Gedankenhüpfer

Gedanken zum Weihnachtsfest, zum Glauben und zu Pegida

14. Dezember 2014

Es ist ja so: Weihnachten ist ein christliches Fest. Ich liebe Weihnachten. Aber ich bin keine Christin.

Tatsächlich bin ich nicht getauft, und ich habe eigentlich auch niemals ernsthaft darüber nachgedacht, mich taufen zu lassen. Vermutlich bin ich am ehesten Agnostikerin, oder Skeptikerin (aber normalerweise versuche ich nicht, mich in Kategorien einzusortieren). Wie Fee bin ich auch manchmal etwas traurig, dass ich nicht glauben kann – und ich habe es versucht. Und ja, ich schicke in schwierigen Momenten trotzdem Stoßgebete gen Himmel und verhandle gelegentlich in meinem Kopf mit einem Gott, an den ich eigentlich gar nicht glaube (und der ansonsten vermutlich auch nicht mit sich verhandeln ließe).

„Konsequenterweise dürfte ich Weihnachten also auch gar nicht feiern“, schreibt Fee in ihrem Blogpost weiterhin. Tja, das stimmt wohl. Aber wir tun es trotzdem. Wobei ich vermutlich mehr über Weihnachten weiß als so mancher getaufte Christ. Immerhin kann ich dank Weihnachtsoratorium das halbe Lukas-Evangelium auswendig und ich bestehe auch darauf, dass wir Weihnachten in die Kirche gehen. Weil ich die Atmosphäre mag, weil ich total gern Weihnachtslieder singe, weil mich eine gute (!) Predigt zu Tränen rühren, zum Nachdenken oder zur Dankbarkeit anregen kann. Weil es Tradition ist. Weil die Weihnachtsgeschichte dazugehört. Weil es feierlich ist und einfach schön.

Weihnachten ist die Zeit der Lichter, der Gemütlichkeit, von Glühwein und Weihnachtsfilmen, vom Zusammentreffen lieber Menschen , die Zeit leuchtender Kinderaugen und süßer Leckereien. Die Zeit, in der man an Menschen denkt, die man gern hat, und ihnen eine Freude machen möchte. Tim Minchin, australischer Komiker und bekennender Atheist, hat ein schönes Lied dazu geschrieben. Den Text findet ihr hier, mit einigen Erläuterungen, die ich sehr interessant fand.

Ich mag aber auch viele der christlicheren Gedanken hinter Weihnachten. Es ist eben nicht nur Glühwein, Konsumterror und Glitzerkugeln. Es ist auch „Nun soll es werden Frieden auf Erden, den Menschen allen ein Wohlgefallen“. Die Quintessenz von Weihnachten ist für mich, an andere Menschen zu denken. Im Kleinen umzusetzen, was an christlichen Werten eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Nächstenliebe. Verzeihen. Helfen. Und ja, natürlich sollte man das nicht nur an Weihnachten tun, aber es ist schön, einmal im Jahr besonders daran erinnert zu werden.

Nicht alle, die sich als gläubige Christen bezeichnen (und für die das Weihnachtsfest damit sicherlich auch dazugehört), haben derzeit einen angemessenen Bezug zu diesen Werten. Zehntausende gehen gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straßen. Sicherlich sind das nicht alles Christen, aber höchst wahrscheinlich feiern sie alle Weihnachten. Denn das wollen sie ja unter anderem retten. Ich möchte dazu keine längeren Ausführungen niederschreiben, sondern empfehle das, was andere dazu schon gesagt haben:

  • Lotte Fuchs wohnt in Leipzig und studiert in Dresden. Sie beschreibt hier ihre Gedanken zu „Pegida“.
  • Nils Bokelberg schreibt hier: „Pegida, ihr mögt ein Querschnitt aus dem Volk sein, aber ihr seid nicht das Volk. Ihr seid die Gefahr.“
  • Und diesen Beitrag, in dem Tobi Schlegl als gläubiger Moslem verkleidet auf einer Pegida-Demo Leute interviewt, habt ihr wahrscheinlich schon gesehen.

Nicht nur in der Weihnachtszeit finde ich diese „Bewegung“ absolut unerträglich. Aber gerade jetzt finde ich es zynisch, auf der einen Seite die Geburt Jesu zu feiern, der nun einmal wie kein anderer nicht nur für Nächstenliebe, sondern sogar für Feindesliebe und Gewaltfreiheit steht; und im nächsten Moment „Das Boot ist voll“-Sprüche zu klopfen. „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ Dass die ersten brennenden Asylantenheime leerstanden, kann man da fast schon Glück nennen. Und was heißt eigentlich „die ersten“? „23 Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte habe es in diesem Jahr deutschlandweit gegeben“, so der Artikel in der taz. Da dreht sich mir der Magen um. Und nicht, weil ich zu viele Weihnachtsplätzchen hatte.

Fazit? So richtig gibt es keins, denn der Artikel hat sich irgendwie in eine andere Richtung entwickelt, als ich das eigentlich vorhatte. Vielleicht lest ihr euch bei einem Weihnachtsplätzchen die oben verlinkten Artikel durch und bildet euch eine eigene Meinung. Vielleicht denkt ihr an eure Lieben, aber auch an Menschen, denen es nicht so gut geht. Vielleicht denkt ihr noch mal kritisch über eure Meinung nach, bevor euch ein „Das wird man ja noch sagen dürfen“ rausrutscht. Vielleicht schweigen wir nicht, sondern sagen unsere Meinung, wenn wir wieder mal irgendwo blöde Sprüche hören, ob vom Kollegen oder von der Schwiegermutter – auch wenn schweigen und sich seinen Teil denken einfacher wäre.

Und natürlich dürfen wir auch weiterhin Glühwein, Kekse und Weihnachtsfilme genießen. Schließlich ist Weihnachtszeit. Und da gilt nun einmal:

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