Erlebt

Hauptstadtliebe: Städtetrip-Planung für Anfänger

24. Juli 2017

Nachdem wir letztes Jahr zwei längere Urlaube gemacht hatten – einen ganz im Norden, einen ganz im Süden – beschlossen der Held und ich, dieses Jahr mal ganz gemütlich im elterlichen Ferienhaus zu urlauben. Dennoch wollten wir ein bisschen was erleben, und was lag da näher als ein Wochenend-Trip in eine schöne Stadt?

Einiges stand zur Auswahl, aber auf Anhieb konnten wir uns nur auf ein Ziel einigen: Berlin! Diese große, wuselige Hauptstadt, in der wir beide schon viel zu lange nicht mehr waren. Ich war zuletzt 2004 dort, aber der Held toppt das locker: 1992 hat er Berlin zuletzt gesehen, und seither hat sich gerade dort vermutlich mehr verändert als in den meisten Städten Europas.

Dieses Mal wollte ich den Trip ausnahmsweise richtig vorbereiten! Wir sind nämlich beide sehr gut darin, nur mit einer vagen Idee loszureisen und dann unorganisiert von A nach B zu stolpern. Dabei habe ich immer das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Die besten Tipps entdecke ich dann erst im Nachhinein. Ich weiß nicht, wo die besten Restaurants sind und welche Geschäfte ich auf gar keinen Fall verpassen sollte, und die erste Stunde nach dem Frühstück geht drauf mit der Planung für den Tag. Blöd! In einem zweiwöchigen Strandurlaub mag das ja noch gehen, aber die vier Tage, die wir für Berlin zur Verfügung hatten, wollte ich doch etwas besser nutzen.

Für die Vorab-Planung nutzte ich einen großartigen Tipp von Frau Brüllen: Alles in eine Google Maps-Karte eintragen, was ansatzweise interessant erscheint! Hier hat sie gut beschrieben, wie das funktioniert. Der Held und ich sammelten also, was das Zeug hielt. Museen, Geschäfte, Restaurants und Cafés, und selbstverständlich auch die klassischen Sehenswürdigkeiten. Am Ende sah das ungefähr so aus:

Völlig klar, dass wir nie vorhatten, alle diese Dinge tatsächlich zu sehen. Aber insbesondere bei den Restaurants und Cafés habe ich mich kein bisschen zurückgehalten. Denn ich finde nichts blöder als hungrig zu sein und nicht zu wissen, wo ich jetzt was leckeres bekomme. Dann läuft man nämlich am ersten Laden vorbei (könnte ja noch was besseres kommen), am zweiten womöglich auch, dann ist der Hunger aber schon so groß, dass man verzweifelt in der nächstbesten Lokalität einkehrt – die dann vermutlich eine Enttäuschung ist. Und dann stellt man fest, hundert Meter weiter wäre das perfekte Restaurant gewesen. Ha! Nicht mehr mit unserer Google Maps-Karte, die uns vor Ort anzeigte, wo wir sind und wo die nächste Empfehlung lauert. Allerdings sieht man in der Karte auch einen eklatanten Mangel an lila Punkten im Bereich der Touristen-Attraktionen, und so passierte uns das doch ein- oder zwei Mal. Nichtsdestotrotz, super Sache.

Als nächstes notierten wir unsere jeweiligen Must-Haves. Der Held wollte beispielsweise in einige Comicbuchläden, ich wollte zu den Hackeschen Höfen, und bei den Museen mussten wir hart verhandeln, bis wir uns auf wenigstens nur ein Museum am Tag beschränken konnten. (Wir einigten uns auf die Topographie des Terrors, das Computerspiele-Museum, eine Unterwelten-Tour und die Gedenkstätte Hohenschönhausen im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis. Zufällig landeten wir dann aber auch noch in der Mauer-Gedenkstätte.) Berlin hat einfach zu viele Museen!

Zum Geburtstag hatte ich außerdem einen Gutschein für das Käfer Feinkost-Restaurant auf dem Dach des Bundestags bekommen. Dort muss man reservieren, so dass wir hier einen festen Termin hatten, den wir einhalten mussten. Um diesen Termin herum und außerdem um die örtliche Lage der ausgewählten Museen planten wir dann unsere weiteren Aktivitäten. Nicht minutiös, aber am Ende stand eine gewisse Ordnung. Ein Überblick über die Stadt, die Hackeschen Höfe sowie die Topographie des Terrors am ersten Tag, ein Shopping-Tag mit einem abschließenden Besuch im Computerspiel-Museum am Samstag, Sonntag mit dem Flohmarkt im Mauerpark, dem Restaurant-Besuch zu Mittag und der Unterwelten-Tour am Nachmittag, und am Montag dann noch die Gedenkstätte Hohenschönhausen, bevor wir abends wieder in den Zug steigen sollten.

