Alltagshüpfer | Rezensionshüpfer

Das Happiness-Projekt: Mehr Energie im Januar

7. Februar 2018

Vor ein paar Wochen habe ich ja mit dem „Happiness-Projekt“ von Gretchen Rubin angefangen. Jeden Monat gibt es ein anderes Thema, um das sich gekümmert wird, um „glücklicher“ (ich nenne es lieber „zufriedener“) zu werden. Das Januar-Thema war „Vitalität“:

  • mehr Schlaf
  • mehr Bewegung
  • aufräumen
  • unangenehme Aufgaben erledigen
  • „so tun als ob“ – sich energiegeladener fühlen, indem man so handelt, als wäre man es

Das habe ich mal mehr, mal weniger versucht, im Januar auszuprobieren. Ich habe versucht, ins Bett zu gehen, wenn ich müde war. Erste Erkenntnis: Es ist gar nicht so leicht, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Wann ist man wirklich müde? Wenn man leicht gähnt? Dann müsste ich gleich nach Feierabend ins Bett. Oder wenn man sich nicht mehr konzentrieren kann und einem die Augen zufallen? Dann ist es allerhöchste Eisenbahn und eigentlich schon zu spät. Ich bin jedenfalls relativ oft relativ früh ins Bett gegangen, aber nie so richtig früh. Man will ja auch was vom Feierabend haben… Bei mir hat es dazu geführt, dass ich morgens nicht wirklich viel fitter war als zuvor, aber abends dafür immer früher müde. Vielleicht spielt sich das mit der Zeit ein, mal sehen. Ein bisschen probiere ich es noch, es war nämlich auch ganz angenehm und vielleicht fehlt mir da wirklich ein bisschen die Regelmäßigkeit.

Mehr Bewegung? Ich habe weitergemacht wie bisher. Allerdings habe ich jetzt endlich wieder ein Fitness-Armband, so dass ich versuche, die 10.000 täglichen Schritte zu schaffen. Zumindest meistens. Ansonsten DVD-Gehupfe vor der Arbeit, Mittagspausenschritte mit dem Hund und der tägliche Fahrradweg zur Arbeit. Muss reichen. Teilweise konnte ich zumindest den DVD-Sport gleichzeitig unter „unangenehme Aufgaben“ verbuchen. Das ist nämlich ein Training, dass nicht nur (hoffentlich) körperlich fit macht und somit mehr Energie liefert, sondern auch eins, das der psychischen Seite hilft. Ich muss mich echt überwinden, das so früh morgens zu machen und fühle mich danach gleich, als hätte ich schon richtig was geleistet und könnte Bäume ausreißen. So soll’s sein!

Aufräumen – das hat geklappt, mehr oder weniger. Ist aber ja ohnehin gerade Thema, von daher völlig in Ordnung.

Unangenehme Aufgaben habe ich neben dem Sport ein paar erledigt. Ich war beim Zahnarzt. Ich habe einen Termin fürs Hautscreening, mein erstes überhaupt, vereinbart. Hat mir das Energie gegeben? Nicht so richtig. Ich glaube, die richtigen Aufgaben waren nicht dabei. Ich werde mich zukünftig bemühen, unangenehme Aufgaben möglichst schnell zu erledigen. Nix mehr mit „Man müsste mal“. Denn manche bringen diesen Energieschub wirklich, siehe „DVD-Gehupfe“.

Tja und das „so tun als ob“ habe ich weggelassen, schließlich sollte ich ja ins Bett, wenn ich müde war. Das hat sich etwas widersprochen. 😉

Der erste Monat ist um. Bin ich glücklicher? Naja. Nicht so wirklich. Aber wie man sieht, habe ich ja auch nicht sooo viel anders gemacht. Das Schlafengehen übe ich noch ein bisschen. Dass ich die Arzttermine erledigt habe, schadet ja auch nicht, ob es mich nun glücklich macht oder nicht. (Zumindest habe ich jetzt kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich daran denke.) So richtig spannend ist das nicht, gebe ich zu. Aber die große Erkenntnis war noch nicht dabei. Vielleicht ändert sich das ja in den nächsten Monaten noch?

Das Februar-Thema ist: Liebe. Da bin ich ja mal gespannt. Ein bisschen habe ich schon angefangen. Folgende „Aufträge“ werden dabei aufgeführt:

  • Hören Sie auf, herumzunörgeln
  • Erwarten Sie weder Lob noch Anerkennung
  • Kämpfen Sie mit fairen Mitteln
  • Laden Sie Ihre Problemchen nicht beim Partner ab
  • Zeigen Sie Ihre Liebe.

Ich habe mir beim Lesen schon meinen Teil gedacht, aber das spare ich mir für den nächsten Monat auf… 🙂

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Alltagshüpfer

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? #WMDEDGT

5. Februar 2018

Es ist der fünfte Februar, und Frau Brüllen fragt sich (oder vielmehr: uns), was wir eigentlich den ganzen Tag machen. Da erzähle ich doch auch mal wieder ein bisschen.

Es ist Montag. Um 7 Uhr geht der Wecker, da bin ich allerdings schon wach, weil er Held schon vor mir aufgestanden ist und ich das mitbekommen habe. Auch gut. Ich habe ein bisschen Ärger mit meinem neuen Smartphone, der Wecker macht nun immer ein nerviges Geräusch, bevor der eigentliche Weckton startet, und ich weiß nicht, wie ich das abschalten kann. Es ist die gleiche Wecker-App wie vorher, daher irritiert mich das. Aber nun ja.

Zum Helden, der schon aufgestanden war, habe ich nur ein freundliches „Mhmm“ gebrummt, als er mir einen Guten-Morgen-Kuss verpasst hat. Somit sind die ersten Worte, die ich heute spreche: „Hey Google! Was liegt heute an?“ Am Wochenende haben wir ein Google Home Mini im Schlafzimmer eingerichtet. Das habe ich bei einem Gewinnspiel gewonnen! 😀 Ich hatte überlegt, es als Wecker zu benutzen, um das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannen zu können. Der erste Test am Wochenende hat mich aber noch nicht ganz überzeugt. So erzählt mir Google am Morgen aber erst einmal, wie das Wetter ist, und spielt mir anschließend die neuesten Nachrichten vor. Das ist eigentlich ganz sympathisch, auch wenn’s dafür nicht unbedingt so ein neumodisches Gerät bräuchte, sondern auch ein Radiowecker seinen Zweck erfüllt hätte. Aber nun ja, gewonnen ist gewonnen.

Nach den Nachrichten schäle ich mich aus dem warmen Bett und stolpere kurz ins Bad. Danach werfe ich mich in die Sportklamotten. Montag, Mittwoch, Freitag ist ja DVD-Hüpf-Zeit. Das mache ich dann auch – „eingedrehter Seitstütz“ und „umgekehrtes Schulterdrücken“ ist heute dran. Ächz! Danach schnell noch unter die Dusche, anziehen, Haare föhnen, Betten machen, aus dem Haus! Es ist kalt auf dem Fahrrad, aber auszuhalten. Ich höre die letzte Folge vom Podcast „Dunkle Heimat – Hinterkaifeck“, die Geschichte eines Sechsfachmords, der vor fast 100 Jahren in Bayern geschehen ist. Unterhaltsam! Kurz vor Ende der Fahrt kommt im Podcast dann merkwürdige Musik, und ich brauche ein bisschen, bis ich kapiere, dass das der neue Klingelton meines neuen Smartphones ist. Der Name am anderen Ende sagt mir dann auch erst mal nichts. Es stellt sich heraus, es ist die Freundin eines Arbeitskollegen, die selbigen krankmeldet.

Das gebe ich im Büro angekommen natürlich gleich an alle weiter und starte dann mit der Arbeit. Montag! Viele Emails, aber generell ist es im Januar und Februar eher etwas ruhiger bei uns. Da bleibt Zeit, Dinge zu optimieren und zu reparieren. Mittags geht es eine Runde mit dem Hund raus, es ist immer noch echt frisch, aber die frische Luft ist ja auch ganz angenehm. Meine Mama schickt mir ein Bild, dass bei ihr die Sonne scheint – bei uns ist es leider nur grau in grau.

