Der Abbau meiner Stoffberge (oder ist es schon ein Stoff-Gebirge?) geht weiter – langsam, aber stetig. Seit dem erfolgreichen Auseinanderschnibbeln des Schnittmusters neulich bin ich motiviert, auch meine letzten Reste Sweat- und Jerseystoff aufzubrauchen. Und so fand ich mich neulich erneut auf dem Fußboden des Nähzimmers wieder, wo ich Schnittteile von A nach B schob, Kombistoffe ans Licht hielt und überlegte, wo man das Schnittmuster nun am besten würde teilen können.

Den hellblauen und den cremeweißen Sweatstoff habe ich schon ewig. Den geblümten Jersey noch nicht so lange – allerdings habe ich bei diesem keine Ahnung, wo er herkommt. Die Farben gefallen mir gut, die Qualität ist wunderbar, aber es ist nichts, was mich so umhauen würde, dass ich es dringend brauche. Daher vermute ich, dass ich ihn mal auf dem Stoffmarkt beim Couponstand eingepackt habe, wo es dann drei Stücke für zehn Euro (oder so was in der Richtung) gab, und mir noch ein dritter fehlte. Nun jedenfalls hatte ich einen ganzen Meter von diesem Jersey. Aber ein Shirt oder einen kompletten Pulli daraus konnte ich mir nicht vorstellen. Das hätte – befürchtete ich – zu sehr nach Schlafanzug oder Kittelschürze ausgesehen.

Mir war schnell klar, dass ich nur in Kombination mit dem verbliebenen hellblauen Sweatstoff keinen Hoodie hinbekommen würde – für eine Kapuze war es nicht definitiv nicht mehr genug. Alles schrie also förmlich danach, endlich mal „Mrs. Klassik“ von Konfetti Patterns zu nähen. Das Schnittmuster hatte ich schon vor Ewigkeiten bei einem Makerist-Sale für kleines Geld ergattert und besonders der Kragen gefiel mir besonders gut.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: Trotz bereits geteiltem Vorderteil reichte der Stoff nicht. Rückteil, geteiltes Vorderteil und ein Ärmel. Mehr ging beim besten Willen nicht. Ich ärgerte mich etwas, beim ursprünglichen Nähprojekt so viel von dem Stoff verwendet zu haben, obwohl ich das Teil eigentlich nie trage. Der Hoodie ist mir zu lang, steht mir nur mittel, die Daumenlöcher, auf die ich damals so stolz war, finde ich unpraktisch (man bekommt jedes Mal nasse Ärmel, wenn man sich die Hände wäscht), und das Bündchen aus Sweatstoff war ausgeleiert und der Pulli somit total „bollerig“ geworden. Meh. Dann kam mir die rettende Idee. Wenn ich den Pulli sowieso nie trage… Und BÄÄM, schon hatte ich die Schere angesetzt und aus dem Rückenteil den zweiten Ärmel zugeschnitten! 😀 Da ich den Hoodie so selten anhatte, ist der Stoff auch kaum gewaschen worden und es fällt nur auf, wenn man ganz nah herangeht.

Mrs. Klassik an zerschnibbelter Kanga. Mal sehen, was ich mit dem restlichen Stoff noch machen könnte.

Der Kombistoff für den Kragen und das geteilte Vorderteil war wiederum ein Rest dieses Projekts – ein Hoodie, der sicherlich nicht zerschnitten wird, weil ich ihn immer noch gern und häufig trage.

Als mir meine Aufteilung dann nach langem Hin- und Hergeschiebe endlich klar war, konnte es ans Nähen gehen. Und was soll ich sagen? Die Anleitung hat mir richtig gut gefallen. Alles war sehr gut erklärt und bebildert, so dass man eigentlich den Kopf fast ausschalten konnte. Besonders toll fand ich die Erklärung, wie der Kragen eingenäht wird. Gar kein Knoten im Kopf, wie ich es sonst manchmal habe bei Nähanleitungen. Nur bei dem Armpatches hat meine Nähmaschine rumgezickt, aber dafür kann das Schnittmuster ja nichts und sie hat sich dann glücklicherweise mit einer neuen Nadel auch bald wieder eingekriegt. 😉

