Kategorie Archive: Geek

Der Batman-Schrank – ein Upcycling-Projekt für Geeks

In unserer neuen Wohnung – die ich immer noch neue Wohnung nenne, obwohl wir mittlerweile seit zehn Monaten hier wohnen – gab es eine Ecke, die irgendwie übrig war. Eine Nische in der Küche, neben dem Kühlschrank. Relativ breit und tief, aber darüber eine Schräge. Nach unserem Einzug standen dort mehrere Möbel, die aber alle a) kaum zur Küche passten und b) in der Zwischenzeit anderswo einen besseren Platz finden konnten. Klar war, der Platz konnte nicht leer bleiben, denn wir brauchten den Stauraum.

Wir machten uns also auf die Suche nach einer Lösung. Besuche in Baumärkten und Möbelhäusern brachten Ideen, aber irgendwie war nichts wirklich perfekt. Bis uns eines Tages die Nachricht meiner Schwiegereltern erreichte, die nach uns umzogen. Bei ihnen war eine Kommode übrig – ob wir die gebrauchen könnten?

Die Maße waren perfekt – die Optik war nicht ganz so toll in unserer Küche. Das helle Holz passte nicht zur Küche in weiß mit dunkelbraun. Aber da ließe sich doch was machen, oder? Ganz tief im Hinterkopf hatte ich da einen Blogartikel, den ich vor Jahren mal gelesen hatte. Eine kurze – na gut, offen gestanden etwas längere – Google-Suche brachte ihn zu Tage: Ein DIY-Buffet mit The Walking Dead-Theme. Die Grundidee stand, das Thema war auch schnell gefunden: Batman!

Der Plan war nach einiger Recherche dann ein etwas anderer als im Inspirationsbeitrag. Die Kommode wollten wir weiß streichen, die Deckelplatte schwarz – und die Milchglasscheiben in den Türen und Schubladen sollten den gewünschten Comic-Look erhalten. Dafür mussten wir erst einmal alles auseinandernehmen. Glücklicherweise ließen sich alle Glasscheiben herausnehmen! Das machte die Sache erheblich leichter. Als erstes mussten wir alle Holzteile gründlich abschleifen. Da wir beide bei solchen Projekten unglaublich ungeduldige Menschen sind, die am liebsten sofort loslegen (das Abschleifen haben wir an einem Freitagabend direkt nach der Arbeit gemacht, nachdem wir die Kommode abgeholt hatten), ist aus diesem Stadium auch das erste Bild des Möbelstücks. Akzeptiert dies bitte als “Vorher-Bild”, auch wenn wir schon angefangen haben:

Ihr seht: Es passt super in die Ecke und der Stauraum wird schon allein für die Mikrowelle so dringend benötigt, dass es schon in den Zwischenschritten der Baustelle zugeräumt wird. 😉

Als nächstes war das Lackieren dran. Es ging erstaunlich gut. Ich rechnete eigentlich damit, dass wir mindestens 3 Lagen bräuchten, aber zwei Schichten haben tatsächlich ausgereicht. Es dauerte trotzdem einige Zeit, schon allein dank der Schubladen und Türen. Das Hauptgestell war dagegen schnell fertig. Hochprofessionell im Nähzimmer (es war Januar!) auf zwei Wasserkisten.

Jetzt begann der spaßige Teil! Erst mal der, bei dem ich nur am Computer sitzen und googeln musste. Danach kam der nicht ganz so spaßige Teil, bei dem wir nicht nur drucken, sondern insbesondere ausschneiden mussten… Eine etwas eintönige Arbeit.

Eine der Schubladen-Scheiben, die deutlich kleiner als die in den Türen sind, durfte derweil als Testobjekt herhalten:

Im Bastelschrank hatte ich noch seidenmatten Decoupage-Kleber, von dem ich vor Ewigkeiten ungefähr drei Tropfen für ein Projekt gebraucht hatte. Ich übte ein bisschen, bis sich folgende Technik als optimal herausstellte: Die Scheibe großzügig mit Kleber einpinseln, den Comic darauf andrücken und von oben mit noch mehr Kleber bepinseln, bis er völlig durchweicht ist. Dann gründlich trocknen lassen – es verschwindet dann auch wieder der bläuliche Schimmer, der uns erst etwas beunruhigt hatte.

Es stellte sich heraus, dass auf eine Schubladenscheibe exakt zwei klassische Batman-Comicstrips übereinander passen. So erzählt jede Schublade eine kleine Geschichte – allerdings ohne Zusammenhang und ohne Anfang und Ende, man kann nicht alles haben. 😉

Auf den beiden Türen haben wir uns dann ausgetobt und auch ganzseitige Comics verarbeitet. Dadurch wird es insgesamt unruhiger, aber das gefällt mir sehr gut. Auf der rechten Tür sind etwas ältere und im Format immer noch klassischere Comics, auf der linken Tür wird es noch wilder. Da dort der Joker ein recht großes Bild einnimmt, ist das rechte Fach jetzt das “Joker-Fach”, wenn wir darüber reden – auch nicht unpraktisch (Wohin gehört das? – Ins Joker-Fach!). 😉

Der Deckel, der auf Anregen des Helden schwarz lackiert wurde, wurde leider nicht so gut. Die Oberfläche wurde einfach nicht richtig glatt. Aber wir sind ja improvisationsbereit. Und so bestellten wir einfach im gleichen Shop, der schon die Rückwand für unsere Küche (hinter Spüle und Herd) geliefert hatte, eine schwarze Glasplatte, die seither auf der Kommode liegt. Sieht hübsch aus, funktioniert einwandfrei und hat nicht die Welt gekostet – perfekt! Außerdem spiegelt es hübsch die Batman-Lampe (die nach ihrem unglückseligen Ableben beim Umzug zu Weihnachten durch meine Eltern wieder ersetzt wurde, yay!):

Auf den Schubladen sind jetzt wie gesagt die ganz alten Comics, die für uns heute ja doch oft eher zum Schmunzeln anmuten:

Im Vergleich dazu die moderneren Details – im Format nicht mehr so festgelegt, deutlich erwachsener und “cooler”:

Die schwiegerelterliche Kommode ist jedenfalls nicht wiederzuerkennen – zum Glück gefällt es dem edlen Spender ebenfalls. Und wir sind sowieso sehr glücklich mit unserem DIY-Upcycling-Projekt!

 

 

Show your inner geek

Dass ich mich fröhlich und etwas verschroben als Geek identifiziere, sollte mittlerweile bekannt sein. Vor allem Instagram-Follower merken das, wenn ich mal wieder die neueste Batman-Figur poste oder kleine Roboter bastle. Aber auch, wenn man mich auf der Straße trifft, kann man das sehen. Häufig zumindest. Denn mein Stapel an Fan-T-Shirts ist mittlerweile bedenklich angewachsen. Ich könnte mich quasi wochenlang nur in Geek-Shirts kleiden! Doctor Who ist ganz vorne mit dabei, aber auch anderes findet seinen Platz. Selbstgemacht oder gekauft ist mir dabei ganz schnuppe.

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Kürzlich bekam ich eine Anfrage von Likoli, eines ihrer T-Shirts zu testen und vorzustellen. Und weil es in dem Shop auch ein Batman-Shirt gab, konnte ich nicht Nein sagen (ihr versteht das, oder?).* Und schon lange wollte ich mal meine komplette Sammlung zeigen! Also habe ich an einem sonnigen Tag die Kamera ausgepackt und mich mit Selbstauslöser in den Garten gestellt.

Leider hat kurz vor Schluss mein Handy den Kampf mit dem Akku verloren – es ist ja praktisch, dass ich die Kamera mit dem Handy fernsteuern kann, aber es ist echt anstrengend für das arme kleine Ding. Die restlichen Fotos hat der Held gemacht, aber dabei wurde die Kamera leicht verschoben. Schade, ich hatte mir mein GIF noch perfekter vorgestellt (aber ich bin so schon sehr glücklich damit)!

Und damit ihr die Bilder auch in Ruhe betrachten könnt, habe ich auch noch eine kleine Collage gemacht:

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Nicht alle diese Shirts trage ich übrigens in der Öffentlichkeit. Dobby wird beispielsweise nur zum Schlafen getragen. Und einige Shirts habe ich, von denen ich gar keine Ahnung habe. Beispielsweise das Power Rangers-Shirt. Deswegen pose ich da auch so bekloppt. Weil ich nämlich keine Ahnung habe, was die Power Rangers so treiben. Das war mal in einer meiner Abo-Boxen, genau wie das Shirt mit dem Dungeons & Dragons-Logo. Andere sind wunderbar unauffällig – das “Hello Sweetie”-Shirt gehört da zu meinen Favoriten, da es auch ein x-beliebiger Schriftzug sein könnte. Ist es aber nicht! 😉 Ein paar Shirts habe ich auch erst nach dem Fotoshooting wieder im Schrank entdeckt.