Dieses lockere Konzept in Kombination mit der Google-Karte hat hervorragend funktioniert! Es war wunderbar, morgens beim Frühstück schon zu wissen, was auf dem Programm steht. Es war erleichternd, abends schon zu wissen, ob man am nächsten Morgen ausschlafen kann oder doch lieber pünktlich aufsteht, weil man z.B. auf den Flohmarkt möchte. Es war entspannt, nach dem „Abhaken“ der Liste vor dem Abendessen noch eine Pause im Hotel einlegen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, etwas zu verpassen (das kann ich nämlich viel zu gut: Entspannungszeiten im Urlaub als „verschwendet“ anzusehen). Und es war super, sich die Restaurants auf der Karte aussuchen zu können. (Das einzige, was ich an der Google Maps-Methode kritisieren muss, ist die Tatsache, dass man keine Details mehr angezeigt bekommt, wenn man einen eigenen Punkt hinzugefügt hat. Ihr wisst doch, wenn man auf Google Maps beispielsweise auf ein Restaurant klickt, dann bekommt man die Website und die Öffnungszeiten angezeigt? Wenn man das dann als Punkt hinzufügt, funktioniert das nicht mehr und man muss den Laden parallel googeln, wenn man wissen will, was sich noch gleich hinter dem mehr oder minder kryptischen Namen verbarg. Oder standen wir da nur auf dem Schlauch?)

Wie gut die Planung war, zeigte sich am Montag. Da stand ja nur die Gedenkstätte auf dem Plan, und unser Zug fuhr erst um 18:30 Uhr. Wir hatten überlegt, dass wir ja nach der Gedenkstätte einfach noch irgendwas machen könnten, was wir bis dahin nicht geschafft hatten. Unsere „To-Do-Liste“ war aber nun abgehandelt und so saßen wir etwas hilflos herum und scrollten auf der Karte rum, konnten uns nicht so recht einigen, hatten zu viele Möglichkeiten. Dann fuhren wir irgendwo hin, was aufgrund der Entfernung (Berlin ist groooß!) aber viel länger dauerte als gedacht, konnten da dann nur schnell was futtern und mussten schon wieder zum Hotel, die Koffer abholen. Das fühlte sich sehr unbefriedigend an, erinnerte mich aber ein bisschen an bisherige Urlaube. Also war es im Endeffekt der beste Beweis dafür, dass unsere Planung an den übrigen Tagen hervorragend war!

Ein bisschen schwer tat ich mich ja damit, zu akzeptieren, dass man in vier Tagen eben einfach nicht alles machen kann. Dazu ist die Stadt zu groß, sind die Möglichkeiten zu vielfältig. Aber auch da hat mir die Planung sehr geholfen. Sonst bin ich nämlich auf Reisen gern mal etwas verzweifelt, weil ich doch noch A, B und C sehen wollte, aber nur Zeit für A war. Hier bin ich das auch, aber schon im Vorfeld zu Hause, während der Planung. Als wir unser Programm hatten, war ich vollauf glücklich damit, dieses „abzuarbeiten“. Wir haben alles geschafft, was auf unserer Liste steht – ein erfolgreicher Tag. Es gibt sicherlich ein nächstes Mal, denn Berlin hat uns beiden sehr gut gefallen. Vielleicht warten wir dieses Mal auch nicht 13 bzw. 25 Jahre!

weiterlesen

Alltagshüpfer

Gerade jetzt #4

19. Juli 2017

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich? Und was um alles in der Welt sollen wir heute zu Abend essen?

Gerade jetzt…

denke ich an die vielen schönen Pläne und Termine in den nächsten Wochen – Geburtstage, Sommerfeste, Spieleabende und in ziemlich exakt einem Monat haben wir auch schon Urlaub!

mag ich den Sommer. Die Hitze.

mag ich nicht die tägliche Überlegung, was wir essen sollen. Ich denke an die Familie, die einen festen Essensplan für eigentlich immer hat, der sich alle vier Wochen wiederholt, und frage mich, ob wir das nicht auch brauchen. Es würde vieles so viel einfacher machen!

fühle ich meine neuen Ohrringe mit Legosteinen, wenn ich den Kopf drehe. Hihi! Ein super Mitbringsel vom Flohmarkt im Berliner Mauerpark.

trage ich Kleider, Röcke, Sandalen.

brauche ich mehr Zeit! Und ein Putzmensch wäre schön, der uns die ganze doofe Hausarbeit einfach abnimmt. Vor allem das Fensterputzen.

höre ich mal wieder das Musical „Elisabeth“ in Dauerschleife.

