Always choose the bigger life.

Im Podcast “Happier” von und mit Gretchen Rubin* ging es kürzlich darum, wie man mit schwierigen Entscheidungen umgeht. Im Beispiel ging es darum, ob ein Hund angeschafft werden sollte. Die Pro- und Contra-Liste war dabei recht ausgewogen. Ein Hund macht glücklich, sorgt für mehr Bewegung, kann die Familie zusammenschweißen und den Kindern Verantwortung beibringen – ein Hund macht Arbeit, kostet Zeit und Geld, ist eine jahrelange Verantwortung. Wie entscheidet man sich in so einem Fall?

Ich denke, jeder von uns stand schon mal vor so einer Entscheidung. Meistens handelt es sich dabei um wirklich große und wichtige Themen. Jobwechsel, Hauskauf, oder vielleicht ging es auch mal um Liebesdinge? Man wägt ab, schreibt Listen, ist hin- und hergerissen. Montags ist man noch sicher, dass Entscheidung A die richtige ist, aber Mittwoch führt vermeintlich kein Weg mehr an Entscheidung B vorbei. Ich selbst bin da auch sehr groß drin. Es ist einfach schwierig.

Gretchen Rubins Antwort klingt erst einmal simpel: “Always choose the bigger life”. Entscheide dich immer für das größere Leben. Triff die Entscheidung, die dein Leben reicher macht, deinen Erfahrunsschatz erweitert, deine Welt vergrößert. Dabei muss diese Entscheidung nicht zwangsläufig offensichtlich sein. Um auf das Beispiel mit dem Hund zurückzukommen: Hier ist es keineswegs eindeutig, dass die Entscheidung für den Hund das Leben größer macht, auch wenn es erst einmal so wirkt. Vielleicht möchte die Familie viel reisen und von der Welt sehen, sehr flexibel sein und Abenteuer erleben. Dabei ist ein Hund oft eher hinderlich. Man muss also ein bisschen in sich gehen und überlegen, was man vom Leben erwartet und wie es reicher würde. Und sich dann für das größere Leben entscheiden.

An großen Entscheidungen mangelt es in meinem Leben derzeit nicht, und ich versuche, “Choose the bigger life” immer zu bedenken. Aber auch im Alltag finde ich das ein wunderbares Lebensmotto. Raus aus der Komfortzone! Zum Beispiel hätte ich liebend gern am Zeit-Projekt “Deutschland spricht” teilgenommen, bei dem Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten aufeinandertrafen. Ich habe mich aber nicht getraut, mich anzumelden – schade, dass ich die Podcast-Folge erst danach gehört habe. Denn ein Gespräch mit einem Menschen außerhalb meiner “Filterblase” hätte mein Leben sicherlich größer gemacht, auch wenn ich große Angst gehabt hätte.

Beim nächsten “Soll ich oder soll ich nicht” werde ich es mir also wieder einmal vor Augen halten: Choose the bigger life! Etwas ist aufwändig, aber man wollte es schon immer mal probieren? Choose the bigger life! Alle finden etwas toll, aber du kannst dir nicht vorstellen, dass es wirklich so toll ist? Choose the bigger life! Ich bin gespannt, wohin mich dieses neue Lebensmotto noch führen wird…


* Gretchen Rubin ist Autorin so schöner Bücher wie Das Happiness Projekt oder Erfinde dich neu. Der Podcast “Happier” geht es um Gewohnheiten und kleine “Life Hacks”, die das Leben glücklicher und einfacher machen sollen.

12 von 12 im Juni 2017 

Jetzt reihen sich hier die 12 von 12 direkt aneinander. Ich will gern mehr bloggen, dann ist es allerdings wieder so: Wenn ich zuhause bin und Zeit habe, dann wende ich die derzeit lieber fürs Nähen, Lesen, Fernsehen, Hausarbeit, Sport auf, als zu bloggen. So stapeln sich in meinem Kopf die Artikelpläne und nichts wird umgesetzt. Blöd für den Blog, aber für mich war es ja immer wichtig, dass dieser ein Hobby und keine lästige Verpflichtung bleibt.

Für die 12 von 12 – zwölf Bilder vom Monatszwölften – habe ich aber mal wieder einen Tag lang mein Smartphone dabeigehabt. Ist ja schon praktisch heute. Früher (damals!!!11einseinself) musste man immer die Kamera mitschleppen. Da habe ich aber auch noch Wert darauf gelegt, dass die Kamera möglichst klein ist. Heute habe ich eine große Kamera und ein Smartphone. Finde ich eine prima Entwicklung.

Heute ist Montag, und der Tag beginnt mit Sport. Wie bitte? Ja, richtig gehört, ich mache nun regelmäßig vor der Arbeit Sport. Das klingt erst einmal sehr widersprüchlich, weil ich doch morgens bekanntermaßen schlecht aus dem Bett komme. Allerdings habe ich festgestellt, dass es doch durchaus geht, wenn ich einen Grund dafür habe. Also quasi einen Termin, den ich erfüllen muss. Und weil ich abends oft keinen Bock oder schlichtweg keine Zeit habe, aktiv zu werden, versuche ich das jetzt morgens vor der Arbeit. Es läuft eigentlich sehr gut – letzte Woche habe ich allerdings ausgesetzt, weil ich früh im Büro sein musste. Übertreiben muss man’s ja auch nicht. Motiviert hat mich übrigens Pia. Nach der Abnahme dachte ich, ein paar Muskeln wären ja auch nett.

Es ist noch früh – offenbar so früh, dass ich mir beim Fotografieren den Kopf abschneiden muss. Auf fünf Fotos ist er nicht einmal komplett drauf! 😉 Dafür präsentiere ich meine Superman-Socken, denn wer vor der Arbeit Sport treibt, ist allemal Superman-würdig.

Man sollte jetzt aber nicht glauben, ich mutiere zur Supersportlerin des Jahres. So fit wie Pia werde ich wahrscheinlich nie werden, ich habe zur Mini-Variante gegriffen und beschlossen, dass acht Minuten reichen müssen. Nachdem ich das hier gerade so großspurig eingeleitet habe, seid ihr jetzt vermutlich enttäuscht. Aber hey. Bei 8 Minuten bleibt es ja doch nicht, man muss sich erst in die Sportsachen werfen, die Matte ausrollen, die DVD einlegen und starten, und dann ist ja auch immer noch eine Pause zwischen den Übungen, und anschließend geht’s unter die Dusche. Da ist man mit 40 Minuten locker dabei, wenn man sich noch die Haare föhnen muss. Ich jedenfalls sitze heute 45 Minuten nach dem Aufstehen auf dem Fahrrad. Ein paar Muskeln bringt’s ja vielleicht doch, das 8-Minuten-Muskel-Workout. Spaß macht’s auch ein bisschen UND ich kann mich dazu überwinden, das ist das wichtigste. Acht Minuten sind besser als null.

Heute ist der einzige Tag der Woche, an dem es “nur” um die 20 Grad sein sollen. Daher werfe ich mich in meine neue, langärmlige Bluse (die trotzdem recht luftig ist). Gestern war verkaufsoffener Sonntag in Haltern am See und ich habe dieses Schnäppchen gemacht. Ist die nicht süß? Neues will ich am liebsten sofort anziehen, also hoffe ich, dass mir nicht zu warm wird.

Im Büro: Arbeit. Symbolbild.

Mein Kollege hat heute wieder seinen Hund mit. Im Gegensatz zu unserem “regulären” Bürohund, der täglich da ist, kommt Monty nur ein oder zwei Mal pro Woche mit. Und ebenfalls im Gegensatz zu unserem regulären Bürohund liebt er Spaziergänge. So darf er dann mit auf meine Mittagspausenschritte. Heute entdecken wir die großen Symbole der Münsteraner Skulpturprojekte 2017 auf der Straße vorm Büro. Da folgen wir doch glatt mal den Pfeilen.