Und, wie viele Referenzen erkennt ihr? 😀


* Das T-Shirt habe ich von Likoli unentgeltlich zugesendet bekommen. Im Shop kann man auf jeden Fall mal stöbern, wenn man auf Motiv-Shirts steht, weil es unsagbar viele verschiedene Motive gibt. Leider ist der Shop etwas unübersichtlich gestaltet. Das T-Shirt passt in meiner üblichen Größe gut und die Qualität ist in Ordnung.

Buchtipp: Besser als die Wirklichkeit von Jane McGonigal*

Bei mir ist es Diablo 3. Ich habe das Spiel eigentlich schon längst durchgespielt. Aber dann kann man ja einen neuen Charakter anfangen. Oder mit dem alten, den man schon so schön ausgerüstet und hochgelevelt hat, noch mal von vorne beginnen. Oder im Abenteuer-Modus verschiedene Quests erfüllen oder Dungeons aufräumen. Es nimmt einfach kein Ende.

Über 500 Millionen Menschen weltweit spielen regelmäßig Videospiele. Jane McGonigal gehört auch dazu. Ihre Begeisterung führt soweit, dass sie ein Buch geschrieben hat. In Besser als die Wirklichkeit! will sie laut Untertitel erklären, “warum wir von Computerspielen profitieren und wie sie die Welt verändern”. Ein Sachbuch? Normalerweise nicht unbedingt mein Ding, aber hier hat mich schon das Titelbild direkt angesprochen. Und tatsächlich saß ich dann tagelang lesend auf dem Sofa, weil ich mich nicht losreißen konnte. Kompliment an Frau McGonigal, die es geschafft hat, mich mit einem Sachbuch so zu fesseln wie mit einem Roman!

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Warum Spiele uns glücklich machen

Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin die Welt von Gamern, und ich habe mich an vielen Stellen wiedererkannt, obwohl ich gar nicht so ein riesiger Spieler bin. Ich schalte äußerst selten die Konsole an, wenn der Held nicht da ist. Naja, mal abgesehen von Diablo 3 natürlich. 😉 Aber wir spielen gern gemeinsam, außerdem zocke ich auch gerne mal am Smartphone oder am Computer.

Zunächst einmal wird geklärt, was ein Spiel eigentlich ist und weshalb es uns Spaß macht. Klingt langweilig, war aber wirklich aufschlussreich. Was ist beispielsweise deiner Meinung nach das Gegenteil von Spielen? Laut der These von McGonigal ist es nicht Arbeit, wie man vielleicht meinen mag – sondern Depression. Spielen hingegen kann man sogar als Arbeit betrachten – “Ein Spiel zu spielen bedeutet, aus freien Stücken zu versuchen, unnötige Hindernisse zu überwinden”. Dabei bewegen wir uns in einem guten Spiel stets an der Obergrenze unserer Fähigkeiten, werden also herausgefordert, und stürzen auch mal ab – wollen es aber gleich wieder versuchen. Der Schwierigkeitsgrad steigt, sobald wir besser werden, damit uns nicht langweilig wird. Außerdem werden “alle unsere neurologischen und physiologischen Systeme, die dem menschlichen Glücksgefühl zugrunde liegen – sprich: die Aufmerksamkeits-, Belohnungs-, Motivations-, Gefühls- und Erinnerungszentren im Gehirn” durch Spiele aktiviert. Wir erhalten lösbare (wenn auch schwierige) Aufgaben, und wenn wir diese erfüllt haben, werden wir belohnt und können mit dem nächsten Quest beginnen. Es gibt also jederzeit erreichbare Ziele, und es gibt gute Gründe, weshalb wir diese Ziele erreichen sollen. Gute Spiele sind also genau darauf ausgelegt, uns glücklich zu machen, indem sie uns fordern – ein Versprechen, was unsere tatsächliche Arbeit nicht halb so gut erfüllen kann.

Dabei ist es aber nicht nur von Belang, diese Ziele tatsächlich zu erreichen. Spiele, in denen wir sofort alles können und jede Aufgabe mit minimalem Aufwand lösen, langweilen uns bald. Während ich dies schreibe, sitzt der Held neben mir und spielt Dark Souls 2 auf der XBox – ein Spiel, das als überaus schwierig gilt. Unglaublich, wie oft ich den Helden hier schimpfen höre und das große, rote “Ihr seid gestorben” auf dem Bildschirm erblicke. Trotzdem hört er nicht auf und spielt in jeder freien Minute. “Spiele bringen uns bei, trotz einer potenziellen Niederlage höchst optimistisch zu bleiben, und diese wichtige emotionale Stärke lässt sich auch im wahren Leben nutzen.” Das ist dann auch der Grund, weshalb wir ein Spiel nicht ewig spielen: Irgendwann haben wir erreicht, was der Spieledesigner uns zu erreichen ermöglicht hat, und dann wird es langweilig.

Das Buch erklärt noch sehr viel mehr Gründe, weshalb Spiele uns glücklich machen – ich habe hier nur die für mich interessantesten herausgepickt. Unter anderen wird noch beschrieben, wie uns Spiele das Gefühl geben, ein Teil von etwas größerem zu sein oder wie wir dank Spielen stärkere soziale Bindungen eingehen (beispielsweise durch stellvertretenden Stolz und sogar durch “Trash Talk”, also Sticheleien).

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Die Wirklichkeit neu erfinden

Im zweiten Teil des Buchs geht es um sogenannte Alternate Reality Games (ARGs). Das klingt wilder, als es ist. Bei ARGs geht es im Grunde einfach nur darum, ein Spiel in die Wirklichkeit zu integrieren. Während wir bei Videospielen aus der Realität abtauchen in eine andere Welt, handelt es sich bei ARGs um “antieskapistische Spiele”. Sie sollen es ermöglichen, die Vorteile von Videospielen auch in der Wirklichkeit zu erzeugen, “mehr aus unserem echten Leben herauszuholen” und uns im Alltag genauso engagiert einzusetzen wie in Videospielen.

Dementsprechen gibt es natürlich unglaublich viele Möglichkeiten, ARGs einzusetzen. Da gibt es beispielsweiseChore Wars“, bei dem die einzelnen Mitspieler Punkte für das Erledigen verschiedener Haushaltstätigkeiten erlangen können (der Held und ich haben das ca. 3 Wochen ausprobiert, es war zu Beginn wirklich enorm motivierend, ließ dann aber sehr schnell nach, weil man mit den dort erlangten Punkten irgendwie nichts anstellen kann). Andere ARGs versuchen beispielsweise, Depressionen zu bekämpfen oder alte und junge Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Oder das Bildungswesen zu revolutionieren, wie es eine Schule in New York City versucht: “Quest to Learn” ist die erste spielebasierte Schule der Welt, in der die Schüler ihre Ausbildung als “Quest” verfolgen, mit dem Ziel, aufzuleveln (= gute Noten bekommen), geheime Missionen zu erfüllen (= zusätzliche Aufgaben lösen) oder Bosslevel (= Abschlussprüfungen) zu überstehen. Wer wäre als Kind nicht gern auf so einer Schule gewesen?

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Wie Computerspiele die Welt verändern

Der letzte Teil des Buchs zeigt uns, an welchen Stellen Spiele bereits unsere Welt verändern und verbessern. Beispiel: Wikipedia. Ein Spiel? Für uns als Nutzer eher nicht. Wir nutzen Wikipedia als Lexikon, oder um in einer Diskussion schnell nachzuschauen, wer Recht hat. Als Spiel kann es aber für die Autorinnen und Autoren der Plattform gelten, weil sie sich freiwillig der Herausforderung stellen, das Wissen dort zusammenzutragen und aktuell zu halten. Dabei gibt es eine riesige Spielwelt (über 3 Millionen Artikel), eine klare Spielmechanik mit sofort sichtbaren Ergebnissen und verschiedenen Schwierigkeitsgraden (man kann über Quantenphysik genauso schreiben wie über den Tatort am vergangenen Abend), sowie eine gute Spielgemeinschaft unter den “Wikipedianern”. Über zehn Millionen “Spieler” füllen Wikipedia weltweit – und verändern damit eindeutig die Welt dadurch, dass für viele Menschen der Zugriff auf Wissen enorm erleichtert wird.

