Erlebt | Rezensionshüpfer

Der ganz große Traum

Mein Held und ich hatten Kino-Freikarten ergattert: Gestern durften wir die Preview von „Der ganz große Traum“ besuchen. Da ich Daniel Brühl, der die Hauptrolle spielt, sehr gern mag, freute ich mich sehr darauf – zumal auch die Vorschau des Films überzeugend war.

Der Film „Der ganz große Traum“ trägt den Untertitel „Wie der Lehrer Konrad Koch den Fußball nach Deutschland brachte“ – und damit ist auch der Inhalt schon schön beschrieben. Lehrer Koch wird von Daniel Brühl gespielt, er ist noch jung und kommt im Jahr 1874 frisch aus England an ein Jungengymnasium in Braunschweig. An der altehrwürdigen Schule werden militärische Disziplin und Ordnung groß geschrieben, doch der Direktor hat auch neue Ideen und Erziehungsvorstellungen. Beispielsweise hat er einen Jungen aus der Arbeiterklasse aufgenommen. Sein neuester Plan: Englischunterricht. Für die Jungen ist das etwas völlig Neues, dem sie auch eher ablehnend gegenüberstehen, da sie im Geschichtsunterricht und in Völkerkunde nur Negatives über die Engländer gelernt haben. (Ich sag nur – frei aus dem Gedächtnis zitiert: „Wenn wir nach England kommen, brauchen wir Soldaten und Waffen und kein TH!“ – wie schreibt man Tie-Äitsch? ^^) Also ködert Koch sie mit Fußball. Auch da sind die Jungs eher skeptisch, aber schnell überzeugt. Der Förderverein der Schule hingegen ist mit den Erziehungsmethoden des jungen Lehrers überhaupt nicht einverstanden – und auch das Fußballspiel ist ihm ein Dorn im Auge. Die Jungen und ihr Lehrer kämpfen dafür, dass ihr Sport akzeptiert wird…

Eines vorweg: Der Film hat uns beiden sehr gut gefallen! Zwar war eigentlich von Anfang an absehbar, wie sich alles entwickelt. Der schüchterne, kleine Proletarier gegen den reichen, arroganten Klassensprecher mit der großen Klappe? Ratet mal, wie’s ausgeht. Der Dicke, der von seinem sportlichen Vater ausgelacht wird? Ratet mal, wer zuletzt lacht. Der Fußball……? Nun ja, schaut in den Sportteil der Zeitung und ihr wisst, wie’s ausgegangen ist. ABER trotzdem war der Film zu keinem Zeitpunkt langweilig. Im Gegenteil, ich habe sehr viel gelacht, ab und zu wurde man wütend und schüttelte den Kopf über die Sitten und Erziehungsmethoden der damaligen Zeit. Bei Fußballspielen habe ich mitgefiebert (ich fand es sehr enttäuschend, dass ich die einzige war, die nach einem Tor die Arme hochriss und jubelte – mein Held fand es wohl eher peinlich!) und am Ende des Films ging ein kollektives, enttäuschtes „Ooooh…“ durch den Saal.

Daniel Brühl überzeugt in der Rolle als junger, unkonventioneller Lehrer und wirkt für mich erwachsener als je zuvor (so ein leichtes Milchbubi-Image hat er ja immer noch ^^). Auch die Nebenrollen waren gut besetzt, wobei mir Axel Prahl als Vater des dicken Schricker besonders gut gefallen hat. Auch den Schulleiter, der vergebens versucht, seine neuen Ideen durchzusetzen fand ich toll: Burghart Klaussner (nie vorher gehört!) erinnerte mich an einen zerstreuten Professor, sehr passend. Justus von Dohányi als Gegenspieler des Lehrers Koch war auch super! Und erst die Jungs – für mich lauter unbekannte Gesichter, Theo Trebs, Adrian Benjamin Moore, Till Valentin Winter – sie alle sahen in ihrer perfekten Ausstattung so hundertprozentig aus wie Schuljungs im 19. Jahrhundert, das ich begeistert war. Überhaupt fand ich die liebevolle Ausstattung des Films toll, ich fühlte mich richtig ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzt.

Ich empfehle den Film auf jeden Fall – auch gerne Eltern mit (größeren) Kindern, er ist definitiv absolut jugendfrei und dürfte auch Kindern gut gefallen (welches Kind mag keine Filme, in denen Lehrern Streiche gespielt werden?). Er war sehr humorvoll, aber nicht platt, und auch wenn die Geschichte halbwegs vorhersehbar war (und ich das Ende etwas unrealistisch fand), war es trotzdem spannend und manchmal doch noch überraschend, diese Entwicklung zu beobachten. Klare Kino-Empfehlung von mir!

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