Eine Wanderung mit Canyon-Blick

Wandern? Ja, kenne ich. Haben wir früher™ gemacht, als ich noch ein Kind war und wir ein Ferienhaus in der Eifel hatten. Gerüchten und Familienlegenden mussten meine Eltern damals Schokolade auf dem Weg verstecken, damit ich ohne Murren mitwanderte. Tatsächlich habe ich aber gute Erinnerung an viele Wanderwege und behaupte jetzt einfach mal frech, dass das wahrscheinlich bei einer Osterwanderung passiert ist.

Tatsache ist jedenfalls, dass ich schon ziemlich lange nicht mehr wandern war. Doch in letzter Zeit juckte es mich in den Fingern. Oder vielmehr in den Füßen. Ich bin ja jetzt stolze Besitzerin eines Fitnessarmbands, das mich sowieso zum Laufen motiviert (ich versuche, jeden Tag 10.000 Schritte zu schaffen). Außerdem haben mich diverse Postings von Frauke inspiriert. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich immer einen Wanderurlaub vor Augen. Und erst vor ein paar Wochen, als jemand den Teutoburger Wald erwähnte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Man muss gar nicht einen ganzen Urlaub lang wandern. Schon gar nicht, wenn man so untrainiert ist wie ich. Man kann auch einfach von Münster aus eine halbe Stunde Auto fahren und schon ist man in herrlicher Landschaft!

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Tatsächlich kann man vermutlich auch im noch näheren Münsterander Umland wandern. Was mich aber motivierte, den TeutoSchleifen-Weg “Canyon-Blick” zu besuchen: Das Versprechen auf einen einwandfrei ausgeschilderten Wanderweg in gutem Zustand. So für den Einstieg wollte ich mich nicht mit Karte, GPS und ähnlichem herumschlagen. Und außerdem natürlich der Canyon! Also mal ehrlich. Ein Canyon? In Lengerich? So ein Quatsch. Das Bild auf der Website hielt ich für übertrieben, aber trotzdem wollte ich das mit eigenen Augen sehen.

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Der Wanderweg “Canyonblick” ist ein Rundgang von ungefähr 11 Kilometern. Als ich den Parkplatz endlich erreicht hatte (die Anfahrt war auf der Website nicht so super erklärt – meine einzige Mini-Kritik), hatte ich die Wahl: Wählte ich die “korrekte” Laufrichtung, wäre ich erst nach fast zehn Kilometern am Canyon. Andersherum schon nach 1,5 Kilometern. Also: Belohnung oder Startpunkt? Ich entschied mich dafür, zuerst zum Canyon zu gehen. Erstens wusste ich nicht, wie anstrengend das ganze würde, und zweitens wollte ich natürlich auch Fotos machen und das Wetter versprach eventuellen Regen – und wie lange mein Smartphone-Akku halten würde, war ja auch fraglich. Also: Auf zum Lengericher Canyon!

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Und da war er, der Canyon, und sah genauso aus wie auf den Werbebildern. Das Wetter war nicht so gut, aber ich war trotzdem enorm beeindruckt! Beim “Canyon” handelt es sich um einen ehemaligen Kalksteinbruch, in dem 1977 die Arbeit eingestellt wurde. In die Abbruchgrube wurde Wasser geleitet, die Wände wurden unter anderem bepflanzt, indem Pflanzensamen aus einem Flugzeug geworfen wurden! Seit 1989 ist der Canyon Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Ich habe trotzdem einige Mountainbiker dort entlangbrettern sehen… Schade.

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Auch wenn der Wanderweg sich “Canyonblick” nennt, ist der Canyonblick ein ziemlich kurzes Vergnügen. Man steht einmal auf der Aussichtsplattform und kann den oben gezeigten Blick bewundern, aber das war’s auch schon. Schade – aber wirklich gestört hat es auch nicht, denn es gab genug zu gucken und das Gelände war sehr abwechslungsreich. Wald, Felder, Wiesen oder Riesenfarne? Kein Problem.

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Außerdem geht ein Teil der Strecke über eine Weide mit Kühen. Das ist optional – man kann auch über die Straße gehen bzw. muss das sogar, wenn man Hunde dabei hat – aber ich war natürlich Feuer und Flamme. Auf dem Schild stand, die Kühe wären sehr neugierig und würden direkt zu den Wanderern kommen. Nachdem ich endlich das Tor gemeistert hatte, ging ich also genauso neugierig über die Weide. Aber alle Kühe waren ausgeflogen! Schade…

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Etwa einen Kilometer weiter traf ich dann aber doch noch Lengerichs Next Topmodels. Geduldig posierten die vier für ein paar Fotos. Ich habe überhaupt unglaublich viele Fotos gemacht. Gut, dass ich allein unterwegs war. Das war überhaupt sehr entspannend. Es gab so viel zu sehen, dass mir keine Sekunde langweilig war. Ich konnte mein eigenes Tempo gehen und auch mal eben alle zwei Meter stehenbleiben, um ein Foto zu schießen.

