Gerade jetzt #3

Wie ist das so, gerade jetzt? Eine kleine Momentaufnahme. Was steht auf der Tagesordnung? Was beschäftigt mich? Und was könnte ich mir Ostern von meiner Mama zu Essen wünschen?

Gerade jetzt…

denke ich tatsächlich und ernsthaft darüber nach, ob wir uns einen Hund anschaffen. Der Held wäre dabei, allerdings wissen wir nicht, was unsere Vermieter davon halten und außerdem ist unser Bürohund nicht mit anderen Hunden kompatibel und daher wüssten wir nicht so recht, wohin tagsüber.

mag ich den Sonnenschein!

mag ich nicht die Tatsache, dass so viele meiner Kollegen krank sind und ich somit morgens extra früh im Büro sein muss.

fühle ich mich aktiv, energiegeladen und voller Pläne. Das muss der Frühling sein!

trage ich endlich wieder Chucks!

brauche ich Geduld und Optimismus.

höre ich ziemlich viel Irish Folk-Rock – hat dieses Genre einen offiziellen Namen?

mache ich geheime Kleinigkeiten im Näh- und Bastelzimmer – Überraschungen für die verschiedensten Menschen! Währenddessen schiebe ich Möbel von links nach rechts, die optimal-perfekte Einrichtung für das Zimmer habe ich nämlich noch nicht gefunden.

lese ich schon wieder ein Buchclub-Buch: “Die Berufene” von M. R. Carey. Das ist wirklich unglaublich spannend und ich werde noch einen Artikel dazu schreiben!

trinke ich Kaffee mit aufgeschäumter Milch, zumindest am Wochenende. Beim Umzug ist mir ja der Induktionsmilchaufschäumer wieder in die Hände gefallen und ich genieße es, selbst gemachten Latte Macchiato zu schlürfen und dabei noch ein, zwei, siebenundzwanzig Seiten in meinem Buch zu lesen.

vermisse ich Münsteraner, die mit mir Bouldern wollen. Anyone?! Ich bin einfach so wenig ehrgeizig, wenn ich allein in der Halle bin! Dann gebe ich nach dem 3. erfolglosen Versuch einer Route auf. Obwohl man doch weiß, dass das beste Gefühl ist, wenn man nach zahllosen Fehlversuchen endlich den Top erreicht!

schaue ich mit dem Helden Modern Family, Babylon 5 und die neue Staffel Broadchurch auf ITV. Für mich selbst habe ich gerade die 3. Staffel Mr. Selfridge beendet und weiß noch nicht ganz, was als nächstes kommen soll.

träume ich von einem neuen Tattoo (Terminanfrage ist gestellt – aber beim letzten Mal habe ich keinen Termin bekommen, das heißt also nichts) und vom Sommerurlaub!

Und, wie ist das bei euch so, gerade jetzt? Nachmachen erwünscht!

Buchtipp: Die Berufene von M. R. Carey

England, in der nicht allzu fernen Zukunft. Unter den Menschen tobt ein Parasit – vor rund zwanzig Jahren tauchte er das erste Mal auf, heute leben die verbliebenen gesunden Menschen in wenigen, großen Städten der Welt hinter hohen Mauern und unter widrigen Umständen. Denn eine Infektion verwandelt die Menschen in sogenannte “Hungernde”, die keinen eigenen Willen haben und deren einziges Ziel es ist, andere Menschen zu fressen. Die zehnjährige Melanie lebt allerdings nicht in einer Stadt, sondern auf einem schwer bewachten Militärstützpunkt. Gemeinsam mit anderen Kindern wird sie hier unterrichtet, beobachtet und untersucht. Ihre Besonderheit: Sie sind immun gegen die Auswirkungen des Pilzparasiten – und niemand weiß, weshalb. Die skrupellose Forscherin Dr. Caldwell schreckt vor nichts zurück, um ein Heilmittel zu finden. Schutz findet Melanie in ihrer verehrten Lehrerin Miss Justineau, die ihnen griechische Sagen vorliest und vom Leben außerhalb des Stützpunkts erzählt. Dann kommt es zu einem Angriff auf den Stützpunkt – und Melanie findet sich in einer unerwarteten Gruppe wieder, die sich ab sofort gemeinsam durchschlagen muss.