Ich bin ja kein großer Skulpturen-Kenner. Zunächst kommen wir an einem Lagerfeuer vorbei. Das ist eine Skulptur (lese ich gerade nach). Ich halte mit dem Hund lieber Abstand. Für die nächste Skulptur sollen wir in den gegenüberliegenden Schrebergarten einbiegen. Dort spaziere ich zwar mittags sehr gerne mal durch, aber ich weiß nicht, ob Hunde dort erlaubt sind. Also biegen wir zwei Kunstbanausen lieber wieder auf die gewohnte Route ab und genießen noch etwas Natur. Fazit: Ich bin offensichtlich nicht kunstinteressiert genug. Monty wollte ja. Aber ich hab ihn ins Grüne gezerrt. Ich bin so gemein.

Nachmittags geht es mit der Arbeit weiter. Zwischendurch aktualisiere ich die DHL-Website. Ich habe letzten Mittwoch etwas bestellt, das am Freitag geliefert werden sollte. Daher habe ich als Lieferadresse das Büro angegeben. Freitag kam und kam dann aber niemand, ich blieb schon extra lange, bis ich irgendwann ins Tracking schaute. Bei DHL hatte man um 16 Uhr vermutet, wir hätten nun geschlossen, und die Sendung zurückgestellt. Tja, da saß ich nun um 17 Uhr und hätte längst heimgehen können. Hmpf. Samstag wurde die Sendung dann erneut zurückgestellt (sinnvoll) und heute? Passiert gar nichts. Doof!

Die Uhr erinnert mich während des Tages regelmäßig daran, dass ich mich mal wieder bewegen sollte. Auch, um meine 10.000 täglichen Schritte zu schaffen, stehe ich dann immer auf und gehe ein paar Meter. Ein Grund findet sich immer. Neuen Kaffee in der Küche holen? Den Kollegen im Nachbarbüro besuchen, anstatt ihn anzurufen? Den Kalender in der anderen Ecke des Büros auf den neuesten Stand bringen? Oder halt den Hund knuddeln. Ich bin nicht wählerisch.

Nach der Arbeit springe ich noch kurz in den Supermarkt. Es ist schließlich Miracoli-Montag, aber unsere Vorräte sind aufgebraucht. Das geht zum Glück recht fix.

Auf dem Heimweg ist es sooo windig! Ich mag es nicht, wenn es windig ist. Das Radfahren ist einfach so viel anstrengender. Eine frische Brise, gut, aber richtig Wind? Ich werde dann immer ganz fuchsig und schimpfe vor mich hin. Sicher ein lustiger Anblick. Ich erspare ihn euch und teile diese schönere Seitenansicht meines Weges mit euch. Immerhin kann ich am Auto-Stau vorbeifahren.

Zuhause schauen wir eine schnelle Serienfolge, bevor ich zur Chorprobe muss. Wer erkennt anhand des Bildes und des passenden Textes in der Lightbox daneben, welche Serie wir gerade schauen? (Auf Instagram habe ich es natürlich schon verraten…) Heute kommt netterweise eine Folge, die mich NICHT mit verdrehtem Gehirn zurücklässt. Eine erfrischende Abwechslung.

Im Anschluss dann die montägliche Chorprobe. Wir kämpfen mit einigen schwierigen Liedern derzeit. Aber es ist eine sehr erfolgreiche Probe und wir alle haben das Gefühl, dass wir die beiden schwersten Stücke meistern können. Letzte Woche haben wir da noch viel mehr gejammert. 😉

Jetzt bin ich zuhause, muss dummerweise den Rest aus der Weinflasche von gestern trinken und werde noch ein bisschen Dinge von A nach B räumen. Am Wochenende habe ich praktische Aufbewahrungskisten fürs Nähzimmer gekauft und somit steht eine Mini-Umorganisation an.

Mehr 12 von 12 gibt’s wie immer bei Draußen nur Kännchen!

(Juni 2015, Juni 2013, Juni 2011)

12 von 12 im Mai 2017

Gestern war der 12. Mai, und ich habe endlich mal wieder daran gedacht, 12 Fotos von meinem Tag zu machen. Es war aber auch ein schöner Tag, da fiel das leicht! Außerdem habe ich entdeckt, dass der Mai tatsächlich einer der wenigen Monate ist, in denen ich seit Jahren die 12 von 12 durchziehe. Eine schöne Dokumentation, finde ich.

Morgens zog ich mich direkt passend an – mit Band-Shirt. Abends sollte es nämlich auf ein Kapelle Petra-Konzert gehen, und es schadet ja nicht, diese Vorfreude schon den ganzen Tag zu demonstrieren!

Der Held ist noch krank, daher konnte ich mit dem Auto fahren. Das traf sich gut, ich bin nämlich selbst noch leicht angeschlagen mit einer blöden Erkältung und da ist Radfahren nun einmal doppelt anstrengend. Auf diesem Foto stehe ich an der Baustellenampel, die ich kürzlich erwähnt habe. Die verlängert meinen Arbeitsweg mal eben um 5-10 Minuten. Was auf einer Strecke von einer Viertelstunde schon eine Menge ist.

Unterwegs halte ich kurz an der Post und werfe meine Unterlagen für die Sozialwahl ein. Das ist ja ein Thema, das mich länger beschäftigt hat. Keiner kennt sich so richtig aus, weiß wirklich, wen er da wählt und wofür. Auf Twitter habe ich einen neuen Podcast entdeckt: Lage der Nation. Jede Woche werden darin die aktuellen Ereignisse der Woche zusammengefasst und eingeordnet. Hier besprechen sie auch die Sozialwahl. Ich habe dabei gelernt, dass ich bei meiner Krankenversicherung gar nicht wählen darf, da dort eine sogenannte “Friedenswahl” stattfindet. Das bedeutet, es stellen sich nicht mehr Leute zur Wahl, als Plätze im Rat vorhanden sind, und somit sind die bereits automatisch “gewählt”. Kommt mir recht undemokratisch vor. Aber bei der Rentenversicherung durfte ich noch wählen. Falls ihr noch nicht gewählt habt und auch so unsicher und verwirrt seid wie ich, hört euch die zehn Minunten des Podcasts auf jeden Fall an (man kann die einzelnen Themen extra anklicken). Mir hat es sehr geholfen.

Es folgt ein unfotogener Arbeitstag.

Eine kurze Runde durch den Park hinterm Büro ist aber natürlich auch drin.

Auf dem Rückweg – habt ihr’s auf dem oberen Foto entdeckt? – halte ich noch kurz an der Tankstelle. Mir kommt der Sprit sehr günstig vor mit 1,11, aber später in Hamm haben wir Tankstellen gesehen, an denen er sogar nur 1,04 kostete. Nun ja, was sein muss, muss sein. Ich ziehe mir einen lustigen Dieselhandschuh an, denn als ich die Zapfpistole (ähm… heißt das so?) einstecke, versaue ich mir schon die Hand. Außerdem ist das Foto so lustiger. 😉

An der Baustelle darf ich natürlich auch wieder stehen. Juchuh!

Zuhause gibt’s Abendbrot und einen Blick auf die Uhr. Naja, das sind ja noch nicht sehr viele Schritte heute. Aber ich habe mich auch nicht so sehr angestrengt, denn erfahrungsgemäß tanze ich auf Konzerten die Schritte schnell und einfach herbei.

Viel Zeit haben wir nicht! Um kurz vor sieben werden wir abgeholt und dann heißt es: “Volles Abteil / Fahrbier dabei / Alle sind glücklich / Denn morgen ist frei!” Man beachte auch unsere signierten “Delücks-Karten”. Wir fühlen uns ein bisschen wie VIPs! 😀

Das Konzert ist im Kurhaus Hamm, die Kapelle wird begleitet vom Sinfonieorchester der Hammer Musikschule. Wir sind gespannt, wie das wohl wird, aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, war es jetzt so viel anders als sonst nicht. Was nicht tragisch ist, denn sonst ist es ja immer toll, also ist es auch heute toll! Soweit, so logisch? 😉

Auf dem Heimweg gibt’s noch einen kleinen Zwischenstopp. Wo wir es hier auf dem Blog doch kürzlich mit gesunder Ernährung, Abnehmen und so hatten. 😉 So ein McDonald’s-Besuch ein oder zwei Mal im Jahr wirft das alles nicht um. Ich freue mich schon den ganzen Abend auf einen BigMac und einen Vanille-Milchshake und genieße das dann auch sehr!