Ein anderes Beispiel gab es im Jahr 2009 in Großbritannien: Es war bekannt geworden, dass Hunderte Parlamentsabgeordnete überhöhte oder falsche Spesen in Rechnung stellten und den Steuerzahler damit jährlich mehrere Zehntausend Pfund kosteten. Die Spesenanträge lagen jedoch nur als unsortierte Sammlung eingescannter Zahlungsbelege im Bildformat vor, die man nicht durchsuchen oder automatisiert analysieren konnte. Die Spesenanträge wurden der Öffentlichkeit freigegeben, aber es handelte sich um über eine Million Dateien – viel zu viel für einzelne Personen. Die Zeitung Guardian entwickelte daraufhin mit relativ geringem Aufwand ein Crowdsourcing-Spiel – jeder Bürger konnte sich anmelden und beliebig viele Dokumente prüfen. Wenn ihm etwas auffiel, was ihm verdächtig vorkam, drückte er einfach auf den Button “Untersuchen”. Somit wurde die Zahl der tatsächlich zu prüfenden Dokumente enorm verringert, denn die Experten konnten sich auf die als verdächtig gemeldeten Dokumente beschränken. Das Projekt war ein großer Erfolg – innerhalb von 3 Tagen waren bereits 170.000 Dokumente analysiert! Im Anschluss traten mindestens 28 Parlamentsmitglieder zurück, es wurden Strafverfahren gegen 4 Abgeordnete eingeleitet und neue Gesetze verabschiedet.

 

Fazit

Computerspiele können die Welt tatsächlich verändern, und sie tun es bereits! Videospiele als kindische Zeitverschwendung abzutun, ist daher an vielen Stellen zu kurz gedacht. Das Buch von Jane McGonigal zeigt dies anschaulich und stellt dabei insbesondere die Mechanismen von Computerspielen sehr gut dar. Der erste Teil von Besser als die Wirklichkeit hat mir daher auch am besten gefallen. Die weiteren Teile waren ebenfalls interessant und gut geschrieben, allerdings bin ich mit der Autorin nicht immer einer Meinung und war häufig der Ansicht, dass sie Spielen und ihrer Wirkung nun doch etwas zu viel zutraut. Nichtsdestotrotz hat sie auch anhand vieler Beispiele gezeigt, wie Spiele bereits jetzt Einfluss haben und dass ihre Thesen daher sicherlich nicht unberechtigt wird. (Allerdings hätte sie dazu nicht jedes ARG, das sie in ihrem Leben erfunden hat, detailliert vorstellen müssen. 😉 ) Das Buch war dennoch ein absolutes  Highlight in meinem bisherigen Lesejahr. Gamern sei es daher auf jeden Fall zu 100% ans Herz gelegt – aber auch für Nichtspieler eine interessante Lektüre, der ich 5 von 5 Sternen gebe!


* Sponsored Post: Dieses Buch habe ich vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Begeisterung ist aber echt und die Meinung selbstverständlich ausschließlich meine eigene. Weitere Vergütung ist nicht geflossen und ich bin auch nicht verpflichtet, diesen Artikel zu schreiben.

Unfall im Lego-Labor oder: Ein Stempel-Workshop bei Binedoro

Es war ein ganz gewöhnlicher Tag im Labor, der Frau Professor Doktor Knudstorp bevorstand. Ein ganz normaler Tag im Lego-Klonlabor, denn bekanntermaßen können Lego-Männchen sich nicht selbst reproduzieren (es fehlen ihnen jegliche biologischen Voraussetzungen dazu). Ihr Job war es also, neue kleine Lego-Männchen herzustellen, damit alle Kinderzimmer genauso wie die Wohnzimmer von jung gebliebenen Erwachsenen jederzeit mit den gelbhäutigen Wesen bevölkert werden könnten.

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Doch heute war etwas anders. In Gedanken war Frau Professor Doktor Knudstorp noch bei ihrer Nachbarin, die sich heute Morgen darüber beschwert hatte, sie würde das Treppenhaus nicht häufig genug putzen. Pff! Sie, als Wissenschaftlerin, wusste genau, wie häufig und gründlich man etwas reinigen musste, damit es einwandfrei war. Doch diese Lego-Kreise (der Fachbegriff war Nupsis) waren zwar rutschfest, aber wahnsinnig schwer zu reinigen.

Da passierte es. Frau Professor Doktor Knudstorp stolperte über einen dieser dämlichen Nupsis! Die Gefäße für mindestens 23 Lego-Klone rutschten ihr aus der Hand und vermischten sich auf dem Fußboden.

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Was geschah nun?! Frau Professor Doktor Knudstorp war entsetzt. Statt 23 einzelner Lego-Klone entstand… ein einzelner Riesenklon! Schnell rief sie die Werkspolizei. Kriminaltechnikerin Abby war schnell zur Stelle. Gemeinsam begutachteten sie das Problem.

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“Meine Lupe hätte ich wohl nicht mitbringen müssen”, staunte Abby fasziniert. Frau Professor Doktor Knudstorp war immer noch außer sich. “Das kann gar nicht sein! Das darf gar nicht sein! Was tun wir denn nun?!” Abby überlegte einen Moment. “Ich muss das näher untersuchen.” Sie rief den Hausmeister, Herrn Gelbkopf, für eine kleine Vergleichsanalyse herbei.

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“Es ist eindeutig”, konstatierte Abby. “Er ist genau wie einer von uns, aber viel, viel größer. Irgendwann wird er versuchen, die Macht über Legotham an sich zu reißen. Das ist eine Nummer zu groß für uns. Wir brauchen professionelle Hilfe.” Gesagt, getan. Herr Gelbkopf schloss ihnen die Tür zum Dach des Laborgebäudes auf. Frau Professor Doktor Knudstorp richtete den Signalstrahler aus, und Abby schaltete das Licht ein. Und es dauerte nicht lange – da war der schwarze Rächer schon herbeigeeilt!

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“Ein überdimensionierter Lego-Klon?”, durchdrang Batmans heisere, tiefe Stimme das Labor. “Gar kein Problem. Lasst mich damit kurz allein, und ich regle das.” Die Frauen verließen den Raum, und nach nur zehn Minuten kam Batman zurück. “Das ist erledigt. Kein Problem. Doch sollten sich die Kräfte des Bösen irgendwann wieder erheben, und ihren Schatten auf das Herz dieser Stadt werfen, so ruft mich.”

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Und so blieb nur noch für Herrn Gelbkopf die nicht ganz so glorreiche Aufgabe übrig, das Labor sauberzufegen, bevor Frau Professor Doktor Knudstorp sich wieder in Ruhe an die ganz normale Klon-Arbeit machen konnte.


In einer alternativen Welt war es Bine, die uns vor einiger Zeit zum DIY-Workshop einlud, und ich, die Lego-Männchen klonte stempelte. Stempel aus Moosgummi waren das Thema. Und so trafen wir uns eines Samstag Nachmittags in ihrer wirklich schnuckelig-gemütlichen Wohnung und waren auf einen Tag voller Basteln eingestellt!

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Bine hatte nicht nur ein hervorragendes Kuchenbuffet vorbereitet, sondern uns allen auch total großartige Bastelmaterialien bereitgelegt. Alles, um Stempel zu basteln, natürlich – aber auch alles, um sie zu verwenden. Kissenhüllen, Stofftaschen, und sogar das Rohmaterial für ein kleines Täschchen, das wir bestempeln durften, und das Bine anschließend für jeden von uns zusammengenäht und per Post zugeschickt hat! Meines beinhaltet nun Legosteine (denn der Lego-Stempel wollte nun einmal benutzt werden):

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Es war ein wirklich lustiger Tag – ich wiederhole mich vielleicht, wenn ich sage, dass Kreativität gemeinsam unglaublich viel Spaß macht, und die Damen an diesem Tag bildeten eine fröhliche, gesellige und natürlich kreative Runde! 🙂 Vertreten waren neben Bine noch Sabine von LiebesSeelig, Janine von Schnins Kitchen, Monika von Mo’Beads und Janine von JOs Creativ.