Ich weiß nicht, weshalb jedes neue Buch und jede Fernsehshow meint, sich ein neues Wort für Zombies einfallen lassen zu müssen. Ist es nicht wahrscheinlich, dass unsere Gesellschaft, sollte es irgendwann dazu kommen, die wieder aufstehenden Untoten als genau das bezeichnen würde, als was wir sie seit Jahren aus der Unterhaltungsindustrie kennen: Zombies? Ich glaube nicht, dass sich ein Begriff wie “Hungernde” durchsetzen würde. Nichtsdestotrotz ist “Die Berufene” von M. R. Carey ein lesenswerter Roman – für mich aber eben trotzdem ein Zombieroman.

Dass die Geschichte zum großen Teil aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, macht es besonders spannend. Melanie weiß nicht viel über die Welt um sie herum. Sie ist ein Forschungsobjekt und erschließt sich ihre Umwelt erst nach und nach. Dabei gibt es für den Leser durchaus einige “Aha”-Momente, die die gesamte Geschichte in einem anderen Licht erscheinen lassen. Allerdings kann ich hier nicht darauf eingehen, ohne zu spoilern. 😉

In dem Buch geht es nicht nur ums reine Überleben der Protagonisten, sondern es werden auch große Fragen angesprochen. Wo hört Menschlichkeit auf? Wieviel Zweck heiligt welche Mittel? Und was ist das Überleben der Menschheit überhaupt wert? Es handelt sich um keinen blutrünstigen Horror-Roman, und die natürlich dennoch nicht ausbleibenden Szenen von Zombieangriffen und Verletzungen sind eher sachlich gehalten. Statt reißerischer Details gibt es hier viel wissenschaftlichen Hintergrund, der das ganze zumindest für mich als Laiin* natürlich realistischer erscheinen lässt, ohne dabei langweilig zu werden. Die Charaktere sind gut gezeichnet, auch wenn ich mir etwas weniger von der einen und dafür etwas mehr von dem anderen gewünscht hätte – aber so hat man halt seine Favoriten. Die kleine Melanie jedenfalls ist mir schnell ans Herz gewachsen.


Nach langer Zeit war “Die Berufene” mal wieder ein Buch, dass mich an den Lesesessel gefesselt hat. Innerhalb von drei Tagen hatte ich den Roman mit immerhin rund 500 Seiten ausgelesen, und anschließend hatte ich ein bisschen “Buchweh”.** Andere sahen das offenbar auch so, denn vor kurzem kam die Verfilmung unter dem Originaltitel “The Girl with all the Gifts” in die Kinos (leider habe ich das wohl verpasst und muss auf die DVD warten). Der Trailer verrät meiner Meinung nach aber schon zuviel und natürlich gilt sowieso wie üblich: erst mal das Buch lesen! Am besten, ohne sich vorher groß zu informieren. Denn je weniger man weiß, desto spannender ist es!

Lest ihr Zombie-Romane? Ist das eigentlich ein eigenes Genre? Und welches Buch sollte unser Buchclub unbedingt als nächstes auf die Leseliste setzen? 

* Ja, ich habe gegoogelt, und die weibliche Form von Laie ist Laiin, auch wenn es merkwürdig aussieht! 😉

** Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr gedanklich noch ein paar Tage bei den Charakteren hängt und eigentlich ganz gern noch ein bisschen länger “dageblieben” wärt?

April.

Und plötzlich ist es schon April. Das erste Quartal des Jahres 2017 vorbei. Frühling in vollem Gange – das hätte ich zumindest gestern noch geschrieben. Heute hingegen habe ich tatsächlich nach zwei Wochen wieder die Handschuhe auf dem Fahrrad angezogen und die Heizung im Büro auf Stufe 5 gedreht. So war das nicht geplant!

