Heute Morgen fuhr ich wieder einmal mit meinem Fahrrad zur Arbeit. Es ist reine Faulheit, dass ich mittlerweile den Weg an den Hauptstraßen entlang gegenüber dem idyllischen Feld-, Wald- und Wiesenweg bevorzuge: Er ist einen Kilometer kürzer, und über die komplette Strecke kann ich einen Radweg benutzen. Heute radelte ich an einem ellenlangen Auto-Stau vorbei, das freut mich ja heimlich immer etwas. An einer Kreuzung regelte die Polizei den Verkehr, obwohl die Ampeln alle funktionierten, und ich wunderte mich etwas.

Später klärte sich dies bei einem Blick in die Polizeimeldungen: Kaum 45 Minuten, bevor ich über die Kreuzung radelte, versuchte dies auch eine 23jährige Münsteranerin. Doch ein LKW-Fahrer, der rechts abbiegen wollte, missachtete die Vorfahrt, erfasste das Fahrrad samt Fahrerin mit seinem LKW und verletzte die junge Frau lebensgefährlich. Ein „klassischer“ Abbiege-Unfall – wieder einmal. Nicht nur heute, sondern auch schon vergangene Woche, vor 14 Tagen, vor einem Monat sogar am selben Tag zwei Mal wurden Radfahrer in Münster das Opfer von abbiegenden Kraftfahrzeugen. Und ich könnte sicherlich mehr aufzählen, hätte ich Lust, das Meldungsarchiv weiter als zwei Monate zurückzudurchforsten.

In der Presse liest sich das dann so: „Dabei übersah er eine 53-jährige Fahrradfahrerin“, „Nach ersten Erkenntnissen der Polizei übersah der 56-jährige Schwetzinger die Radlerin“, „Eine 72-jährige Frau ist an der Kanalstraße von einem Lkw-Fahrer übersehen worden“. Der Hinweis auf Verkehrsbehinderungen durch den Unfall darf nie fehlen, und in manchen Fällen wird der Artikel von einer Bilderserie des zermalmten Fahrrads illustriert. Wirklich, liebe Medien? Aber darum soll es heute nicht gehen.

Spuren des heutigen Unfalls.
Spuren des heutigen Unfalls.

 

Polizei warnt Radfahrer

Im Zuge dieser viel zu zahlreichen Unfälle hat die Lokalzeitung kürzlich einen Artikel veröffentlicht, in dem die Polizei erhöhte Aufmerksamkeit fordert. Man solle aufpassen und an den toten Winkel denken. Logisch, denkt man sich, wenn man sich an die Sätze aus den vorangegangenen Artikeln erinnert, in denen das Wort „übersehen“ die Hauptrolle spielt. Aber wen warnt die Polizei? Die Radfahrer. Und zwar ausschließlich die Radfahrer.

Ungelogen, ich zitiere diesen Artikel: „Mit einem Blick in die Unfallstatistik rät die Polizei Radfahrern eindringlich zu einer erhöhten Aufmerksamkeit bei abbiegenden Kraftfahrzeugen. So sind im vergangenen Jahr 23 Radler bei sogenannten Abbiege­unfällen schwer verletzt worden, wobei die Zusammenstöße mit Lkw oftmals die folgenschwersten waren. (…) In vielen Fällen wurde der Radfahrer, der zumeist parallel zur Fahrbahn unterwegs war, übersehen.“ Der Radfahrer solle sich doch bitteschön darauf besinnen, dass der LKW im Zweifel stärker sei, und im Zweifel „nicht auf sein Recht beharren“.

Fassen wir zusammen: Der Radfahrer verhält sich regelkonform. Der Kraftfahrer biegt ab und hat die Pflicht, zu schauen – Stichwort Schulterblick, zumindest bei Autofahrern. Der Kraftfahrer „übersieht“ den schwächeren Verkehrsteilnehmer, fügt ihm in vielen Fällen ernsthaften Schaden zu. Und wer soll besser aufpassen? Der Radfahrer. Liebe Polizei Münster, ist das dein Ernst?

