Gedankenhüpfer

Mein Blog – ein privates Tagebuch? {Schreibzeit}

22. März 2015

„Was bedeutet für Euch Euer Blog? Ist er tatsächlich ein privates Tagebuch? Schreibt Ihr wirklich nur für Euch? Ganz ehrlich? Oder möchtet Ihr vielleicht doch, dass Eure Stimme da draussen gehört und wahrgenommen wird?“ Das fragt Bine von Was Eigenes in ihrem Beitrag zum aktuellen Schreibzeit-Thema. Ist mein Blog ein privates Tagebuch? Diese Frage beantworte ich ganz klar mit „Nein“. Denn als privates Tagebuch habe ich genau das: ein privates Tagebuch. Ein Büchlein, in das ich gelegentlich schreibe – eigentlich zu selten – und zwar von Hand und geheim.

Aber mein Blog ist schon eine Art Tagebuch, wenn auch ein öffentliches. Kürzlich war ich in einer lokalen Zeitung zu sehen, und plötzlich hatte ich sehr viel mehr Leser (Hallo an euch alle, falls ihr jetzt häufiger vorbeischaut, was mich freuen würde! 😉 ). Unter anderem erzählte eine Mit-Sängerin im Chor den anderen Chor-Damen davon und erklärte den Blog folgendermaßen: „Da kann man dann genau nachlesen, was Nele den ganzen Tag so macht!“ Ähem. Räusper. Ja, an einigen Tagen kann man das. Man kann sich ein Bild davon machen, was ich im Monat so vorhabe, wie mein Alltag aussieht, wen ich treffe und welche Bücher ich in meiner Freizeit lese.

Somit ist es also schon ein Tagebuch. Ein öffentliches Tagebuch. Wie um alles in der Welt bin ich also auf den Gedanken zu kommen, mein persönliches Tagebuch könnte die Welt interessieren? Und so gesehen kann ich sagen, dass ich irgendwie schon „nur für mich“ schreibe. Zumindest hat es so begonnen, als ich noch zu Schulzeiten begann, online Tagebuch zu führen. Dort habe ich tatsächlich akribisch meinen Tagesablauf dokumentiert. „Nach diesem Einkaufserlebnis holen wir uns erst einmal ein Eis. Redlich verdient, wie ich meine! 🙂 Saladin muss Tennis spielen, ich schalte meinen Compi an, aber niemand ist online. Also schreibe ich eine liebe Away-Message für ICQ und lege mich gemütlich in den sonnigen Garten, nehme mein schönes Buch mit und leckere Fanta.“ Blogs gab es noch nicht – jedenfalls kannte ich keine. Es gab spezielle Tagebuch-Webseiten.  Natürlich gab es auch dort Interaktion zwischen den verschiedenen Tagebuchschreibern. Aber in sehr geringem Ausmaß. Ich habe fast nur die Tagebücher von Menschen, die ich persönlich kannte, gelesen. In erster Linie hat es mir Spaß gemacht, in die Tasten zu hauen. Tippen am PC ist für mich sehr viel komfortabler als das Schreiben von Hand.

Aus diesem Tagebuch ist letzten Endes irgendwann auf verschiedenen Umwegen mein Blog entstanden. Natürlich hat sich das Schreiben im Laufe der Zeit verändert. Ich bin nicht mehr 16, ich habe etwas gelernt über Privatsphäre und zu viele Informationen. Auch optisch und technisch hat sich das ganze vom reinen Tagebuch zum Blog natürlich enorm weiterentwickelt. Heute würde ich nicht mehr sagen, dass ich „nur für mich“ schreibe – aber durchaus zu einem großen Teil. Wenn von heute auf morgen alle meine Leser verschwinden würden und niemand mehr kommentieren würde – ich würde weitermachen. Ich würde mir aber sicherlich etwas weniger Mühe geben, weniger Fotos machen und die Themen anders auswählen. Ich würde mir die Arbeit sparen, meine Texte Korrektur zu lesen, zu formatieren und zu bebildern. Aber ich würde schreiben.

Mein Blog ist immer noch persönlicher als manch anderer, den ich lese. Ich mag das so. Ich weiß aber auch, dass ich mich damit verletzbar mache. Ich hoffe, dass ich damit umgehen kann, sollte jemand das jemals gegen mich wenden. Das ist glücklicherweise seit ca. 15 Jahren nicht mehr vorgekommen, und ich glaube ja nun einmal an das Gute im Menschen. Außerdem will ich mich von Möglichkeiten nicht einschränken, einschüchtern lassen.