Der März war hingegen fabelhaft – nicht nur, was das Wetter betrifft. Wir sind irgendwie mal wieder vollgepackt mit Terminen und so hatten wir im vergangenen Monat kein einziges freies Wochenende. Dennoch war alles wunderbar – vom doppelten Geburtstagswochenende über den Besuch von Katha bis hin zum Baustellen-Wochenende im Ferienhaus. Dort habe ich wieder einmal festgestellt, wie gern ich so was eigentlich mache – abreißen, renovieren, buddeln. Generell mich anstrengen und am Ende Ergebnisse sehen, das macht doch wirklich glücklich!

Der April fing dann dieses Wochenende so an, wie der März aufhörte: mit Terminen. Unsere jüngste Nichte wurde getauft und so verbrachten wir einen wirklich schöne und entspannten Nachmittag mit der Schwiegerfamilie. Sonntag zog mich das schöne Wetter eigentlich nach draußen – ich hatte eine Wanderung vor Augen. Der Held hatte allerdings seinem Vater versprochen, Computerprobleme zu lösen. Das hat ihn tatsächlich einige Stunden beschäftigt und so habe ich stattdessen mal wieder die Inlineskates aus dem Schrank geholt.

Schuld daran war vermutlich eigentlich unsere große Nichte, die mich am Wochenende ungefähr zehn Mal fragte, wann wir end-lich mal wieder zusammen Inliner fahren könnten. Aber gestern war ich ganz allein und fuhr einfach drauflos. Wir haben genug Felder und Wiesen um unseren Stadtteil, es fahren kaum Autos auf diesen Straßen und fürs Inliner fahren eignen sie sich super. Ich übte mich ein wenig im “Och, wo geht’s denn wohl hin, wenn ich hierlang fahre?” und verlor tatsächlich kurzzeitig die Orientierung – zumindest hatte ich nicht mehr wirklich eine Idee, in welche Richtung die Heimat lag. Ich überlegte schon, einen der zahlreichen Radfahrer anzuhalten, aber letzten Endes kam ich irgendwann doch noch zu einem Schild und fuhr dann tatsächlich sogar noch einen kleinen Umweg, weil es so schön war. Letzten Endes standen 14 Kilometer auf dem Tacho (meine neue Fitnessuhr hat dankenswerterweise einen eigenen GPS-Empfänger, um das zu messen).

Schade nur, dass ich auf solchen Touren nie mein Handy dabei habe, weil ich in den Sportsachen einfach keine Taschen habe. Ich überlege tatsächlich, mir so einen Gürtel zuzulegen, in dem man Telefon & Co. unterwegs verstauen kann. Und sei es nur, um Fotos zu machen, weil es wirklich einfach so wunderschön ist momentan! Andererseits würde mich das ja doch nur dazu bringen, dauernd anzuhalten und zu fotografieren. Auch nicht der sportliche Sinn der Übung. 😉 So kann ich jedenfalls den Beitrag nicht passend bebildern.

Im April stehen schon wieder gefühlte hundert Termine im Kalender. Kindergeburtstag, eine Verabredung zum “perfekten Dinner” mit Freunden, dann ist Ostern und noch ein Renovierungswochenende. Das Wochenende zum ersten Mai haben wir verlängert und fahren an die Nordsee. Vielleicht ist auch ein Abstecher nach Amsterdam drin. Ich freue mich schon – endlich wieder Meeresluft!

Color Blocked Lucille {MeMadeMittwoch}

Das Projekt Stoffabbau geht weiter!

Ich hatte noch ziemlich viel von dem dunkelblauen Jersey, den ich mal für ein Kleid gekauft hatte (das seither in der Schublade liegt, weil es leider zu kurz geraten ist). Und da ich kürzlich mal wieder meine erste Lucille aus dem Schrank gezogen hatte und die mir echt gut gefällt, beschloss ich, dass man davon eine zweite vertragen könnte. Ich malte mir eine hübsche Kombination mit den Hamburger Liebe-Tulpen, von denen ich noch ein Reststück hatte, aus… Doch so sehr ich das Schnittmuster auch puzzelte, es wollte einfach nicht passen.