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Im sehr, sehr grünen Farngebiet, in das die grüne Treppe führte und in dem man über Wiesen wanderte (sehr angenehm!), summte und brummte es ohne Unterlass. Vor allem in meinem Gesicht. Meh! Doof! Das Gebiet war offenbar Heimat zahlreicher Bienen. Nun, nichts gegen Bienen, und getan haben sie mir auch nichts, aber dieses Gebrumme um meinen Kopf herum hat mich völlig verrückt gemacht. Ich war froh, als ich wieder am Maisfeld entlanglaufen konnte.

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Wald gab es auch zu sehen! Wald mit Aussicht, Wald mit Treppen, ganz egal. Wie gesagt: wirklich abwechslungsreich!

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Zwischendurch zog es sich richtig zu und das Foto sieht fast schon bedrohlich aus. Tatsächlich war es warm, blieb trocken und als ich nach elf Kilometern wieder am Parkplatz war, packte ich meinen Rucksack ins Auto und lief noch mal “eben kurz” zum Canyon, um die Aussicht zu genießen. Und wieder zurück. So standen letzten Endes rund 15 Kilometer auf dem Tageszähler. Und es war toll!

Die TeutoSchleife war wirklich perfekt ausgeschildert, so dass ich nur an einer einzigen Stelle kurz überlegen musste, wo es langgeht. So hatte man den Blick für die interessanten Details und Aussichten! Jetzt bin ich auf jeden Fall motiviert, auch noch die anderen TeutoSchleifen zu wandern. Insgesamt gibt es sieben. Die nächste werde ich mich dem Helden zusammen laufen. Mal sehen, ob wir wanderkompatibel sind! 🙂

Guten Morgen, liebe Sorgen – ein Fazit der Aufsteh-Challenge

Morgens im Bett. Du kuschelst dich noch mal in deine Bettdecke. Sie ist warm, weich, wohlig. Am liebsten würdest du sie über den Kopf ziehen, um das Licht auszusperren. Aber das würde nicht reichen, denn neben dem Licht stört dich noch etwas anderes: Es dudelt auf dem Nachttisch vor sich hin. Mit blinzelnden Augen tastest du danach. Dein Smartphone, dein Wecker. Aufstehen! Zeit, in den Arbeitstag zu starten!

Wie geht die Geschichte bei euch weiter? Für mich gab es bis vor kurzem nur eine Fortsetzung: Snooze. Ja, ich bin bekennende Langzeitsnoozerin, Gleitzeit macht’s möglich. Doch irgendwann nervte mich das ganz enorm und ich rief – nur für mich allein – im April die Aufsteh-Challenge ins Leben. Anfangs war ich hochmotiviert und hielt euch tagesgenau auf dem Laufenden. Das hat nicht lang gehalten. Dennoch hat sich mein Verhalten am frühen Morgen verändert, auch vier Monate später noch. Davon möchte ich heute berichten.

Mit dem ersten Weckerklingeln aus dem Bett springen – das war mein Ziel. Schon im Laufe der ersten paar Tage justierte ich das zu einem freundlichen “1-2 mal kann man schon snoozen, oder?”. Ich schaffe es nicht, direkt hellwach zu sein. Muss ich auch nicht. Wie gesagt, ich will nicht unbedingt zur Frühaufsteherin mutieren. Doch der Wecker klingelt nach wie vor um 7 Uhr und das Snoozen ist auf zwei Versuche begrenzt. Dann erwartet die Wecker-App, dass ich eine kleine Aufgabe löse (Multiplikation vor 8 Uhr ist besonders unangenehm), und schaltet sich ab. Jetzt ist es mein Job, aufzustehen.

Zugegeben: Das mache ich immer noch nicht sofort. Ich mache meist Musik an. Normalerweise hätte ich jetzt Twitter, Instagram oder Facebook gecheckt und so viel Zeit verdaddelt. Das ist nicht mehr so. Soziale Medien im Bett sind verboten! Zumindest morgens. Die Facebook-App habe ich gar nicht mehr. Die Benachrichtigungen von Twitter und Instagram habe ich abgeschaltet. Ich starte eigentlich nur die Wetter-App, um zu überlegen, was ich anziehen soll. (Denn nein, natürlich lege ich mir meine Klamotten für den Tag immer noch nicht am Abend vorher raus!)

Ich stehe nicht jeden Tag zur gleichen Zeit auf, sondern entscheide das jeden Morgen neu. Es regnet, aber laut Wetter-App hört es in einer Stunde auf? Okay, dann wird das mal ein später Tag im Büro, dafür komme ich trocken zur Arbeit. Ich bin heute so müde, dass es keinen Zweck hat? Ok, bleib noch was liegen, aber nicht wieder einschlafen! Und das funktioniert. In der Regel bin ich heute zwischen 8:15 und 8:45 Uhr im Büro, wobei letzteres schon eher eine Ausnahme ist. Vor der “Challenge” war es 9 Uhr. Das klingt nicht viel. Aber trotzdem: Ich fühle mich besser, weil ich kein schlechtes Gewissen habe und mich tatsächlich morgens nicht mehr hetzen muss. Ich fühle mich trotzdem nicht gequält, weil ich weiß, im Zweifel bleibe ich halt noch eine halbe Stunde liegen. 9 Uhr GEHT ja immer noch, es ist nur nicht mehr die Regel, sondern eine Ausnahme.

