Rezensionshüpfer

Andere Länder, spannende Bücher

3. September 2015

In letzter Zeit habe ich viel gelesen, aber ich bin kaum dazu gekommen, euch auch mal wieder ein paar Bücher zu empfehlen. Deshalb habe ich heute gleich mehrere Exemplare mitgebracht – und zwar drei Bücher völlig unterschiedlicher Art, die nur eines gemeinsam haben: Sie entführen uns in andere Länder!

 

Den Anfang macht „Der Araber von morgen“ von Riad Sattouf. Der autobiografische Graphic Novel* illustriert die frühe Kindheit des Autors, Sohn eines Syrers und einer Franzosin. Dabei werden die Jahre 1978 bis 1984 dargestellt – eine Zeitspanne vor meiner Geburt und so kannte ich mich auch relativ wenig mit der Geschichte dieser Zeit aus. Riads Eltern lernen sich in Frankreich kennen, doch bald möchte sein Vater zurück in seine Heimat, den Nahen Osten. Frau und Kind kommen mit, es geht zunächst nach Libyen unter Gaddafi, später dann auch nach Syrien ins Heimatdorf des Vaters. Dabei geht es im Comic aber nicht (sehr) um politische Zusammenhänge – alles ist aus der Sicht des kleinen Riad dargestellt, der mit seinen blonden Locken bei den Erwachsenen gut ankommt, es bei den anderen Kindern jedoch schwer hat. Mit dem Rest der Familie bin ich allerdings nicht ganz warm geworden. Der Vater unsympathisch, begeistert von Diktatoren und Traditionen, die Mutter, die sich blass und still alles gefallen lässt und nur selten den Mund aufmacht. Erklärt wird wenig, wie auch dem vierjährigen Kind im Buch wenig erklärt wird. Insofern also passend und auch wirklich interessant – wer sich für kulturelle Unterschiede interessiert und nicht gleich einen meterdicken Roman lesen möchte, ist hier gut aufgehoben!

* Ich habe kürzlich gelernt, es hieße „die Graphic Novel“, aber das will mir nicht in den Kopf. „Novel“ heißt doch nichts anderes als „Roman“?

 

Eines meiner absoluten Jahreshighlights unter den Büchern ist auf jeden Fall „Ein Teelöffel Land und Meer“ von Dina Nayeri. Hinter dem wunderschönen Cover, das mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat, versteckt sich ein sanfter und zunächst etwas fremdartiger Roman aus dem Iran der 1980er Jahre. Es geht um zu Beginn elfjährige Saba, die als Tochter eines wohlhabenden Mannes in einem kleinen Dorf auf dem Land aufwächst. Doch ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab sind nicht bei ihnen. Saba weiß, dass die beiden in Amerika sind – im Iran ist die islamische Revolution ausgebrochen, doch die Flucht der ganzen Familie hat nicht geklappt. Oder ist etwas ganz anderes geschehen? Während Saba auf dem Dorf aufwächst, bleibt stets die Sehnsucht nach der Mutter und dem Zwilling in ihrem Herzen. Deren Leben in Amerika kann sie sich ganz genau vorstellen, und sie erzählt den Nachbarinnen und Freundinnen Geschichten über Mahtabs Leben in der Ferne. Geschichten spielen nämlich eine große Rolle im Dorfleben – was ist wahr, was ist gelogen? Saba wächst auf, verliebt sich, träumt, heiratet – ihr Leben ist real, manchmal viel zu real, wenn es um die Obrigkeit, um Vergewaltigung, um Religion, um Politik und um Liebe geht. Sie flieht in die Geschichten rund um ihre freiere Schwester, doch die tatsächliche Wahrheit um Mahtab bleibt lange Zeit ein Rätsel und diese Spannung ist wirklich gekonnt konstruiert – zwischen den beiden Theorien bin ich bis kurz vor Schluss immer hin- und hergeschwankt! Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in die fremde, iranische Welt konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen – ungewöhnlich, spannend, optimistisch, verträumt und dennoch historisch korrekt. Absolute Lese-Empfehlung für alle Romanfreunde!

 

„Kleiner Phoenix“ ist ebenfalls eine Autobiografie, aber wir begeben uns nun in einen anderen Teil der Welt – nach China. Jie Zhao ist in China unter Mao aufgewachsen. Dieser Teil der chinesischen Geschichte war mir (im Gegensatz zum Hintergrund der ersten beiden Bücher) nicht völlig fremd. Doch natürlich ist eine Autobiografie etwas völlig anderes als die Texte und Filme, die ich bisher kannte, denn hier geht es nicht um Mao, sondern um ein kleines Mädchen und seine Familie. Jie wächst bei der Großmutter auf, da ihre Eltern beide als Schauspieler (!) in der Armee tätig sind. Die politischen Entwicklungen der Kulturrevolution versteht sie zwar nicht wirklich – aber sie ist intelligent und begeisterungsfähig, und so glaubt sie ans System, durch das sie seit dem Kindergarten Schritt für Schritt indoktriniert wird, wird vorbildliche Rotgardistin und sogar Kompanieführerin. Die Ideologie überzeugt, obwohl sie oft überrascht ist, wenn plötzlich Nachbarn oder Lehrerinnen zu Verrätern erklärt und bestraft werden. Aber sie macht mit, denn selbstverständlich vertraut sie auf den „großen Vorsitzenden“. Erst nach vielen Jahren kommen ihr Zweifel, als sie zur „Umerziehung“ unter erbärmlichen Verhältnissen auf dem Land arbeiten muss und spätestens, als sie aus dem Ausland die Bilder vom Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Fernsehen sieht. Das Buch ist wirklich ein beeindruckendes Dokument und zeigt eindrücklich, wie der Alltag und das Aufwachsen junger Menschen in der damaligen Zeit tatsächlich war. Das Buch ist allerdings, das muss man auch sagen, ein echt „dicker Brocken“. So ein Leben passt nun einmal nicht auf 200 Seiten, und so habe ich wirklich lange an der über 700 Seiten langen Biografie gelesen. Es handelt sich eben um eine Autobiografie, keinen Roman mit extra konstruierten Spannungsbögen etc.! Das muss man schon mögen. Interessant ist es in jedem Fall, nicht nur aus geschichtlichen Gründen, sondern auch, um die Mentalität und Gebräuche des chinesischen Alltags kennen zu lernen. Hier gibt es übrigens noch ein interessantes Interview mit der Autorin. Allen Biografie-Freunden oder China-Interessierten empfehle ich dieses Buch!

Häufig tue ich mich schwer mit Büchern, die in völlig anderen Kulturkreisen spielen. Man muss sich wirklich darauf einlassen, aber dann ist es oft eine ganz besondere Erfahrung. Habt ihr vielleicht noch Buchtipps für mich, die in für uns ganz fremden Welten spielen?