Natürlich war es Pinterest, das mich letzten Endes auf die Idee brachte, ein geteiltes Shirt zu nähen. Vom Tulpenstoff war nichtsdestotrotz nicht ausreichend übrig, aber ich hatte noch einen knappen halben Meter weißen Jersey. Und so las ich diese, diese und diese Anleitung und machte mich ans Werk!

Erst mal passte ich das Schnittmuster etwas an. Lucille ist eigentlich ein Kleid, ich trage es als Longsleeve. Die Ärmel hatte ich schon bei der ersten genähten Variante relativ freestyle angepasst, das übertrug ich jetzt ins Schnittmuster, genau wie die Änderungen in der Weite. So hat das Shirt jetzt gar nicht mehr so viel mit dem Original-Schnitt zu tun. Im Prinzip blieb nur noch die Kragenlösung unberührt, die finde ich nämlich super und ist ja auch das tolle an dem Schnittmuster!

Leider kann man die Kragenlösung in dunkelblau recht schwer erkennen, auch auf den anderen Bildern. Aber glaubt mir einfach, dass es schick ist. 😉

Das angepasste Schnittmuster übertrug ich anschließend auf Malerfolie aus dem Baumarkt. Das war nicht nur nötig, damit ich das Schnittmuster nicht zerschneiden musste (so dass ich es nicht hätte wiederverwenden können), sondern auch, weil ich ja die gesamte Breite benötigte und nicht das im Stoffbruch zu verwendende Teil. Praktisch war außerdem, dass die Folie durchsichtig ist. So konnte ich die Teilungslinien des Vorderteils problemlos auf das Rückenteil übertragen.

Jetzt hieß es wieder: Puzzeln. Denn auch wenn ich von dem weißen Stoff mehr hatte als vom Tulpenstoff, war es doch knapp. Insbesondere der blaue Stoff, und so musste die eine oder andere Nahtzugabe recht knapp geschnitten werden.

Nachdem die einzelnen Stoffstücke zu den “normalen” Schnittmuster-Teilen zusammengenäht worden waren, konnte der Schnitt dann ganz normal genäht werden. Und: Es hat geklappt! Ich bin ganz begeistert von meiner geteilten Lucille. Sogar der Held bezeichnete sie als “sehr professionell”.

Natürlich musste ich sie gleich am nächsten Tag tragen – Ehrensache. Aber irgendwie war der Wurm drin. Mittags im Büro bekleckerte ich den weißen Teil (denn natürlich kleckert man IMMER auf den weißen Teil, oder?) – und zwar mit roter Bete, ausgerechnet! (Ich war sooo vorsichtig – ahnt ja keiner, dass das blöde Rote Bete-Glas von AUSSEN klebrig ist.) Panisch riss ich mir das Shirt vom Leib, weichte es im Badezimmer ein und saß anschließend in meiner Winterjacke am Computer, denn im Unterhemd wollte ich nicht dasitzen. 😉 Fürs Fotoshooting habe ich sie dann wieder angezogen – immer noch leicht feucht. Abends beim Spülen spritzte ich dann auch noch mit dem Spülwasser herum, in dem schon die tomatige Pfanne gespült war – platsch, ein hellroter Fleck. Auf dem weißen Stoff. Aaah! Wieder aus damit und eingeweicht. Unfassbar: Beide Flecken sind anstandslos wieder rausgegangen. Yeah! Sonst hätte ich mich auch wirklich sehr geärgert.

Alles in allem bin ich jetzt angefixt – es muss ja nicht Lucille sein, aber das Teilen ist eine super Möglichkeit, auch kleinere Stoffreste aufzubrauchen und gerade bei Musterstoffen kann man so auch etwas unaufdringlichere Kleidungsstücke nähen, wenn man nur einen kleinen Teil des bunten Stoffs verwendet. Yeah!