Nachmittags wird die Arbeit von einem Anruf meiner Mutter unterbrochen. Ob ich Lust hätte, mit ihr nach London zu fliegen, und zwar am Donnerstag? Ich bin etwas irritiert. Es stellt sich heraus, dass mein Papa die Grippe hat und nicht mitfliegen kann. Es würde also alles verfallen – die Flugtickets, die Wohnung, die vor Ort bereits gebuchten Tickets und Eintrittskarten. Ähm, tja. Schnell in den Urlaubstag geschaut und mich mit dem Kollegen, der Rosenmontag frei hat um Karneval zu feiern, abgesprochen. Könnte klappen! Mutter verspricht, die Fluggesellschaft zu kontaktieren und dann sehen wir mal weiter. Ich bin ganz gespannt!

Um 17:30 Uhr fahre ich den Rechner runter. Ich bin mal wieder die letzte im Büro – aber das ist okay, bin ich ja morgens schließlich auch. 😉 Mama hat inzwischen angerufen: ES KLAPPT! Donnerstag fliege ich spontan und unerwartet für ein paar Tage nach London. Die Umbuchung des Flugs auf meinen Namen hat 110 Euro gekostet. Aber immer noch besser, als alles verfallen zu lassen. Ganz verarbeitet hab ich das ganze allerdings noch nicht und bin noch etwas durcheinander den Rest des Tages.

Ich fahre mit dem Rad heim (immer noch so kalt!) und setze schon mal Nudelwasser auf. Der Held ist einkaufen, ich räume ein bisschen Wäsche weg und dann ist es Zeit für den Miracoli-Montag, heute mit einer Folge Modern Family dabei. Danach lese ich noch ein bisschen in meinem aktuellen Buch und schon ist es Zeit für die Chorprobe. Wir singen „For the longest time“, „Here, there and everywhere“, „With a little help from my friends“ und „Mama Lou“ – spaßig! Nun bin ich wieder daheim und wollte „nur noch eben“ den Post zu Ende schreiben. Windows dachte sich aber, es müsse erst mal ein 20minütiges Update machen… Schnarch! Letzten Endes war ich dann eben geduldig, tippe noch eben diese Zeilen ein und jetzt wird gleich noch die neue Star Trek-Folge auf Netflix geschaut. Meine Twitter-Timeline ist bei Star Trek Discovery ziemlich hin- und hergerissen. Ich finde es bislang ziemlich unterhaltsam, bin aber auch kein Die Hard-Star Trek-Fan – im Gegenteil, dies ist meine erste Star Trek-Serie und ich habe bisher nur die neueren Filme gesehen, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.

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Verlosung: Macht mich das glücklich? – Aufräumen mit Konmarie

2. Februar 2018

Glück, Ordnung und Ratgeberbücher! Das sind ganz offensichtlich meine neuen Themen hier im Blog. Wie konnte das passieren? Also – insbesondere der Mittelteil? Glücklich will wohl jeder sein, und ein Faible für Ratgeberbücher habe ich ja nun schon seit vielen, vielen Jahren. Aber wenn man mir vor einiger Zeit gesagt hätte, dass ich mich gern mit Aufräumen beschäftige, dann hätte ich der Person wohl den Vogel gezeigt.

Und heute sitze ich hier wieder einmal und behaupte: Aufräumen macht mich glücklich. Wenn man es richtig macht. Von den Sätzen, die mir dabei helfen, habe ich neulich schon berichtet. Heute geht es um das Buch, das mich in der Hinsicht wirklich weitergebracht hat: Magic Cleaning von Marie Kondo. Passenderweise trägt es den Untertitel „Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“. Und während ich einerseits widersprechen möchte, denke ich andererseits noch einmal darüber nach und sage: Ja okay. Ein bisschen hat es mein Leben vielleicht schon verändert.

Dabei habe ich das Buch nicht einmal gelesen. Stattdessen habe ich mich erst von meiner Twitter-Filterblase (angeführt von Svea) anleiten lassen und es mir anschließend einfach vorlesen lassen. Den Ratgeber gibt es nämlich als kostenloses Hörbuch bei Spotify. Das war optimal für mich, so konnte ich es beim Radfahren oder Spazieren hören, konnte lautstark widersprechen, wenn es mir zu esoterisch wurde, und die offenbar (laut zahlreichen RezensentInnen) ständigen Wiederholungen sind mir auch nicht groß aufgefallen. Daumen hoch dafür!

Eigentlich geht es bei Marie Kondo gar nicht so sehr ums Aufräumen. Oder vielmehr, es geht um mehr als ums Aufräumen. In erster Linie geht es nämlich ums Ausmisten. Der Großteil des Buchs handelt davon, dass wir zu viele Dinge besitzen, die uns nicht glücklich machen (da wären wir wieder beim Thema) und für die wir auch gar keinen Platz haben. Und das erschwert natürlich das Aufräumen. Also startet man bei Konmarie mit dem Aussortieren. Da gibt es einen ganz strengen Plan und äußerst strenge Regeln, wie man vorzugehen hat. An einige habe ich mich gehalten, an andere nicht so sehr.

Visualisierung: Ich sehe was, was ich noch nicht sehe

Als erstes stellt Marie Kondo die Frage: Warum räume ich auf? Was will ich damit erreichen? Wie soll mein Leben, wie soll mein Zuhause aussehen? Das soll man ganz klar visualisieren. Je genauer das Bild, desto besser. Ich muss zugeben, dass ich mit diesem Schritt nicht so viel anfangen konnte. Ich bin ja sowieso eher so reingerutscht und habe nach Sveas Anleitung statt nach Buch angefangen – da ist dieser Schritt bei mir unter den Tisch gefallen, sorry Marie!

Kategorien statt Orte, Haufen statt Häppchen

Wo man vielleicht vorher sagte „Ich sortiere jetzt dieses Regal aus“, geht man jetzt thematisch nach Kategorien vor. Dabei gibt es sogar eine vorgeschriebene Reihenfolge: Bücher, Kleidung, Papierkram, Kram (hierunter fällt ALLES andere) und Erinnerungsstücke. Wenn man mit einer Kategorie anfängt, gibt es dann da, wo es vorher appetitliche Häppchen gab, die man in absehbarer Zeit abarbeiten konnte, dicke, große Haufen. Je nach Kategorie ganze Berge. Alles, was zu der Kategorie gehört, wird zusammengeworfen. Ja, das hat System – denn wenn man diesen Stapel in seiner ganzen Schönheit vor sich sieht, ist man nämlich erst einmal ganz schön erschlagen, wie viel ZEUG man besitzt. Dabei werden beispielsweise alle Bücher aus der ganzen Wohnung zusammengesucht – die aus dem Regal im Wohnzimmer, die Kochbücher aus der Küche, die ollen Bücher aus dem Keller, die Bücher aus dem Arbeitszimmer, der Stapel vom Nachttisch, ganz egal. Und dann steht man vor dem Berg.

Persönlich habe ich mit Kleidung angefangen, da ich ursprünglich nur meinen Kleiderschrank aufräumen wollte. Und weil ich das ganze nach der Arbeit gemacht habe, habe ich die Kategorie noch verfeinert und pro Abend eine Unterkategorie aufgetürmt: T-Shirts, Blusen, Hosen… Das hat gut funktioniert.

Kleiderschrank: Vorher – nachher. (Über der Stange habe ich ein Brett entfernt, an das ich sowieso nie dran kam, ohne ein Riesenchaos zu verursachen. Dafür habe ich dann bei Ikea zusätzliche Schubladen bestellt. Ich liebe es!)

Das Vorgehen ist folgendermaßen: Man nimmt jedes einzelne Teil in die Hand und spürt in sich hinein: Macht mich das glücklich? Oder behalte ich es bisher aus anderen Gründen? Beispiele gibt es genug: Das war so teuer. Das kann man doch noch tragen. Das habe ich geschenkt bekommen. Zum Schlafen ist das noch gut. Ziel ist es, wirklich nur noch Dinge zu besitzen, die uns ein gutes Gefühl geben. Der Rest kommt sehr rigoros weg. Was man jetzt damit macht, dabei hilft das Buch übrigens nicht. Bei Frau Kondo kommt alles in große Müllsäcke und wird entsorgt. Ich habe vieles an Freundinnen oder meine Mama weitergegeben, einiges konnte aber auch tatsächlich in den Müll, einiges in die Give-Box und *tüdelüü* ich habe auch noch eine Tüte im Keller, was laut Konmarie strengstens verboten ist, mich aber nicht groß stört. Bücher, CDs und DVDs kann man oft gut bei Momox oder Rebuy verkaufen.

