Alltagshüpfer

Ein Tag im Januar

7. Januar 2016

Heute ist Donnerstag. Wie üblich bin ich gestern Abend zu spät ins Bett gekommen. Als der Wecker klingelt, snooze ich daher vor mich hin. Meine Wecker-App hat die großartige Funktion, dass man das Handy nur einmal umdrehen muss, um den Wecker zu snoozen. Zum Ausschalten kann man das Handy schütteln, aber da habe ich eine Sicherheitsabfrage eingebaut, nachdem ich mal vermeintlich geschüttelt statt gedreht habe und der Wecker nicht mehr klingelte. Jetzt klingelt es alle 8 Minuten, und nach einer gewissen Snooze-Anzahl geht das auch nicht mehr und ich muss eine kleine Aufgabe lösen, um den Wecker tatsächlich auszustellen. Das nutze ich heute auch komplett aus, erst um kurz vor 8 Uhr sortiere ich einige Zahlen in absteigender Reihenfolge, um der App zu signalisieren: Ich bin tatsächlich endlich wach!

Und so liege ich noch im Bett, als das Handy plötzlich klingelt. Mein Kollege ist dran. „Bist du schon losgefahren?“ – ich muss grinsen, denn dass ich noch im Bett liege, liegt wohl nicht im Bereich seiner Vorstellung. Als ich verneine und er erleichtert „Dann ist ja gut!“ antwortet, habe ich kurz die Hoffnung, dass ich liegen bleiben kann. Ist das Büro abgebrannt, haben wir uns ausgesperrt, wieso zum Kuckuck ist es gut, dass ich noch zu Hause bin? Aber von wegen. Ich soll einen Hammer und Schraubendreher mitbringen. Wir haben nämlich ein neues Regal im Büro, das aufgebaut werden soll. Nun gut.

werkzeug

Ich stehe also doch auf, mache mich fertig, suche Werkzeug zusammen. Nur gut, dass wir zu Weihnachten einen tollen neuen Akkuschrauber bekommen haben. Der darf nun eingeweiht werden. Er passt nur in meine Tasche, wenn ich die Regenhose rausnehme. Hoffentlich bleibt es heute trocken.

Auf dem Fahrrad höre ich eine neue Folge „This American Life“. Es ist kalt, aber dank der Handschuhwärmer von Jessica habe ich warme Finger und radle daher gemütlich meine 6,5 Kilometer, während ich einen Bericht über einen Tunnel mit einer Höhle am Ende höre, die man in Kanada in der Nähe eines großen Sport-Events gefunden hat. Die Medien redeten Terrorgefahr und Kriminalität herbei, letzten Endes war es ein 22jähriger, der mal Ruhe vor seinen ständig redenden Geschwistern haben wollte. Ich muss lachen.

Im Büro wird das Werkzeug schon sehnsüchtig erwartet, aber der Akkuschrauber muss erst noch aufladen. Niedlicherweise ist das Akku-Lade-Symbol eine kleine Zapfsäule – er möchte Strom tanken! Ich mache mir einen Kaffee und eine Kanne roten Tee, die ich über den Tag verteilt kalt trinken werde. Nach zwei Stunden hört das Lichtlein am Akkuschrauber auf zu blinken und wir bauen zu dritt das neue Billy-Regal für die Küche zusammen. Nun hat jeder sein Fach und wir müssen den Tee nicht mehr auf der begrenzten Arbeitsfläche stapeln. Gefällt mir.

buero-regal

In der Pause esse ich Salat mit roter Bete. Ich habe rote Bete neu für mich entdeckt und könnte sie jeden Tag essen! Außerdem eine Schüssel Hühner-Nudel-Topf. Ganz böse aus der Dose. Aber kochen werde ich ja heute Abend noch. Zum Nachtisch noch eine Mandarine, und weiter geht’s an die Arbeit.

Zwischen 13 und 15 Uhr soll ich einen Anruf tätigen. Ich versuche es mehrfach, lande aber immer in der Warteschleife und habe keine Lust darauf. Um halb drei denke ich, jetzt muss es aber klappen, und klemme mir den Hörer einfach zwischen Ohr und Schulter, während ich weiter arbeite. Das Warteschleifenlied kann ich mittlerweile auswendig. Um Punkt 15 Uhr tutet es und ich bin guter Dinge, als plötzlich die Ansage ertönt, ich würde ja außerhalb ihrer Geschäftszeiten anrufen. Ich schaue den Hörer noch ein paar Sekunden entgeistert an, bevor ich auflege und den Kopf schüttle. Dann eben nicht.

 

Als es draußen langsam dunkel wird, gehen die Laternen an. Und der Regen. Was habe ich heute früh gesagt? Hauptsache, heute bleibt es trocken? Der Held kann mich nicht abholen, da er noch eine Weiterbildung hat und länger bleiben muss. Ich bleibe noch ein paar Minuten im Büro, aber da muss ich jetzt wohl durch. Ich husche schnell in den Supermarkt und dann ab aufs Rad – innerhalb weniger Meter bin ich durchnässt.