Ich muss nur ein ganz kleines bisschen schief stehen, damit alle Nähte genau aufeinandertreffen! 😀

P.S.: Und weil es im MeMadeMittwoch-Post gewünscht ist und heute Weltfrauentag ist – ja, ich habe auch einen Pussyhat, aber natürlich habe ich beim Fotografieren des Shirts nicht daran gedacht, dass heute der 8. März ist. Daher ein Bonusfoto – zeigt Flagge, meine Damen:

WMDEDGT? – Tagebuchbloggen am 5. März

Spontan dachte ich mir, ich könnte mal wieder bei WMDEDGT mitmachen – Frau Brüllens Aktion, die im langen Namen “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” heißt und jeden 5. des Monats stattfindet. Nun ist zwar eigentlich schon der sechste, aber ich beschreibe natürlich trotzdem meinen fünften März – den gestrigen Sonntag.

Als ich morgens aufwachte und dachte “Uuh, ich könnte mal aufs Klo gehen”, war es sieben Uhr. Ich drehte mich noch ganz kurz auf die Seite und stand dann auf – und als ich im Bad war, zeigte die Uhr schon kurz vor neun an. Upps, das “kurz auf die Seite drehen” war wohl doch noch mal mit Einschlafen verbunden gewesen. So blieb ich gleich auf. Der Held, der am Vorabend erst spät von einem Freund zurückgekommen war, schnorchelte noch sanft vor sich hin.

Ich beschloss, schon mal Brötchen zu holen. Normalerweise macht das immer der Held, aber dieses Wochenende habe ich es gleich an beiden Tagen übernommen. Verrückt! Das Problem war, dass ich noch im Schlafanzug war. Wieder ins Schlafzimmer an den Kleiderschrank wollte ich aber nicht – ich schaffe es selten genug, aufzustehen, ohne den Helden zu wecken. Also musste ich improvisieren. Auf dem Wäscheständer auf dem Balkon hingen eine Unterhose und ein fast trockenes Paar Socken, im Bad fanden sich die Kletterhose und der Sport-BH, und als Oberteil habe ich dann einfach eine Fleece-Jacke angezogen. So ausgestattet ging es los zum Bäcker – und um meine Fitness-Uhr zufriedenzustellen, lief ich sogar eine extra große Runde.

Wieder daheim, war der Held immer noch nicht aus dem Tiefschlaf erwacht. Ich kochte in aller Ruhe eine Kanne Kaffee und deckte den Frühstückstisch. Außerdem erinnerte ich mich an unseren Milchaufschäumer, der seit Ewigkeiten im Küchenschrank verstaubte, und machte mal wieder richtig schönen Milchschaum (so ein Induktionsding, nicht so ein Mini-Stab-Dingsi). Und dann setzte ich mich mit dem ersten Milchschaumkaffee erst mal hin und las ein Weilchen in meinem aktuellen Buch.

Nachdem ich die erste Tasse ausgetrunken hatte, ging ich dann aber doch mal ins Schlafzimmer und weckte den Helden. Anschließend frühstückten wir gemütlich. Das Telefon klingelte irgendwann und ich hielt ein Schwätzchen mit meinen Eltern, wir schmiedeten Wochenend- und Ferienhaus- und Geburtstags- und Renovierungspläne.

Gegen 12 machte ich mich dann auf den Weg in die Boulderhalle. Ich gehe gern recht früh am Wochenende, denn da ist es noch nicht so voll. So auch an diesem Sonntag. Dennoch fand ich fast keinen Parkplatz, weil gegenüber der Halle nämlich Trödelmarkt war. Das ärgerte mich, weil natürlich alle auf dem Boulderhallenparkplatz stehen mussten, obwohl sie gar nicht bouldern waren. Grummel. Ich war dann aber trotzdem recht erfolgreich unterwegs und schaffte ein paar neue Routen und auch eine, die ich bei den vergangenen Malen erfolglos versucht hatte. Dann allerdings rollte ich mich beim Absprung etwas zu schwungvoll ab und bremste mit dem Daumen. Das war etwas blöd. Zum Glück gibt’s in der Halle Coolpads, aber danach war erst mal Schluss und ich war gegen 14 Uhr wieder daheim.

