Gedankenhüpfer

Vom Gönnen.

16. November 2016

„Gönnen Sie sich was“, sagt die Ärztin zu mir. Ich bin zu ihr gegangen, weil es mir nicht gut geht. An der (Ur-)Sache können wir nichts ändern – nur an meinem Umgang damit. „Gönnen Sie sich etwas – belohnen Sie sich, kümmern Sie sich um sich selbst.“

Ein paar Monate ist das jetzt schon her. Und der Satz blieb hängen. Vor allem, weil es mir erst einmal so schwer fiel, mir etwas zu überlegen, was ich mir gönnen könnte. Alles, was mir einfiel, war Essen. Pizza, Weingummi, Lasagne und dazu ein leckerer Wein? Aber ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man nicht innerhalb eines Monats wie ein kleiner Kürbis auf Beinen durch die Gegend rollen will, sollte man diese Art des Gönnens auf Ausnahmefälle beschränken.

Das zweite, was mir einfiel: mir Dinge kaufen. Geld ausgeben für Sachen, die nicht wirklich nötig sind. Das habe ich auch probiert. So bin ich an ein wunderbares neues Fitness-Armband gekommen, eine neue Handyhülle durfte einziehen, und generell hab ich im Laden häufiger mal „was soll’s“ gesagt und die Schuhe, die Zeitschrift, die Hose halt einfach gekauft. Die Strategie funktioniert – kurzfristig und wenn man nicht zu sehr auf das Bankkonto guckt.

Letzten Endes ist es aber so: Nachhaltig hilfreich sind nicht die materiellen Dinge, die ich mir gegönnt habe. Aufbauend, glücklich machend, ablenkend und motivierend ist eine neue Einstellung. Ich gönne mir die Zeit, das zu tun, was ich tun möchte. Ohne nach Ausreden zu suchen oder etwas generell als zu schwierig oder unmöglich abzutun. Ich habe mir Konzertkarten einfach gekauft, auch wenn das Konzert noch so weit in der Zukunft lag, dass es mir absurd vorkam (jetzt sind es nur noch 3 Wochen!). Ich habe nicht gebloggt, wenn mir nicht nach Bloggen war. Ich habe früh Feierabend gemacht und bin in die Stadt gefahren, habe mir ein Eis geholt und bin durch die Geschäfte gebummelt – einfach so, mitten in der Woche. Ich habe im Urlaub keine Fotos gemacht, nicht darüber gebloggt, und kein Album gestaltet (womit auch?). Ich habe nicht einmal Postkarten geschrieben (sorry!). Ich bin Wandern und Spazieren gegangen, bin in neue Innenstädte gefahren, war in der Sauna, habe neue Rezepte ausprobiert (mit wechselndem Erfolg) und das Bouldern als neue Sportart für mich entdeckt.

Am hilfreichsten war für mich nämlich die Erkenntnis, dass man gar nicht lange planen muss. Es ist gar nicht immer so leicht, zu erkennen, was einem wirklich gut tut. Aber was mir nicht gut tut, sind vollgepackte Wochenenden und jeden Abend ein neuer Termin. Hingegen spontan am Wochenende zu entscheiden, irgendwo hinzufahren – das ist was ganz anderes. Und deswegen ist mein Vorsatz für die nahende Weihnachtszeit auch: Möglichst wenig Termine. Vielleicht versende ich spontan ein paar Weihnachtskarten – vielleicht auch nicht. Vielleicht backe ich Plätzchen – vielleicht nicht. Mal sehen, worauf ich Lust  habe – und was ich mir gönnen möchte.

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