Alexx überlegte hier vor kurzem laut, mit dem Geocaching zu beginnen, und ich erwähnte dabei die ungeschriebene Geocacher-Etikette. Eigentlich hatte ich diesen Beitrag daher auch als Email an sie begonnen, aber dann dachte ich, vielleicht interessiert das Thema ja noch den einen oder anderen, da kann es nicht schaden, wenn ich das öffentlich schreibe. Dieser Eintrag ist unglaublich lang. Es geht aber eigentlich nur um 4 Dinge. Falls ihr den Eintrag nicht wirklich lesen möchtet, hier sind die 4 meiner Meinung nach wichtigsten Regeln:

  • Verhaltet euch vernünftig, hinterlasst keinen Müll, macht nichts kaputt.
  • Verhaltet euch unauffällig und lasst euch beim Cachen möglichst nicht „erwischen“.
  • Loggt online vernünftig und mit mehr als 3 Worten, aber ohne zuviel zu verraten!
  • „Did not find“ loggen ist nicht peinlich oder böse, sondern hilfreich und vernünftig.

Zum grundsätzlichen Einstieg findet man hier bei Gassipods gute Hinweise. Hier steht, wie ihr überhaupt Geocaches findet, was ihr für eine Ausrüstung braucht, wie das mit den Koordinaten funktioniert… Also quasi alles, was ihr zum Loslegen braucht!

Kommen wir aber zum eigentlichen Thema: der ungeschriebenen Geocacher-Etikette. Vieles versteht sich eigentlich von selbst und ich gehe mal davon aus, dass es auch für euch selbstverständlich ist. Wie zum Beispiel, keinen Müll liegenzulassen oder nicht unnötig durch das Unterholz brechen (so lange wie möglich auf den Wegen bleiben). Im Wald bei der Suche nicht alles umgraben und Pflanzen rausreißen.. Dinge, die ich eigentlich für ganz normal gehalten hätte, wenn ich nicht schon erschreckende Orte gesehen hätte!

Es ist offensichtlich, dass Cacher am Werk waren, wenn im Umkreis von 15 Metern um einen Cache der Waldboden an sämtlichen Bäumen durchwühlt und umgegraben ist, als wären Wildschweine unterwegs gewesen. Vor allem, wenn der Hint (Hinweis) zum Cache lautet „Unten an einem Baum“. Oder wenn man zerrissene Cache-Beschreibungen durch die Gegend flattern sieht, im verlassenen Industriegebäude leere Batterien und dreckige Atemschutzmasken herumfliegen (im Listing steht natürlich, dass man Taschenlampe und Masken braucht) oder eine Steinmauer langsam, aber sicher völlig zerpflückt wird („Irgendwo muss die Dose ja sein“).

Der erste Hinweis daher: Verhaltet euch beim Suchen so, wie man es von zivilisierten Menschen erwarten kann. Und hinterlasst die Cache-Location so, wie ihr sie vorgefunden habt – oder sogar besser (ihr dürft sowohl den Geo-Müll der Vorcacher als auch „normalen“ Müll gerne mitnehmen und entsorgen). Die wichtigste Erkenntnis, die ich dabei hatte, ist: Wenn man mal einen Cache nicht findet, ist das auch kein Beinbruch. Dann muss man wirklich nicht den Wald umgraben, sondern kann sich auch einfach mal sagen „Dann eben nicht“. Letzten Endes geht es ja nicht nur ums Finden, sondern auch um das Erlebnis der Suche, um das Entdecken der Location, um die Zeit, die man zusammen und draußen verbringt. (Zugegeben, das fällt mir bei einfachen Tradis leichter als beim komplizierten Multis mit vielen Stationen, wo wir uns schon bis zum Final vorgekämpft haben)

Eine weitere Regel: Immer schön unauffällig bleiben, nicht lauthals von der Dosensuche tönen, wenn „Muggels“ (= Nicht-Geocacher) um einen herum sind, beim Suchen, Heben und Wiederverstecken versuchen, dass gar keine Muggels in der Nähe sind. Je nach Ort ist das natürlich schwierig, wenn man zum Beispiel in einer belebten Straße sucht, ist es fast unmöglich; im Wald dagegen häufig ganz einfach. Für Neulinge würde ich daher auch eher Caches in weniger belebter Umgebung empfehlen, einfach, weil man die üblichen Versteckmöglichkeiten und auch die Gegenstände, die versteckt werden, noch nicht so gut kennt und daher natürlich auch mal etwas länger suchen muss. In der Stadt kann sowas auffällig werden (wir sind da schon mal für potenzielle Brandstifter gehalten worden!!!).

