Es gibt bestimmte Jahreszeiten, die kennt man einfach nur als regelmäßiger Radfahrer. Nicht Sommer, Herbst, Winter, Frühling – sondern viel spezifischere Zeiten im Jahr, die manchmal sogar nur einige Tage andauern.

Zum Beispiel momentan: Die Jahreszeit, zu der man beim Radfahren den Mund geschlossen halten muss, weil man sonst jede Menge Pollen und – noch fieser – Insekten im Mund hat.

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Oder, jetzt fast schon vorbei: Die Jahreszeit, zu der man Schlangenlinien fährt, um morgens nicht allzu viele Nacktschnecken zu zerquetschen.

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Aber das ist ja noch lange nicht das ganze Repertoire. Da gäbe es noch…

…die Jahreszeit, zu der man nachmittags nicht weiß, wohin mit der dicken Jacke, die man morgens noch brauchte; und die dann entweder die Tasche vollkommen blockiert oder auf den Gepäckträger gequetscht wird, so dass man ständig besorgt nach hinten greift, um zu überprüfen, ob sie noch da ist…

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…die Jahreszeit, zu der man die kurzen Regenpausen sorgsam abpasst…

…die Jahreszeit, zu der man schon an der ersten Ampel froh ist, dass Rot ist, weil man jetzt endlich die Handschuhe anziehen kann, die hinten in der Tasche sind…

…die Jahreszeit, zu der man schon an der ersten Ampel froh ist, dass Rot ist, weil man jetzt endlich die Sonnenbrille aufsetzen kann, die hinten in der Tasche ist (ich bevorzuge diese Variante vor der zuletzt genannten)…

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…die Jahreszeit, zu der man andauernd anhalten muss, weil man fotografieren muss (das kommt ja häufig vor, aber ganz besonders oft im Frühling und Herbst, wenn das Licht so schön ist)…

…die Jahreszeit, zu der man sich wie ein Michelin-Männchen fühlt, weil man so dick eingepackt ist…

…die Jahreszeit, zu der man hofft, dass unter den dicken Blätterschichten keine Scherben oder andere unangenehmen Überraschungen lauern…

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…die Jahreszeit, zu der die Radwege geräumt werden; aber nur die Radwege, so dass alle Fußgänger auf dem Radweg laufen und man es eigentlich gleich vergessen kann…

…die Jahreszeit, zu der man sich wie ein Weihnachtsbäumchen fühlt, weil man sich so gut beleuchtet hat (ja, ich blinke zu dieser Jahreszeit, und zwar in Rot)…

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…die Jahreszeit, zu der die Radwege plötzlich total voll sind und man an den Ampeln Schlange stehen muss (quasi das Gegenteil von dem hier)

…die Jahreszeit, in der alle fragen „Und, bist du heute mit dem Rad gefahren?“ und ganz erstaunt tun, wenn man sagt, dass man eigentlich immer mit dem Rad fährt…

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…die Jahreszeit, wo man so sommerlich gekleidet hat, dass man überhaupt keine Taschen hat für sein Handy, mit dem man doch eigentlich Musik oder einen Podcast hören wollte…

…die Jahreszeit, zu der man morgens und abends die Menschen in ihren Wohnungen beobachten kann, weil alle schon Licht anhaben; und dann wird man etwas neidisch, weil die es schön warm und gemütlich haben, während man selbst durch die Kälte muss…

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…die Jahreszeit, zu der nach und nach immer mehr einzelne Handschuhe in der Gegend herumfliegen und man sich bei jedem fragt, ob der Besitzer jetzt wohl gerade eine kalte Hand hat…

Ich möchte nicht behaupten, dass ich das (fast) tägliche Radfahren liebe und jederzeit genieße. Aber ich glaube schon, dass ich so einiges mehr von den Jahreszeiten mitbekomme. Außerdem mache ich erstaunlich viele Fotos von meinem Fahrrad.

Habe ich noch welche vergessen? 😉

Post Author: Nele

15 Replies to “Jahreszeiten eines Radfahrerlebens, subjektiv betrachtet.”

  1. Die Jahreszeit,wo man froh ist, das der Fahrtwind ein wenig abkühlt, aber schon während des Fahrens Angst vor dem Anhalten hat,wenn der Wind weg ist und man in stromartigen Schweißausbruch wechselt.

  2. Jetzt würde ich auch gern mit dem Rad zur Arbeit fahren. Ich fürchte nur, dass ich dann nie mehr daheim ankäme, weil ich mich unser Hügelchen rauf zu Tode strampeln würde … ach, was erzähle ich! Ich würde mich schon bergab zu Tode strampeln.

    1. Naja, die Bilder hab ich ja „einfach so“ gemacht und dann nur mal mein Archiv durchstöbert für diesen Beitrag. Wie viele ich gemacht habe, hat mich aber dann selbst überrascht 😉

  3. Ha, das ist ja mal ein cooler Beitrag – Radfahrerjahreszeiten! Hab mich grad köstlich amüsiert. Pollen-/Insekten- und Schneckenzeit find ich am witzigsten beschrieben 🙂
    Du bist aus Münster? Gleich bei mir um die Ecke.
    Danke für´s Mitmachen bei meiner Linksammlung. Gibt´s nun monatlich und vielleicht ja auch bald mehr von dir. Ich würd mich freuen!
    Liebe Grüße
    Christiane

    1. Liebe Christiane,
      danke für deinen Kommentar! Ich hätte bei dir auch kommentiert, aber ich habe keine OpenID… Vielleicht magst du das Kommentieren per Name/URL freischalten? 🙂
      Ja, ich wohne in Münster – natürlich die Radfahrstadt schlechthin! 🙂 Im Moment ist die Jahreszeit, zu der ich mir Scheibenwischer für meine Brillengläser wünsche… Seufz!

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