Mein erster Gedanke war – ihr mögt es schon erraten haben – ein Lego-Männchen. Das war filigran und durchaus etwas Fummelarbeit, aber es hat sich gelohnt. Glücklicherweise habe ich damit gleich auch noch Monika inspiriert, die dann aus mehreren größeren Stempeln das Riesen-Legomännchen gebastelt hat. So konnten wir uns wunderbar austauschen und unsere Designs ergänzen. Auf dem Sofa darf das Kissen nun manchmal mit der Mega-Seite und manchmal mit der Mini-Seite vorn glänzen – natürlich neben meinem liebsten Original-Binedoro-Kissen:

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Außerdem habe ich gleich zwei Stofftaschen gestaltet. Die Punkte auf der Hurra-Tasche habe ich einfach mit Wattestäbchen gestempelt (der Schriftzug ist frei Hand gepinselt), für Pacman und seinen Geisterkumpel in eleganter Kupferfarbe durfte ich wieder Stempel basteln.

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Liebe Bine, vielen Dank noch einmal für einen wirklich spaßigen Nachmittag! Und allen anderen, die bis zum Ende dieses Mega-Artikels durchgehalten haben: Respekt! 😉 Was würdet ihr auf euer Kissen stempeln?

“Ich hab das mal gegooglet”: Was Google über dich weiß

Kürzlich las ich in Miris Jahrbuch diesen Artikel darüber, wie sie immer so viel googlet. Und fühlte mich ertappt. Denn: Das bin ja ich! Ich glaube, in der Top Ten der Sätze, die ich am häufigsten sage, ist “Ich hab das mal gegooglet” ziemlich weit vorn. Noch vor “Boah, jetzt ‘n Stündchen schlafen und dann ins Bett” nach der Mittagspause und knapp hinter “Erst mal ‘n Kaffee.” Ich google nämlich so ziemlich alles.

Ich google, welche Allergie man nur morgens hat (Hausstaub), ob man auf dem Game Boy seinen Tetris-Highscore speichern kann (nein, zumindest nicht auf meinem) und wie die Sicht in der ersten Reihe des Londoner Queen’s Theatre ist (nicht so super, daher saßen wir dann auch in Reihe 12). Ich google, wie man unförmige Geschenke einpackt (die Lösung findet ihr im Adventskalender), ob man den oder das Tribut zollt (den) und regelmäßig wieder die Öffnungszeiten unseres lokalen Schreibwarengeschäfts.

Wusstet ihr, dass man sich – sofern man ein Google-Konto hat und beim Suchen auch damit angemeldet ist – ansehen kann, wonach man gesucht hat? Unter www.google.de/searchhistory kann ich sehen, dass ich insgesamt (Stand heute) 3884 Google-Anfragen gestellt habe, dass ich freitags am häufigsten google und auf welche Suchergebnisse ich am häufigsten klicke. Das sind übrigens in meinem Fall die Postleitzahlen-Suche, die Kontakt-Seite meines Zahnarztes (ich sollte mir mal die Telefonnummer speichern) und erstaunlicherweise auch die meines Frisörs (von dem habe ich mir übrigens kürzlich tatsächlich die Nummer aufgeschrieben).

Man kann sich seine letzten Bildersuchen (mein Top-Tipp übrigens dieser hier) genauso ansehen wie seine letzten bei Google Maps angezeigten Routen,  und man sieht sämtliche (sämtliche! Ever!) Suchbegriffe sowie die Links, auf die man daraufhin geklickt hat. Ich muss zugeben, diese Datenmenge hat mich ganz schön umgehauen, obwohl ich natürlich weiß, dass Google alles speichert, was man ihm nur gibt. Eigentlich ist es wirklich amüsant, noch mal nachzublättern, was man in den letzten Wochen so alles gegooglet hat. Von “ausgesetztes Kaninchen einfangen” über “DM Foto Entwicklung Dauer” bis hin zu “Wasser im Ohr” (ich erwähnte, dass ich alles google?) kann ich quasi nachlesen, was mich so beschäftigt hat. Erstaunlich.

Übrigens kann man seine Google-History löschen und auch verhindern, dass Google neue Suchen speichert. Im Zuge der Datensicherheit habe ich das gleich mal gemacht. Aber das heißt natürlich nicht, dass die Daten nicht trotzdem gespeichert werden. t3n erklärt, wie’s geht und sagt dazu:

Mit den hier aufgezeigten Schritten verhindert ihr, dass Google die Daten aus allen Diensten im Google-Kosmos, zum Beispiel YouTube und Google+, mit eurem Webprotokoll kombiniert und für interne Zwecke verwendet. Leider funktioniert das nur eingeschränkt. Tatsächlich sammelt Google auch dann weiter Daten über euch, wenn das Webprotokoll, wie oben gezeigt, angehalten wurde. Erst nach 18 Monaten anonymisiert Google die zusammengetragenen Daten teilweise und einige Features, wie die personalisierten Suchergebnisse, fallen weg. Lässt man das Webprotokoll hingegen eingeschaltet, speichert und verarbeitet Google eure Daten in nicht anonymisierter Form theoretisch unbegrenzt lange.

Also: Kann man mal machen, denn außer Amüsement in diesem Artikel habe ich die Google-Suchhistory bislang überhaupt nicht genutzt und bin auch erst bei der Recherche für diesen Post darüber gestolpert. (Ja. Ich habe beim Schreiben dieses Artikels “Google History” gegooglet, um euch meine Such-Beispiele geben zu können.)

Ebenfalls in den Einstellungen zu finden: Die interessenbezogenen Google-Anzeigen. Diese versuchen, anhand deiner Surfgewohnheiten deine Interessen herauszufiltern, um dir personalisierte Werbung anzuzeigen. Funktioniert das? Erstaunlich gut. Ich interessiere mich demnach – durchaus korrekt – beispielsweise für Blogging-Ressourcen und -Dienste, Backwaren, Kameraobjektive, Internet-Phänomene und “Haushalt und Inneneinrichtung”. Von 41 vorgeschlagenen Interessen fand ich nur genau drei, denen ich nicht unbedingt zustimmen würde: Wintersport, Hunde und Abendgarderobe. Auch die interessenbezogenen Anzeigen habe ich daher nun erst einmal deaktiviert.

Wenn ihr also gerade sowieso schon in den Google-Einstellungen seid: Es lohnt sich, einfach mal alles durchzuklicken. Jetzt kriege ich zum Beispiel hoffentlich keine nervigen Benachrichtigungen mehr zu Google+, was ich überhaupt nicht nutze (“Kennst du den Helden? Kennst du deinen Vater?” Ja, die kenne ich alle, aber ich muss sie nicht auf Google+ hinzufügen!).

Und? Was sind eure Top-Suchanfragen? 😉

Buchtipp: Little Brother von Cory Doctorow

Wie schon angedeutet: Nach dem vorherigen Buch war die heutige Lektüre ein ziemliches Kontrastprogramm!  In “Little Brother” von Cory Doctorow geht es um den 17jährigen Marcus, der in einem Amerika der nicht allzu fernen Zukunft zur Schule geht. Sein Alltag ist bereits ziemlich überwacht, doch er ist sehr geschickt darin, die Kameras und Überwachungsprogramme auf dem Schulcomputer zu umgehen. Eines Tages wird ein schrecklicher Terroranschlag auf seine Heimatstadt San Francisco verübt – und durch Zufall gerät er ins Visier der “Homeland Security” und findet sich blitzschnell im Gefängnis wieder. Als er nach langen Tagen mit quälenden Verhören nahe an der Folter endlich wieder frei ist, beschließt er, die neuen Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen, die als “Schutz” nach dem Anschlag eingeführt wurden, aktiv zu bekämpfen…

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Auf den Autoren kam ich, da er in “Ready Player One”, welches ich hier einmal vorgestellt habe, erwähnt wurde. Der Kanadier Cory Doctorow schreibt Science-Fiction-Bücher, dieses gehört eigentlich ins Young Adult-Genre, aber das ist ja heutzutage keine Schande mehr, so etwas auch als Erwachsene zu lesen. 😉 Außerdem setzt er sich sehr für die Netzfreiheit, Datenschutz und eine Liberalisierung des Urheberrechts ein und veröffentlicht alle seine Bücher unter Creative Commons-Lizenz. Wenn ihr also Interesse habt, könnt ihr das Buch (und alle anderen von ihm) auf seiner Website kostenlos für euren E-Reader herunterladen – natürlich nur auf Englisch. (Auf Deutsch kann man das Buch ebenfalls herunterladen, und zwar hier.) Seine Gründe dafür erklärt er folgendermaßen:

“But ebook publishers don’t respect copyright law, and they don’t believe in your right to own property. Instead, they say that when you “buy” an ebook, you’re really only licensing that book, and that copyright law is superseded by the thousands of farcical, abusive words in the license agreement you click through on the way to sealing the deal. (Of course, the button on their website says, “Buy this book” and they talk about “Ebook sales” at conferences — no one says, “License this book for your Kindle” or “Total licenses of ebooks are up from 0.00001% of all publishing to 0.0001% of all publishing, a 100-fold increase!”)

