Kategorie Archive: Gedankenhüpfer

Heute ist der Tag. Ehe für alle!

Jetzt hat es mich doch irgendwie überrascht. Zu Beginn der Woche war noch nichts davon in Sicht, jedenfalls nicht so richtig, und heute ist Freitag und wir haben die Ehe für alle. Also “wir”, das meint: die Deutschen. Frau Merkel hat die Abstimmung zur “Gewissensfrage” gemacht und somit die Fraktionsdisziplin aufgehoben – die SPD und die anderen Oppositionsparteien haben die Gelegenheit genutzt und blitzschnell den Gesetzesentwurf aus der Schublade gezogen, der dort schon seit 2 Jahren wartete und durch die Unionsparteien regelmäßig blockiert wurde. Im Bundestag stimmten dann heute auch ausschließlich CDU/CSU-Abgeordnete gegen den Entwurf (und Erika Steinbach, nun ja, seht ihr mein überraschtes Gesicht? Ich auch nicht). Und alle so: Yeah!

Moment. Alle? Nein, natürlich nicht alle. Birgit Kelle spricht in der Welt von “der Vernichtung der Ehe” und droht mit dystopischen Szenarien (ich möchte das hier nicht verlinken), von dem unsäglichen Artikel in der FAZ möchte ich erst gar nicht anfangen (Tenor: Homosexuelle sind potenzielle Kinderschänder, da die “Inzest-Hemmung” wegfällt – WTF?), und wie AfD und Konsorten dazu stehen, war ja ohnehin absehbar. Aber auch unsere Bundeskanzlerin stimmte dagegen. Persönlich finde ich es ja eher irritierend, eine Frage zur “Gewissensfrage” zu erklären, nur um dann dagegen zu stimmen mit der Begründung, sie sei der Ansicht, dies widerspreche dem Grundgesetz. Aber nun gut.

 

Trotz allem. Dies ist ein guter Tag für Deutschland, es ist ein guter Tag für die Menschen, die hier leben. Alle, denn alle Menschen, die hier leben, verdienen Gleichberechtigung, Respekt, Menschenwürde. Die Tatsache, dass sich meine Filterbubble überschlägt und glücklich ist, stimmt mich froh. Die Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die gleichgeschlechtlichen Paaren feindlich gesinnt sind, macht mich traurig. Dennoch: Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Andere können übrigens viel besser ausdrücken, was ich sagen will, oder haben einfach mehr Zeit, ausführlich zu berichten. 😉 Diese Artikel fand ich lesenswert:

Abschließen möchte ich mit diesem Video, was ich sicherlich schon mehrfach geteilt habe, aber es ist einfach zu schön und passend, um es hier nicht einzufügen. Denn “Der Tag”, davon gibt es mehrere. Und einer davon ist eben heute.

Statt Bloggen.

Statt zu bloggen, spiele ich Videospiele. Bei Horizon Zero Dawn bin ich eine Heldin, die mit Pfeil und Bogen auf die Jagd nach Roboter-Dinosauriern geht, und ja, das macht viel mehr Sinn und Spaß, als es klingt. Der Held hat Hand-Controller für die Oculus Rift bestellt und jetzt können wir virtuell klettern oder abstrakte Figuren verprügeln (ersteres mache ich kaum noch im realen Leben, letzteres führt schon virtuell zu winzigen Panikattacken bei mir). Wie üblich wird mir nach einiger Zeit übel, aber bis dahin macht es Spaß.

Statt zu bloggen, lese ich. Endlich mal den dritten Teil der Metro-Reihe beispielsweise. Im Sommer sitze ich so gern zum Lesen auf dem Balkon. Das ist dieses Jahr bisher zu kurz gekommen, daher habe ich mir nun vorgenommen, die Playstation mal häufiger ausgeschaltet zu lassen und mich wieder in die Moskauer U-Bahn-Schächte zu begeben. Da ist es dann wenigstens gedanklich schön kühl. Das neue Buch für den Buchclub wartet auch schon. “Ein spannendes Vexierspiel” steht auf der Rückseite, und ich bin gespannt, ich habe nämlich keine Ahnung, was ein Vexierspiel ist.

Statt zu bloggen, gehe ich. Meine App hat mich gestern Abend beglückwünscht, die 10.000 Schritte nun schon seit sechs Wochen täglich durchzuhalten. Das macht 45 von 100 Tagen. Ich laufe beim Telefonieren durchs Wohnzimmer, mache abendliche Spaziergänge, wenn es endlich kühler geworden ist, oder gehe mittags mit dem Bürohund eine Runde. Wenn ich Lust und Zeit habe (und es nicht so heiß ist), gehe ich Joggen. Ähem. Laufen. Wie man es auch nennen mag. Es macht erschreckend viel Spaß. Natürlich ist es auch hilfreich, dass die schöne Gegend ungefähr 200 Meter hinter dem Haus beginnt. Ich kann wählen zwischen Feldwegen und Waldwegen. Abends gehe ich gern durchs Wohngebiet und lausche den Rasensprengern, Fernsehstimmen aus offenen Fenstern, angeregten Gesprächen auf Balkonen und Terrassen, Vogelgezwitscher. Die Geräuschkulisse des Sommerabends.

Statt zu bloggen, nähe ich. Babyshirts für den Freundeskreis. Ich habe sogar extra den Plotter wieder abgestaubt und die niedlichsten Kapelle Petra-Fan-Shirts aller Zeiten genäht. Am Wochenende werden sie verschenkt und dann kann ich sie endlich zeigen. Ich bin sehr verliebt. Meine Nähbücher, die ich zum Geburtstag bekommen habe, wollen ja auch mal getestet. Und gestern haben wir bei Ikea Stoff gekauft, aus dem ich Tischdecken nähen möchte. Das ist immerhin zumindest nicht so viel Arbeit.

Manchmal frage ich mich, ob der Blog sich mittlerweile selbst überlebt hat?

Always choose the bigger life.