Am Ende des Tages stehen rund 16.000 Schritte auf der Uhr. Geht ja doch ganz gut, so beim Konzert. Ich sollte mehr auf Konzerte gehen… Wir lassen uns nach Hause kutschieren und liegen gegen 1:00 Uhr im Bett. Ein schöner Freitag!

Mehr 12 von 12 findet ihr wie immer bei Draußen nur Kännchen!

(2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011)

Buchtipp: 20 Kilo weniger dank “Fettlogik überwinden”

Mir fällt es etwas schwer, diesen Beitrag zu beginnen. Immerhin leben wir irgendwie zwischen zwei Polen. Zwischen Magerwahn und Body Positivity, zwischen Schlank im Schlaf und Fat Acceptance. Das Buch, das ich empfehlen möchte, hat auf Twitter auch in meiner Timeline Staub aufgewirbelt, das Wort “Sektenanhänger” fiel, und der Satz “Ich dachte, übers Kalorienzählen wären wir als Gesellschaft mittlerweile hinaus”. Das ist die eine Seite; auf der anderen Seite lese ich von Menschen, denen nach Jahren plötzlich wieder die Jeans passen und die plötzlich Spaß an der Bewegung haben. Ich habe mich bisher selten dazu geäußert: Das Thema Gewicht ist sehr persönlich, ich habe keine Lust auf Grabenkriege und von mir aus soll jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Wer mich nicht fragt, kriegt zumeist auch nichts gesagt und selbst bei meiner Meinung nach offensichtlichem Bullshit seufze ich zumeist nur innerlich und schweige. Der Mensch will ja in der Regel nicht belehrt werden und die Reaktion ist in den seltensten Fällen positiv. Dann sollen die Leute doch glauben, was sie gern glauben möchten; da bin ich mit den Jahren offen gestanden etwas resigniert.

Dieser recht lange Beitrag wird daher vor allem nicht: Anleitung zum Abnehmen. Regeln für alle. Vorschriften darüber, wer welche Figur haben sollte. Leute! Ihr wisst selbst, wie ihr euch am wohlsten fühlt und wenn ihr Menschen, die abnehmen möchten oder Kalorien zählen oder davon erzählen, dass sie zu dick sind,  grundsätzlich blöd findet, solltet ihr jetzt das Browserfenster schließen.

Selbstdiagnose: Huch, ich bin dick!

In unserer Familie bin ich ja so was wie die Fotografin. Bei allen wichtigen Ereignissen schleppe ich die große Kamera an – neulich bekam ich sogar den offiziellen Auftrag, die Taufe der Mini-Nichte festzuhalten. Das hat eine logische Konsequenz, die vermutlich die meisten Bloggerinnen kennen: Auf den meisten Fotos bin ich nicht zu sehen. Viel lieber dokumentiere ich, wie die Kinder groß werden – die sind ja auch viel niedlicher.

Umso erschrockener war ich, als ich Weihnachten 2015 die Kamera doch mal aus der Hand gab. Plötzlich war ich nämlich auch auf den Bildern. Und nicht von mir selbst möglichst vorteilhaft in Pose gesetzt. Denn natürlich war mir aufgefallen, dass ich mir dafür mittlerweile etwas mehr Mühe geben musste. Gewisse Winkel sehen einfach besser aus als andere. Oder man hält sich einfach dekorativ-unauffällig einen Puschel vors Doppelkinn. Aber auf familiären Schnappschüssen klappt das eben nicht. Und so sah ich mich damit konfrontiert:

Ein Schritt auf die Waage bestätigte: Ich kratzte langsam, aber sicher am Rand des starken Übergewichts, wenn man meinen BMI ausrechnete. Die 30 hatte ich nämlich so gerade überschritten. Hallo, Adipositas! Und da der BMI nicht mit dem Alter identisch sein sollte (naja, außer vielleicht, man ist gerade Anfang 20), sollte sich etwas tun.

Fettlogik überwinden? Nadja to the rescue!

Den Blog von Nadja Hermann lese ich schon lange: erzählmirnix. Er steht auch seit Jahren auf meiner Blogroll. Als ich angefangen habe, dort mitzulesen, war Nadja selbst noch stark übergewichtig. Also, deutlich mehr noch als ich. Wenn ich mich recht entsinne, wog sie um die 150 Kilo. Sie postete gelegentlich darüber – eher in Richtung Fat Acceptance denn kritisch. Mir war’s recht, im Grunde genommen war es mir egal, ich mochte ihren Blog eher wegen der politischen, feministischen Grundeinstellung und natürlich der Comics, die zum Lachen bringen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen.

Irgendwann jedoch begann Nadja, auf dem Blog Artikel zum Thema Abnehmen einzustreuen. Und sie nahm ab (im Buch erfährt man, dass eine Verletzung und andere Gesundheitsprobleme der Auslöser waren). Und sie beschäftigte sich mit dem Thema, recherchierte, las Studien, las Gegenstudien, und sicherlich gibt es auch Gegen-Gegenstudien, las Bücher, Foreneinträge, Artikel. Und schließlich und endlich veröffentlichte sie ein Buch zum Thema: Fettlogik überwinden.

Aufgrund der regelmäßigen Begleitung des Themas auf ihrem Blog bekam ich das schnell mit. Trotzdem kaufte ich mir das Ebook erst, als es bei mir selbst akut wurde. Und ganz klassisch, am 1. Januar 2016, begann ich: mit dem Abnehmen. Mit der Diät? Mit der Lebensumstellung? Nahrungsumstellung? Von allem etwas, nehme ich an.

Erkenntnisse: Das nehme ich mit

Nun bin ich weder Neuling in Sachen Abnehmen (ich habe vor zehn Jahren schon einmal rund zehn Kilo abgenommen und danach mehrere Jahre mein Gewicht gehalten), noch ernähre ich mich unfassbar ungesund. Tatsächlich ist es bei mir die schiere Menge, die das Übergewicht langsam, aber sicher angefuttert hat. Ein Gummitierchen nach dem anderen, eine Portion Nudeln extra, eine große statt kleiner Pizza, und zum Überbacken die Hand großzügig in die Tüte mit dem Reibekäse.

Innerhalb von 9 Monaten verlor ich ungefähr 15 Kilo. Keine Frage wurde mir seither so oft gestellt wie: Wie hast du das gemacht? Und meine Antwort lautet stets: weniger essen, mehr bewegen. Die meisten sind dann enttäuscht. Sorry, aber das ist das ganze Geheimnis. Weniger essen, als man verbraucht. Das wusste ich auch, bevor ich “Fettlogik überwinden” gelesen habe. Und ja: So revolutionär, wie es oft dargestellt wird, ist das Buch vermutlich nicht. Es stellt im Grunde gängige Ernährungsmythen bzw. übliche Ratschläge und “Allgemeinwissen” zum Thema Gewicht nacheinander auf den Prüfstand und untersucht sie einzeln anhand von Studien. Und ich wette, jeder fühlt sich bei wenigstens einer dieser so genannten “Fettlogiken” irgendwie ertappt. Hier eine Checkliste für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben – welchen dieser Aussagen würdet ihr zustimmen:

  • Es ist gefährlich, wenig zu essen, dann hat man keine Energie und baut Muskeln ab!
  • Im Alter nimmt man zu, weil der Stoffwechsel langsamer wird.
  • Leichtes Übergewicht ist sogar gesünder als Normalgewicht!
  • Jojo-Diäten sind viel schädlicher als Dicksein!
  • Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt unweigerlich zu.
  • Von Diätprodukten nimmt man zu!
  • Wer abnehmen will, sollte mehr Obst essen.
  • Kalorien zählen ist essgestört und genussfeindlich.
  • Man sollte maximal ein Pfund pro Woche verlieren.
  • Manche Menschen können nie wirklich schlank sein, dafür sind sie körperlich einfach nicht gebaut.
  • Kalorienzählen funktioniert bei mir nicht. Ich esse nur 1.000 Kalorien am Tag und nehme trotzdem nicht ab! Mein Stoffwechsel ist ruiniert!
  • Bei zu schnellem Abnehmen oder zu viel Gewichtsverlust rutscht man ganz schnell in die Magersucht.
  • Das Idealbild der dünnen Frau ist ein Phänomen unserer Zeit, früher war das ganz anders.
  • Abnehmen ohne Sport geht nicht.
  • Das Übergewichtsproblem ist überbewertet. (Das ist doch noch nicht adipös!)
  • Tägliches Wiegen ist schlecht oder sogar gefährlich.