Hier habe ich mir schon einmal Gedanken zum Thema gemacht: Die Flow, Wil Wheaton und das Bloggen / Gedanken zum Bloggen

  1. Liebe Nele! Wie witzig, dass du damals schon ein Online-Tagebuch geführt hast 🙂 Und wie gut, dass du heute immer noch am Ball (wenn auch in Form eines Blogs) bist! Ich lese immer sehr gern bei dir mit und werd so schnell damit auch nicht aufhören 🙂
    Liebe Grüße,
    Frauke

    1. Vielen Dank, liebe Frauke! 🙂 Ja, ich habe schon mit 16 angefangen! Ich habe alles von damals gespeichert (online ist es nicht mehr) und lese mich jetzt gelegentlich voller Scham durch meine Teenager-Ergüsse! 😉

  2. Hallo Neele,
    Ich schreibe auch recht persönlich und denke manchmal schon: ist das zu viel preisgegeben? Andererseits mache ich das sehr gerne, innerer Dialog gehört für mich dazu.
    Liebe Grüße, Bee

    1. Liebe Bee, danke für deinen Kommentar! Ich hab bei dir vorbeigeschaut und als erstes (naja, fast als erstes) schaut mich John Simm an?! Ich glaube, ich muss noch etwas ausgiebiger stöbern bei dir! 😀

      Liebe Grüße, Nele

      1. Das freut mich, Nele. Bei mir gibt es noch nicht so viel zu stöbern, ich schreibe diesen Blog erst seit Nov 14 richtig aktiv.
        Ich stehe sehr auf englische Serien, habe da schon einiges gesehen. Aber du ja auch, wie ich hier gelesen habe 🙂

  3. Erst heute habe ich mich mit einer Nicht-Bloggerin über das Bloggen unterhalten. Sie war skeptisch. Ich habe im Laufe der Zeit jetzt einige Blogs gelesen und ich würde zwei große Unterschiede festmachen: Leute, die gerne schreiben und dabei ihre Themen/Welt/Hobbys/Bücher/etc mit der Welt teilen (in zweiter Linie neben dem Schreiben) und Leute, die nicht soooo gerne schreiben und mit dem Blog trotzdem ihre Themen mit der Welt teilen, aber dabei geht es mehr um das Mitteilen des Themas wie DIY oder anderes als um die Worte. Ich mag die Worte-Blogs. Und würde dir Recht geben mit dem Weiterschreiben auch ohne virtuelle Mitleser.

    1. Liebe Fadenvogel,
      das ist eine sehr aufmerksame Beobachtung, ich finde, du hast völlig Recht! So habe ich es noch nie betrachtet. Ich lese auch sehr gern die „Wort-Blogs“ und würde meins definitiv dazu zählen.
      Liebe Grüße!
      Nele

  4. Ach, solche Online-Tagebücher, wie Du sie beschreibst, kenne ich gar nicht!
    Dass man sich mit einem persönlich (vielleicht sogar privat) geschriebenen Blog
    angreifbar und verletzlich macht, da gebe ich Dir durchaus recht. Wichtig ist immer, finde ich, dass man sich dessen bewusst ist!
    Danke, dass Du bei #Schreibzeit mitgemacht hast!
    Liebe Grüße, Bine

    1. Liebe Bine,
      danke für deinen Kommentar! 🙂 Solche Seiten gibt es heute noch, z.B. war ich bei mytagebuch.de oder onlinetagebuch.com! Verrückte Sache, so im Nachhinein betrachtet. Aber es ist glücklicherweise nicht mehr online, meine peinlichen Teenager-Gefühlsausbrüche! Dadurch, dass es noch anonymer war als heute, war ich natürlich auch viiiiel offener mit privaten Details… Ich habe alles offline gespeichert und beim Lesen rollen sich mir manchmal die Fußnägel auf! Erst mal deswegen, weil ich so teenager-haft war und dann deswegen, weil ich das ganze auch noch ONLINE gestellt habe! 😉
      Liebe Grüße
      Nele

  5. Gerade dass ein „Mensch“ etwas mehr von sich erzählt, gerade das macht es doch so interessant. Das Netz ist anonym genug. Wenn man merkt, dass da wirklich jemand interessantes, der etwas zu erzählen hat, dahinter steckt, dann finde ich es klasse und komme gerne wieder.
    Blogs, die nur einfach „Blafasel“ sind oder eine Auflistung diverser Hobbys oder des 17ten Strickmusters – das braucht eigentlich kein Mensch.

    Liebe Grüsse
    Susi

    1. Da hast du Recht, wobei auch die für uns langweiligen Blogs ihre Daseinsberechtigung haben, finde ich. Solange die Bloggerin Spaß daran hat… 😉

  6. Oh maaan… da rüttelst du etwas wach… ich kann mich dunkel daran erinnern, dass ich auch mal bei „sowas“ angemeldet war (online Tagebuch) – mir geht es wie dir: ich schreibe einfach gerne… lasse die Gedanken fließen… habe ich schon als relativ kleines Kind gerne gemacht… und wenn mir gar nichts einfiel: dann habe ich „Hanni und Nanni“ auf der Schreibmaschine abgeschrieben… Tagebuch: ja, persönlich: ja, privat: nein – das war mein Fazit bei Bines Schreibzeit #3 – und ich mag solche Blogs wie deine, wo man etwas über denjenigen an der Tastatur erfährt… über einen anderen (oder ähnlichen) Alltag wie meinen… authentisch muss es sein… und nicht „glattgebügelt“ – aber gerne ohne (vurchdpar fiele) Fähler… liebe Grüsse!

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