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Goodbye Arschgeweih von Daniel Krause*

21. Juli 2015

Bevor ich euch heute einen Buchtipp geben kann, müsst ihr ein paar Dinge über mich wissen. Erstens: Ich bin ein Ratgeber-Typ. Ich springe auf Ratgeber sofort an, wenn sie „mein“ aktuelles Thema nur halbwegs behandeln. In meinem Bücherregal finden sich Bücher über Ernährung, über Fotografie, über die Steigerung der Kreativität, über den Umgang mit Geld, übers Aufräumen, übers Selbermachen, über Achtsamkeit, und sicher noch ein paar mehr. Diese Bücher stelle ich im Regelfall nach dem Kauf übrigens ungelesen ins Regal… Nur wenige davon sind komplett gelesen.

Zweitens: Ich träume von einem Tattoo. Seit einiger Zeit wird der Gedanke immer konkreter, ich grüble übers genaue Motiv, ich schaue mir tätowierte Menschen online an, ich google nach Adressen von Tattoostudios und bin mir zu 90% sicher.

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Ja, ich habe mir für das Bild was auf dem Arm gemalt. Nein, dass ist nicht das Tattoo, was ich haben möchte, zumindest nicht als erstes.

Wenn ihr das über mich wisst, werdet ihr verstehen, weshalb ich das Buch Goodbye Arschgeweih: Von der Kunst, beschissene Tätowierungen zu vermeiden haben musste. Obwohl ich Daniel Krause, der es geschrieben hat, überhaupt nicht kannte. Vielleicht hätte mich das auch eher abgeschreckt, denn alles, was ihn bekannt gemacht hat, interessiert mich leider nicht die Bohne: Er hatte eine Sendung bei DMAX, war Darsteller bei „Berlin Tag und Nacht“, und hat mittlerweile wohl ein Format im Frühstücksfernsehen bei Sat 1. Tut mir Leid – nicht meine Welt.

Macht aber gar nichts – auch wenn ich etwas skeptisch wurde, als ich das las und das Buch bereits vor mir lag. Doch keine Sorge: Krause schreibt wirklich sympathisch, amüsant und einfach nett. Auch wenn er gleich im ersten Kapitel versucht, mir den Zahn zu ziehen, mein erstes Tattoo müsse gleich auf den Unterarm. Ich fühlte mich etwas ertappt, als er dies als Trend ausmachte und Neulingen erst einmal davon abriet… 😉 Tatsächlich denke ich nun über eine andere Stelle nach (aber das letzte Wort ist noch nicht gefallen).

Das Buch behandelt sämtliche Themen, die einem zum Thema Tattoo so einfallen können. Zunächst gibt es einen kleinen Test, welcher „Tattoo-Typ“ man so ist. Bist du eher „Der Entschlossene“ oder „Der Kreative“? „Der Anspruchsvolle“ oder „Der Emotionale“? Anschließend gibt es Tipps zur Wahl des richtigen Tattoostudios (Worauf sollte ich beim Besuch achten, wenn ich mir das Studio vorher ansehe?), zum Umgang mit Schmerzen, zur Auswahl des Motivs und tatsächlich auch ein Kapitel zum Thema Tattoo-Entfernung. Zwischendurch wird das ganze unterlegt mit Anekdoten und Fakten aus dem Tätowier-Alltag. Und mit interessanten Infos – wusstet ihr beispielsweise, dass hierzulande überhaupt keine Richtlinien und Gesetze für Tattoostudios gelten? Tätowierer ist keine Berufsbezeichnung, jeder kann ein Studio eröffnen und eine Tätowiermaschine in seinem Badezimmer benutzen, wenn es ihm Spaß macht.

Zwischen all diesen Kapiteln kommen Freunde von Krause zu Wort. Juchuh, noch mehr Promis, die ich nicht kenne! 😉 Einzig Mark Benecke war mir halbwegs ein Begriff. Außerdem tauchen noch Pia Tillman, Ingo Kantorek, Hagen Stoll, Makani Terror und Judith van Hel auf – vielleicht sagt euch einer von den Namen ja was? Alle erzählen ihre persönliche Tattoo-Geschichte, ihre Tattoo-Sünden, was sie bereuen oder eben nicht.

Die große Frage ist natürlich: Hat mich das Buch nun weitergebracht? Diese kann ich mit einem klaren Jein beantworten. 😀 Das Kapitel zur Motivwahl hat mich am meisten interessiert, aber natürlich kann man hier nicht für jeden Leser ein passendes Motiv empfehlen. 😉 Stattdessen werden die verschiedenen Stilrichtungen erklärt, was auch interessant war. Die Tipps zur Wahl des Tattoostudios sowie dazu, wie man sich nach einer Tätowierung verhalten sollte, werde ich sicherlich noch anwenden, wenn es akut wird. Ansonsten muss ich – wie eingangs erwähnt – nun noch einmal genauer die Stelle überlegen, an der das Motiv meinen Körper zieren soll. Auch über meine Motivation für eine Tätowierung denke ich nach. Die Infos über Tattoo-Farben zum Thema Sicherheit etc. haben mich beruhigt, obwohl ich vorher gar nicht wusste, dass ich beunruhigt war.

Ansonsten hat mir das Buch glaube ich auch ein wenig die Angst genommen, überhaupt erst mal zu einem Tätowierer zu gehen. Denn auch wenn ich weiß, dass es vermutlich Quatsch ist: Irgendwas in mir drin denkt, wenn ich in ein Tattoostudio gehe und sage, was ich mir vorstelle, lachen die mich aus. Aber wie schreibt Krause so schön: „Auch wenn ich mittlerweile selbst zu 70% zutätowiert bin und aussehe wie ein bunter Taucheranzug, bin auch ich ohne Tattoos auf die Welt gekommen. Wir können also auf Augenhöhe sprechen, und es braucht sich keiner ausgeschlossen zu fühlen.“ Sprich: Jeder, der tätowiert ist, hat mal sein erstes Tattoo bekommen und vielleicht befürchtet, ausgelacht zu werden. Und sollte das tatsächlich passieren, bin ich offensichtlich an ein Arschloch geraten, von dem ich sowieso kein Tattoo haben möchte.

Jedenfalls habe ich mich von dem Buch auf jeden Fall gut unterhalten gefühlt und es komplett gelesen – was man nicht von jedem Ratgeber in meinem Bücherregal behaupten kann! („Schlank durch Achtsamkeit“, „Wie man gute Laune bekommt“ und den Finanzberater von Peter Zwegat *hüstel* habe ich neulich noch ungelesen bei Momox verkauft…) Daher kann ich es jedem, der über ein Tattoo nachliest und noch etwas unsicher ist, empfehlen.