Und? Also, ich muss zugeben, obwohl ich “weiß, wie es geht” und quasi frei Schnauze schon mal erfolgreich abgenommen hatte, hätte ich einigen dieser Sätze zugestimmt. Vor allem der Aussage, dass man langsam abnehmen soll, damit es gesund bleibt; aber auch, dass leichtes Übergewicht gesünder sei als Normalgewicht oder dass man maximal einmal in der Woche auf die Waage steigen sollte. Tja. Ich werde jetzt nicht Punkt für Punkt widerlegen, aber allen diesen Punkten (und zahlreichen mehr) widerspricht Nadja Hermann in dem Buch. Sämtliche Aussagen untermauert sie dabei mit Studien, bezieht auch Studien ein, die vermeintlich das Gegenteil beweisen, und nimmt diese Studien Schritt für Schritt auseinander, was den Aufbau und die Aussagekraft betrifft.

Jojo-Effekt und Hungerstoffwechsel: Kann man nix machen!

Zum Beispiel der Jojo-Effekt: Das weiß man doch, dass der Körper nach einer Diät froh ist, endlich wieder genug zu essen zu bekommen, und alles einlagert, was er kriegen kann. In Vorbereitung auf die nächste Hungersnot. Der Stoffwechsel fährt runter und man nimmt plötzlich viel schneller zu – gibt’s doch Studien zu und hat auch jeder schon mal erlebt, nach einer Diät wiegt man ganz schnell und quasi urplötzlich wieder mehr als vorher, obwohl man nicht anders isst.

Tja, nun. Das denkt man so. Und ja, es stimmt. Nimmt man ab, verbraucht man weniger Kalorien und kann nicht mehr so viel essen wie vorher. Zudem man ja auch schon vorher mit eben dieser Menge an Nahrung offenbar zugenommen hat, sonst wäre ja die Diät nicht nötig gewesen. Aber ja, auch abgesehen von den Kalorien, die man aufgrund von geringerer Körpermasse weniger verbraucht, benötigen laut einigen (längst nicht allen) Studien einige Menschen nach einer Diät plötzlich weniger Kalorien als erwartet. Und zwar ungefähr 50-80 täglich. Das ist nicht besonders viel. Es ist also nicht so, als dürfte man nach einer Diät keinen Apfel mehr ansehen, ohne zuzunehmen. Und selbst dieser Effekt trat nur bei Menschen auf, die bei der Abnahme völlig auf Sport verzichtet hatten. Warum der Hungerstoffwechsel Unsinn ist, wird im Buch ausführlich und nachvollziehbar erklärt.

Umsetzung: Wiegen, wiegen, wiegen oder Quantifizierung ist alles

Fettlogik überwinden” sagt dem Leser nicht, was er tun soll. Es will keine Anleitung zur Abnahme sein. Nadja erzählt von ihrem eigenen Weg und stellt ansonsten eben die üblichen Mythen auf die Probe. Daraus kann sich jeder selbst mitnehmen, was ihm weiterhilft. Mein Weg war der folgende: Ich habe Kalorien gezählt. Alle. Ich habe mir eine Mini-Waage fürs Büro gekauft und mein Mittagessen abgewogen. Ich habe beim Kochen jede Zutat einzeln auf die Waage gelegt und in die FDDB-App eingetragen. Ich hatte kein festes Kalorienziel; möglichst wenig halt, ohne zu viel Hunger zu haben (und oh Wunder, Hunger kann man manchmal aushalten, wenn man das will). An manchen Tagen war das mehr, an anderen weniger. Ich habe ganz normal auswärts gegessen, wenn es Anlässe gab; aber das Essen dort habe ich dann eben geschätzt und trotzdem in die App eingetragen. So war ich eben manchmal nur knapp unter meinem täglichen Kalorien-Gesamtumsatz und manchmal sehr viel.

Nicht nur mein Essen habe ich gewogen; auch mich selbst. Täglich. So lernte ich, dass Schwankungen ganz normal sind und konnte auch ein bisschen abschätzen, woran sie lagen. Bei bisherigen Abnahme-Aktionen hatte ich mich maximal einmal in der Woche gewogen. Das kann sehr frustrierend sein, wenn die Waage dann genau am Wiegetag einen Ausreißer nach oben hatte. Außerdem gab es mir Routine, sich halt jeden Tag draufzustellen. Wenn mir das Ergebnis gefiel, freute ich mich; wenn nicht, gab ich nicht allzu viel drum.

Die dritte Säule meines “Quantifizierungswahns” kam nach ein paar Monaten hinzu. Ich erstand nämlich günstig ein gebrauchtes Fitbit-Fitnessarmband. Yay, ein Gerät, das alle meine Bewegungen aufzeichnet und auf dubiosen Servern in den USA speichert! Was tut man nicht alles. Das Armband zählte zuverlässig meine Schritte und zeichnete meinen Sport auf. Außerdem rechnete es erstaunlich genau meinen Kalorienverbrauch aus, was natürlich fürs Zählen äußerst hilfreich war. Und das tägliche Schrittziel von 10.000 Schritten zu erreichen – und sich womöglich gar in Wettbewerben mit anderen Nutzern zu messen – hat mich enorm motiviert. Vor allem, weil ich sehen konnte, was ein Tag mit 3.000 Schritten für einen Kalorienverbraucht hat im Vergleich zu einem mit 10.000. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Der Unterschied ist erstaunlich. So ein paar Schritte durch die Wohnung, da erwartet man ja nix. Aber doch, es bringt etwas, definitiv. (Mittlerweile habe ich ein neues Armband, das die Kalorien weitaus ungenauer ausrechnet, aber ich kann den Verbrauch relativ zuverlässig selbst abschätzen.)

Sportlich bin ich also viel gegangen (dazu kam ja auch noch Pokemon Go in der Zeit, yay!). Und mit dem Bouldern habe ich in der Zeit angefangen. Was das so verbraucht, weiß ich aber nicht, doch Muskelaufbau kann ja schließlich auch nicht schaden und der Spaß stand dabei im Vordergrund.

Ein Fazit und zwei Sätze, die ich nicht mehr hören kann


Bis September 2016 hatte ich also 15 Kilo abgenommen. Aber in der Überschrift steht doch 20? Bin ich danach etwa auf meinen ominösen Setpoint gestoßen, ab dem es nicht mehr weitergeht? Nö, es ist viel banaler. Ich habe pausiert. Im Oktober sind wir umgezogen und danach bin ich irgendwie nicht mehr richtig in den Tritt gekommen. Wie sagt Nadja so schön? Es ist nicht schwierig, aber es ist trotzdem schwer. Ungefähr im März habe ich wieder angefangen, und seither sind wieder etwa fünf Kilo runter. Also, keine Sorge: Es klappt. Außerdem keine Sorge: Ich bin weder magersüchtig noch zu dünn, noch werde ich zu dünn, wenn ich mein Gewichtsziel eines mittleren Normalgewichts erreicht haben werde. Denn das ist einer der beiden Sätze, die ich nicht mehr hören kann – in verschiedensten Variationen: Wo willst du denn noch abnehmen? Jetzt ist es aber gut. Das reicht doch jetzt. Vor der Magersucht hat mich noch niemand gewarnt, aber hey, ich schmiere es auch nicht allen aufs Butterbrot, dass ich noch nicht fertig bin. Ich finde dennoch, das muss eigentlich niemand kommentieren. Ich sage ja auch niemandem, dass er unbedingt abnehmen sollte; wieso sollte es besser sein, jemandem zu sagen, dass er das auf keinen Fall tun sollte?

