Statt Bloggen.

Statt zu bloggen, spiele ich Videospiele. Bei Horizon Zero Dawn bin ich eine Heldin, die mit Pfeil und Bogen auf die Jagd nach Roboter-Dinosauriern geht, und ja, das macht viel mehr Sinn und Spaß, als es klingt. Der Held hat Hand-Controller für die Oculus Rift bestellt und jetzt können wir virtuell klettern oder abstrakte Figuren verprügeln (ersteres mache ich kaum noch im realen Leben, letzteres führt schon virtuell zu winzigen Panikattacken bei mir). Wie üblich wird mir nach einiger Zeit übel, aber bis dahin macht es Spaß.

Statt zu bloggen, lese ich. Endlich mal den dritten Teil der Metro-Reihe beispielsweise. Im Sommer sitze ich so gern zum Lesen auf dem Balkon. Das ist dieses Jahr bisher zu kurz gekommen, daher habe ich mir nun vorgenommen, die Playstation mal häufiger ausgeschaltet zu lassen und mich wieder in die Moskauer U-Bahn-Schächte zu begeben. Da ist es dann wenigstens gedanklich schön kühl. Das neue Buch für den Buchclub wartet auch schon. “Ein spannendes Vexierspiel” steht auf der Rückseite, und ich bin gespannt, ich habe nämlich keine Ahnung, was ein Vexierspiel ist.

Statt zu bloggen, gehe ich. Meine App hat mich gestern Abend beglückwünscht, die 10.000 Schritte nun schon seit sechs Wochen täglich durchzuhalten. Das macht 45 von 100 Tagen. Ich laufe beim Telefonieren durchs Wohnzimmer, mache abendliche Spaziergänge, wenn es endlich kühler geworden ist, oder gehe mittags mit dem Bürohund eine Runde. Wenn ich Lust und Zeit habe (und es nicht so heiß ist), gehe ich Joggen. Ähem. Laufen. Wie man es auch nennen mag. Es macht erschreckend viel Spaß. Natürlich ist es auch hilfreich, dass die schöne Gegend ungefähr 200 Meter hinter dem Haus beginnt. Ich kann wählen zwischen Feldwegen und Waldwegen. Abends gehe ich gern durchs Wohngebiet und lausche den Rasensprengern, Fernsehstimmen aus offenen Fenstern, angeregten Gesprächen auf Balkonen und Terrassen, Vogelgezwitscher. Die Geräuschkulisse des Sommerabends.

Statt zu bloggen, nähe ich. Babyshirts für den Freundeskreis. Ich habe sogar extra den Plotter wieder abgestaubt und die niedlichsten Kapelle Petra-Fan-Shirts aller Zeiten genäht. Am Wochenende werden sie verschenkt und dann kann ich sie endlich zeigen. Ich bin sehr verliebt. Meine Nähbücher, die ich zum Geburtstag bekommen habe, wollen ja auch mal getestet. Und gestern haben wir bei Ikea Stoff gekauft, aus dem ich Tischdecken nähen möchte. Das ist immerhin zumindest nicht so viel Arbeit.

Manchmal frage ich mich, ob der Blog sich mittlerweile selbst überlebt hat?

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