Foto-Hüpfer

Analogliebe #1: Damals

10. März 2015

Ich liebe Fotos. Das reicht schon lange zurück – und man kann nicht bestreiten, dass das Fotografieren mit der Einführung der Digitalkameras einfacher geworden ist. Zumindest ist es nun kein Problem mehr, ein Bild 3, 4, 5 mal zu wiederholen, bis es perfekt ist. Oder andersherum einfach mal draufzuhalten, um nachher zu sehen, ob es etwas geworden ist. Tatsächlich habe ich mir angewöhnt, jedes Bild doppelt zu machen. Es ist gar kein Problem, aus einer Woche Urlaub mit 1.400 Bildern heimzukehren.

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Warum ich dieses Bild so mag, weiß ich gar nicht so genau. Aber hier sehen die Ampeldrücker heute ganz anders aus – gibt es bei euch noch diese?

 

Früher bin ich mit 5 Filmen in den Urlaub gefahren. Zwei Wochen Estland, England oder Nordseestrand mit 5 mal 36 Bildern – einhundertundachtzig Möglichkeiten. Und keine Chance, etwas zu löschen oder mit einem Blick aufs Display festzustellen, dass man es besser noch einmal macht. Und dann kam man aus dem Urlaub wieder und musste die Filme erst einmal abgeben und warten, um dann auch noch (für meine Schülerinnen-Verhältnisse) Unsummen zu bezahlen. Und das krasseste daran? Ich wurde immer mit sehr großen Augen angesehen, wenn ich erzählte, dass ich in zwei Wochen Urlaub fünf Filme (wir erinnern uns – 180 Bilder) vollgeknipst hatte. So viel?!

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Urlaubsfotos, die ich heute noch mag: Meine geliebten Schuhe. Was war ich damals stolz auf die! Ich werde ganz wehmütig, wenn ich dieses Bild betrachte.

 

Heute freue ich mich, dass ich so viel fotografiert habe. Meine ersten Fotoapparat hatte ich in der Grundschule auf dem Geburtstagstisch. Neulich habe ich alte Fotos angeschaut und mich an vieles erinnert. Und dabei habe ich festgestellt: Die wirklich spannenden Fotos sind nicht die Urlaubsfotos. Die wirklich spannenden Fotos, die ich heute noch dem Helden zeige oder mir an die Pinnwand hefte, die mich zum Lächeln bringen – das sind die Alltagsfotos. Es sind die Fotos von Menschen, aber auch die Fotos von Gegenständen, von Einrichtung, von meiner Umgebung, die sich mittlerweile natürlich geändert hat. Es sind nicht die Fotos von den Blumen im Garten, von den Sehenswürdigkeiten im Urlaub. Natürlich sind da manchmal auch tolle Bilder bei, die aus – sagen wir – künstlerischen Gesichtspunkten sehenswert sind. Die man sich an die Wand hängen würde. Aber die wahren Erinnerungen stecken da nicht drin.

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Erste Amtshandlung mit eigener Kamera: Den Geburtstagstisch fotografieren – noch bevor das nächste Geschenk ausgepackt ist.

 

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Ruhrgebiet pur. Die Outfits finde ich auch ganz groß. Völlig ohne Pink konnten wir damals leben.

 

Häufig genug ertappe ich mich sogar dabei, dass ich eigentlich nur höchst aufmerksam den Hintergrund der Bilder studiere – um mich an die Deko zu erinnern, das Buch auf dem Schreibtisch, und weißt du noch, dieses Poster an der Wand? Das finde ich großartig!

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Ja, es ist Chaos auf meinem Teenie-Schreibtisch. Aber ich freue mich über die vielen Details. Die grüne Glas-Wasserflasche. Das übercoole Telefon. Der Lösungsbogen für die Führerschein-Übungsbögen. Der Discman. Das Foto. Die Geburtstagseinladung.

 

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Dieser Aufkleber war damals schon altmodisch. Aber man sollte sie vielleicht trotzdem wieder einführen.

