Lange, lange Zeit stand meine Nähmaschine nur in der Gegend rum und guckte vor sich hin. Guckte sich mein Nähzimmer in der alten Wohnung an, guckte sich den Umzug an, guckte sich das neue Nähzimmer in der neuen Wohnung an… Und staubte ein bisschen ein.

Irgendwann postete dann Julia aber ihren „Traumanzug„. Ein Onesie, kuschelig und niedlich und mit Kapuze und – wie sie es auf Instagram so vortrefflich formulierte: mit „Toilettenfeature“! Woah! Ich war geflasht. Denn ich mag solche Einteiler zum Rumlümmeln sehr, stellte sie mir immer total gemütlich vor, bis mir der Gedanke kam: Aber wenn ich mal aufs Klo muss… Dann müsste man sich zumindest als Frau ja wirklich jedes Mal aus dem Overall schälen und halb nackt auf dem stillen Örtchen sitzen. Das hatte mich also jedes Mal abgehalten davon, so ein Gemütlichkeits-Outfit zu kaufen. Aber jetzt! Der Traumanzug! Mit Toilettenfeature!

Ich tat also meine Begeisterung kund und Julia schlug direkt vor, den Onesie mit mir gemeinsam zu nähen (denn gewisse Teile wie der Reißverschluss flößten mir doch noch ordentlich Respekt ein). Und so kam es dann auch. Und während ich überlegte, welchen Stoff ich verwenden sollte, öffnete ich meinen Stoffschrank. Und war ein bisschen erschlagen von den Stoffmengen. So. Viel. Stoff!!!! Ich wählte als Grundlage für meinen Traumanzug einen rot-weiß geringelten Jersey, den ich vor Jahren mal auf dem Stoffmarkt gekauft hatte. Wofür, weiß ich auch nicht so richtig. Aber jetzt hatte er seine Bestimmung gefunden!

Dazu bestellte ich dann noch ein bisschen grauen Jersey mit süßen, kleinen Fahrrädern sowie das übrige Zubehör (Reißverschluss, Druckknöpfe…) – so hat mich das ganze letzten Endes doch mehr gekostet, als ich normalerweise bereit wäre, für einen Schlafanzug zu bezahlen, aber hey. Selbst gemacht ist bekanntermaßen nicht unbedingt günstiger – häufig sogar im Gegenteil.

Und eines schönen Samstags war es dann so weit, Julia schlug bei mir auf zur „Garn-Party“, wie der Held es so schön betitelte. Und der Anzug war dann letzten Endes auch gar nicht schwer zu nähen. Innerhalb eines Tages waren wir beide fertig. Und hatten ein traumhaftes Resultat:

So! Was! Von! Kuschelig! Und das „Toiletten-Feature“ – die Poklappe mit Druckknöpfen – funktioniert auch einwandfrei. Am liebsten hätte ich das Teil die nächsten Tage gar nicht mehr ausgezogen. Gemütlichkeits-Overkill! Aber ich musste natürlich doch. Spätestens Montag, als es wieder zur Arbeit ging. 😉

Anschließend war ich ein bisschen im Nähwahn. Und bin es immer noch. Die Entdeckung des rot-weißen Ringeljerseys im Schrank wollte mir nämlich nicht aus dem Kopf. Ich besitze so viel Stoff! Mir kam der Gedanke, dass ich den doch eventuell auch einfach mal verwenden könnte. Und weil ich eine Schwäche für Challenges habe, wurde daraus das „Projekt Stoffabbau“ – und der Vorsatz, sämtlichen Stoff zu verbrauchen. Hüstel.

Es ist wirklich unglaublich, wie viel festen Baumwoll-Dekostoff ich habe. Den habe ich zu Beginn meiner „Nähkarriere“ wirklich meterweise angeschafft. Ich habe mich also durch Pinterest geklickt, dieses und jenes gefunden und ausnahmsweise nicht nur gepinnt, sondern direkt umgesetzt. Das kleine Nadelkissen an der Nähmaschine beispielsweise, oder das Wolken-Mobile. Außerdem (das schaffte wenigstens mal was weg) einen neuen Bezug fürs Bügelbrett und noch ein paar bunte Tischsets. Nicht im Bild: ein paar weitere Spüllappen (die liebe ich nach wie vor) und eine verschenkte Einkaufstasche. Alles nur mäßig erfolgreiche Projekte, was die Menge an Stoff betrifft, die sie wegschaffen. Aber ich bin sehr wählerisch bei dem, was ich nähe. Vieles gefällt mir nicht oder ich finde es einfach überflüssig. Ich benötige keine 500 weiteren Täschchen und Einkaufstaschen, keine Körbchen und Utensilos, und ich will eigentlich nichts nähen, was völlig überflüssig ist.

