In den letzten Wochen lagen immer mal wieder Bücher auf meinem Wohnzimmertisch, die ich absolut nicht weglegen konnte – aber auch eines, das ich nicht einmal zur Hälfte geschafft habe, weil es mich nicht fesseln konnte. Heute wollte ich euch mal wieder meine jüngste Lektüre vorstellen – ein Flop, ein Top, ein… Mop?

 

Top: „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau

Der Roman „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau fällt wohl in die Kategorie „Literatur“. Sonst ist das eher nicht so mein Fall, bei diesem Buch mache ich eine begeisterte Ausnahme. Sprachlich durchaus anspruchsvoll mit ellenlangen Sätzen, war der Roman trotzdem wunderbar zu lesen. Es geht um das Ehepaar Isabell und Georg, beide in den Dreißigern bzw. Anfang 40. Ihr Sohn Matti ist gerade ein Jahr alt, Isabell will wieder arbeiten gehen. Sie ist Cellistin, doch plötzlich klappt es mit dem Spielen nicht mehr so recht, ihre Hände zittern. Die Nerven? Gleichzeitig verliert Georg seinen Job bei einer Zeitung und langsam, aber sicher geraten die beiden in finanzielle Schwierigkeiten, unter denen auch ihre Ehe leidet. Wie soll es weitergehen? Ist ein anderes Leben vorstellbar? Es breitet sich eine Sprachlosigkeit aus zwischen den beiden, unausgesprochene Vorwürfe, einzig der gemeinsame Sohn hält sie zeitweise noch zusammen. Ich habe mich in den Beschreibungen sehr oft wiedergefunden, in diesem „präzise[n] Bild einer nervösen Generation, überreizt von dem Anspruch, ein Leben ohne Niederlagen zu führen“ (Klappentext). Keine leichte Lektüre, aber sehr lohnenswert.

 

Flop: „Stadt in Angst“ von John Matthews

Ich bin mir fast sicher, dass es an mir lag, dass mir „Stadt in Angst“ von John Matthews einfach nicht ans Herz wachsen wollte, denn das Buch hat bisher fast nur positive Rezensionen bekommen. Es geht in diesem historischen Krimi um Jack the Ripper, der sein Unwesen nach London nun im New York der 1890er Jahre fortsetzt. Ein New Yorker Cop soll den Fall gemeinsam mit einem britischen Kriminalanalytiker von Scotland Yard, der bereits in London den Ripper jagte, aufklären. Dabei fand ich es immer wieder erstaunlich, wie so ein Kriminalanalytiker vor 120 Jahren noch arbeiten musste. So lang ist das doch noch gar nicht her, und doch gab es nicht einmal die Möglichkeit, verschiedene Blutgruppen zu bestimmen. Faszinierend! Leider haben mich die beiden Detektive aber dennoch nicht in ihren Bann ziehen können, so dass ich das Buch irgendwann zur Seite legte, weil ich merkte, dass ich mich quälte. Daraus lerne ich: In Zukunft nur noch ausgewählte Krimis für mich. Aber verzagt nicht: Ich habe das Buch an Tüt weitergereicht, bekennender Krimi-Fan, sie weiß sicherlich mehr mit dem Roman anzufangen als ich! 😉

 

Familienwälzer: „Der erste Sohn“ von Philipp Meyer

„Der erste Sohn“ von Philipp Meyer ist ein amerikanisches Familienepos aus Texas, mit allem, was man sich da so vorstellen kann: Indianer, Cowboys, Mexikaner, Rinder, Öl, Hitze, Reichtum und Armut. Der Roman umspannt über 150 Jahre Familiengeschichte der McCulloughs. Erzählt wird dabei aus Sicht des Urgroßvaters Eli, der in seiner Jugend in den 1850er Jahren von Indianern entführt wird und viele Jahre bei ihnen verbringt, und der sich anschließend schwertut, sich wieder in die Gemeinschaft der Weißen einzufügen; des Großvaters Peter, der sensibler ist als seine Brüder, mit den rauhen Sitten nur schwer zurechtkommt und dem die Liebe wichtiger ist als der Aufstieg seiner Familie; und der Urenkelin Jeanne, die als Mädchen in einer männerdominierten Umgebung aufwächst und erst lernen muss, sich durchzusetzen. Dabei wechseln sich Perspektiven ebenso ab wie Zeitstränge, so dass man sich manches Mal gehörig konzentrieren muss, um mitzukommen. Zu Beginn musste ich regelmäßig an den Anfang blättern, wo ein Stammbaum der Familie hilft, die einzelnen Namen zuzuordnen. Die Geschichte ist wirklich spannend, aber eben auch teilweise etwas unübersichtlich und langatmig – einige Seiten weniger hätten dem 600-Seiten-Roman nicht geschadet. So aber lernen wir quasi zeitgleich mit der Familiensaga die Geschichte von Texas kennen. Ehrlich, brutal, spannend (vor allem die Zeit bei den Indianern), aber manchmal einfach einen Tick zu detailliert. Mit keinem der Protagonisten kann man sich so richtig identifizieren, dazu ist alles zu realistisch. Ich empfehle das Buch trotzdem allen, die keine Angst vor vielen Seiten haben und sich auch nur ein bisschen für amerikanische Geschichte (und Familiensagas) interessieren.

 


 

*Sponsored Post: Diese Bücher habe ich vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

Post Author: Nele

3 Replies to “Neue Höhen und Tiefen des Lesealltags*”

  1. Meine Rezension zu dem Buch wird es auch noch geben, habs gestern ausgelesen 😀
    Die anderen beiden klingen aber wirklich auch sehr gut! Familiendingsies mag ich ja auch sehr gerne, vielleicht sollte ich da mal genauer hinschauen. Danke für die Tipps!

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