Wie sieht das überhaupt aus bei euch? Habt ihr Tattoos? Warum – findet ihr es einfach schön, gab es einen persönlichen Anlass…? Wie lief eure Entscheidung auf dem Weg dorthin ab? Und könnt ihr mir einen Tätowierer in der Gegend besonders ans Herz legen? 😉


*Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag auf meine Anfrage hin kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung ist selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Wo steckst du, Bernadette? von Maria Semple*

6. Juli 2015

Bernadette Fox ist nicht die angenehmste Person auf Erden. Sie ist ungern unter Menschen, nicht immer freundlich, schimpft gern beim Autofahren und hilft nicht ehrenamtlich in der Schule ihrer Tochter mit. Aber sie ist auch eine geliebte Ehefrau und Mutter, die Humor und verrückte Ideen hat. Sie legt im stetigen Clinch mit den anderen Müttern an der Privatschule ihrer 15jährigen Tochter Bee, und für einen winzigen Stundenlohn leistet sie sich eine virtuelle Assistentin in Indien, die ihr Alltagsdinge abnimmt und von der ihr Mann nichts wissen darf. Zum Schuljahresabschluss will die Familie auf eine Kreuzfahrt in die Antarktis fahren – doch dann ist Bernadette plötzlich verschwunden…

Das BuchWo steckst du, Bernadette?“ von Maria Semple wurde mir zunächst von der besten Freundin empfohlen, die das ganze im „Book Club“ in Kanada auf dem Programm stehen hatte. Und ich kann verstehen, warum es ihr Spaß gemacht hat! Es handelt sich hier nämlich um keinen klassischen Roman, erzählt von einer Person. Zwar gibt es einen grundsätzlichen Erzähler: Bee, die Tochter der titelgebenden Bernadette. Doch die mischt sich eigentlich nur zwischenzeitlich ein.

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Zum Großteil besteht das Buch aus einzelnen Abschnitten: Emails, die Bernadette an Freunde geschrieben hat. Emails, die andere Mütter aus der Schule sich über Bernadette geschrieben haben. Emails von Bernadette an ihre indische Assistentin, die für 75 Cent in der Stunde alles organisiert, wofür Bernadette ansonsten unter Menschen gehen müsste. Berichte, Briefe, Akten, Erinnerungen – auf den ersten Blick wirkt vieles ganz zusammenhangslos, doch nach und nach ergibt sich ein immer deutlicheres Bild! Dabei steuert die Geschichte tatsächlich auf einen Höhepunkt zu, auch wenn es zunächst nicht so wirkt. Und dann wird es noch richtig spannend!

Mir hat die Lektüre auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, weil es mal etwas anderes war. Keine „schwere Kost“, klar – aber das möchte man ja im Urlaub vielleicht auch gar nicht unbedingt. Ich habe das Buch an einem entspannten Strandtag komplett geschafft (bzw. habe abends in der Badewanne den Rest gelesen) und mich herrlich unterhalten gefühlt. Manches Mal konnte ich laut auflachen, und auf jeden Fall habe ich mitgerätselt. Tatsächlich gibt es zum Schluss eine Auflösung, das ist ja auch nicht selbstverständlich bei solchen Themen. Wer also keine Bücher mit offenen Enden mag, kann hier ruhigen Gewissens zugreifen (mir persönlich hätte es „offen“ ja besser gefallen, aber nun gut, es hat dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan). „Wo steckst du, Bernadette?“ ist somit auf jeden Fall meine persönliche „leichte Lektüre des Sommers“, wenn ich ein Buch nominieren müsste!


*Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag auf meine Anfrage hin kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung ist selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

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Rezensionshüpfer

Neue Höhen und Tiefen des Lesealltags*

27. Mai 2015

In den letzten Wochen lagen immer mal wieder Bücher auf meinem Wohnzimmertisch, die ich absolut nicht weglegen konnte – aber auch eines, das ich nicht einmal zur Hälfte geschafft habe, weil es mich nicht fesseln konnte. Heute wollte ich euch mal wieder meine jüngste Lektüre vorstellen – ein Flop, ein Top, ein… Mop?

 

Top: „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau

Der Roman „Die Glücklichen“ von Kristine Bilkau fällt wohl in die Kategorie „Literatur“. Sonst ist das eher nicht so mein Fall, bei diesem Buch mache ich eine begeisterte Ausnahme. Sprachlich durchaus anspruchsvoll mit ellenlangen Sätzen, war der Roman trotzdem wunderbar zu lesen. Es geht um das Ehepaar Isabell und Georg, beide in den Dreißigern bzw. Anfang 40. Ihr Sohn Matti ist gerade ein Jahr alt, Isabell will wieder arbeiten gehen. Sie ist Cellistin, doch plötzlich klappt es mit dem Spielen nicht mehr so recht, ihre Hände zittern. Die Nerven? Gleichzeitig verliert Georg seinen Job bei einer Zeitung und langsam, aber sicher geraten die beiden in finanzielle Schwierigkeiten, unter denen auch ihre Ehe leidet. Wie soll es weitergehen? Ist ein anderes Leben vorstellbar? Es breitet sich eine Sprachlosigkeit aus zwischen den beiden, unausgesprochene Vorwürfe, einzig der gemeinsame Sohn hält sie zeitweise noch zusammen. Ich habe mich in den Beschreibungen sehr oft wiedergefunden, in diesem „präzise[n] Bild einer nervösen Generation, überreizt von dem Anspruch, ein Leben ohne Niederlagen zu führen“ (Klappentext). Keine leichte Lektüre, aber sehr lohnenswert.

 

Flop: „Stadt in Angst“ von John Matthews

Ich bin mir fast sicher, dass es an mir lag, dass mir „Stadt in Angst“ von John Matthews einfach nicht ans Herz wachsen wollte, denn das Buch hat bisher fast nur positive Rezensionen bekommen. Es geht in diesem historischen Krimi um Jack the Ripper, der sein Unwesen nach London nun im New York der 1890er Jahre fortsetzt. Ein New Yorker Cop soll den Fall gemeinsam mit einem britischen Kriminalanalytiker von Scotland Yard, der bereits in London den Ripper jagte, aufklären. Dabei fand ich es immer wieder erstaunlich, wie so ein Kriminalanalytiker vor 120 Jahren noch arbeiten musste. So lang ist das doch noch gar nicht her, und doch gab es nicht einmal die Möglichkeit, verschiedene Blutgruppen zu bestimmen. Faszinierend! Leider haben mich die beiden Detektive aber dennoch nicht in ihren Bann ziehen können, so dass ich das Buch irgendwann zur Seite legte, weil ich merkte, dass ich mich quälte. Daraus lerne ich: In Zukunft nur noch ausgewählte Krimis für mich. Aber verzagt nicht: Ich habe das Buch an Tüt weitergereicht, bekennender Krimi-Fan, sie weiß sicherlich mehr mit dem Roman anzufangen als ich! 😉

 