Der Zweck der Dinge

„Behalte nur die Dinge, die du liebst“ – das klingt sehr einfach. Ist es im Alltag aber oft nicht. Siehe die oben genannten Sätze. Teure Fehlkäufe, Geschenke, ehemalige Lieblingsteile, die jetzt aber nicht mehr so recht zum Leben passen wollen. Da hat mir ausgerechnet einer von Marie Kondos eher esoterischen Ansätzen geholfen. Das ist normalerweise so gar nicht mein Ding. Weder bedanke ich mich abends bei den Schuhen, die mich den ganzen Tag getragen haben, noch glaube ich, dass in den Schrank gestopfte T-Shirts sich unglücklich fühlen und sie beim Zusammenlegen die Energie meiner Hände aufsaugen.

Dennoch habe ich mich nach und nach ertappt, immer häufiger zu denken: Das hat seinen Zweck erfüllt – jetzt kann es aussortiert werden. Bei vielen Dingen, die ich in der Hand halte, frage ich mich ganz bewusst: Was war der Zweck dieses Gegenstandes? Und nein, der Zweck eines Buchs ist es nicht unbedingt, gelesen zu werden und der Zweck einer Hose nicht unbedingt, meinen Hintern warm einzupacken. Oft genug ist die Antwort: „Ich habe es gekauft und habe mich dann gut gefühlt.“ Ja, ich bin oft Impulskäuferin und wie oft ist man schon aus der Stadt heimgekommen und hat sich tierisch über die neue Jacke gefreut, die man gefunden hat? Und dann verstaubt diese Jacke im Schrank und man fühlt sich schlecht. Weg damit! Der Zweck, mir Freude zu bringen, ist erfüllt! Jetzt sorgt die Jacke für schlechte Gefühle, die kein Mensch haben will! Das Geld war nicht verschwendet, denn ich habe es in mein gutes Gefühl investiert. Und zack, fällt mir das Aussortieren leicht. Genau wie bei Geschenken – der Zweck des Geschenks war es, mir eine Freude zu machen. Wenn diese Freude jetzt verflogen ist, ist das eben so! Dinge, die ich mal geliebt habe, aber jetzt nicht mehr mag? Ihr Zweck ist erfüllt, sie dürfen gehen!

Diese Erkenntnis war eine kleine Offenbarung für mich und hat dafür gesorgt, dass ich wirklich überall Dinge zum Aussortieren gefunden habe, auch wenn ich nie damit gerechnet hätte.

Ein zweiter, ebenso wichtiger Trick ist es übrigens, sich bei kniffligen Entscheidungen nicht zu fragen „Kann das weg?“, sondern: „Möchte ich das behalten?“ Das besagt im Prinzip schon die Frage, ob es mich glücklich macht, aber so wird es noch einmal deutlicher. Man dreht das Prinzip des Aussortieren ins Positive um, ins Prinzip des Behaltens quasi: Wenn ich mich nicht ganz klar FÜR etwas entscheide, dann ist es eben eine Entscheidung dagegen, denn dazwischen gibt es nichts.

Falten, bis der Arzt kommt

Bei Kleidung setzt Kondo auf eine ganz bestimmte Faltmethode. Dadurch liegen die Klamotten nicht mehr gestapelt im Kleiderschrank, sondern stehen aufrecht hintereinander. Für diese Aufbewahrungsmethode bieten sich Schubladen an. Tatsächlich habe ich meinen Kleiderschrank etwas umgerüstet und komme jetzt mit deutlich weniger Platz aus, was natürlich auch, aber eben nicht nur am Aussortieren liegt. Das beste daran: Man kann alle Kleidungsstücke auf einen Blick sehen und sie aus dem Schrank nehmen, ohne Chaos zu verursachen. Ich besitze wirklich viele T-Shirts, das ist immer noch so und stört mich überhaupt nicht, aber jetzt kann ich sie endlich alle gleichzeitig sehen und wenn ich das hinterste tragen möchte, fällt nicht der ganze Stapel um, weil ich das unterste herausziehen muss! Revolutionär!

Klar, das Falten macht etwas mehr Arbeit, aber mir macht es immer noch Freude (ich mache es jetzt seit mehreren Monaten). Sogar meine Socken falte ich jetzt so… Das darf man eigentlich niemandem erzählen! 😉 Und diese bunte Schublade mit den immer noch massig vielen T-Shirts – hach! Da geht mir das Herz auf!

Alles an seinem Platz und einen Platz für alles

Revolutionäre Erkenntnis: Aufräumen ist kinderleicht! Es dauert nur wenige Sekunden! Wenn – ja, wenn – alles seinen festen Platz hat. Insbesondere habe ich das in meinem immer etwas „körmeligen“ Näh- und Bastelzimmer gemerkt. Dort war beim Umzug alles erst mal „irgendwie“ eingeräumt worden. Hauptsache, die Kisten sind leer. Alles wurde also ohne System in Schubladen und Regalfächer geräumt und gut war es. Das blieb fast ein Jahr lang so und es war immer sehr wuselig, und zudem fand ich nie etwas wieder.

Das Ausmisten des Nähzimmers war daher auch eine Aufgabe, die mich wahrlich an den Rand der Verzweiflung trieb. Alles auf einen Berg sah ja noch nicht einmal SO wild aus, aber es waren einfach so unendlich viele kleine Teile! Und je mehr ich anfasste, desto chaotischer wurde es. Ich sah wirklich kein Land. Aber ich blieb dran (musste ich ja auch – alles lag auf dem Fußboden!) und nach wirklich vielen Stunden war es irgendwann geschafft. Mein Bestand an „Zeug“ hatte sich dabei sicherlich halbiert. Und dann begann ich, möglichst sinnvoll einzusortieren. Das Ergebnis macht mich sehr glücklich (insbesondere die Schublade mit dem Masking Tape!) und das Aufräumen UND Suchen von Dingen im Nähzimmer ist seither binnen Sekunden erledigt – ein Traum!

Vorher – nachher im Nähzimmer. Die Schublade mit dem Klebeband? Also, wenn die nicht glücklich macht, dann weiß ich auch nicht!

Konmarie: Minimalismus pur?

Die Konmarie-Methode wird sehr oft in einem Atemzug mit Minimalismus genannt. Wer mich und unsere Wohnung kennt, weiß: Ich bin alles, nur nicht minimalistisch. Wie passt das zusammen? Persönlich glaube ich nicht, dass man automatisch bei Minimalismus landet, wenn man Konmarie praktiziert. Kommen wir zurück auf die im ersten Punkt genannte Vision. Ich habe das nun vorab ja nicht gemacht, aber hätte ich mir mein „perfektes Zuhause“ vorgestellt, wäre das sicherlich nicht „weiße Wände, leere Regale, alles Ton in Ton grau-schwarz-weiß“ gewesen. Ich besitze immer noch über 50 T-Shirts. Ich liebe sie alle. Sie machen mich glücklich. Also dürfen sie bleiben. Dieses Bild meiner bunten Schublade erfreut mich jeden Tag aufs Neue. Der Schnickschnack in meinen Regalen, die bunten Buchrücken, das wildgemusterte Lego: Ja, bitte! Bleib und mach mich glücklich!

Fazit und Verlosung

Mit der Konmarie-Methode soll man in etwa 6 Monaten sein komplettes Zuhause aufräumen. Ich gebe offen zu: Mir ist unterwegs die Puste ausgegangen. Insbesondere die Küche bin ich nur wenig angegangen. Es ist aber auch schwieriger, wenn man zu zweit wohnt, finde ich. Es sei denn, der Partner macht mit – darauf hatte der Held aber keine große Lust, und das ist ja auch okay. Aber die Teile, die ich geschafft habe, machen mich immer noch glücklich. Und wenn ich Lust habe (denn meistens hat mir das Sortieren wirklich Freude gemacht!), gehe ich die restlichen Dinge sicherlich noch an. Im Happiness-Projekt wird Aufräumen und Aussortieren nicht ohne Grund im ersten Kapitel schon aufgegriffen!

Ein weiteres Fazit: Das Konmarie-Buch ist SEHR streng und SEHR esoterisch. Ich bin keins von beidem. In einer Amazon-Rezension las ich man solle das ganze wie ein Kochbuch betrachten: Das wirft man ja auch nicht weg, weil einem ein paar Zutaten nicht schmecken und man hält sich auch nicht zwangsläufig zu 100% an die Rezepte. So ist es hier wohl auch. Den esoterischen Teil habe ich größtenteils überlesen; an die Regeln habe ich mich mal mehr, mal weniger gehalten und oft waren sie auch wirklich sinnvoll.