Im Podcast “Happier” von und mit Gretchen Rubin* ging es kürzlich darum, wie man mit schwierigen Entscheidungen umgeht. Im Beispiel ging es darum, ob ein Hund angeschafft werden sollte. Die Pro- und Contra-Liste war dabei recht ausgewogen. Ein Hund macht glücklich, sorgt für mehr Bewegung, kann die Familie zusammenschweißen und den Kindern Verantwortung beibringen – ein Hund macht Arbeit, kostet Zeit und Geld, ist eine jahrelange Verantwortung. Wie entscheidet man sich in so einem Fall?

Ich denke, jeder von uns stand schon mal vor so einer Entscheidung. Meistens handelt es sich dabei um wirklich große und wichtige Themen. Jobwechsel, Hauskauf, oder vielleicht ging es auch mal um Liebesdinge? Man wägt ab, schreibt Listen, ist hin- und hergerissen. Montags ist man noch sicher, dass Entscheidung A die richtige ist, aber Mittwoch führt vermeintlich kein Weg mehr an Entscheidung B vorbei. Ich selbst bin da auch sehr groß drin. Es ist einfach schwierig.

Gretchen Rubins Antwort klingt erst einmal simpel: “Always choose the bigger life”. Entscheide dich immer für das größere Leben. Triff die Entscheidung, die dein Leben reicher macht, deinen Erfahrunsschatz erweitert, deine Welt vergrößert. Dabei muss diese Entscheidung nicht zwangsläufig offensichtlich sein. Um auf das Beispiel mit dem Hund zurückzukommen: Hier ist es keineswegs eindeutig, dass die Entscheidung für den Hund das Leben größer macht, auch wenn es erst einmal so wirkt. Vielleicht möchte die Familie viel reisen und von der Welt sehen, sehr flexibel sein und Abenteuer erleben. Dabei ist ein Hund oft eher hinderlich. Man muss also ein bisschen in sich gehen und überlegen, was man vom Leben erwartet und wie es reicher würde. Und sich dann für das größere Leben entscheiden.

An großen Entscheidungen mangelt es in meinem Leben derzeit nicht, und ich versuche, “Choose the bigger life” immer zu bedenken. Aber auch im Alltag finde ich das ein wunderbares Lebensmotto. Raus aus der Komfortzone! Zum Beispiel hätte ich liebend gern am Zeit-Projekt “Deutschland spricht” teilgenommen, bei dem Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten aufeinandertrafen. Ich habe mich aber nicht getraut, mich anzumelden – schade, dass ich die Podcast-Folge erst danach gehört habe. Denn ein Gespräch mit einem Menschen außerhalb meiner “Filterblase” hätte mein Leben sicherlich größer gemacht, auch wenn ich große Angst gehabt hätte.

Beim nächsten “Soll ich oder soll ich nicht” werde ich es mir also wieder einmal vor Augen halten: Choose the bigger life! Etwas ist aufwändig, aber man wollte es schon immer mal probieren? Choose the bigger life! Alle finden etwas toll, aber du kannst dir nicht vorstellen, dass es wirklich so toll ist? Choose the bigger life! Ich bin gespannt, wohin mich dieses neue Lebensmotto noch führen wird…


* Gretchen Rubin ist Autorin so schöner Bücher wie Das Happiness Projekt oder Erfinde dich neu. Der Podcast “Happier” geht es um Gewohnheiten und kleine “Life Hacks”, die das Leben glücklicher und einfacher machen sollen.

Buchtipp: 20 Kilo weniger dank “Fettlogik überwinden”

Mir fällt es etwas schwer, diesen Beitrag zu beginnen. Immerhin leben wir irgendwie zwischen zwei Polen. Zwischen Magerwahn und Body Positivity, zwischen Schlank im Schlaf und Fat Acceptance. Das Buch, das ich empfehlen möchte, hat auf Twitter auch in meiner Timeline Staub aufgewirbelt, das Wort “Sektenanhänger” fiel, und der Satz “Ich dachte, übers Kalorienzählen wären wir als Gesellschaft mittlerweile hinaus”. Das ist die eine Seite; auf der anderen Seite lese ich von Menschen, denen nach Jahren plötzlich wieder die Jeans passen und die plötzlich Spaß an der Bewegung haben. Ich habe mich bisher selten dazu geäußert: Das Thema Gewicht ist sehr persönlich, ich habe keine Lust auf Grabenkriege und von mir aus soll jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Wer mich nicht fragt, kriegt zumeist auch nichts gesagt und selbst bei meiner Meinung nach offensichtlichem Bullshit seufze ich zumeist nur innerlich und schweige. Der Mensch will ja in der Regel nicht belehrt werden und die Reaktion ist in den seltensten Fällen positiv. Dann sollen die Leute doch glauben, was sie gern glauben möchten; da bin ich mit den Jahren offen gestanden etwas resigniert.

Dieser recht lange Beitrag wird daher vor allem nicht: Anleitung zum Abnehmen. Regeln für alle. Vorschriften darüber, wer welche Figur haben sollte. Leute! Ihr wisst selbst, wie ihr euch am wohlsten fühlt und wenn ihr Menschen, die abnehmen möchten oder Kalorien zählen oder davon erzählen, dass sie zu dick sind,  grundsätzlich blöd findet, solltet ihr jetzt das Browserfenster schließen.

Selbstdiagnose: Huch, ich bin dick!

In unserer Familie bin ich ja so was wie die Fotografin. Bei allen wichtigen Ereignissen schleppe ich die große Kamera an – neulich bekam ich sogar den offiziellen Auftrag, die Taufe der Mini-Nichte festzuhalten. Das hat eine logische Konsequenz, die vermutlich die meisten Bloggerinnen kennen: Auf den meisten Fotos bin ich nicht zu sehen. Viel lieber dokumentiere ich, wie die Kinder groß werden – die sind ja auch viel niedlicher.

