WMDEDGT? – Tagebuchbloggen am 5. Dezember

Der Adventskalender erinnert mich morgens daran, dass heute der fünfte ist – traditionell der Tag des “WMDEDGT” von Frau Brüllen. WMDEDGT steht – das ist zwar eigentlich absolut selbsterklärend, aber ich schreibe es vielleicht trotzdem noch mal dazu – für “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” und fordert uns quasi höchstoffiziell dazu auf, unseren Tag im Blog zu dokumentieren. Nun denn, dann mache ich das doch mal!

7:00 Uhr. Ich wache auf, weil a) der Wecker klingelt und b) der Held mir einen “Hab einen schönen Tag”-Kuss ins Gesicht drückt. Ich bin leicht verwirrt, denn normalerweise werde ich schon ein bisschen wach, wenn der Heldenwecker klingelt und der Held aufsteht. Heute habe ich das alles geflissentlich verschlafen. Ich drehe mich noch ein bisschen von links nach rechts und snooze, weil meine warme Bettdecke sooo kuschelig-gemütlich ist. Dabei spiele ich ein bisschen mit dem Handy herum. Eigentlich habe ich ja Social Media-Verbot morgens im Bett. Also werden “nur” die Emails gecheckt, der Wetterbericht aufgerufen (-5 Grad! Aber der nächste Regen “voraussichtlich Donnerstagnachmittag”, damit kann ich leben), und höchstens 2, 3, 4, 7 Tweets gelesen. Hüstel. Ich muss noch mal etwas üben, scheint mir.

Dann aber: raus aus dem Kuschelbett, rein ins Bad und anschließend in die Klamotten, die ich ungewohnterweise schon am Vorabend herausgelegt habe. Und dann zum Adventskalender! Mein Tausch-Adventskalender ist wie jedes Jahr toll. In den letzten Tagen habe ich dort schon einen Schlüsselanhänger, niedliche Blumenstecker, einen Gürtel und selbst gemachte Gewürzsalze herausgeholt. Heute gibt es ein besonders großes und schweres Päckchen. Darin versteckt sich eine Plätzchen-Backmischung!

Da trifft es sich gut, dass ich eine Email im Postfach habe. Ich habe bei einem Ersatzteil-Händler angefragt, ob ein bestimmtes Backblech in unser Backofen-Modell passt. Unser Backofen (der jetzt vom Techniker endlich für perfekt funktionsfähig erklärt wurde und im Prinzip die letzte Baustelle in unserer neuen Wohnung war) wurde nämlich ohne Backblech ausgeliefert. Ausstellungsküche halt. Oder sagen wir es mal so: Ich habe nicht die Nerven, mich noch mal mit Alma Küchen auseinanderzusetzen, ob dort eigentlich ein Backblech mitgeliefert hätte werden müssen. Immerhin war ein Rost dabei. Aber ich schweife ab – ich war auf der Suche nach einem passenden Backblech und das ist schwieriger, als man so gemeinhin denken mag, wenn man kein ausziehbares Blech haben möchte. Jetzt haben wir aber endlich ein passendes gefunden und ich schicke dem Helden schnell den Link, damit er es bestellen kann. So kann er es sich ins Büro liefern lassen. Tagsüber sind wir ja  nie zuhause und können daher auch keine Pakete annehmen – wir lassen uns vieles ins Büro schicken, aber größere Pakete darf dann der Held bestellen, damit ich nicht so viel auf dem Fahrrad transportieren muss.

Nach ein paar Minuten Instagram auf dem Sofa packe ich mich warm ein. Dann geht’s ab aufs Fahrrad. Erwähnte ich die minus fünf Grad? Brrr, es ist kalt. Als erstes merke ich es im Gesicht, dann an den Daumen, dann an den Füßen (dann bin ich da). Aber die Landschaft ist wunderschön weiß überzogen und die Sonne geht auf (und blendet nur ein bisschen), so dass alles erträglich wird. Ich höre eine Folge “Note to Self” mit einem Interview mit Marina Abramović, eine serbische Performance-Künstlerin. Es geht darum, unser Smartphone mal eine Weile zur Seite zu legen und uns auch mit uns selbst zu beschäftigen. So empfiehlt sie, sich an einem Tag, an dem man sich voller Energie fühlt, einfach mal auf einen Stuhl ans Fenster zu setzen und drei Stunden lang gar nichts zu tun. Oder eine Tüte Linsen oder Reis zu zählen – gerne 6 Stunden lang. Nun ja. Ich finde den Ansatz interessant, nehme mir (wie so oft) fest vor, das Smartphone öfter zuhause zu lassen, aber habe nicht vor, eine Tüte Linsen zu zählen.

20161205_0830382

Im Büro angekommen: erst mal das Fahrrad reintragen (nachdem es mehrfach vor der Tür beschädigt wurde, stelle ich es genervt in den Flur), mich auspacken, die Heizung aufdrehen, Kaffee eingießen. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Es ist Montag, da sind es immer besonders viele Emails. Aber es geht eigentlich. Der große Weihnachtsstress ist (noch) nicht angekommen bei mir.

Mittags mache ich einen kleinen Spaziergang zum Bücherschrank. Ich habe gestern Abend ein Buch ausgelesen, was ich okay fand, aber nicht unbedingt behalten möchte. Das stelle ich dort hinein. Es ist wunderbares Wetter, die Sonne scheint und es ist knackig kalt. Ich genieße den Spaziergang. Anschließend machen wir alle Mittagspause. Wir sitzen in der Büroküche – ich mache mir eine Dosensuppe warm (pssst, nicht die beste Ernährung, aber egal). Zwischendurch schicken wir ungefähr 3 mal den Bürohund zurück in den Flur, der lernen soll, dass er nicht (mehr) in die Küche darf. Es klappt ganz gut, dafür, dass er es jahrelang durfte.

