Kategorie Archive: Gedankenhüpfer

Zurück in der Zukunft

Wenn man in seinem Blog so lange nicht geschrieben hat wie ich, ist es ein bisschen wie mit einer Freundin, bei der man sich lange nicht gemeldet hat. Manchmal denkt man an sie, und dann sticht das schlechte Gewissen. Ist es jetzt zu spät? Ist sie sauer? Denkt sie auch noch an mich? Wenn ich mich jetzt noch melde, was ist meine Entschuldigung? Haben wir uns überhaupt noch etwas zu sagen?

So stehe ich jetzt hier, in meinem guten alten Blog, und schaue etwas betreten nach links und rechts. Seit Monaten habe ich nichts mehr geschrieben, mich kaum noch eingeloggt. Blog-Müdigkeit, kombiniert mit privatem Stress und generell dem Bedürfnis, mich etwas einzuigeln, waren der Grund. Aber alles ist noch da, so wie ich es zurückgelassen habe. Angefangene Entwürfe, in der Seitenleiste ein Buch, das ich vor Monaten gelesen habe. Was nun?

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Nun, der Freundin würde man vermutlich zunächst einmal erzählen, was man in der letzten Zeit so getrieben hat. Was ist also in den letzten Monaten passiert in meinem Leben? Ich habe Bücher gelesen und nicht aufgeschrieben, welche. Ich habe mein Tattoo nachstechen lassen, jetzt ist es wirklich und wahrhaftig fertig. Ich habe angefangen, regelmäßig zu Bouldern und habe riesigen Spaß dabei. Ich habe einen türkischen Kochkurs besucht und eine Lesung der drei Fragezeichen. Ich habe mich von Kapelle Petra und Elfmorgen überzeugen lassen, mehr auf Konzerte zu gehen – das nächste steht Ende des Monats an. Ich habe gemeinsam mit dem Helden eine kleine emotionale Achterbahnfahrt durchlebt, als wir überlegten, wo und wie wir in Zukunft leben möchten; letzten Endes haben wir aber die perfekte Wohnung für uns gefunden und werden voraussichtlich im Sommer umziehen, wenn der Vermieter mit dem Renovieren fertig ist.

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Wenn ich das alles auf einen Haufen sehe, frage ich mich, woher dieses Gefühl kommt: dass ich eigentlich gar nichts mehr zu erzählen hätte hier im Blog. Dass alles schon gesagt und gezeigt ist, dass ich gar nichts mache und all das sowieso niemanden interessiert. Allerdings frage ich mich dennoch nach wie vor, wo es mit diesem Blog hingehen soll. Ob ich nicht doch mal einen (anderen?) Schwerpunkt setzen sollte. Und ob ich überhaupt Lust habe, wieder anzufangen.

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Tja, hmm. Wie sieht’s aus, worüber wollt ihr denn wieder mal was lesen? Alltag, Bücher, Kreatives? Umzugsgeschichten oder Konzertberichte? Oder mal was ganz anderes, über Serien, Videospiele, übers Bouldern oder …?

So oder so verspreche ich, dass dies der einzige Beitrag in diese Richtung bleiben wird. Egal, wann der nächste Artikel folgt – es gibt ja nichts nervigeres, als in einem Blog fünf Posts hintereinander zu lesen, in denen es nur darum geht, dass sich die Autorin entschuldigt, so lange nicht geschrieben zu haben. Aber es wenigstens einmal zu thematisieren, war mir doch ein Bedürfnis.

Jetzt schaue ich mich etwas verschüchtert um: Was sagt die Freundin, bei der man sich nach Monaten plötzlich wieder meldet? Was sagt der Blog – sind die Leserinnen überhaupt noch da, oder schreibe ich allein auf weiter Flur? Ein ungewohntes Gefühl. Aber ich sag einfach mal ganz optimistisch: Bis bald!

1000 mal Willkommen – Kopfschütteln reicht nicht

“Ganz ehrlich: So lange reihenweise Menschen, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, Kommentarspalten im Internet mit rassistischen Kommentaren vollkotzen, können wir gar nicht genug Titelseiten haben, auf denen ‘Willkommen’ steht.” – Florian Schroeder im ZEITraffer.

Liebe Leute, genau so schaut’s aus. Flüchtlinge aus allen Ecken der Welt versuchen, Europa zu erreichen, und die Deutschen reagieren – mit Hass, Zynismus, Hetze. Egal, in welchem Online-Medium man in die Kommentare schaut, in welchen sozialen Netzwerk man die Diskussionen liest: von “Ich hab nichts gegen Ausländer, aber…” bis “Super, wieder ein paar hundert weniger” als Reaktion auf ein gesunkenes Flüchtlingsboot ist alles dabei. Das ganze Spektrum der fiesesten Fratze, des hässlichsten Gesichts Deutschlands. Und es ist gesellschaftsfähig geworden.

Wenn man nur online unterwegs ist, kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass mittlerweile eine Mehrheit der Deutschen so denkt. Tatsächlich nicht mehr nur anonym, sondern völlig offen sind viele unterwegs, und sie ernten Zustimmung. Sie ernten aber auch Widerspruch, und weil das Internet nun einmal das Internet ist, entstehen daraus viel zu häufig tiefe, niveaulose Grabenkämpfe, mit Beleidigungen und Schwanzvergleichen, mit völlig absurden Argumenten und an den Haaren herbeigezogenen Statistiken auf beiden Seiten, so dass man einfach keine Lust hat, sich da jetzt wirklich einzumischen.

Aber!

Bei uns im Stadtteil wurde Anfang des Jahres ein Flüchtlingswohnheim gebaut. Und weil unser Dorf ein tolles ist, war die Reaktion, zumindest die öffentlich sichtbare, ausschließlich positiv (was beim einen oder anderen am Abendbrottisch geredet wurde, weiß ich natürlich nicht). Informationsveranstaltungen waren gut besucht, und alle wollten nur eins: helfen. Bei Treffen der ehrenamtlichen Mitarbeiter gab es nicht genügend Stühle, und die mittlerweile gegründete Kleiderkammer bittet im regelmäßigen Newsletter, von weiteren Spenden zunächst einmal abzusehen, weil es sonst zu viel wird. Wenn eine Email rumgeht, weil etwas benötigt wird, kommt eine Stunde später eine weitere, dass es bereits gefunden wurde. Die Menschen engagieren sich, die Menschen sind positiv eingestellt und heißen die Flüchtlinge willkommen, so gut es geht.

Können, wollen, dürfen wir wirklich zulassen, dass im Internet der Eindruck entsteht, uns sei es egal, was dort geschrieben wird – weil wir es schließlich in der Realität anders sehen? Dass Rassisten unter dem Deckmantel der Besorgnis lügen, dass sich die Balken biegen, ohne das jemand groß widerspricht? Dass Beleidigungen und Hetze der übelsten Sorte von anderen noch bejubelt werden? Denn ich bin mir sicher: Das ist nicht die Mehrheit. Die Mehrheit liest die Kommentare, schüttelt den Kopf und denkt sich seinen Teil (und macht sich über die häufig der deutschen Rechtschreibung nur mäßig mächtigen Autoren lustig – was nicht hilft, sorry). Während sich die Minderheit daran aufgeilt, jetzt vermeintlich das Sagen zu haben, und zur Abwechslung mal ein Flüchtlingsheim anzündet, hey, endlich mal.

“Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegenhalten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen.” Anja Reschke findet ihm Tagesthemen-Kommentar großartige Worte zu diesem Thema, und zu Recht wird ihr Beitrag zahlreich geteilt. Und allein, wenn man einige Kommentare unter dem Video liest, weiß man, was sie meint.

Lutz ist übrigens auch dieser Meinung, und deswegen hat er die Aktion “1000 mal Willkommen” ins Leben gerufen. “Ich möchte den stummen (und lauten) Befürwortern eine Plattform bieten auf denen wir alle gemeinsam sagen können: ‘Herzlich willkommen – schön, dass Du da bist!'” – so stellt er die Aktion auf der zugehörigen Website vor. Gern reihe ich mich ein und sage “Herzlich Willkommen” an alle Flüchtlinge, die Deutschland erreichen und auf Hilfe, nicht auf Hetze treffen sollten.