Umso erschrockener war ich, als ich Weihnachten 2015 die Kamera doch mal aus der Hand gab. Plötzlich war ich nämlich auch auf den Bildern. Und nicht von mir selbst möglichst vorteilhaft in Pose gesetzt. Denn natürlich war mir aufgefallen, dass ich mir dafür mittlerweile etwas mehr Mühe geben musste. Gewisse Winkel sehen einfach besser aus als andere. Oder man hält sich einfach dekorativ-unauffällig einen Puschel vors Doppelkinn. Aber auf familiären Schnappschüssen klappt das eben nicht. Und so sah ich mich damit konfrontiert:

Ein Schritt auf die Waage bestätigte: Ich kratzte langsam, aber sicher am Rand des starken Übergewichts, wenn man meinen BMI ausrechnete. Die 30 hatte ich nämlich so gerade überschritten. Hallo, Adipositas! Und da der BMI nicht mit dem Alter identisch sein sollte (naja, außer vielleicht, man ist gerade Anfang 20), sollte sich etwas tun.

Fettlogik überwinden? Nadja to the rescue!

Den Blog von Nadja Hermann lese ich schon lange: erzählmirnix. Er steht auch seit Jahren auf meiner Blogroll. Als ich angefangen habe, dort mitzulesen, war Nadja selbst noch stark übergewichtig. Also, deutlich mehr noch als ich. Wenn ich mich recht entsinne, wog sie um die 150 Kilo. Sie postete gelegentlich darüber – eher in Richtung Fat Acceptance denn kritisch. Mir war’s recht, im Grunde genommen war es mir egal, ich mochte ihren Blog eher wegen der politischen, feministischen Grundeinstellung und natürlich der Comics, die zum Lachen bringen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen.

Irgendwann jedoch begann Nadja, auf dem Blog Artikel zum Thema Abnehmen einzustreuen. Und sie nahm ab (im Buch erfährt man, dass eine Verletzung und andere Gesundheitsprobleme der Auslöser waren). Und sie beschäftigte sich mit dem Thema, recherchierte, las Studien, las Gegenstudien, und sicherlich gibt es auch Gegen-Gegenstudien, las Bücher, Foreneinträge, Artikel. Und schließlich und endlich veröffentlichte sie ein Buch zum Thema: Fettlogik überwinden.

Aufgrund der regelmäßigen Begleitung des Themas auf ihrem Blog bekam ich das schnell mit. Trotzdem kaufte ich mir das Ebook erst, als es bei mir selbst akut wurde. Und ganz klassisch, am 1. Januar 2016, begann ich: mit dem Abnehmen. Mit der Diät? Mit der Lebensumstellung? Nahrungsumstellung? Von allem etwas, nehme ich an.

Erkenntnisse: Das nehme ich mit

Nun bin ich weder Neuling in Sachen Abnehmen (ich habe vor zehn Jahren schon einmal rund zehn Kilo abgenommen und danach mehrere Jahre mein Gewicht gehalten), noch ernähre ich mich unfassbar ungesund. Tatsächlich ist es bei mir die schiere Menge, die das Übergewicht langsam, aber sicher angefuttert hat. Ein Gummitierchen nach dem anderen, eine Portion Nudeln extra, eine große statt kleiner Pizza, und zum Überbacken die Hand großzügig in die Tüte mit dem Reibekäse.

Innerhalb von 9 Monaten verlor ich ungefähr 15 Kilo. Keine Frage wurde mir seither so oft gestellt wie: Wie hast du das gemacht? Und meine Antwort lautet stets: weniger essen, mehr bewegen. Die meisten sind dann enttäuscht. Sorry, aber das ist das ganze Geheimnis. Weniger essen, als man verbraucht. Das wusste ich auch, bevor ich “Fettlogik überwinden” gelesen habe. Und ja: So revolutionär, wie es oft dargestellt wird, ist das Buch vermutlich nicht. Es stellt im Grunde gängige Ernährungsmythen bzw. übliche Ratschläge und “Allgemeinwissen” zum Thema Gewicht nacheinander auf den Prüfstand und untersucht sie einzeln anhand von Studien. Und ich wette, jeder fühlt sich bei wenigstens einer dieser so genannten “Fettlogiken” irgendwie ertappt. Hier eine Checkliste für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben – welchen dieser Aussagen würdet ihr zustimmen:

  • Es ist gefährlich, wenig zu essen, dann hat man keine Energie und baut Muskeln ab!
  • Im Alter nimmt man zu, weil der Stoffwechsel langsamer wird.
  • Leichtes Übergewicht ist sogar gesünder als Normalgewicht!
  • Jojo-Diäten sind viel schädlicher als Dicksein!
  • Wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt unweigerlich zu.
  • Von Diätprodukten nimmt man zu!
  • Wer abnehmen will, sollte mehr Obst essen.
  • Kalorien zählen ist essgestört und genussfeindlich.
  • Man sollte maximal ein Pfund pro Woche verlieren.
  • Manche Menschen können nie wirklich schlank sein, dafür sind sie körperlich einfach nicht gebaut.
  • Kalorienzählen funktioniert bei mir nicht. Ich esse nur 1.000 Kalorien am Tag und nehme trotzdem nicht ab! Mein Stoffwechsel ist ruiniert!
  • Bei zu schnellem Abnehmen oder zu viel Gewichtsverlust rutscht man ganz schnell in die Magersucht.
  • Das Idealbild der dünnen Frau ist ein Phänomen unserer Zeit, früher war das ganz anders.
  • Abnehmen ohne Sport geht nicht.
  • Das Übergewichtsproblem ist überbewertet. (Das ist doch noch nicht adipös!)
  • Tägliches Wiegen ist schlecht oder sogar gefährlich.

Und? Also, ich muss zugeben, obwohl ich “weiß, wie es geht” und quasi frei Schnauze schon mal erfolgreich abgenommen hatte, hätte ich einigen dieser Sätze zugestimmt. Vor allem der Aussage, dass man langsam abnehmen soll, damit es gesund bleibt; aber auch, dass leichtes Übergewicht gesünder sei als Normalgewicht oder dass man maximal einmal in der Woche auf die Waage steigen sollte. Tja. Ich werde jetzt nicht Punkt für Punkt widerlegen, aber allen diesen Punkten (und zahlreichen mehr) widerspricht Nadja Hermann in dem Buch. Sämtliche Aussagen untermauert sie dabei mit Studien, bezieht auch Studien ein, die vermeintlich das Gegenteil beweisen, und nimmt diese Studien Schritt für Schritt auseinander, was den Aufbau und die Aussagekraft betrifft.