Die zweithäufigste Satzvariation kommt nach meiner Antwort auf die Frage, wie ich das denn gemacht hätte (zur Erinnerung: weniger essen, mehr bewegen). Dann kommt nämlich gefühlt in der Hälfte der Fälle eine Rechtfertigung, wieso das bei mir zwar geklappt hat, aber bei meinem Gegenüber auf keinen Fall so klappen kann: Ach, in deinem Alter geht das ja auch noch. Dafür habe ich keine Zeit. Das klappt bei mir nicht, habe ich schon probiert. Wenn das mal so einfach wäre. Das ist zu kompliziert. Das ist ja auch Typsache. Leute, echt jetzt? Ihr braucht euch nicht zu rechtfertigen. Mir ist das doch egal, was ihr wiegt. Ihr habt mit dem Thema angefangen. Allerdings ist die Hälfte von dem, was ihr sagt, durch Studien widerlegt. In der Regel habe ich aber keine Lust auf Diskussionen und steige aus dem Gespräch aus. Manchmal erwähne ich das Buch – das ich mir mittlerweile gleich zwei Mal als Printversion gekauft habe, weil ich gern darin blättere, es aber auch regelmäßig verleihe.

Bloggerfrühstück und Handy-Ärger – Tagebuchbloggen am 5. Mai {WMDEDGT}

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Das fragt Frau Brüllen zwar an jedem Monatsfünften, aber ich bin nur sporadisch dabei. Aber immerhin habe ich heute mein Buch hochoffiziell als “Tagebuchblog” bezeichnet, da darf das ja kaum fehlen, oder?

Heute ist ein etwas untypischer Freitag. Er fängt schon damit an, dass mein Wecker eine halbe Stunde früher klingelt. Der Held hat heute Abend Firmenfeier und wünscht sich, mit dem Auto zur Arbeit gebracht zu werden, damit er abends nicht zurückfahren muss. Dem Wunsch entspreche ich gern, denn es bedeutet immerhin, dass ich auch nicht Radfahren muss. Es ist wieder unangenehm kühl geworden und den Luxus, ein Auto zu haben, genieße ich immer mal wieder gern.

Pünktlich liefere ich den Helden also im Nachbarort ab und rund 20 Minuten später sitze ich selbst auch schon am Schreibtisch, genieße den ersten Kaffee und knabbere an dem leckeren Honigkuchenriegel, den wir am vergangenen Wochenende in unserem Kurzurlaub in den Niederlanden gekauft haben. Zu viel darf ich aber nicht frühstücken. Nur anderthalb Stunden später verlasse ich das Büro nämlich schon wieder und mache mich auf den Weg in den Hafen. Leila und Hanna, die fabelhaften Gründerinnen der MünsterBlogs-Website, haben nämlich zum Mini-Meeting mit Frühstück geladen. Und mit TV-Begleitung!

Am Hafen suche ich relativ lange einen Parkplatz – ich bin ja sonst nur abends dort und dachte mir, tagsüber findet man sicher locker was. Haha, sehr naiv von mir, denn tagsüber wird dort natürlich gearbeitet! 😉 So musste ich sogar so weit hinten parken wie nie zuvor. Immerhin waren es damit noch ein paar Schritte bis zum Treffpunkt. Mein aktuelles Ziel ist es schließlich, hundert Tage lang täglich 10.000 Schritte zu gehen. Immerhin 33 Tage halte ich das jetzt schon durch!

An der Location angekommen, stelle ich fest, dass man vermutlich auch dort hätte parken können. Aber nun gut. Das wäre ja langweilig und Schritte hätte ich auch keine gemacht! 😉 Das Mini-Meeting mit Frühstück ist dann wunderbar – kommunikativ, informativ, spannend. Und Kaffee und Brötchen gibt’s auch, was will man mehr? Alles wird vom WDR gefilmt, nächste Woche wird vermutlich ein Beitrag in der Lokalzeit erscheinen. Ich durfte auch ein paar Worte sagen und war sehr aufgeregt. Dann habe ich mich vor dem Mikro erschreckt, das von oben in mein Blickfeld ragte. Vermutlich werde ich rausgeschnitten. 😀

Anschließend darf ich zurück ins Büro. Ein Hoch auf die Gleitzeit, die solche spontanen Pausen ab und zu möglich macht! Vormittags hatte ich die meisten Kundenanfragen schon abgearbeitet, so dass ich mich nachmittags mit Übersetzungen beschäftigen kann. Das macht durchaus Spaß, ich probiere eine neue Übersetzungssoftware aus. Außerdem versuche ich, meinem Arbeitskollegen das Konzept Blog zu erklären. Zum wiederholten Male. Er steht dem Internet recht skeptisch gegenüber (obwohl wir eine reine Online-Firma sind 😀 ) und so geht es nach dem heutigen Termin um Blogger-Kooperationen, Authentizität, Münsterblogs im allgemeinen und speziellen. Das ufert etwas aus und irgendwann müssen wir die Diskussion ohne Ergebnis abbrechen, damit die Arbeit auch gemacht wird! 😉

Nach der Arbeit husche ich noch kurz in den Supermarkt. Da der Held nicht da ist, möchte ich Arabische Kichererbsen-Spinat-Suppe kochen. Er steht nicht so auf Spinat und Eintöpfe sind auch nicht sein Favorit, da passt das ja ganz gut und schnell geht es auch. Seit dem Frühstück habe ich nämlich nichts mehr gegessen – mein Magen knurrt!

Auf dem Heimweg fahre ich einen Umweg. In unserem Dörfchen ist eine Baustelle inklusive Baustellenampel und so stehen zur Berufsverkehrszeit immer Massen an Autos Schlange, um die einspurige Durchgangsstraße zu befahren. Ich fahre also so, dass ich aus der anderen Richtung komme – ob sich das lohnt, weiß ich nicht, aber immerhin fahre ich entspannt, statt im Stau zu stehen. Daheim liegt dann ein Wahlprospekt von der CDU im Briefkasten. Sie listet unter anderem alle Erfolge auf, die sie in den letzten Jahren hier im Ort so erreicht hat. Ich muss etwas lachen, denn einer davon ist die Sanierung und der Umbau der Bushaltestellen – der Grund für die aktuelle Baustelle und den täglichen Stau. Sicherlich ein lohnenswertes Projekt, aber ob die Anwohner momentan so dankbar dafür sind?

Mein Plan für heute Abend lautet: das Smartphone neu installieren. Seit Tagen meldet es, dass die SD-Karte defekt sei. Ich kann nicht mehr fotografieren, weil die Fotos nicht gespeichert werden können; und alles, was einen Zugriff auf die Karte erfordert, dauert gefühlte Stunden. Dazu habe ich eine neue SD-Karte bestellt, die heute ankommen soll. Leider finde ich aber außer dem CDU-Prospekt nichts im Briefkasten… So ein Mist!

Schnell schmeiße ich eine Maschine Wäsche an und dann koche ich erst einmal, den knurrenden Magen erwähnte ich ja schon. Währenddessen schaue ich nach, was der Händler zur Lieferung der Speicherkarte zu sagen hat. Tja. Nun. Er hat folgendes zu sagen: Die Sendung wurde zugestellt. An der angegebenen Lieferadresse. Nämlich, wie zwei weitere Klicks schnell zu Tage bringen, am Büro. So ein Mist! Ich war mir so sicher, dass ich Zuhause als Lieferadresse angegeben hatte! Ich ringe kurz mit mir. Kann ich das Wochenende noch so überstehen? Ich könnte wahrscheinlich, aber ich will nicht. Grummel. Also steige ich nach zwei Tellern Suppe und der letzten Folge “Freaks and Geeks” auf Netflix wieder ins Auto und düse zum Büro. Schnell mit Warnblinker in der Busspur halten, zum Briefkasten flitzen (in den ich sonst immer nach Feierabend einen Blick werfe – außer heute!), den Umschlag schnappen, und wieder heim.