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Mit einem coolen W für “Willkommen” und einer Begrüßung in vielen Sprachen, bei denen ich hoffe, dass Google alles richtig übersetzt hat! 😉

Natürlich reicht ein Blogpost nicht aus. Aber allein einmal zu zeigen, dass die schreienden Hetzer eben nicht die Mehrheit stellen, dafür lohnt es sich. Daher würde ich mich über jeden freuen, der sich der Aktion anschließt – auch, wenn man vielleicht sonst nicht so ein Aktionsfan ist. Auch als Nicht-Blogger kann man mitmachen und sein Bild auf der Aktionsseite hochladen (das ist, soweit ich das sehe, sogar die überwiegende Mehrheit)!

Ich fürchte, ganz ehrlich, dass mir meine Energie auch weiterhin für Kommentarschlachten auf Facebook & Co. zu schade sein wird. Aber je nach Thema schaffe ich es vielleicht doch, dem einen oder anderen zu widersprechen – einfach, damit ihm widersprochen wird. Damit niemand der Ansicht ist, er könne seine fremdenfeindlichen Botschaften ohne Gegenwehr in die Welt setzen. Und wenn jeder von uns das nur bei dem einen oder anderen Kommentar macht, bleibt vielleicht kein hetzender Satz auf Facebook unwidersprochen. Denn ich glaube nach wie vor fest daran, dass die Mehrheit der Deutschen nicht aus Rassisten und Nazis besteht, sondern dass wir, die “Gutmenschen” (diesen Begriff trage ich gern), nur einfach bislang viel zu leise sind.

Weiblich, männlich, ganz egal? #wasanderswäre

Habt ihr schon die Aktion #wasanderswäre mitbekommen? “Ich mach mir die Welt” haben dieses Blogstöckchen ins Leben gerufen, und ich finde das Thema sehr interessant. Es geht nämlich darum, was in eurem Leben anders wäre, wenn ihr mit einem anderen Geschlecht geboren worden wäret. Also in meinem Fall, wenn im Mai 1984 keine kleine Nele, sondern ein kleiner Felix auf die Welt gekommen wäre. Dazu gibt es sechs Fragen, die ich versuche, zu beantworten. Und ich entschuldige mich jetzt schon bei meiner Mutter, falls ich irgendwelche Aspekte aus meiner Kindheit falsch darstelle oder interpretiere.

Geburtskarte

Rosa, nicht hellblau wie die vom Helden: Kategorisiert schon im Krankenhaus.

 

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann wärst?

In meiner Erziehung wurde sehr viel Wert auf Geschlechtergerechtigkeit gelegt. Ich habe immer vermittelt bekommen, dass ich alles genauso gut kann wie ein Junge/Mann, dass es eigentlich keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Ich lernte mehr Handwerk als Handarbeit, hatte niemals Barbies und habe im Kinderzimmer gleichwertig mit Matchbox-Autos und Puppen gespielt, war Fußballfan und mochte Boygroups. Ich würde mich weder als “typisches Mädchen” bezeichnen, noch würde ich sagen, dass ich das genaue Gegenteil war, wie man es häufig (oft mit einem Hauch von Stolz) hört von Frauen, die als Kind mit Autos gespielt haben. Ich war einfach ich, und ich habe meine Puppen genauso geliebt wie meine Bücher, meine Autos, meine Playmobil- und Lego-Kisten. Nur Schminken war ein Thema, mit dem ich (eigentlich bis heute) nie zu tun hatte.

Und wenn ich tatsächlich ein Junge gewesen wäre? Hätte ich dann die gleiche Erziehung bekommen, in der die Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit so eine große Rolle spielte, oder war das ein “Mädchenthema”, damit ich lerne, dass ich gleichberechtigt bin? Hätte ich auch mit Puppen gespielt, oder das doof gefunden? Ich hätte sicherlich andere Freunde gehabt (und mir sowohl in der Grund- als auch in der weiterführenden Schule einigen Zickenkrieg ersparen können), denn meine beste Freundin hätte sich in der 5. Klasse vermutlich nicht neben mich gesetzt und zu ihrer Freundin erkoren, wäre ich ein Junge.

Vielleicht hätte ich etwas anderes studiert, hätte mein Interesse für Informatik und Computerthemen mehr verfolgt. Vielleicht aber auch nicht, denn eigentlich bin ich ja nicht unglücklich mit meinem Weg – ich hatte nie das Gefühl, dass ich lieber etwas technischeres machen würde, aber nicht kann, weil ich ein Mädchen bin. Vermutlich hätte ich es beim Bewerben leichter gehabt – als junge Frau im gebärfähigen Alter ist man ja oft nicht ganz oben auf der Wunschliste. Aber das ist Spekulation, da ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob es jemals daran lag, dass ich einen Job nicht bekommen habe.

Ich wäre mit Sicherheit nicht mit dem Helden verheiratet. 😉 Aber vielleicht wäre ich mit einer anderen Person, männlich oder weiblich, glücklich. Vielleicht hätte ich schon Kinder, ohne mir über die Arbeit und Beruf so große Gedanken machen zu müssen.

Und im konkreten Alltag, wenn wir jetzt einfach mal annehmen, dass der Held eine Frau wäre und ich ein Mann? Es wäre wohl vieles ähnlich. Ich würde vermutlich nicht unbedingt das Nähen als Hobby angefangen haben, sondern mehr Xbox zocken – aber das mache ich auch. Vielleicht würde ich nicht im Chor singen, sondern in den Fußballverein gehen. Vielleicht würde ich mehr Geld verdienen. In der generellen Aufgabenverteilung im Haushalt wäre es vermutlich gleich, das ist bei uns sehr ausgeglichen. Im Büro hätte ich es vielleicht sogar schwerer, da mir die Kollegen in der Werkstatt , mehrfache Nachfragen zu technischen Themen durchaus verzeihen. Allerdings müsste ich mir vermutlich weniger Kommentare zum Thema Familienplanung anhören (definitiv aber andere, und es würde weniger vorausgesetzt, dass ich zuhause bleibe und mich um potentielle Kinder kümmere).

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Ich konnte auch ohne rosa!

 

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist?

Bei Einladungen in der Küche oder beim Abräumen helfen, because that’s what you do. Ich sehe ein, dass es nur höflich ist, “Kann ich dir helfen?” zu fragen. Aber ich mache es nicht, weil ich Spaß daran habe, sondern eben, weil es sich so gehört. Das ist auch ok und ich finde es nicht schlimm, aber: Die Männer fragen das nie. Oder erst nach einem strengen Blick und Tritt unterm Tisch von ihrer Partnerin. (Disclaimer: Der Held schwört, dass das bei ihm anders ist.)

Mich an bestimmten Körperstellen rasieren und meine Haare in einer mehr oder minder weiblichen Frisur tragen (ich hasse Frisörbesuche und ich hasse es, mir zu überlegen, wie mein Haar aussehen soll. Als Mann hat man es da leichter, denke ich. Kurz und gut.)

Als Teenager hatte ich außerdem ein wahnsinniges Bedürfnis, mich zu beweisen. Meine Coolness unter Beweis zu stellen, zu zeigen, dass ich genauso viel trinken kann wie die Jungs (Spoiler: kann ich nicht), dass ich kein “Mädchen” bin, dass ich mutig bin und selbstbewusst und ganz sicher nicht schwach und “weiblich”. Urgs. Heute taucht das noch gelegentlich auf, aber ich versuche, es im Griff zu haben.

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Aber in rosa gab’s mich auch!

 

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du eine Frau bist?

Gar keine. Das wiederum lässt sich wahrscheinlich auf die Erziehung zurückzuführen, die mich ja schließlich gelehrt hat, dass ich alles genauso gut kann wie ein Mann. Und zu einem gewissen Teil auf meine Persönlichkeit (die aber genausogut ebenfalls von der Erziehung beeinflusst sein kann, wer weiß das schon). Ich habe keine Angst, im Dunkeln allein unterwegs zu sein – diesen Satz habe ich in anderen Beiträgen am häufigsten gelesen. Ich habe einfach nie negative Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht (glücklicherweise) und sehe gar nicht ein, dass ich mich einschränken soll aufgrund diffuser Ängste und weil einige Menschen (Männer) Arschlöcher sind. Pfff. Ich denke mir immer “Je mehr ehrliche Menschen jetzt hier unterwegs sind, desto sicherer wird die Gegend.” Das habe ich mir vor allem in meiner Zeit in Düsseldorf oft gedacht, wo ich nicht im besten Viertel in Bahnhofsnähe gewohnt habe. Ich hatte drei Möglichkeiten, zum HBF zu laufen. Einen sehr langen, “sicheren” Weg, einen sehr kurzen durch einen Park und einen mittellangen, unter einer Brücke hindurch an der Drogenberatungsstelle mit Spritzenautomaten (also wie Zigarettenautomat, nur für Spritzen) vorbei. Ich bin eigentlich immer durch den Park, meine Nachbarin hat immer den langen Weg genommen und das hat mich persönlich schon irgendwie genervt, obwohl es ja wirklich nicht mein Problem war. Aber Angst ist sowieso kein vorherrschender Charakterzug meinerseits.

