Radfahren im Dunkeln: Wie ich unübersehbar wurde

Es war dunkel, und es regnete. Ich hatte endlich Feierabend, wenige Tage vor Weihnachten. In Gedanken war ich schon zuhause bei den letzten Vorbereitungen, bei den letzten Weihnachtsgeschenken, bei der Verabredung, die wir abends noch hatten. Natürlich war ich dick eingepackt, hatte den Fahrradhelm auf dem Kopf und die reflektierenden Armbänder über dem schwarzen Mantel.

14 Sekunden, nachdem ich am Büro losgefahren war (die genaue Zahl zeigte mein Tacho später an), kam ich an die erste Ampel. Ich wollte geradeaus – das Auto wollte rechts abbiegen. Tatsächlich sah ich das Auto sogar kommen – es war aber so langsam, dass ich absolut davon überzeugt war, dass der Fahrer mich gesehen hätte und anhalten würde. Stattdessen fuhr der Wagen aber einfach weiter, und ich erlebte das sehr merkwürdige Gefühl, wie in Zeitlupe volle Breitseite von der Motorhaube erwischt zu werden und daran herunterzurutschen.

Glück im Unglück: Das Auto war tatsächlich sehr langsam, da es gerade erst an der grün gewordenen Ampel losgefahren war. Die junge Frau am Steuer war mindestens genauso schockiert wie ich, ansonsten hatte ich nur eine leichte Prellung und mein Fahrrad musste in die Werkstatt. Wirklich passiert war also eigentlich gar nichts. Wir haben nicht einmal die Polizei gerufen, denn: Ich konnte die Fahrerin wirklich gut verstehen. Ich bin mir sicher, als Autofahrerin hätte mir das genauso passieren können. Es ist dunkel und nass, alle Lichter reflektieren auf dem Asphalt und sonstwo, und Radfahrer sind einfach nicht besonders gut sichtbar. Fußgänger in solchen Situationen übrigens auch nicht. Keine Entschuldigung, aber es hätte viel schlimmer kommen können.

Kurz nach diesem Unfall erzählte Goldengelchen mir, sie habe einen Radfahrer gesehen, der eine komplett reflektierende Jacke trug. Wow, so etwas gibt’s? Eine kurze Internetrecherche ergab: Ja, gibt es. Allerdings nicht gerade günstig – zunächst fand ich nur ein Modell von Nike, dass nicht nur 300 Euro kosten sollte, sondern auch fitzeldünn war. Ähm, danke, nein. Doch nach etwas intensiverer Suche fand ich tatsächlich ein Modell, das bezahlbar war: die Proviz Reflect 360! Und tatsächlich – es funktioniert:

proviz-reflect-360-reflektierende-jackeDas spektakuläre an dieser Jacke ist die unfassbare Reflektion, das ist wirklich der absolute Hammer. Den Rest vom Fahrrad sieht man fast nicht dagegen! Faszinierend ist, dass man davon selber überhaupt nichts mitbekommt. Die Jacke sieht ganz normal aus, wenn es hell ist oder man nah dran ist. Sie ist einfach grau, etwas glitzernd, aber wirklich kaum sichtbar. Am Anfang fand ich das auf dem Rad sehr irritierend, weil ich mich fragte: Sehen mich die anderen jetzt wirklich? Funktioniert das?

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Aber plötzlich tritt man ins Licht, und dann sieht man es sofort. Auch die Bilder mit Blitz sprechen da ja eigentlich eine deutliche Sprache. Kurz darauf gab es übrigens auch bei Tchibo ähnliche Modelle, aber nur für Damen. Die Herren müssen mit einer Weste vorlieb nehmen, da kann man auch bei der ollen Warnweste bleiben, oder? Ich persönlich finde die Jacke sehr viel praktischer und cooler als eine Warnweste. Die Jacke zieht man einfach an und gut ist, und mehr oder weniger schick ist sie auch noch. Für mich eindeutig die eierlegende Wollmilchsau unter den Fahrradjacken!

Wie ist es bei euch – kann man euch sehen auf dem Rad oder beim Joggen?

Auf Bikelovin sammelt Christiane unter dem Motto Like-2-bike Beiträge rund ums Thema Radfahren – dort verlinke ich diesen Artikel!

25 Antworten

  1. Wow, das sieht ja cool aus. Mit der Jacke kannst Du wirklich nicht mehr übersehen werden. Es sollten viel mehr Menschen Reflektierendes anziehen oder anstecken. Ich habe immer Angst, einem Radfahrer zu begegnen und ihn zu übersehen. Zumal viele gerne ohne Licht fahren und da hat man als Autofahrer Null Chance.