Währenddessen hat das Smartphone am Computer Bilder und Daten gesichert. Ich hänge noch schnell die Wäsche auf und setze mich an den Tisch, um zu bloggen. Das mache ich auch gerade. 😉 Ich sitze im Wohnzimmer bzw. am Esstisch, weil ich sowieso allein bin und in meinem Nähzimmer derzeit beide Nähmaschinen auf dem Schreibtisch stehen. Da ist es hier doch etwas gemütlicher. Außerdem kann man so schön aus dem Fenster gucken und schauen, wer alles vorbeikommt. Dabei trinke ich einen schönen heißen Tee und bin eigentlich ganz zufrieden mit der Welt.

Das Smartphone lädt vor sich hin und sobald der Akku voll ist, werde ich mich daran begeben, es neu aufzusetzen. Das wird ein Spaß! (Ihr kennt das ja mit dem So-tun-als-ob, oder?) Ich hoffe, das wird nicht den ganzen Abend dauern, dann kann ich noch ein paar Blogbeiträge vorbereiten. Währenddessen warte ich auf Nachricht vom Helden, der eigentlich meinte, ich müsste ihn vermutlich nicht abholen, aber vielleicht kommt ja alles anders. Ich hoffe es allerdings nicht, denn ich habe schon meinen Onesie an. 😉

Euch allen wünsche ich noch einen wunderbaren Abend und schaut mal bei Frau Brüllen rein, die die aktuelle Liste mit allen Teilnehmern an der WMDEDGT-Aktion hat!

Projekt Stoffabbau: Mrs. Klassik {MeMadeMittwoch}

Der Abbau meiner Stoffberge (oder ist es schon ein Stoff-Gebirge?) geht weiter – langsam, aber stetig. Seit dem erfolgreichen Auseinanderschnibbeln des Schnittmusters neulich bin ich motiviert, auch meine letzten Reste Sweat- und Jerseystoff aufzubrauchen. Und so fand ich mich neulich erneut auf dem Fußboden des Nähzimmers wieder, wo ich Schnittteile von A nach B schob, Kombistoffe ans Licht hielt und überlegte, wo man das Schnittmuster nun am besten würde teilen können.

Den hellblauen und den cremeweißen Sweatstoff habe ich schon ewig. Den geblümten Jersey noch nicht so lange – allerdings habe ich bei diesem keine Ahnung, wo er herkommt. Die Farben gefallen mir gut, die Qualität ist wunderbar, aber es ist nichts, was mich so umhauen würde, dass ich es dringend brauche. Daher vermute ich, dass ich ihn mal auf dem Stoffmarkt beim Couponstand eingepackt habe, wo es dann drei Stücke für zehn Euro (oder so was in der Richtung) gab, und mir noch ein dritter fehlte. Nun jedenfalls hatte ich einen ganzen Meter von diesem Jersey. Aber ein Shirt oder einen kompletten Pulli daraus konnte ich mir nicht vorstellen. Das hätte – befürchtete ich – zu sehr nach Schlafanzug oder Kittelschürze ausgesehen.

Mir war schnell klar, dass ich nur in Kombination mit dem verbliebenen hellblauen Sweatstoff keinen Hoodie hinbekommen würde – für eine Kapuze war es nicht definitiv nicht mehr genug. Alles schrie also förmlich danach, endlich mal “Mrs. Klassik” von Konfetti Patterns zu nähen. Das Schnittmuster hatte ich schon vor Ewigkeiten bei einem Makerist-Sale für kleines Geld ergattert und besonders der Kragen gefiel mir besonders gut.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: Trotz bereits geteiltem Vorderteil reichte der Stoff nicht. Rückteil, geteiltes Vorderteil und ein Ärmel. Mehr ging beim besten Willen nicht. Ich ärgerte mich etwas, beim ursprünglichen Nähprojekt so viel von dem Stoff verwendet zu haben, obwohl ich das Teil eigentlich nie trage. Der Hoodie ist mir zu lang, steht mir nur mittel, die Daumenlöcher, auf die ich damals so stolz war, finde ich unpraktisch (man bekommt jedes Mal nasse Ärmel, wenn man sich die Hände wäscht), und das Bündchen aus Sweatstoff war ausgeleiert und der Pulli somit total “bollerig” geworden. Meh. Dann kam mir die rettende Idee. Wenn ich den Pulli sowieso nie trage… Und BÄÄM, schon hatte ich die Schere angesetzt und aus dem Rückenteil den zweiten Ärmel zugeschnitten! 😀 Da ich den Hoodie so selten anhatte, ist der Stoff auch kaum gewaschen worden und es fällt nur auf, wenn man ganz nah herangeht.

Mrs. Klassik an zerschnibbelter Kanga. Mal sehen, was ich mit dem restlichen Stoff noch machen könnte.

Der Kombistoff für den Kragen und das geteilte Vorderteil war wiederum ein Rest dieses Projekts – ein Hoodie, der sicherlich nicht zerschnitten wird, weil ich ihn immer noch gern und häufig trage.

Als mir meine Aufteilung dann nach langem Hin- und Hergeschiebe endlich klar war, konnte es ans Nähen gehen. Und was soll ich sagen? Die Anleitung hat mir richtig gut gefallen. Alles war sehr gut erklärt und bebildert, so dass man eigentlich den Kopf fast ausschalten konnte. Besonders toll fand ich die Erklärung, wie der Kragen eingenäht wird. Gar kein Knoten im Kopf, wie ich es sonst manchmal habe bei Nähanleitungen. Nur bei dem Armpatches hat meine Nähmaschine rumgezickt, aber dafür kann das Schnittmuster ja nichts und sie hat sich dann glücklicherweise mit einer neuen Nadel auch bald wieder eingekriegt. 😉

Einzig bei der Größe hab ich versagt. Anhand der Oberweite sollte ich Größe 42 nähen – in der Taille lag ich hingegen bei Größe 36. Ähm… Wenn ich einen gut passenden Pulli aufs Schnittmuster legte, landete ich ungefähr bei Größe 40. Nun ja, da mein Sweatstoff nicht sonderlich gut dehnbar ist, bin ich lieber auf Nummer sicher gegangen und habe alles – wie in der Anleitung für nicht dehnbare Stoffe empfohlen – in Größe 42 zugeschnitten (sonst hätte ich vielleicht einen Mittelwert gewählt). Und natürlich war am Ende alles viel zu groß… 😉 Ich habe dann mit der Overlock einfach die Seiten jeweils um ca. 2 cm gekürzt, bevor ich Bündchen angenäht habe. Entsprechend sitzt der Pulli gerade unter den Armen halt nicht optimal. Aber es geht schon, finde ich, wenn man nicht so sehr darauf achtet. (Wer von euch Profis verrät mir, woran das liegt, damit ich es beim nächsten Mal ändern kann? Oder ist da “nur” meine Freestyle-Anpassung Schuld dran? 😀 )

Die Armbündchen musste ich übrigens auch wieder um zwei Zentimeter kürzen, ich scheine einfach recht kurze Arme zu haben. Beim nächsten Mal würde ich vermutlich Größe 38 zuschneiden – zum Glück kann man das Schnittmuster ja einfach noch ein bisschen zurechtschneiden, in Höhe der Oberweite bleibt es vielleicht etwas größer. 😉

Nichtsdestotrotz bin ich außerordentlich zufrieden mit meiner Mrs. Klassik! Ich habe alles an einem Abend genäht, weil ich so im Flow war. Und wenn die Anleitung so gut erklärt ist, macht es ja auch viel mehr Spaß! (Der Abend, an dem ich den Rock “Amy” genäht habe, ist mir in nicht so guter Erinnerung geblieben – da wurde deutlich mehr geflucht!) Den Schnitt werde ich sicherlich noch einmal nähen, dann vielleicht mit Kapuze (davon gibt es auch zwei Varianten im Schnittmuster). Aber auch der Kragen gefällt mir so gut, dass es mich schon in den Fingern juckt, davon noch ein, zwei, siebenundzwanzig Varianten in meinen Kleiderschrank zu legen. Das Projekt Stoffabbau schiebt dem erst einmal einen Riegel vor (ich hab jetzt nicht mehr so viel Sweatstoff auf Lager), aber danach… Und auch die anderen Schnittmuster von Konfetti Patterns werden garantiert einen zweiten Blick von mir bekommen!

