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Ein Zuhause für den Oyo

10. Juli 2011

Meine Mama hat neuerdings einen eBook-Reader. Nun sind wir zwar alle miteinander große Fans von „echten“ Büchern. Allerdings ist vor allem meine Mutter eine sehr große Leserin, und gerade im Urlaub stößt man da ja schnell an seine Transportgrenzen! Daher wurde in diesem Jahr vor der Reise, die sie dieses Mal ganz allein angetreten hat (noch mehr Zeit zum Lesen!), ein Oyo angeschafft. Die Bücher dazu kann man kaufen, allerdings haben wir das (soweit ich weiß) noch nie gemacht. Denn die Stadtbibliotheken meiner und ihrer Stadt sind recht gut ausgestattet im eBook-Bereich. Eigentlich eine praktische Sache: Man muss nicht einmal hingehen und Strafe zahlen ist auch Geschichte, da sich das eBook nach 4 Wochen automatisch deaktiviert (gut, verlängern ist auch nicht drin, leider – aber man kann es sich zur Not ja noch einmal ausleihen).

Manche Leute stecken ja nicht einmal ein „echtes“ Buch lose in ihre Tasche. Zu denen gehören wir nun nicht (ein Buch ist ein Gebrauchsgegenstand und kein Kunstobjekt, und besonders geliebte Bücher sehen eben auch so aus), aber so ein eBook-Reader ist natürlich etwas anderes. Wenn man den mit Schlüssel & Co. in die Handtasche steckt, ist da schnell etwas kaputt. Die Taschen für den Oyo waren lange Zeit ausverkauft und meine Mama musste improvisieren. Jetzt nähe ich – und habe prompt einen Auftrag bekommen. 😉 Ich freu mich aber darüber. Hier ist das Ergebnis:

Es war ganz schön viel Hirnschmalz erforderlich für das Teil, denn ich hatte keinerlei Vorlage oder Anleitung. Prompt habe ich auch einen winzigkleinen Denkfehler eingebaut (den man aber auch als „Absicht“ deklarieren kann). Eigentlich sollte der Oyo nämlich komplett in die Tasche und die Lasche dann einfach nur darüber. Jetzt ist die Seite ein paar Zentimeter offen, aber ich denke nicht, dass das groß stört. Oder?

Innen ist der Oyo kuschelig-weich in Fleece eingepackt (die Tasche ist komplett gefüttert, sieht man auf dem Bild nicht so richtig), außen ein maritimer Ikea-Stoff und ein Webband, das direkt in Urlaubsstimmung versetzt. Es schließt mit Klettverschluss – ich hatte über Kam Snaps nachgedacht, aber der Druck, den man beim Schließen dann auch auf den Reader ausgeübt hätte, war mir doch suspekt, da ist der Klett wohl die bessere Lösung. Einen Tick zu groß ist das Täschchen auch geworden, aber ich hätte nicht so recht gewusst, wie ich das verhindern sollte. Es gefällt mir trotzdem sehr gut und meiner Mama hoffentlich auch. Jetzt darf ich den Reader aber erst mal ein paar Wochen ausprobieren! 🙂

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Rezensionshüpfer

Der Satz, bei dem mein Versuch, „Twilight“ toll zu finden, scheiterte

17. Mai 2011

Nachdem viele meiner Freundinnen mir davon vorgeschwärmt hatten, hatte ich vor, es doch endlich einmal mit „Twilight“ zu probieren. Beziehungsweise mit „Biss zum Morgengrauen“, denn das ist, wie der geneigte Leser weiß, der erste Band der Buchreihe. Das wusste ich ganz ohne Recherche, denn durch den Twilight-Hype konnte man solchen Infos kaum entgehen. Eigentlich weiß ich schon eine ganze Menge über Twilight und nichts von diesem Wissen hat mich bislang dazu gebracht, die Bücher zu lesen. Aber als dann am letzten Wochenende meine beste Freundin auch noch begeistert davon schwärmte, trieb es mich am Montag Abend in die Stadtbücherei und der erste Band wanderte in meine Tasche.