Familienwälzer: „Der erste Sohn“ von Philipp Meyer

„Der erste Sohn“ von Philipp Meyer ist ein amerikanisches Familienepos aus Texas, mit allem, was man sich da so vorstellen kann: Indianer, Cowboys, Mexikaner, Rinder, Öl, Hitze, Reichtum und Armut. Der Roman umspannt über 150 Jahre Familiengeschichte der McCulloughs. Erzählt wird dabei aus Sicht des Urgroßvaters Eli, der in seiner Jugend in den 1850er Jahren von Indianern entführt wird und viele Jahre bei ihnen verbringt, und der sich anschließend schwertut, sich wieder in die Gemeinschaft der Weißen einzufügen; des Großvaters Peter, der sensibler ist als seine Brüder, mit den rauhen Sitten nur schwer zurechtkommt und dem die Liebe wichtiger ist als der Aufstieg seiner Familie; und der Urenkelin Jeanne, die als Mädchen in einer männerdominierten Umgebung aufwächst und erst lernen muss, sich durchzusetzen. Dabei wechseln sich Perspektiven ebenso ab wie Zeitstränge, so dass man sich manches Mal gehörig konzentrieren muss, um mitzukommen. Zu Beginn musste ich regelmäßig an den Anfang blättern, wo ein Stammbaum der Familie hilft, die einzelnen Namen zuzuordnen. Die Geschichte ist wirklich spannend, aber eben auch teilweise etwas unübersichtlich und langatmig – einige Seiten weniger hätten dem 600-Seiten-Roman nicht geschadet. So aber lernen wir quasi zeitgleich mit der Familiensaga die Geschichte von Texas kennen. Ehrlich, brutal, spannend (vor allem die Zeit bei den Indianern), aber manchmal einfach einen Tick zu detailliert. Mit keinem der Protagonisten kann man sich so richtig identifizieren, dazu ist alles zu realistisch. Ich empfehle das Buch trotzdem allen, die keine Angst vor vielen Seiten haben und sich auch nur ein bisschen für amerikanische Geschichte (und Familiensagas) interessieren.

 


 

*Sponsored Post: Diese Bücher habe ich vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Meinung selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

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Geek | Rezensionshüpfer

Buchtipp: Besser als die Wirklichkeit von Jane McGonigal*

10. Mai 2015

Bei mir ist es Diablo 3. Ich habe das Spiel eigentlich schon längst durchgespielt. Aber dann kann man ja einen neuen Charakter anfangen. Oder mit dem alten, den man schon so schön ausgerüstet und hochgelevelt hat, noch mal von vorne beginnen. Oder im Abenteuer-Modus verschiedene Quests erfüllen oder Dungeons aufräumen. Es nimmt einfach kein Ende.

Über 500 Millionen Menschen weltweit spielen regelmäßig Videospiele. Jane McGonigal gehört auch dazu. Ihre Begeisterung führt soweit, dass sie ein Buch geschrieben hat. In Besser als die Wirklichkeit! will sie laut Untertitel erklären, „warum wir von Computerspielen profitieren und wie sie die Welt verändern“. Ein Sachbuch? Normalerweise nicht unbedingt mein Ding, aber hier hat mich schon das Titelbild direkt angesprochen. Und tatsächlich saß ich dann tagelang lesend auf dem Sofa, weil ich mich nicht losreißen konnte. Kompliment an Frau McGonigal, die es geschafft hat, mich mit einem Sachbuch so zu fesseln wie mit einem Roman!

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Warum Spiele uns glücklich machen

Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin die Welt von Gamern, und ich habe mich an vielen Stellen wiedererkannt, obwohl ich gar nicht so ein riesiger Spieler bin. Ich schalte äußerst selten die Konsole an, wenn der Held nicht da ist. Naja, mal abgesehen von Diablo 3 natürlich. 😉 Aber wir spielen gern gemeinsam, außerdem zocke ich auch gerne mal am Smartphone oder am Computer.

Zunächst einmal wird geklärt, was ein Spiel eigentlich ist und weshalb es uns Spaß macht. Klingt langweilig, war aber wirklich aufschlussreich. Was ist beispielsweise deiner Meinung nach das Gegenteil von Spielen? Laut der These von McGonigal ist es nicht Arbeit, wie man vielleicht meinen mag – sondern Depression. Spielen hingegen kann man sogar als Arbeit betrachten – „Ein Spiel zu spielen bedeutet, aus freien Stücken zu versuchen, unnötige Hindernisse zu überwinden“. Dabei bewegen wir uns in einem guten Spiel stets an der Obergrenze unserer Fähigkeiten, werden also herausgefordert, und stürzen auch mal ab – wollen es aber gleich wieder versuchen. Der Schwierigkeitsgrad steigt, sobald wir besser werden, damit uns nicht langweilig wird. Außerdem werden „alle unsere neurologischen und physiologischen Systeme, die dem menschlichen Glücksgefühl zugrunde liegen – sprich: die Aufmerksamkeits-, Belohnungs-, Motivations-, Gefühls- und Erinnerungszentren im Gehirn“ durch Spiele aktiviert. Wir erhalten lösbare (wenn auch schwierige) Aufgaben, und wenn wir diese erfüllt haben, werden wir belohnt und können mit dem nächsten Quest beginnen. Es gibt also jederzeit erreichbare Ziele, und es gibt gute Gründe, weshalb wir diese Ziele erreichen sollen. Gute Spiele sind also genau darauf ausgelegt, uns glücklich zu machen, indem sie uns fordern – ein Versprechen, was unsere tatsächliche Arbeit nicht halb so gut erfüllen kann.

Dabei ist es aber nicht nur von Belang, diese Ziele tatsächlich zu erreichen. Spiele, in denen wir sofort alles können und jede Aufgabe mit minimalem Aufwand lösen, langweilen uns bald. Während ich dies schreibe, sitzt der Held neben mir und spielt Dark Souls 2 auf der XBox – ein Spiel, das als überaus schwierig gilt. Unglaublich, wie oft ich den Helden hier schimpfen höre und das große, rote „Ihr seid gestorben“ auf dem Bildschirm erblicke. Trotzdem hört er nicht auf und spielt in jeder freien Minute. „Spiele bringen uns bei, trotz einer potenziellen Niederlage höchst optimistisch zu bleiben, und diese wichtige emotionale Stärke lässt sich auch im wahren Leben nutzen.“ Das ist dann auch der Grund, weshalb wir ein Spiel nicht ewig spielen: Irgendwann haben wir erreicht, was der Spieledesigner uns zu erreichen ermöglicht hat, und dann wird es langweilig.

Das Buch erklärt noch sehr viel mehr Gründe, weshalb Spiele uns glücklich machen – ich habe hier nur die für mich interessantesten herausgepickt. Unter anderen wird noch beschrieben, wie uns Spiele das Gefühl geben, ein Teil von etwas größerem zu sein oder wie wir dank Spielen stärkere soziale Bindungen eingehen (beispielsweise durch stellvertretenden Stolz und sogar durch „Trash Talk“, also Sticheleien).

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Die Wirklichkeit neu erfinden

Im zweiten Teil des Buchs geht es um sogenannte Alternate Reality Games (ARGs). Das klingt wilder, als es ist. Bei ARGs geht es im Grunde einfach nur darum, ein Spiel in die Wirklichkeit zu integrieren. Während wir bei Videospielen aus der Realität abtauchen in eine andere Welt, handelt es sich bei ARGs um „antieskapistische Spiele“. Sie sollen es ermöglichen, die Vorteile von Videospielen auch in der Wirklichkeit zu erzeugen, „mehr aus unserem echten Leben herauszuholen“ und uns im Alltag genauso engagiert einzusetzen wie in Videospielen.