In der Oberstufe gab es zwei Kurse, einen mit Fußball als Schwerpunktthema und einen mit Badminton und Tanz. Im Fußballkurs waren aber ausschließlich Jungen, daher habe ich den anderen gewählt. Nunja, letzten Endes wären glaube ich beide Kurse dank ihrer Lehrer nicht die beste Erfahrung meines Lebens geworden.

Im Studium habe ich in verschiedenen WGs gewohnt, und ich hätte keine “gemischte” WG gewollt. Dafür gibt und gab es keinen sachlichen Grund, und vielleicht hätte ich es auch besser mal riskieren sollen. Im Studentenwohnheim im Auslandsjahr waren auch Jungs, und es war gar kein Problem.

 

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Durch jedes. Erwähnte ich den Drang, mich zu beweisen? 😉 Ich kann Autofahren und Einparken, Handwerken, schwere Dinge tragen und eigentlich alles (muss da noch wer an Lotta denken?). Und was ich nicht kann, das kann ich lernen.

Im Alltag fühle ich mich persönlich aber eigentlich nicht eingeschränkt. Wenn, dann gebe ich direkt Contra, und das muss ich nicht besonders oft.

Ich mag es allerdings nicht so gern, wenn Leute sich Sorgen machen, dass ich (vor allem nachts/abends) nicht sicher nach Hause kommen könnte. Obwohl sie es alle nur nett meinen. Das würden sie vermutlich nicht machen, wenn ich ein Mann wäre.

 

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen zu gehören.

Wenn es um körperliche Arbeit geht, hat man es als Frau leichter, diese an einen Mann abzugeben. Ich habe lange gebraucht, bis ich zugeben konnte, dass Männer nun mal in den meisten Fällen stärker sind als ich – aber nun, meine Güte, dann lass sie doch meinen Koffer tragen, die Möbel aus dem Auto schleppen oder die Einkaufstasche übernehmen. Welche Rolle spielt es, ob ich das wirklich nicht kann? Wenn’s sie glücklich macht, der starke Gentleman zu sein… Aber ich möchte bitte selbst fragen. Männer, um Himmels Willen, hört bitte auf, mir Hilfe anzubieten oder zu fragen “Sollen wir nicht lieber warten, bis XY da ist, der helfen kann?” Ich bin auch stark! Unterschätzt mich nicht, verdammt! Ja, das ist verwirrend. Ich habe nie behauptet, dass alle meine Überlegungen und Gefühle zwangsläufig logisch sind. 😉

 

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich möchte behaupten, die meisten in meinem Leben, glücklicherweise. Bei uns im Büro spielt das Geschlecht keine Rolle, im Haushalt bei uns spielt das Geschlecht keine Rolle (wenn man den Helden fragt, ist er für das Auto verantwortlich, weil er der Mann ist – wenn man mich fragt, dann wasche ich es deshalb nicht, weil es mich nicht interessiert und weil ich Waschstraßen etwas gruselig finde, und es ihm persönlich wichtiger ist). Ich habe es da tatsächlich ganz gut.

Für die Allgemeinheit fallen mir jetzt nicht wirklich Situationen ein, in denen das Geschlecht egal ist. In den meisten Fällen spielt es wohl schon eine Rolle. Sei es im Job, im Sport (Frauenfußball, anyone?), in der Schule oder schon im Kindergarten, im Straßenverkehr, im Restaurant, im Baumarkt, in der Buchhandlung, … Das einzige könnte eventuell der Supermarkt sein. Ja, ich glaube, im Supermarkt ist das Geschlecht nicht so wichtig. Vielleicht. Wer weiß. Man muss ja nicht gerade die Chips kaufen, die nach Geschlecht getrennt vermarktet werden…


 Inspiriert wurde ich zur Teilnahme an dieser Aktion von der lieben Nike, die die Fragen selbst sehr lesenswert beantwortet hat – und ihr Mann hat sich ebenfalls daran gesetzt, was ich super finde! Und auch ich möchte jemanden zum Mitmachen aufrufen, nämlich Katha, Jana und Steffi. Katha, weil ich einfach neugierig bin. 😉 Jana, weil sie mir auf Facebook immer wunderbare feministische Links in die Timeline spült, die ich höchst interessiert lese (das mache ich, Jana, auch wenn ich nicht immer etwas dazu schreibe!). Und Steffi, weil wir das Thema letztens gaaaanz kurz am Rande gestreift hatten (es ging um Teilzeitjobs & Co.). Ich hoffe, ihr habt Lust! Alle anderen sind natürlich auch herzlich eingeladen, mitzumachen, ich finde es sehr spannend – und ich selbst habe mir das Stöckchen schließlich auch “einfach so” gemopst, ohne direkt nominiert gewesen zu sein. 😉

“Sicher bin ich nur dahinter?” Gefährliches Radfahren in Münster.

Heute Morgen fuhr ich wieder einmal mit meinem Fahrrad zur Arbeit. Es ist reine Faulheit, dass ich mittlerweile den Weg an den Hauptstraßen entlang gegenüber dem idyllischen Feld-, Wald- und Wiesenweg bevorzuge: Er ist einen Kilometer kürzer, und über die komplette Strecke kann ich einen Radweg benutzen. Heute radelte ich an einem ellenlangen Auto-Stau vorbei, das freut mich ja heimlich immer etwas. An einer Kreuzung regelte die Polizei den Verkehr, obwohl die Ampeln alle funktionierten, und ich wunderte mich etwas.

Später klärte sich dies bei einem Blick in die Polizeimeldungen: Kaum 45 Minuten, bevor ich über die Kreuzung radelte, versuchte dies auch eine 23jährige Münsteranerin. Doch ein LKW-Fahrer, der rechts abbiegen wollte, missachtete die Vorfahrt, erfasste das Fahrrad samt Fahrerin mit seinem LKW und verletzte die junge Frau lebensgefährlich. Ein “klassischer” Abbiege-Unfall – wieder einmal. Nicht nur heute, sondern auch schon vergangene Woche, vor 14 Tagen, vor einem Monat sogar am selben Tag zwei Mal wurden Radfahrer in Münster das Opfer von abbiegenden Kraftfahrzeugen. Und ich könnte sicherlich mehr aufzählen, hätte ich Lust, das Meldungsarchiv weiter als zwei Monate zurückzudurchforsten.

In der Presse liest sich das dann so: “Dabei übersah er eine 53-jährige Fahrradfahrerin”, “Nach ersten Erkenntnissen der Polizei übersah der 56-jährige Schwetzinger die Radlerin”, “Eine 72-jährige Frau ist an der Kanalstraße von einem Lkw-Fahrer übersehen worden”. Der Hinweis auf Verkehrsbehinderungen durch den Unfall darf nie fehlen, und in manchen Fällen wird der Artikel von einer Bilderserie des zermalmten Fahrrads illustriert. Wirklich, liebe Medien? Aber darum soll es heute nicht gehen.

Spuren des heutigen Unfalls.

Spuren des heutigen Unfalls.

 

Polizei warnt Radfahrer

Im Zuge dieser viel zu zahlreichen Unfälle hat die Lokalzeitung kürzlich einen Artikel veröffentlicht, in dem die Polizei erhöhte Aufmerksamkeit fordert. Man solle aufpassen und an den toten Winkel denken. Logisch, denkt man sich, wenn man sich an die Sätze aus den vorangegangenen Artikeln erinnert, in denen das Wort “übersehen” die Hauptrolle spielt. Aber wen warnt die Polizei? Die Radfahrer. Und zwar ausschließlich die Radfahrer.