    Liebe Grüße,
    Vera

    • Nele

      Ja, ohne Licht geht natürlich GAR nicht. Aber auch so eine schwache Funzel hilft wenig. Mein Fahrrad ist mit ordentlichem Licht ausgestattet (wobei es Leute gibt, die da noch ganz andere Kaliber haben und mich schon als Autofahrer richtig blenden), allein schon deshalb, weil der Heimweg teilweise nicht beleuchtet ist und es da doch ganz schön doof ist, wenn man nicht mal die Straße vor sich sehen kann. 😉

  2. Die Jacke ist echt der Hammer! Ich hab heute auf dem Weg nach hause einen Jogger mit so einer gesehen und ganz klar: das kann man nicht übersehen! Wenn ich bedenke, dass ich die meiste Zeit komplett schwarz angezogen bin, dann sollte ich auch über so eine Jacke nachdenken!

    Liebe Grüße, Jessica

    • Nele

      Ja, meine Winterjacke war bis dahin auch schwarz… Immerhin mit quietschegelber Regenhose. 😉

  3. Hey, das ist ja echt eine super Jacke!!! Mich sieht man wahrscheinlich ähnlich schlecht, wie dich bei deinem Unfall… Und dabei hab ich meiner Schwester aus dem gleichen Grund eine Leuchtwarnweste zu Weihnachten geschenkt….
    Ich werd da mal noch mal drüber nachdenken!
    Liebe Grüße, Frauke

    • Nele

      Hehe, ja da hilft es nicht, nur an die anderen zu denken! 😉

  4. Hallo Nele!
    Vielen Dank für deinen Beitrag! Die Jacke scheint wirklich (mehr) Sinn zu machen. Ziehst du sie denn jetzt statt einer anderen Jacke an oder über deine eigentliche Jacke?
    Liebe Grüße von einer Ex-Münsteranerin (zu Studienzeiten halt, nech 😉 )

    • Nele

      Huhu, danke für deinen Kommentar! Ich ziehe die Jacke anstatt der anderen Jacke an – sie ist wasser- und winddicht. Allerdings nicht übermäßig warm, daher trage ich derzeit noch eine Fleecejacke darunter, die ich dann einfach gemeinsam mit der Jacke an- und ausziehe.

      • Ah, alles klar, also im Zweifel lieber eine Nr. größer kaufen. 🙂 Danke für deine Antwort!

        • Nele

          Ich habe die Größe genommen, die ich immer trage, und es klappt mit der Fleecejacke ohne Probleme. Fällt also eher ein bisschen größer aus, falls das weiterhilft. 🙂 Und ich habe die Damenvariante natürlich.

  5. Zuerst einmal ein wenig Off-Topic: Das ist einer der Grüde, warum ich Bloggen so liebe! Hin und wieder finden so zauberhafte Bloggerinnen wie du auf meinen kleinen Blog und kommentieren. Dadurch erfahre ich von ihrer Existenz und bin sofort hin und weg von Blog, Bloggerin und ach, hach. Vielen Dank dafür 🙂

    Wunderbarer und vor allem wichtiger Post, den du da geschrieben hast. Gut, dass du auf das Thema aufmerksam machst. Ich selbst wurde letztes Jahr auch in einen kleinen Unfall Fahrrad vs. Auto verwickelt. Meine neue Strumpfhose und mein 24 Jahre altes Knie wurden etwas in Mitleidenschaft gezogen, dennoch ging die ganze Sache recht harmlos aus. Die unglaublich aufgewühlte Autofahrerin, die mich beim Rechtsabbiegen auf dem Fahrradweg schlicht übersehen hatte, stand fürchterlich unter Schock und hat auch eine Woche nach dem “Unfall” noch mal angerufen und gefragt, ob wirklich alles in Ordnung ist. Zwar habe ich nichts falsch gemacht, dennoch scheue ich mich seit dem etwas vorm Fahrradfahren. Im April ziehe ich um und habe mir vorgenommen, das Rad in der neuen Stadt (und bei gutem Wetter) wieder als bevorzugtes Fortbewegungsmittel zu nutzen – auch im Dunkeln. Dein Tipp mit der Reflektor-Jacke kommt für mich also genau richtig, danke.