So, aber jetzt kommt ihr ins Spiel: Lustigerweise habe ich ein paar Wochen, nachdem ich mit dem Aussortieren begonnen hatte und schon längst das Hörbuch durch hatte, ein Exemplar von Magic Cleaning gewonnen. Damit ich mir die Bude nicht mit unnötigen Gegenständen vollstopfe ( 😉 ), habe ich beschlossen: Davon sollt ihr profitieren! Wenn ihr jetzt auch kribbelige Finger bekommen habt, könnt ihr das Buch hier gewinnen. Und ich empfehle wirklich, das Buch wenigstens einmal zu lesen oder das Hörbuch zu hören. Es motiviert so sehr!

Die Teilnahme ist einfach: Verratet mir einfach euren besten Aufräumtipp ODER erzählt mir eine lustige Aufräumgeschichte, die ihr mal erlebt hat! (Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die kam als Kind immer zum Aufräumen zu mir, weil sie das so gern gemacht hat und bei mir immer so schön Chaos herrschte. Nur mal so als Geschichten-Beispiel!) Teilnehmen darf jeder mit einer deutschen Versandadresse, der bis Sonntag, 18. Februar, unter diesem Beitrag einen Tipp oder eine Geschichte hinterlässt. Die Gewinnerin kontaktiere ich per Mail, also bitte eine gültige Emailadresse angeben. Viel Glück!

Wer nicht warten kann, findet das Buch hier bei Amazon.

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Gedankenhüpfer | Rezensionshüpfer

Selbstversuch: Das Happiness-Projekt von Gretchen Rubin

21. Januar 2018

Schon lange bin ich Fan von Gretchen Rubins Podcast „Happier“. Darin gibt die Autorin zusammen mit ihrer Schwester Tipps, wie man im Alltag glücklicher werden kann. Vor vielen Jahren hat sie begonnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen – damals hat sie ein Buch darüber geschrieben, und das hat mir der Held nun zu Weihnachten geschenkt.

„Das Happiness-Projekt Oder: Wie ich ein Jahr damit verbrachte, mich um meine Freunde zu kümmern, den Kleiderschrank auszumisten, Philosophen zu lesen und überhaupt mehr Freude am Leben zu haben“ – eingängiger Buchtitel, oder? 😉 Zumindest sagt er aus, worum es geht. Nämlich um einen Selbstversuch. Ein Jahr lang versucht Gretchen Rubin verschiedene Methoden aus, mit denen man sich eventuell glücklicher fühlt. Und ich? Ich mache mit.

Bin ich unglücklich? Nein, keineswegs! Aber ich bin ja generell ein Opfer solcher Selbsthilfebücher. Zugegeben: Viele bringen nicht viel. Aber meistens kann ich wenigstens ein bisschen was mitnehmen und manchmal landet man ja auch einen echten Volltreffer. Generell leben wir natürlich ein einer Welt des Selbstoptimierungswahns – eigentlich kann ich das natürlich nicht gutheißen, aber andererseits, wer möchte nicht ein bisschen optimiert werden? 😉 Ich sehe das ganz pragmatisch: Mir macht es Spaß. Ich lese solche Dinger gern, ich probiere gerne aus und verändere gern Dinge. Ich versuche, ein reflektierter Mensch zu sein und glaube, dass ich mich dadurch weiterentwickle, und zwar im positiven Sinne. Das ist nicht jedermanns Sache, und das ist auch in Ordnung so. Niemand soll denken, er muss sich jetzt un-be-dingt auf Teufel komm raus „optimieren“. Für mich selbst denke ich eben, dass es nicht schaden kann, so etwas wie das Happiness-Projekt einfach mal aus Jux und Dollerei auszuprobieren und zu gucken, was hängenbleibt.

Das Happiness-Projekt ist in zwölf Monate aufgeteilt. Ich habe mit dem Januar nun natürlich viel zu spät angefangen. Aber was soll’s? Jux und Dollerei-Projekt, ich sagte es bereits. Außerdem habe ich einiges aus dem Januar sowieso schon auf dem Schirm gehabt. Der Januar hat nämlich das Thema Vitalität. Logisch: Wenn man mehr Energie hat, fühlt man sich besser, und somit ist man glücklicher.* Rubin spricht hier von physischer sowie psychischer Energie. Für den körperlichen Teil gibt es zwei Vorschläge, die man im Januar ausprobieren sollte: mehr Schlaf, mehr Bewegung. Tatsächlich glaube ich, dass ich da schon auf dem richtigen Weg bin. Bewegung habe ich dank Radweg zur Arbeit, Hüpferei vor dem Fernseher, mittäglicher Hunderunde mit dem Bürohund sowie wochenendlichen Wander- und Spazierrunden durchaus genug. Vielleicht versuche ich mich noch mal wieder an den 10.000 Schritten am Tag, sobald ich wieder einen Fitnesstracker habe. Was den Schlaf betrifft, versuche ich lustigerweise schon seit einigen Tagen, eher ins Bett zu gehen. (Lustig finde ich es, weil ich das Happiness-Kapitel tatsächlich erst heute gelesen habe.) Wenn es gut läuft: Einfach dann in die Kiste, wenn ich müde bin. Das werde ich jetzt noch konsequenter durchziehen und mal sehen, was passiert. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich diese Erkenntnis habe.

Bei der psychischen Seite der Energie geht das Buch auf drei Dinge ein: Aufräumen, unangenehme Aufgaben erledigen und energiegeladener sein, indem man einfach so tut, als hätte man Energie und sich so selbst überlistet. Dass Aufräumen mich beschwingt und glücklich macht, konnte ich ja im letzten Jahr mit Konmarie schon sehr gut feststellen. Ein Blogpost dazu ist in Vorbereitung! Das Erledigen unangenehmer Aufgaben? Ja, es stimmt. Wenn man etwas erledigt hat, das man schon ewig vor sich hergeschoben hat oder das einem wirklich schwerfiel, anzugehen, dann fühlt man sich danach oft, als könne man jetzt ALLES. Eine gute Möglichkeit also! Laut Buch soll man eine To-Do-Liste mit unangenehmen oder nervigen Aufgaben machen. Viel ist mir aber nicht eingefallen, denn ich habe schon einiges abgehakt: Zeitschriften-Abos gekündigt, mit der Bank über meine Altersvorsorge gesprochen, all so unangenehme „man sollte mal“-Jobs. Auf meiner Liste steht jetzt ein Zahnarzttermin, ein Termin für ein Hautscreening (das habe ich noch NIE gemacht, ich weiß gar nicht, wo ich da hingehen soll) und das Abschreiben von Rezepten in unser Kochbuch. Vielleicht fällt mir noch mehr ein, es ist noch Platz auf der Liste! 😉

Diese Punkte versuche ich jetzt also mal für den Rest des Januars durchzuziehen und dann sehen wir weiter. Ich werde berichten und euch dann auch gleich erzählen, was das Thema für den Februar ist. Vielleicht hat ja noch jemand Lust, mitzumachen! Ich würde mich freuen. 🙂

Wie seht ihr das denn überhaupt? Kann man Happiness „trainieren“?

* Das Wort „glücklich“ als Übersetzung für „happy“ trifft es nicht zu 100%, meiner Meinung nach. „Happy“ ist vielleicht noch etwas „kleiner“ als das deutsche „glücklich“ – es kann eben auch erfreut, fröhlich und – ganz wichtig – zufrieden bedeuten. „Happier“ zu werden heißt also nicht zwangsläufig, permanent mit einem duseligen Grinsen der Glückseligkeit durch die Gegend läuft.

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Alltagshüpfer

Schnipsel

19. Januar 2018

Friederike hat Münster erwischt. Bei uns persönlich zum Glück nicht. Ein Blumentopf auf dem Balkon ist zerdeppert – den hätte man natürlich vorher reinstellen können, wäre man ein vorbildlicher Bundesbürger und würde die Warnungen von „Nina“ ernstnehmen. Ich habe Nina nicht einmal installiert, aber der Held schon und er las mir auch die Warnung vor. Tja. Schade um den Blumentopf. Ich bin gestern sogar mit dem Fahrrad gefahren. Vor der Arbeit war noch nichts („Büschen windig heute“ hätte ich an normalen Tagen vielleicht gesagt), nach der Arbeit war schon alles vorbei. Da musste ich dann ein paar Kurven um heruntergefallene Dinge fahren und ab und zu mal auf die Straße ausweichen, da der Bürgersteig samt Radweg wegen herunterfallender Dachziegel abgesperrt war. Alles in allem: keine Sturm-News bei uns.