Ich war echt gespannt – kurzzeitig. Leider wurde mir nur allzuschnell klar, dass Twilight nicht so ganz der Hammer war, den ich erwartet hatte. Eigentlich sind die ersten 300 Seiten nur ein „Hach war er süß, gutaussehend, umwerfend“ von Bella und ein „Nein, das darf nicht sein, ich bin zu gefährlich“ von Edward. Na gut. Vielleicht wäre es spannender gewesen, wenn ich noch nicht gewusst hätte, dass Edward ein Vampir ist (upps… Jetzt hab ich’s verraten 😉 ). Aber ich fand die Geschichte unglaublich oberflächlich. Sie sehen sich und lieben sich. Hm. Soll vorkommen. Aber eigentlich liebt er sie ja gar nicht, sondern sie „riecht so gut“, und eigentlich liebt sie ihn auch nicht so richtig, denn er  wirkt als Vampir nun einmal „äußerlich attraktiv“ auf seine „Beute“, „genau wie Fleisch fressende Pflanzen“. Tja, dementsprechend tiefgründig sind auch die Gespräche der beiden – eigentlich sind sie eben einfach nur scharf aufeinander, tun aber so, als wären sie Seelenverwandte.

Jedenfalls war ich überzeugt davon, nicht zum Twilight-Fan zu mutieren, als ich den folgenden Satz auf Seite 208 las:

„Es war das größte Kompliment, das man seinem Gesicht machen konnte, dass es mich davon abhielt, seinen Körper anzustarren.“ Vielen Dank – ich bin raus. (Natürlich habe ich Band 1 noch zu Ende gelesen, aber das war es jetzt auch für mich!)

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Erlebt | Rezensionshüpfer

Der ganz große Traum

22. Februar 2011

Mein Held und ich hatten Kino-Freikarten ergattert: Gestern durften wir die Preview von „Der ganz große Traum“ besuchen. Da ich Daniel Brühl, der die Hauptrolle spielt, sehr gern mag, freute ich mich sehr darauf – zumal auch die Vorschau des Films überzeugend war.

Der Film „Der ganz große Traum“ trägt den Untertitel „Wie der Lehrer Konrad Koch den Fußball nach Deutschland brachte“ – und damit ist auch der Inhalt schon schön beschrieben. Lehrer Koch wird von Daniel Brühl gespielt, er ist noch jung und kommt im Jahr 1874 frisch aus England an ein Jungengymnasium in Braunschweig. An der altehrwürdigen Schule werden militärische Disziplin und Ordnung groß geschrieben, doch der Direktor hat auch neue Ideen und Erziehungsvorstellungen. Beispielsweise hat er einen Jungen aus der Arbeiterklasse aufgenommen. Sein neuester Plan: Englischunterricht. Für die Jungen ist das etwas völlig Neues, dem sie auch eher ablehnend gegenüberstehen, da sie im Geschichtsunterricht und in Völkerkunde nur Negatives über die Engländer gelernt haben. (Ich sag nur – frei aus dem Gedächtnis zitiert: „Wenn wir nach England kommen, brauchen wir Soldaten und Waffen und kein TH!“ – wie schreibt man Tie-Äitsch? ^^) Also ködert Koch sie mit Fußball. Auch da sind die Jungs eher skeptisch, aber schnell überzeugt. Der Förderverein der Schule hingegen ist mit den Erziehungsmethoden des jungen Lehrers überhaupt nicht einverstanden – und auch das Fußballspiel ist ihm ein Dorn im Auge. Die Jungen und ihr Lehrer kämpfen dafür, dass ihr Sport akzeptiert wird…