 

Schuldumkehrung: Pass doch auf, wenn dir jemand die Vorfahrt nimmt!

Natürlich verstehe ich diese Warnung. Und ich beherzige sie in meinem Fahrrad-Alltag. Niemals neben Fahrzeuge an der Ampel stellen, lediglich davor oder besser noch dahinter. Was mir herzlich wenig weiterhilft, wenn ich an der Ampel bereits stehe, aber das nachkommende Fahrzeug sich neben mich stellt (fahre bzw. stehe ich weiter mittig, wird oft geschimpft und sogar gehupt). Oder wenn ich auf dem Radweg fahre. Ich gucke vor jeder Kreuzung, ob jemand abbiegt, und fahre nur, wenn ich sicher bin, dass der Fahrer mich gesehen hat – durch Blickkontakt (bei LKW schwierig, so hoch oben) oder wenn er sichtbar verlangsamt. Trotzdem bin ich letztes Jahr von einem Auto angefahren worden, in genau so einer Situation.*

Also, es ist nicht der Punkt, das Radfahrer selbstverständlich aufmerksam sein müssen im Straßenverkehr, da sie im Zweifel der schwächere Verkehrsteilnehmer sind. Niemand will auf seine Vorfahrt bestehen und im festen Glauben, im Recht zu sein, überfahren werden. In solchen Fällen wünsche ich mir übrigens laute Autohupen, damit die Kraftfahrer, die mir gerade die Vorfahrt genommen haben, das wenigstens merken und bei der nächsten Kreuzung aufmerksamer sind. Leider sind laute Hupen für Fahrräder in Deutschland verboten.

Der eigentliche Kritikpunkt, den ich an dieser Stelle anmerken möchte, ist folgender: Die Reduzierung des Warnhinweises auf die Radfahrer ist eine absolut ungerechtfertigte Schuldumkehrung, die letzten Endes den Radfahrer selbst dafür verantwortlich macht, wenn er überfahren wird. Wäre es nicht sinnvoll, die Kraftfahrer mindestens genauso, eher mehr zu Aufmerksamkeit beim Abbiegevorgang aufzufordern? Das „Übersehen“ durch den Kraftfahrer ist ein aktiver Vorgang des Unfallverursachers. Nicht des Radfahrers, der hier passiv übersehen wird und auch überfahren wird. Aber die Polizei erwähnt mit keinem Wort, dass auch Auto- und LKW-Fahrer eine „erhöhte Aufmerksamkeit“ walten lassen sollten. Die können ja nichts sehen. Ist ja nicht ihre Schuld. Ist eben so. Das wird nicht gesagt, jedoch eindeutig impliziert. Aber stimmt das?

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Die Unfallkreuzung. Tatsächlich warten Fahrräder hier teilweise sogar etwas vorgelagert zu den Autos.

 

Sicher bin ich nur dahinter

Der tote Winkel bei LKW und Bussen ist sicherlich ein Problem. In Münster wird dies schon seit Jahren mit der Kampagne „Sicher bin ich nur dahinter“ angegangen, die Radfahrer dazu auffordert, nicht neben oder vor, sondern eben hinter großen Kraftfahrzeugen zu fahren und zu stehen. Ausgehebelt wird dies allerdings sehr schnell, wenn man von der Fahrbahn separierte Radwege hat, wie es gerade an den Hauptstraßen gängig ist. Auf diesen Wegen fühlen sich die meisten Hobby-Radler sicherer, und auch ich fahre im Grunde lieber dort als auf der Straße. Problematisch wird es auch erst an Kreuzungen, denn klar – hier fährt man als Radfahrer immer bis an die Ampel heran. Man hält ja nicht ernsthaft mitten auf dem Radweg zehn Meter vor der Ampel, weil dort ein LKW steht. Schon ist man – zack! – im toten Winkel, so schnell geht das. Statistisch sind separierte Radwege daher deutlich weniger sicher als das Fahren direkt auf der Straße, auch wenn es sich anders anfühlt. Allerdings ist in vielen Fällen das Benutzen des Radwegs Vorschrift, und selbst wenn nicht, akzeptieren Autofahrer es in der Regel kaum, wenn man trotz Radwegs auf der Straße fährt.