Nachmittags: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Wie sich das gehört. 🙂 Irgendwann gegen 17:15 habe ich genug und packe mich wieder Schicht für Schicht ein. Draußen ist es mittlerweile schon längst dunkel, ich schwinge mich aufs Fahrrad und mache die nächste Folge von “Note to Self” an. Eigentlich geht es bei diesem Podcast um Technologie und vor allem, wie diese unser Leben beeinflusst. Aber nachdem es heute früh schon um den Abstand zur Technologie (und das Zählen von Linsen) ging, wird auf dem Heimweg ein ehemaliger Google-Mitarbeiter interviewt, der Meditation für IT-Mitarbeiter lehrt. Achtsamkeit ist das Thema… Nun ja, das ist nicht so meins, aber immerhin kann ich dadurch üben, asiatisch gefärbtes American English zu verstehen und 25 Minuten kann man sich das mal anhören. Vielleicht hätte ich die Folge übersprungen, aber mit den dicken Fäustlingen auf dem Fahrrad halte ich ungern an, um das Smartphone zu bedienen – das ist immer so umständlich.

Zuhause angekommen stelle ich fest, dass ich eine Email vom Fitbit-Support bekommen habe. Ich habe mein neues Armband reklamiert, weil es oft meine Schritte nicht zählt. Nun soll ich hundert Schritte gehen, dabei im Kopf mitzählen und anschließend berichten, was der Tracker anzeigt. Siehe da: Er zeigt nur 60 an. Also schnell dem Support von diesem Ergebnis berichtet. Dann kommt auch der Held nach Hause und während das Wasser für die Nudeln heiß wird, spülen wir schnell das Kochgeschirr vom Vorabend und unterhalten uns über unseren Tag. Während des Essens (es ist Montag – da gibt’s bekanntermaßen Miracoli) schauen wir eine Folge Modern Family, anschließend spielen wir noch ein bisschen was. “Planet Coaster” – früher habe ich “Theme Park” geliebt, da musste man einen Vergnügungspark mit Achterbahnen und Co. bauen. Das neue Spiel ist im Prinzip das gleiche. (Noch besser fand ich nur “Theme Hospital”, ein großartiges Spiel. Davon gibt’s aber meines Wissens keine gute Neuauflage.) Es ist eigentlich ein PC-Spiel, aber weil der Held der Held ist, ist er bestens ausgestattet und wir können das Spiel mit einem Steam Controller am Fernseher spielen. Das macht es natürlich viel entspannter (und ich kann den Argumenten des Helden, wir bräuchten im neuen Wohnzimmer einen neuen Fernseher, schwerer widersprechen, denn wir sitzen so weit weg, dass ich beim Spielen immer häufiger die Schrift nicht lesen kann.*)

Viel Zeit haben wir allerdings nicht, denn montags ist auch Chorprobe. Kurz vor 8 mache ich mich auf die Socken – mein Weg zur Grundschule, in der wir proben, ist zu Fuß nur ungefähr 150 Meter. Das ist machbar. Die Hälfte fehlt heute irgendwie, zum Glück ist meine Altstimme ganz gut besetzt. Wir singen derzeit hauptsächlich kirchliche Lieder und üben neu von Vivaldi “Domine Fili Unigenite” ein. Erst mal ganz schön viele Töne, aber wenn ich es mir jetzt in Originalgeschwindigkeit anhöre, klingt es sehr schön.

Um 21:30 Uhr ist die Probe vorbei. Ich schaue auf meinen Schrittzähler: 7.500 Schritte. Eigentlich hatte ich heute vor, die 10.000 mal wieder zu schaffen. Also gehe ich noch eine Runde um den Block. Ich möchte mir die Weihnachtsbeleuchtung in den Fenstern ansehen, aber die meisten Häuser haben ihre Rolläden schon heruntergelassen. Pfff. Das finde ich ja doof. So ist es kalt und dunkel, und als ich wieder am Haus ankomme und eigentlich noch 500 Schritte fehlen, ist mir das auch egal und ich husche lieber schnell ins Warme.

Jetzt sitze ich mit dem Laptop auf dem Schoß im Nähzimmer auf dem Sofa und habe es gemütlich. Der Fitbit-Support hat noch mal geantwortet und mir einen Neustart des Armbands empfohlen. Ich frage mich, ob man das nicht direkt hätte sagen können, dann hätte ich mir die 100 Schritte sparen können, der Tipp ist ja jetzt nicht gerade revolutionär. Ich probiere es (ja, eigentlich ist das bei Technik immer der erste Schritt – aber diese Armbänder werden eigentlich gar nicht ausgeschaltet) und werde morgen mal testen, ob es jetzt besser ist. Die fehlenden 500 Schritte werde ich heute wohl nicht mehr schaffen. Aber da das Armband ja zu wenig zählt, habe ich eine gute Ausrede. 😉

Heute werde ich nicht mehr viel machen. Vielleicht lese ich noch etwas, oder gehe einfach nur duschen und früh ins Bett. Da ist es schließlich so kuschelig unter der dicken Winterbettdecke mit Bieberbezug. SO kuschelig!!!

* Held, ich weiß, dass du das liest. Nein, wir kaufen keinen neuen Fernseher.

Gerade jetzt #2

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich? Und muss ich heute eigentlich das Altpapier oder den gelben Sack an die Straße stellen?

wp-1480341288469.jpg

Gerade jetzt…

denke ich über Weihnachtsgeschenke nach. Ich habe erst eins, und das auch nur, weil die Person sich explizit etwas bestimmtes gewünscht hat. Außerdem schenken der Held und ich uns wieder gemeinsam ein großes Lego-Gebäude. Aber sonst? Keine Ahnung.

mag ich unsere neue Wohnung so gern! Es ist so gemütlich und ich freue mich sehr, dass jetzt endlich alles fertig ist.

mag ich nicht mehr mich nicht Kundendiensten herumschlagen. Jedenfalls soll mir bitte keiner mehr mit dem Wort “Alma-Küchen” kommen.

fühle ich mich gemütlich, adventlich, mit Lust auf Weihnachtsfilme, Tee und Plätzchen.

trage ich Strumpfhose unter der Jeans, weil es echt kalt geworden ist. Außerdem natürlich dicke Schuhe, noch dickere Handschuhe und die super-reflektierende Fahrradjacke.

brauche ich Zeit für mich, und die nehme ich mir auch.

höre ich Weihnachtslieder, das Weihnachtsoratorium und auf dem Fahrrad wie üblich Podcasts – derzeit meist “Note to Self”.

