Hauptstadtliebe: Städtetrip-Planung für Anfänger

Nachdem wir letztes Jahr zwei längere Urlaube gemacht hatten – einen ganz im Norden, einen ganz im Süden – beschlossen der Held und ich, dieses Jahr mal ganz gemütlich im elterlichen Ferienhaus zu urlauben. Dennoch wollten wir ein bisschen was erleben, und was lag da näher als ein Wochenend-Trip in eine schöne Stadt?

Einiges stand zur Auswahl, aber auf Anhieb konnten wir uns nur auf ein Ziel einigen: Berlin! Diese große, wuselige Hauptstadt, in der wir beide schon viel zu lange nicht mehr waren. Ich war zuletzt 2004 dort, aber der Held toppt das locker: 1992 hat er Berlin zuletzt gesehen, und seither hat sich gerade dort vermutlich mehr verändert als in den meisten Städten Europas.

Dieses Mal wollte ich den Trip ausnahmsweise richtig vorbereiten! Wir sind nämlich beide sehr gut darin, nur mit einer vagen Idee loszureisen und dann unorganisiert von A nach B zu stolpern. Dabei habe ich immer das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Die besten Tipps entdecke ich dann erst im Nachhinein. Ich weiß nicht, wo die besten Restaurants sind und welche Geschäfte ich auf gar keinen Fall verpassen sollte, und die erste Stunde nach dem Frühstück geht drauf mit der Planung für den Tag. Blöd! In einem zweiwöchigen Strandurlaub mag das ja noch gehen, aber die vier Tage, die wir für Berlin zur Verfügung hatten, wollte ich doch etwas besser nutzen.

Für die Vorab-Planung nutzte ich einen großartigen Tipp von Frau Brüllen: Alles in eine Google Maps-Karte eintragen, was ansatzweise interessant erscheint! Hier hat sie gut beschrieben, wie das funktioniert. Der Held und ich sammelten also, was das Zeug hielt. Museen, Geschäfte, Restaurants und Cafés, und selbstverständlich auch die klassischen Sehenswürdigkeiten. Am Ende sah das ungefähr so aus:

Völlig klar, dass wir nie vorhatten, alle diese Dinge tatsächlich zu sehen. Aber insbesondere bei den Restaurants und Cafés habe ich mich kein bisschen zurückgehalten. Denn ich finde nichts blöder als hungrig zu sein und nicht zu wissen, wo ich jetzt was leckeres bekomme. Dann läuft man nämlich am ersten Laden vorbei (könnte ja noch was besseres kommen), am zweiten womöglich auch, dann ist der Hunger aber schon so groß, dass man verzweifelt in der nächstbesten Lokalität einkehrt – die dann vermutlich eine Enttäuschung ist. Und dann stellt man fest, hundert Meter weiter wäre das perfekte Restaurant gewesen. Ha! Nicht mehr mit unserer Google Maps-Karte, die uns vor Ort anzeigte, wo wir sind und wo die nächste Empfehlung lauert. Allerdings sieht man in der Karte auch einen eklatanten Mangel an lila Punkten im Bereich der Touristen-Attraktionen, und so passierte uns das doch ein- oder zwei Mal. Nichtsdestotrotz, super Sache.

Als nächstes notierten wir unsere jeweiligen Must-Haves. Der Held wollte beispielsweise in einige Comicbuchläden, ich wollte zu den Hackeschen Höfen, und bei den Museen mussten wir hart verhandeln, bis wir uns auf wenigstens nur ein Museum am Tag beschränken konnten. (Wir einigten uns auf die Topographie des Terrors, das Computerspiele-Museum, eine Unterwelten-Tour und die Gedenkstätte Hohenschönhausen im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis. Zufällig landeten wir dann aber auch noch in der Mauer-Gedenkstätte.) Berlin hat einfach zu viele Museen!

Zum Geburtstag hatte ich außerdem einen Gutschein für das Käfer Feinkost-Restaurant auf dem Dach des Bundestags bekommen. Dort muss man reservieren, so dass wir hier einen festen Termin hatten, den wir einhalten mussten. Um diesen Termin herum und außerdem um die örtliche Lage der ausgewählten Museen planten wir dann unsere weiteren Aktivitäten. Nicht minutiös, aber am Ende stand eine gewisse Ordnung. Ein Überblick über die Stadt, die Hackeschen Höfe sowie die Topographie des Terrors am ersten Tag, ein Shopping-Tag mit einem abschließenden Besuch im Computerspiel-Museum am Samstag, Sonntag mit dem Flohmarkt im Mauerpark, dem Restaurant-Besuch zu Mittag und der Unterwelten-Tour am Nachmittag, und am Montag dann noch die Gedenkstätte Hohenschönhausen, bevor wir abends wieder in den Zug steigen sollten.