Ungelogen, ich zitiere diesen Artikel: “Mit einem Blick in die Unfallstatistik rät die Polizei Radfahrern eindringlich zu einer erhöhten Aufmerksamkeit bei abbiegenden Kraftfahrzeugen. So sind im vergangenen Jahr 23 Radler bei sogenannten Abbiege­unfällen schwer verletzt worden, wobei die Zusammenstöße mit Lkw oftmals die folgenschwersten waren. (…) In vielen Fällen wurde der Radfahrer, der zumeist parallel zur Fahrbahn unterwegs war, übersehen.” Der Radfahrer solle sich doch bitteschön darauf besinnen, dass der LKW im Zweifel stärker sei, und im Zweifel “nicht auf sein Recht beharren”.

Fassen wir zusammen: Der Radfahrer verhält sich regelkonform. Der Kraftfahrer biegt ab und hat die Pflicht, zu schauen – Stichwort Schulterblick, zumindest bei Autofahrern. Der Kraftfahrer “übersieht” den schwächeren Verkehrsteilnehmer, fügt ihm in vielen Fällen ernsthaften Schaden zu. Und wer soll besser aufpassen? Der Radfahrer. Liebe Polizei Münster, ist das dein Ernst?

 

Schuldumkehrung: Pass doch auf, wenn dir jemand die Vorfahrt nimmt!

Natürlich verstehe ich diese Warnung. Und ich beherzige sie in meinem Fahrrad-Alltag. Niemals neben Fahrzeuge an der Ampel stellen, lediglich davor oder besser noch dahinter. Was mir herzlich wenig weiterhilft, wenn ich an der Ampel bereits stehe, aber das nachkommende Fahrzeug sich neben mich stellt (fahre bzw. stehe ich weiter mittig, wird oft geschimpft und sogar gehupt). Oder wenn ich auf dem Radweg fahre. Ich gucke vor jeder Kreuzung, ob jemand abbiegt, und fahre nur, wenn ich sicher bin, dass der Fahrer mich gesehen hat – durch Blickkontakt (bei LKW schwierig, so hoch oben) oder wenn er sichtbar verlangsamt. Trotzdem bin ich letztes Jahr von einem Auto angefahren worden, in genau so einer Situation.*

Also, es ist nicht der Punkt, das Radfahrer selbstverständlich aufmerksam sein müssen im Straßenverkehr, da sie im Zweifel der schwächere Verkehrsteilnehmer sind. Niemand will auf seine Vorfahrt bestehen und im festen Glauben, im Recht zu sein, überfahren werden. In solchen Fällen wünsche ich mir übrigens laute Autohupen, damit die Kraftfahrer, die mir gerade die Vorfahrt genommen haben, das wenigstens merken und bei der nächsten Kreuzung aufmerksamer sind. Leider sind laute Hupen für Fahrräder in Deutschland verboten.

Der eigentliche Kritikpunkt, den ich an dieser Stelle anmerken möchte, ist folgender: Die Reduzierung des Warnhinweises auf die Radfahrer ist eine absolut ungerechtfertigte Schuldumkehrung, die letzten Endes den Radfahrer selbst dafür verantwortlich macht, wenn er überfahren wird. Wäre es nicht sinnvoll, die Kraftfahrer mindestens genauso, eher mehr zu Aufmerksamkeit beim Abbiegevorgang aufzufordern? Das “Übersehen” durch den Kraftfahrer ist ein aktiver Vorgang des Unfallverursachers. Nicht des Radfahrers, der hier passiv übersehen wird und auch überfahren wird. Aber die Polizei erwähnt mit keinem Wort, dass auch Auto- und LKW-Fahrer eine “erhöhte Aufmerksamkeit” walten lassen sollten. Die können ja nichts sehen. Ist ja nicht ihre Schuld. Ist eben so. Das wird nicht gesagt, jedoch eindeutig impliziert. Aber stimmt das?

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Die Unfallkreuzung. Tatsächlich warten Fahrräder hier teilweise sogar etwas vorgelagert zu den Autos.

 

Sicher bin ich nur dahinter

Der tote Winkel bei LKW und Bussen ist sicherlich ein Problem. In Münster wird dies schon seit Jahren mit der Kampagne “Sicher bin ich nur dahinter” angegangen, die Radfahrer dazu auffordert, nicht neben oder vor, sondern eben hinter großen Kraftfahrzeugen zu fahren und zu stehen. Ausgehebelt wird dies allerdings sehr schnell, wenn man von der Fahrbahn separierte Radwege hat, wie es gerade an den Hauptstraßen gängig ist. Auf diesen Wegen fühlen sich die meisten Hobby-Radler sicherer, und auch ich fahre im Grunde lieber dort als auf der Straße. Problematisch wird es auch erst an Kreuzungen, denn klar – hier fährt man als Radfahrer immer bis an die Ampel heran. Man hält ja nicht ernsthaft mitten auf dem Radweg zehn Meter vor der Ampel, weil dort ein LKW steht. Schon ist man – zack! – im toten Winkel, so schnell geht das. Statistisch sind separierte Radwege daher deutlich weniger sicher als das Fahren direkt auf der Straße, auch wenn es sich anders anfühlt. Allerdings ist in vielen Fällen das Benutzen des Radwegs Vorschrift, und selbst wenn nicht, akzeptieren Autofahrer es in der Regel kaum, wenn man trotz Radwegs auf der Straße fährt.

Es ist also ein Problem, wenn man zeitgleich an einer roten Ampel wartet und auf dem Radweg steht. Ein anderes Problem ist es, wenn es evtl. gar keine Ampel gibt oder man schon Grün hat. Meiner Ansicht nach ist es dann die Pflicht eines Kraftfahrers, zu wissen, ob ein Fahrrad auf der Strecke ist. Man hat es schließlich höchstwahrscheinlich gerade erst überholt. Selbst im Video, das die Aktion “Vorsicht Toter Winkel” zur Veranschaulichung auf ihre Webseite gestellt hat (hier ganz unten), sieht man, dass der LKW zunächst am Radfahrer vorbeifährt, um ihn dann im toten Winkel urplötzlich zu übersehen. Ganz ehrlich? Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und weiß, dass ich gleich rechts abbiegen muss, achte ich schon weit vorher auf Radfahrer auf dem Radweg. Als Radfahrer wird man ja nicht plötzlich in den toten Winkel hineingezaubert, man war schon vorher da.

 

Lösungen sind nicht in Sicht – leider

Meiner Meinung nach gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten für das offensichtlich vorhandene Problem:

Sicherlich wichtig sind technische Lösungen. Zum einen gibt es die Black Spot-Spiegel, die in Münster nun schon an diversen Kreuzungen installiert wurden. Auch LKW könnte man mit weiteren Sicherheitssystemen ausstatten – mehr Spiegel, anders gestaltete Kabinen, Computersysteme oder mehr. Vieles ist in Arbeit – allein, es fehlt die Vorschrift und somit wohl auch der Wille der Unternehmen, das Geld zu investieren (der einzelne LKW-Fahrer hat vermutlich wenig dagegen, wenn es ihm das Fahren erleichtert).

Sinnvoller, aber auch erheblich teurer und schwieriger umzusetzen ist eine komplette Umstrukturierung des Verkehrsraums. Radfahrer und Kraftfahrer müssen im Prinzip gleichberechtigt zusammengelegt werden. Raum wird in unserem Verkehr viel zu selbstverständlich von Autos eingenommen.** Es macht im Grunde für jeden Verkehrsteilnehmer wenig Sinn, rechts von Rechtsabbiegern unterwegs zu sein (sehr lesenswert dazu der erste Absatz dieses Kommentars, um zu illustrieren, wie absurd das eigentlich ist). Kreuzungen, bei denen die Radfahrer ihre eigene kleine “Wartebox” eben vor den Autofahrern haben, sind ein guter Anfang. Generell sollte man aber den kompletten Rad- und Autoverkehr zusammenlegen, was ja erwiesenermaßen sicherer ist. Die Frage ist, ob dies nicht wiederum viele Hobby-Radler davon abhält, überhaupt Rad zu fahren, weil es sich eben auf der Straße rein subjektiv unsicherer anfühlt.