mache ich regelmäßig einen Essensplan! Da ich es einfach nicht schaffe, das wöchtenlich zu machen, hat sich folgender Rhythmus eingebürgert: Der aktuelle Essensplan läuft aus, wir haben keinen neuen, ich bin nach drei Tagen genervt, weil wir nie wissen, was wir kochen sollen. Also setze ich mich hin, habe superviele Ideen, mache einen Essensplan für direkt drei Wochen und hab dann erst mal Ruhe. Dann läuft der Essensplan irgendwann wieder aus und alles geht von vorne los!

lese ich bald das neue Buch für den Buchclub, nämlich “Alles Licht, das wir nicht sehen” von Anthony Doerr.

trinke ich Kaffee. Aber bald ist Glühwein-Zeit – immerhin spielen die Temperaturen da schon mal mit!

vermisse ich Fensterbänke. Die neue Wohnung hat fast keine und das macht das weihnachtliche Dekorieren doch etwas schwieriger!

schaue ich mit dem Helden Modern Family, Babylon 5 und bald die zweite Staffel Gotham. Und für mich selbst jetzt noch die letzten Gilmore Girls-Folgen (auch wenn ich die neuen jetzt schon gesehen habe) und danach vielleicht The Crown?

träume ich von einer weißen Weihnacht… Neeeein, auf gar keinen Fall! 😉 Ich träume von meinem Plänen fürs kommende Jahr, von einem neuen Tattoo (vielleicht), von tollen Urlauben und wen ich alles besuchen möchte.

Ach übrigens, es ist das Altpapier. Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

Erstes Advents-Wochenende

Was für ein entspanntes, schönes erstes Advents-Wochenende! Ich war ja vorher schon ein bisschen in Weihnachtsstimmung und habe meine Weihnachts-Playlist rauf- und runtergehört, aber jetzt bin ich voll und ganz im Adventsrausch angekommen.

Freitagabend hatte der Held eine Weihnachtsfeier – ohne mich. Das hat mich mal so was von gar nicht gestört, denn so hatte ich genug Zeit, zurück nach Stars Hollow zu reisen! Ich hatte eigentlich vor, alle vier neuen Folgen Gilmore Girls direkt am ersten Abend zu schauen. Dann stellte sich allerdings heraus, dass eine Folge anderthalb Stunden dauert und das habe ich dann doch nicht hinbekommen. Aber zwei habe ich geschafft und auch wenn es nicht perfekt war, fühlte es sich doch sehr nach Heimkommen an.

wp-1480341376768.jpg

Am Samstag haben wir das Geburtstagsgeschenk für die große Nichte eingelöst. (“Lieblingsnichte” darf ich jetzt nicht mehr sagen, denn seit einigen Wochen haben wir tatsächlich noch eine zweite Nichte und da gibt es jetzt keine Lieblinge mehr… 😉 ) Wir hatten ihr nämlich zum 6. Geburtstag einen “Kinonachmittag” bei uns zu Hause geschenkt, inklusive Popcorn, Fanta, und natürlich einem spannenden Film. Und das ausnahmsweise mal ganz ohne den nervigen kleinen Bruder! 😉

Vorbereitung auf den Kinonachmittag mit der #lieblingsnichte! 💚😊

Ein von Nele (@buntgestreifthuepfig) gepostetes Foto am

Und natürlich blieb es nicht nur beim Film. Erst haben wir gemeinsam Muffins gebacken, und nach dem Film haben wir noch ein bisschen Lego gebaut, bis sie abgeholt wurde. Es war so faszinierend zu sehen, wie sich ihre Lego-Fähigkeiten in den letzten Monaten, seit wir zuletzt gemeinsam gebaut haben, verbessert haben! Beim letzten Mal mussten wir noch jeden Schritt der Anleitung erklären und zeigen – dieses Mal waren wir eigentlich nur noch zum Raussuchen der Steine nützlich. Mein Tantenherz ging auf! (Und ihre Suche nach Sechsern, “Zweirern” und “Einrern” werde ich niemals korrigieren! <3 ) Außerdem war sie fasziniert von meiner Schreibmaschine und übte ein bisschen Tippen.

Nichten-Tag! 💚

Ein von Nele (@buntgestreifthuepfig) gepostetes Foto am


Als die Nichte weg war, kamen dann noch gute Freunde zu Besuch. Sie wohnen nicht mehr in Münster, aber lustigerweise sind wir in die Straße gezogen, in der auch die Mutter des Freundes wohnt. So können sie Besuche im Elternhaus gleich mit einem Treffen mit uns verbinden. Ein Traum! Wir haben Gesellschaftsspiele gespielt und viel geredet und gelacht.

wp-image-296647328jpg.jpg

Der Sonntag war ein ganz entspannter erster Advent. Morgens habe ich zum ersten Mal das Weihnachtsoratorium in den CD-Player geworfen und das Wohnzimmer beschallt. Herrlich! Und die erste Kerze am Adventsgesteck wurde natürlich zum Frühstück auch angezündet. Wir haben dieses Jahr einen Lego-Adventskranz. Das hat sich irgendwie so ergeben und sieht ja auch eigentlich ganz niedlich aus, und außerdem haben wir anderswo ohnehin keinen Platz für unser Weihnachtslego.

adventskranz

Außerdem war für mich Zeit, die fehlenden zwei Gilmore Girls-Folgen zu schauen, und der Held konnte beim Formel 1-Saisonfinale mitfiebern. Währenddessen habe ich dann ein bisschen weihnachtlich dekoriert und auch den Tausch-Adventskalender vom Goldengelchen endlich aufgestellt. Jetzt bin ich schon richtig gespannt und freue mich auf den 1. Dezember! Der Held hat in diesem Jahr einen Marzipan-Kalender von mir bekommen. Sonst haben wir uns oft einen gemeinsamen Kalender selbst gemacht, aber im Zuge der Stressreduzierung haben wir uns das dieses Jahr einfach gespart. Zum Glück waren wir uns da einig.

20161127_151555

Außerdem habe ich unsere Fenster mit einem Kreidestift bemalt! Nachdem ich den Dreh raushatte, war es ganz einfach und es gefällt mir sehr gut. Von außen sieht es auch sehr hübsch aus, wenn drinnen das Licht an ist. Mal sehen, ob ich davon noch mal ein Foto hinkriege.

20161127_174954

Abends ließen wir den Sonntag dann nach einem leckeren Malzbier-Gulasch mit Knödeln bei einem spannenden Polizeiruf ausklingen. Und nur die Tatsache, dass mein Fotodrucker dann noch den Geist aufgegeben hat und ich somit nicht mit dem Adventstagebuch anfangen konnte, trübte den Sonntag noch ein kleines bisschen. So kann die Weihnachtszeit ruhig weitergehen!