Jojo-Effekt und Hungerstoffwechsel: Kann man nix machen!

Zum Beispiel der Jojo-Effekt: Das weiß man doch, dass der Körper nach einer Diät froh ist, endlich wieder genug zu essen zu bekommen, und alles einlagert, was er kriegen kann. In Vorbereitung auf die nächste Hungersnot. Der Stoffwechsel fährt runter und man nimmt plötzlich viel schneller zu – gibt’s doch Studien zu und hat auch jeder schon mal erlebt, nach einer Diät wiegt man ganz schnell und quasi urplötzlich wieder mehr als vorher, obwohl man nicht anders isst.

Tja, nun. Das denkt man so. Und ja, es stimmt. Nimmt man ab, verbraucht man weniger Kalorien und kann nicht mehr so viel essen wie vorher. Zudem man ja auch schon vorher mit eben dieser Menge an Nahrung offenbar zugenommen hat, sonst wäre ja die Diät nicht nötig gewesen. Aber ja, auch abgesehen von den Kalorien, die man aufgrund von geringerer Körpermasse weniger verbraucht, benötigen laut einigen (längst nicht allen) Studien einige Menschen nach einer Diät plötzlich weniger Kalorien als erwartet. Und zwar ungefähr 50-80 täglich. Das ist nicht besonders viel. Es ist also nicht so, als dürfte man nach einer Diät keinen Apfel mehr ansehen, ohne zuzunehmen. Und selbst dieser Effekt trat nur bei Menschen auf, die bei der Abnahme völlig auf Sport verzichtet hatten. Warum der Hungerstoffwechsel Unsinn ist, wird im Buch ausführlich und nachvollziehbar erklärt.

Umsetzung: Wiegen, wiegen, wiegen oder Quantifizierung ist alles

Fettlogik überwinden” sagt dem Leser nicht, was er tun soll. Es will keine Anleitung zur Abnahme sein. Nadja erzählt von ihrem eigenen Weg und stellt ansonsten eben die üblichen Mythen auf die Probe. Daraus kann sich jeder selbst mitnehmen, was ihm weiterhilft. Mein Weg war der folgende: Ich habe Kalorien gezählt. Alle. Ich habe mir eine Mini-Waage fürs Büro gekauft und mein Mittagessen abgewogen. Ich habe beim Kochen jede Zutat einzeln auf die Waage gelegt und in die FDDB-App eingetragen. Ich hatte kein festes Kalorienziel; möglichst wenig halt, ohne zu viel Hunger zu haben (und oh Wunder, Hunger kann man manchmal aushalten, wenn man das will). An manchen Tagen war das mehr, an anderen weniger. Ich habe ganz normal auswärts gegessen, wenn es Anlässe gab; aber das Essen dort habe ich dann eben geschätzt und trotzdem in die App eingetragen. So war ich eben manchmal nur knapp unter meinem täglichen Kalorien-Gesamtumsatz und manchmal sehr viel.

Nicht nur mein Essen habe ich gewogen; auch mich selbst. Täglich. So lernte ich, dass Schwankungen ganz normal sind und konnte auch ein bisschen abschätzen, woran sie lagen. Bei bisherigen Abnahme-Aktionen hatte ich mich maximal einmal in der Woche gewogen. Das kann sehr frustrierend sein, wenn die Waage dann genau am Wiegetag einen Ausreißer nach oben hatte. Außerdem gab es mir Routine, sich halt jeden Tag draufzustellen. Wenn mir das Ergebnis gefiel, freute ich mich; wenn nicht, gab ich nicht allzu viel drum.

Die dritte Säule meines “Quantifizierungswahns” kam nach ein paar Monaten hinzu. Ich erstand nämlich günstig ein gebrauchtes Fitbit-Fitnessarmband. Yay, ein Gerät, das alle meine Bewegungen aufzeichnet und auf dubiosen Servern in den USA speichert! Was tut man nicht alles. Das Armband zählte zuverlässig meine Schritte und zeichnete meinen Sport auf. Außerdem rechnete es erstaunlich genau meinen Kalorienverbrauch aus, was natürlich fürs Zählen äußerst hilfreich war. Und das tägliche Schrittziel von 10.000 Schritten zu erreichen – und sich womöglich gar in Wettbewerben mit anderen Nutzern zu messen – hat mich enorm motiviert. Vor allem, weil ich sehen konnte, was ein Tag mit 3.000 Schritten für einen Kalorienverbraucht hat im Vergleich zu einem mit 10.000. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Der Unterschied ist erstaunlich. So ein paar Schritte durch die Wohnung, da erwartet man ja nix. Aber doch, es bringt etwas, definitiv. (Mittlerweile habe ich ein neues Armband, das die Kalorien weitaus ungenauer ausrechnet, aber ich kann den Verbrauch relativ zuverlässig selbst abschätzen.)

Sportlich bin ich also viel gegangen (dazu kam ja auch noch Pokemon Go in der Zeit, yay!). Und mit dem Bouldern habe ich in der Zeit angefangen. Was das so verbraucht, weiß ich aber nicht, doch Muskelaufbau kann ja schließlich auch nicht schaden und der Spaß stand dabei im Vordergrund.

