Rezensionshüpfer

Buchtipp: Der Marsianer von Andy Weir

25. Oktober 2015

Es gibt so Bücher, von denen hört man und denkt: „Das kann ja nichts werden.“ So ging es mir mitDer Marsianer“ von Andy Weir. Ich hörte zunächst in einem Podcast davon, in dem der Roman ungefähr folgendermaßen zusammengefasst wurde: Ein Mann strandet auf dem Mars und ist die ganze Zeit allein dort und benutzt die Wissenschaft, um Dinge zu bauen. Ähh, klingt nicht sehr einladend, oder? Dennoch waren die beiden Podcast-Autoren begeistert.

Bald darauf erfuhr ich, dass der Roman verfilmt werden sollte – richtig groß von Hollywood, mit Matt Damon in der Hauptrolle. Ich wurde also schließlich doch neugierig, und so fand das Buch doch seinen Weg in mein Regal. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt!

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Es ist tatsächlich so: Mark Watney, Protagonist des Buchs, wird von seiner Crew versehentlich allein auf dem Mars zurückgelassen. Versehentlich? In einem Sturm geht Watney verloren, seine Übertragungssysteme fallen aus und so wird er für tot gehalten. Plötzlich ist er auf sich gestellt – ausgerüstet mit Nahrung für einige Monate, lebenserhaltenden Systemen, nicht genug Wasser und zwei Mars-Rovern, mit denen er umherfahren kann.

Die Geschichte wird in der Hauptsache durch Watneys Logbucheinträge erzählt (im Film ist das clever dadurch gelöst, dass er ein Video-Logbuch führt – im Buch schreibt er, soweit ich weiß). Glücklicherweise ist Mark ein durchweg sympathischer, optimistischer, ehrlicher Typ, der darüber hinaus noch mit einer ordentlichen Portion Humor ausgestattet ist. Der Held hat das Buch nach mir gelesen – ich konnte oft schon an der Dauer seines lauten Lachens erraten, an welcher Stelle er gerade war. 😉 Es macht einfach Spaß, Watney zuzuhören – und das trotz der Tatsache, dass er ausführlich chemische Formeln, mathematische Berechnungen oder botanisches Fachwissen beschreibt.

Aber das Buch spielt nicht ausschließlich auf dem Mars. Nachdem der Rest der Crew sich in Sicherheit gebracht hat und Mark Watney auf der Erde für tot erklärt wurde, stellt die NASA nämlich plötzlich fest, dass er doch noch lebt. Und so beginnt ein Rennen mit der Zeit: Ist es möglich, Watney zu retten, bevor ihm die Nahrung ausgeht? So kommen noch einige andere Personen ins Spiel, was der Unterhaltung sicherlich auch nicht schadet. 🙂

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Thematisch hätte ich vorher wirklich nicht erwartet, dass das ein Buch für mich ist. Science Fiction ist oft nicht so mein Fall. Aber hier ist das anders (einige technische Beschreibungen habe ich allerdings auch nur überflogen). „Mark Watney is my spirit animal“, habe ich kürzlich gesagt – er ist einfach herrlich sarkastisch und lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht unterkriegen, egal was passiert! Und obwohl es natürlich nach dem üblichen Muster Problem – Lösung – Rückschlag vonstatten geht, wird es einfach nicht langweilig und man wird immer wieder überrascht.

Absolute Lese-Empfehlung also! Wobei ich sagen möchte: Wer kann, sollte das Buch wirklich im englischen Original lesen. Ich habe es auf Deutsch gelesen und bei der Übersetzung stellenweise ein nervöses Augenzucken entwickelt. Sie ist nicht wirklich schlecht, doch dadurch, dass Watney so lässig und sarkastisch erzählt, dabei noch popkulturelle Bezüge einbringt und alberne Wortspiele macht, ist es einfach stellenweise unmöglich zu übersetzen. Ich meine sogar, an einer Stelle hätte man einen Spruch von ihm auf Englisch stehenlassen müssen, da er unübersetzbar ist. Und „Hell yeah“ klingt einfach cooler als „Teufel, ja!“ Aber trotzdem war das Buch auch auf Deutsch ein großes Vergnügen!

 

Der Marsianer im Kino

Den Film haben der Held und ich mittlerweile auch gesehen – und er ist ebenfalls empfehlenswert. Wie immer schlägt das Buch den Film, die Story ist natürlich erheblich gekürzt (bei einem 500 Seiten-Roman kein Wunder), das Ende ist nicht ganz identisch zum Buch und eine der spannendsten Plot-Stellen wurde einfach weggelassen. Aber Matt Damon ist ein toller Mark Watney, die Bilder vom (nachgestellten) Mars sind beeindruckend und es ist spannend, die ganzen Gerätschaften, Ausrüstung und Vorgänge zu sehen, die im Buch nur beschrieben werden und die ich mir teilweise ganz anders vorgestellt hatte. Hier ein Trailer:

Lieblingsstelle

Teddy drehte seinen Stuhl herum und betrachtete durch das Fenster den Himmel. Die Abenddämmerung war nahe. „Wie muss das sein?“, überlegte er. „Er sitzt da draußen fest und glaubt, er sei ganz allein und wir hätten ihn aufgegeben. Wie wirkt sich das auf die psychische Verfassung eines Menschen aufs?“ Er wandte sich wieder an Venkat. „Ich frage mich, was er gerade denkt.“

Logbuch: Sol 61. Wie kommt es, dass Aquaman Wale kontrollieren kann? Sie sind Säugetiere! Das ist doch Unsinn.

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