Einzig bei der Größe hab ich versagt. Anhand der Oberweite sollte ich Größe 42 nähen – in der Taille lag ich hingegen bei Größe 36. Ähm… Wenn ich einen gut passenden Pulli aufs Schnittmuster legte, landete ich ungefähr bei Größe 40. Nun ja, da mein Sweatstoff nicht sonderlich gut dehnbar ist, bin ich lieber auf Nummer sicher gegangen und habe alles – wie in der Anleitung für nicht dehnbare Stoffe empfohlen – in Größe 42 zugeschnitten (sonst hätte ich vielleicht einen Mittelwert gewählt). Und natürlich war am Ende alles viel zu groß… 😉 Ich habe dann mit der Overlock einfach die Seiten jeweils um ca. 2 cm gekürzt, bevor ich Bündchen angenäht habe. Entsprechend sitzt der Pulli gerade unter den Armen halt nicht optimal. Aber es geht schon, finde ich, wenn man nicht so sehr darauf achtet. (Wer von euch Profis verrät mir, woran das liegt, damit ich es beim nächsten Mal ändern kann? Oder ist da „nur“ meine Freestyle-Anpassung Schuld dran? 😀 )

Die Armbündchen musste ich übrigens auch wieder um zwei Zentimeter kürzen, ich scheine einfach recht kurze Arme zu haben. Beim nächsten Mal würde ich vermutlich Größe 38 zuschneiden – zum Glück kann man das Schnittmuster ja einfach noch ein bisschen zurechtschneiden, in Höhe der Oberweite bleibt es vielleicht etwas größer. 😉

Nichtsdestotrotz bin ich außerordentlich zufrieden mit meiner Mrs. Klassik! Ich habe alles an einem Abend genäht, weil ich so im Flow war. Und wenn die Anleitung so gut erklärt ist, macht es ja auch viel mehr Spaß! (Der Abend, an dem ich den Rock „Amy“ genäht habe, ist mir in nicht so guter Erinnerung geblieben – da wurde deutlich mehr geflucht!) Den Schnitt werde ich sicherlich noch einmal nähen, dann vielleicht mit Kapuze (davon gibt es auch zwei Varianten im Schnittmuster). Aber auch der Kragen gefällt mir so gut, dass es mich schon in den Fingern juckt, davon noch ein, zwei, siebenundzwanzig Varianten in meinen Kleiderschrank zu legen. Das Projekt Stoffabbau schiebt dem erst einmal einen Riegel vor (ich hab jetzt nicht mehr so viel Sweatstoff auf Lager), aber danach… Und auch die anderen Schnittmuster von Konfetti Patterns werden garantiert einen zweiten Blick von mir bekommen!

Meine Mrs Klassik verlinke ich auch wieder beim MeMadeMittwoch! 🙂

Post Author: Nele

8 Replies to “Projekt Stoffabbau: Mrs. Klassik {MeMadeMittwoch}”

    1. Nee, keine Notlösung! Ich hab das Schnittmuster nur schon so lange rumliegen und das war jetzt ja quasi DIE Gelegenheit. Irgendwie tendiere ich sonst doch wieder zum Hoodie, wieso auch immer. Die Kapuze ziehe ich sowieso nie auf, also weiß ich auch nicht genau, warum ich die so gerne mag! 😉

  1. Das man so gerne Kapuze mag ist, weil das den Nacken schön warm hält. Glaube ich. Das mag ich jedenfalls bei den Traumanzügen sehr 🙂 Aber ein Kragen tut das ja zum Glück auch!
    Deinen Pullover steht dir sehr gut, ich finde es klasse, wie motiviert du bist die Schnittmuster auseinanderzunehmen. Ich hasse ja sowas. Dabei habe ich hier grau/grau/bordeaux Sweat liegen, der wäre was für einen Pulli genau in meinen Farben, aber ich mag nicht teilen!

    1. Dabei ist das Teilen wirklich einfach! Und ist ja auch teilweise richtig in, wenn ich die Pulli-Mode so angucke (Naketano & Co.)! 🙂

  2. Hallo,

    den Schnitt habe ich auch auf meiner Liste.
    Bin zwar kein Profi, aber ich denke, die Schulter ist zu breit und dadurch sitzt es unter den Ärmeln nicht so gut. Also letztendlich ist die Freestyle-Anpassung wohl schuld dran, weil du die Mehrweite schätzungsweise nur in der Breite unter den Ärmeln weggenommen hast.

    Viele Grüße
    Anja

    1. Ja, das stimmt natürlich, oben konnte ich (ohne aufzutrennen) nichts mehr abnehmen. Naja, nächstes Mal wird dann alles direkt korrekt zwei Nummern kleiner zugeschnitten, mal sehen, ob es dann besser ist. Ich bin zum Glück nicht so perfektionistisch und es stört mich nicht sehr. 🙂

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