 

Erst mal reparierte (bzw. ersetzte) ich den ausgerissenen Druckknopf meines zweiten Traumanzugs, dann hüpfte ich unter die Dusche und wusch mir Kreide, Schweiß und Staub vom Körper, um anschließend in besagten Traumanzug zu schlüpfen. Sundays are for onesies, Leute!

Das Wetter war inzwischen traumhaft sonnig, ich schnappte mir mein Buch und setzte mich auf den Balkon in die Sonne. Noch ein Kaffee dabei, der Held leistete mir auch Gesellschaft. So lässt es sich aushalten! Wenn auch nicht sehr lange, dann verschwand die Sonne wieder hinter einer einzelnen, aber riesigen Wolke. Hmpf. Dann halt nicht. Zum (späten) Mittag gab es Waffeln nach Münstermamas Rezept. Die wollen wir nämlich nächstes Wochenende der Helden-Familie vorsetzen, wenn wir den Heldengeburtstag feiern, und vorher muss das Rezept natürlich erst einmal probiert werden! 😉 Es war ganz hervorragend lecker, muss fürs Familienfrühstück aber wohl verdoppelt werden.

Der Held räumte die Küche auf und kümmerte sich um die Wäsche, während ich mich ins Nähzimmer zurückzog und seine neu erstandenen Jeanshosen für ihn kürzte. Dabei sind mir gleich zwei Nähnadeln abgebrochen und ich muss wohl dringend mal ein Sortiment neuer Nadeln besorgen, bevor ich irgendwann ganz ohne dastehe.

Die Zeit bis zum Tatort überbrückten wir dann mit “The Witness”. Das ist ein Computerspiel, bei dem man Logikrätsel lösen muss. Im Prinzip muss man immer nur eine Linie durch ein Raster ziehen, vom Eingang bis zum Ausgang. Allerdings gibt es dabei zahlreiche Regeln zu beachten, die man teilweise auch erst einmal selbst herausfinden muss, und so kommt man ziemlich ins Grübeln. Mir macht es aber riesig Spaß. Und deswegen schalteten wir nach einer Stunde Langeweile auch den Tatort wieder aus und spielten weiter.

Gegen 22:30 wechselte ich dann vom Onesie Nummer 2 in Onesie Nummer 1 und verkrümelte mich ins Bett. Dort las ich noch schnell mein Buch zu Ende und versank dann schlummernd ins Land der Träume… Um von Leberwurstbroten, leuchtenden Linien (The Witness!) und der aktuellen Lieblingsserie zu träumen.

Im Nähwahn {MeMadeMittwoch}

Lange, lange Zeit stand meine Nähmaschine nur in der Gegend rum und guckte vor sich hin. Guckte sich mein Nähzimmer in der alten Wohnung an, guckte sich den Umzug an, guckte sich das neue Nähzimmer in der neuen Wohnung an… Und staubte ein bisschen ein.

Irgendwann postete dann Julia aber ihren “Traumanzug“. Ein Onesie, kuschelig und niedlich und mit Kapuze und – wie sie es auf Instagram so vortrefflich formulierte: mit “Toilettenfeature”! Woah! Ich war geflasht. Denn ich mag solche Einteiler zum Rumlümmeln sehr, stellte sie mir immer total gemütlich vor, bis mir der Gedanke kam: Aber wenn ich mal aufs Klo muss… Dann müsste man sich zumindest als Frau ja wirklich jedes Mal aus dem Overall schälen und halb nackt auf dem stillen Örtchen sitzen. Das hatte mich also jedes Mal abgehalten davon, so ein Gemütlichkeits-Outfit zu kaufen. Aber jetzt! Der Traumanzug! Mit Toilettenfeature!