Es ist also ein Problem, wenn man zeitgleich an einer roten Ampel wartet und auf dem Radweg steht. Ein anderes Problem ist es, wenn es evtl. gar keine Ampel gibt oder man schon Grün hat. Meiner Ansicht nach ist es dann die Pflicht eines Kraftfahrers, zu wissen, ob ein Fahrrad auf der Strecke ist. Man hat es schließlich höchstwahrscheinlich gerade erst überholt. Selbst im Video, das die Aktion „Vorsicht Toter Winkel“ zur Veranschaulichung auf ihre Webseite gestellt hat (hier ganz unten), sieht man, dass der LKW zunächst am Radfahrer vorbeifährt, um ihn dann im toten Winkel urplötzlich zu übersehen. Ganz ehrlich? Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und weiß, dass ich gleich rechts abbiegen muss, achte ich schon weit vorher auf Radfahrer auf dem Radweg. Als Radfahrer wird man ja nicht plötzlich in den toten Winkel hineingezaubert, man war schon vorher da.

 

Lösungen sind nicht in Sicht – leider

Meiner Meinung nach gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten für das offensichtlich vorhandene Problem:

Sicherlich wichtig sind technische Lösungen. Zum einen gibt es die Black Spot-Spiegel, die in Münster nun schon an diversen Kreuzungen installiert wurden. Auch LKW könnte man mit weiteren Sicherheitssystemen ausstatten – mehr Spiegel, anders gestaltete Kabinen, Computersysteme oder mehr. Vieles ist in Arbeit – allein, es fehlt die Vorschrift und somit wohl auch der Wille der Unternehmen, das Geld zu investieren (der einzelne LKW-Fahrer hat vermutlich wenig dagegen, wenn es ihm das Fahren erleichtert).

Sinnvoller, aber auch erheblich teurer und schwieriger umzusetzen ist eine komplette Umstrukturierung des Verkehrsraums. Radfahrer und Kraftfahrer müssen im Prinzip gleichberechtigt zusammengelegt werden. Raum wird in unserem Verkehr viel zu selbstverständlich von Autos eingenommen.** Es macht im Grunde für jeden Verkehrsteilnehmer wenig Sinn, rechts von Rechtsabbiegern unterwegs zu sein (sehr lesenswert dazu der erste Absatz dieses Kommentars, um zu illustrieren, wie absurd das eigentlich ist). Kreuzungen, bei denen die Radfahrer ihre eigene kleine „Wartebox“ eben vor den Autofahrern haben, sind ein guter Anfang. Generell sollte man aber den kompletten Rad- und Autoverkehr zusammenlegen, was ja erwiesenermaßen sicherer ist. Die Frage ist, ob dies nicht wiederum viele Hobby-Radler davon abhält, überhaupt Rad zu fahren, weil es sich eben auf der Straße rein subjektiv unsicherer anfühlt.

Bis dahin hilft eben nur eins: Aufmerksamkeit. Auf beiden Seiten – natürlich muss ein Radfahrer im Eigeninteresse besonders aufpassen. Aber meiner Meinung nach liegt die Verantwortung insbesondere auf Seiten des stärkeren Verkehrsteilnehmers. Wenn ich nicht sehen kann, ob jemand kommt, dann muss ich eben anhalten und genauer gucken. Punkt. Wenn ich einen Radfahrer kurz zuvor noch überholt habe, dann löst er sich nicht einfach in Luft auf, weil er im toten Winkel ist. Die einseitige Ermahnung an Radfahrer, sich an den toten Winkel zu erinnern, halte ich jedenfalls für unverschämt gegenüber den Opfern solcher Unfälle.

fahrradunfall-muenster-verkehrssituation
An dieser Kreuzung gibt es einen Spiegel (keinen Black Spot-Mirror) und ein blinkendes Warnlicht, das Autos und LKW vor Radfahrern und Fußgängern warnen soll. Das hat der 23jährigen heute aber leider auch nicht geholfen.