Dieses lockere Konzept in Kombination mit der Google-Karte hat hervorragend funktioniert! Es war wunderbar, morgens beim Frühstück schon zu wissen, was auf dem Programm steht. Es war erleichternd, abends schon zu wissen, ob man am nächsten Morgen ausschlafen kann oder doch lieber pünktlich aufsteht, weil man z.B. auf den Flohmarkt möchte. Es war entspannt, nach dem “Abhaken” der Liste vor dem Abendessen noch eine Pause im Hotel einlegen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, etwas zu verpassen (das kann ich nämlich viel zu gut: Entspannungszeiten im Urlaub als “verschwendet” anzusehen). Und es war super, sich die Restaurants auf der Karte aussuchen zu können. (Das einzige, was ich an der Google Maps-Methode kritisieren muss, ist die Tatsache, dass man keine Details mehr angezeigt bekommt, wenn man einen eigenen Punkt hinzugefügt hat. Ihr wisst doch, wenn man auf Google Maps beispielsweise auf ein Restaurant klickt, dann bekommt man die Website und die Öffnungszeiten angezeigt? Wenn man das dann als Punkt hinzufügt, funktioniert das nicht mehr und man muss den Laden parallel googeln, wenn man wissen will, was sich noch gleich hinter dem mehr oder minder kryptischen Namen verbarg. Oder standen wir da nur auf dem Schlauch?)

Wie gut die Planung war, zeigte sich am Montag. Da stand ja nur die Gedenkstätte auf dem Plan, und unser Zug fuhr erst um 18:30 Uhr. Wir hatten überlegt, dass wir ja nach der Gedenkstätte einfach noch irgendwas machen könnten, was wir bis dahin nicht geschafft hatten. Unsere “To-Do-Liste” war aber nun abgehandelt und so saßen wir etwas hilflos herum und scrollten auf der Karte rum, konnten uns nicht so recht einigen, hatten zu viele Möglichkeiten. Dann fuhren wir irgendwo hin, was aufgrund der Entfernung (Berlin ist groooß!) aber viel länger dauerte als gedacht, konnten da dann nur schnell was futtern und mussten schon wieder zum Hotel, die Koffer abholen. Das fühlte sich sehr unbefriedigend an, erinnerte mich aber ein bisschen an bisherige Urlaube. Also war es im Endeffekt der beste Beweis dafür, dass unsere Planung an den übrigen Tagen hervorragend war!

Ein bisschen schwer tat ich mich ja damit, zu akzeptieren, dass man in vier Tagen eben einfach nicht alles machen kann. Dazu ist die Stadt zu groß, sind die Möglichkeiten zu vielfältig. Aber auch da hat mir die Planung sehr geholfen. Sonst bin ich nämlich auf Reisen gern mal etwas verzweifelt, weil ich doch noch A, B und C sehen wollte, aber nur Zeit für A war. Hier bin ich das auch, aber schon im Vorfeld zu Hause, während der Planung. Als wir unser Programm hatten, war ich vollauf glücklich damit, dieses “abzuarbeiten”. Wir haben alles geschafft, was auf unserer Liste steht – ein erfolgreicher Tag. Es gibt sicherlich ein nächstes Mal, denn Berlin hat uns beiden sehr gut gefallen. Vielleicht warten wir dieses Mal auch nicht 13 bzw. 25 Jahre!

2 Antworten

  1. Seit 1992 hat sich allerdings eine ganze Menge in Berlin getan. Ich bin seit Ende der 80er immer mal wieder in Berlin gewesen und habe die Veränderungen daher ganz gut mitbekommen. Eine besonders einschneidende Veränderung war wohl die Umgestaltung des Potsdamer Platzes, ich bin damals 1997 auf der InfoBox auf der größten Baustelle Europas gewesen und konnte drei Jahre später den fertigen Platz bewundern.

    Es ist schon erstaunlich, was Berlin zu bieten hat. Ich bin schon oft dort gewesen und habe jedesmal etwas neues entdeckt, was ich noch nicht kannte. Ähnlich geht es mir auch mit München oder vor allem mit Amsterdam. Demnächst steht aber erst einmal ein Kurzurlaub in einer europäischen Hauptstadt auf dem Plan, die ich noch nicht kenne, und zwar Belgrad.

    Viele Grüße von einem weiteren Münsterblogger,
    Johannes

  2. Ich hasse es ja auch, auf Reisen ewig nach Restaurants zu suchen. Ich arbeite deswegen schon ganz lange mit Google Maps (und der Happy Cow App für Veggie Restaurants). Alllerdings lege ich mir keine extra Karte an, sondern suche mir die Tipps in Google Maps und speichere die dann einfach (direkt per Smartphone). Wenn ich super organisiert bin vergebe ich vielleicht noch ein Label oder lege eine Liste an. Jedenfalls wollte ich darauf hinaus, dass dann die Öffnungszeiten und der ganze Rest noch da sind 🙂

    Ich finde Berlin ja auch immer toll, wohnen würde ich da zwar nicht wollen, aber für Kurzbesuche herrlich. Wir waren beim letzten Mal im deutschen historischen Museum und das war wirklich richtig toll! Auf jeden Fall gibts genug zu sehen für viele Besuche, da kann man öfter hin. 🙂

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