Bis dahin hilft eben nur eins: Aufmerksamkeit. Auf beiden Seiten – natürlich muss ein Radfahrer im Eigeninteresse besonders aufpassen. Aber meiner Meinung nach liegt die Verantwortung insbesondere auf Seiten des stärkeren Verkehrsteilnehmers. Wenn ich nicht sehen kann, ob jemand kommt, dann muss ich eben anhalten und genauer gucken. Punkt. Wenn ich einen Radfahrer kurz zuvor noch überholt habe, dann löst er sich nicht einfach in Luft auf, weil er im toten Winkel ist. Die einseitige Ermahnung an Radfahrer, sich an den toten Winkel zu erinnern, halte ich jedenfalls für unverschämt gegenüber den Opfern solcher Unfälle.

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An dieser Kreuzung gibt es einen Spiegel (keinen Black Spot-Mirror) und ein blinkendes Warnlicht, das Autos und LKW vor Radfahrern und Fußgängern warnen soll. Das hat der 23jährigen heute aber leider auch nicht geholfen.

 

Aber die Radfahrer…

Übrigens, weil es an dieser Stelle gern und häufig kommt: Ja, es halten sich nicht alle Radfahrer an die Verkehrsregeln. Aufschrei: Rüpelradler!!! Falls es euch neu sein sollte, das tun auch nicht alle Autofahrer. Das eine wie das andere hat aber überhaupt nichts mit diesem Thema zu tun – und wenn man es doch unbedingt miteinander verknüpfen möchte, dann sollte man diese britische Studie nachlesen. Dort wurde 2007 untersucht, wieso Frauen häufiger als Männer Opfer solcher Abbiegeunfälle wurden, obwohl ihr Gesamtanteil am Radverkehr viel geringer ist (übrigens, dort sind es natürlich Linksabbieger, nicht verwirrt sein). Der Grund: Frauen halten sich eher an die Verkehrsregeln, während Männer häufiger mit dem Fahrrad über rote Ampeln düsen und somit schon lange auf und davon sind, wenn der LKW losfährt. Deal with it.


* Nicht hilfreich ist es übrigens, liebe Autofahrer, wenn ihr mit unverminderter Geschwindigkeit herankommt und erst im letzten Moment recht kräftig bremst. Im Zweifelsfall bremse ich nämlich, und dann darf ich wieder von Null lostreten, und wir beide müssen länger warten.

** Ein Beispiel: “Kurzes Halten” auf dem Radweg ist eine absolute Selbstverständlichkeit für deutsche Autofahrer (in anderen Städten als Münster, beispielsweise Düsseldorf, ersetze “Kurzes Halten” durch “Dauerhaftes Parken”). Beim Abbiegevorgang auf eine größere Straße steht das Auto auf dem Radweg, geht ja auch nicht anders, sonst kann der Fahrer ja nichts sehen. Weicht der Radfahrer auf die Straße aus, weil ein Auto auf dem Radweg steht, wird gehupt und geschimpft. Wie gesagt: selbstverständliche Vereinnahmung des öffentlichen Raums durch Autofahrer.

Dieser Beitrag wird bei der Aktion “Like2Bike” von Bikelovin verlinkt.

Im Moment {Schreibzeit}

Bine fragt uns im aktuellen Schreibzeit-Thema nach der Gegenwart. Das Prinzip kenne ich, unter der Überschrift “Currently” habe ich so schon häufiger private Tagebuch-Einträge verfasst. Aber wieso nicht auch mal auf dem Blog einen Einblick geben, was gerade so auf der Tagesordnung steht?

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Im Moment…

denke ich über ein Tattoo nach. Wieder einmal. Alle paar Monate packt es mich, und dann suche ich stundenlang nach Motiven und Inspiration, und dann lasse ich es doch. Mal sehen, ob ich es dieses Mal durchziehe. Es macht auf jeden Fall Spaß, darüber nachzudenken und zu überlegen, was man so sehr liebt, dass man es immer sehen möchte.

mag ich freie Tage. Der Mai hat so wunderbar viele davon! Außerdem mag ich das Radfahren im Frühling, und wie grün alles ist. Alles links und rechts vom Weg sprießt, blüht und wächst. Das ist wunderbar.

mag ich nicht, dass ich so oft nass werde auf dem Arbeitsweg, weil der Mai sich wettertechnisch doch sehr april-artig verhält. Außerdem mag ich es nicht, dass ich abends so müde bin und dann schlechte Laune bekomme.

fühle ich mich fröhlich und optimistisch.

trage ich Jeans und T-Shirt mit einer Jacke darüber, im Regelfall. Ich wünschte, es würde endlich warm genug werden, um Röcke und Kleider auszuführen.

brauche ich Geduld.

höre ich Spotify. Was zugegebenermaßen nicht sehr aussagekräftig ist. Auf meiner All-Time-Favoriten-Liste steht derzeit das neue Album der Donots (auf Deutsch!) ganz oben, dann Kraftklub, Queen (immer), The Doubleclicks, Chameleon Circuit und Sven van Thom.

mache ich viel zu wenig und sehe zu viel fern, aber meine Serie ist einfach zu spannend.

lese ich gar kein Buch (auch wenn meine Sidebar etwas anderes behauptet), denn das letzte hat mich nicht gefesselt. Ich lese nicht einmal Zeitschriften, denn im Moment reißen mich die meisten leider gar nicht vom Hocker (nicht einmal die Flow, die ich im Abo habe). Stattdessen lese ich herzzerreißende Sherlock-Fanfiction online, außerdem meine geliebte Calvin & Hobbes-Gesamtausgabe (im Zusammenhang mit der Tattoo-Recherche).

trinke ich Kaffee. Meine Kaffee-Gewohnheiten haben sich im vergangenen Jahr urplötzlich geändert – ohne Süßstoff, dafür mit normaler Milch statt Kaffeemilch wie die letzten 15 Jahre. Dazu passend haben wir eine neue Kaffeemaschine gekauft, so dass es bei uns jetzt wieder Filterkaffee statt Senseo gibt.

vermisse ich das Geocachen. Eine ganze Weile haben wir das in fast jeder freien Minute gemacht, und nun haben wir selten Zeit und auch oft nicht die Motivation. Man hat auch schon so vieles gesehen. Und ehrlich gesagt vermisse ich auch, dass das Hobby zunächst unbekannter und irgendwie geheimnisvoller war als heute, wo dank Smartphones und GPS und TV-Beiträge jeder Geocaching kennt und mal ausprobiert. Ok, es hat vielleicht was Elitäres, dass ich das vermisse. Aber es war schön, so etwas aufregendes und geheimnisvolles als Hobby zu haben, und jeder Cacher, den man getroffen hat, war etwas besonderes.

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schaue ich Arrow, zusammen mit dem Helden habe ich gerade Fargo beendet (siehe Bild), außerdem haben wir die erste Folge Adventure Time geschaut (was verwirrend war, was wiederum zu erwarten war) und überlegen nun, was als nächstes auf dem Programm steht. Wir sind uns da nicht immer einig. Supernatural? Homeland? The Americans? Daredevil? Agents of S.H.I.E.L.D.? Oder doch endlich mal die letzte Staffel von Dexter? Ihr seht, die Möglichkeiten sind endlos.

träume ich von einem Lottogewinn. Eigentlich träume ich von einem Eigenheim, aber nach einer kleinen Recherche scheint mir, dass der Lottogewinn da der erste Schritt sein sollte. Vielleicht sollte ich dazu erst einmal Lotto spielen, oder?

Liebe Bine, vielen Dank für das schöne Schreibzeit-Thema!

Mein Blog – ein privates Tagebuch? {Schreibzeit}

“Was bedeutet für Euch Euer Blog? Ist er tatsächlich ein privates Tagebuch? Schreibt Ihr wirklich nur für Euch? Ganz ehrlich? Oder möchtet Ihr vielleicht doch, dass Eure Stimme da draussen gehört und wahrgenommen wird?” Das fragt Bine von Was Eigenes in ihrem Beitrag zum aktuellen Schreibzeit-Thema. Ist mein Blog ein privates Tagebuch? Diese Frage beantworte ich ganz klar mit “Nein”. Denn als privates Tagebuch habe ich genau das: ein privates Tagebuch. Ein Büchlein, in das ich gelegentlich schreibe – eigentlich zu selten – und zwar von Hand und geheim.