Eines vorweg: Der Film hat uns beiden sehr gut gefallen! Zwar war eigentlich von Anfang an absehbar, wie sich alles entwickelt. Der schüchterne, kleine Proletarier gegen den reichen, arroganten Klassensprecher mit der großen Klappe? Ratet mal, wie’s ausgeht. Der Dicke, der von seinem sportlichen Vater ausgelacht wird? Ratet mal, wer zuletzt lacht. Der Fußball……? Nun ja, schaut in den Sportteil der Zeitung und ihr wisst, wie’s ausgegangen ist. ABER trotzdem war der Film zu keinem Zeitpunkt langweilig. Im Gegenteil, ich habe sehr viel gelacht, ab und zu wurde man wütend und schüttelte den Kopf über die Sitten und Erziehungsmethoden der damaligen Zeit. Bei Fußballspielen habe ich mitgefiebert (ich fand es sehr enttäuschend, dass ich die einzige war, die nach einem Tor die Arme hochriss und jubelte – mein Held fand es wohl eher peinlich!) und am Ende des Films ging ein kollektives, enttäuschtes „Ooooh…“ durch den Saal.

Daniel Brühl überzeugt in der Rolle als junger, unkonventioneller Lehrer und wirkt für mich erwachsener als je zuvor (so ein leichtes Milchbubi-Image hat er ja immer noch ^^). Auch die Nebenrollen waren gut besetzt, wobei mir Axel Prahl als Vater des dicken Schricker besonders gut gefallen hat. Auch den Schulleiter, der vergebens versucht, seine neuen Ideen durchzusetzen fand ich toll: Burghart Klaussner (nie vorher gehört!) erinnerte mich an einen zerstreuten Professor, sehr passend. Justus von Dohányi als Gegenspieler des Lehrers Koch war auch super! Und erst die Jungs – für mich lauter unbekannte Gesichter, Theo Trebs, Adrian Benjamin Moore, Till Valentin Winter – sie alle sahen in ihrer perfekten Ausstattung so hundertprozentig aus wie Schuljungs im 19. Jahrhundert, das ich begeistert war. Überhaupt fand ich die liebevolle Ausstattung des Films toll, ich fühlte mich richtig ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzt.

Ich empfehle den Film auf jeden Fall – auch gerne Eltern mit (größeren) Kindern, er ist definitiv absolut jugendfrei und dürfte auch Kindern gut gefallen (welches Kind mag keine Filme, in denen Lehrern Streiche gespielt werden?). Er war sehr humorvoll, aber nicht platt, und auch wenn die Geschichte halbwegs vorhersehbar war (und ich das Ende etwas unrealistisch fand), war es trotzdem spannend und manchmal doch noch überraschend, diese Entwicklung zu beobachten. Klare Kino-Empfehlung von mir!

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Rezensionshüpfer

50 books to read before you die

5. Dezember 2009

Ich habe ein neues Lesezeichen – „50 books to read before you die“. Es ist richtig schick, aus Metall und darin sind dann die 50 Must-haves bzw. ja eher „Must-reads“ eingestanzt. Leider ist es, wie der Name schon sagt, ein englischsprachiges Lesezeichen, daher kommen auch keinerlei deutsche Autoren vor (außer Anne Frank). Aber wie auch immer, ich fand es interessant und werde mal sehen, ob ich diese fünfzig Bücher wirklich einmal alle gelesen haben werde.

Hier sind sie (die Titel übersetze ich mal lieber):