Dementsprechen gibt es natürlich unglaublich viele Möglichkeiten, ARGs einzusetzen. Da gibt es beispielsweiseChore Wars„, bei dem die einzelnen Mitspieler Punkte für das Erledigen verschiedener Haushaltstätigkeiten erlangen können (der Held und ich haben das ca. 3 Wochen ausprobiert, es war zu Beginn wirklich enorm motivierend, ließ dann aber sehr schnell nach, weil man mit den dort erlangten Punkten irgendwie nichts anstellen kann). Andere ARGs versuchen beispielsweise, Depressionen zu bekämpfen oder alte und junge Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Oder das Bildungswesen zu revolutionieren, wie es eine Schule in New York City versucht: „Quest to Learn“ ist die erste spielebasierte Schule der Welt, in der die Schüler ihre Ausbildung als „Quest“ verfolgen, mit dem Ziel, aufzuleveln (= gute Noten bekommen), geheime Missionen zu erfüllen (= zusätzliche Aufgaben lösen) oder Bosslevel (= Abschlussprüfungen) zu überstehen. Wer wäre als Kind nicht gern auf so einer Schule gewesen?

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Wie Computerspiele die Welt verändern

Der letzte Teil des Buchs zeigt uns, an welchen Stellen Spiele bereits unsere Welt verändern und verbessern. Beispiel: Wikipedia. Ein Spiel? Für uns als Nutzer eher nicht. Wir nutzen Wikipedia als Lexikon, oder um in einer Diskussion schnell nachzuschauen, wer Recht hat. Als Spiel kann es aber für die Autorinnen und Autoren der Plattform gelten, weil sie sich freiwillig der Herausforderung stellen, das Wissen dort zusammenzutragen und aktuell zu halten. Dabei gibt es eine riesige Spielwelt (über 3 Millionen Artikel), eine klare Spielmechanik mit sofort sichtbaren Ergebnissen und verschiedenen Schwierigkeitsgraden (man kann über Quantenphysik genauso schreiben wie über den Tatort am vergangenen Abend), sowie eine gute Spielgemeinschaft unter den „Wikipedianern“. Über zehn Millionen „Spieler“ füllen Wikipedia weltweit – und verändern damit eindeutig die Welt dadurch, dass für viele Menschen der Zugriff auf Wissen enorm erleichtert wird.

Ein anderes Beispiel gab es im Jahr 2009 in Großbritannien: Es war bekannt geworden, dass Hunderte Parlamentsabgeordnete überhöhte oder falsche Spesen in Rechnung stellten und den Steuerzahler damit jährlich mehrere Zehntausend Pfund kosteten. Die Spesenanträge lagen jedoch nur als unsortierte Sammlung eingescannter Zahlungsbelege im Bildformat vor, die man nicht durchsuchen oder automatisiert analysieren konnte. Die Spesenanträge wurden der Öffentlichkeit freigegeben, aber es handelte sich um über eine Million Dateien – viel zu viel für einzelne Personen. Die Zeitung Guardian entwickelte daraufhin mit relativ geringem Aufwand ein Crowdsourcing-Spiel – jeder Bürger konnte sich anmelden und beliebig viele Dokumente prüfen. Wenn ihm etwas auffiel, was ihm verdächtig vorkam, drückte er einfach auf den Button „Untersuchen“. Somit wurde die Zahl der tatsächlich zu prüfenden Dokumente enorm verringert, denn die Experten konnten sich auf die als verdächtig gemeldeten Dokumente beschränken. Das Projekt war ein großer Erfolg – innerhalb von 3 Tagen waren bereits 170.000 Dokumente analysiert! Im Anschluss traten mindestens 28 Parlamentsmitglieder zurück, es wurden Strafverfahren gegen 4 Abgeordnete eingeleitet und neue Gesetze verabschiedet.

 

Fazit

Computerspiele können die Welt tatsächlich verändern, und sie tun es bereits! Videospiele als kindische Zeitverschwendung abzutun, ist daher an vielen Stellen zu kurz gedacht. Das Buch von Jane McGonigal zeigt dies anschaulich und stellt dabei insbesondere die Mechanismen von Computerspielen sehr gut dar. Der erste Teil von Besser als die Wirklichkeit hat mir daher auch am besten gefallen. Die weiteren Teile waren ebenfalls interessant und gut geschrieben, allerdings bin ich mit der Autorin nicht immer einer Meinung und war häufig der Ansicht, dass sie Spielen und ihrer Wirkung nun doch etwas zu viel zutraut. Nichtsdestotrotz hat sie auch anhand vieler Beispiele gezeigt, wie Spiele bereits jetzt Einfluss haben und dass ihre Thesen daher sicherlich nicht unberechtigt wird. (Allerdings hätte sie dazu nicht jedes ARG, das sie in ihrem Leben erfunden hat, detailliert vorstellen müssen. 😉 ) Das Buch war dennoch ein absolutes  Highlight in meinem bisherigen Lesejahr. Gamern sei es daher auf jeden Fall zu 100% ans Herz gelegt – aber auch für Nichtspieler eine interessante Lektüre, der ich 5 von 5 Sternen gebe!


* Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Begeisterung ist aber echt und die Meinung selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Wunder von Raquel J. Palacio

8. April 2015

„Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.“ Mit diesen Worten stellt sich die Hauptfigur von Wunder vor. Damit ist schon alles gesagt – und auch wieder gar nichts. August ist zehn Jahre alt, als er zum ersten Mal auf eine reguläre Schule gehen soll. Er hat das Treacher-Collins-Syndrom – es bewirkt, dass er sich schon im Kindesalter diverser Operationen unterziehen musste und dass er nun einmal anders aussieht als andere Kinder. Sehr viel anders.

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Das Buch von Raquel J. Palacio beschreibt im Grunde genommen nur das erste Schuljahr von August. Unter dieser Rahmenhandlung erzählt es aber von so viel mehr: von der Grausamkeit, zu der Kinder fähig sind; vom Einfluss, den Eltern auf ihre Kinder haben, im Guten wie im Schlechten; von Menschen, die sich weiterentwickeln können; von Freunden und Familie, die sich wünschen, alle anderen würden August auch als das ganz normale Kind, das er ist, sehen; von Mut, Solidarität, Akzeptanz und Freundschaft. Ein großer Teil der Geschichte ist aus Augusts Perspektive geschrieben, aber auch andere Personen – beispielsweise seine Schwester oder seine neuen Klassenkameraden – kommen kapitelweise zu Wort und schildern ihre Sicht der Dinge.

August ist dabei eine wirklich sympathische Persönlichkeit. Er hat Humor und gute Ideen, ist dabei aber ein ganz normaler Zehnjähriger, der das Leben manchmal falsch einschätzt, der Angst hat und sich über seine Eltern ärgern kann. Tatsächlich ist das Buch an manchen Stellen traurig, aber an viel mehr Stellen ist es wirklich lustig und hat mich zum lauten Lachen animiert! Es ist also kein rührseliger Schmalz, sondern eine erfrischend andere Geschichte, die aber auch – und das gehört definitiv dazu – ans Herz rührt.

Wunder“ ist ein Jugendbuch, ist aber definitiv auch eine Empfehlung für erwachsene Leser. Erhältlich ist es natürlich im Buchhandel vor Ort genauso wie online!