Fazit: Es ist erheblich besser. Die zwei Hauptgründe sind das Snooze-Limit und das Social Media-Verbot. Ich bin eher wach, weil ich nicht noch fünfzehn Mal snoozen kann. Und ohne Twitter oder Instagram ist es morgens einfach langweilig im Bett! Dazu noch Musik und schon kann der Tag starten.

Mit der Kutsche zur Insel Neuwerk

Im Urlaub waren wir auch in Hamburg. Von Cuxhaven aus ganz ohne Auto und und innerhalb von kürzester Zeit – wie kann das gehen? Ganz einfach: Hamburg hat sich ein kleines Außengebiet gesichert, in Sichtweite von Cuxhaven. Die Insel Neuwerk ist ziemlich klein, hat ganze 44 Einwohner und ist eigentlich 120 km von der Stadt Hamburg entfernt. Doch seit die Hamburger im 13. Jahrhundert einen Leuchtturm auf Neuwerk errichteten, gehört die Insel nun einmal offiziell zur Hansestadt.

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Tatsächlich kann man die kleine Insel vom Festland aus gut sehen und sogar die einzelnen Gebäude ausmachen. Es sieht förmlich aus, als könnte man in zehn Minuten rüberspazieren. Nun ja – rüberspazieren kann man tatsächlich, allerdings dauert das etwas länger und man sollte Vorsicht walten lassen. Bei Ebbe kann man nämlich durchs Watt die Insel besuchen. Entweder zu Fuß – oder mit der Kutsche. Wir haben uns für die “faule” Variante entschieden.

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Neuwerk ist ca. 12 km vom Festland entfernt, und es gibt ein relativ kleines Zeitfenster, in dem man die Insel ohne Schiff besuchen kann. Die Gezeiten geben den Rhythmus vor, und so sind die Abfahrtszeiten jeden Tag anders. In unserer ersten Urlaubswoche hätten wir schon um 7 Uhr aufschlagen müssen. Das wäre sicherlich auch wunderschön gewesen. Wir sind aber nun einmal Langschläfer und so warteten wir eine Woche und schon konnten wir um 11 Uhr losfahren – perfekt!

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Weil das Zeitfenster so klein ist, sind natürlich wirklich viele Menschen unterwegs. Die Kutscher haben ja auch nur diese eine Chance am Tag, ihr Geld zu verdienen! So zogen wir in einer langen Kutschenkarawane los.

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Die Kutschen sind extra hoch gelagert und gefedert. Es holpert nämlich ziemlich hin- und her. Auf dem Weg zur Insel folgt man, wenn man klug ist, den Pricken im Watt. So gerät man nicht vom Weg ab. Es gibt unterwegs aber auch Wegweiser!

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Darauf ist nicht nur Neuwerk ausgeschildert, sondern auch die Rettungsbaken. Wenn man sich doch einmal verirrt oder in der Zeit verschätzt hat, kann man diese Baken hochklettern und ertrinkt wenigstens nicht. Man kann sich dann retten lassen – das kostet ungefähr 400 Euro. Also, wer mal ein bisschen Abenteuer braucht…

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Mit der Kutsche kann man schon etwas eher los als die Wattwanderer und ist natürlich auch schneller. In ungefähr 2 Stunden ist man auf der Insel. Faszinierend, wenn man bedenkt, wie nah es aussieht. Als Wanderer ist man entsprechend länger unterwegs und übernachtet dann entweder auf der Insel, oder man nimmt ein Schiff zurück. Hin- und Rückweg ist direkt hintereinander aufgrund der Gezeiten kaum möglich.

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Die Pferde haben uns übrigens stoisch gezogen und sich von Prielen nicht weiter beeindrucken lassen. Vielleicht war ihnen diese kleine Abkühlung sogar mal ganz recht. Es war nämlich wirklich sonnig. Allerdings wehte dazu auch ein angenehmer Wind. Ich habe mir an dem Tag einen ordentlichen Sonnenbrand eingefangen, da man gar nicht einschätzen konnte, wie warm es tatsächlich ist.

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Auf der Insel hatten wir dann einen kurzen Aufenthalt von ungefähr einer Stunde. Nicht viel Zeit, um die Insel zu erkunden. Wir haben uns daher auf einen Besuch auf dem Leuchtturm beschränkt und danach noch einen kleinen Geocache gefunden.

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Vom Leuchtturm aus hat man natürlich einen guten Überblick über die (niedliche) Insel – hier kann man sehen, wie weitere Kutschen gerade Neuwerk erreichen.

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Ich fand aber etwas anderes viel spannender: Das Dach des Leuchtturms. Der Leuchtturm wurde ja bereits um 1300 errichtet, seit dem 20. Jahrhundert hat er nun ein Kupferdach und dieses Dach eignet sich offenbar ganz hervorrangend, um sich darin zu verewigen! Die älteste Inschrift, die ich entdeckt habe, stammte aus dem Jahr 1956. Faszinierenderweise unterscheiden sich die Kritzeleien aus dem 50ern oder 60ern optisch rein gar nicht von denen aus der aktuellen Zeit. So stand ich die meiste Zeit mit dem Rücken zur Aussicht und habe die Inschriften studiert.