 

Aber die Radfahrer…

Übrigens, weil es an dieser Stelle gern und häufig kommt: Ja, es halten sich nicht alle Radfahrer an die Verkehrsregeln. Aufschrei: Rüpelradler!!! Falls es euch neu sein sollte, das tun auch nicht alle Autofahrer. Das eine wie das andere hat aber überhaupt nichts mit diesem Thema zu tun – und wenn man es doch unbedingt miteinander verknüpfen möchte, dann sollte man diese britische Studie nachlesen. Dort wurde 2007 untersucht, wieso Frauen häufiger als Männer Opfer solcher Abbiegeunfälle wurden, obwohl ihr Gesamtanteil am Radverkehr viel geringer ist (übrigens, dort sind es natürlich Linksabbieger, nicht verwirrt sein). Der Grund: Frauen halten sich eher an die Verkehrsregeln, während Männer häufiger mit dem Fahrrad über rote Ampeln düsen und somit schon lange auf und davon sind, wenn der LKW losfährt. Deal with it.


* Nicht hilfreich ist es übrigens, liebe Autofahrer, wenn ihr mit unverminderter Geschwindigkeit herankommt und erst im letzten Moment recht kräftig bremst. Im Zweifelsfall bremse ich nämlich, und dann darf ich wieder von Null lostreten, und wir beide müssen länger warten.

** Ein Beispiel: „Kurzes Halten“ auf dem Radweg ist eine absolute Selbstverständlichkeit für deutsche Autofahrer (in anderen Städten als Münster, beispielsweise Düsseldorf, ersetze „Kurzes Halten“ durch „Dauerhaftes Parken“). Beim Abbiegevorgang auf eine größere Straße steht das Auto auf dem Radweg, geht ja auch nicht anders, sonst kann der Fahrer ja nichts sehen. Weicht der Radfahrer auf die Straße aus, weil ein Auto auf dem Radweg steht, wird gehupt und geschimpft. Wie gesagt: selbstverständliche Vereinnahmung des öffentlichen Raums durch Autofahrer.

Dieser Beitrag wird bei der Aktion „Like2Bike“ von Bikelovin verlinkt.

Post Author: Nele

26 Replies to “„Sicher bin ich nur dahinter?“ Gefährliches Radfahren in Münster.”

  1. Liebe Nele,
    ich bin so (!) deiner Meinung. Und Mister Rotbart, der jede Woche knapp 100 Kilometer Arbeitsweg zurücklegt, würde dir wahrscheinlich noch mehr zustimmen. Er regt sich ziemlich oft über genau diese Situation auf und versucht immer wieder im Einzelfall Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich fahre sehr viel weniger Fahrrad, aber durch ihn bin eine ziemlich sensibllisierte Autofahrerin. Aber nicht nur als Fahradfahrer nervt diese Vereinnahmung des Autos, auch mit kleinen Kindern ist das total stressig. Wenn die mit Rollern, Laufrad etc. unterwegs sind, erleidet man jeden Tag tausend Herzinfarkte. Und es ist wesentlich schwerer, kleinen Kindern, die es einfach noch nicht verstehen und manchmal unberechenbar sind, die ganze Vorsicht einzuprägen. Hach, es nervt! Da kann sich echt in Rage schreiben 🙂
    Liebe Grüße und sichere Fahrt!!

    1. Danke Steffi, den Aspekt mit den Kindern habe ich mangels Erfahrung 😉 gar nicht eingebracht. Ich glaube gern, dass das für die Nerven echt Horror ist, wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, die ja auch teilweise ihre Geschwindigkeit noch nicht einschätzen können etc.! Und dann will man ja auch nicht übervorsichtig sein, aber auch nicht unvorsichtig… Hach!