Ein Fazit und zwei Sätze, die ich nicht mehr hören kann


Bis September 2016 hatte ich also 15 Kilo abgenommen. Aber in der Überschrift steht doch 20? Bin ich danach etwa auf meinen ominösen Setpoint gestoßen, ab dem es nicht mehr weitergeht? Nö, es ist viel banaler. Ich habe pausiert. Im Oktober sind wir umgezogen und danach bin ich irgendwie nicht mehr richtig in den Tritt gekommen. Wie sagt Nadja so schön? Es ist nicht schwierig, aber es ist trotzdem schwer. Ungefähr im März habe ich wieder angefangen, und seither sind wieder etwa fünf Kilo runter. Also, keine Sorge: Es klappt. Außerdem keine Sorge: Ich bin weder magersüchtig noch zu dünn, noch werde ich zu dünn, wenn ich mein Gewichtsziel eines mittleren Normalgewichts erreicht haben werde. Denn das ist einer der beiden Sätze, die ich nicht mehr hören kann – in verschiedensten Variationen: Wo willst du denn noch abnehmen? Jetzt ist es aber gut. Das reicht doch jetzt. Vor der Magersucht hat mich noch niemand gewarnt, aber hey, ich schmiere es auch nicht allen aufs Butterbrot, dass ich noch nicht fertig bin. Ich finde dennoch, das muss eigentlich niemand kommentieren. Ich sage ja auch niemandem, dass er unbedingt abnehmen sollte; wieso sollte es besser sein, jemandem zu sagen, dass er das auf keinen Fall tun sollte?

Die zweithäufigste Satzvariation kommt nach meiner Antwort auf die Frage, wie ich das denn gemacht hätte (zur Erinnerung: weniger essen, mehr bewegen). Dann kommt nämlich gefühlt in der Hälfte der Fälle eine Rechtfertigung, wieso das bei mir zwar geklappt hat, aber bei meinem Gegenüber auf keinen Fall so klappen kann: Ach, in deinem Alter geht das ja auch noch. Dafür habe ich keine Zeit. Das klappt bei mir nicht, habe ich schon probiert. Wenn das mal so einfach wäre. Das ist zu kompliziert. Das ist ja auch Typsache. Leute, echt jetzt? Ihr braucht euch nicht zu rechtfertigen. Mir ist das doch egal, was ihr wiegt. Ihr habt mit dem Thema angefangen. Allerdings ist die Hälfte von dem, was ihr sagt, durch Studien widerlegt. In der Regel habe ich aber keine Lust auf Diskussionen und steige aus dem Gespräch aus. Manchmal erwähne ich das Buch – das ich mir mittlerweile gleich zwei Mal als Printversion gekauft habe, weil ich gern darin blättere, es aber auch regelmäßig verleihe.

Die feine Kunst der Unproduktivität

“Brrrrrt”, brummt das Smartphone. “Brrrt-brrrt-brrrrrrrt”, vibriert analog der neue Fitnesstracker, der sich mit “Smartwatch-Features” rühmen kann. Immerhin muss ich das Handy nun nicht extra zur Hand nehmen, um festzustellen, dass ich einen Termin habe. Den dritten diese Woche. Oder vierten? Kommt drauf an, was man alles als Termin zählt, nehme ich an. Bouldern, Stammtisch, eine Geburtstagseinladung – alles Spaß, alles Stress. Freizeitstress. Dazwischen kommen die ganzen “Eigentlichs”. Eigentlich müsste man mal wieder. Da fällt ja so ungefähr alles drunter, von “zum Zahnarzt gehen” über “alte Freunde anrufen” bis hin zu “früher ins Bett gehen”.

Ein voller Terminkalender ist mittlerweile Standard, das merke ich, wenn ich mich mit jemandem verabreden will. Wie mit der Freundin, die ich im Oktober treffen wollte, dann im November, mittlerweile ist das Treffen auf unbestimmte Zeit verschoben (ich winke hier mal unauffällig rüber – es ist immer noch Saunazeit, meine Liebe!). Aktivität ist positiv, Produktivität ist Alltag. Selbst beim Seriengucken wird es doch heutzutage produktiv – schnell, die neue Staffel von der Lieblingsserie rein-bingen, damit wir den Anschluss bei der anderen Serie nicht verpassen, und einen Haken dranmachen können! Ich nehme mich da nicht aus, gerade bei Serien leide ich unter einem schweren Fall von #Fomo, mir fällt es wirklich schwer, Serien abzubrechen oder als “Interessiert mich nicht” abzulegen, insbesondere, wenn alle Welt begeistert ist. Und die ständige Verfügbarkeit von ganzen Staffeln ist zwar ganz schön, setzt aber auch unter Druck. Angst vor Spoilern! Mitreden können! Aber ich schweife ab.

Denn eigentlich geht es mir um Unproduktivität und das Gefühl, wie gut es tun kann, einmal völlig absichtlich gar nichts zu tun. Oder etwas, das kein Ziel hat. Zeit mit sich allein zu verbringen. Zeit nicht effizient zu nutzen – wie wir es tun, wenn wir in der Schlange im Supermarkt eben Instagram checken oder auf dem Weg ins Büro ein Hörbuch hören, das wir sonst nie gelesen kriegen würden, weil die Zeit fehlt. Sondern im Gegenteil: Zeit zu verschwenden, indem wir sie eben nicht nutzen. Denn diese Zeit ist nicht verschwendet, und wir tun nicht “gar nichts”. Wir laden unseren Akku auf, gewinnen vielleicht Selbsterkenntnis oder Ruhe. Ich persönliche verspüre nach solch “verschwendeter Zeit” oft ein wohliges Gefühl von Zufriedenheit und bemerke plötzlich ein Lächeln in meinem Gesicht – ob ich mir nun fünf Minuten oder eine Stunde gegönnt habe, oder auch mal einen ganzen Tag. “Mental Health Day” habe ich kürzlich gelesen – klingt ja auch besser als “schluffiger, fauler Sonntag”! 😉 Jedenfalls tut es mir gut, nichts zu tun. Eindeutig ein Grund, es weiterzuempfehlen!