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Inhaltlich hat es sich schon verändert – heute wird wohl niemand mehr seine Adresse einritzen, in der Hoffnung auf einen “Briefwechsel” – im speziellen Fall von Jürgen aber bitteschön nur “mit Mädchen”. Dirk hat zusätzlich seinen Geburtstag eingeritzt – 12. Juli 1940. Ob er sich heute noch daran erinnert? Ob er jemals Post bekommen hat?

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Der Besuch auf dem Leuchtturm hat sich auf jeden Fall gelohnt! Und die Fahrt zur Insel Neuwerk hat uns ebenfalls sehr gut gefallen. Nächstes Mal würde ich eventuell die Wattwanderung in Betracht ziehen, aber die Kutschfahrt ist eine gute – wenn auch leider nicht ganz günstige – Alternative.

Queen of the Fahrradschlüssel

Meine spezielle, geheime Superkraft: Niemand mag mein Fahrrad klauen. Münster, Hauptstadt des Fahrraddiebstahls zumindest in Westdeutschland, will meine Fahrräder offenbar nicht. Das ist ganz gut, denn ich kombiniere diese Superkraft mit einer großen Schwäche: Ich bin nicht in der Lage, mein Fahrrad regelmäßig abzuschließen.

Tatsache ist, dass mein Fahrrad zwar in der Regel abgeschlossen sein sollte, wenn ich mich nicht in seiner Nähe befinde. Doch oft, wenn ich denke, ich hätte das auch getan, entpuppt sich dieses “hätte” als Bestandteil des so passenden “hätte, hätte, Fahrradkette” und somit als Irrglaube meinerseits. Man sollte meinen, als tägliche Radfahrerin hätte ich eine gewisse Routine entwickelt… Schließlich parke ich mein Rad von Montag bis Freitag täglich an der gleichen Stelle. Doch offenbar gibt es da eine Synapse in meinem Gehirn, die ab und zu ausfällt.


Zu Beginn meiner Karriere als Königin der unabgeschlossenen Fahrräder* sorgte das regelmäßig dafür, dass ich in Panik verfiel, wenn ich mein Rad wiederum aufschließen wollte. Wo zum Kuckuck war mein Fahrradschlüssel? Hektisch wurden Taschen durchwühlt, Oberkörper abgetastet (in der Regel nur mein eigener), Schubladen aufgerissen. Das habe ich sogar vor viele, vielen Jahren mal im Blog dokumentiert – das war 2010! Mittlerweile läuft das ungefähr so ab: “Oh, wo ist denn mein Fahrradschlüssel? *wühl* Ach, der steckt sicher noch.”

Und so ist es dann auch: Wenn die Bürotür hinter mir zufällt, wartet mein Fahrrad draußen auf mich, nicht abgeschlossen oder mit geduldig im Schloss wartendem Schlüssel. Kein Problem. Die Menschen sind gar nicht so schlecht, wie man denkt. Oder es fällt ihnen nicht auf. Oder sie wittern eine Falle. Oder: keiner will mein Rad klauen.

Queen of Fahrrad abschließen, I am.

Ein von Nele (@buntgestreifthuepfig) gepostetes Foto am

Gestern jedoch, da war alles anders. Es fing an wie so oft. Ich steckte die Hand in die Tasche (ein großes “Yay!” für Kleider mit Taschen!) – kein Schlüssel. Ich schaute flüchtig in die Handtasche – kein Schlüssel. Nun denn, also auf nach unten, wo das nicht abgeschlossene Fahrrad sicher auf mich warten würde. So war es auch. Fast. Denn unten wartete mein Fahrrad.

Abgeschlossen.

Öhm. Okay. Ich hatte es also offensichtlich doch abgeschlossen. Mist, dann war der Schlüssel wohl in den Untiefen meiner Handtasche verschwunden, wie blöd. Ordentlich wühlen würde da wohl helfen. Also wühlte ich. Und wühlte. Und wühlte noch ein bisschen. Nichts.

Ach so ein Mist, dann lag der Schlüssel doch noch oben auf dem Schreibtisch. Also: Handtasche wieder vom Fahrrad entfernen, Bürotür aufschließen, Treppen hochflitzen, zweite Bürotür aufschließen, Schreibtisch durchsuchen – nichts.

Langsam wurde ich misstrauisch. Aber hey, irgendwo musste der Schlüssel ja sein! Ich räumte meine riesige Tasche komplett aus (und entsorgte ungefähr 34 alte Kassenzettel, Bonbonpapiere und ein “Erfrischungstuch”). Ich öffnete alle Schubladen, in die ich nie etwas lege. Ich nahm meinen Fahrradhelm ab und prüfte, ob ich den Schlüssel dort hineingelegt und dann beim Aufsetzen nicht bemerkt hätte (mache ich manchmal, aber WTF, das hätte sowas von gedrückt). Ich suchte akribisch den Boden meines Büros ab und das Treppenhaus, schaute in allen Büroräumen, in der Küche und auf dem Klo. Nichts.