Meine Mrs Klassik verlinke ich auch wieder beim MeMadeMittwoch! 🙂

Gerade jetzt #3

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich? Und was könnte ich mir Ostern von meiner Mama zu Essen wünschen?

Gerade jetzt…

denke ich tatsächlich und ernsthaft darüber nach, ob wir uns einen Hund anschaffen. Der Held wäre dabei, allerdings wissen wir nicht, was unsere Vermieter davon halten und außerdem ist unser Bürohund nicht mit anderen Hunden kompatibel und daher wüssten wir nicht so recht, wohin tagsüber.

mag ich den Sonnenschein!

mag ich nicht die Tatsache, dass so viele meiner Kollegen krank sind und ich somit morgens extra früh im Büro sein muss.

fühle ich mich aktiv, energiegeladen und voller Pläne. Das muss der Frühling sein!

trage ich endlich wieder Chucks!

brauche ich Geduld und Optimismus.

höre ich ziemlich viel Irish Folk-Rock – hat dieses Genre einen offiziellen Namen?

mache ich geheime Kleinigkeiten im Näh- und Bastelzimmer – Überraschungen für die verschiedensten Menschen! Währenddessen schiebe ich Möbel von links nach rechts, die optimal-perfekte Einrichtung für das Zimmer habe ich nämlich noch nicht gefunden.

lese ich schon wieder ein Buchclub-Buch: “Die Berufene” von M. R. Carey. Das ist wirklich unglaublich spannend und ich werde noch einen Artikel dazu schreiben!

trinke ich Kaffee mit aufgeschäumter Milch, zumindest am Wochenende. Beim Umzug ist mir ja der Induktionsmilchaufschäumer wieder in die Hände gefallen und ich genieße es, selbst gemachten Latte Macchiato zu schlürfen und dabei noch ein, zwei, siebenundzwanzig Seiten in meinem Buch zu lesen.

vermisse ich Münsteraner, die mit mir Bouldern wollen. Anyone?! Ich bin einfach so wenig ehrgeizig, wenn ich allein in der Halle bin! Dann gebe ich nach dem 3. erfolglosen Versuch einer Route auf. Obwohl man doch weiß, dass das beste Gefühl ist, wenn man nach zahllosen Fehlversuchen endlich den Top erreicht!

schaue ich mit dem Helden Modern Family, Babylon 5 und die neue Staffel Broadchurch auf ITV. Für mich selbst habe ich gerade die 3. Staffel Mr. Selfridge beendet und weiß noch nicht ganz, was als nächstes kommen soll.

träume ich von einem neuen Tattoo (Terminanfrage ist gestellt – aber beim letzten Mal habe ich keinen Termin bekommen, das heißt also nichts) und vom Sommerurlaub!

Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

Buchtipp: Die Berufene von M. R. Carey

England, in der nicht allzu fernen Zukunft. Unter den Menschen tobt ein Parasit – vor rund zwanzig Jahren tauchte er das erste Mal auf, heute leben die verbliebenen gesunden Menschen in wenigen, großen Städten der Welt hinter hohen Mauern und unter widrigen Umständen. Denn eine Infektion verwandelt die Menschen in sogenannte “Hungernde”, die keinen eigenen Willen haben und deren einziges Ziel es ist, andere Menschen zu fressen. Die zehnjährige Melanie lebt allerdings nicht in einer Stadt, sondern auf einem schwer bewachten Militärstützpunkt. Gemeinsam mit anderen Kindern wird sie hier unterrichtet, beobachtet und untersucht. Ihre Besonderheit: Sie sind immun gegen die Auswirkungen des Pilzparasiten – und niemand weiß, weshalb. Die skrupellose Forscherin Dr. Caldwell schreckt vor nichts zurück, um ein Heilmittel zu finden. Schutz findet Melanie in ihrer verehrten Lehrerin Miss Justineau, die ihnen griechische Sagen vorliest und vom Leben außerhalb des Stützpunkts erzählt. Dann kommt es zu einem Angriff auf den Stützpunkt – und Melanie findet sich in einer unerwarteten Gruppe wieder, die sich ab sofort gemeinsam durchschlagen muss.

Ich weiß nicht, weshalb jedes neue Buch und jede Fernsehshow meint, sich ein neues Wort für Zombies einfallen lassen zu müssen. Ist es nicht wahrscheinlich, dass unsere Gesellschaft, sollte es irgendwann dazu kommen, die wieder aufstehenden Untoten als genau das bezeichnen würde, als was wir sie seit Jahren aus der Unterhaltungsindustrie kennen: Zombies? Ich glaube nicht, dass sich ein Begriff wie “Hungernde” durchsetzen würde. Nichtsdestotrotz ist “Die Berufene” von M. R. Carey ein lesenswerter Roman – für mich aber eben trotzdem ein Zombieroman.

Dass die Geschichte zum großen Teil aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, macht es besonders spannend. Melanie weiß nicht viel über die Welt um sie herum. Sie ist ein Forschungsobjekt und erschließt sich ihre Umwelt erst nach und nach. Dabei gibt es für den Leser durchaus einige “Aha”-Momente, die die gesamte Geschichte in einem anderen Licht erscheinen lassen. Allerdings kann ich hier nicht darauf eingehen, ohne zu spoilern. 😉

In dem Buch geht es nicht nur ums reine Überleben der Protagonisten, sondern es werden auch große Fragen angesprochen. Wo hört Menschlichkeit auf? Wieviel Zweck heiligt welche Mittel? Und was ist das Überleben der Menschheit überhaupt wert? Es handelt sich um keinen blutrünstigen Horror-Roman, und die natürlich dennoch nicht ausbleibenden Szenen von Zombieangriffen und Verletzungen sind eher sachlich gehalten. Statt reißerischer Details gibt es hier viel wissenschaftlichen Hintergrund, der das ganze zumindest für mich als Laiin* natürlich realistischer erscheinen lässt, ohne dabei langweilig zu werden. Die Charaktere sind gut gezeichnet, auch wenn ich mir etwas weniger von der einen und dafür etwas mehr von dem anderen gewünscht hätte – aber so hat man halt seine Favoriten. Die kleine Melanie jedenfalls ist mir schnell ans Herz gewachsen.


Nach langer Zeit war “Die Berufene” mal wieder ein Buch, dass mich an den Lesesessel gefesselt hat. Innerhalb von drei Tagen hatte ich den Roman mit immerhin rund 500 Seiten ausgelesen, und anschließend hatte ich ein bisschen “Buchweh”.** Andere sahen das offenbar auch so, denn vor kurzem kam die Verfilmung unter dem Originaltitel “The Girl with all the Gifts” in die Kinos (leider habe ich das wohl verpasst und muss auf die DVD warten). Der Trailer verrät meiner Meinung nach aber schon zuviel und natürlich gilt sowieso wie üblich: erst mal das Buch lesen! Am besten, ohne sich vorher groß zu informieren. Denn je weniger man weiß, desto spannender ist es!

Lest ihr Zombie-Romane? Ist das eigentlich ein eigenes Genre? Und welches Buch sollte unser Buchclub unbedingt als nächstes auf die Leseliste setzen? 

* Ja, ich habe gegoogelt, und die weibliche Form von Laie ist Laiin, auch wenn es merkwürdig aussieht! 😉

** Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr gedanklich noch ein paar Tage bei den Charakteren hängt und eigentlich ganz gern noch ein bisschen länger “dageblieben” wärt?

April.

Und plötzlich ist es schon April. Das erste Quartal des Jahres 2017 vorbei. Frühling in vollem Gange – das hätte ich zumindest gestern noch geschrieben. Heute hingegen habe ich tatsächlich nach zwei Wochen wieder die Handschuhe auf dem Fahrrad angezogen und die Heizung im Büro auf Stufe 5 gedreht. So war das nicht geplant!