I say to hell with them. You bought it, you own it. I believe in copyright law’s guarantee of ownership in your books. (…)

Why am I doing this? Because my problem isn’t piracy, it’s obscurity (thanks, @timoreilly for this awesome aphorism). Because free ebooks sell print books. Because I copied my ass off when I was 17 and grew up to spend practically every discretionary cent I have on books when I became an adult. Because I can’t stop you from sharing it (zeroes and ones aren’t ever going to get harder to copy); and because readers have shared the books they loved forever; so I might as well enlist you to the cause.” (Zitatquelle)

Cory Doctorow

Wie großartig ist dieses Bild? Ich möchte so ein Bild von mir. Ich möchte so ein Zimmer. Und dann so ein Bild. (Quelle)

Sehr sympathisch, oder? Über die Copyright-Frage bei Ebooks haben mein Arbeitskollege schon hitzige Diskussionen am Mittagstisch geführt. Es ist wirklich kein einfaches Thema, und das kostenlose zur Verfügung stellen ist eine Methode, die auf den ersten Blick absurd wirkt. Aber ich glaube, dass es funktionieren kann – sofern man gute Bücher bietet, die sich durch Weitererzählen und Empfehlungen (so wie hier) verbreiten. Bei mir hat es übrigens geklappt: Ich fand das Buch super, und den zweiten Teil werde ich mir nun nicht gratis herunterladen, sondern kaufen – als Hörbuch, das wird nämlich von Wil Wheaton (große Geek-Liebe) gelesen! Das deutsche Hörbuch liest übrigens Oliver Rohrbeck, sicher auch sehr empfehlenswert.

Also, zurück zum Buch: “Little Brother” ist wie gesagt ein Young-Adult-Roman, und so konnte ich mich in den Protagonisten auch nicht mehr zu 100% einfühlen. Über 30 und so, ihr wisst schon. 😉 Sprachlich war das Buch unspektakulär, gelegentlich – bei technischen Details – sind meine Gedanken sogar etwas abgeschweift. Nichtsdestotrotz hat mir die nur so gerade eben fiktive Welt mehr als einmal einen Schauer über den Rücken gejagt, denn: So weit von der Realität entfernt ist dieses Szenario gar nicht. Smartphones, Google, Amazon & Co. wissen mehr über uns als viele unserer Verwandten. Spätestens seit Snowden wissen wir, wie sehr wir überwacht werden. Und ähnlich, wie die Bürger im Buch die “Sicherheitsmaßnahmen” nach den Terroranschlägen sogar begrüßen, kümmern sich auch in der Realität viele Menschen nicht darum, welche Daten sie preisgeben. Oder wie und wo sie überwacht werden. Stichwort: “Ich habe schließlich nichts zu verbergen.” Das Buch zeigt sehr eindringlich, wohin diese Einstellung führen kann.

Nach der Lektüre fühlte ich mich leicht paranoid, obwohl ich bis dahin eher zur “Nichts zu verbergen-Fraktion” gehörte. Am liebsten hätte ich sofort mein Handy verschlüsselt und meinen Facebook-Account gelöscht. Stattdessen habe ich ein Foto mit meinem Android-Handy (= Google) gemacht und es auf Instagram (= Facebook) gepostet. Hüstel. Es ist ja so bequem und unterhaltsam. Aber es geht ja auch gar nicht darum, solche Dienste gar nicht mehr zu nutzen. Es geht darum: Wer nutzt unsere Daten wofür? In den meisten Fällen wissen wir das gar nicht so richtig, oder? Und während ich als öffentlich bloggende Person mich vielleicht nicht wirklich darüber beschweren kann, dass meine Privatsphäre nicht respektiert wird, bestimme ich hier immerhin selbst darüber, was ich preisgebe. Google hingegen kann vermutlich ein relativ akkurates Bild von meinen Geheimnissen zeichnen – angefangen bei Gesundheitsfragen über die nächsten Urlaubsziele oder was ich dem Helden zu Weihnachten schenken möchte. Und warum? Weil ich es preisgebe. Freiwillig. Wer hat diese Informationen noch? Was kann er damit anfangen?

Ein Fazit habe ich offen gestanden jetzt nicht so richtig, lediglich die Empfehlung, das Buch zu lesen und sich seine eigenen Gedanken zu machen. Für Diskussionen in den Kommentaren bin ich außerdem jederzeit offen! Falls ihr euch für Cory Doctorow und seine Ideen interessiert, hier ist vor kurzem ein interessantes Interview (auf deutsch) mit ihm erschienen, in dem er seine Ideen zum Thema Copyright näher erläutert.  Eine gute Einführung zu den Themen, die auch im Buch diskutiert werden, findet ihr im Jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung. Und falls ihr das Internet – unser digitales Zuhause! – ein bisschen sicherer, freier und offener machen wollt, schaut euch mal diese Seite (auf englisch) an.

Ich habe ja schon länger WhatsApp durch Threema ersetzt – aber das war es auch schon. Mal sehen, ob ich jetzt noch einige andere Maßnahmen ergreifen werde. Wie sieht’s bei euch aus? Macht ihr euch Gedanken zum Thema, oder gehört ihr zur “Ich habe nichts zu verbergen”-Fraktion?

London: Fish & Chips, Doctor Who und Shopping

In dem ganzen Alltag, den wir derzeit zelebrieren – inklusive Wasser im Keller, Mutter im Krankenhaus, Laminat in Beulen, aber auch schöne Dinge wie Nichte im Blumenfeld oder Lego am Wohnzimmertisch – ging ganz unter, dass ja noch etwas London offen ist. Bisher habe ich euch nur die ersten 4 unserer 7 Tage Urlaub gezeigt! Beim Sichten der Fotos stellte sich aber heraus: Nach diesen 4 Tagen trat auch eine gewisse Foto-Müdigkeit auf. Daher werde ich die letzten 3 Tage London jetzt in einem Post zusammenfassen!

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Der Sonntag begann – wie könnte es anders sein? – mit einer Führung, und zwar einer Doctor Who-Führung. Ich war sehr begeistert, als die Teilnehmer der Führung schon durch einen in die Luft gereckten Sonic Screwdriver zusammengerufen wurden. Natürlich hatte ich eines meiner Doctor Who-Shirts an, nämlich das “Hello Sweetie”-Shirt von Katha, aber es ging leider gänzlich unter (wie man auf dem Bild sieht, war es auch nicht so warm). Dafür gab es ein paar nette Gespräche über Lieblingsfolgen, Lieblings-Villains und so weiter.

Leider war das nun schon die dritte Führung, die mehr oder weniger durch die gleichen Ecken führte. Ist ja auch logisch, denn Serien wie Doctor Who und Filme wie Harry Potter werden nun einmal häufig an bekannten Sehenswürdigkeiten gedreht, damit der Zuschauer auch erkennt, dass es in London spielt. Schade war es trotzdem, dass wir diesen Abschnitt der Themse im Urlaub ungefähr fünf Mal gesehen haben – da hätte man die Zeit auch besser nutzen können. Einige neue Ecken haben wir aber natürlich trotzdem gezeigt bekommen.

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Nach der Führung ging es Shoppen. Obwohl Sonntag war, hatten nämlich die meisten Geschäfte geöffnet. Bei einem Zwischenstopp gab es dann auch die ersten (und einzigen!) Fish and Chips für uns!

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Das Restaurant war sicherlich recht touristisch und auch ziemlich, aber trotzdem sehr sympathisch mit coolem Design. Unter anderem fand ich dort die einzige Tardis in diesem Urlaub, die wirklich “bigger on the inside” war: Dahinter verbarg sich nämlich die Küche! (Ich habe mich aber leider nicht getraut zu fragen, ob ich ein Foto machen darf, wie ich gerade “in der Tardis” verschwinde…)

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Abends waren wir zum ersten England-Spiel der WM. Es ging für die Engländer gegen Italien los, und wir dachten uns, es sei nett, das Spiel in einem Pub anzusehen. Schade nur, dass wir irgendwie den vermutlich einzigen Londoner Pub gefunden haben, in dem sich hauptsächlich Italiener aufhielten! 😉 In der Halbzeitpause sind wir schon gegangen, weil unsere Füße nicht mehr mochten (natürlich mussten wir im Stehen gucken, weil es so voll war).