Inspiriert von diesem Blogpost habe ich aufgeschrieben, was ich gern so unproduktives mache. Manches davon könnt ihr jetzt direkt, right now, einfach mal ausprobieren -anderes dauert etwas länger:

  1. Einen Spaziergang machen
  2. Ohne Kopfhörer
  3. Und ohne zu fotografieren, wenn dir ein Motiv über den Weg läuft
  4. Aus dem Fenster schauen
  5. Die Musik ausschalten
  6. Eine Zeitschrift durchblättern
  7. Das Fenster öffnen und die frische Luft einatmen
  8. Ein Buch lesen, das man schon kennt
  9. Oder einen Film schauen, denn man schon oft gesehen hat
  10. Ohne Smartphone-Ablenkung
  11. Ein Foto bewusst nicht machen
  12. Eine Email an Freunde schreiben – noch besser einen Brief, aber wir wollen realistisch bleiben
  13. Aufstehen und eine Runde durch die Wohnung gehen
  14. Auf dem Sofa sitzen. Die Wohnung anschauen.
  15. Eine Tasse Kaffee trinken
  16. Deine/n Liebste/n umarmen
  17. Atmen
  18. Bewusst Musik hören
  19. Eine Liste mit Ideen aufschreiben, was man schon lange mal machen wollte
  20. Nichts davon heute machen
  21. Oder nur etwas, was wirklich Freude macht

Wie nutzt ihr eure Zeit am liebsten unproduktiv?

Vom Gönnen.

“Gönnen Sie sich was”, sagt die Ärztin zu mir. Ich bin zu ihr gegangen, weil es mir nicht gut geht. An der (Ur-)Sache können wir nichts ändern – nur an meinem Umgang damit. “Gönnen Sie sich etwas – belohnen Sie sich, kümmern Sie sich um sich selbst.”

Ein paar Monate ist das jetzt schon her. Und der Satz blieb hängen. Vor allem, weil es mir erst einmal so schwer fiel, mir etwas zu überlegen, was ich mir gönnen könnte. Alles, was mir einfiel, war Essen. Pizza, Weingummi, Lasagne und dazu ein leckerer Wein? Aber ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man nicht innerhalb eines Monats wie ein kleiner Kürbis auf Beinen durch die Gegend rollen will, sollte man diese Art des Gönnens auf Ausnahmefälle beschränken.

Das zweite, was mir einfiel: mir Dinge kaufen. Geld ausgeben für Sachen, die nicht wirklich nötig sind. Das habe ich auch probiert. So bin ich an ein wunderbares neues Fitness-Armband gekommen, eine neue Handyhülle durfte einziehen, und generell hab ich im Laden häufiger mal “was soll’s” gesagt und die Schuhe, die Zeitschrift, die Hose halt einfach gekauft. Die Strategie funktioniert – kurzfristig und wenn man nicht zu sehr auf das Bankkonto guckt.

Letzten Endes ist es aber so: Nachhaltig hilfreich sind nicht die materiellen Dinge, die ich mir gegönnt habe. Aufbauend, glücklich machend, ablenkend und motivierend ist eine neue Einstellung. Ich gönne mir die Zeit, das zu tun, was ich tun möchte. Ohne nach Ausreden zu suchen oder etwas generell als zu schwierig oder unmöglich abzutun. Ich habe mir Konzertkarten einfach gekauft, auch wenn das Konzert noch so weit in der Zukunft lag, dass es mir absurd vorkam (jetzt sind es nur noch 3 Wochen!). Ich habe nicht gebloggt, wenn mir nicht nach Bloggen war. Ich habe früh Feierabend gemacht und bin in die Stadt gefahren, habe mir ein Eis geholt und bin durch die Geschäfte gebummelt – einfach so, mitten in der Woche. Ich habe im Urlaub keine Fotos gemacht, nicht darüber gebloggt, und kein Album gestaltet (womit auch?). Ich habe nicht einmal Postkarten geschrieben (sorry!). Ich bin Wandern und Spaziergen gegangen, bin in neue Innenstädte gefahren, war in der Sauna, habe neue Rezepte ausprobiert (mit wechselndem Erfolg) und das Bouldern als neue Sportart für mich entdeckt.

Am hilfreichsten war für mich nämlich die Erkenntnis, dass man gar nicht lange planen muss. Es ist gar nicht immer so leicht, zu erkennen, was einem wirklich gut tut. Aber was mir nicht gut tut, sind vollgepackte Wochenenden und jeden Abend ein neuer Termin. Hingegen spontan am Wochenende zu entscheiden, irgendwo hinzufahren – das ist was ganz anderes. Und deswegen ist mein Vorsatz für die nahende Weihnachtszeit auch: Möglichst wenig Termine. Vielleicht versende ich spontan ein paar Weihnachtskarten – vielleicht auch nicht. Vielleicht backe ich Plätzchen – vielleicht nicht. Mal sehen, worauf ich Lust  habe – und was ich mir gönnen möchte.

Warum erwachsen sein rockt.

Wenn ich unserer Generation einen Namen geben müsste, dann wäre das wahrscheinlich “Generation Peter Pan”. Tatsächlich scheint “erwachsen” fast eine Beleidigung für viele zu sein, und gestandene Mittdreißiger wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, “erwachsen zu werden”. Spoiler: Sie sind es trotzdem. Per definitionem.

Ich muss zugeben, dass ich auch einmal so war. Damals. Als Teenager. Uuuh, erwachsen sein. Wie schrecklich. Dann ist doch alles blöd. Und so spießig ist man dann! Und man muss immer nur arbeiten. Und dann geht man heim und ins Bett. Ohgottogottogott. Schröcklich.

Kindsein. Offenbar gar nicht mal so geil.

Kindsein. Offenbar gar nicht mal so geil.

Heute werde ich 32 Jahre alt, und ich würde meinem Teenager-Ich gern zuflüstern: Das ist alles gar nicht wahr. Es wird von jetzt an nur noch besser. Mit jedem Jahr. Die Zwanziger sind besser als die Zehner, die Dreißig piekst erst etwas, aber nur zwei Tage, und dann sind auch die Dreißiger fantastisch. Vermutlich werden auch die Vierziger und Fünfziger großartig sein – zumindest hoffe ich das mal.