Freitag haben wir Weihnachtsfeier. Ja, unsere Firma macht die Weihnachtsfeier immer im Januar. Wir nennen sie dann halt Neujahrsfeier. Das entspannt alle ungemein. Die Terminsuche ist einfacher, man bekommt problemlos Tische reserviert für viele Menschen, und wann man feiert, ist ja letzten Endes auch schnuppe. Dieses Jahr machen wir mal was ganz neues und gehen auf ein Konzert. Die Band eines Kollegen spielt. Eine Metal-Band. Ich finde es saucool, die meisten anderen auch, einige maulen. Aber irgendwer hat halt immer was zu meckern. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.


Unser regelmäßiger Essensplan funktioniert immer noch. Jeden Abend, wenn ich nach Hause komme und nur noch die Zutaten aus den Schubladen bzw. dem Kühlschrank holen muss, freue ich mich wieder darüber. Wir essen seither früher und sparen sicherlich Unmengen an Sprit, weil der Held nicht mehr nach jedem Arbeitstag einkaufen muss. Dank automatischer Erinnerung per „Wunderlist“ am Sonntagnachmittag planen wir auch den Rest unserer Woche dadurch etwas besser durch (der Held wird beispielsweise nicht mehr Donnerstag Mittag dadurch überrascht, dass ich ihm sage, dass ich abends Buchclub habe – das taucht ja alles schon bei der Essensplanung auf). Der Miracoli-Montag wird selbstverständlich trotzdem beibehalten. Traditionen und so.


Vom Leben gelernt: Mit dem Auto zur Arbeit fahren zu dürfen ist Luxus, der höchstens eine Woche lang richtig toll ist. Zwischen Weihnachten und Mamas Geburtstag Mitte Januar durfte ich ihr Auto ausleihen. Und weil ich es konnte, bin ich damit dann auch täglich zur Arbeit gefahren. Am Anfang war das super. In der ersten Januarwoche war es ja auch noch richtig leer auf den Straßen und ich war in kürzester Zeit am Büro angekommen. Außerdem war Mistwetter. In der zweiten Woche war es langsam nichts besonderes mehr, auf das ich mich jeden Tag freute. Außerdem wurden die Straßen immer voller und ich musste beim Hineinfahren in die Stadt ewig an den Ampeln warten. Mit dem Fahrrad flitze ich immer an diesen Schlangen vorbei und freue mich. Daher war es gar nicht so schlimm, als die Luxuszeit nach zwei Wochen vorbei war.

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Alltagshüpfer

2018 – das Jahr ohne gute Vorsätze

10. Januar 2018

Ein frohes neues Jahr in die Runde! Der Blog hat langsam schon Staub angesetzt, oder? Aber hey, ein kleiner Frühjahrsputz wird ihn schon wieder in Top-Zustand bringen. Zumindest habe ich heute das Problem gelöst, dass in den Kommentaren Jedes Wort Mit Einem Großbuchstaben Anfing. Könnt ihr so etwas auch so schlecht lesen wie ich? Mein Gehirn macht dann beim Lesen vor JEDEM Wort eine kleine Atempause. So entstehen völlig zerhackte Sätze. Leider war die Lösung nur durch ein neues Theme möglich. Aber so richtig gewöhnt hatten wir uns ja vermutlich alle noch nicht an das kleine Zwischen-Theme, das den Blog für ein paar Monate zierte.

Wie ist denn sonst so die Lage der Nation? Also, nicht der gesamten Nation. Aber bei euch und bei mir so? Mein 2018 hat entspannt angefangen, zu Besuch bei Freunden, klassisch mit Raclette und Wunderkerzen. Seither drömmel ich mich so durchs neue Jahr. Ich habe nicht einmal einen Neujahrsvorsatz! Dabei habe ich gute Vorsätze echt gern und es macht mir immer Spaß, darüber nachzudenken. Aber nachgedacht und reflektiert habe ich auch dieses Jahr – um dann festzustellen, dass ich eigentlich sehr zufrieden bin. Alles, woran ich mit guten Vorsätzen wirklich etwas ändern könnte, läuft eigentlich so, wie ich es mir vorstelle. Unglaublich eigentlich: Ich bin zufrieden mit dem, was ich mache, ich bin zufrieden mit meinem Aussehen, mit meinem Verhalten, mit allem, worauf ich selbst Einfluss habe. Wow!

Klar habe ich über Weihnachten wieder zwei Kilo zugelegt, die jetzt runtersollen. Aber das ist kein Vorsatz, sondern ist halt einfach so und wird jetzt eben „erledigt“. Ich weiß ja, wie es geht. Auch der Sport (nun ja, die kleinen Turneinheiten vor der Arbeit 3x die Woche) sind kein Vorsatz, sondern gehören mittlerweile dazu. Gesunde Ernährung? Bewegung? Freizeitverhalten? Läuft rund. Im vergangenen Jahr hatte ich meine „100 x 10.000 Schritte täglich“-Challenge. Vielleicht wiederhole ich so etwas im Laufe des Jahres noch einmal – aber momentan habe ich nicht einmal mehr einen Fitnesstracker! (Ich muss zugeben, er fehlt mir…)

Auch im Haushalt läuft es super, das Ausmisten nach Marie Kondo ist zwar immer noch nicht zu 100% abgeschlossen, aber es ist alles schon viel besser und ich war wirklich positiv überrascht, wie schnell das Nähzimmer wieder aufgeräumt war, nach dem das December Daily fertig war. Es ist wirklich eine echte Arbeitserleichterung, wenn alles von Grund auf organisiert ist und einen festen Platz hat! Das werde ich also weiter beibehalten und die paar Baustellen, die da noch offen sind, sollten schnell abzuhandeln sein. Habt ihr eigentlich Interesse an einem Beitrag zum Konmarie-Thema? Mir und noch einigen anderen, die ich kenne, hat die Methode sehr geholfen!

Kurz hatte ich überlegt, das Jahr mal wieder in „Themenmonate“ einzuteilen, wie ich es 2015 mal gemacht habe. Das hat damals eigentlich super geklappt. Aber hey. Nö. Ich mach einfach alles, ganz nach Gefühl. Läuft ja. Never change a running system und so! 🙂

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Kochbuch-Tipp: Die Montag-bis-Freitag-Küche

17. November 2017

„Ich weiß, es klingt etwas merkwürdig. Aber es schmeckt hervorragend!“

Dieser Satz ist in der letzten Zeit häufiger gefallen im Hause bunt, gestreift und hüpfig. So warf ich neulich Kichererbsen, Radieschen und hartgekochte Eier zusammen in die Pfanne. Ein anderes Mal gab es weiße Bohnen mit Mandelsplittern und roten Zwiebeln als Hauptzutaten des Abendessens. Und gestern gab es ein Rote-Bete-Gratin, das ausschließlich aus eben jener roten Bete und erneut hartgekochten Eiern bestand, überbacken nur mit Streuseln aus Butter, Crackern und gehackten Haselnüssen. Ich weiß, es klingt etwas merkwürdig. Aber es schmeckt hervorragend!

Im Sommer habe ich im Buchladen ein Kochbuch entdeckt, was ich gleich faszinierend fand. „Die Montag-bis-Freitag-Küche“ teilt die Werktage in Kategorien ein: Montags gibt es Suppen und Eintöpfe, dienstags kommen Nudeln auf den Tisch, der Mittwoch ist der Fleisch-Tag, Donnerstag hingegen Veggie-Tag und freitags gibt es traditionell Fisch oder Süßes. In jeder Kategorie gibt es dann wie üblich zahlreiche Rezepte, aus denen man wählen kann.

So weit, so einfach. Im Prinzip ist es ja kein revolutionäres Konzept, ein Kochbuch in Kategorien einzuteilen. Aber die Idee, für jeden Tag ein festes „Thema“ zu haben, aus dem man dann nur auswählen muss, fand ich irgendwie doch faszinierend. Und so lieh ich mir das Buch zunächst einmal in der Stadtbücherei aus. Zu viele Kochbücher haben im Laufe der Jahre ihren Weg in unser Bücherregal gefunden und wurden dann niemals benutzt. Und dann kochten wir los. Und merkten schnell: Da geht was. Für uns. Die Montag-bis-Freitag-Küche und wir, das ist Liebe! Ganz große Kochbuchliebe.

