Buchtipp: Ein Jahr voller Wunder von Karen Thompson Walker

Seit einiger Zeit bin ich nun Mitglied eines Buchclubs. Einmal im Monat treffen wir uns, reden über Bücher und andere Themen, trinken Kaffee oder Bier, und entdecken dabei auch noch neue Lokale in Münster. Bei jedem Treffen wählen wir ein Buch aus, das wir bis zum nächsten Mal lesen. Über dieses Buch reden wir dann gemeinsam.

Das Buch, das wir über die Weihnachtstage gelesen haben, durfte ich vorschlagen. Ich entschied mich für Ein Jahr voller Wunder von Karen Thompson Walker, weil ich es schon so lange auf meiner Liste hatte. Dabei hatte ich mich vorher nicht groß informiert, worum es in dem Buch geht, sondern mich von einer Empfehlung überzeugen lassen. Dementsprechend unvorbereitet ging ich an das Buch ran.

“Ein Jahr voller Wunder” hat ein hübsches, fast schon romantisch wirkendes Titelbild, und auch der Titel lässt an Liebe, Romantik, schöne Dinge denken. Mehr könnte man kaum irren. “Wunder” sind nämlich nicht immer wunderbar, stellen wir in diesem Roman fest. Es geht um Julia, zu Beginn des Buchs gerade einmal 11 Jahre alt, und ihre Welt. Da sind ihre Eltern – der Vater, der als Arzt ständigen Schichtdienst schiebt, die Mutter, die mit Depressionen lebt. Ihre beste Freundin, Hanna, eine Mormonin. Und natürlich der Junge, in den sie heimlich verliebt ist. So weit, so langweilig. Nichts, was man nicht in anderen “Coming of Age-Romanen” schon hundert Mal gelesen hätte.

Aber dann passieren sie, die Wunder. Und während die Geschichte sich immer noch um Julia und ihre kleine Welt dreht, wurde für mich das gesamte Drumherum plötzlich sehr viel spannender. Auf einmal, niemand weiß weshalb, dreht sich die Erde langsamer. Das hat zur Folge, dass die Tage länger werden – die Abstände zwischen Tag und Nacht vergrößern sich. Ich schreibe das deswegen so, weil mich das Konzept “Die Tage werden länger” erst einmal total verwirrt hat. Ein Tag im Sinne der Zeitspanne zwischen zwei Sonnenaufgängen hat also plötzlich mehr als 24 Stunden. Zunächst unmerklich einige Sekunden, später Minuten, noch später Stunden.

Es war wirklich faszinierend, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Zunächst einmal das offensichtliche: Der Tagesrhythmus ist schnell im Eimer. Wie soll die Gesellschaft weiter vorgehen – geht die Schule los, wenn es hell wird, oder wenn es acht Uhr ist? Aber es geht ja noch viel tiefer. Die Pflanzen und Tiere bekommen Schwierigkeiten, auch die Menschen kommen mit der starken Strahlung der Sonne nicht zurecht. Die Gezeiten verändern sich. Die Schwerkraft wird stärker. Die Gesellschaft verändert sich.

Das Buch war wirklich etwas besonderes: Es hat mich gefesselt, obwohl die Geschichte, die erzählt wird, nicht besonders spannend war. Julias Eltern trennen sich, ihre Freundin zieht weg, sie versucht, in der Schule dazuzugehören, dazu die erste Liebe – die übliche 0815-Teenager-Geschichte. Doch die Atmosphäre des Buchs und die innovative Hintergrundgeschichte hat mich das völlig vergessen lassen. Tatsächlich habe ich das Buch an einem Abend auf dem Sofa verschlungen, und als der Held heimkam, musste ich erst einmal wieder in unserer Welt ankommen. Kurzer Blick auf die Uhr – es war Mitternacht – kurzer Blick nach draußen – es war dunkel. Alles in Ordnung hier bei uns. Es war wirklich ein mulmiges Gefühl entstanden. Danach musste ich dem Helden das Phänomen des Buchs noch in aller Ausführlichkeit darlegen und wir diskutierten über Folgen, Probleme und woran es wohl liegen könnte (darauf wurde im Buch nämlich gar nicht eingegangen).

Also: Eine Leseempfehlung für euch! Meinen Damen im Buchclub hat es glücklicherweise auch gefallen. Diesen Monat haben wir Das Buch der verlorenen Dinge gelesen, und irgendwie hatte ich schon nach einigen Seiten so ein vertrautes Gefühl… Und tatsächlich, ein Blick in meine vergangenen Leselisten des Blogs verriet mir, dass ich das Buch schon 2012 gelesen habe. Upps. Nun denn, neuer Monat, neues Glück!

4 Antworten

  1. Ha, seit Mittwoch denk ich: Jetzt muss ich aber gucken, was Nele geschrieben hat – und jetzt ist es ein Buchtipp und ich habe meins gerade durch 😀 Jippie!

    • Nele

      Hehe, perfekt! Ich hoffe, es gefällt dir! ?

  2. Hey mal eine Frage: Meinst du das Buch wäre auch schon etwas für ein 12 Jähriges Mädel? Oder ist das nicht geeignet?

    • Nele

      Hallo Eva,
      tut mir leid, ich habe den Kommentar eben erst gesehen! Ich denke, dass das Buch durchaus geeignet wäre, da die Protagonistin auch in genau diesem Alter ist!

  3. […] die allen am besten gefallen. Ein paar habe ich ja hier auch schon besprochen (Die Berufene und Ein Jahr voller Wunder), es standen aber noch mehr auf dem Programm. Das Licht der letzten Tage war das vorletzte Buch, […]

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