    Alles Liebe
    Dominique

    • Nele

      Liebe Dominique, huch, da werde ich ja ganz rot! 😉 Deine Unfallgeschichte klingt ja sehr ähnlich wie meine. Sogar der Teil, wo die Autofahrerin noch mal nachfragt, ob alles in Ordnung ist! 😀 Da hatten wir wohl beide Glück, mal abgesehen vom Unfall selbst, denn irgendein arroganter Blödmann als Unfallverursacher wäre sicherlich nicht so angenehm gewesen (der womöglich noch leugnet, dass er Schuld hat).
      Ich muss ja nun zwingenderweise Radfahren, aber die ersten Male an dieser Stelle war mir schon wirklich mulmig. Viel mehr verändert hat sich allerdings, wenn ich Auto fahre, da gucke ich dermaßen aufmerksam beim Abbiegen… 😉

      Liebe Grüße
      Nele

  6. Was für eine super Erfindung! Ich muss gestehen, dass der Sicherheitsaspekt für mich der größte Grund ist, weshalb ich nicht häufiger Fahrrad fahre. Obwohl mir selbst noch nie was passiert ist, habe ich doch immer ein total mulmiges Gefühl. Eigentlich schade, denn an und für sich fahre ich unglaublich gerne Rad.
    Liebe Grüße, Naomi

    • Nele

      Es kommt ja auch immer darauf an, WO man unterwegs ist. Hier in Münster ist es nicht so gefährlich, denke ich – die Autofahrer rechnen zumindest mit Radfahrern und schauen auch etwas aufmerksamer. Als ich noch in Düsseldorf gewohnt habe, war jede Ausfahrt ein Risiko, denn die Autos fuhren raus und schauten eigentlich erst an der Straße, ob jemand kommt (da hatten sie den Radweg ja schon überquert). Dort habe ich mir ursprünglich auch den Helm gekauft, weil es mir zu unsicher war…

  7. Die Jacke ist ja wirklich cool! Wenn dich jetzt noch jemand umfährt, hat der dann aber sowas von Tomaten auf den Augen!
    Wie ist die denn von der Dicke her? Wie ne Winterjacke? Oder Übergangsjacke? Oder Sommerjacke?
    Liebe Grüße, Goldengelchen
    P.S.: Und schön, dass ich dich zum Kauf “inspirieren” konnte 😉

    • Nele

      Eher wie eine Übergangsjacke. Wind- und wasserdicht aber auf jeden Fall (das durfte ich leider schon testen). Ich trage gerade noch eine Fleecejacke darunter. Wenn es wärmer wird, kann man an der Jacke auch jede Menge Reißverschlüsse öffnen, um sie zu belüften.

  8. Ich leuchte immer wie ein Weihnachtsbaum. 😀 Überall Refletoren, Warnweste, helle Lampen…
    Aber nachdem mich einmal ein Auto geknutscht hat (und das ging leider nicht so glimpflich aus) ist es mir auch egal wie ich damit aussehe. Bisher konnte ich mich aber nicht zu so einer Jacke durchringen, der Preis ist schon happig und hat mich bisher abgeschreckt.
    Weiterhin gutes Fietsen liebe Nele! 🙂

  9. Auweia, da hast du aber echt Glück gehabt – das ist ja die klassische Risikosituation!
    Die Jacke leuchtet ja wirklich genial, damit dürfte dich kein Autofahrer mehr übersehen.
    Happy radling weiterhin!
    Liebe Grüße
    Christiane

  10. Gott sei Dank ist Dir nix passiert. Hätte wirklich böse enden können.
    Die Jacke finde ich absolut genial. So hast Du wirklich eine Chance gesehen zu werden. Allerdings finde ich es krass, dass man das Fahrrad wirklich kaum sieht. Evtl. solltest Du da noch Reflektoren einbauen, um als GANZES wahrgenommen zu werden.

    Herzliche Weekendgrüsse
    Susi

    • Nele

      Das stimmt. Die Felgenreflektoren sind als Ersatz für die “normalen” Reflektoren aber auch zugelassen und eigentlich genauso effektiv. Ich glaube, der Kontrast zwischen der Jacke und dem Rad ist einfach nur krass. Und wenn ich fahre, ist ja auch mein Licht an. Das Rücklicht leuchtet auch, wenn ich an der Ampel stehe (der Scheinwerfer vorn leuchtet nur, wenn ich fahre) – auf dem Bild natürlich nicht, denn es ist ja gestellt. 😉

      Man muss außerdem auch sehen, dass es ein Foto mit Blitz ist. Sooo dunkel, wie es auf dem Bild wirkt, war es auch wieder nicht draußen. Es geht im großen und ganzen wohl eher um das Wahrnehmen einer Person aus einer gewissen Entfernung, damit man damit rechnet, dass da etwas/jemand ist und man aufmerksam ist…

  11. Ich durfte die Jacke ja schon in echt bewundern und habe letztens auch eine Hundeleine aus dem Material gesehen. .. leider als schwebendes Zauberseil, denn weder Hund noch Halter waren sichtbar, aber wenigstens stand ich schon wegen der Leine auf der Bremse!