Gilmore Girls, Fahrradlicht und ein paar Blog-Gedanken.

Ich bewundere ja immer die Bloggerinnen, die es schaffen, täglich zu bloggen. Frau Brüllen zum Beispiel. Oder ganz generell die, die mich mit ihren ganz normalen Alltagsgeschichten faszinieren. So wie Suomalainen Päiväkirja, Frische Brise oder Leitmedium auf vier plus eins. Alle haben sie kein “festes” Thema, sondern sind eher klassische Tagebuch-Blogs. Vielleicht würde man heute Familienblogs sagen, aber es gibt sicher auch genug Menschen, die ohne Kinder über ihren Alltag schreiben. Ich mag ihren Stil, ich lese gern ihre im Prinzip völlig irrelevanten Geschichten über Kleinigkeiten, die ihnen im Leben halt so begegnen.

Jedenfalls bin ich immer top-motiviert, das auch einfach so zu machen. Euch zu erzählen, dass ich es nicht geschafft habe, in einer Woche 31 Folgen Gilmore Girls zu schauen und somit immer noch 27 Folgen fehlen, bis morgen die neuen Folgen auf Netflix starten. Wie ist das eigentlich? Kommen alle auf einmal? Oder muss man wieder warten zwischen den Folgen, so wie früher, als ich die Folgen alle im Fernsehen geschaut habe? Als ich immer exakt im gleichen Lebensabschnitt wie Rory war und mich so, so verstanden gefühlt habe? Als meine WG-Freundin und ich nach der Uni zusammen im WG-Wohnzimmer saßen und uns, wenn es mal nicht klappte, per SMS auf dem Laufenden gehalten haben (einen Videorecorder hatten wir nicht und so gab es kein “nachträglich schauen”)? Ich erinnere mich noch genau an den Inhalt einer dieser Nachrichten: “LUKE UND LORELAY HABEN SICH GEKÜSST!!!” Es war sehr aufregend.

Ich könnte auch von meinen Fahrradplänen erzählen – ich habe ja momentan ein “Sommerfahrrad” und wollte mir im Herbst eigentlich ein neues kaufen. Nun kam aber ein Umzug mit dem einen oder anderen Kostenpunkt dazwischen, und gleichzeitig meinte ein Kollege: “Wieso willst du dir denn ausgerechnet im Herbst ein neues Rad kaufen? Nimm doch das günstige mit über den Winter, wo es nass und dreckig werden kann, und kaufe dir dann ein neues, wenn’s wieder schön ist draußen?” Und während ich immer noch die Idee eines Sommer- und eines Winterfahrrads mag (und außerdem hoffe, im Winter vielleicht ein günstiges Schnäppchen machen zu können, vielleicht nach Weihnachten, weil es außerhalb der Saison ist), fahre ich also erst mal noch mit meinem Sommerfahrrad. Das Problem: Das Sommerfahrrad hat nur einen stinknormalen Dynamo, das Frontlicht ist ein hübscher Nostalgie-Scheinwerfer, aber etwas funzelig, und wenn es regnet oder matschig ist, geht das Licht nicht. Nicht so hilfreich! Nun habe ich mir ein extra Aufstecklicht besorgt und bin wieder sicher unterwegs. Ein paar Tage war es allerdings ziemlich (viel zu!!!) aufregend. Immerhin habe ich meine Reflex-Jacke wieder an und bin so ziemlich gut von Autos sichtbar. Habe ich eigentlich mal erwähnt, dass tatsächlich an der Hauptstraße mal ein Autofahrer angehalten hat, ausstieg und auf mich zukam? Ich war sehr irritiert, aber er war ganz begeistert von meiner Jacke. “Ich habe Sie schon öfter gesehen auf dem Heimweg nach Feierabend und MUSS Sie das jetzt fragen: Wo gibt es denn SO eine tolle Jacke?”

Dann könnte ich noch von meinem Ärger mit Alma Küchen, von unserer tollen neuen Wohnzimmerlampe, von der Wichtel-App, die ich für die Schwiegerfamilie ausprobiert habe oder von meinem ersten Besuch eines Poetry Slams erzählen. Vielleicht mache ich das einfach mal. Und bringe Alltagsgeschichten mit. Ohne Fotos. Ich erzähle gern und bearbeite Fotos ungern. Das ist eigentlich ein sehr, sehr gutes Argument. Im Prinzip das beste Argument von allen.

Vom Gönnen.

“Gönnen Sie sich was”, sagt die Ärztin zu mir. Ich bin zu ihr gegangen, weil es mir nicht gut geht. An der (Ur-)Sache können wir nichts ändern – nur an meinem Umgang damit. “Gönnen Sie sich etwas – belohnen Sie sich, kümmern Sie sich um sich selbst.”

Ein paar Monate ist das jetzt schon her. Und der Satz blieb hängen. Vor allem, weil es mir erst einmal so schwer fiel, mir etwas zu überlegen, was ich mir gönnen könnte. Alles, was mir einfiel, war Essen. Pizza, Weingummi, Lasagne und dazu ein leckerer Wein? Aber ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man nicht innerhalb eines Monats wie ein kleiner Kürbis auf Beinen durch die Gegend rollen will, sollte man diese Art des Gönnens auf Ausnahmefälle beschränken.

Das zweite, was mir einfiel: mir Dinge kaufen. Geld ausgeben für Sachen, die nicht wirklich nötig sind. Das habe ich auch probiert. So bin ich an ein wunderbares neues Fitness-Armband gekommen, eine neue Handyhülle durfte einziehen, und generell hab ich im Laden häufiger mal “was soll’s” gesagt und die Schuhe, die Zeitschrift, die Hose halt einfach gekauft. Die Strategie funktioniert – kurzfristig und wenn man nicht zu sehr auf das Bankkonto guckt.