mache ich Ordnung. Ich habe den Kleiderschrank entrümpelt – nicht nur Dinge, die nicht mehr passen, sind rausgeflogen, sondern auch Dinge, die mir nicht mehr gefallen/stehen. Im Zuge dessen habe ich gleich alles etwas umorganisiert und bin superglücklich mit meiner neuen Ordnung im Schrank! Grundlage war das Buch Magic Cleaning, was ich aber gar nicht gelesen habe. Diverse Blog-Einträge und Artikel dazu waren völlig ausreichen.

lese ich eigentlich gerade gar nichts. Im Zug auf der Heimfahrt aus Berlin habe ich Jodie Picoults Roman „Bis ans Ende aller Tage“ ausgelesen. Ich mag Picoults Bücher eigentlich ganz gern und bin selten enttäuscht worden, dieses fand ich allerdings sehr langatmig und etwas öde. Die Figuren konnte ich bis zum Ende nur schwer auseinanderhalten. Daher habe ich es im Zug gelassen, in der Hoffnung, vielleicht irgendjemandem doch noch eine lange Fahrt etwas angenehmer gestalten zu können (ich meine – besser als nix war es allemal!). Als nächstes steht „Das Licht der letzten Tage“ für den Buchclub auf dem Programm.

trinke ich stinknormalen Filterkaffee – nach den ganzen fancy Kaffeespezialitäten in den Berliner Coffeeshops sehr entspannend!

vermisse ich Berlin! Wir waren nur vier Tage da und es war so schön. Ich wäre gern länger geblieben.

schaue ich mit dem Helden selbstverständlich die neuen Folgen Game of Thrones! Außerdem läuft die dritte Twin Peaks-Staffel – da gibt es ja auch jede Woche nur eine neue Folge. Die dritte Staffel Gotham läuft daher eher so nebenbei.

träume ich von einer aufgeräumten Wohnung. Hüstel. Das wäre schön. Meldet sich zufällig jemand freiwillig?

Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

weiterlesen

Alltagshüpfer

Podcast-Liebe: Über das glückliche Leben, die Lage der Nation und mehr

3. Juli 2017

Podcasts! Ich bin nach einer langen, langen Zeit, in der ich mit dem gesamten Konzept einfach nicht warmgeworden bin, mittlerweile großer Fan. Podcasts sind super: Man kann sie unterwegs hören, man kann sie hören, während man andere Dinge tut, man lernt im Zweifelsfall noch was. Sie sind nicht so lang wie Hörbücher, sie sind gratis, und es gibt ungefähr eine Million verschiedene davon. Ich habe einfach länger gebraucht, um die passenden Podcasts für mich zu finden! Ich bin nämlich recht wählerisch und gebe dem Ganzen auch keine lange Anlaufzeit. Wenn mich die erste Folge schon langweilt oder nervt, fliegt der Podcast wieder aus meiner Liste. Leider geht es mir so mit den meisten deutschen Podcasts. Leute, die ohne Konzept drauflos labern und blöde Witze reißen, sind leider oft nicht meins. Wie bei „lustigen“ Büchern – es ist offenbar schwer, genau mein Humorzentrum zu treffen. Wenn es aber klappt, bin ich treu und höre „rückwärts“, bis ich alle Episoden durch habe. So kann ich mich dann monatelang mit einem Podcast beschäftigen.

Vielleicht wünscht ihr euch auch noch Podcast-Tipps? Falls ja, dies ist die Playlist mit meinen aktuellen Highlights:

Lage der Nation

Tatsächlich ist die „Lage der Nation“ mein erster deutschsprachiger Podcast, auf den ich mich jede Woche freue (und einer von nur zwei Podcasts, die ich automatisch von meiner App herunterladen lasse). Er erscheint immer am Wochenende, allerdings nicht so 100% zu einem festgelegten Zeitpunkt. Und so klicke ich mich ab Freitag Nachmittag immer mal wieder in meine Podcast-App, um zu gucken, ob „die neue Lage“ schon da ist. Wenn ja, schnappe ich mir die Kopfhörer und verlasse das Haus. Ein Spaziergang oder auch mal laufen gehen macht mit diesem Nachrichtenpodcast auf den Ohren einfach Spaß. Philip Banse, Journalist u.a. beim Deutschlandfunk, und Ulf Buermeyer, Richter am Landgericht Berlin, fassen die Ereignisse der Woche in ca. anderthalb Stunden zusammen, ordnen ein und erklären Hintergründe. Natürlich nicht ohne Meinung, das bleibt nicht aus, aber da gehen wir an den meisten Stellen konform. Dabei geht es, anders als der Name der Sendung vermuten lässt, nicht nur um News aus Deutschland. Einer der Schwerpunkte ist, sicherlich auch aufgrund der persönlichen Hintergrunde der beiden, die Netzpolitik. So weiß ich jetzt vermutlich mehr über Vorratsdatenspeicherung als du. Also, außer du hörst auch die Lage. Bääm. 😀