    • Nele

      Hehe, ein Zauberseil, sehr schön. 🙂 Ja, Fußgänger sind fast immer noch viel, viel schlechter zu sehen als Radfahrer. Gerade auf unbeleuchteten Wegen sehe ich als Radfahrer die tatsächlich erst so aus 1-2 Metern Entfernung – absolut bekloppt. Hunde haben manchmal wenigstens noch diese blinkenden Halsbänder! Aber so sind wir Menschen, achten immer erst auf unsere Liebsten, bevor wir uns selbst ausrüsten (“Kind, zieh einen Helm auf” oder die besagten Blinke-Halsbänder)!

  12. Die Jacke sieht ja schon mal gut aus. Hat die unten am Rücken eigentlich einen Schlitz? Ich fahre auch viel Fahrrad – besonders da wir seit August kein Auto mehr haben -, bleibe aber mit einer ungeschlitzten Jacke immer mal wieder am Sattel hängen – und das ist saugefährlich, wenn ich deswegen nicht schnell genug vom Rad kommen kann. Ich behelfe mir jetzt in der dunklen Jahreszeit mit einer Warnweste über der Winterjacke – auch als Fußgängerin (die Warnweste brauchten wir eh im Auto, also kann ich die gut weiter verwenden 😉 ). Danke für Deinen infromativen Beitrag zum Thema Sicherheit – ich werde ja viel belächelt mit meinem Helm, meiner “Vermummung” (bin sehr kälteempfindlich im Gesicht) und der Warnweste, aber das ist mir egal 🙂 .
    Die Blinke-Halsbänder finde ich leider zu wenig sichtbar, da finde ich auch eher die Warnwesten für Hunde angebracht, aber da ich selbst keinen Hund habe, kann ich das den Haltern ja eh schlecht vermitteln.

    • Nele

      Hallo Uta,
      danke für deinen Kommentar! Die Jacke hat hinten keine Schlitz. Unten ist aber ein Gummiband eingezogen, so dass du die Jacke zum Beispiel ganz eng an den Körper ziehen könntest, um nicht hängenzubleiben? Ich weiß nicht, ich habe das Problem nämlich nicht. Ich versuche mich immer auf die Jacke draufzusetzen.
      Warm einpacken muss ich mich auch. Nicht im Gesicht, aber an den Ohren. Ich trage ein total hässliches Stirnband auf dem Rad. 😉 Sonst habe ich nach der Fahrt Ohrenschmerzen!
      Hier in Münster werde ich zum Glück nicht mehr belächelt. In Düsseldorf gab es öfter doofe Sprüche wegen des Helms. Und Kollegen, die meinten “Ich brauche keinen Helm, ich bin sicher auf dem Fahrrad”. Ich habe dann gern geantwortet “Schnallst du dich an, wenn du Auto fährst?” Das hat sie zwar nicht überzeugt, selber Helm zu tragen, aber meistens haben sie dann zumindest über meinen Helm die Klappe gehalten. Echt traurig, dass man als erwachsener Mensch sich zu so einem Thema wirklich noch doofe Sprüche gefallen lassen muss. Als Teenie war mir der Helm ja auch superpeinlich (die Eltern haben mich gezwungen, das war schrecklich!), aber im Erwachsenenalter sollte man doch drüberstehen, jemanden zu hänseln, weil er auf seine Sicherheit bedacht ist…

      Liebe Grüße!

      • Hallo Nele,
        danke für die Antwort.
        Leute, die meinen, sie bräuchten keinen Helm, haben wohl auch nichts schützenswertes im Schädel 😉 .
        Liebe Grüße
        Uta

  13. […] unterwegs. Ein paar Tage war es allerdings ziemlich (viel zu!!!) aufregend. Immerhin habe ich meine Reflex-Jacke wieder an und bin so ziemlich gut von Autos sichtbar. Habe ich eigentlich mal erwähnt, dass […]

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