Letzten Endes ist es aber so: Nachhaltig hilfreich sind nicht die materiellen Dinge, die ich mir gegönnt habe. Aufbauend, glücklich machend, ablenkend und motivierend ist eine neue Einstellung. Ich gönne mir die Zeit, das zu tun, was ich tun möchte. Ohne nach Ausreden zu suchen oder etwas generell als zu schwierig oder unmöglich abzutun. Ich habe mir Konzertkarten einfach gekauft, auch wenn das Konzert noch so weit in der Zukunft lag, dass es mir absurd vorkam (jetzt sind es nur noch 3 Wochen!). Ich habe nicht gebloggt, wenn mir nicht nach Bloggen war. Ich habe früh Feierabend gemacht und bin in die Stadt gefahren, habe mir ein Eis geholt und bin durch die Geschäfte gebummelt – einfach so, mitten in der Woche. Ich habe im Urlaub keine Fotos gemacht, nicht darüber gebloggt, und kein Album gestaltet (womit auch?). Ich habe nicht einmal Postkarten geschrieben (sorry!). Ich bin Wandern und Spaziergen gegangen, bin in neue Innenstädte gefahren, war in der Sauna, habe neue Rezepte ausprobiert (mit wechselndem Erfolg) und das Bouldern als neue Sportart für mich entdeckt.

Am hilfreichsten war für mich nämlich die Erkenntnis, dass man gar nicht lange planen muss. Es ist gar nicht immer so leicht, zu erkennen, was einem wirklich gut tut. Aber was mir nicht gut tut, sind vollgepackte Wochenenden und jeden Abend ein neuer Termin. Hingegen spontan am Wochenende zu entscheiden, irgendwo hinzufahren – das ist was ganz anderes. Und deswegen ist mein Vorsatz für die nahende Weihnachtszeit auch: Möglichst wenig Termine. Vielleicht versende ich spontan ein paar Weihnachtskarten – vielleicht auch nicht. Vielleicht backe ich Plätzchen – vielleicht nicht. Mal sehen, worauf ich Lust  habe – und was ich mir gönnen möchte.

Irgendwas ist immer. Ein Umzugsbericht

Der Umzug ist erledigt. Fertig, finished, vorbei. Das erleichterte Aufatmen hat man vermutlich durch halb Münster gehört, denn ich stand in den Umzugstagen ordentlich unter Strom. Noch an dieses denken, noch eben jenes erledigen. Dann wurden wir in diesen Tagen auch noch erneut Tante und Onkel, verkauften die alte Küche und schlugen uns mit Ebay Kleinanzeigen rum, reklamierten die neue Küche, telefonierten täglich mit Amazon wegen des Termins für die Lieferung des neuen Kühlschranks und, und, und.

Eine Woche vor dem Umzug bauten Eltern und Schwiegereltern die neue Küche auf und stellten neben zahlreicher lösbarer Mängel fest, dass die Spülmaschine nicht zu benutzen war, weil das Anschlusskabel fehlte. Außerdem ging die Heizung in der neuen Wohnung nicht, so dass sie bei 16 Grad arbeiten mussten (sorry!!!).

Fünf Tage vor dem Umzug setzte mich ein dicker Schnupfen außer Gefecht.

Vier Tage vor dem Umzug hatten wir unsere alte Küche immer noch nicht verkauft, obwohl wir schon mehrfach den Preis gesenkt hatten.

Drei Tage vor dem Umzug versuchte ich verzweifelt, herauszufinden, ob unser Kühlschrank überhaupt noch geliefert werden würde.

Zwei Tage vor dem Umzug erlitt ich einen mittelschweren Nervenzusammenbruch, als ich unsere geliebte Batman-Lampe mit dem Staubsaugerkabel von der Fensterbank fegte.

Einen Tag vor dem Umzug kam der Techniker von UnityMedia und verkündete uns die frohe Botschaft, dass das Internet in der neuen Wohnung wegen einer Leitungsstörung nicht ginge. Der Kühlschrank wurde doch noch geliefert. Abends packte ich Kartons bis Mitternacht, obwohl eigentlich schon alles gepackt war. Am Ende warf ich alles hin und krabbelte ins dreckige Bett (auf dem wurden die Schranktüren auseinandergebaut und staubten alles voll). Der Held machte heldenhaft (wie der Name schon sagt halt) die Wohnung noch für die Umzugshelfer fertig.

Der Umzugstag war erstaunlicherweise der entspannteste und schönste von allen. Wir hatten so viele tolle Helferinnen und Helfer, die ohne große Worte anpackten und trugen und auseinander- und wieder zusammenbauten und am Ende mit uns sogar noch die ersten Kartons ausräumten. Dabei hatten sie noch jede Menge Spaß und es fühlte sich fast gar nicht nach Arbeit an. Dass die Pizzeria, mit der wir die Helfer verpflegen wollten, an dem Tag unvorhergesehen geschlossen hatte, konnte uns da auch nicht mehr aufhalten. Es gibt ja mehr als eine (sogar in unserem Dörfchen). Dass am gleichen Tag die alte Küche abgeholt wurde, war allerdings dann eher wieder Stressfaktor für mich.

Die Liste der Dinge, die in der neuen Wohnung nicht oder nicht richtig funktionierten, war dann aber trotzdem erst einmal lang: Fernsehen. Internet. Telefon. Spülmaschine. Backofen (da flog immer die Sicherung raus). Der Stöpsel vom Spülbecken. Die Duschkabine (da setzte man immer das halbe Bad unter Wasser beim Duschen).

Mittlerweile sind wir jetzt aber schon seit 14 Tagen umgezogen, und die meisten Baustellen konnten in der Zwischenzeit glücklicherweise abgehakt werden. Seit gestern gehen sogar Telefon und Internet. Es wird richtig gemütlich bei uns. Und bald muss ich sicher auch nicht mehr lange überlegen, zu welchem Haus ich jetzt fahren muss, wenn ich Feierabend mache. Dann ist es ein Zuhause!

 

Kartons, Kugelschreiber und andere Umzugsthemen.

Wenn man Kugelschreiber und Kartons essen könnte, würden wir den Welthunger im Alleingang besiegen. Es ist unglaublich! Keine Schublade, die ohne einen gewissen Bodensatz von Kugelschreibern auskommt; und auch an den unmöglichsten Stellen lauern sie, in irgendwelchen Boxen, auf der Ablage unterm Wohnzimmertisch, auf dem Nachttisch, im Kleiderschrank (!). Und aus den Massen an Kartons, die wir im Keller in sämtlichen Ecken und dazwischen gefunden haben, könnten wir uns im Prinzip ein neues Haus bauen. Versandkartons, Produktverpackungen, alles, was man sich so vorstellen kann.