Dann dämmerte es mir. Und ein erneuter Blick auf das Fahrrad bestätigte: SO schließe ich mein Fahrrad nicht ab. Oder sollte die Betonung sein “So schließe ICH mein Fahrrad nicht ab”? Jemand anders hatte mein Rad abgeschlossen! Als grenzenlose Optimistin war mir klar: Das waren meine Kollegen. Irgendwer war draußen, stellte fest, dass ich mal wieder mein Rad nicht abgeschlossen hatte, war dann so nett, hatte aber vergessen, mir den Schlüssel zu geben. Doch eine kurze Rundnachricht an alle stellte fest: Nööö. Keiner wusste, wovon ich rede, und ich musste fünf Mal erklären, was passiert war (jedem Kollegen einmal – schwer von Begriff sind sie nun auch wieder nicht!).

Tja. Letzten Endes stellte ich das Fahrrad ins Treppenhaus und machte mich auf den Fußweg (immerhin gut für die Schrittstatistik – Pokemon Go war allerdings down). Heute ließ ich mich vom Helden mit dem Auto ins Büro bringen und habe den Ersatzschlüssel eingepackt.

Nur meine geheime Superkraft, die hat sich wieder bestätigt. Keiner, wirklich keiner, möchte mein Fahrrad klauen. Auch wenn ich es auf dem Präsentierteller hinstelle. Das hat ja auch wieder was, oder?

* Kann man als Königin überhaupt Karriere machen? Oder ist man schon automatisch auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen? Höher geht’s ja eigentlich kaum…

Cuxhaven 2016

Unser Sommerurlaub führte uns dieses Jahr nach Cuxhaven an die Nordsee. Wir wollten gern ans Meer, und tatsächlich empfahl uns Katja auf Twitter eine wunderbare Ferienwohnung. Quasi ein Luxusdomizil samt Sauna, Badewanne und mehrerer (!) Kronleuchter.

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Zehn Tage durften wir dann dort verbringen. Dabei hatten wir erstaunliches Wetterglück, geregnet hat es nämlich meist nur abends und nachts. So habe ich mir sogar zwei Sonnenbrände (an zwei verschiedenen Tagen) eingefangen, einen aus Unachtsamkeit (T-Shirt-Ränder eincremen, ach was…) und einen aus Überraschung (oh, so sonnig war es?). Wir waren in Bremerhaven im Auswandererhaus und im Klimahaus, wir haben eine Tandem-Tour gemacht (bis dem Helden der Popo zu weh tat, der ist das Radfahren ja nicht so gewohnt wie ich), wir haben Geocaches gesucht und Backfisch gegessen. Außerdem sind wir mit einer Kutsche durchs Watt gefahren – aber das ist eine eigene Geschichte.

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Natürlich hatten wir auch faule Tage – wenn man schon mal eine Ferienwohnung mit allem Pipapo hat, will die natürlich auch genutzt werden. Praktisch, dass wir dafür genau einen völlig verregneten Tag hatten. Da konnte man dann in der Badewanne liegen, bis es Schwimmhäute gab. Außerdem kam natürlich jede Menge Fußball.

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Im Urlaub habe ich wahnsinnig viel zu Fuß gemacht. Ich habe jetzt ein Fitnessarmband, das unter anderem meine Schritte zählt – das hat mich sehr motiviert. Die Tatsache, dass ich mich auf dem Weg in die Innenstadt heillos verlaufen habe, hat zu absurd hohen Schrittzahlen geführt. Sogar zum Joggen am Strand hat mich das Armband motivieren können – ich war selbst etwas schockiert!

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In Cuxhaven findet man einen Grünstrand vor, das ist erst mal vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Die Wiese führt bis fast ans Meer, dann kommt in der Regel ein Weg und dann beginnt das Wasser. Oder das Watt, je nachdem. Eigentlich ist das aber gar nicht mal so unangenehm. Vor allem, wenn man keinen Strandkorb mietet, hat man so nicht überall Sand, wenn man wieder nach Hause kommt. Für manche mag das Gefühl dazugehören, ich fand es auch so prima. Und für die, die nicht darauf verzichten mögen, hat Cuxhaven auch einen eigenen Sandstrand. Der ist künstlich und wird jedes Jahr nachgefüllt. Kann man machen.

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Wenn man dann am Strand sitzt, liegt oder verrückterweise joggt, kommen immer wieder riesige Containerschiffe vorbei. Die wollen nach Hamburg. Sie sehen so groß und nah aus, als müsste man nur den Finger ausstrecken, um sie anzustupsen. Stimmt aber gar nicht. Wenn man am Hafen den Anleger “Alte Liebe” besucht und von dort aus die Schiffe ansieht, kann man einer Stimme lauschen, die die Daten jedes Schiffs vorliest. Wo und wann ist es losgefahren? Wann wurde es gebaut? Wo ist der Heimathafen? Wie groß ist es? Das war wirklich sehr interessant und kurzweilig. Dieser Dienst wird übrigens von Freiwilligen übernommen.