Aber mein Blog ist schon eine Art Tagebuch, wenn auch ein öffentliches. Kürzlich war ich in einer lokalen Zeitung zu sehen, und plötzlich hatte ich sehr viel mehr Leser (Hallo an euch alle, falls ihr jetzt häufiger vorbeischaut, was mich freuen würde! 😉 ). Unter anderem erzählte eine Mit-Sängerin im Chor den anderen Chor-Damen davon und erklärte den Blog folgendermaßen: “Da kann man dann genau nachlesen, was Nele den ganzen Tag so macht!” Ähem. Räusper. Ja, an einigen Tagen kann man das. Man kann sich ein Bild davon machen, was ich im Monat so vorhabe, wie mein Alltag aussieht, wen ich treffe und welche Bücher ich in meiner Freizeit lese.

Somit ist es also schon ein Tagebuch. Ein öffentliches Tagebuch. Wie um alles in der Welt bin ich also auf den Gedanken zu kommen, mein persönliches Tagebuch könnte die Welt interessieren? Und so gesehen kann ich sagen, dass ich irgendwie schon “nur für mich” schreibe. Zumindest hat es so begonnen, als ich noch zu Schulzeiten begann, online Tagebuch zu führen. Dort habe ich tatsächlich akribisch meinen Tagesablauf dokumentiert. “Nach diesem Einkaufserlebnis holen wir uns erst einmal ein Eis. Redlich verdient, wie ich meine! 🙂 Saladin muss Tennis spielen, ich schalte meinen Compi an, aber niemand ist online. Also schreibe ich eine liebe Away-Message für ICQ und lege mich gemütlich in den sonnigen Garten, nehme mein schönes Buch mit und leckere Fanta.” Blogs gab es noch nicht – jedenfalls kannte ich keine. Es gab spezielle Tagebuch-Webseiten.  Natürlich gab es auch dort Interaktion zwischen den verschiedenen Tagebuchschreibern. Aber in sehr geringem Ausmaß. Ich habe fast nur die Tagebücher von Menschen, die ich persönlich kannte, gelesen. In erster Linie hat es mir Spaß gemacht, in die Tasten zu hauen. Tippen am PC ist für mich sehr viel komfortabler als das Schreiben von Hand.

Aus diesem Tagebuch ist letzten Endes irgendwann auf verschiedenen Umwegen mein Blog entstanden. Natürlich hat sich das Schreiben im Laufe der Zeit verändert. Ich bin nicht mehr 16, ich habe etwas gelernt über Privatsphäre und zu viele Informationen. Auch optisch und technisch hat sich das ganze vom reinen Tagebuch zum Blog natürlich enorm weiterentwickelt. Heute würde ich nicht mehr sagen, dass ich “nur für mich” schreibe – aber durchaus zu einem großen Teil. Wenn von heute auf morgen alle meine Leser verschwinden würden und niemand mehr kommentieren würde – ich würde weitermachen. Ich würde mir aber sicherlich etwas weniger Mühe geben, weniger Fotos machen und die Themen anders auswählen. Ich würde mir die Arbeit sparen, meine Texte Korrektur zu lesen, zu formatieren und zu bebildern. Aber ich würde schreiben.

Mein Blog ist immer noch persönlicher als manch anderer, den ich lese. Ich mag das so. Ich weiß aber auch, dass ich mich damit verletzbar mache. Ich hoffe, dass ich damit umgehen kann, sollte jemand das jemals gegen mich wenden. Das ist glücklicherweise seit ca. 15 Jahren nicht mehr vorgekommen, und ich glaube ja nun einmal an das Gute im Menschen. Außerdem will ich mich von Möglichkeiten nicht einschränken, einschüchtern lassen.

Hier habe ich mir schon einmal Gedanken zum Thema gemacht: Die Flow, Wil Wheaton und das Bloggen / Gedanken zum Bloggen

Filmtipp: Wir sind jung. Wir sind stark.

Letzte Woche waren der Held und ich zum ersten Mal seit Jahren wieder in dem kleinen Programmkino in Münster, dem Cinema. Dort war ich zuletzt zu Studienzeiten! Wir wollten den Film “Wir sind jung. Wir sind stark.” sehen, der von den Ausschreitungen gegen ein Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhage im Jahr 1992 erzählt.

Wie alt wart ihr 1992? Ich war gerade einmal 8 Jahre alt und habe keine Erinnerung an die damaligen Geschehnisse. Natürlich wusste ich im Großen und Ganzen, was dort geschehen ist. Ein unangenehmes Kapitel der neuesten deutschen Geschichte. Etwas, worüber man nicht gern redet. Woran man nicht gern erinnert wird.

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Nun aber dieser Film. Er zeigt aus drei Perspektiven die Ereignisse an diesem einen Tag im August 1992 – nicht die Entwicklung dahin, nicht die Hintergründe, sondern chronikartig einzelne Szenen des Tages. Eine Clique Jugendliche, ohne Arbeit, ohne Perspektive. Mit Zeit, Alkohol, Frust im Bauch. Sie fühlen sich allein gelassen und werden später ganz selbstverständlich auf Seiten der Randalierer stehen. Eine junge Vietnamesin, die im sogenannten Sonnenblumenhaus wohnt. Sie hat nicht das Gefühl, dass die aufgeheizte Stimmung im Ort sich gegen sie richtet – sie geht arbeiten, hat eine Aufenthaltsgenehmigung, sie ist doch keine Asylsuchende. Zu guter Letzt ein Politiker (der einzige Schauspieler, den ich kannte: Devid Striesow), der hin- und hergerissen ist zwischen Verantwortung, Angst um die Karriere und Sorge um den Sohn.

Gerade in den heutigen Tagen kommt man natürlich nicht umhin, Parallelen zu sehen. Glücklicherweise kommt es derzeit in Dresden & Co. nicht zu Gewalt (jedenfalls nicht im größeren Ausmaß), und glücklicherweise gehen (deutschlandweit gesehen) sehr viel mehr Menschen gegen Ausländerhass auf die Straße als dafür. Aber die Sprüche klingen ähnlich. Und ich glaube, vielen geht es auch ähnlich wie den Jugendlichen im Film: keine Perspektive, Frust, und dann kommt eben jemand und sagt ihnen, wer Schuld dran ist. In einem interessanten Interview zieht auch der Drehbuchautor und Regisseur Burhan Qurbani Parallelen zwischen damals und heute, obwohl die Arbeit an dem Film bereits vor fünf Jahren, also lange vor Pegida und Co. begann: “Wie leicht Gewalt entstehen kann, wenn Menschenfeindlichkeit verbal legitimiert wird. Dort waren über Monate die Sinti und Roma beschimpft worden, die vor dem überfüllten Heim campieren mussten. (…). Einige Lokaljournalisten schrieben von berechtigtem Zorn auf die Asylpolitik. So etwas legt die Basis für den Ton einer Diskussion – und das passiert uns gerade wieder. Wir geben die Deutungshoheit über Fragen von Zuwanderung und Asyl an die „Spaziergänger“ in Dresden ab. Deren Jargon wird wieder salonfähig.”

Ich möchte euch diesen Film wirklich empfehlen. Ich kam beeindruckt aus dem Kino und der Held und ich hatten noch einiges zu bereden. Auch habe ich es selten so mucksmäuschenstill im Kino erlebt wie bei einigen der ruhigen Stellen des Films. Da wurde nicht mal laut geatmet, ich hatte den Eindruck, alle halten gerade die Luft an. Der Film ist übrigens zum größten Teil in schwarz-weiß gedreht und ich fand, das passte sehr gut.

Ich hoffe (und glaube) nicht, dass es in Dresden dieser Tage zu Ausschreitungen wie damals kommen wird. Vielmehr bin ich der Ansicht, dass Pegida sich bereits wieder auf dem “absteigenden Ast” befindet – durch Streitereien untereinander, durch Geschichten wie den Rücktritt eines Herrn Bachmann, aber auch dadurch, dass sie im politischen Diskurs einfach keine Forderungen haben, die sie sinnvoll durchsetzen könnten und dadurch, dass sie ein Sammelbecken für zu viele, teilweise absurde, Proteste geworden sind. Die Sache ist nur: Auch wenn vielleicht nicht mehr jeden Montag demonstriert sind, die Menschen sind trotzdem noch da. Mit ihren Gedanken, mit ihren rechtsextremen Tendenzen (oder mehr), mit ihren kruden Verschwörungstheorien, mit ihrer Ablehnung unserer Demokratie. Das ist ein Problem, das man dann nur nicht mehr sehen wird. Ich hoffe, es wird dadurch nicht gleich wieder vergessen – auch, wenn es ein unbequemes Thema ist.