Ich tat also meine Begeisterung kund und Julia schlug direkt vor, den Onesie mit mir gemeinsam zu nähen (denn gewisse Teile wie der Reißverschluss flößten mir doch noch ordentlich Respekt ein). Und so kam es dann auch. Und während ich überlegte, welchen Stoff ich verwenden sollte, öffnete ich meinen Stoffschrank. Und war ein bisschen erschlagen von den Stoffmengen. So. Viel. Stoff!!!! Ich wählte als Grundlage für meinen Traumanzug einen rot-weiß geringelten Jersey, den ich vor Jahren mal auf dem Stoffmarkt gekauft hatte. Wofür, weiß ich auch nicht so richtig. Aber jetzt hatte er seine Bestimmung gefunden!

Dazu bestellte ich dann noch ein bisschen grauen Jersey mit süßen, kleinen Fahrrädern sowie das übrige Zubehör (Reißverschluss, Druckknöpfe…) – so hat mich das ganze letzten Endes doch mehr gekostet, als ich normalerweise bereit wäre, für einen Schlafanzug zu bezahlen, aber hey. Selbst gemacht ist bekanntermaßen nicht unbedingt günstiger – häufig sogar im Gegenteil.

Und eines schönen Samstags war es dann so weit, Julia schlug bei mir auf zur “Garn-Party”, wie der Held es so schön betitelte. Und der Anzug war dann letzten Endes auch gar nicht schwer zu nähen. Innerhalb eines Tages waren wir beide fertig. Und hatten ein traumhaftes Resultat:

So! Was! Von! Kuschelig! Und das “Toiletten-Feature” – die Poklappe mit Druckknöpfen – funktioniert auch einwandfrei. Am liebsten hätte ich das Teil die nächsten Tage gar nicht mehr ausgezogen. Gemütlichkeits-Overkill! Aber ich musste natürlich doch. Spätestens Montag, als es wieder zur Arbeit ging. 😉

Anschließend war ich ein bisschen im Nähwahn. Und bin es immer noch. Die Entdeckung des rot-weißen Ringeljerseys im Schrank wollte mir nämlich nicht aus dem Kopf. Ich besitze so viel Stoff! Mir kam der Gedanke, dass ich den doch eventuell auch einfach mal verwenden könnte. Und weil ich eine Schwäche für Challenges habe, wurde daraus das “Projekt Stoffabbau” – und der Vorsatz, sämtlichen Stoff zu verbrauchen. Hüstel.

Es ist wirklich unglaublich, wie viel festen Baumwoll-Dekostoff ich habe. Den habe ich zu Beginn meiner “Nähkarriere” wirklich meterweise angeschafft. Ich habe mich also durch Pinterest geklickt, dieses und jenes gefunden und ausnahmsweise nicht nur gepinnt, sondern direkt umgesetzt. Das kleine Nadelkissen an der Nähmaschine beispielsweise, oder das Wolken-Mobile. Außerdem (das schaffte wenigstens mal was weg) einen neuen Bezug fürs Bügelbrett und noch ein paar bunte Tischsets. Nicht im Bild: ein paar weitere Spüllappen (die liebe ich nach wie vor) und eine verschenkte Einkaufstasche. Alles nur mäßig erfolgreiche Projekte, was die Menge an Stoff betrifft, die sie wegschaffen. Aber ich bin sehr wählerisch bei dem, was ich nähe. Vieles gefällt mir nicht oder ich finde es einfach überflüssig. Ich benötige keine 500 weiteren Täschchen und Einkaufstaschen, keine Körbchen und Utensilos, und ich will eigentlich nichts nähen, was völlig überflüssig ist.