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Von mir gibt es sehr wenige Fotos aus diesem Urlaub. Aber bei dieser Serie musste ich sehr lachen. Auf jedem Bild sind meine Haare noch etwas mehr vom Winde verweht. Elegant. Lies sich aber auch nicht verhindern. Überhaupt habe ich nicht viele Fotos gemacht, auch wenn dieser Eintrag anders wirkt. Genossen habe ich den Urlaub trotzdem. Oder gerade deswegen?

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Warum erwachsen sein rockt.

Wenn ich unserer Generation einen Namen geben müsste, dann wäre das wahrscheinlich “Generation Peter Pan”. Tatsächlich scheint “erwachsen” fast eine Beleidigung für viele zu sein, und gestandene Mittdreißiger wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, “erwachsen zu werden”. Spoiler: Sie sind es trotzdem. Per definitionem.

Ich muss zugeben, dass ich auch einmal so war. Damals. Als Teenager. Uuuh, erwachsen sein. Wie schrecklich. Dann ist doch alles blöd. Und so spießig ist man dann! Und man muss immer nur arbeiten. Und dann geht man heim und ins Bett. Ohgottogottogott. Schröcklich.

Kindsein. Offenbar gar nicht mal so geil.

Kindsein. Offenbar gar nicht mal so geil.

Heute werde ich 32 Jahre alt, und ich würde meinem Teenager-Ich gern zuflüstern: Das ist alles gar nicht wahr. Es wird von jetzt an nur noch besser. Mit jedem Jahr. Die Zwanziger sind besser als die Zehner, die Dreißig piekst erst etwas, aber nur zwei Tage, und dann sind auch die Dreißiger fantastisch. Vermutlich werden auch die Vierziger und Fünfziger großartig sein – zumindest hoffe ich das mal.

Tatsache ist doch, dass man die meisten Dinge, die am Erwachsensein doof sind, sowieso machen muss. Ob man sich nun als “erwachsen” bezeichnet oder dieses Wort vehement von sich weist. Man muss nun mal irgendwie an Geld kommen – dazu muss man sich mit Arbeitgebern oder Ämtern oder Kunden herumschlagen, ist halt so. Man muss seine Miete bezahlen und seinen Haushalt mehr oder weniger schmeißen und selber daran denken, sich die Fußnägel zu schneiden (sorry). Man muss sich von selbst an Mamas Geburtstag erinnern (wenn das nicht die Gattin macht, hüstel) und selbstständig entscheiden, wann es mal wieder Zeit ist, zum Zahnarzt zu gehen.

Also, egal, ob du dich als erwachsen bezeichnen möchtest oder nicht: Diese Dinge wirst du sowieso tun, mehr oder weniger erfolgreich. Da hilft kein weinerliches “Mimimi, ich bin aber nicht erwachsen”. Klar, vielleicht gehst du zu selten zum Zahnarzt oder hast schon mal deine Miete zu spät bezahlt, oder beäugst gerade kritisch deine Zehen und fragst dich, wo die Nagelschere ist (ich hoffe nicht!!!).

Aber die tollen Seiten des Erwachsenseins! Die heben das alles wieder auf! Keine Widerrede – hier sind die Top Ten tollsten Dinge am Erwachsensein:

  1. Du kannst Eis essen, wann immer dir danach ist.
  2. Du kannst solange aufbleiben, wie du möchtest.
  3. Du kannst so viele Videospiele spielen, wie du willst.
  4. Du kannst Auto fahren!
  5. Du kannst vor dem Fernseher essen.
  6. Du kannst den Haushalt auch einfach mal liegenlassen, ohne dass jemand schimpft.
  7. Du kannst selbst entscheiden, wohin der Urlaub geht. Und wie er aussieht.
  8. Du kannst dich tätowieren lassen.
  9. Du musst nie wieder Rosenkohl essen. Es sei denn, du magst Rosenkohl. Dann kannst du auch jeden Tag Rosenkohl essen. Natürlich bist du dann etwas merkwürdig, aber ich mag dich trotzdem.
  10. Wenn du Feierabend hast, hast du Feierabend. Das gilt zumindest für “normale” Arbeitnehmer – für Selbstständige ist das sicher anders, genauso wie für Studenten. Aber sonst: Keine Hausaufgaben, nicht mehr lernen. Frei ist frei. Ein traumhaftes Gefühl!

Und jetzt mal ehrlich: Allein der erste Punkt bringt mich immer wieder in größte Verzückung und ist es absolut wert! Daher blicke ich auch meinem 33. Lebensjahr mit voller Freude und Neugier entgegen. Und außerdem muss ich glaube ich mal wieder Ben & Jerry’s kaufen.

12 von 12 im Mai 2016

Ein sonniger Donnerstag war heute – wunderbare Temperaturen und wohl erst einmal einer der letzten Tage, die so sommerlich sein sollen. Schade, so kurz vor Pfingsten. Aber nun ja, machen wir das beste daraus. Zufällig war auch noch der zwölfte und so gibt es heute mal wieder zwölf Bilder von meinem Tag.