Gedanken zum Weihnachtsfest, zum Glauben und zu Pegida

Es ist ja so: Weihnachten ist ein christliches Fest. Ich liebe Weihnachten. Aber ich bin keine Christin.

Tatsächlich bin ich nicht getauft, und ich habe eigentlich auch niemals ernsthaft darüber nachgedacht, mich taufen zu lassen. Vermutlich bin ich am ehesten Agnostikerin, oder Skeptikerin (aber normalerweise versuche ich nicht, mich in Kategorien einzusortieren). Wie Fee bin ich auch manchmal etwas traurig, dass ich nicht glauben kann – und ich habe es versucht. Und ja, ich schicke in schwierigen Momenten trotzdem Stoßgebete gen Himmel und verhandle gelegentlich in meinem Kopf mit einem Gott, an den ich eigentlich gar nicht glaube (und der ansonsten vermutlich auch nicht mit sich verhandeln ließe).

“Konsequenterweise dürfte ich Weihnachten also auch gar nicht feiern”, schreibt Fee in ihrem Blogpost weiterhin. Tja, das stimmt wohl. Aber wir tun es trotzdem. Wobei ich vermutlich mehr über Weihnachten weiß als so mancher getaufte Christ. Immerhin kann ich dank Weihnachtsoratorium das halbe Lukas-Evangelium auswendig und ich bestehe auch darauf, dass wir Weihnachten in die Kirche gehen. Weil ich die Atmosphäre mag, weil ich total gern Weihnachtslieder singe, weil mich eine gute (!) Predigt zu Tränen rühren, zum Nachdenken oder zur Dankbarkeit anregen kann. Weil es Tradition ist. Weil die Weihnachtsgeschichte dazugehört. Weil es feierlich ist und einfach schön.

Weihnachten ist die Zeit der Lichter, der Gemütlichkeit, von Glühwein und Weihnachtsfilmen, vom Zusammentreffen lieber Menschen , die Zeit leuchtender Kinderaugen und süßer Leckereien. Die Zeit, in der man an Menschen denkt, die man gern hat, und ihnen eine Freude machen möchte. Tim Minchin, australischer Komiker und bekennender Atheist, hat ein schönes Lied dazu geschrieben. Den Text findet ihr hier, mit einigen Erläuterungen, die ich sehr interessant fand.

Ich mag aber auch viele der christlicheren Gedanken hinter Weihnachten. Es ist eben nicht nur Glühwein, Konsumterror und Glitzerkugeln. Es ist auch “Nun soll es werden Frieden auf Erden, den Menschen allen ein Wohlgefallen”. Die Quintessenz von Weihnachten ist für mich, an andere Menschen zu denken. Im Kleinen umzusetzen, was an christlichen Werten eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Nächstenliebe. Verzeihen. Helfen. Und ja, natürlich sollte man das nicht nur an Weihnachten tun, aber es ist schön, einmal im Jahr besonders daran erinnert zu werden.

Nicht alle, die sich als gläubige Christen bezeichnen (und für die das Weihnachtsfest damit sicherlich auch dazugehört), haben derzeit einen angemessenen Bezug zu diesen Werten. Zehntausende gehen gegen die “Islamisierung des Abendlandes” auf die Straßen. Sicherlich sind das nicht alles Christen, aber höchst wahrscheinlich feiern sie alle Weihnachten. Denn das wollen sie ja unter anderem retten. Ich möchte dazu keine längeren Ausführungen niederschreiben, sondern empfehle das, was andere dazu schon gesagt haben:

  • Lotte Fuchs wohnt in Leipzig und studiert in Dresden. Sie beschreibt hier ihre Gedanken zu “Pegida”.
  • Nils Bokelberg schreibt hier: “Pegida, ihr mögt ein Querschnitt aus dem Volk sein, aber ihr seid nicht das Volk. Ihr seid die Gefahr.”
  • Und diesen Beitrag, in dem Tobi Schlegl als gläubiger Moslem verkleidet auf einer Pegida-Demo Leute interviewt, habt ihr wahrscheinlich schon gesehen.

Nicht nur in der Weihnachtszeit finde ich diese “Bewegung” absolut unerträglich. Aber gerade jetzt finde ich es zynisch, auf der einen Seite die Geburt Jesu zu feiern, der nun einmal wie kein anderer nicht nur für Nächstenliebe, sondern sogar für Feindesliebe und Gewaltfreiheit steht; und im nächsten Moment “Das Boot ist voll”-Sprüche zu klopfen. “Ich bin ja kein Rassist, aber…” Dass die ersten brennenden Asylantenheime leerstanden, kann man da fast schon Glück nennen. Und was heißt eigentlich “die ersten”? “23 Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte habe es in diesem Jahr deutschlandweit gegeben”, so der Artikel in der taz. Da dreht sich mir der Magen um. Und nicht, weil ich zu viele Weihnachtsplätzchen hatte.

Fazit? So richtig gibt es keins, denn der Artikel hat sich irgendwie in eine andere Richtung entwickelt, als ich das eigentlich vorhatte. Vielleicht lest ihr euch bei einem Weihnachtsplätzchen die oben verlinkten Artikel durch und bildet euch eine eigene Meinung. Vielleicht denkt ihr an eure Lieben, aber auch an Menschen, denen es nicht so gut geht. Vielleicht denkt ihr noch mal kritisch über eure Meinung nach, bevor euch ein “Das wird man ja noch sagen dürfen” rausrutscht. Vielleicht schweigen wir nicht, sondern sagen unsere Meinung, wenn wir wieder mal irgendwo blöde Sprüche hören, ob vom Kollegen oder von der Schwiegermutter – auch wenn schweigen und sich seinen Teil denken einfacher wäre.

Und natürlich dürfen wir auch weiterhin Glühwein, Kekse und Weihnachtsfilme genießen. Schließlich ist Weihnachtszeit. Und da gilt nun einmal:

Jauchzet, frohlocket! {short stories 2014: Traditionen}

Kalt war es in der Kirche. Wir saßen in unseren Jacken auf den Bänken, nur die Handschuhe hatte ich ausgezogen, damit ich besser im Programmheftchen blättern konnte. Meine kleinen Füße standen auf diesem schmalen Bänkchen, das an der Rückseite der Vorderbank angebracht war. Das Heftchen hatte ich jetzt schon von Anfang bis Ende durchgelesen, stattdessen bewunderte ich nun diese wunderbaren, riesengroßen, leuchtenden Sternen, die von der Decke hingen. Wie gerne hätte ich so einen gehabt! Und natürlich die Gesichter: Die Konzentration der Chorsängerinnen und Chorsänger, der Blick in die Ferne bei den Solisten. Das Orchester: Pauken und Trompeten, im wahrsten Sinne des Wortes! Der wild tobende oder fast still stehende Dirigent. Und natürlich: Die Musik, die durch die Kirche hallte und die wie keine andere nach Weihnachten klang.

Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich nun schon mit meiner Mama jeden Dezember in einer Kirche sitze und dem Weihnachtsoratorium von Bach lausche (und ich bin mir auch sicher, dass es zwischendurch öfter mal ausgefallen ist – aber in meiner Erinnerung waren wir jedes Jahr dort). Es hat sich zu einer meiner liebsten Weihnachtstraditionen entwickelt. Umso schöner, dass in den letzten Jahren auch mein Vater Interesse entwickelt hat und mitkommt. (Den Helden bearbeiten wir noch… 😉 ) (mehr …)

Hema: Blogger-Event oder Shoppingtour?

Vielleicht habt ihr es schon mitbekommen – auf Instagram, auf Blogs oder bei Twitter: Neulich hat HEMA zum großen Blogger-Event geladen. Natürlich habe ich die Einladung vollkommen verpasst, und so konnte ich nur noch etwas neidisch die Vorbereitungen der anderen mitverfolgen. Bis ich am Freitagmittag auf einmal eine SMS von Jutta auf dem Handy hatte. Spontan war ein Platz freigeworden – und noch viel spontaner bewarb ich mich auf diesen!