Das Verrückte daran ist, dass wir uns gar nicht mal so besonders streng an die Kategorien halten. Wir haben die Reihenfolge durcheinandergewürfelt, wie es zu unserem Leben am besten passt – schließlich muss unser traditioneller Miracoli-Montag weiterhin einfließen! 😉 Der Held geht montags einkaufen, dienstags gibt es dann ein Fleischgericht (so ist das Fleisch noch frisch), mittwochs ein Veggie-Gericht (bis dahin hält sich auch das Gemüse), donnerstags Nudeln, Freitags ganz brav Fisch, Süßes oder halt eine Suppe bzw. ein Eintopf aus der Montags-Kategorie, die wir ja nicht brauchen. Trotzdem funktioniert diese Reihenfolge bei uns seither einwandfrei. Plötzlich haben wir Essenspläne! Was ich ja schon seit Jahren versuche, einzuführen, läuft jetzt schon seit über drei Monaten komplett rund!

Oben: Bohnensuppe – Rote-Bete-Gratin – Couscous mit Kichererbsencurry; Mitte: Knödel mit Bohnenragout – Spätze-Chicoree-Pfanne – Zitronenhähnchen mit Rucola-Reis; Unten: Hähnchen mit Salatstampf – Mohn-Schupfnudeln – Asiatische Nudelpfanne

Natürlich ist es hilfreich, dass das Essen, das wir nach diesem Kochbuch kochen, auch noch hervorragend schmeckt. In 98% der Fälle jedenfalls. Die Rezepte sind einfach umzusetzen, brauchen keine exotischen Zutaten, und sind – wie oben erwähnt – oft einfach mal was komplett Neues. Das klingt dann manchmal eben etwas merkwürdig. Aber seit wir zufällig eines dieser „verrückten“ Rezepte kochten und aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskamen, nehmen wir die Herausforderung an und probieren aus, was das Kochbuch eben gerade vorschlägt. Wenn ich mir die Collage anschaue, würde ich jedes dieser Essen sofort mit Begeisterung erneut kochen. Momentan sind wir allerdings immer noch dabei, neue Rezepte auszuprobieren. Fehlversuche hatten wir natürlich auch; aber nur etwa 2-3 Rezepte werden wir nicht wiederholen. Und selbst die haben nicht schlecht geschmeckt, sondern waren einfach nur etwas langweilig oder uns für den Feierabend zu aufwändig. Manche Rezepte sind mir auch für den Feierabend zu teuer (Kalbsschnitzel oder Rindersteak sind für mich kein „normales“ Werktags-Abendessen). Aber alles in allem bin ich so glücklich mit der Entscheidung für dieses Kochbuch! Zumal die Rezepte in der Regel wirklich alltagstauglich sind – sowohl von den Zutaten als auch von der Zubereitungszeit her. Dabei ist es fröhlich undogmatisch und greift auch auf fertige Schupfnudeln, Gnocchi etc. zurück – mir persönlich sehr sympathisch!

Die meisten Rezepte sind für zwei Personen konzipiert – manche allerdings auch für vier, da muss man etwas aufpassen. Der Sinn dahinter hat sich mir nicht erschlossen. Bisher konnte ich alles problemlos halbieren, bzw. sind wir ja ohnehin etwas verfressen. Im Gegensatz zu Rezepten aus anderen Kochbüchern sind wir hier bislang auch immer satt geworden. Kalorienangaben stehen bei den Rezepten auch dabei, für mich immer noch wichtig. Ich habe ein paar Mal nachgerechnet (ich zähle selbst nicht mehr so genau), es kam halbwegs hin. Und es sind durchaus abnehmtaugliche Rezepte dabei. Beides trifft nicht bei jedem Kochbuch zu.

Die Montag-bis-Freitag-Küche ist im GU Verlag erschienen und kostet 24,99. Ich empfehle, das Buch vorher einmal auszuleihen, ob es dem eigenen Geschmack entspricht. Es ist eben doch kein 7,99 Euro-Heftchen, sondern ein großer, dicker Wälzer. Für uns hat sich der Kauf aber jetzt schon mehr als gelohnt. Ich genieße es sehr, am Sonntag zu wissen: Der Essensplan ist gemacht, der Einkaufszettel ist geschrieben, jetzt eine Woche nicht darüber nachdenken, was wir kochen müssen! 😉

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Alltagshüpfer

5 Sätze, die mehr Ordnung in dein Zuhause bringen

15. Oktober 2017

Aufräumen! Wenige Menschen würden das vermutlich als ihr Hobby bezeichnen. Ich auch nicht. Was mich aber wirklich glücklich machen kann, ist Ordnung. Und vor diese hat der liebe Gott nun einmal das Aufräumen gesetzt. Oder?

Seit wir umgezogen sind, haben wir eine Durchgangsküche. Jeder, der in unser Wohnzimmer möchte, durchquert also erst einmal die Küche. Da ist nichts mehr mit „Tür zu, Chaos weg“ – zumal die Türen auch noch Scheiben haben, durch die man alles unbarmherzig zu Gesicht bekommt. Als wir letztes Jahr eingezogen sind, war also mein fester Vorsatz: Wir räumen jeden Tag die Küche auf. Und was soll ich sagen? 100% geklappt hat das nicht, aber wir sind deutlich ordentlicher geworden als vorher. Und  zwar nicht nur in der Küche, sondern insgesamt. Das gefällt mir sehr gut!

Wie ist es dazu gekommen? Zum einen gebe ich mir mehr Mühe (und der Held natürlich auch, aber ich möchte in diesem Artikel nur über mich selbst schreiben – denn ändern kann man ohnehin nur sich selbst, nicht den Partner oder andere Menschen, mit denen man zusammenwohnt). Zum anderen habe ich eine Menge zu dem Thema gelesen – manches bewusst, manches tauchte in ganz anderen Zusammenhängen auf und blieb irgendwie hängen.

Folgende Sätze haben nachhaltig beeinflusst, wie ich mich zu Hause verhalte:

Complete the cycle

Bringe zu Ende, was du angefangen hast. „Complete the cycle“ bedeutet zum Beispiel, dass du Dinge, die du herausholst, auch wieder zurückbringst – der „Kreis“ des Geschenke einpackens besteht darin, das Geschenkpapier, Schere und Klebeband zu holen, das Geschenk zu verpacken und anschließend das Geschenkpapier, Schere und Klebeband wieder an ihren Platz zu bringen. Erst dann ist der Kreis geschlossen. Der „Kreis“ kann zum Beispiel aber auch die Wäsche sein: Sie will sortiert, in die Maschine gebracht, aufgehängt und weggeräumt werden. Dieser „Cycle“ dauert etwas länger und es gibt Ruhephasen. Dennoch passiert es uns seither deutlich seltener, dass die Wäsche eine Woche trocken auf dem Wäscheständer hängt, oder bereits gefaltet im Korb liegt, aus dem man sich dann morgens ein T-Shirt nimmt. Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, zu denken „Yes! I completed the cycle!“

Do the grown-up thing

Manche Dinge nerven. Und dabei sind es oft Kleinigkeiten, die in wenigen Minuten oder sogar weniger erledigt sind. Klassische Beispiele: Die leere Klorolle ersetzen. Den Müll nicht nur rausbringen, sondern auch einen neuen Müllbeutel einsetzen. Die Armaturen nach dem Duschen eben abwischen. Oder die Gehaltsabrechnung sofort abheften, statt sie ungeöffnet in den Briefständer zu stecken, der irgendwann überquillt. Reiß dich kurz zusammen und triff die erwachsene Entscheidung, es halt eben hinter dich zu bringen. Irgendwann musst du es schließlich sowieso machen – wieso nicht sofort? Es sind nur Kleinigkeiten, aber es macht einen Unterschied.

Never walk empty-handed

Schon Mama hat’s gewusst: „Nie leer gehen!“ Dann wurde mir etwas in die Hand gedrückt, das in einen Raum musste, durch den ich sowieso kam. Heute halte ich bei jedem Aufstehen aktiv Ausschau nach Dingen, die nicht da sind, wo sie hingehören. Die leere Kaffeetasse kommt schon mal mit in die Küche. Manchmal räume ich sie direkt in die Spülmaschine (Do the grown-up thing and complete the cycle! 😉 ), aber manchmal stelle ich sie auch erst einmal nur auf die Arbeitsplatte. Dennoch ist das Wohnzimmer schon einen Tick ordentlicher und die Hürde ist kleiner. Der Clou ist hier auf jeden Fall das aktive Suchen nach Gegenständen, die mitgenommen werden können. Manchmal bin ich dann schon fast enttäuscht, wenn ich nichts finde.