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Am nächsten Tag war noch mal ganz offiziell Shopping angesagt (nachdem wir zuvor eine Stunde erfolglos damit verschwendet hatten, “Sherlocks” Krankenhaus zu finden, grummel)! Am besten gefiel es uns in (?) Covent Garden, wo viele kleine, unabhängige Läden zu finden waren. Wir haben zwar nicht sehr viel gekauft, aber das eine oder andere Souvenir musste natürlich schon mit. Besonders hübsch war natürlich Neil’s Yard, was der eine oder andere sicher schon von Bildern kennt:

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Es war genauso fröhlich-bunt wie auf den Bildern im Reiseführer. Was allerdings nirgends stand: Die Bilder im Reiseführer zeigten auch schon alles. Es handelt sich also tatsächlich nur um 2-3 Häuser, die so aussehen, im Grunde halt – wie der Name ja auch eigentlich sagt – einen Innenhof. Der sieht natürlich toll aus, aber das war’s dann auch schon. In 5 Minuten ist man durch! Das fand ich doch irgendwie etwas enttäuschend.

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Abends war dann das erste Deutschland-Spiel, und auch dieses sahen wir uns wieder gemütlich im Pub an. Dieses Mal gab es sogar Sitzplätze und da Deutschland das Spiel gegen Portugal geschmeidig mit 4:0 gewann, war es sehr nett.

Am nächsten Tag sollten wir abends zurückfliegen. Wir hatten bis ca. 15 Uhr Zeit. Wir entschieden uns für ein wenig Bildung und besuchten das Science Museum. Und es wäre sicherlich auch sehr interessant gewesen!

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Wir bewunderten beispielsweise diesen Motor (?) eines Space Shuttles (???), der mir auf den ersten Blick wie ein Dalek vorkam…

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…aber da wir in England waren, dauerte es nicht lange, bis tatsächlich ein Dalek im Museum auftauchte.

london-sciencemuseum-dalekLeider war das Museum nicht von einer oder zwei Schulklassen jeglichen Alters besucht, sondern von mindestens 20. Es war laut, es war voll, es war warm. Es war anstrengend. Wir entschieden uns, zu fliehen, und besuchten stattdessen noch einen der vielen Londoner Parks: den Hyde Park.

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Dort verbrachten wir den Rest des Tages auf einer Wiese im Sonnenschein – dank benachbarter Galerie sogar mit WLAN-Empfang! Ich fand es wirklich toll, wie in London wirklich jeder die Parks nutzte. Egal ob Touristen, Anzugträger, Schulklassen… Es war immer was los und es gab immer etwas zu sehen.

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Auf dem Rückweg haben wir noch bei der Speaker’s Corner vorbeigeschaut und erlebten eine herbe Enttäuschung: Es war kein Mensch zu sehen! Vielleicht ist ein Dienstag Mittag einfach nicht die beliebteste Zeit?

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Abends stiegen wir dann in unser niedliches Flugzeug und auf ging es Richtung Heimat. Fazit? Es war toll in London, wir haben viel gesehen und erlebt. Aber ein kleines bisschen unzufrieden bin ich auch, ich habe das Gefühl, dass wir die Zeit nicht optimal genutzt haben, vor allem in den letzten Tagen, von denen ich mich jetzt schon nur noch an die Hälfte erinnern kann. Objektiv weiß ich, es ging nicht anders, mehr war einfach für uns nicht drin. Aber es gibt so vieles, was ich gern noch gesehen habe, und so vieles, was wir im Nachhinein betrachtet so oft gesehen haben. Alles, was wir gemacht haben, kommt mir so touristisch vor. Irgendwie ist eine Woche lang und doch so kurz. Ich hätte gern noch die Gegend einfach so erkundet, mich treiben lassen. Was wir ja auch irgendwie gemacht haben (stundenlang im Park auf der Wiese liegen und den Leuten zugucken stand definitiv auf der To Do-Liste). Wir haben auch nicht einen einzigen Cache gesucht. Hmm. Ich muss wiederkommen! 😉

London: Grumpy Queen, Street Art und Kaffee-Erlebnisse

Unser vierter Tag in London war von Gegensätzen geprägt. Als wir unseren Urlaub buchten, achteten wir nicht so sehr auf Veranstaltungen vor Ort als vielmehr darauf, wie er mit unseren Kollegen und anderen Terminen zusammenpasst. Direkt nach der Buchung fiel uns aber auf: Hey Moment, ist in dieser Woche nicht das zweite Juni-Wochenende eingeschlossen?

In der Tat war es das, und das bedeutet: Trooping the Colour! Die Queen feiert Geburtstag, und wenn man da schon mal in London ist, nimmt man das natürlich auch mit. Das war jedenfalls meine Meinung, der Held musste noch etwas überzeugt werden.

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Aber tatsächlich fanden wir uns am Samstagmorgen ganz in der Nähe des Paradeplatzes (Horse Guards Parade) wieder, mit bester Sicht auf den Platz. Sehen die kleinen Puschelmützen nicht aus wie kleine Zinnsoldaten, so aus der Entfernung und in der Masse?

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So eine Parade dauert ja ein Weilchen, und außerdem will man rechtzeitig da sein. Wir stellten uns schon morgens nach dem Frühstück hin, so dass wir es tatsächlich in die erste Reihe schafften (Dabei waren wir nicht um 7 Uhr dort! Sondern vielleicht um 9!). Nur ein-zwei Kinder haben wir noch vor uns gelassen, damit sie etwas sehen konnten. Jedenfalls standen wir dadurch nun einmal ziemlich lange herum, und ich habe mich eher damit beschäftigt, den Bobby direkt vor uns in allen Situationen zu fotografieren. Dabei sind ein paar sehr schöne Bilder herausgekommen, aber ich will jetzt hier keine Polizisten-Fotoreihe veröffentlichen. 😉

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Irgendwann war es dann aber doch soweit, und die Queen fuhr an uns vorbei. Ich bin ja kein Royalist, aber das war schon irgendwie sehr cool, so nah an ihr dran zu sein. Sie schaute die ganze Zeit übrigens ausgesprochen brummig, weshalb sie bei uns zuhause jetzt nur noch “Grumpy Queen” genannt wird. Ist das nicht faszinierend und traurig zu gleich, wie winzig sie da in ihrer riesigen Kutsche sitzt?

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Einige andere Familienmitglieder konnten wir nur am Fenster entdecken. Persönlich ging es uns aber bald eher wie dem kleinen Mädchen auf der rechten Seite, die sich vermutlich auch nur fragte “Wann gibt’s endlich Geburtstagskuchen?” Auch “Trooping the Colour” gehörte also zu den Erlebnissen, die ich nicht versäumen wollte, die aber auch nicht unbedingt wiederholt werden müssen.

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Der Held war allerdings natürlich von den Uniformen fasziniert, und am Ende vom “Fly Past”, bei dem die Royal Air Force ihre Flugzeuge präsentiert. Da fand ich ja hauptsächlich die mit der bunten Farbe toll…

Nach der Parade wollten wir vor unserem nächsten Termin noch schnell einen Kaffee trinken. Wir hatten die Wahl zwischen einem Starbuck’s und einem fancy Coffeeshop, dem Shoreditch Grind. Natürlich überzeugte ich den Helden, dass man diese coolen Londoner Läden un-be-dingt ausprobieren müsste! Und so haben wir wieder etwas gelernt (Achtung, Fun Fact!). Und zwar: Es gibt einen Grund, dass es Latte Macchiato heißt. Latte heißt nämlich Milch. Und wenn man nur Macchiato bestellt, bekommt man – einen Macchiato. Also eine Art Espresso. Ich weiß nicht, ob ihr’s schon wusstet, aber Kaffee ohne Milch geht bei uns überhaupt nicht. Gar nicht. Auch nicht für 2 Pfund 70.

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Aber ich hatte ja Kontrastprogramm versprochen, und das sollten wir auch haben. Nach all dem Prunk und den Pferden und Uniformen und natürlich der Queen hatten wir nämlich noch eine Führung gebucht! Es ging nach Shoreditch, einem Stadtteil im Nordosten Londons. Dort hatten wir uns für eine der “Unseen Tours” angemeldet. Diese Touren werden von Obdachlosen oder ehemaligen Obdachlosen geführt, die sich natürlich besonders gut in “ihrem” Stadtteil auskennen und viele Geschichten zu erzählen haben; und die durch die Führungen natürlich auch ein gewisses Einkommen haben, das sie sonst nicht hätten. Für uns hatte ich die Tour “Street Art, Street Cred” ausgewählt.