Hintergrund des Tarnens, ganz plump formuliert: Muggels machen Caches kaputt! Bei weitem nicht alle, bei weitem nicht immer. Aber es gibt

  1. Menschen, die neugierig sind, beobachten und hinterher anschauen wollen, was man denn da gesucht hat. Dann vielleicht wiederum nicht richtig wieder verstecken.. Der nächste kommt… Sieht den vermeintlichen Müll… Man sieht ja, wo das hinführt!
  2. Menschen, die sich als Ordnungshüter aufspielen, und den Cache absichtlich entsorgen. Ja – da sind die, die auch die Falschparker aufschreiben, die Radfahrer auf der falschen Radwegseite anschreien oder bei zu lauter Musik lieber die Polizei rufen, als mal eben beim Nachbarn zu klingeln.
  3. Kinder. 😉 Die finden einen Schatz und freuen sich. Das ist schön, aber alle nachfolgenden Cacher ärgern sich, weil kein Schatz mehr da ist.

Mein liebstes Thema bei der ungeschriebenen Cacher-Etikette: Das Online-Log. Wie fleißige Leser des FAQ-Links bereits wissen, loggt ihr einen Cache zwei Mal: Im Logbuch, das in der Dose liegt, und anschließend online. Ich persönlich finde den Online-Log wichtiger, denn er ist das, was die Cacher-Welt über diesen Cache erfährt. Im Logbuch vor Ort kann man dafür ordentlich „spoilern“, also Dinge schreiben, die man erst weiß, wenn man den Cache gefunden hat. „Das Rätsel an Station 2 war der Hammer, wir haben ewig gebraucht, bis wir kapiert haben, dass wir die Zahl der Laternen vier mal geteilt durch die Stufen am Klettergerüst teilen mussten“ – das ist im Online-Log natürlich verboten, denn die Cacher, die dort lesen, haben den Cache ja vielleicht noch gar nicht gefunden. Das heißt aber nicht, dass der Online-Log deswegen langweiliger sein muss!

Das Online-Logbuch ist wie eine Visitenkarte des Caches. Denn es ist doch ganz klar, welchen Cache man lieber besucht: Den, dessen Logs zu 90 % aus „Schnell gefunden, danke“ bestehen oder den, wo jeder zweite schreibt „Dieser Cache ist einfach der Hammer, wir haben zwar 2 Anläufe gebraucht, aber die liebevoll gestalteten Stationen haben sich echt gelohnt, es war ganz toll und wir sagen tausend Mal DANKE an den Owner!“? 😉 Auch der Owner freut sich, wenn seine zum Teil enorme Arbeit entsprechend gewürdigt wird, denn mehr als das Lob der Cacher-Community kriegt er für diesen Zeitaufwand (und teilweise auch hohen finanziellen Aufwand) ja nicht.

Da ist es besonders schade und ärgerlich, dass das Online-Log gerade bei vielen Neulingen in der letzten Zeit eher zur reinen Pflichtaufgabe verkommt. Ein Log, der gerade mal aus „TFTC“/“DfdC“ (Thanks for the cache/Danke für den Cache) oder gar aus gar keinen Worten besteht, ist einfach traurig. Mir persönlich macht das Loggen sehr viel Spaß, denn für mich ist es eine Gelegenheit, die Suche noch einmal Revue passieren zu lassen. So entstehen bei mir aber auch immer epische Logs und ich hatte schon mehrfach das Vergnügen, kürzen zu müssen, da man maximal 4.000 Zeichen schreiben darf! 😉

Selbst, wenn der Cache eine Filmdose an einer Leitplanke ist, versuche ich, den Log interessant werden zu lassen, indem ich ganz einfach beschreibe, was uns bei der Suche passiert ist. Ob das jetzt nervige Muggel waren, die die Suche verzögert haben, oder ob ich (wie neulich) die Dose gefunden, geloggt und wieder versteckt habe, während der Held im Auto noch dabei war, sich die richtigen Schuhe anzuziehen – auch so etwas kann viel über eine Dose aussagen und ob es sich lohnt, sie zu suchen (im letzten Fall sagt es zum Beispiel, dass es eine ziemliche 0815-Filmdose war, die Location lohnte auch keiner näheren Betrachtung und das Versteck war einfallslos – trotzdem habe ich den Owner nicht beleidigt oder seine Dose heruntergemacht).