 

Ich habe die analoge Kamera also mittlerweile wieder herausgekramt – und ich fotografiere analog ganz anders als digital. Ich fotografiere unser Zuhause. Ich fotografiere meine Familie und Freunde. Ich fotografiere unseren Alltag. Ich fotografiere das, was mich umgibt, was ich jeden Tag sehe. Ich dokumentiere, anstatt künstlerische Fotos zu machen, die nie wieder angesehen werden. Jedes Bild benötigt Platz und kostet Geld, man überlegt sich also zwei Mal, ob man auf den Auslöser drückt. Tatsächlich klebe ich jetzt auch jedes (gelungene) Bild ein und schreibe ein-zwei Worte dazu.

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Weißt du noch? Nokia war das Nonplusultra unter den Handys. Und ganz cool war man, wenn man sein Betreiberlogo durch ein anderes Bild ersetzte. Zum Musikhören (oben im Bild kann man die Boxen erahnen) mussten wir damals noch ein zusätzliches Gerät, vermutlich den Discman, mitbringen. Und auf den Bierdosen war noch kein Pfand.

 

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Meinen Computer habe ich immer sehr geliebt. Ich mag dieses Bild. Ich weiß noch genau, wer den Stern gebastelt hat, und die Drumsticks hatte ich kürzlich wieder in der Hand, nur noch eine Erinnerung. Der Analog-Film passt natürlich super zum Thema.

 

Das sind die Bilder, die ich später zur Hand nehmen werde. Warum sollen wir nur im Urlaub fotografieren? Wollen wir uns in 20 Jahren an die zwei Wochen erinnern, oder an unser alltägliches Leben? Ich nutze für diese Dokumentation nun die analoge Fotografie aus mehreren Gründen: Ich überlege, bevor ich fotografiere. Ich sehe mein Zuhause, meinen Alltag mit anderen Augen: Ist diese Ecke es wert, einen von 36 Plätzen auf diesem Film zu belegen? Und wenn ein Foto nichts wird, dann ist es nicht so schlimm – es war ja nur etwas alltägliches und nicht ein unwiederbringlicher Moment (ok, dass meine Weihnachtsfotos allesamt nichts geworden sind, hat mich schon echt gewurmt).

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Das sieht alkoholischer aus, als mein Teenie-Leben es je war (Der Rum? Nur zum Backen. Die schwarze Flasche? Immer noch voll). Aber ich fand es wahnsinnig cool, diese Reihe auf meinem Regal stehen zu haben. Direkt vor den Puzzles.

 

Einige dieser dokumentierenden Bilder möchte ich euch in der nächsten Zeit gern zeigen. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, mitzumachen? Das heutige Thema ist „Damals“. Habt ihr auch Bilder, die den Alltag, das Zuhause festhalten – von früher? Dann schaut in euer Archiv und zeigt uns eure Einblicke – egal, ob analog oder digital! Falls ihr Interesse habt, werde ich beim nächsten Mal ein Linkup schalten (da muss ich mich dann erst mal einlesen) – in zwei Wochen wird das Thema „Zuhause“ sein und dann sind aktuelle Fotos gefragt!

  1. Coole Fotos. Ich hätte da auch noch welche. Sie fallen mir gerade just in die Hand, weil wir am Umräumen sind. Die Idee ist gut. Auch ich habe viel Fotografiert. Aber auch heute fotografiere ich noch den Alltag. Ich mag das. Aber auch die Blumen im Garten, weil sie mich ans Pflanzen, an meine Oma, an meine Mutter und an besondere Momenten erinnern. Ich kram mal und schau, ob ich nen Post zusammenbastle.

  2. … eine wirklich wunderbare Zeitreise… ich bin mir ziemlich sicher, dass ich „solche“ Fotos nicht habe… schade eigentlich! Aber „damals“ hat man üblicherweise wirklich nur die „außergewöhnlichen“ Momente wie Geburtstage, Weihnachten, Urlaub festgehalten… mir ist es dann auch mal passiert, dass ich Urlaubsfotos habe entwickeln lassen – und es waren noch Bilder von Weihnachten mit auf dem Film… umso wertvoller sind deine „Schätzchen“ – vielen Dank fürs Zeigen!!

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