Der Herr der Ringe von J.R.R. Tolkien – habe ich natürlich gelesen, mehrfach und in verschiedenen Sprachen
1984 von George Orwell – kenne ich leider noch nicht, aber den Film kenne ich
Stolz und Vorurteil von Jane Austen – nee, kenn ich nicht
Früchte des Zorns von John Steinbeck – ich besitze es glaube ich sogar, aber gelesen – nöö… Könnte ich mal wieder rauskramen!
Wer die Nachtigall stört von Harper Lee – hatte ich neulich ausgeliehen aus der Bibliothek – und ungelesen zurückgebracht aus Zeitgründen
Jane Eyre von Charlotte Bronte – bislang keine Ambitionen in die Richtung gehabt
Sturmhöhe von Emily Bronte – dito
Auf der Suche nach Indien von E.M. Foster – davon habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört
Herr der Fliegen von William Golding – gehört, nicht gelesen
Hamlet von Shakespeare – in der Schule habe ich nur MacBeth gelesen, hat auch eigentlich gereicht 😉
An der Biegung des großes Flusses von V.S. Naipul – auch nie gehört, aber eben gegooglet, klang ganz spannend
Der große Gatsby von Scott F. Fitzgerald – steht auf meiner To-Read-List!
Der  Fänger im Roggen von J.D. Salinger – meine ich in dunkler Vergangenheit mal gelesen zu haben, hat aber offenbar keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen
Die Glasglocke von Sylvia Plath – nööö, nie gelesen
Schöne neue Welt von Aldous Huxley – würde ich wohl mal lesen wollen
Das Tagebuch der Anne Frank von Anne Frank – na, das habe ich natürlich gelesen, beeindruckender war aber allemal der Besuch im Anne-Frank-Haus in Amsterdam
Don Quixote von Miguel de Cervantes – nee, bislang noch nicht
Die Bibel – na, wer hat die schon komplett gelesen? Ich zähle sie mal als gelesen, da ich den Inhalt recht gut kenne  😉
The Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer – hmm, scheint es nicht mal auf Deutsch zu geben, macht mich misstrauisch  😉
Ulysses von James Joyce – kenn ich nur aus anderer Literatur bzw. aus dem Fernsehen als Beispiel für ein dickes, schweres, langweiliges Buch, nicht sehr reizvoll!
Der stille Amerikaner von Graham Greene – nöööö
Gesang vom großen Feuer von Sebastian Faulks – ein weiteres Buch, von dem ich nie gehört habe, was aber durchaus spannend klingt!
Gierig von Martin Amis – nie gehört!
Die Harry Potter-Serie von J.K. Rowling – juchuh, endlich wieder etwas, das ich gelesen habe und sehr schätze
Moby Dick von Hermann Melville – sollte ich wahrscheinlich mal
Der Wind in den Weiden von Kenneth Grahame – nö, bislang nicht
His Dark Materials-Trilogie von Philip  Pullman – „Der goldene Kompass“ und Co., steht ebenfalls bereits auf meiner Leseliste
Anna Karenina von Leo Tolstoi – die Russen haben mich bislang nie so gereizt 🙄
Alice im Wunderland von Lewis Carroll – nöö, da bin  ich raus
Rebecca von Daphne de Maurier – nie gehört, klingt gut
Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone von Mark Haddon – das habe ich gelesen, kann ich sehr weiterempfehlen!

Soooo, jetzt hab ich offen gestanden erst mal keine Lust mehr, die winzigen Titel auf dem Lesezeichen zu entziffern, die mir unbekannten Titel nach einer Übersetzung zu googlen und einen Kommentar dazu abgegeben, daher folgt demnächst Teil zwei. Aber sagt mir doch ruhig schon jetzt eure Meinung: Habe ich irgendeines der oben genannten Bücher unterschätzt und hätte es längst lesen sollen? Oder wird  eins davon gnadenlos ÜBERschätzt und hätte nie auf dieser Liste auftauchen dürfen? Was ist eure „Top 3“ der „Books to read before you die“?

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Rezensionshüpfer

Weihnachtsschmöker: Die Lebküchnerin von Sybille Schrödter

28. Oktober 2009

LebkuecherninDie junge Benedicta muss nach dem Tod ihres Vaters ins Kloster – gegen ihren Willen, weil ihre Stiefmutter es so möchte. Dort kann sie sich schlecht einfügen und sehnt sich weiter nach dem Leben außerhalb der Klostermauern. Sie freundet sich mit der Köchin Agnes an. Gemeinsam entwickeln sie ein Rezept für äußerst schmackhafte Lebkuchen, das auch bei den damit belieferten Mönchen sehr gut ankommt. Beinahe sieht es aus, als könnte Benedicta sich doch noch mit dem Klosterleben abfinden, zumal der Mann, den sie liebt, das Kloster verlässt und nie wiederkommen soll. Doch dann wird den beiden Unzucht vorgeworfen und sie müssen fliehen…