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Um das schöne Wetter noch etwas zu nutzen, habe ich meine liebsten Sommerschuhe angezogen. Ich liebe diese bunten Vans! Dann ging es mit dem Rad zur Arbeit. Das mit der Aufsteh-Challenge klappt übrigens nicht mehr so gut wie anfangs, aber immer noch besser als vorher. Ich werde demnächst mal wieder berichten.

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Der Weg zur Arbeit.

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Im Büro erst mal: was man so braucht. Verratet es dem Helden nicht, aber ich hatte einen frechen Flirt! 😉 Und eine Allergietablette, denn ich schnufte ganz ordentlich.

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In der Pause gab’s ein Lunchdate mit C. und ich hatte zum ersten Mal seit langem wieder einen richtigen Döner. Yummy! C. hatte Falafel, was irgendwie vertauschte Welt war.

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Auf dem Rückweg ins Büro ging es noch durch den Minipark, wo es hübsche Blumen und fragwürdige Kunstwerke zu sehen gab.

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Nach der Arbeit schwinge ich mich wieder aufs Fahrrad. Hier ein kleiner Eindruck von der Münsteraner Promenade. Alle Wiesen waren belegt, ich mag das ja sehr.

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Abends nach dem Essen packten der Held und ich schon mal unsere Sachen für Pfingsten. Dann waren C. und ich sehr spontan und verabredeten uns noch zum Bouldern. Sonntag werden  wir ja nicht dazu kommen.

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In der Halle war es erstaunlich voll. Aber es verläuft sich zum Glück meistens halbwegs und man lernt ja auch vom Zusehen!

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Liebe Mama, die letztens fragte, ob man die Kletterschuhe auch so tragen könne: Nein. Sie sind nicht bequem und nicht sehr hübsch. Aber dafür gut zum Klettern. Das ist ja auch was Wert!

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Kurz vor Schluss versuchte ich mich noch an diesem Boulder, allerdings leider erfolglos. Wenn man im Nachhinein das Bild betrachtet, denkt man, “Och ist doch ganz leicht, einfach kurz mit dem rechten Bein hochdrücken und mit der linken Hand an den oberen Griff gehen”. Joah. Wenn man an der Wand klebt, fühlt sich das irgendwie anders an. 😉

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Einen hübschen Absturz habe ich heute auch noch hingelegt, auch wenn man es auf dem Foto kaum erkennt. Das ist zum Glück meist nicht schlimm, weil der Boden der Halle dick gepolstert ist. Aber wenn man mit Armen oder Beinen irgendwo gegenhaut, kann’s unangenehm werden. Heute habe ich beide Unterarme leicht aufgeratscht und am einen Arm sieht es aus, als hätte ich einen sehr unprofessionellen Suizidversuch hinter mir. 😱 Keine Sorge! Ich war nur Bouldern!

(Mai 2015, Mai 2014, Mai 2013, Mai 2012, Mai 2011)

Mehr 12 von 12-Einblicke gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen!

Düsseldorf. München. #liebesseeliggoesmunich

Wenn ich an Düsseldorf denke… fällt mir der Medienhafen ein, der Rhein, der Schlossturm, die Altstadt. Karneval und Altbier. Viele wunderbare Parks, die großartige Rollnacht, bei der die Straßen für Inline-Skater gesperrt werden. Abende in der Ratinger Straße bei einem leckeren Alt. Straßenbahn fahren und einen Fahrradhelm kaufen, da man als Radfahrer gefährlich lebt. Gefühlte stundenlange Parkplatzsuche (und ein abgeschlepptes Auto im Halteverbot). Freundliche Menschen, vor allem in den vielen Imbissbuden und Geschäften rund um mein damaliges Zuhause. Eigentlich ist Düsseldorf ein Dorf, hatte ich immer ein bisschen den Eindruck – ein großes, tolles Dorf.

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Wenn ich an München denke… fällt mir der Viktualienmarkt ein, der Marienplatz mit dem Rathaus, und das vermutlich erste Bier meines Lebens im Hofbräuhaus. Das beste Cordon Bleu meines Lebens, als ich etwa zwölf war. Wunderschöne kleine Läden in den Nebenstraßen und dieser großartige Buchladen, in dem alle Bücher nur die Hälfte kosten. U-Bahn fahren, und S-Bahn. Faschingskrapfen in zwanzig verschiedenen Sorten, die hier schon quasi den Höhepunkt des Karnevals markieren. Gemütliche Wirtshäuser mit gutem Essen, alternative Cafés mit köstlichem Frühstück. Karl Valentin und Philipp Lahm. Viele Touristen.

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Düsseldorf und München – zwei Städte, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Was sie verbindet? Nun, da wäre die Tatsache, dass beides Landeshauptstädte sind. Oder dass beide Städte ein “Ü” enthalten (und Städte mit “Ü” sind super, Gruß aus Münster). Zur Zeit fällt mir bei den beiden Städten aber hauptsächlich Sabine von Liebesseelig ein, die ihre alte Heimat Düsseldorf verlässt, um in ihrer neuen Heimat München neue Abenteuer zu erleben. Unter dem Motto #liebesseeliggoesmunich möchten einige Bloggerinnen ihr dafür alles Gute wünschen – ich natürlich auch!