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Rezensionshüpfer

Buch- und Filmtipp: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

20. März 2015

Es ist jetzt schon vier Jahre her, dass ich ein Buch gelesen habe, das mir seither im Gedächtnis geblieben ist. Mein Leben ohne Gestern hat mich wirklich sehr beeindruckt. Der Roman schildert die Geschichte von Alice, hochintelligente Harvard-Professorin, die mit 50 unerwartet früh einsetzendes Alzheimer bekommt. Wirklich äußerst berührend, traurig und zum Nachdenken anregend. Umso gespannter war ich, als ich hörte, dass das Buch verfilmt werden sollte. Für „Still Alice“ (so der Originaltitel des Buchs und auch der Filmtitel) hat Julianne Moore dann sogar den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle bekommen!

Und natürlich musste ich diesen Film sehen! Und so waren die liebe Tüt und ich am vergangenen Dienstag in unserem kleinen Programmkino, dem einzigen Kino der Stadt, das diesen traurigen Film zeigte.

Ich muss sagen, das Buch hat mir noch deutlich besser gefallen, aber auch beim Film habe ich zahlreiche Tränen vergossen. Im Film wird im Grunde genommen die Geschichte des Buchs wiedergegeben. Was mir jedoch zu kurz gekommen ist, war die Innenwelt von Alice sowie die Kämpfe, die ihre Kinder mit sich selbst genauso wie mit ihren Eltern ausfechten. Auch das Ende war – ohne etwas vorwegnehmen zu wollen – im Buch auch meiner Erinnerung nach deutlich positiver als im Film. Dennoch ist der Film eine Empfehlung – die Schauspielleistung von Julianne Moore, Alec Baldwin (♥) und Kristen Stewart (!) waren wirklich eindrucksvoll und welche Verfilmung kommt schon an das Buch heran?

Hier noch einmal meine Rezension, zuerst veröffentlicht im Oktober 2011:

Alice ist 50 und erfolgreiche Harvard-Professorin. Auch ihr Mann John ist dort Professor. Die 3 Kinder sind inzwischen alle aus dem Haus, Alice geht gerne Laufen, liest Bücher und liebt ihre wissenschaftliche Arbeit mit Kollegen und Studenten über alles.

Das Buch beginnt damit, dass John seine Brille nicht findet – wie üblich. Alice ist genervt bis amüsiert, typisch Mann eben, nie finden die etwas. Doch dann erinnert sie sich daran, wie sie selbst neulich das Ladegerät für ihr Blackberry verlegt hat – sie hatte schließlich ein neues gekauft, nur um das alte abends an seinem gewohnten Platz in der Steckdose zu finden.

So geht es los, und es wird nicht besser. Alice fallen plötzlich einfache Wörter nicht mehr ein, und beim Laufen findet sie den Heimweg nicht mehr, obwohl sie genau benennen kann, wo sie gerade ist. Sie schiebt es auf die Wechseljahre und geht erst zum Arzt, als es nicht besser wird und sogar vergisst, zu einem Seminar zu fliegen. Die niederschmetternde Diagnose: Alice hat Alzheimer, eine früh einsetzende Form der schrecklichen Krankheit.

In der Folge muss nicht nur sie mit dem Verlust ihres Gedächtnisses leben, sondern auch ihr Ehemann, ihre drei Kinder und ihre Arbeitskollegen und Studenten. Denn obwohl sie die Krankheit vor letzteren zunächst verbirgt, ist es doch offensichtlich, dass sie nicht mehr unterrichten kann. Ihrem Mann, John, selbst ja Wissenschaftler und äußerst intelligent, fällt es sehr schwer, seine Frau so zu sehen – er sucht fieberhaft nach neuen Behandlungsmethoden. Die Kinder wissen nicht, ob sie die Krankheit geerbt haben (und treffen unterschiedliche Entscheidungen). Und Alice selbst hat das Gefühl, den Verstand zu verlieren, wenn sie die Toilette im eigenen Haus nicht mehr findet, den Blackberry ins Tiefkühlfach legt oder das Thema der Vorlesung vergisst, auf die sie sich gerade eine Stunde vorbereitet hat. Sie weiß – das ist erst der Anfang. Eines Tages wird sie vergessen, wer ihr Mann ist, wird sie ihre Kinder nicht mehr erkennen – ja, wird sie sich selbst vergessen.

Das Buch habe ich mir nur wegen der guten Rezensionen bei Amazon ausgesucht. Das klappt nicht immer, aber irgendwie muss man ja in der Bibliothek aus den Hunderten von Exemplaren etwas heraussuchen. Dieses hier war ein Treffer. Es ist nicht hochliterarisch geschrieben und hätte es ein anderes Thema behandelt, wäre ich sicher nicht so gefesselt gewesen. So aber habe ich wirklich Rotz und Wasser geheult (gut, ich war sowieso angeschlagen). Die Vorstellung, plötzlich nicht mehr zu wissen, wer man ist, und so vieles nicht mehr zu wissen, von dem man aber wiederum noch weiß, dass man es wissen müsste… Schrecklich, wirklich fürchterlich!

Das Buch war perfekt passend nüchtern geschrieben. Und vor allem: Es ist durchgehend aus Alice‘ Sicht geschrieben. So werden ihre Handlungen, die den anderen Menschen wirr erscheinen, für den Leser völlig nachvollziehbar. Da gibt sie einen wissenschaftlichen Rat, der anerkannt wird – sie ist stolz auf sich und denkt sich, so schlimm kann es doch gar nicht um mich stehen, auch wenn ich Alzheimer habe, kann ich immer noch logisch und analytisch denken. Und wenige Minuten später gibt sie den selben Rat noch einmal und ärgert sich darüber, dass sie nicht richtig ernst genommen wird (niemand macht sich Notizen etc.) – obwohl sie doch noch immer logisch und analytisch denken kann und ihr Rat ganz offenbar richtig ist. Diese Perspektive hat mir sehr gut gefallen, denn sie zeigte, dass es nicht nur für das Umfeld des Menschen schwer ist, sondern dass es auch für den Patienten selber unglaublich schwierig ist, zu verstehen, was da gerade passiert. Es erklärt damit meiner Ansicht nach auch, wieso Alzheimer-Patienten häufiger aggressiv werden. Aus ihrer Perspektive sind nicht sie die „Komischen“ – sondern die anderen.

Die Geschichte von Alice‘ Kampf gegen die Krankheit (sie will nicht aufgeben, sie hat sich sogar einen Plan dafür zurechtgelegt, was passiert, wenn sie sich an bestimmte Dinge wie die Anzahl ihrer Kinder nicht mehr erinnern kann) hat mich berührt und beeindruckt. Also spreche ich hier gerne eine Lese-Empfehlung aus für alle, die sich für menschliche Schicksale interessieren. Wirklich viel „Handlung“ hat das Buch nicht, es beschreibt den ganz normalen Alltag, der nicht mehr normal sein kann. Ich habe es an einem Abend durchgelesen und konnte nicht ins Bett gehen, bis es zu Ende war. Danach habe ich mich ganz komisch gefühlt und alles um mich herum mit ganz anderen Augen betrachtet. Ich musste meine Teetasse noch in die Spülmaschine stellen – was, wenn ich eines Tages nicht mehr weiß, wo die Spülmaschine ist? Oder wenn ich morgens aufwache und keine Ahnung habe, wo ich bin? Gruselig…

Sehr bezeichnend fand ich einen Satz von Alice, als es schon ziemlich schlimm war mit der Krankheit: „Ich vermisse mich“. Sehr traurig. Fünf Sterne von mir.