      Ich habe übrigens zunächst gelesen, Mister Rotbart würde jeden TAG 100 km mit dem Rad fahren. Da habe ich ihn sehr bewundert. Jetzt bewundere ich ihn immer noch, aber hey, ich selbst fahre immerhin auch ca. 75 km in der Woche! 😀

  2. Ich kann das total nachvollziehen. Ich fahre nicht jeden Tag Fahrrad, aber wie oft schon Autos versucht haben mich über den Haufen zu fahren… Als PKW-Fahrer gibt es dafür definitiv keine Entschuldigung! Jeder kann und muss vor dem Abbiegen einmal kurz den Kopf drehen – und du hast absolut recht: wenn ich plane bald rechts abzubiegen, dann schaue ich vorher schon automatisch ob da grad ein Radler unterwegs ist und wie schnell der dran ist. Allerdings: wer schon einmal in der Münchner City auf Strecken unterwegs war wo es keinen Fahrradweg oder -Streifen gibt, der wünscht sich alles andere, als Fahrräder im normalen Verkehr mitlaufen zu lassen!

    1. Liebe Roxy, danke für deinen Kommentar. Wieso meinst du denn, dass es keine gute Idee ist, wenn Radfahrer und Autos zusammen fahren? Wegen der Geschwindigkeit (also: weil es doof für die Autos ist)? Oder wegen der Sicherheit (weil es doof für die Radfahrer ist)? Voraussetzung ist natürlich, dass beide Seiten akzeptieren, dass zusammen gefahren wird (das wird schwer in Deutschland, dem Autoland…) und sich an die Regeln halten. Für die Sichtbarkeit ist es auf alle Fälle besser.

  3. Ich stimme zu. Allerdings…wenn ich mir vorstelle ich bin als Autofahrer auf einem unbekannten Weg, in einer unbekannten Stadt…und soll den Verkehr, die komplizierte Kreuzung und ein evtl. hinter parkenden Autos verstecktes Kind auf dem Radweg, das ich irgendwann überholt habe auch im Auge behalten. Während ich evtl. grade das Navi zu deuten versuche…etc etc….
    Ich finde da muss man fair bleiben und auch sehen, dass auch Auto- und LKW-Fahrer nur Menschen sind und es da Situationen gibt, in denen das so einfach wie es klingt, nicht ist.

    1. Liebe Angela, ich möchte auch den Auto- bzw. LKW-Fahrern gar nicht die komplette Schuld in die Schuhe schieben. Ich kann sehr gut verstehen, wie das passiert! Daher bin ich ja auch der Ansicht, dass im Grunde die Verkehrssituation entschärft werden muss. Wie du ja selbst sagst, in vielen Fällen ist zwischen Straße und Radweg noch ein Parkstreifen – total gefährlich und verkehrstechnisch unklug! Die Situation macht es den Fahrern echt nicht leicht. Aber das geht nun mal nicht so schnell, leider. Ein LKW-Fahrer macht sowas übrigens beruflich, da erwarte ich schon, dass er auch in fremden Städten in der Lage ist, den Überblick zu behalten. Und in den meisten Fällen passiert ja auch nichts, glücklicherweise. Dass ein Radfahrer vorgeht vor „aufs Navi gucken“, siehst du aber hoffentlich auch so wie ich. 😉 Im Zweifel halt langsamer fahren und an Kreuzungen 3x gucken. Autos haben es da ja auch noch leichter als LKW-Fahrer mit ihren riesigen toten Winkeln.

    1. Lieber Superpapa, das tut mir Leid! Ich glaube gern, dass das anderswo auch ein Problem ist. Generell vermutlich ein größeres, je weniger Radverkehr unterwegs ist. Normalerweise wird es ja sicherer, je mehr Rad gefahren wird, weil die Kraftfahrer einfach aufmerksamer werden. Wenn ich mir die Polizeimeldungen hier in Münster aber so angucke, traue ich der Statistik nicht mehr so ganz. 🙁