Der März war hingegen fabelhaft – nicht nur, was das Wetter betrifft. Wir sind irgendwie mal wieder vollgepackt mit Terminen und so hatten wir im vergangenen Monat kein einziges freies Wochenende. Dennoch war alles wunderbar – vom doppelten Geburtstagswochenende über den Besuch von Katha bis hin zum Baustellen-Wochenende im Ferienhaus. Dort habe ich wieder einmal festgestellt, wie gern ich so was eigentlich mache – abreißen, renovieren, buddeln. Generell mich anstrengen und am Ende Ergebnisse sehen, das macht doch wirklich glücklich!

Der April fing dann dieses Wochenende so an, wie der März aufhörte: mit Terminen. Unsere jüngste Nichte wurde getauft und so verbrachten wir einen wirklich schöne und entspannten Nachmittag mit der Schwiegerfamilie. Sonntag zog mich das schöne Wetter eigentlich nach draußen – ich hatte eine Wanderung vor Augen. Der Held hatte allerdings seinem Vater versprochen, Computerprobleme zu lösen. Das hat ihn tatsächlich einige Stunden beschäftigt und so habe ich stattdessen mal wieder die Inlineskates aus dem Schrank geholt.

Schuld daran war vermutlich eigentlich unsere große Nichte, die mich am Wochenende ungefähr zehn Mal fragte, wann wir end-lich mal wieder zusammen Inliner fahren könnten. Aber gestern war ich ganz allein und fuhr einfach drauflos. Wir haben genug Felder und Wiesen um unseren Stadtteil, es fahren kaum Autos auf diesen Straßen und fürs Inliner fahren eignen sie sich super. Ich übte mich ein wenig im “Och, wo geht’s denn wohl hin, wenn ich hierlang fahre?” und verlor tatsächlich kurzzeitig die Orientierung – zumindest hatte ich nicht mehr wirklich eine Idee, in welche Richtung die Heimat lag. Ich überlegte schon, einen der zahlreichen Radfahrer anzuhalten, aber letzten Endes kam ich irgendwann doch noch zu einem Schild und fuhr dann tatsächlich sogar noch einen kleinen Umweg, weil es so schön war. Letzten Endes standen 14 Kilometer auf dem Tacho (meine neue Fitnessuhr hat dankenswerterweise einen eigenen GPS-Empfänger, um das zu messen).

Schade nur, dass ich auf solchen Touren nie mein Handy dabei habe, weil ich in den Sportsachen einfach keine Taschen habe. Ich überlege tatsächlich, mir so einen Gürtel zuzulegen, in dem man Telefon & Co. unterwegs verstauen kann. Und sei es nur, um Fotos zu machen, weil es wirklich einfach so wunderschön ist momentan! Andererseits würde mich das ja doch nur dazu bringen, dauernd anzuhalten und zu fotografieren. Auch nicht der sportliche Sinn der Übung. 😉 So kann ich jedenfalls den Beitrag nicht passend bebildern.

Im April stehen schon wieder gefühlte hundert Termine im Kalender. Kindergeburtstag, eine Verabredung zum “perfekten Dinner” mit Freunden, dann ist Ostern und noch ein Renovierungswochenende. Das Wochenende zum ersten Mai haben wir verlängert und fahren an die Nordsee. Vielleicht ist auch ein Abstecher nach Amsterdam drin. Ich freue mich schon – endlich wieder Meeresluft!

Color Blocked Lucille {MeMadeMittwoch}

Das Projekt Stoffabbau geht weiter!

Ich hatte noch ziemlich viel von dem dunkelblauen Jersey, den ich mal für ein Kleid gekauft hatte (das seither in der Schublade liegt, weil es leider zu kurz geraten ist). Und da ich kürzlich mal wieder meine erste Lucille aus dem Schrank gezogen hatte und die mir echt gut gefällt, beschloss ich, dass man davon eine zweite vertragen könnte. Ich malte mir eine hübsche Kombination mit den Hamburger Liebe-Tulpen, von denen ich noch ein Reststück hatte, aus… Doch so sehr ich das Schnittmuster auch puzzelte, es wollte einfach nicht passen.

Natürlich war es Pinterest, das mich letzten Endes auf die Idee brachte, ein geteiltes Shirt zu nähen. Vom Tulpenstoff war nichtsdestotrotz nicht ausreichend übrig, aber ich hatte noch einen knappen halben Meter weißen Jersey. Und so las ich diese, diese und diese Anleitung und machte mich ans Werk!

Erst mal passte ich das Schnittmuster etwas an. Lucille ist eigentlich ein Kleid, ich trage es als Longsleeve. Die Ärmel hatte ich schon bei der ersten genähten Variante relativ freestyle angepasst, das übertrug ich jetzt ins Schnittmuster, genau wie die Änderungen in der Weite. So hat das Shirt jetzt gar nicht mehr so viel mit dem Original-Schnitt zu tun. Im Prinzip blieb nur noch die Kragenlösung unberührt, die finde ich nämlich super und ist ja auch das tolle an dem Schnittmuster!

Leider kann man die Kragenlösung in dunkelblau recht schwer erkennen, auch auf den anderen Bildern. Aber glaubt mir einfach, dass es schick ist. 😉

Das angepasste Schnittmuster übertrug ich anschließend auf Malerfolie aus dem Baumarkt. Das war nicht nur nötig, damit ich das Schnittmuster nicht zerschneiden musste (so dass ich es nicht hätte wiederverwenden können), sondern auch, weil ich ja die gesamte Breite benötigte und nicht das im Stoffbruch zu verwendende Teil. Praktisch war außerdem, dass die Folie durchsichtig ist. So konnte ich die Teilungslinien des Vorderteils problemlos auf das Rückenteil übertragen.

Jetzt hieß es wieder: Puzzeln. Denn auch wenn ich von dem weißen Stoff mehr hatte als vom Tulpenstoff, war es doch knapp. Insbesondere der blaue Stoff, und so musste die eine oder andere Nahtzugabe recht knapp geschnitten werden.

Nachdem die einzelnen Stoffstücke zu den “normalen” Schnittmuster-Teilen zusammengenäht worden waren, konnte der Schnitt dann ganz normal genäht werden. Und: Es hat geklappt! Ich bin ganz begeistert von meiner geteilten Lucille. Sogar der Held bezeichnete sie als “sehr professionell”.

Natürlich musste ich sie gleich am nächsten Tag tragen – Ehrensache. Aber irgendwie war der Wurm drin. Mittags im Büro bekleckerte ich den weißen Teil (denn natürlich kleckert man IMMER auf den weißen Teil, oder?) – und zwar mit roter Bete, ausgerechnet! (Ich war sooo vorsichtig – ahnt ja keiner, dass das blöde Rote Bete-Glas von AUSSEN klebrig ist.) Panisch riss ich mir das Shirt vom Leib, weichte es im Badezimmer ein und saß anschließend in meiner Winterjacke am Computer, denn im Unterhemd wollte ich nicht dasitzen. 😉 Fürs Fotoshooting habe ich sie dann wieder angezogen – immer noch leicht feucht. Abends beim Spülen spritzte ich dann auch noch mit dem Spülwasser herum, in dem schon die tomatige Pfanne gespült war – platsch, ein hellroter Fleck. Auf dem weißen Stoff. Aaah! Wieder aus damit und eingeweicht. Unfassbar: Beide Flecken sind anstandslos wieder rausgegangen. Yeah! Sonst hätte ich mich auch wirklich sehr geärgert.

Alles in allem bin ich jetzt angefixt – es muss ja nicht Lucille sein, aber das Teilen ist eine super Möglichkeit, auch kleinere Stoffreste aufzubrauchen und gerade bei Musterstoffen kann man so auch etwas unaufdringlichere Kleidungsstücke nähen, wenn man nur einen kleinen Teil des bunten Stoffs verwendet. Yeah!

Ich muss nur ein ganz kleines bisschen schief stehen, damit alle Nähte genau aufeinandertreffen! 😀

P.S.: Und weil es im MeMadeMittwoch-Post gewünscht ist und heute Weltfrauentag ist – ja, ich habe auch einen Pussyhat, aber natürlich habe ich beim Fotografieren des Shirts nicht daran gedacht, dass heute der 8. März ist. Daher ein Bonusfoto – zeigt Flagge, meine Damen: