geschrieben hat. Emails, die andere Mütter aus der Schule sich über Bernadette geschrieben haben. Emails von Bernadette an ihre indische Assistentin, die für 75 Cent in der Stunde alles organisiert, wofür Bernadette ansonsten unter Menschen gehen müsste. Berichte, Briefe, Akten, Erinnerungen – auf den ersten Blick wirkt vieles ganz zusammenhangslos, doch nach und nach ergibt sich ein immer deutlicheres Bild! Dabei steuert die Geschichte tatsächlich auf einen Höhepunkt zu, auch wenn es zunächst nicht so wirkt. Und dann wird es noch richtig spannend!

Mir hat die Lektüre auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, weil es mal etwas anderes war. Keine “schwere Kost”, klar – aber das möchte man ja im Urlaub vielleicht auch gar nicht unbedingt. Ich habe das Buch an einem entspannten Strandtag komplett geschafft (bzw. habe abends in der Badewanne den Rest gelesen) und mich herrlich unterhalten gefühlt. Manches Mal konnte ich laut auflachen, und auf jeden Fall habe ich mitgerätselt. Tatsächlich gibt es zum Schluss eine Auflösung, das ist ja auch nicht selbstverständlich bei solchen Themen. Wer also keine Bücher mit offenen Enden mag, kann hier ruhigen Gewissens zugreifen (mir persönlich hätte es “offen” ja besser gefallen, aber nun gut, es hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan). “Wo steckst du, Bernadette?” ist somit auf jeden Fall meine persönliche “leichte Lektüre des Sommers”, wenn ich ein Buch nominieren müsste!


*Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag auf meine Anfrage hin kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung ist selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.