Tatsache ist doch, dass man die meisten Dinge, die am Erwachsensein doof sind, sowieso machen muss. Ob man sich nun als “erwachsen” bezeichnet oder dieses Wort vehement von sich weist. Man muss nun mal irgendwie an Geld kommen – dazu muss man sich mit Arbeitgebern oder Ämtern oder Kunden herumschlagen, ist halt so. Man muss seine Miete bezahlen und seinen Haushalt mehr oder weniger schmeißen und selber daran denken, sich die Fußnägel zu schneiden (sorry). Man muss sich von selbst an Mamas Geburtstag erinnern (wenn das nicht die Gattin macht, hüstel) und selbstständig entscheiden, wann es mal wieder Zeit ist, zum Zahnarzt zu gehen.

Also, egal, ob du dich als erwachsen bezeichnen möchtest oder nicht: Diese Dinge wirst du sowieso tun, mehr oder weniger erfolgreich. Da hilft kein weinerliches “Mimimi, ich bin aber nicht erwachsen”. Klar, vielleicht gehst du zu selten zum Zahnarzt oder hast schon mal deine Miete zu spät bezahlt, oder beäugst gerade kritisch deine Zehen und fragst dich, wo die Nagelschere ist (ich hoffe nicht!!!).

Aber die tollen Seiten des Erwachsenseins! Die heben das alles wieder auf! Keine Widerrede – hier sind die Top Ten tollsten Dinge am Erwachsensein:

  1. Du kannst Eis essen, wann immer dir danach ist.
  2. Du kannst solange aufbleiben, wie du möchtest.
  3. Du kannst so viele Videospiele spielen, wie du willst.
  4. Du kannst Auto fahren!
  5. Du kannst vor dem Fernseher essen.
  6. Du kannst den Haushalt auch einfach mal liegenlassen, ohne dass jemand schimpft.
  7. Du kannst selbst entscheiden, wohin der Urlaub geht. Und wie er aussieht.
  8. Du kannst dich tätowieren lassen.
  9. Du musst nie wieder Rosenkohl essen. Es sei denn, du magst Rosenkohl. Dann kannst du auch jeden Tag Rosenkohl essen. Natürlich bist du dann etwas merkwürdig, aber ich mag dich trotzdem.
  10. Wenn du Feierabend hast, hast du Feierabend. Das gilt zumindest für “normale” Arbeitnehmer – für Selbstständige ist das sicher anders, genauso wie für Studenten. Aber sonst: Keine Hausaufgaben, nicht mehr lernen. Frei ist frei. Ein traumhaftes Gefühl!

Und jetzt mal ehrlich: Allein der erste Punkt bringt mich immer wieder in größte Verzückung und ist es absolut wert! Daher blicke ich auch meinem 33. Lebensjahr mit voller Freude und Neugier entgegen. Und außerdem muss ich glaube ich mal wieder Ben & Jerry’s kaufen.

Menden, 1994/1997.

Menden, 1994

Die Musikbox meines Onkels konnte sicherlich um die 80 Platten abspielen, aber wenn ich da war, wählte ich immer nur zwei aus: “The Sound of Silence” oder “Over in the Glory Land”, denn das waren die einzigen Lieder, die ich mit meinen zehn Jahren kannte. Die Musikbox leuchtete, und ein Greifarm legte automatisch die Platte auf, wenn man eine Zahl und einen Buchstaben drückte.

Der Flipper stand im gleichen Raum. Der Flipper! Ein eigener Flipper, und eine Musikbox. Stundenlang versuchte ich, Flipper-Rekorde zu knacken. Wenn man zu fest gegen den Flipper stieß, ertönte ein lautes Quäken und die Hebel blockierten für kurze Zeit. Ärgerlich. Aber dann das Gefühl, am Metallgriff zu ziehen, bis die Feder zurückschnellte und die schwere Metallkugel nur so ins Spielfeld hineinschoss. Die Knöpfe, weiß aus Kunststoff – ich fühle sie noch unter den Fingern, und höre ihr leises Klacken. Das Blinken und Aufleuchten, die Sonderpunkte und die diebische Freude, wenn die Kugel zwischen den Bumpern gefühlte Ewigkeiten hin- und herprallte, ohne herunterzurollen, und der Punktezähler hochschnellte. Das metallische Klingeln der Bumper.

Die erreichten Punkte notierte ich akribisch in meinem Tagebuch. 29.270, 32.720 und einmal gar 58.700 Punkte, das absolute Highlight. Im Tagebuch zeichnete ich den Flipper auch auf, er war blau und hatte ein Tauchermotiv. Darüber hinaus existiert in unserem Haushalt kein einziges Foto von diesen Geräten. Erstaunlich, wo ich doch sonst so ziemlich alles fotografiert habe.

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Menden, 1997.

Ich verbringe die Ferien immer noch gern bei meiner Tante und meinem Onkel. Ich bewundere meine älteren Cousins, die schon fast erwachsen sind und in deren Freunde ich mich regelmäßig verliebe. Ich darf lange aufbleiben, viel länger als zuhause – eigentlich, solange ich möchte. Und im Gästezimmer steht ein eigener Fernseher, auf dem ich bis spät in die Nacht Filme schaue. Ich bin 13 Jahre alt und sitze mit meiner Tante abends lange im Wohnzimmer. Wir sehen fern, und danach wir unterhalten uns, und regelmäßig sagt sie “Eine rauche ich noch, dann gehe ich ins Bett.” Es ist spät, Mitternacht ist lange vorbei, aber ich halte dem Atem an und hoffe, dass sie es vergisst. Und tatsächlich, eine halbe Stunde später schaut sie auf die Uhr und sagt “So – eine rauche ich noch, dann gehe ich ins Bett.” Zu meinem größten Glück wiederholt sich das mehrfach. Und egal, wie müde ich werde, ich würde an diesem Abend nie freiwillig ins Bett gehen, wenn ich doch stattdessen hier sitzen kann, zwei Erwachsene, die gemeinsam den Abend verquatschen.

Heute kann ich mich an kein einziges unserer nächtlichen Gespräche mehr inhaltlich erinnern. Das Gefühl, das ist hängen geblieben: ernst genommen werden. Als erwachsener Gesprächspartner behandelt werden.