Keep your sink shiny

Das erste Gebot der „FlyLady“. Die Amerikanerin befasst sich mit Ordnung und Routinen im Haushalt. Ihre Website steckt offensichtlich noch in den 90er Jahren, aber inhaltlich konnte ich dort schon einiges mitnehmen. Ihre erste Regel lautet: Halte dein Spülbecken sauber. Bringe es jeden Abend zum Glänzen. Nun ist es so, dass unsere neue Spüle mattschwarz ist. Glänzen wäre also kontraproduktiv. Allerdings ist meine persönliche Regel, dass abends vor dem Schlafengehen nichts mehr in der Spüle steht und diese ordentlich abgewischt ist. Meist spüle ich daher kurz vor dem Schlafengehen noch ein-zwei Töpfe ab und räume sie weg. Dann sieht es schon wieder so viel ordentlicher aus, dass oft wenige weitere Handgriffe reichen, um die Küche richtig aufgeräumt aussehen zu lassen. Sprich: Die Kaffeetasse, die ich im letzten Schritt schnell aus dem Wohnzimmer vorbeigebracht habe, wandert noch eben in die Spülmaschine, die Schere kommt wieder in die Schublade und zack, sieht’s super aus.

You can do anything for 15 minutes – and sometimes for 2 hours

Manchmal sieht die Wohnung aus wie sonst was, aber man hat einfach sowas von keinen Bock. Dann kremple ich die Ärmel hoch und sage zum Helden „Komm! Eine Viertelstunde, das schaffen wir!“ Und dann stellen wir die Eieruhr und flitzen los. Einfach das machen, was man gerade so sieht, ohne großen Plan. Es ist erstaunlich viel, was man in fünfzehn Minuten geschafft kriegt!
Aber auch dem großen „Hausputz“ tut ein Zeitlimit gut. Samstag ist unser Hausarbeitstag. In der Regel haben wir da eine To-Do-Liste, die abgearbeitet wird. Der Held und ich haben manchmal unsere Differenzen, weil ich gern Pause mache, er aber alles möglichst schnell abhandeln will, und wir teilweise unsere Aufgaben auch nicht zeitgleich erledigen, und so weiter. Vor ein paar Wochen haben wir etwas neues probiert, und beschlossen: Heute machen wir für zwei Stunden Hausarbeit. Ein paar Punkte sind ein Muss (Bad putzen zum Beispiel), und sonst schauen wir einfach, was so zu tun ist. Anschließend ist Feierabend – Zeit, das Wochenende zu genießen!
Es hat mich sehr glücklich gemacht, wie gut das funktioniert hat. Zwei Stunden lang sind wir durch die Wohnung gewirbelt und haben dies und jenes gemacht. Am Ende war noch etwas Zeit übrig, da wurden dann mal die Lichtschalter und Steckdosen gereinigt – was ich sonst NIE mache (NIE-NIE-NIE!), aber dann sehe ich zwischendurch immer, wie staubig sie sind, und ärgere mich etwas. Jetzt sind so kleine Aufgaben, die ich niemals auf die To-Do-Liste schreiben würde (weil sie mir nicht wichtig genug vorkommen), auch mal erledigt. Und vielleicht reaktivieren wir demnächst ja mal wieder das To-Do-Listen-Glas zu diesem Zwecke?

Weitere schlaue Ordnungssätze nehme ich gern entgegen! Perfekt ist es bei uns nämlich noch lange nicht. Aber wenn man ehrlich ist, wird es das vermutlich auch nie sein… 😉

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Alltagshüpfer | Erlebt | Foto-Hüpfer

Schnipsel

7. Oktober 2017

Heute war ich Wandern. Es regnete, die Sicht war neblig, das Thermometer im Auto zeigte zehn Grad. Egal, Wald. Zwanzig Minuten mit dem Auto von hier und dann ging es auf und ab. Unter anderem war ich zum ersten Mal überhaupt am Longinus-Turm. Dieser Aussichtsturm steht auf der höchsten Erhebung des Münsterlands: dem immerhin 187,6 Meter hohen Westerberg. Überrascht war ich davon, wie unfassbar hässlich dieser Turm ist. Mir wurde dann auf Instagram mitgeteilt, dass man ja auch nicht den Turm fotografieren soll, sondern daraufsteigen und von dort aus dann die Aussicht bewundern. Bei dem heutigen Regenwetter habe ich mir das aber mal gespart.

So bin ich aber immerhin mal wieder auf 16.000 Schritte gekommen. Seit ich meine persönliche Challenge, 100 Tage am Stück jeweils 10.000 Schritte zu gehen, geschafft habe, dümpelt meine Schrittzahl nämlich so ziemlich am Boden vor sich hin. Das ist etwas traurig. Und da ich die letzten Tage auch noch krank war und auf dem Sofa Rückenschmerzen von zu viel Liegen bekam, tat die Bewegung auch bei schlechtem Wetter richtig gut.

Außerdem dieses Wochenende bzw. in der Krankenwoche zu berichten: eine lange im Regal vor sich hin staubende Serie in den DVD-Player geschoben und sofort gefesselt gewesen. Boardwalk Empire spielt in den USA der 20er und 30er Jahre und fängt an zum Beginn der Prohibition. Spannend! Leider nirgendwo zu streamen, aber ich habe mir direkt die Komplettbox bestellt, die zu dem Zeitpunkt im Angebot war und nur 27 Euro gekostet hat (statt – wie jetzt – 99!).

Unser Buchclub hat sein Schicksal endlich eingesehen. Wir sind jetzt offiziell ein Dystopien-Buchclub. Nein, nicht wirklich, aber wir haben festgestellt, dass wir wirklich oft Dystopien lesen, und diese zählen dann meist zu den Büchern, die allen am besten gefallen. Ein paar habe ich ja hier auch schon besprochen (Die Berufene und Ein Jahr voller Wunder), es standen aber noch mehr auf dem Programm. Das Licht der letzten Tage war das vorletzte Buch, und dieses Mal haben wir eine ganz besondere Lektüre ausgewählt: Der Bericht der Magd von Margaret Atwood. Nicht wenige hatten die Autorin für den Literaturnobelpreis auf dem Schirm (den hat ja letzten Endes dann mal wieder ein Mann gewonnen – aber bei einem Verhältnis von mittlerweile 100 Männern zu 14 Frauen sind Männer wohl einfach die besseren Autoren *husthust*) und zu dem Buch, das schon mehrfach verfilmt wurde, gibt es auch aktuell eine sehr gehypte Serie (The Handmaid’s Tale nach dem Originaltitel), die man hierzulande leider nicht ansehen kann. Also, außer auf obskuren PayTV-Sendern, die niemand hat. Das Buch war jedenfalls unglaublich gut. Da steht wohl mal eine ausführliche Rezension an. Da hab ich allerdings noch mehrere Bücher auf der Liste.

Mehr Zeit wäre also schön – also alles wie immer. Nebenbei nähe ich, habe die ersten Weihnachtsgeschenkideen, und entrümpele fröhlich die Wohnung nach Konmari. Es wird nicht langweilig!

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Gedankenhüpfer

Die AfD ist nicht das Problem

25. September 2017

Gestern, als alle gebannt vor den Bildschirmen saßen und auf die ersten Hochrechnungen warteten, war ich nicht dabei. Um Punkt 18 Uhr befand ich mich nicht in meinem gemütlichen Wohnzimmer, sondern in der Aula der Grundschule, als der Hausmeister die Türen schloss und wir die Wahl offiziell für beendet erklärten. Keine Stimmabgabe mehr möglich. Wir schoben ein paar Tische zusammen. Der Wahlvorsteher holte einen Schlüssel aus der Tasche und öffnete die Urne, wir trugen sie zu unserer neuen Arbeitsfläche und schütteten einen großen Haufen gefalteter Zettel aus. Der letzte Zettel klemmte ganz unten fest – mit meinem Arm kam ich so gerade eben dran, um auch diese Stimme nicht in der Urne zu vergessen.

