Mit der Kutsche zur Insel Neuwerk

Im Urlaub waren wir auch in Hamburg. Von Cuxhaven aus ganz ohne Auto und und innerhalb von kürzester Zeit – wie kann das gehen? Ganz einfach: Hamburg hat sich ein kleines Außengebiet gesichert, in Sichtweite von Cuxhaven. Die Insel Neuwerk ist ziemlich klein, hat ganze 44 Einwohner und ist eigentlich 120 km von der Stadt Hamburg entfernt. Doch seit die Hamburger im 13. Jahrhundert einen Leuchtturm auf Neuwerk errichteten, gehört die Insel nun einmal offiziell zur Hansestadt.

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Tatsächlich kann man die kleine Insel vom Festland aus gut sehen und sogar die einzelnen Gebäude ausmachen. Es sieht förmlich aus, als könnte man in zehn Minuten rüberspazieren. Nun ja – rüberspazieren kann man tatsächlich, allerdings dauert das etwas länger und man sollte Vorsicht walten lassen. Bei Ebbe kann man nämlich durchs Watt die Insel besuchen. Entweder zu Fuß – oder mit der Kutsche. Wir haben uns für die “faule” Variante entschieden.

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Neuwerk ist ca. 12 km vom Festland entfernt, und es gibt ein relativ kleines Zeitfenster, in dem man die Insel ohne Schiff besuchen kann. Die Gezeiten geben den Rhythmus vor, und so sind die Abfahrtszeiten jeden Tag anders. In unserer ersten Urlaubswoche hätten wir schon um 7 Uhr aufschlagen müssen. Das wäre sicherlich auch wunderschön gewesen. Wir sind aber nun einmal Langschläfer und so warteten wir eine Woche und schon konnten wir um 11 Uhr losfahren – perfekt!

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Weil das Zeitfenster so klein ist, sind natürlich wirklich viele Menschen unterwegs. Die Kutscher haben ja auch nur diese eine Chance am Tag, ihr Geld zu verdienen! So zogen wir in einer langen Kutschenkarawane los.

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Die Kutschen sind extra hoch gelagert und gefedert. Es holpert nämlich ziemlich hin- und her. Auf dem Weg zur Insel folgt man, wenn man klug ist, den Pricken im Watt. So gerät man nicht vom Weg ab. Es gibt unterwegs aber auch Wegweiser!

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Darauf ist nicht nur Neuwerk ausgeschildert, sondern auch die Rettungsbaken. Wenn man sich doch einmal verirrt oder in der Zeit verschätzt hat, kann man diese Baken hochklettern und ertrinkt wenigstens nicht. Man kann sich dann retten lassen – das kostet ungefähr 400 Euro. Also, wer mal ein bisschen Abenteuer braucht…

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Mit der Kutsche kann man schon etwas eher los als die Wattwanderer und ist natürlich auch schneller. In ungefähr 2 Stunden ist man auf der Insel. Faszinierend, wenn man bedenkt, wie nah es aussieht. Als Wanderer ist man entsprechend länger unterwegs und übernachtet dann entweder auf der Insel, oder man nimmt ein Schiff zurück. Hin- und Rückweg ist direkt hintereinander aufgrund der Gezeiten kaum möglich.

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Die Pferde haben uns übrigens stoisch gezogen und sich von Prielen nicht weiter beeindrucken lassen. Vielleicht war ihnen diese kleine Abkühlung sogar mal ganz recht. Es war nämlich wirklich sonnig. Allerdings wehte dazu auch ein angenehmer Wind. Ich habe mir an dem Tag einen ordentlichen Sonnenbrand eingefangen, da man gar nicht einschätzen konnte, wie warm es tatsächlich ist.

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Auf der Insel hatten wir dann einen kurzen Aufenthalt von ungefähr einer Stunde. Nicht viel Zeit, um die Insel zu erkunden. Wir haben uns daher auf einen Besuch auf dem Leuchtturm beschränkt und danach noch einen kleinen Geocache gefunden.

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Vom Leuchtturm aus hat man natürlich einen guten Überblick über die (niedliche) Insel – hier kann man sehen, wie weitere Kutschen gerade Neuwerk erreichen.

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Ich fand aber etwas anderes viel spannender: Das Dach des Leuchtturms. Der Leuchtturm wurde ja bereits um 1300 errichtet, seit dem 20. Jahrhundert hat er nun ein Kupferdach und dieses Dach eignet sich offenbar ganz hervorrangend, um sich darin zu verewigen! Die älteste Inschrift, die ich entdeckt habe, stammte aus dem Jahr 1956. Faszinierenderweise unterscheiden sich die Kritzeleien aus dem 50ern oder 60ern optisch rein gar nicht von denen aus der aktuellen Zeit. So stand ich die meiste Zeit mit dem Rücken zur Aussicht und habe die Inschriften studiert.

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Inhaltlich hat es sich schon verändert – heute wird wohl niemand mehr seine Adresse einritzen, in der Hoffnung auf einen “Briefwechsel” – im speziellen Fall von Jürgen aber bitteschön nur “mit Mädchen”. Dirk hat zusätzlich seinen Geburtstag eingeritzt – 12. Juli 1940. Ob er sich heute noch daran erinnert? Ob er jemals Post bekommen hat?

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Der Besuch auf dem Leuchtturm hat sich auf jeden Fall gelohnt! Und die Fahrt zur Insel Neuwerk hat uns ebenfalls sehr gut gefallen. Nächstes Mal würde ich eventuell die Wattwanderung in Betracht ziehen, aber die Kutschfahrt ist eine gute – wenn auch leider nicht ganz günstige – Alternative.

4 Antworten

  1. Hallöchen,

    Das ist ja mal ein cooler Beitrag. Ich wusste weder etwas von einer Insel Neuwerk noch dass sie zu Hamburg gehört oder dass man mit der Kutsche durchs Watt dorthin fahren kann. Eine coole Sache und bestimmt einen Urlaubstag und ein paar Euros wert. Sehr schön.

    Liebe Grüße
    Nika

    • Nele

      Hallo Nika,
      so lernt man jeden Tag was neues! 😉 Ich wusste das alles aber vor unserem Urlaub auch nicht, keine Sorge.
      Liebe Grüße
      Nele

  2. Schöne Bilder, Nele!
    Ich weiß noch, als wir letztes Jahr in Cuxhaven waren, haben wir den optimalen Zeitpunkt zum Wattwandern verpasst, das Wasser war schon wieder im Anmarsch. Wir sind trotzdem noch ein paar Meter rausgegangen. Neuwerk scheint so nah, das täuscht ungemein. Und das Wasser kommt ganz schön flott wieder zurück, das hat mich echt überrascht.

    Liebe Grüße, Denise

  3. Von der Insel wusste ich auch nichts bisher! Ich fänds ja spannend mal zu prüfen ob wirklich noch jemand antwortet wenn man mit dem Briefwechsel beginnt 😉

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