Gerade jetzt #1

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Zuerst hier aufgeschrieben, ab jetzt vielleicht häufiger mal zwischendurch. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich?

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Gerade jetzt…

denke ich eigentlich die ganze Zeit nur an unsere neue Wohnung und wie wir sie einrichten werden! Die Küche haben wir schon ungefähr 5 mal umgeplant und es macht riesig Spaß. Am Wochenende wird es wieder in die Möbelhäuser gehen!

mag ich den Frühling! Es sprießt und wird überall grün, und die Sonne scheint. Das macht mich so glücklich!

mag ich nicht so gern meine Haare, deshalb habe ich am Samstag einen Termin beim Frisör.

fühle ich mich optimistisch, motiviert und topfit. Das macht der Frühling mit mir!

trage ich leider immer noch Handschuhe auf dem Fahrrad morgens. Und meistens auch abends.

brauche ich noch sehr viel Kraft, um morgens pünktlich aus dem Bett zu kommen. Aber ich setze fest darauf, dass Gewohntheit daraus wird.

höre ich immer noch “Hamilton”, das Musical über den amerikanischen Gründungsvater. Außerdem Podcasts – am liebsten “Dear Hank and John” und ganz neu für mich “My brother, my brother and me“.

mache ich mich fit und mir selbst dicke blaue Flecken beim Bouldern. Es macht so viel Spaß! Ich glaube, ich habe endlich den perfekten Sport für mich gefunden.

lese ich bald das neue Buch für den Buchclub: Die Widerspenstigkeit des Glücks von Gabrielle Zevin.

trinke ich jeden Tag eine Kanne Früchtetee im Büro, am liebsten “Persischer Granatapfel” von Teekanne.

vermisse ich Urlaubstage! Aber bald kommt ja der Mai mit seinen vielen Feiertagen und im Juni haben wir dann tatsächlich Urlaub.

schaue ich mit dem Helden die zweite Staffel Better Call Saul, und allein noch mal die alten Gilmore Girls-Folgen durch, bevor ja dann irgendwann die neuen rauskommen sollen. Ich freue mich schon!

träume ich nachts wirre Wohnungsträume und tags … eigentlich auch. Nur nicht ganz so wirr. 😉

Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

Zurück in der Zukunft

Wenn man in seinem Blog so lange nicht geschrieben hat wie ich, ist es ein bisschen wie mit einer Freundin, bei der man sich lange nicht gemeldet hat. Manchmal denkt man an sie, und dann sticht das schlechte Gewissen. Ist es jetzt zu spät? Ist sie sauer? Denkt sie auch noch an mich? Wenn ich mich jetzt noch melde, was ist meine Entschuldigung? Haben wir uns überhaupt noch etwas zu sagen?

So stehe ich jetzt hier, in meinem guten alten Blog, und schaue etwas betreten nach links und rechts. Seit Monaten habe ich nichts mehr geschrieben, mich kaum noch eingeloggt. Blog-Müdigkeit, kombiniert mit privatem Stress und generell dem Bedürfnis, mich etwas einzuigeln, waren der Grund. Aber alles ist noch da, so wie ich es zurückgelassen habe. Angefangene Entwürfe, in der Seitenleiste ein Buch, das ich vor Monaten gelesen habe. Was nun?

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Nun, der Freundin würde man vermutlich zunächst einmal erzählen, was man in der letzten Zeit so getrieben hat. Was ist also in den letzten Monaten passiert in meinem Leben? Ich habe Bücher gelesen und nicht aufgeschrieben, welche. Ich habe mein Tattoo nachstechen lassen, jetzt ist es wirklich und wahrhaftig fertig. Ich habe angefangen, regelmäßig zu Bouldern und habe riesigen Spaß dabei. Ich habe einen türkischen Kochkurs besucht und eine Lesung der drei Fragezeichen. Ich habe mich von Kapelle Petra und Elfmorgen überzeugen lassen, mehr auf Konzerte zu gehen – das nächste steht Ende des Monats an. Ich habe gemeinsam mit dem Helden eine kleine emotionale Achterbahnfahrt durchlebt, als wir überlegten, wo und wie wir in Zukunft leben möchten; letzten Endes haben wir aber die perfekte Wohnung für uns gefunden und werden voraussichtlich im Sommer umziehen, wenn der Vermieter mit dem Renovieren fertig ist.

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Wenn ich das alles auf einen Haufen sehe, frage ich mich, woher dieses Gefühl kommt: dass ich eigentlich gar nichts mehr zu erzählen hätte hier im Blog. Dass alles schon gesagt und gezeigt ist, dass ich gar nichts mache und all das sowieso niemanden interessiert. Allerdings frage ich mich dennoch nach wie vor, wo es mit diesem Blog hingehen soll. Ob ich nicht doch mal einen (anderen?) Schwerpunkt setzen sollte. Und ob ich überhaupt Lust habe, wieder anzufangen.

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Tja, hmm. Wie sieht’s aus, worüber wollt ihr denn wieder mal was lesen? Alltag, Bücher, Kreatives? Umzugsgeschichten oder Konzertberichte? Oder mal was ganz anderes, über Serien, Videospiele, übers Bouldern oder …?

So oder so verspreche ich, dass dies der einzige Beitrag in diese Richtung bleiben wird. Egal, wann der nächste Artikel folgt – es gibt ja nichts nervigeres, als in einem Blog fünf Posts hintereinander zu lesen, in denen es nur darum geht, dass sich die Autorin entschuldigt, so lange nicht geschrieben zu haben. Aber es wenigstens einmal zu thematisieren, war mir doch ein Bedürfnis.

Jetzt schaue ich mich etwas verschüchtert um: Was sagt die Freundin, bei der man sich nach Monaten plötzlich wieder meldet? Was sagt der Blog – sind die Leserinnen überhaupt noch da, oder schreibe ich allein auf weiter Flur? Ein ungewohntes Gefühl. Aber ich sag einfach mal ganz optimistisch: Bis bald!