Neben den Dekostoffen befindet sich aber auch noch jede Menge Kleidungsstoff in meiner Sammlung. Als erstes ging ich ein Projekt an, für das ich schon vor ziemlich exakt 3 Jahren das Material gekauft hatte: ein roter Cord-Rock! Das Schnittmuster war Amy – allerdings hat es mich ziemliche Nerven gekostet und ich werde es vermutlich nicht noch einmal nähen. Außerdem war der Rock am Ende viel zu groß (trotz Messen im Voraus), so dass ich improvisieren musste. Zum Glück hat das wenigstens geklappt und der Rock gefällt mir jetzt sehr gut. Ein tolles Foto hab ich allerdings nicht, da es ein Ich-mach-das-jetzt-noch-fertig-obwohl-Mitternacht-schon-durch-ist-verdammt-noch-mal-Projekt war. Kennt ihr die? Wo man noch unbedingt das an dem Abend fertig kriegen will? Aber ich hab natürlich trotzdem ein Bild gemacht. Mit Ringelsocken. Und Stoffchaos im Hintergrund. Und leicht verfälschten Farben. Und unpassender Bluse:

Und tatsächlich: Der Stoffberg schrumpfte schon etwas!

Allerdings war ich betrübt, dass ich meinen Traumanzug immer nur nachts anziehen konnte. Also tauchte ich wieder ins Stoffmeer ein und ja: Es war noch genug für einen weiteren Traumanzug vorhanden! Aus etwas dickerem Sweatstoff, quasi als Hausanzug. Ohne Kapuze, aber immerhin. Sogar sämtliches Zubehör wie Reißverschluss und Druckknöpfe hatte ich auf Lager. Letztere noch aus den Beständen meiner Mama:

Hammer-Design, oder? 😀

Allerdings musste ich bei diesem Anzug etwas improvisieren. Teils klappte das gut – teils nicht so. Improvisation Nummer 1: kein Bündchenstoff. Stattdessen Bündchen aus dem Sweatstoff. Funktioniert immer nur so mittelmäßig gut – nervt aber hauptsächlich beim Nähen, stört später nicht beim Tragen. Allerdings sollte die Poklappe eigentlich auch aus Bündchenstoff genäht werden – das sollte mir noch zum Verhängnis werden, denn ich entschied mich für den dünnen Muster-Jersey. Impro Nummer 2: der Reißverschluss, den ich noch auf Lager hatte, war nur 45 statt 50 cm lang. Ich wollte das Oberteil aber sowieso etwas kürzen, da der Schritt beim ersten Traumanzug etwas auf Halbmast hängt. (Die Beine hab ich auch gekürzt.)

Problem durch diese Improvisationen: Der Anzug sitzt etwas strammer am Po. Keineswegs ZU stramm, sollte man meinen. Hätte er keine Poklappe, wäre alles easy und sehr bequem. Er hat aber eine. Und die besteht aus dünnem Jerseystoff ohne Verstärkung (hatte ich nämlich nicht, und es sollte ja ein ABBAU-Projekt sein, für das ich nichts neues kaufen musste) – der nun relativ stark gedehnt wird, wenn ich auf dem Sofa rumlümmel. So kam es, wie es kommen musste – einer der Druckknöpfe riss schon am ersten Abend aus. Schade. Aber ich denke mal, ich kann es relativ problemlos reparieren. Und man lernt ja schließlich aus seinen Fehlern. Und: den Gemütlichkeits-Overkill hat das Teil trotzdem noch. (Und im Zweifel hat das Ding halt einen Druckknopf weniger. Ich bin ja nur zu Hause damit.)

Fällt irgendwem zufällig was auf? Also, langjährigen Leserinnen, meine ich? Aus dieser Stoff-Kombination habe ich schon mal einen Hoodie genäht. Vor VIER JAHREN. Seitdem liegt der Stoff bei mir rum. Es wurde also wirklich mal Zeit.

So, und jetzt muss ich diesen Mammut-Post beenden (ein vorbildlicher Blogger hätte vermutlich eine fünfteilige Serie daraus gemacht) und nach weiteren Näh-Ideen googeln… 😉 Und bis dahin verlinke ich diesen Post beim Me Made Mittwoch!

Post Author: Nele

13 Replies to “Im Nähwahn {MeMadeMittwoch}”

    1. Damit kannst du aufs Klo gehen. Die Druckknöpfe einfach auf! Und du musst dich nicht jedes Mal aus dem Oberteil schälen, wie das bei so einem Overall sonst der Fall wäre. 🙂

  1. 🙂
    Alles so schön geworden und über zwei der Spüllappen freue ich mich immer noch wie ein Schneekönig. Wenn ich keine Vliesline zum Verstärken habe, nehme ich gerne auch einfach Filz, das klappt auch prima und habe ich zumindest (leider) in Massen hier herumliegen.
    So ein Haus-/Schlafanzug sind schon schick aus, aber ich glaube wohlfühlen würde ich mich darin (momentan) nicht. Habe es aber der Großen mal vorgeschlagen.