  4. Liebe Nele, wie schön wäre es, wenn dein Artikel ein wenig Aufmerksamkeit bekommt durch Medien und co. Denn Recht hast du! Mein Arbeitsweg ist zwar relativ gemütlich und ungefährlich, trotzdem wäre ich da letztens fast unter einen Trecker geraten. Da war es wieder meine Aufmerksamkeit, dem Hohlkopf habe ich nämlich schon angesehen, dass er beim linksabbiegen nicht vor der Fußgängerampel hält. Ich habe ihm dann wütend entgegengefuchtelt während er vorbeifuhr – danach musste ich dann eine ganze Ampelphase warten, weil sie natürlich wieder rot war.
    Dein Artikel erinnert mich außerdem daran, mir endlich einen Helm zuzulegen …

    1. Liebe Tüt, oh je, Trecker finde ich mindestens so gruselig wie LKW, weil sie so große Räder haben. Wenn man mit dem Fahrrad daneben steht, fühlt man sich so winzig!

      Das mit dem Warten finde ich auch immer voll doof. Man ist sowieso schon langsamer als die Autos mit dem Rad (und gerade das Losfahren ist ja auch immer das Anstrengendste) und dann muss man wegen der nicht-aufpassenden Autos noch warten, und das nervt voll. Aber naja, besser spät als im Krankenhaus. 😉

      Meinen Helm habe ich übrigens damals bei Karstadt Sport in der Innenstadt im Angebot gekriegt!

  5. Liebe Nele! Oh, du hast ja so recht! Ständig wird uns Radfahreren gesagt, wie sehr wir doch aufpassen sollten und wie viele Radfahrer doch ständig gegen alle Regeln verstoßen… Das hängt mit, gelinde gesagt, mehr als zum Hals raus. Schließlich gibts auf allen Seiten Menschen, die sich nicht an Regeln halten und da brauch ich doch nicht ständig alle über einen Kamm zu scheren und die Schuld nur auf einer Seite zu suchen… Grmpf!
    Ich drück uns Radlern die Daumen, dass wir möglichst lange möglichst unfallfrei über die Straßen kommen…
    Liebe Grüße!
    Frauke

  6. Ich fahre sehr ungern in Münster Auto, eben weil so viele Radler unterwegs sind und ich so Schiss habe einen zu übersehen. Es ist für mich sehr anstrengend so konzentriert zu sein aber es ist ein Muss. Ich könnte mich selbst einweisen sollte ich mal jemanden durch meine Unaufmerksamkeit verletzen oder schlimmeres. Wenn ich dann aus Münster raus bin muss ich natürlich weiterhin aufpassen aber das Ausmaß ist ein anderes. Ich fahre nicht tagtäglich in Städten mit viel Radverkehr, umso anstrengender ist es für mich . Anderen wiederum denen es ähnlich geht wie mir sind sich vielleicht gar nicht richtig bewusst was passieren kann und vertrauen auf Ampeln und Radwegen.

    Klar ist es menschlich Fehler zu machen und da nutzen Diskussionen wer mehr aufpassen muss wahrscheinlich wenig. Man muss aber doch so viel Verantwortungsbewusstsein haben das solche Fälle minimiert werden. Der Radfahrer für sich selber und der Auto/LKW Fahrer für andere Menschen.

    Da helfen Posts wie deine sicherlich viel mehr als Horrormeldungen und verschrobene Ansichten der Polizei. Daumen hoch !!

    Liebe Grüße

    1. Danke für deinen Kommentar, liebe Elle! Ich glaube gern, dass es schwierig ist, wenn man nicht regelmäßig in Münster unterwegs ist. Auf die auswärtigen Fahrer achtet man als Radfahrer daher ganz besonders! 😉 Also, wenn du umsichtig und konzentriert fährst und lieber etwas langsamer, bin ich sicher, dass nichts passieren wird. 🙂 Ich wünschte nur, alle würden so denken!

      Übrigens, der Link zu deinem Blog funktioniert nicht! 🙁

  7. Als ich am Sonntag den Tatort Münster gesehen habe und Thiel mal wieder mit dem Fahrrad fast den Abflieger gemacht hat, da musste ich mal wieder an Dich denken. Und nun schreibst Du diesen Bericht über die Gefährlichkeit des Fahrradfahrens… Manchmal ist das Leben schon irre.