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Nach unserer 4-Mann-Harry Potter-Führung am Abend zuvor waren wir gespannt, wie viele Leute auftauchen würden. Tja, Überraschung: nur wir. Also gab Henri, oben zu sehen, uns eine Privatführung. Das war dann zu gleichen Teilen cool und komisch. Komisch, weil es zum einen sofort auffiel, dass wir keine Ahnung vom Thema hatten. Ich finde Street Art cool und interessant, aber wir kennen uns beide gar nicht aus (der Held kannte nicht mal Banksy; aber das haben wir Henri verschwiegen, der Banksy übrigens persönlich kennt und nicht besonders freundlich auf ihn zu sprechen war). Aber hey, wir sind zum Lernen hier und so erzählte uns Henri wirklich eine ganze Menge. Mittlerweile kennen wir also immerhin zwei Street Art-Künstler: ROA und Pure Evil! ROA, einem belgischen Künstler, konnten wir sogar bei der Arbeit zusehen:

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Auch sonst hatte Henri viel zu erzählen. Persönlich fand ich es spannend, aber auch etwas seltsam, mit einem Obdachlosen durch die Straßen zu gehen. Ich wusste vielfach nicht genau, wie ich jetzt auf seine Witze zu diesem Thema reagieren sollte und ich fühlte mich etwas unbehaglich, wenn er mir unterwegs die besten Restaurants zeigte und im gleichen Atemzug sagte, dass er dort natürlich nie essen ginge, weil es einfach viel zu teuer sei. Das ist beileibe keine Kritik an Henri, der das niemals als Ziel hatte und auch wirklich nicht darauf aus war, Mitleid zu kassieren. Im Gegenteil. Aber wie viel Trinkgeld gibt man jemandem, der abends keinen Schlafplatz hat?

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Solche Fragen gingen mir durch den Kopf und auch im Nachhinein hat mich das Thema noch länger beschäftigt. Gerade das fand ich an der Tour aber dann auch so besonders, und es wurde sicherlich noch einmal sehr dadurch verstärkt, dass wir eben die einzigen beiden Teilnehmer waren und so auch wirklich auf Henri reagieren mussten, statt uns vielleicht auch mal im Hintergrund zu halten. Dadurch entstand dann aber eben auch beispielsweise eine kleine Diskussion über die EU, und es ergaben sich teilweise wirklich spannende Gespräche, die wir mit einer größeren Runde sicherlich nicht hätten führen können. (Einige seiner Verschwörungstheorien habe ich aber trotzdem stillschweigend übergangen.)

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Ich kann euch die Tour nur ans Herz legen. Es ist kein “Armutstourismus”, es geht nicht mal um die Obdachlosigkeit selbst bei den Touren, das Thema wurde nur am Rande angeschnitten. Also nichts für Sensationslustige, sondern vielmehr etwas für Leute, die die Stadt einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen möchten. Achja, (ziemlich) gut Englisch sollte man zumindest für Henri allerdings können. Ich musste mich teilweise wirklich sehr konzentrieren, um alles gut zu verstehen.

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Übrigens geht es bei der Tour nicht nur um Street Art, sondern auch um Friedhöfe, Kirchen, versteckte Geheim-Gefängnisse und das wirklich wahre erste Theater von Shakespeare. Und man sieht sogar Eichhörnchen. What’s not to love about this?

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Und wo wir gerade schon mal bei “Kontrastprogramm” waren: Abends hatten wir noch eine Führung! Erwähnte ich schon, dass ich die Führungen nicht alle selbst ausgesucht hatte, sondern teilweise zum Geburtstag bekommen hatte? Sonst hätten wir vermutlich nicht so viele besucht. Aber sie waren alle spannend, keine Frage. An diesem Abend wartete noch der “Ghost Walk” auf uns. Kontrastprogramm war das insofern, als dass an dieser Führung ungefähr 40 Leute teilnahmen. Damit hatten wir schon gar nicht mehr gerechnet! Aber so wurden wir im wunderschönen Abendlicht erneut durch die Stadt geführt und hörten uns die spannendsten Geistergeschichten von zwei sehr engagierten und sympathischen* jungen Männern an.

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Nach dieser Tour habe ich mich übrigens sehr für meine Mit-Touristen geschämt, denn wir waren die einzigen in dieser riesigen Runde, die Trinkgeld gaben. Ist das nicht üblich? Aber wir haben es trotzdem gern gemacht! Anschließend fuhren wir dann übrigens nur noch heim und ich musste die Tardis noch einmal in der Dunkelheit fotografieren. Hach! Könnte ich sie nur mitnehmen! 😉

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* und attraktiven, aber psst!

London: Tower Bridge, Platform 9 3/4 und unfassbar müde Füße

An unserem dritten London-Tag hatten wir noch einiges vom Vortag nachzuholen. Wir starteten also frisch und fröhlich morgens am Tower of London, der uns vor strahlend blauem Himmel begrüßte.

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Falls ihr’s noch nicht wusstet: Der Tower ist das älteste Gebäude Londons (vielmehr ein Gebäudekomplex), mit dem Bau wurde schon im Jahr 1066 begonnen. Diese schlaue Zahl ist aber auch ungefähr das einzige, das hängen geblieben ist. Wir ließen uns nämlich eher so entspannt durch die Burgmauern treiben und schauten, statt zu lernen. Ich stelle mir ja gerne vor, dass ich jetzt an genau der gleichen Stelle stehe wie vielleicht schon vor 500 Jahren der König von England. Oder die Königin, wie gesagt, mit dem Lernen hab ich’s da nicht so. Aber hey, wir haben die Kronjuwelen gesehen (ich dachte an dies) und die Raben (ich dachte an jenes) und da es in der Sonne unglaublich warm war, sollte uns das auch reichen.

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Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, wie viele Fotos von der Tower Bridge wir gemacht haben? Die Tower Bridge ist für mich einfach DAS Wahrzeichen von London. Ich habe nicht nachgezählt, aber hier ein Fun Fact: Erst während meines London-Aufenthalts wurde mir klar, dass die Tower Bridge gar nicht Tower Bridge heißt, weil sie Türme hat. Die Tower Bridge heißt Tower Bridge, weil sie direkt neben dem Tower of London steht! Kann man mal sehen. Wahrscheinlich war euch das schon lange klar, aber hey, man kann nicht immer nur Spektakularitäten verbreiten.

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Besagte Tower Bridge war dann nämlich unser nächstes Ziel. Man kann nämlich in der Tower Bridge Exhibition nicht nur die Geschichte und Technik der Tower Bridge entdecken, sondern – was ich persönlich noch viel cooler fand – die Türmchen hochfahren und durch die “Querstreben” spazieren!

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Von dort hat man natürlich einen wunderbaren Blick in beide Richtungen. Extra zum Fotografieren sind dort einige Mini-Fensterchen geöffnet! Sehr zuvorkommend. Aber tatsächlich war auch das Erklärfilmchen zum Bau der Brücke sehr nett gemacht und auch die Technik war erstaunlich faszinierend. Früher wurden hier mit Kohle betriebene Dampfmaschinen eingesetzt, das geht heute zum Glück etwas einfacher. Angeblich wird die Tower Bridge im Durchschnitt 3x täglich geöffnet, um größere Schiffe durchfahren zu lassen. Ich habe das allerdings noch nie gesehen und frage mich auch, wo diese Schiffe denn hinwollen, denn spätestens an der nächsten Brücke ist ja doch wieder Schluss.

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Eigentlich hätten wir nach diesen beiden Highlights schon wieder Feierabend machen können. Wir waren müde und uns taten (schon jetzt!) die Füße weh. Außerdem war es sooo warm! Da half nur eine ordentliche Mittagspause: Wir wollten uns eigentlich nur ein Eis am Stiel holen, aber hey, Ben & Jerry’s war im Angebot und wer sagt eigentlich, dass man als verantwortungsbewusster Erwachsener nicht literweise Eis zu Mittag essen darf, wo doch jeder weiß, dass das glücklich macht? (Tatsächlich sieht dieser Eimer Eis in meiner Hand bedeutend kleiner aus, als er tatsächlich war.)

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Frohen Mutes und mit neuer Energie konnte es also weitergehen, wir verkürzten unser restliches Tagesprogramm. Aber eines musste trotzdem sein: Big Ben und Westminster!