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Wildwood von Colin Meloy

7. März 2015

Ein kleines Geständnis: Wenn ich in einem Wald unterwegs bin, stelle ich mir gerne vor, ich wäre in Mittelerde. Im Herbst, wenn sich die Blätter goldgelb verfärben, bin ich in Lothlorien; wenn Schnee liegt, bin ich gedanklich auch gerne mal in Westeros oder in irgendeiner anderen Fantasy-Welt, die mir im Kopf rumspukt. Demnächst bin ich dann vielleicht in der Undurchdringlichen Wildnis – im „Wildwood“! Dieses Buch von Colin Meloy hat mir nämlich sehr gut gefallen.

 

Die Story

Jedes Kind (und jeder Erwachsene) in Portland kennt die „Undurchdringliche Wildnis“. Der Wald liegt vor der Stadt und ist sogar in den Karten als „U.W.“ eingezeichnet. Niemand geht dorthin – die Menschen kommen gar nicht auf die Idee. Doch eines Tages, als die 12jährige Prue auf ihren kleinen Bruder aufpasst, geschieht unglaubliches: Ein Schwarm Krähen taucht auf, greift sich den kleinen Mac und fliegt mit ihm davon!

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Natürlich flitzt Prue auf ihrem Fahrrad hinterher, so schnell sie kann – am Ende kann sie Mac und die Vögel aber nur noch im Wald verschwinden sehen. In der undurchdringlichen Wildnis! Aber Mac ist ihr Bruder, noch ein Baby, und sie kann ihn schließlich nicht seinem Schicksal überlassen. Als sie die Verfolgung aufnimmt, entdeckt sie, dass sich im Wald eine unbekannte Welt versteckt. Eine Kojoten-Armee gibt es da ebenso wie eine böse Hexe, einen Uhu-Prinzen oder eine hilfreiche, clevere Ratte. Zusammen mit ihrem Klassenkameraden Curtis, der sich ihr unterwegs angeschlossen hat, macht sich Prue auf die Suche nach ihrem kleinen Bruder und stellt fest, dass es nicht so einfach ist, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie geraten in den Krieg zwischen dem Nordwald und dem Südwald, und bald müssen sie sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Aber natürlich spielen nicht alle Waldbewohner mit offenen Karten…

 

Meine Meinung

Die Welt von Wildwood ist detailliert, teilweise skurril und amüsant, aber auch oft richtig ernst (Ja, es ist eine Kojoten-Armee. Ja, das klingt lustig. Das kann aber auch richtig böse werden!). Prue und Curtis sind zwei eigenständige Kinder, die sich im Laufe des Buchs weiterentwickeln und überraschen können. Das gefiel mir sehr gut, denn ich mag nichts weniger als stures Schwarz-Weiß-Denken und vorhersehbare Charaktere! Aber auch die Nebenfiguren überzeugen, sind aber schon deutlicher in schwarz-weiß bzw. gut und böse eingeteilt. Nur bei einigen gibt es eine Entwicklung bzw. man kann sie nicht direkt durchschauen.

Nicht nur inhaltlich hat mir das Buch gut gefallen – es sieht dabei auch noch super aus! Die Illustrationen von Carson Ellis (die Ehefrau des Autors) passen super zur Geschichte. Zusätzlich gibt es Karten (Bücher mit Kartenmaterial muss man einfach lieben, oder?), auf denen die einzelnen Ortschaften in Wildwood dargestellt sind. Das englische Buch hat außerdem noch einen „rauen Buchschnitt“ (Rough Cut), die Buchseiten wirken also am Rand ausgefranst oder wie herausgerissen. Tatsächlich hat mich dieses Merkmal des Buchs erst dazu gebracht, es in der Buchhandlung in die Hand zu nehmen – es sieht einfach total cool aus!

colin-meloy-wildwood-rough-cut

„Wildwood“ ist der erste Teil einer Trilogie. Die Geschichte ist aber erst einmal abgeschlossen, so dass ich die weiteren Teile bislang noch nicht gelesen habe. Das mag ich sehr gern, denn so kann man erst einmal nur einen Teil lesen und ist nicht so gezwungen, direkt danach die weiteren zu lesen, weil es im Grunde nur ein sehr langes Buch ist. Ich freue mich aber schon darauf, die weiteren Teile zu genießen!

Wildwood von Colin Meloy: deutsche Ausgabeenglische Ausgabe

P.S.: Kennt ihr die Band „The Decemberists“? Colin Meloy, der Autor von Wildwood, ist dort Sänger!

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Rezensionshüpfer

Bücher schenken leicht gemacht – meine Buchtipps im Jahr 2014

18. Dezember 2014

Ihr Lieben, braucht ihr noch dringend Last-Minute-Weihnachtsgeschenke? Bücher passen immer! Wie wäre es also mit der passenden Lektüre für den Liebsten, die Mama, die Patentante oder den Mini-Neffen? Hier findet ihr meine Buch-Highlights des Jahres – fein säuberlich sortiert nach Zielgruppe, damit ihr auch wisst, welches Buch unter welchen Baum gehört.

 

Für die Mama, den Downton Abbey-Fan oder die England-begeisterte Cousine

Eine Klasse für sich von Julian Fellowes. Fellowes ist auch der Drehbuchautor von Downton Abbey – auch in diesem Roman dreht sich alles um das Leben im englischen Adel und der Upperclass. Der Erzähler des Buchs muss in seine Vergangenheit tauchen, um einem alten Freund, der inzwischen zum Feind geworden ist, zu helfen. Dadurch verbinden sich geschickt Erinnerungen aus dem 1960er Jahren mit dem heutigen Zeitalter. Die Handlung ist nett, aber faszinierender ist die treffende und manchmal spitze Beschreibung der Personen und ihrer „Leichen im Keller“.

 

Für den reisebegeisterten Bruder oder die abenteuerlustige Freundin

Mit dem Kühlschrank durch Irland von Tony Hawks. Eine wahre Geschichte und eigentlich schon ein Klassiker (aus dem Jahr 2000). Tony Hawks wettet, dass er mit einem Kühlschrank an seiner Seite durch Irland reisen kann – und das per Anhalter. Nun ist Tony ein fröhlicher Kerl, und so gerät seine Reise zu einem Trip von Pub zu Pub, auf dem er die Menschen manchmal besser kennenlernt, als ihm lieb ist!