Und erstaunlicherweise war es tatsächlich so, dass ich kurze Zeit später eine Nachricht von HEMA im Postfach hatte. “Hallo Nele, toll, dass du so spontan bist!” Ich war tatsächlich dabei und freute mich riesig.

Abends fuhren Jutta, Maike, Münstermama und ich also nach Essen – wunderbar chauffiert vom Münsterpapa! Wir hatten keine Ahnung, was auf uns zukommen würde. Also, ich als absolut Unvorbereitete sowieso nicht – aber auch die anderen, die eine offizielle Einladung hatten, waren sehr gespannt, was passieren würde.

Was erwartet man sich eigentlich von einem Blogger-Event? Nun, ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber ich selbst freue mich in erster Linie immer darauf, andere Bloggerinnen zu treffen und mit ihnen zu quatschen. Gerne mache ich dabei auch etwas – basteln, kochen, fotografieren, essen… Bei einem Event eines Unternehmens gehe ich davon aus, dass ich etwas über das Unternehmen erfahre, dass das Unternehmen eventuell etwas Neues vorstellt, über das ich später gern im Blog berichten möchte, weil es noch nicht so bekannt ist oder weil ich total begeistert und überzeugt bin.

Unternehmen auf der anderen Seite wünschen sich Berichterstattung, die über reine Werbung hinausgeht. Emotionale Blogposts, hübsche Bilder auf Instagram. Blogger liefern das gerne – wir sind begeistert, wenn uns jemand einlädt, wir freuen uns riesig, wenn’s dann vor Ort noch hübsch aussieht, und wir loben in den höchsten Tönen, wenn’s was Leckeres zu essen gibt. Auf Instagram und Co. hagelt es dann Kommentare und Likes – “Ach, ich wäre auch so gern dabei gewesen”, “Ich bin soooo neidisch” oder “Toll, dass muss ich mir auch unbedingt ansehen” – Ziel erfüllt. Wir sind ja dankbar, wir Blogger, wir brauchen ja schließlich auch etwas, worüber wir schreiben können, und wenn man dann noch unsere liebsten Blogger-Freundinnen ebenfalls einlädt, kann man eigentlich schon nicht mehr viel falsch machen.

Zurück zum aktuellen Thema: Das HEMA-Event. Wir wussten also alle nicht, was auf uns zukommt. Vor dem HEMA in Essen trafen wir die anderen Bloggerinnen, einige bekannte Gesichter, einige neue. Freundliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verteilten Sekt und O-Saft, blitzschnell wurde noch eine Garderobe für uns organisiert und dann trat auch schon der Geschäftsführer Norbert van der Hoeven auf die Bühne bzw. Treppe und stellte sich und das Unternehmen HEMA ein bisschen vor. Soweit war also alles ganz so, wie ich es mir erwünscht hatte. Sekt, ein paar Infos, nette Leute.

Im weiteren Verlauf des Abends waren 3 “Stationen” eingeplant: Eine Bastel-Station, eine Schmink-Station und eine Muffin-Station. Beste Voraussetzungen also für einen schönen Abend, oder? Nun ja. An den Bastel-Stehtisch passten 3 Personen gleichzeitig, und erst hinterher sagte mir eine andere Bloggerin, dass man das ausliegende Bastelsortiment wohl noch hätte ergänzen dürfen durch weiteres Material, einfach aus den Regalen. Denn mal ehrlich: HEMA hat eine wirklich super Papeterie- und Bastelabteilung, in der ich mich supergern austobe, aber auf dem Tisch lagen nur 3 oder 4 verschiedene Produkte. Am Muffin-Tisch war es meist voll, daher habe ich diesen ausgelassen – und da Schminken nicht so mein Fall ist, kann ich zu dieser Station leider gar nichts sagen.

Stattdessen haben wir was gemacht? Eingekauft. 😀 Es sollte 15% Rabatt auf das gesamte Sortiment geben, und im HEMA findet man ja immer etwas. Also haben wir uns diese praktischen rollenden Einkaufskörbe geschnappt und sind durchs Geschäft gezogen. Ich persönlich ungefähr drei Mal. Das war nett, aber nun ja, es war halt: Einkaufen. Wie zu erwarten war, wenn man mich zwei Stunden in einen HEMA steckt, war mein Einkaufskorb anschließend recht voll (wenn auch nichts im Vergleich zu einigen anderen Ladys) und mein Geldbeutel leer. 😉

Leider war es schwierig, mit den anderen ins Gespräch zu kommen. Man begegnete sich im Gang zwischen den Kuchenformen und den Küchenhandtüchern, spähte sich gegenseitig im Korb und rief mal ein begeistertes “Was hast du denn da tolles?”, gab sich gegenseitig den Tipp, dass da hinten so wunderbare Kerzen stehen, und zog dann weiter, weil man gerade in verschiedene Richtungen ging. So habe ich mit Frauke und Michaela, die ich beide unbedingt mal persönlich kennenlernen wollte, nur wenige Worte gewechselt und stattdessen weiter meinen Einkaufskorb vollgeladen. Die einzigen Gespräche kamen zustande, als man gemeinsam an der Kasse anstand oder anschließend, als wir auf der Treppe noch auf andere warteten.

Mein Fazit? Es war nett. Genau das – nett, nicht mehr und nicht weniger. Eigentlich wollte ich gar nicht darüber bloggen – weil es eben einfach nett und nicht toll war, weil es nett und nicht Mist war. Also weder ein Grund für Begeisterungsstürme noch für Wutausbrüche. Aber dann habe ich den Artikel bei Frauke gelesen und auch den bei Sandra. Und ich dachte: Es hilft ja auch keinem, wenn ich nichts darüber schreibe. Vor allem nicht HEMA selbst. Denn: Wenn man mich jetzt noch einmal einladen würde – ich würde darüber nachdenken, ob ich noch einmal Lust habe, abends einfach mal zwei Stunden einzukaufen, Rabatt hin oder her. Und das HEMA-Team hätte keine Ahnung, weshalb.

Also, was hätte man besser machen können? Ein paar Sitzplätze hätten schon viel geholfen. Wenn man sich zum Basteln oder Muffins dekorieren hätte hinsetzen können, vielleicht auch mit mehr Leuten als drei zugleich. Auch eine dauerhafte “Betreuung” des Bastelstandes hätte ich super gefunden. Dann hätte ich auch fragen können, ob ich denn vielleicht noch diesen einen Stanzer auspacken darf oder den Stempel aus dem Regal verwenden kann. Grundsätzlich finde ich nämlich das Bastel-Muffin-Schmink-Dreiergespann eine gute Sache, um fast das gesamte HEMA-Sortiment vorzustellen. In der Zukunft könnte man sich vielleicht auf bestimmte Aspekte oder Teile konzentrieren oder das ganze unter ein Thema stellen. Ein Weihnachts-Event zum Beispiel könnte ich mir super vorstellen.

So wie Sandra es berichtet, war das HEMA-Event sicherlich aus Unternehmenssicht durchaus erfolgreich. Es hat Aufmerksamkeit und Begehrlichkeiten geweckt, keine Frage. Meiner Ansicht nach war dieses Event aber keines, dass sich die meisten Besucher im Terminkalender rot anstreichen werden, um zu sagen “War das ein toller Abend – das muss ich wieder machen!” Und damit hält sich sicherlich auch die Berichterstattung in den Blogs in Grenzen – oder sollte ein verloster 50-Euro-Gutschein wirklich so ein großer Anreiz sein? Ich habe noch nicht viele begeisterte Berichte gelesen. Vielleicht irre ich mich aber auch, es ist ja nur meine ganz persönliche Meinung.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass es das erste HEMA Blogger-Event war. Der gute Wille zählt. 😉 Und es war ja auch nicht schlecht, so kommt es hoffentlich auch nicht rüber. Es hat einfach noch viel Potential nach oben geboten! Und, wie Frauke es perfekt auf den Punkt bringt: Es fehlte einfach irgendetwas.

Eins muss ich aber nun noch loswerden: Den ganzen Abend über superfreundlich und absolut motiviert waren übrigens die HEMA-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ehrlich, ein großes Lob an dieser Stelle!