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Wir schlichen langsam nur noch. Trotzdem wollten wir unbedingt noch ein Museum besuchen. Ganz in der Nähe befinden sich nämlich die Churchill War Rooms, die ich allen London-Besuchern wärmstens ans Herz legen möchte. Wir haben aus diesem Museum leider keinerlei (!!!) Fotos mitgebracht. Zum einen sind die Churchill War Rooms unterirdisch gelegen, was gute Fotos erschwert; zum anderen waren wir zu platt (und haben uns sogar einen Teil des Museums schweren Herzens gespart). Im Zweiten Weltkrieg war in diesen Räumen die geheime Kommandozentrale der britischen Kriegsführung unter Winston Churchill. Mittlerweile hat man dort alles wieder originalgetreu hergerichtet und es ist wirklich spannend!

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Trotzdem mussten wir uns danach erst einmal in den St. James’ Park legen. Wenn ich mich in etwas in London verliebt habe, dann in die vielen Grünflächen und Parks, wo grundsätzlich immer Menschen auf den Wiesen saßen! Egal ob Touristen, Anzugträger, Schülergruppen… Dort konnten wir in der kostenlosen Abendzeitung lesen, wieso England top-vorbereitet in die Fußball-WM startet. Tja, schade. Mittlerweile weiß man es besser, nicht wahr? 😉

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Halbwegs ausgeruht konnten wir uns dann am Abend noch auf den Weg zum “Harry Potter Walk” machen. Außer uns beiden waren nur noch zwei weitere Teilnehmerinnen dabei – eine Amerikanerin mit ihrer Oma – so dass es sehr entspannt war. Wir sahen uns viele Locations an, die beim Dreh der Harry Potter-Filme genutzt wurden, oder die als Inspiration für die Bücher dienten. Highlight war natürlich am Ende der Bahnhof King’s Cross, wo ich selbstverständlich das Gleis 9 3/4 aufsuchen musste.

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Zum Abschluss des Abends fehlte nur noch etwas zu Essen. Zum Glück gab es am Bahnhof (ich wäre keinen Schritt weiter als notwendig gelaufen) ein LEON-Restaurant. Da ich das zugehörige Kochbuch daheim habe, musste ich unbedingt einmal dort essen! Wir hatten Wraps und hausgemachte Lemonade. Während die Lemonade ausgesprochen hervorragend war, waren die Wraps zwar völlig in Ordnung, aber auch unspektakulär.

So, und wer jetzt gezählt hat, wie unsagbar oft in diesem Beitrag das Wort “Tower Bridge” vorkam, bekommt 1.000 Internet-Punkte von mir!

London: Bunte Häuser und Jean Valjean

Ich habe hin- und herüberlegt, wie ich unseren London-Trip im Blog zeigen möchte. 7 Tage, das bedeutet 1.400 Fotos! Das klingt natürlich massig, aber wenn man es auseinanderrechnet, hat jeder von uns 100 Fotos am Tag gemacht. Nicht mehr sooo viel, oder? (Nun gut, solange man es nicht vergleicht mit den analogen Zeiten, wo man im Normalfall einen oder zwei Filme pro Urlaub verknipst hat. Ich allerdings damals schon gerne bis zu fünf.)

Jedenfalls habe ich einfach beschlossen, dass ihr das ganze jetzt chronologisch lesen und anschauen dürft. Das werden zwar eine Menge Posts mit einem ganzen Haufen Fotos, aber da müsst ihr nun durch (oder die Posts mit “London” am Anfang in den nächsten Tagen einfach ignorieren)!

Der erste Tag war wirklich lang. Unser Flieger ging um 6.30, wir mussten zeitig vorher da sein und es war der Morgen direkt nach dem großen Unwetter im Ruhrgebiet und Düsseldorfer Raum. All das zusammen führte dazu, dass wir um 3.30 Uhr aufstanden und um 4.15 Uhr ins Taxi zum Flughafen stiegen. Gähn. Glücklicherweise klappte dann aber alles gut und wir waren schon gegen 9 Uhr an “unserer” U-Bahn-Station: Earl’s Court. Das Hotel hatten wir wegen seiner zentralen Lage ausgesucht (es war ansonsten nicht der Rede wert, daher gibt’s hier auch keine weiteren Details – Steffis Beschreibung klang da zum Beispiel weitaus einladender!), aber schon auf Google Street View war uns das absolute Highlight dieser Lage klargeworden: Jeden Tag kamen wir an der Tardis vorbei, die direkt vor dieser Station “geparkt” ist!

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Nachdem wir unsere Koffer im Hotel abgeliefert hatten, machten wir uns auf zum ersten “Spaziergang”. Wir orientierten uns dabei an diesem Reiseführer, der insgesamt zehn Spaziergänge genau aufzeichnet. Für die Planung fand ich das ausgesprochen hilfreich, weil man hier auch immer noch gleich eine Zeiteinschätzung bekam. Zu beachten ist dabei, dass die reine Wegzeit gerechnet wird, natürlich. Wenn man unterwegs noch etwas von dem, an dem man so vorbeikommt, besichtigen will, muss man die Zeit entsprechend anpassen. Das wurde uns aber erst am zweiten Tag zum Verhängnis. 🙂 Heute ging es erst einmal bei strahlendem Wetter auf nach Notting Hill.

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In Notting Hill und auf der Portobello Road war um diese Tageszeit an einem Mittwoch Vormittag nicht viel los. Das störte uns überhaupt nicht (zumal es glaube ich der einzige Tag ist, von dem wir das wirklich behaupten können), wir waren ziemlich müde und schlenderten nur herum, sahen uns alles an und besuchten das eine oder andere Geschäft, ohne irgendetwas zu kaufen.

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So hatten wir auch genug Zeit, uns an die lokalen Gepflogenheiten zu gewöhnen, um nicht in kürzester Zeit überfahren zu werden. 😉

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Wir spazierten also ganz gemütlich am berühmten Buchladen vorbei (tssss: der Held hat “Notting Hill” noch nie gesehen, ist das die Möglichkeit?)…

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…und schauten uns die Häuser der Reichen und Schönen an, die noch ihren eigenen Lieferanteneingang haben…

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…und ihre Möbel lediglich dem königlichen Umzugsunternehmen anvertrauen. 😉 (Ja wirklich, unter dem Wappen steht es: “By Appointment to Her Majesty The Queen Removals & Storage Contractor Abels”!) Da wird nicht einfach umgezogen so wie bei unsereins, nein – das ist direkt “die Kunst des Umziehens”!

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Alles in allem war es wirklich schön in Notting Hill, und das eine oder andere Haus hätten wir durchaus auch genommen. 😉

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Nach unserem Spaziergang hielten wir doch noch ein kleines Schläfchen im Hotel ab. Das war dringend nötig, damit wir den Abend überstehen würden. Dort wollte ich definitiv nichts verpassen, denn schon am ersten Abend hatten wir eines meiner persönlichen Urlaubshighlights gebucht!

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Ich bin ein großer Musical-Fan. Les Misérables ist mein absolutes Lieblings-Musical, ich habe es in Deutschland auch schon einige Male live gesehen. In London wollte ich auch unbedingt eine Musical-Aufführung sehen. Mehrere Musicals standen zur Auswahl, aber am Ende ist es doch dieses geworden – und wieso auch nicht, es ist ja auch einfach großartig.

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Während der Aufführung waren Fotos natürlich nicht erlaubt, daher habe ich nur einige Impressionen aus dem Queen’s Theatre mitgebracht. Ich kann aber berichten, dass es einfach großartig war. Schon nach dem ersten Stück hatte ich Gänsehaut und selbst der Held, bekennender Musical-Hasser, flüsterte mir irgendwann zu, so toll habe er es sich ja nicht vorgestellt. Die Singerei fand er zwar immer noch etwas doof, aber die Kulissen waren auch wirklich beeindruckend.

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Und bei so einigen Liedern musste selbst der Held anerkennend mit dem Kopf nicken, beispielsweise als Jean Valjean Gott beschwor, Marius überleben zu lassen (das Lied war nie mein Favorit, aber in dieser Aufführung – wow), oder bei eigentlich jedem Lied der überragenden Eponine (Carrie Hope Fletcher). Ich für meinen Teil habe natürlich das eine oder andere Tränchen vergossen, wie sich das gehört für Les Mis. In der Pause war ich schon äußerst betrübt, dass es ja jetzt schon halb vorbei war, und als es dann tatsächlich zu Ende war, hätte ich am liebsten direkt die Ticktes für den nächsten Abend gekauft. Leider ließen das natürlich weder unser Zeitplan noch unser Konto zu – worüber der Held sicherlich ganz froh war. 😉

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Nach dem Musical machten wir nur noch für einige “London by Night”-Fotos halt und fielen nach diesem langen Tag äußerst erschöpft in unser Hotelbett!

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