Ihr dürft auch immer gerne loggen, wenn ihr die Dose nicht gefunden habt. „Did not find“ heißt die Auswahlmöglichkeit bei geocaching.com. Ich logge das nicht jedes Mal, wenn ich nicht fündig wurde. Wenn ich zum Beispiel schon schnell die Lust verliere, weil die Location so doof ist oder ich zu wenig Zeit habe, liegt das ja nicht am Cache, dass ich ihn nicht finden konnte, sondern an mir. Aber wenn ich ernsthaft gesucht und nichts gefunden habe, logge ich „DNF“. Das hat nichts mit „peinlich“ oder „zu doof zum Finden“ zu tun, denn natürlich kann es auch sein, dass mal ein Cache weg ist. Meine Lieblingsgeschichte: Wir suchen einen Cache, loggen „DNF“, der Owner stellt fest, dass die Dose weg ist und erneuert sie. Am nächsten Tag nach der Erneuerung ein „Found it“-Log anderer Cacher mit dem Wortlaut: „Wir waren schon dann und dann hier und haben nichts gefunden, jetzt wissen wir, dass die Dose weg war“ – das war natürlich, bevor WIR da waren und hätten diese Cacher DNF geloggt, hätten wir uns den Weg sparen können, vielen Dank.

Bei weitem nicht jeder Cache, den ich als „DNF“ logge, ist tatsächlich weg, aber wenn etwas nicht in Ordnung ist, erfährt der Owner und auch die anderen Cacher das nur durch euch!

…und jetzt wisst ihr auch, wieso meine Logs immer mal wieder die Zeichengrenze bei geocaching.com sprengen! Zum Glück gibt’s die hier nicht. 🙂 Habt ihr noch weitere Etikette-Vorschläge? Denn vollständig ist diese Liste bei weitem nicht (ich sag nur „Downtraden“, aber das ist mir nicht so wichtig und taucht hier daher nicht auf)!

Post Author: Nele

8 Replies to “Geocaching für Einsteiger: Die ungeschriebene Cacher-Etikette”

  1. Mit „Downtraden“ kann ich persönlich gerade nichts anfangen… und fänd es interessant 🙂

    Ansonsten hat mir mein Herzmann heute von einem Bericht auf n-tv übers Cachen berichtet, den ich mir später auf der Online-Seite mal ansehen wollte… vllt. auch für dich interessant 🙂

    1. In vielen Caches kannst du ja Gegenstände tauschen. Da gilt die Regel „Gleich- oder höherwertig tauschen“, und wenn man das eben nicht macht und für einen Diamantring (hüstel, oder ähnliches) eine Ü-Eier-Figur reinlegt, nennt man das „Downtraden“. Für mich ist das Tauschen aber eh nicht so interessant, da in den meisten Fällen nur Schrott in den Dosen liegt (häufig auch eine Folge des Downtradens). Ich schätze, das ist eher was für Kinder, die am Ende der Schatzsuche auch was Tolles mit nach Hause nehmen wollen? Und für die reichen auch Ü-Eier-Figuren…

  2. Achja, zu dem Beitrag… Der ist schon älter und hat auch für Diskussionen unter den Cachern gesorgt! Finde ihn nicht soo überzeugend und v.a. würde ich mich nicht beim Lost-Place-Cachen filmen lassen! Wo bleibt denn da das Abenteuer! 😉 Der Cache ist leider inzwischen ja archiviert… Sehr, sehr schade!

  3. danke, danke, danke für diesen ausführlichen bericht. bin leider erst heute zum lesen gekommen – hatte schwiegermutter auf einige tage hier; unangemeldet natürlich…

    versuche meinen junior fürs geocachen zu begeistern. aber mit 12 1/2 ist das so eine sache. ich hoffe ich kann bald über unser erstes suchen berichten!

  4. Toller, ausführlicher Beitrag! Ich bin nur durch Zufall gerade auf deine Seite geraten und war überrascht, dass hier etwas über geocaching steht. Ich bin auch seit über 2 Jahren mit Begeisterung dabei und cache vorallem gern im Urlaub. Vielleicht poste ich demnächst auch mal etwas darüber.

    1. Danke für deinen Kommentar! Ich schreibe ja nicht oft übers Geocaching, aber eigentlich kommt hier alles vor, was in meinen Leben so eine Rolle spielt – also auch das! 🙂 Wir freuen uns auch schon auf den Sommerurlaub, da ist nämlich wieder ein Caching-Trip geplant, in den Osten Deutschlands dieses Mal.

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