Nachdem Julian, der Fechtmeister, bei der Flucht schwer verletzt wird, schlagen sich Benedicta und Agnes allein durch. Dabei gilt es auf dem Weg zum Happy End für Benedicta viele Abenteuer zu bestehen. Das Buch ist gut und flüssig geschrieben, die Geschichte ist spannend – wenn auch stellenweise etwas kitschig und über-romantisch, wie z.B. Julian sich in Benedicta unsterblich verliebt, weil er in ihren Augen den Drang zur Freiheit erkennt, obwohl sie kaum miteinander geredet haben. Gefühle kommen und gehen schnell in diesem Roman. So ist Benedicta erst unsterblich in den einen, dann in den anderen verliebt, über diverse Todesfälle geht man schnell hinweg. Diverse Stolpersteine werden Benedicta in den Weg gelegt, doch alle können relativ problemlos beiseite geräumt werden. Das mutet manchmal etwas unwahrscheinlich an.

Fazit: Das Buch „Die Lebküchnerin“ von Sybille Schrödter zählt eher zur leichten Lektüre, lässt sich aber bei einem gemütlichen Lebkuchen auf dem Lesesessel mit Kuscheldecke hervorragend „weglesen“ und unterhält dabei durchaus. Auch wenn an vielen Stellen relativ schnell klar ist, wie es weitergeht, gibt es immer wieder kleinere Überraschungen (nie etwas außergewöhnliches, was die Story komplett umdrehen würde, aber trotzdem!). Ich vergebe drei von fünf Sternen.

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Pauline Gedge: Der Seher des Pharao

13. Oktober 2009

Der Seher des Pharao
Huy, der Sohn eines Bauern, ist vier Jahre alt, als er in die Klosterschule von Iunu geschickt wird. Sein reicher Onkel, der kinderlos ist, möchte für seine gute Ausbildung aufkommen. Huy ist ein verwöhntes Einzelkind, störrisch und daran gewöhnt, dass sich die Welt um ihn dreht. Mit der Zeit lebt er sich aber gut in der Schule ein, findet Freunde und ist ein sehr guter Schüler. Allerdings hat er auch einen Feind – und im Streit tötet dieser ihn versehentlich mit seinem Wurfholz, als beide 12 Jahre alt sind. Doch Huy stirbt nicht. Er verweilt zwar fünf Tage lang in der Welt der Toten – doch dann erwacht er wieder. Seine Welt verändert sich – seine Familie entfremdet sich von ihm, hat Angst. Auch als durch Exorzismus bewiesen wird, dass er nicht von bösen Dämonen besessen ist, wird es nicht wieder wie zuvor. Zudem hat Huy jetzt eine ganz besondere Gabe – er kann die Zukunft anderer Menschen sehen… Der Oberpriester in Iunu nimmt sich seiner an. Huy kann seine Ausbildung fortsetzen und darf bzw. muss außerdem das heilige Buch des Thot lesen…

Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben. Allerdings hat mich von Beginn an eines gestört: Das Buch wird aus Huys Sicht erzählt. Zu Beginn ist er vier Jahre alt, später (nach seiner Wiederauferstehung) zwölf. Seine Gedankenwelt und „innere Ausdrucksweise“, seine Überlegungen und Gefühle sind meiner Ansicht nach viel zu reif für einen Jungen seines Alters. Natürlich war das nötig, um die Geschichte sinnig und spannend zu erzählen, und vielleicht war Huy ja auch ein ungewöhnlicher Junge – trotzdem fand ich es manchmal wirklich übertrieben.

Ansonsten hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Personen sind greifbar und man kann sich gut in sie hineinversetzen, auch wenn man nicht alle gut leiden kann. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und sicher habe ich auch unbewusst das eine oder andere gelernt. Obwohl ich mich doch etwas gewundert habe über die Handlung. Aus anderen Rezensionen durfte ich jetzt erfahren, dass es sich wohl um eine Trilogie handelt (wie so häufig in letzter Zeit, das scheint sehr modern zu sein). Ich fände es schön, wenn so etwas auf einem Buch erwähnt würde. Erneut kam ich an das Ende eines Buches und fragte mich, wie denn jetzt noch alles aufgelöst werden soll. Thutmosis‘ und Ischats Zukunft, die Erkenntnis über das Buch des Thot, Huys Arbeit mit dem Pharao und am Palast – all das hätte mich wirklich noch interessiert und ich hatte auch erwartet, dass es noch angesprochen wird. Ich habe keine Probleme mit Trilogien oder Mehrteilern, aber ich hasse es, wenn sie so überraschend kommen!