Klar, dass aufgrund der Länge des Podcasts nicht alle Themen besprochen werden können, die auf der Welt passiert sind. Auch klar, dass nicht alle Themen gleich „gut“ besprochen werden können. Aber mein Eindruck ist, dass Banse & Buermeyer durchaus kritikfähig sind, sie setzen sich mit ihren Hörerinnen und Hörern auseinander und freuen sich über Feedback, und revidieren auch mal ihre Meinung. Sympathisch! Und ich fühle mich definitiv besser informiert, seit ich regelmäßig die „Lage“ höre.

Happier with Gretchen Rubin

Neulich habe ich den Podcast schon in diesem Artikel über ein schönes Lebensmotto erwähnt: Always choose the bigger life. Die Autorin hostet den Podcast gemeinsam mit ihrer Schwester. In handlich verpackten 20-30 Minuten (gern so ungefähr eine Fahrradfahrt zur Arbeit lang – perfekt für mich) stellt Gretchen Methoden vor, mit denen man sein Leben „Happier“ machen kann. Ideen, Leitsätze, Gewohnheiten, Denkanstöße. Dabei gibt es jede Woche ein „Try this at home“ und einen „Happiness Stumbling Block“, also quasi einen Stolperstein fürs Glücklichsein, und wie man damit umgehen kann. Ich habe schon viel mitgenommen daraus! Manches sind wirklich Kleinigkeiten, anderes sind größere Ideen, und manches ist für mich persönlich auch einfach nix. Aber es macht mich fröhlich und viel mehr will ich ja gar nicht im Leben.

My Dad Wrote A Porno

Der Titel klingt erst mal komisch, oder? Aber genau das ist passiert: Der Vater von Jamie Morton hat einen „erotischen Roman“ verfasst. Und zwar, das stellt sich im Laufe der ersten Staffel des Podcasts heraus, einen wirklich, wirklich, wirklich schlechten erotischen Roman. Jamie liest das Buch Folge für Folge komplett vor – nicht nur uns, sondern vor allem seinen beiden Freunden Alice und James. Was sich daraus ergibt? Nun, unter anderem verwirrte Blicke von Passanten, wenn ich mal wieder auf dem Fahrrad scheinbar unmotiviert in brüllendes Lachen ausbreche. Das Buch an sich ist in erster Linie absurd, aber in Kombination mit den Reaktionen von insbesondere Alice mit ihrem wunderbaren britischen Englisch ergibt sich etwas, das mein Humorzentrum genau trifft. Mittlerweile gibt es schon eine zweite und dritte Staffel, ich höre mich nach und nach durch. Natürlich absolut NSFW. Aber wofür gibt es Kopfhörer?

Oma erzählt vom Krieg

Jetzt wird es etwas ernster. Und eigentlich ist „Oma erzählt vom Krieg“ auch kein klassischer Podcast. Jedenfalls hat er nur fünf Folgen. Und die sind kurz. Aber sie haben es in sich. Die Reihe wird produziert von ze.tt, dem etwas jugendlicheren Portal von Zeit Online, mit dem ich eigentlich so gar nichts am Hut habe. Und tatsächlich finde ich die junge Moderatorin, die zu Beginn und am Ende jeder Folge zwei-drei Sätze sagt, eher nervig und irgendwie unangemessen quietschig. Dazwischen jedoch erzählen Frauen, die den zweiten Weltkrieg als Kinder miterlebt haben, ihre Geschichte. Die fünf Damen aus Berlin erzählen, wie sie Bomben erlebt haben, Nächte im Luftschutzkeller oder die Verschickung aufs Land. Es geht nicht um politische Hintergründe, sondern „einfach nur“ um die Erlebnisse. Am Ende ziehen sie den Vergleich zur Gegenwart, in der auch Kinder in Kriegen aufwachsen müssen, und deshalb auf der Flucht sind. Der „Erziehungsauftrag“ des Formats für junge Hörerinnen und Hörer ist unverkennbar, das Schlusswort der Produzentin manchmal sehr holzschnittartig, aber ich habe in jeder Folge Tränen in den Augen gehabt. Wirklich sehr hörenswert.

 

Meinen Lieblingspodcast „Dear Hank and John“ habe ich euch jetzt schon so oft empfohlen, dass ich ihn nicht schon wieder aufführen wollte. Habt ihr noch Podcast-Vorschläge für mich?

weiterlesen