Liebe Sabine, ich hoffe, die Umzugszeit läuft halbwegs glatt und du vermisst das schöne Düsseldorf nicht allzu sehr! Für den Neustart in München wünsche ich dir viel Energie und natürlich auch Spaß. Ich hoffe, bei dem einen oder anderen Blogger-Event sehen wir uns bald wieder!

Hier findet ihr die anderen #liebesseeliggoesmunich-Beiträge:

Was mich glücklich macht #18

Es gibt jeden Tag Dinge, für die man dankbar sein kann – und die einen glücklich machen, obwohl sie nur klein und scheinbar unwichtig sind. Die gute Laune machen, wenn man darüber nachdenkt, obwohl der Tag eigentlich grau und irgendwie doof ist. Etwas, worauf man stolz ist, etwas, das jemand anders zu dir sagt oder einfach nur ein Gegenstand, der gute Laune in dir hervorruft. Diese kleinen Dinge möchte ich in unregelmäßigen Abständen aufschreiben, um mich daran zu erinnern und mich auch im Nachhinein noch darüber freuen zu können!

Die Stars des Tages:

  • der Neffe, der auf der Party abends auf meinem Arm einschläft
  • beim Bouldern die ganzganzganz schwierige Route am Ende doch noch schaffen
  • eine Kugel Eis in der Mittagspause – einfach so
  • Radfahren ohne Jacke
  • der Duft von blühendem Flieder
  • kurze Wochen im Mai
  • ein Lied im Chor zum ersten Mal auswendig singen können
  • in der Stadt jemanden mit einem Shirt der Lieblingsband sehen
  • alberne Konversationen auf Telegram, bei denen man sich einfach nur Sticker hin- und herschickt (Hallo Katha!)
  • im Bett liegen und es ist sooo kuschelig

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Menden, 1994/1997.

Menden, 1994

Die Musikbox meines Onkels konnte sicherlich um die 80 Platten abspielen, aber wenn ich da war, wählte ich immer nur zwei aus: “The Sound of Silence” oder “Over in the Glory Land”, denn das waren die einzigen Lieder, die ich mit meinen zehn Jahren kannte. Die Musikbox leuchtete, und ein Greifarm legte automatisch die Platte auf, wenn man eine Zahl und einen Buchstaben drückte.

Der Flipper stand im gleichen Raum. Der Flipper! Ein eigener Flipper, und eine Musikbox. Stundenlang versuchte ich, Flipper-Rekorde zu knacken. Wenn man zu fest gegen den Flipper stieß, ertönte ein lautes Quäken und die Hebel blockierten für kurze Zeit. Ärgerlich. Aber dann das Gefühl, am Metallgriff zu ziehen, bis die Feder zurückschnellte und die schwere Metallkugel nur so ins Spielfeld hineinschoss. Die Knöpfe, weiß aus Kunststoff – ich fühle sie noch unter den Fingern, und höre ihr leises Klacken. Das Blinken und Aufleuchten, die Sonderpunkte und die diebische Freude, wenn die Kugel zwischen den Bumpern gefühlte Ewigkeiten hin- und herprallte, ohne herunterzurollen, und der Punktezähler hochschnellte. Das metallische Klingeln der Bumper.

Die erreichten Punkte notierte ich akribisch in meinem Tagebuch. 29.270, 32.720 und einmal gar 58.700 Punkte, das absolute Highlight. Im Tagebuch zeichnete ich den Flipper auch auf, er war blau und hatte ein Tauchermotiv. Darüber hinaus existiert in unserem Haushalt kein einziges Foto von diesen Geräten. Erstaunlich, wo ich doch sonst so ziemlich alles fotografiert habe.

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Menden, 1997.

Ich verbringe die Ferien immer noch gern bei meiner Tante und meinem Onkel. Ich bewundere meine älteren Cousins, die schon fast erwachsen sind und in deren Freunde ich mich regelmäßig verliebe. Ich darf lange aufbleiben, viel länger als zuhause – eigentlich, solange ich möchte. Und im Gästezimmer steht ein eigener Fernseher, auf dem ich bis spät in die Nacht Filme schaue. Ich bin 13 Jahre alt und sitze mit meiner Tante abends lange im Wohnzimmer. Wir sehen fern, und danach wir unterhalten uns, und regelmäßig sagt sie “Eine rauche ich noch, dann gehe ich ins Bett.” Es ist spät, Mitternacht ist lange vorbei, aber ich halte dem Atem an und hoffe, dass sie es vergisst. Und tatsächlich, eine halbe Stunde später schaut sie auf die Uhr und sagt “So – eine rauche ich noch, dann gehe ich ins Bett.” Zu meinem größten Glück wiederholt sich das mehrfach. Und egal, wie müde ich werde, ich würde an diesem Abend nie freiwillig ins Bett gehen, wenn ich doch stattdessen hier sitzen kann, zwei Erwachsene, die gemeinsam den Abend verquatschen.

Heute kann ich mich an kein einziges unserer nächtlichen Gespräche mehr inhaltlich erinnern. Das Gefühl, das ist hängen geblieben: ernst genommen werden. Als erwachsener Gesprächspartner behandelt werden.