Ja, es ist wieder Umzugszeit im Hause bunt, gestreift und hüpfig. Und schon seit Tagen sind wir fleißig dabei, unsere Einrichtigung in große Kisten zu räumen. Jeden Tag wird es etwas leerer in der Wohnung, aber die Vorfreude steigt gleichermaßen. Wir ziehen gar nicht weit weg – nur ca. 150 Meter die Straße runter – aber ein Abenteuer ist es ja trotzdem, irgendwie. Ich freue mich auf die neue Wohnung, auf das riesige Wohnzimmer, auf die neue Küche, auf das große Nähzimmer statt dem kleinen Mini-Raum (dieses Mal wird auch eine Couch drin Platz finden, die als Gästebett ausgezogen werden kann! Yay! Besucht mich!). Anderes ist natürlich nicht mehr so toll – der Luxus, in einem eigenen, kleinen Häuschen gewohnt zu haben, wird beendet. Jetzt haben wir wieder Menschen, die unter uns wohnen und auf die wir Rücksicht nehmen werden. Ungewohnt, aber machbar.

Dieser Umzug wird ganz anders als der letzte. Wir wechseln nicht die Stadt, wir müssen uns von nichts verabschieden. Selbst vom Haus nicht so richtig, denn dort werden die Schwiegereltern einziehen. Also kein Abschiedsschmerz, dafür hauptsächlich ein Haufen Arbeit, ein Haufen Kosten (denn klar: es gibt dieses und jenes neue Möbelstück – manches braucht man, manches will man einfach nur). Die “letzten Male” sind andere, unspektakuläre: Das letzte Mal in dieser Küche kochen, das letzte Mal ein Paket von den Schwiegereltern annehmen lassen, das letzte Mal mit dem Fahrrad in die Garage fahren.

Die ersten Möbel wurden schon in die neue Wohnung getragen, der große Rest folgt dann in zwei Wochen. Ich freue mich schon so!

Eine Wanderung mit Canyon-Blick

Wandern? Ja, kenne ich. Haben wir früher™ gemacht, als ich noch ein Kind war und wir ein Ferienhaus in der Eifel hatten. Gerüchten und Familienlegenden mussten meine Eltern damals Schokolade auf dem Weg verstecken, damit ich ohne Murren mitwanderte. Tatsächlich habe ich aber gute Erinnerung an viele Wanderwege und behaupte jetzt einfach mal frech, dass das wahrscheinlich bei einer Osterwanderung passiert ist.

Tatsache ist jedenfalls, dass ich schon ziemlich lange nicht mehr wandern war. Doch in letzter Zeit juckte es mich in den Fingern. Oder vielmehr in den Füßen. Ich bin ja jetzt stolze Besitzerin eines Fitnessarmbands, das mich sowieso zum Laufen motiviert (ich versuche, jeden Tag 10.000 Schritte zu schaffen). Außerdem haben mich diverse Postings von Frauke inspiriert. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich immer einen Wanderurlaub vor Augen. Und erst vor ein paar Wochen, als jemand den Teutoburger Wald erwähnte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Man muss gar nicht einen ganzen Urlaub lang wandern. Schon gar nicht, wenn man so untrainiert ist wie ich. Man kann auch einfach von Münster aus eine halbe Stunde Auto fahren und schon ist man in herrlicher Landschaft!

canyonblick-01

Tatsächlich kann man vermutlich auch im noch näheren Münsterander Umland wandern. Was mich aber motivierte, den TeutoSchleifen-Weg “Canyon-Blick” zu besuchen: Das Versprechen auf einen einwandfrei ausgeschilderten Wanderweg in gutem Zustand. So für den Einstieg wollte ich mich nicht mit Karte, GPS und ähnlichem herumschlagen. Und außerdem natürlich der Canyon! Also mal ehrlich. Ein Canyon? In Lengerich? So ein Quatsch. Das Bild auf der Website hielt ich für übertrieben, aber trotzdem wollte ich das mit eigenen Augen sehen.

canyonblick-03 canyonblick-02

Der Wanderweg “Canyonblick” ist ein Rundgang von ungefähr 11 Kilometern. Als ich den Parkplatz endlich erreicht hatte (die Anfahrt war auf der Website nicht so super erklärt – meine einzige Mini-Kritik), hatte ich die Wahl: Wählte ich die “korrekte” Laufrichtung, wäre ich erst nach fast zehn Kilometern am Canyon. Andersherum schon nach 1,5 Kilometern. Also: Belohnung oder Startpunkt? Ich entschied mich dafür, zuerst zum Canyon zu gehen. Erstens wusste ich nicht, wie anstrengend das ganze würde, und zweitens wollte ich natürlich auch Fotos machen und das Wetter versprach eventuellen Regen – und wie lange mein Smartphone-Akku halten würde, war ja auch fraglich. Also: Auf zum Lengericher Canyon!

canyonblick-04

Und da war er, der Canyon, und sah genauso aus wie auf den Werbebildern. Das Wetter war nicht so gut, aber ich war trotzdem enorm beeindruckt! Beim “Canyon” handelt es sich um einen ehemaligen Kalksteinbruch, in dem 1977 die Arbeit eingestellt wurde. In die Abbruchgrube wurde Wasser geleitet, die Wände wurden unter anderem bepflanzt, indem Pflanzensamen aus einem Flugzeug geworfen wurden! Seit 1989 ist der Canyon Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Ich habe trotzdem einige Mountainbiker dort entlangbrettern sehen… Schade.

canyonblick-05

Auch wenn der Wanderweg sich “Canyonblick” nennt, ist der Canyonblick ein ziemlich kurzes Vergnügen. Man steht einmal auf der Aussichtsplattform und kann den oben gezeigten Blick bewundern, aber das war’s auch schon. Schade – aber wirklich gestört hat es auch nicht, denn es gab genug zu gucken und das Gelände war sehr abwechslungsreich. Wald, Felder, Wiesen oder Riesenfarne? Kein Problem.