  2. Im Nähwahn, das trifft es echt gut. Ich finde es immer noch voll toll, was du gerade für einen Output hast! Ich bin gerade ein bisschen gebremst, weil mir das notwendige Gedöns für die Utensilos, die ich für die Garderobe nähen will, fehlt, die passende Bügeleinlage :-/
    All deine Sachen, die du genäht hast, sind echt toll. Aber die Traumanzüge toppen echt alles. Und dass der zweite aus dem Sweater-Stoff entstanden ist, ist mir schon bei IG aufgefallen 🙂 Der Punkte-Stoff ist ja auch einfach zu schön 🙂

    Für Druckknöpfe gibt es übrigens von Snaply Wonder Dots https://www.snaply.de/neuheit-snaply-wonder-dots/a-67989482/
    Als ich mir zu Weihnachten das Jersey-Drücker-Starterset gewünscht habe (mit Prym-Zange lassen sich Druckknöpfe so schön easy anbringen :-)), habe ich mir diese Dinger direkt dazu gewünscht. Ist, würde ich sagen, wie Vliesline, nur halt in schön kleine Punkte geschnitten. Bisher habe ich die erst an 2 T-Shirts gemacht, die ich verschenkt habe, habe selbst also noch keine Erfahrung damit, aber ich denke, die sollten ganz gut funktionieren 🙂

    Der Amy-Rock ist auch schön geworden, die Farbe gefällt mir gut, ein richtig schönes rot!

    Liebe Grüße, ich bin gespannt, was du in nächster Zeit noch alles so schönes nähst!
    Denise

  3. Juhu, sie nääääht! 🙂 Es war sehr schön mit dir zu nähen, gerne wieder 🙂
    Ich hatte grad noch eine Idee für feste Baumwolle: Boxershorts für den Mann bzw. kurze Schlafhosen für dich? Kissen für Balkonmöbel? Ein Sitzsack? :D:D:D

  4. Wahnsinn! Das klingt nach ultraproduktiver Phase. Das mit dem Stoffabbau versuche ich schon seit zwei Jahren, fürchte aber das ich mit Nähzimmerausbau und Regalaufbau erfolgreicher wäre. Ich wünsche Dir weiter Elan, Energie und kreative Ideen.
    Liebe Grüße Rike

    1. Hi Rike, danke für deinen Kommentar. 🙂 Bei mir hat der „Nähzimmerausbau“ dazu geführt, dass ich auch wieder mehr Lust habe, die Stoffberge auch wegzunähen. Naja, kein wirklicher Ausbau, aber ein Umzug und damit verbunden ein doppelt so großes Nähzimmer. Aber ich bin echt so happy, dass ich so viele „alte“ Stoffe nutzen kann, dass ich es wirklich nur empfehlen kann! Ich glaube nicht wirklich daran, dass ich tatsächlich den GANZEN Stoff aufbrauchen werde. Aber wenn ich mir das vornehme, habe ich mehr Motivation! 😉

  5. Wow… ein echter Mammutpost. Aber wenn man den Flow hat, dann muss man ihn ausnutzen.
    Meine Nähmaschine wird momentan nur für kleine Nähereien benutzt. Aber so ein Anzug…..mein bester Freund hat nämlich einen „Lümmelanzug“, wie er das Teil nennt. Wird immer am WE mißbraucht um auf der Couch und dem TV rum zu lümmeln. Als Krönung wärmt er ihn vorher noch im Trockner auf… Männer *augendreh*.
    Ich denke, ich sollte ihm auch so ein Teil nähen.

    Alles Liebe für Dich liebe Nele
    Susi

    1. Im Trockner aufwärmen, was für eine Hammer-Idee!!! 😀 Schade, unser Trockner ist im Keller, das ist jetzt nicht so gemütlich, erst mal dorthin zu gehen und mich da umzuziehen. 😉

  6. Hallo Nele,

    Also eure beiden Anzüge sehen echt super aus! Deiner gefällt mir von der Stoffauswahl her sehr gut! Rot-weiß geringelt geht in Köln ja immer. 😉 Sieht auf jeden Fall sehr kuschlig und gemütlich aus.
    Dass du deine Stoff-Reste jetzt erst einmal aufbrauchst, finde ich gut. Dann sehen wir bestimmt bald mehr davon, oder?

    Und wer weiß: vielleicht traue ich mich irgendwann ja auch mal an eine Nähmaschine und nähe mir endlich einen kleinen Stoffbeutel, wo zwei- drei Brötchen rein passen, damit ich beim Bäcker auf die Tüte verzichten kann.

    Liebe Grüße
    Nika

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