Von mir vier von fünf Sternen für „Der Seher des Pharao“ von Pauline Gedge!

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Rezensionshüpfer

Florian Beckerhoff: Frau Ella

8. September 2009

Sascha, ein junger Mann, der als freier Mitarbeiter irgendwie damit beschäftigt ist, herauszufinden, was die Leute wollen, landet im Krankenhaus, nachdem er betrunken mit dem Fahrrad gestürzt ist und sich den Brillenbügel ins Auge gerammt ist. Im Krankenhaus ist er hauptsächlich damit beschäftigt, sich Tierfilme anzuschauen oder sich einen runterzuholen. Das charakterisiert auch schon im Grunde sein ganzes Leben, auch wenn noch eine verkorkste Beziehung und ein paar fröhlich-laute, alkoholtrinkende Freunde hinzukommen.

Frau Ella, 87 Jahre alt, landet im Krankenhaus, nachdem ihr Hausarzt sie dazu überredet hat, sich am Auge operieren zu lassen, und danach im Urlaub verschwunden ist. Sie ist seit etwa 20 Jahren Witwe, am liebsten sind ihr ihre Balkonblumen und eigentlich möchte sie gar nicht im Krankenhaus sein, sie hält es für überflüssig, sich in ihrem Alter noch operieren zu lassen.

Das Schicksal führt die beiden zusammen – sie landen in einem Zimmer. Nach kurzer Eingewöhnungszeit trinken sie gemeinsam einen Klosterfrau Melissengeist aus dem Zahnputzbecher und beschließen, dass die OP unter Vollnarkose für die alte Dame viel zu gefährlich ist. Als Frau Ella am nächsten Morgen trotzdem die erforderlichen Papiere unterschreibt, weil die Ärzte sie unter Medikamente gesetzt haben, entführt Sascha sie kurzerhand aus dem Krankenhaus in seine Wohnung. Und jetzt geht das Chaos erst richtig los…

Die Geschichte „Frau Ella“ von Florian Beckerhoff ist in angenehm-sympathischem Schreibstil erzählt und vermittelt einen spannenden Eindruck davon, was Menschen verschiedener Generationen übereinander denken, abwechselnd aus Saschas und Frau Ellas Perspektive geschrieben. Für mich war dabei vor allem Frau Ellas Sicht der Dinge interessant – die von Sascha kenne ich zur Genüge. Daher haben mich auch die Kapitel aus Frau Ellas Sicht mehr überzeugt. Manchmal war ich förmlich zu Tränen gerührt – wenn sie darüber sinniert, wieso die jungen Leute jetzt etwas beim Chinesen zu Essen holen, wo sie doch noch vor dem Krieg in der Hauswirtschaftschule gelernt hat, wie man einen richtig guten Krustenbraten (ohne Maggi!) zubereitet. Oder wenn sie beim Biertrinken darüber nachdenkt, dass sie seit dem Tod ihres Mannes kein Bier mehr getrunken hat. Sie blüht förmlich auf.

Die Erlebnisse von Frau Ella und Sascha werde ich hier nicht in aller Breite wiedergeben, aber das Buch hat mich auf jeden Fall sehr berührt und nachdenklich gemacht. Einen Stern Abzug gibt es für die manchmal unwahrscheinliche Story (neinnein, niemand ruft die Polizei, wenn man eine alte, verwirrte Dame im Nachthemd auf der Straße findet) und den exzessiven, völlig routinemäßigen Konsum von Alkohol („Möchten Sie Wein oder Bier, Frau Ella?“ – Wasser wird überbewertet?). Vier von fünf Sternen!

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