Als in der Republik reagiert wurde auf die ersten Zahlen, als Sektkorken knallten oder Tränen flossen, als fassungslose Menschen auf Bildschirme starrten, faltete ich Zettel auseinander, legte sie auf Stapel, reichte sie von links nach rechts, zählte und zählte und zählte noch einmal. Als mich verzweifelte WhatsApp-Nachrichten von Freundinnen vor dem Fernseher erreichten, entstand meine Verzweiflung hauptsächlich durch die Abweichungen in unseren Zahlen, die wir glücklicherweise aber auflösen konnten. Ich war froh, so beschäftigt zu sein. Um 20 Uhr telefonierte der Wahlvorsteher mit dem Wahlamt und gab unsere Zahlen durch, und dann bekamen wir unser Erfrischungsgeld, das man besser nicht auf einen Stundenlohn umrechnet. Wir packten alles zusammen, und um 20:15 stand ich auf dem dunklen, leeren Schulhof und durfte heim.

In unserem tiefschwarzen Wahllokal bekam die AfD 4,5%. Allerdings brauchte ich mir nichts vorzumachen. Der Gatte hatte mir schon zwischenzeitlich Hochrechnungen zugeschickt, und absehbar war es ja auch gewesen. Rund 13% also für die blaubraune “Alternative”.

 

So viel “Wir” und “Die”

Ich bin nicht überrascht. Enttäuscht, aber nicht überrascht oder schockiert. Meine Hoffnungen wurden schon längst desillusioniert, mein Glaube an das Gute im Menschen ist erschüttert. Leider. Brexit. Trump. AfD. So sieht’s aus auf der Welt. Die übergroße Präsenz der “Wutbürger” in sozialen Medien hat es schwer gemacht, auf ein harmloseres Ergebnis zu hoffen. Aber ich glaube: Die AfD ist nicht das Problem. Die AfD ist das Symptom.

Meine Filterblase ist positiv, weltoffen, bunt, divers. Ich kenne niemanden, der AfD wählt. Bei uns gibt es das nicht. Münster ist der einzige Wahlkreis bundesweit, in dem die AfD unter 5% geblieben ist. Dennoch bekomme ich natürlich mit, was passiert. Es gibt ja das Internet.

Meine Filterblase redet gern über “die”. “Wir” wissen nicht so recht, was wir mit “denen” anfangen sollen. Sind “die” wirklich alle dumm? Sind “die” wirklich alle Nazis? Und “muss” man “die” auch so bezeichnen? Oder “darf” man “die” überhaupt so nennen? Uns in Details verzetteln, das können wir gut. Was wir noch gut können: Witze reißen. Zum Beispiel darüber, wie dumm “die” alle sind. “Nicht vergessen: Stimmzettel unterschreiben!” oder “Für AfD-Wähler findet die Wahl erst am 25.9. statt” finde ich nicht lustig, sondern traurig. Wenn die beste Möglichkeit, die Wahl einer rechtspopulistischen Partei zu verhindern, darin besteht, die Menschen von der Wahl abzuhalten, halte ich das für ein Armutszeugnis für die Demokratie.

Auch die gut gemeinte Aufklärungsarbeit in den letzten Wochen hatte ihre Schwächen. Die Motivation von Nichtwählern ändert nun mal auch nichts daran, dass diese dann wählen dürfen, was sie gern wählen möchten – auch AfD. Ein Bild mit den vermeintlichen Forderungen aus dem AfD-Wahlprogramm wurde auseinandergenommen – von Kritikern der Partei, denn die AfD selbst braucht sich diese Mühe nicht zu machen. Ihre Wähler hätten sich an den aufgeführten Punkten nicht gestört, der Aufschrei ging wie üblich nur durch die Reihen der “Gutmenschen”. Wie Marina Weisband schon vor Wochen treffend feststellte:

 

Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.

Wir sind eine gespaltene Gesellschaft, so viel scheint klar. Nicht in der Mitte gespalten – die AfD wurde von nur 13% gewählt, aber das ist schon eine Zahl, die signifikant hoch ist. Ich habe andere Ansichten als diese Menschen. Aber die, die diese Meinungen vertreten, haben durchaus das Recht, AfD zu wählen. Ich kann verstehen, dass man eine Partei wählt, die die eigenen Positionen am besten vertritt. Schade nur, dass ich die Positionen an sich nicht verstehe. Regelmäßig stehe ich fassungslos da und frage mich, wie man so werden kann. Aber ich bin ja selbst von meinem Weltbild so überzeugt, dass mich niemand davon abbringen kann, zu glauben, auf der Seite der “Guten” zu stehen. Also haben wir da diesen Graben zwischen uns, die Gutmenschen und die Wutmenschen, und selbst wenn jemand es schafft, eine Brücke zu bauen, will ja doch niemand auf die andere Seite gehen. Wenn ich nicht zu den anderen will, wieso sollen die anderen zu mir kommen wollen?

Ich weiß keine Antwort, aber mir ist klar, dass es nicht hilft, den Graben zwischen uns noch zu vertiefen. Natürlich ist es verzweifelter Galgenhumor, wenn wir uns über die AfD und ihre Anhänger lustig machen. So lustig sind die nämlich gar nicht. Sie sind Menschen. Sie sind wütend und traurig und manchmal froh, und sie sind genauso sehr davon überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen, wie wir das sind.

Manchmal versuche ich, mich in eine solche Person hineinzuversetzen. Es ist bekanntermaßen leicht, in diesen Filterbubble-Strudel zu geraten, bei dem die sozialen Netzwerke uns immer mehr und mehr und mehr Informationen in die gleiche Richtung anzeigen. Bei dem alle Freunde ähnliche Meinungen vertreten, und bei dem bestimmtes “Wissen” eben Konsens ist, über den man nicht mehr diskutiert. Und ja, ich bin ziemlich privilegiert und mir dessen bewusst. Dennoch, zu einem gewissen Grad kann ich Unzufriedenheit verstehen, auch Wut. Ich kann verstehen, dass man sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlt. Ich kann verstehen, dass man Denkzettel verpassen will, dass man auch mal was zu sagen haben will.

Dann denke ich: Das muss man auffangen. Man braucht mehr soziale Gerechtigkeit, aber natürlich gibt es noch viel mehr Probleme, die da hineinspielen und die ich gar nicht kenne, geschweige denn, dass ich eine Lösung wüsste. Vermutlich gibt es auch keine.

Und dann sehe ich wieder die Seite, die ich nicht verstehen kann. Den Hass. Die Eskalation der Gesprächskultur. Und ich denke: Leute, ich will euch ja verstehen. Aber wer anderen Menschen eine Vergewaltigung wünscht (“Damit du siehst, wie das ist”), ist kein besorgter Bürger. Wer anderen den Tod wünscht und sich freut, wenn Menschen ertrinken, ist kein besorgter Bürger. Der ist ein schlechter Mensch. Und für den habe ich auch kein Verständnis mehr. Genauso wenig wie für den, der “Stolz” auf die „Leistungen“ deutscher Soldaten im zweiten Weltkrieg einfordert.

Und so schwanken wir zwischen Verständnis und Kopfschütteln, zwischen “Das muss man ernst nehmen” und “Das geht gar nicht” und die AfD grätscht so ein bisschen Hufflepuff-mäßig (nur sehr viel unsympathischer) in die Lücke und sagt “Ich nehm sie alle. Die Besorgten, die Verbitterten, die Ewiggestrigen, die Wütenden.” Während wir nur sagen “Das ist doch alles völlig irrational”. Das macht die Sache sehr, sehr schwer. Es ist alles völlig unüberschaubar und ich glaube nicht, dass die lautesten in dem ganzen Dilemma zwangsläufig die meisten sind. Ich glaube nicht – vielleicht möchte ich es nicht glauben – dass die 13% der Deutschen, die gestern AfD gewählt haben, wirklich alle Vergewaltigungswünscher, Über-Ertrinkende-Lacher oder Weltkriegs-Verherrlicher sind. Ich hoffe-glaube, dass das eine kleine, laute Minderheit ist. Ich muss das hoffen, um nicht den Glauben an die Menschheit vollends zu verlieren.

Vielleicht sollten wir einfach mehr miteinander reden. Ich ärgere mich heute noch darüber, dass ich nicht beim Projekt der ZEIT mitgemacht habe, bei dem Menschen mit verschiedenen Ansichten zum Gespräch “verkuppelt” werden sollten. Ich gebe zu: Ich hatte Angst! Ich bin schriftlich besser als mündlich und habe oft das Gefühl, mich nicht so gut ausdrücken zu können. Oft brauche ich die Schriftform, um mir erst mal selbst meine Gedanken klarzumachen. Dennoch wäre ich bei einer Wiederholung der Aktion sofort dabei. Ich habe nämlich auch keine Lösung, aber ich bin mir sicher, dass es Deutschland nicht weiterbringen wird, wenn man sich die ganze Zeit nur zerfleischt.

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