canyonblick-06

Außerdem geht ein Teil der Strecke über eine Weide mit Kühen. Das ist optional – man kann auch über die Straße gehen bzw. muss das sogar, wenn man Hunde dabei hat – aber ich war natürlich Feuer und Flamme. Auf dem Schild stand, die Kühe wären sehr neugierig und würden direkt zu den Wanderern kommen. Nachdem ich endlich das Tor gemeistert hatte, ging ich also genauso neugierig über die Weide. Aber alle Kühe waren ausgeflogen! Schade…

canyonblick-07

canyonblick-08

lengerichsnexttopmodels

Etwa einen Kilometer weiter traf ich dann aber doch noch Lengerichs Next Topmodels. Geduldig posierten die vier für ein paar Fotos. Ich habe überhaupt unglaublich viele Fotos gemacht. Gut, dass ich allein unterwegs war. Das war überhaupt sehr entspannend. Es gab so viel zu sehen, dass mir keine Sekunde langweilig war. Ich konnte mein eigenes Tempo gehen und auch mal eben alle zwei Meter stehenbleiben, um ein Foto zu schießen.

canyonblick-10

canyonblick-11

canyonblick-12

Im sehr, sehr grünen Farngebiet, in das die grüne Treppe führte und in dem man über Wiesen wanderte (sehr angenehm!), summte und brummte es ohne Unterlass. Vor allem in meinem Gesicht. Meh! Doof! Das Gebiet war offenbar Heimat zahlreicher Bienen. Nun, nichts gegen Bienen, und getan haben sie mir auch nichts, aber dieses Gebrumme um meinen Kopf herum hat mich völlig verrückt gemacht. Ich war froh, als ich wieder am Maisfeld entlanglaufen konnte.

canyonblick-13

canyonblick-14

Wald gab es auch zu sehen! Wald mit Aussicht, Wald mit Treppen, ganz egal. Wie gesagt: wirklich abwechslungsreich!

canyonblick-15

Zwischendurch zog es sich richtig zu und das Foto sieht fast schon bedrohlich aus. Tatsächlich war es warm, blieb trocken und als ich nach elf Kilometern wieder am Parkplatz war, packte ich meinen Rucksack ins Auto und lief noch mal “eben kurz” zum Canyon, um die Aussicht zu genießen. Und wieder zurück. So standen letzten Endes rund 15 Kilometer auf dem Tageszähler. Und es war toll!

Die TeutoSchleife war wirklich perfekt ausgeschildert, so dass ich nur an einer einzigen Stelle kurz überlegen musste, wo es langgeht. So hatte man den Blick für die interessanten Details und Aussichten! Jetzt bin ich auf jeden Fall motiviert, auch noch die anderen TeutoSchleifen zu wandern. Insgesamt gibt es sieben. Die nächste werde ich mich dem Helden zusammen laufen. Mal sehen, ob wir wanderkompatibel sind! 🙂

Guten Morgen, liebe Sorgen – ein Fazit der Aufsteh-Challenge

Morgens im Bett. Du kuschelst dich noch mal in deine Bettdecke. Sie ist warm, weich, wohlig. Am liebsten würdest du sie über den Kopf ziehen, um das Licht auszusperren. Aber das würde nicht reichen, denn neben dem Licht stört dich noch etwas anderes: Es dudelt auf dem Nachttisch vor sich hin. Mit blinzelnden Augen tastest du danach. Dein Smartphone, dein Wecker. Aufstehen! Zeit, in den Arbeitstag zu starten!

Wie geht die Geschichte bei euch weiter? Für mich gab es bis vor kurzem nur eine Fortsetzung: Snooze. Ja, ich bin bekennende Langzeitsnoozerin, Gleitzeit macht’s möglich. Doch irgendwann nervte mich das ganz enorm und ich rief – nur für mich allein – im April die Aufsteh-Challenge ins Leben. Anfangs war ich hochmotiviert und hielt euch tagesgenau auf dem Laufenden. Das hat nicht lang gehalten. Dennoch hat sich mein Verhalten am frühen Morgen verändert, auch vier Monate später noch. Davon möchte ich heute berichten.

Mit dem ersten Weckerklingeln aus dem Bett springen – das war mein Ziel. Schon im Laufe der ersten paar Tage justierte ich das zu einem freundlichen “1-2 mal kann man schon snoozen, oder?”. Ich schaffe es nicht, direkt hellwach zu sein. Muss ich auch nicht. Wie gesagt, ich will nicht unbedingt zur Frühaufsteherin mutieren. Doch der Wecker klingelt nach wie vor um 7 Uhr und das Snoozen ist auf zwei Versuche begrenzt. Dann erwartet die Wecker-App, dass ich eine kleine Aufgabe löse (Multiplikation vor 8 Uhr ist besonders unangenehm), und schaltet sich ab. Jetzt ist es mein Job, aufzustehen.

Zugegeben: Das mache ich immer noch nicht sofort. Ich mache meist Musik an. Normalerweise hätte ich jetzt Twitter, Instagram oder Facebook gecheckt und so viel Zeit verdaddelt. Das ist nicht mehr so. Soziale Medien im Bett sind verboten! Zumindest morgens. Die Facebook-App habe ich gar nicht mehr. Die Benachrichtigungen von Twitter und Instagram habe ich abgeschaltet. Ich starte eigentlich nur die Wetter-App, um zu überlegen, was ich anziehen soll. (Denn nein, natürlich lege ich mir meine Klamotten für den Tag immer noch nicht am Abend vorher raus!)

Ich stehe nicht jeden Tag zur gleichen Zeit auf, sondern entscheide das jeden Morgen neu. Es regnet, aber laut Wetter-App hört es in einer Stunde auf? Okay, dann wird das mal ein später Tag im Büro, dafür komme ich trocken zur Arbeit. Ich bin heute so müde, dass es keinen Zweck hat? Ok, bleib noch was liegen, aber nicht wieder einschlafen! Und das funktioniert. In der Regel bin ich heute zwischen 8:15 und 8:45 Uhr im Büro, wobei letzteres schon eher eine Ausnahme ist. Vor der “Challenge” war es 9 Uhr. Das klingt nicht viel. Aber trotzdem: Ich fühle mich besser, weil ich kein schlechtes Gewissen habe und mich tatsächlich morgens nicht mehr hetzen muss. Ich fühle mich trotzdem nicht gequält, weil ich weiß, im Zweifel bleibe ich halt noch eine halbe Stunde liegen. 9 Uhr GEHT ja immer noch, es ist nur nicht mehr die Regel, sondern eine Ausnahme.