 

Für den Mini-Neffen, das Patenkind oder die kleine Nachbarin

Piep, Piep, Piep: Das Buch der Geräusche„. Was aussieht wie ein langweiliges und stinknormales Geräusche-Buch für kleine Kinder, ist ein wirklich lustiger, stabiler und vor allem dicker (über 100 Seiten!) Zeitvertreib. Den Zeichenstil muss man vielleicht mögen, aber ansonsten werden auch die Eltern beim Vorlesen Spaß haben. Die ersten hundert Male jedenfalls, aber danach wird jedes Buch grenzwertig. 😉 Auf jeder Seite ist ein Objekt (oder Tier, etc.) abgebildet, auf der anderen Seite steht dann das zugehörige Geräusch: „Der Esel macht i-Aaah“. Aber eben auch „Die Steckdose macht NEIN!“ oder „Die Schnecke macht gar nichts, bewegt aber elegant ihre Fühler“. Wir haben es dem Neffen zum 1. Geburtstag geschenkt und er liebt es. Und wer ihn fragt, wie die Schnecke macht, der kriegt sich elegant bewegende Finger-„Fühler“ zu sehen. Hach!

 

Für den Teenie, der seine Facebook-Privatsphäreneinstellungen endlich mal anpassen soll

Little Brother von Cory Doctorow. Eine wirklich spannende Geschichte über einen jugendlichen Helden, der den Überwachungsstaat, zu dem die USA nach einem Terroranschlag nach und nach geworden ist, bekämpft. Viel Wissen über Datenschutz, Privatsphäre und „Ich hab doch nichts zu verbergen“. Und dabei absolut korrekt und aktuell von der technischen Seite – Cory Doctorow weiß, wovon er schreibt. Jetzt noch schnell kaufen, in einigen Jahren wird das Buch wohl veraltet sein. Hier könnt ihr übrigens meine ausführliche Rezension zu dem Buch lesen, das man auch als Erwachsener noch sehr gut lesen kann.

 

Für den Papa, den geschichtsinteressierten Freund oder die Kollegin mit dem schwarzen Humor

Mr. Chartwell“ von Rebecca Hunt. Mister Chartwell ist ein großer, schwarzer und an sich ausgesprochen unangenehmer Hund. Er möchte zur Untermiete bei der jungen Esther einziehen, und irgendwie kann sie nicht ablehnen. Beruflich ist er den ganzen Tag bei Winston Churchill zu Besuch… Irgendwann kreuzen sich Esthers und Churchills Wege. Winston Churchill hat seine Depressionen als „schwarzen Hund“ bezeichnet und so ist dieses Buch auch nicht wörtlich zu verstehen. Trotz des ernsten Themas eine Geschichte mit typisch britischem Humor und skurrilen Ideen.

 

Als Mitbringsel zum Weihnachtsessen

Oberst von Huhn bittet zu Tisch – Speisekartendeutsch für Anfänger. Axel Hacke kennt ihr vielleicht schon vom „weißen Neger Wumbaba“ und den Handbüchern des Verhörens. Ich finde ihn urkomisch, und während die falsch übersetzten Speisekarten vielleicht an sich gar nicht besonders witzig wären, lache ich mich jedes Mal schlapp über Axel Hackes wunderbare Kommentare dazu.

 

Da ist doch bestimmt auch für eure Weihnachtseinkäufe noch DAS Buch dabei, das ihr noch gesucht habt – oder? Was waren eure Buch-Highlights des Jahres?

Übrigens: Die Links sind Amazon-Partnerlinks. Aber vielleicht überlegt ihr mal, ob ihr eure Bücher nicht lieber bei Buch7 bestellen möchtet. Die Seite versendet genauso schnell wie Amazon, Bücher sind auch hier versandkostenfrei – aber 75% des Gewinns wird an soziale, kulturelle und ökologische Projekte gespendet. Und da Amazon in den nächsten Tagen ja auch noch bestreikt werden soll, ist das vielleicht sogar die zuverlässigere Alternative?

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Rezensionshüpfer

Buchtipp: Trix Solier von Sergej Lukianenko

4. November 2014

Schon im Urlaub habe ich Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel“ von Sergej Lukianenko gelesen und war begeistert! Da der Held es ebenfalls gut fand und sogar mein Papa das Buch verschlungen hat, wird es endlich einmal Zeit für eine Buchvorstellung. Ich kann euch gleich sagen: Wenn ihr humorvolle Fantasygeschichten a la Terry Pratchett oder Walter Moers mögt, dann legt euch dieses Buch zu. Denn die Geschichte hat alles: Abenteuer! Magie! Zauberwesen! Edelleute und Prinzessinnen! Und alles versehen mit einer ordentlichen Dosis Spannung, aber vor allem: Humor.

Unser Titelheld, der junge Trix, ist der Erbe eines Herzogtums (genauer gesagt: der Erbe eines Co-Herzogtums, denn so einfach ist das alles nicht in seiner Welt) und langweilt sich fürchterlich. Doch dann wird er plötzlich das Opfer eines Putsches und findet sich auf der Flucht wieder. Natürlich schwört er auf Rache! Aber das ist nicht so einfach, wenn man erst 14 Jahre alt ist, als junger Adliger bisher nicht besonders viele lebenspraktische Fähigkeiten gelernt hat und mit keinerlei Möglichkeit ausgestattet ist, zu beweisen, dass man tatsächlich der echte Trix Solier ist. Nach einigen Abenteuern beginnt er schließlich eine Zaubererlehre beim großen Zauberer Radion Sauerampfer. Und als er plötzlich durch einen Zufall erfährt, dass die Prinzessin Tiana zur Zwangsheirat auf die Kristallenen Inseln entführt werden soll, beschließt er, sie auf jeden Fall zu retten …

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So erleben wir also mit Trix diverse Abenteuer und lernen märchenhafte Figuren kennen – den lustigen kleinen Klaro, die etwas verwirrte und meist nicht besonders hilfreiche Fee Annette (die es immer nur gut meint), natürlich den großen Zauberer Sauerampfer, die edle Prinzessin und sogar den einen oder anderen minderbemittelten Minotaurus. Dabei werden zahlreiche sarkastische und äußerst amüsante Anspielungen auf die heutige Zeit gemacht. Diese Ebene wird Kindern bei dem Buch wohl entgehen, Erwachsene genießen sie umso mehr! Neben dem großartigen Humor wartet der Roman auch mit neuen Ideen auf, was ja bei Fantasy immer sehr erfreulich ist. Die Methode, nach der hier die Magie funktioniert, ist ausgeklügelt, stimmig und mir dabei vollkommen neu!

In einem zweiten Teil taucht unser Held übrigens erneut auf: Trix Solier – Odysee im Orient heißt der nächste Band, der bereits bei uns im Regal steht und ungeduldig darauf wartet, dass er endlich an der Reihe ist.

Auf das Buch bin ich übrigens in der Münsteraner Buchhandlung meines Vertrauens (lediglich für Bilderbücher habe ich eine andere – beide sind uneingeschränkt empfehlenswert!) gestoßen, als ich nach einem Geschenk für den Helden suchte. Die Beratung war wirklich exzellent und bisher war jede Buchempfehlung der netten Mitarbeiterinnen ein Volltreffer! Ich gehe einfach mit ein paar Favoriten des zu Beschenkenden hin und bekomme etwas in die Hand, von dem ich vorher noch nie gehört habe (der Beschenkte auch nicht – perfekt!) und das großartig ist! Also, Leute: Geht mehr in Buchhandlungen!

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