    Du hast Recht – es würde mit Rücksicht natürlich viel besser gehen und es käme nicht zu gräßlichen Unfällen. Ich erlebe aber leider auch täglich die andere Seite. Radfahrer, die über rote Ampeln sausen, sich durchdrängeln, auf Fußwegen Passanten umfahren, in Kindergruppen reinbrettern und dann noch abhauen…

    Es ist nie eine Seite schuld. Es ist wie bei einer Ehe. Es gehören immer zwei dazu.

    In diesem Sinne – und auf dass Du noch lange von Unfällen jeglicher Art verschont bleibst

    Liebe Grüsse
    Susi

    1. Hallo Susi,
      ehrlich gesagt sehe ich das anders, denn bei Verkehrsunfällen ist sehr oft eine Seite Schuld. Verkehrsunfälle sind nämlich keine Beziehungen. Und klar gibt es Radfahrer, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Und? Autofahrer tun das auch nicht. Ich habe es ehrlich gesagt satt, mich als Radfahrer ständig dafür rechtfertigen zu müssen, dass andere Radfahrer über rote Ampeln fahren. (Abgesehen davon befürworte ich auch eine Änderung der Ampel-Regelungen für Radfahrer, aber das ist ein ganz anderes Thema.) Als Autofahrer kriegt man doch auch nicht dauernd vorgehalten, dass andere Autofahrer zu schnell fahren, durchgezogene Linien überkreuzen, auf dem Radweg halten, ohne zu gucken aus der Einfahrt brettern oder als Abkürzung ganz selbstverständlich durch die „Anlieger frei“-Straße fahren. Fußgänger gehen übrigens auch über rote Ampeln und neulich ist mir ein Kinderwagen in die Hacken gefahren.
      Ich finde, die Verantwortung wächst, je gefährlicher das Objekt ist, mit dem man sich durch den öffentlichen Raum bewegt. Und da ist so ein LKW nun einmal ganz vorn mit dabei.
      Trotzdem danke für deinen Kommentar 🙂 und wir müssen ja nicht immer einer Meinung sein. 😉

  8. Ein sehr guter und wichtiger Beitrag zu einem traurigen Thema, das leider viel zu oft in gegenseitigen Schuldzuweisungen diskutiert wird. Tatsächlich spielen da so viele Faktoren rein und ich denke, dass mit gegenseitigem Respekt und Rücksicht schon vieles besser werden kann. Ganz wichtig ist aber auch, die Kreuzungen durch entsprechende Maßnahmen (Ampelschaltungen, Spiegel etc.) sicherer zu machen. Danke fürs Mitmachen bei Like-2-bike!
    Liebe Grüße
    Christiane

    1. Hehe, ja, so was könnte man mal machen. Naja, vielleicht würde ich nicht tatsächlich überall gegen fahren. 😉 Wobei ich sagen muss, der Unterschied zwischen Düsseldorf und Münster ist da doch enorm. Ich habe aber heute auch noch gelesen, dass der Radverkehr in MS angeblich einen Anteil von 40% ausmacht, das ist natürlich auch eine Ansage. In Düsseldorf gelten Radwege eigentlich eher als Parkstreifen. Das hat mich damals doch enorm angekotzt.

    2. In Wien waren manche dieser „Radspuren“ auch so ein Witz. Oft war die Straße so eng, dass die Autos die Radspur eh mitnutzen mussten und wenn man als Radfahrer drauffuhr, dann riskierte man, dass extrem knapp überholt wurde, weil die Radspur einfach nicht zusätzlich zur Straßenbreite dazu kam, sondern man einfach mal den Strich auf die Straße malte.
      Obendrein sind viele Gehwege bei Ein- und Ausfahrten nicht abgesenkt, so dass mit Beton nachträglich eine kleine Rampe angebracht wurde, die -na? wo hineinragt und die Radspur noch mal verkleinert? Richtig! Das heißt, ich riskiere eh ständig knapp überholt zu werden, um dann gleichzeitig ständig Schlenker nach links machen zu müssen… sehr sicher.