Fazit: Es ist erheblich besser. Die zwei Hauptgründe sind das Snooze-Limit und das Social Media-Verbot. Ich bin eher wach, weil ich nicht noch fünfzehn Mal snoozen kann. Und ohne Twitter oder Instagram ist es morgens einfach langweilig im Bett! Dazu noch Musik und schon kann der Tag starten.

Mit der Kutsche zur Insel Neuwerk

Im Urlaub waren wir auch in Hamburg. Von Cuxhaven aus ganz ohne Auto und und innerhalb von kürzester Zeit – wie kann das gehen? Ganz einfach: Hamburg hat sich ein kleines Außengebiet gesichert, in Sichtweite von Cuxhaven. Die Insel Neuwerk ist ziemlich klein, hat ganze 44 Einwohner und ist eigentlich 120 km von der Stadt Hamburg entfernt. Doch seit die Hamburger im 13. Jahrhundert einen Leuchtturm auf Neuwerk errichteten, gehört die Insel nun einmal offiziell zur Hansestadt.

insel-neuwerk

Tatsächlich kann man die kleine Insel vom Festland aus gut sehen und sogar die einzelnen Gebäude ausmachen. Es sieht förmlich aus, als könnte man in zehn Minuten rüberspazieren. Nun ja – rüberspazieren kann man tatsächlich, allerdings dauert das etwas länger und man sollte Vorsicht walten lassen. Bei Ebbe kann man nämlich durchs Watt die Insel besuchen. Entweder zu Fuß – oder mit der Kutsche. Wir haben uns für die “faule” Variante entschieden.

neuwerk-pferde

Neuwerk ist ca. 12 km vom Festland entfernt, und es gibt ein relativ kleines Zeitfenster, in dem man die Insel ohne Schiff besuchen kann. Die Gezeiten geben den Rhythmus vor, und so sind die Abfahrtszeiten jeden Tag anders. In unserer ersten Urlaubswoche hätten wir schon um 7 Uhr aufschlagen müssen. Das wäre sicherlich auch wunderschön gewesen. Wir sind aber nun einmal Langschläfer und so warteten wir eine Woche und schon konnten wir um 11 Uhr losfahren – perfekt!

neuwerk-kutschfahrt

Weil das Zeitfenster so klein ist, sind natürlich wirklich viele Menschen unterwegs. Die Kutscher haben ja auch nur diese eine Chance am Tag, ihr Geld zu verdienen! So zogen wir in einer langen Kutschenkarawane los.

neuwerk-pferde-von-hinten

Die Kutschen sind extra hoch gelagert und gefedert. Es holpert nämlich ziemlich hin- und her. Auf dem Weg zur Insel folgt man, wenn man klug ist, den Pricken im Watt. So gerät man nicht vom Weg ab. Es gibt unterwegs aber auch Wegweiser!

neuwerk-verkehrsschild

Darauf ist nicht nur Neuwerk ausgeschildert, sondern auch die Rettungsbaken. Wenn man sich doch einmal verirrt oder in der Zeit verschätzt hat, kann man diese Baken hochklettern und ertrinkt wenigstens nicht. Man kann sich dann retten lassen – das kostet ungefähr 400 Euro. Also, wer mal ein bisschen Abenteuer braucht…

neuwerk-kutschwerk

Mit der Kutsche kann man schon etwas eher los als die Wattwanderer und ist natürlich auch schneller. In ungefähr 2 Stunden ist man auf der Insel. Faszinierend, wenn man bedenkt, wie nah es aussieht. Als Wanderer ist man entsprechend länger unterwegs und übernachtet dann entweder auf der Insel, oder man nimmt ein Schiff zurück. Hin- und Rückweg ist direkt hintereinander aufgrund der Gezeiten kaum möglich.

neuwerk-hochwasser

Die Pferde haben uns übrigens stoisch gezogen und sich von Prielen nicht weiter beeindrucken lassen. Vielleicht war ihnen diese kleine Abkühlung sogar mal ganz recht. Es war nämlich wirklich sonnig. Allerdings wehte dazu auch ein angenehmer Wind. Ich habe mir an dem Tag einen ordentlichen Sonnenbrand eingefangen, da man gar nicht einschätzen konnte, wie warm es tatsächlich ist.

neuwerk-leuchtturm

Auf der Insel hatten wir dann einen kurzen Aufenthalt von ungefähr einer Stunde. Nicht viel Zeit, um die Insel zu erkunden. Wir haben uns daher auf einen Besuch auf dem Leuchtturm beschränkt und danach noch einen kleinen Geocache gefunden.

neuwerk-ankunft

Vom Leuchtturm aus hat man natürlich einen guten Überblick über die (niedliche) Insel – hier kann man sehen, wie weitere Kutschen gerade Neuwerk erreichen.

neuwerk-leuchtturm-schrift1

Ich fand aber etwas anderes viel spannender: Das Dach des Leuchtturms. Der Leuchtturm wurde ja bereits um 1300 errichtet, seit dem 20. Jahrhundert hat er nun ein Kupferdach und dieses Dach eignet sich offenbar ganz hervorrangend, um sich darin zu verewigen! Die älteste Inschrift, die ich entdeckt habe, stammte aus dem Jahr 1956. Faszinierenderweise unterscheiden sich die Kritzeleien aus dem 50ern oder 60ern optisch rein gar nicht von denen aus der aktuellen Zeit. So stand ich die meiste Zeit mit dem Rücken zur Aussicht und habe die Inschriften studiert.

neuwerk-leuchtturm-briefwechsel

Inhaltlich hat es sich schon verändert – heute wird wohl niemand mehr seine Adresse einritzen, in der Hoffnung auf einen “Briefwechsel” – im speziellen Fall von Jürgen aber bitteschön nur “mit Mädchen”. Dirk hat zusätzlich seinen Geburtstag eingeritzt – 12. Juli 1940. Ob er sich heute noch daran erinnert? Ob er jemals Post bekommen hat?

neuwerk-leuchtturm-von-oben

Der Besuch auf dem Leuchtturm hat sich auf jeden Fall gelohnt! Und die Fahrt zur Insel Neuwerk hat uns ebenfalls sehr gut gefallen. Nächstes Mal würde ich eventuell die Wattwanderung in Betracht ziehen, aber die Kutschfahrt ist eine gute – wenn auch leider nicht ganz günstige – Alternative.