Während ich auf dem Smartphone eigentlich meinen Podcast weiterhören möchte, klingelt mein Smartphone. Es ist die Versicherung, mit der ich ein paar Dinge zu besprechen habe. Ich trage mein Bluetooth-Headset, das ich eigentlich nur gekauft habe, um es als Kopfhörer für unterwegs zu verwenden – man kann damit aber auch telefonieren und so radle ich durch die Dunkelheit und spreche quasi in die Luft. Ein sehr irritierendes Gefühl, aber ein sehr erfolgreiches Telefonat.

regen

Daheim schäle ich mich aus der nassen Hose. Zehn Minuten auf dem Sofa und dann geht’s ans Kochen: Königsberger Klopse mit Kartoffeln! Gab es früher bei Muttern, habe ich vor zehn Jahren mal gekocht und dann nie wieder. Im Dezember bekam ich aber urplötzlich Lust darauf, und dann war es so lecker, dass wir es unbedingt noch mal essen wollten. Wird auf jeden Fall ins allgemeine Repertoire aufgenommen! Gut daran ist auch, dass man problemlos die Küche aufräumen kann, während man noch kocht.

kueche

Während des Kochens ist der Held heimgekommen und direkt eingestiegen. Wir essen und beschließen anschließend, eine neue Serie anzutesten. „The Shannara Chronicles“ steht in unserem Bücherregal, aber keiner von uns hat es bisher gelesen! Jetzt erscheint jede Woche auf Amazon eine neue Folge, so etwas mögen wir ganz gern. Man kommt nicht in die Versuchung, alles hintereinander anzusehen. Da sind wir wohl ein bisschen komisch, oder? Jedenfalls entdecken wir einige bekannte Gesichter und sind uns einig, dass wir die weiteren Folgen durchaus auch anschauen werden. Der Weihnachtsbaum und die Geschenke stehen noch da – am Wochenende wird alles abgebaut, haben wir beschlossen.

abends

Jetzt schauen wir noch eine Folge „The Walking Dead“ – die fünfte Staffel ist endlich bei Netflix! Und dann geht’s auch schon wieder ins Bett.

 

  1. Böser Regen. Aber wenigsten eine erfolgreiches Telefonat.
    Dein Einblick in deinem Alltag gefällt mir.
    Und jetzt vermute ich mal gaz waghalsig: das dritte Regal von oben ist deins. Ordentlich einsortiert. Viel Tee und eine nette Dose, die mir irgendwie bekannt vorkommt.
    Königsberger Klopse gibt es hier auch gerne, allerdings mit Reis. Kochst du sie komplett selbst oder bedienst du dich da einer TK-Ware (ich bin da ja etwas faul, habe mir aber vorgenommen es mal selbst zu machen).
    Ich wünsche dir ein ganz tolles Wochenende.

    1. Hallo Eva! Du hast ganz waghalsig richtig vermutet! Die Dose habe ich mal bei der lieben Münstermama gewonnen! 😉
      Die Königsberger Klopse mache ich selbst. Es ist nicht so viel Arbeit, wie man befürchten mag! Du müsstest natürlich mehr Fleischbällchen formen als wir, aber ansonsten ist es echt machbar. Im Grunde: Mehlschwitze machen, Brühe und Wein und Gewürze dazu, und dann die Fleischbällchen reinlegen (die ähnlich wie Frikadellen gemacht werden), die dann in der Sauce garen. In der Zeit kann man dann wie gesagt die Küche aufräumen! 😉

  2. Das „hoffentlich bleibt es trocken“ kenne ich nur zu gut 😉 Hier in Wales kann man sicher allerdings sicher seit, dass es eher nicht trocken bleibt.
    Ich beneide dich, dass du auf dem Weg zur Arbeit Podcasts hören kannst. Mein Arbeits(rad)weg ist dafür leider ungeeignet da viel befahren. Dafür höre ich Podcasts beim Joggen.
    Die Handschuhwärmer sind ja klasse! Das muss ich mir merken (und ggf nachmachen).

  3. Fiiieser Regen. Aber so ist es ja immer. Ich habe auch immer genau dann keine Regensachen dabei wenn es in Strömen gießt. Oder sitze gerade seit zwei Minuten auf dem Rad wenn es anfängt, schon auf dem Hinweg. Aber mein Weg ist ja mit deinem auch nicht vergleichbar.
    Euer Regal ist süß, und praktisch auch noch!

  4. Ich habe schon die ganzen letzten Tage immer geguckt: Wann bloggt sie denn, wann bloggt sie denn?

    Deinen Post habe ich auch gerne gelesen. Generell lese ich solche Posts (die es ja am 5. eines Monats häufiger gibt) sehr gerne.
    Als du geschrieben hast, dass du die Fahrradhose zuhause gelassen hast, habe ich direkt gedacht „ohoh“! Meist ist unser Wetter ja doch halbwegs ähnlich, bei uns hat es gestern den ganzen lieben langen Tag richtig fies geplästert, bääääh!
    Die Wecker-App klingt ja cool, wie heißt die?

    Liebe Grüße, Denise

    1. Morgens sah es noch ganz gut aus mit dem Wetter! (Übrigens ist mir hinterher aufgefallen, dass ich den Akkuschrauber ja auch ohne Koffer hätte mitnehmen können. Dann hätte vielleicht beides gepasst.)

      Ja, am 5. habe ich das ja auch wieder überall gelesen und hatte dann auch Bock.

      Die Weckerapp heißt Alarmdroid, habe ich oben auch verlinkt.

  5. Warteschleifenmusik und rote Beete, Snooze Alarm und Terrorgefahr in Kanada, tankende Akuschrauber und Mandarinen zum Nachtisch. Danke für den Einblick in Deinen Alltag ! I love it 🙂
    LG und schönes WE!

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