  9. bei uns gibt es kaum oder ueberhaupt keine Radwege. Die letzten, die „gebaut“ wurden, waren in Parks fuer Kinder hauptsaechlich. Hier herrscht einfach fast nur das Auto. Letztens kamen die Fahrraeder mit Motor ins Land. da es auf der Strasse fuer Fahrraeder ja so gut wie keinen Platz gibt, da duerfen sie auf den Gehwegen fahren. Die letzten Tage gab es da einige Unfaelle, weil die Elektroraeder meist Kinder, auf den Gehwegen umgefahren haben. Jetzt wird diskutiert, ob die Kinder schuld sind, oder die Radler, oder nein, eigentlich die Eltern, die auf Kinder am Gehweg aufpassen muessen und sie nicht alleine gehen lassen duerfen. Dann heisst es wieder, vielleicht doch die Elektroradler runter auf die Strasse zu schicken. Ich versteh dich deshalb sehr sehr gut.

  10. Ich gebe dir völlig Recht! Kürzlich habe ich erst daran denken müssen, dass Radfahrern und Fußgängern immer empfohlen wird, möglichst auffallend – am besten reflektierend und blinkend – gekleidet zu sein, während man den Autofahrern aber nicht im selben Atemzug empfiehlt, doch die Geschwindigkeit den Sichtverhältnissen anzupassen. *seufz*

    Mit hat übrigens mal jemand von hinten angefahren. Dem ging es offenbar nicht schnell genug, dass ich aus der Kreuzung komme und er fuhr mir sehr dicht auf. Als ich wieder anhalten musste, weil ein Auto kam, schubste er mich dann vom Rad. Zum Glück rollte er nur in Schrittgeschwindigkeit, sonst hätte das böse ausgehen können.

    1. Ach ja … in meiner Heimatstadt hat man einen Radweg übrigens abgeschafft und will jetzt, dass Radfahrer und Autofahrer dort ein „Reißverschlussverfahren“ durchführen. Hurra, da weiß ich ja jetzt schon, wie es ausgeht.

  11. Liebe Nele, bin gerade auf deinen Beitrag gestoßen, und du schreibst wortwörtlich auf, was mir JEDEN EINZELNEN TAG durch den Kopf geht, wenn ich durch das schöne Bielefeld radle. Auch hier finden die Verkehrsplaner: Radler müssen auf sich selber achten. Darum stellen sie kleine Schilder neben dem Radweg auf, auf denen die Radfahrer ! gewarnt werden, dass Autofahrer ! sie beim Abbiegen übersehen könnten – nicht etwa umgekehrt… Neulich, als ich mich beim Verkehrsamt über einen besonders gefährlichen Radweg beschwerte, schrieb mir der Experte allen Ernstes: Das oberste Gebot im Straßenverkehr sei Rücksichtnahme – ich solle doch bitte schön Rücksicht auf die Autos nehmen, die den Radweg stumpf als Einparkhilfe für den Parkstreifen verwenden. Und nicht auf der Straße fahren (bei nicht benutzungspflichtigem Radweg), weil das den Autoverkehr behindern könnte. Da fällt einem doch nix mehr zu ein … Gute Fahrt! Anke

    1. Liebe Anke,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Schade, dass es in anderen Städten auch so ist. Ich fürchte, das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern, leider. Da müssen wir wohl wirklich auf uns aufpassen und weiterhin laut dagegen anschimpfen.
      Liebe Grüße!

  12. Hey Nele,
    spannender Artikel! Ich bin auch Radlerin und hier in Düsseldorf schon das ein oder andere Mal in brenzlige Situationen geraten, weil ich übersehen wurde oder Autofahrer dachten, sie könnten mich ja schnell noch überholen und vor mir fix abbiegen. Zum Glück ist noch nichts passiert. Klar sollten die Autofahrer mehr schauen und rücksichtsvoller fahren. Allerdings sind es bei einem Unfall eben WIR als Radfahrer, die das Nachsehen haben. Daher müssen wir einfach für andere mitdenken. Leider gibt es wohl keine andere Lösung.

    Bis morgen auf der Blogst!
    Liebe Grüße
    Jenni

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