Neben den Dekostoffen befindet sich aber auch noch jede Menge Kleidungsstoff in meiner Sammlung. Als erstes ging ich ein Projekt an, für das ich schon vor ziemlich exakt 3 Jahren das Material gekauft hatte: ein roter Cord-Rock! Das Schnittmuster war Amy – allerdings hat es mich ziemliche Nerven gekostet und ich werde es vermutlich nicht noch einmal nähen. Außerdem war der Rock am Ende viel zu groß (trotz Messen im Voraus), so dass ich improvisieren musste. Zum Glück hat das wenigstens geklappt und der Rock gefällt mir jetzt sehr gut. Ein tolles Foto hab ich allerdings nicht, da es ein Ich-mach-das-jetzt-noch-fertig-obwohl-Mitternacht-schon-durch-ist-verdammt-noch-mal-Projekt war. Kennt ihr die? Wo man noch unbedingt das an dem Abend fertig kriegen will? Aber ich hab natürlich trotzdem ein Bild gemacht. Mit Ringelsocken. Und Stoffchaos im Hintergrund. Und leicht verfälschten Farben. Und unpassender Bluse:

Und tatsächlich: Der Stoffberg schrumpfte schon etwas!

Allerdings war ich betrübt, dass ich meinen Traumanzug immer nur nachts anziehen konnte. Also tauchte ich wieder ins Stoffmeer ein und ja: Es war noch genug für einen weiteren Traumanzug vorhanden! Aus etwas dickerem Sweatstoff, quasi als Hausanzug. Ohne Kapuze, aber immerhin. Sogar sämtliches Zubehör wie Reißverschluss und Druckknöpfe hatte ich auf Lager. Letztere noch aus den Beständen meiner Mama:

Hammer-Design, oder? 😀

Allerdings musste ich bei diesem Anzug etwas improvisieren. Teils klappte das gut – teils nicht so. Improvisation Nummer 1: kein Bündchenstoff. Stattdessen Bündchen aus dem Sweatstoff. Funktioniert immer nur so mittelmäßig gut – nervt aber hauptsächlich beim Nähen, stört später nicht beim Tragen. Allerdings sollte die Poklappe eigentlich auch aus Bündchenstoff genäht werden – das sollte mir noch zum Verhängnis werden, denn ich entschied mich für den dünnen Muster-Jersey. Impro Nummer 2: der Reißverschluss, den ich noch auf Lager hatte, war nur 45 statt 50 cm lang. Ich wollte das Oberteil aber sowieso etwas kürzen, da der Schritt beim ersten Traumanzug etwas auf Halbmast hängt. (Die Beine hab ich auch gekürzt.)

Problem durch diese Improvisationen: Der Anzug sitzt etwas strammer am Po. Keineswegs ZU stramm, sollte man meinen. Hätte er keine Poklappe, wäre alles easy und sehr bequem. Er hat aber eine. Und die besteht aus dünnem Jerseystoff ohne Verstärkung (hatte ich nämlich nicht, und es sollte ja ein ABBAU-Projekt sein, für das ich nichts neues kaufen musste) – der nun relativ stark gedehnt wird, wenn ich auf dem Sofa rumlümmel. So kam es, wie es kommen musste – einer der Druckknöpfe riss schon am ersten Abend aus. Schade. Aber ich denke mal, ich kann es relativ problemlos reparieren. Und man lernt ja schließlich aus seinen Fehlern. Und: den Gemütlichkeits-Overkill hat das Teil trotzdem noch. (Und im Zweifel hat das Ding halt einen Reißverschluss weniger. Ich bin ja nur zu Hause damit.)

Fällt irgendwem zufällig was auf? Also, langjährigen Leserinnen, meine ich? Aus dieser Stoff-Kombination habe ich schon mal einen Hoodie genäht. Vor VIER JAHREN. Seitdem liegt der Stoff bei mir rum. Es wurde also wirklich mal Zeit.

So, und jetzt muss ich diesen Mammut-Post beenden (ein vorbildlicher Blogger hätte vermutlich eine fünfteilige Serie daraus gemacht) und nach weiteren Näh-Ideen googeln… 😉 Und bis dahin verlinke ich diesen Post beim Me Made Mittwoch!

Die feine Kunst der Unproduktivität

“Brrrrrt”, brummt das Smartphone. “Brrrt-brrrt-brrrrrrrt”, vibriert analog der neue Fitnesstracker, der sich mit “Smartwatch-Features” rühmen kann. Immerhin muss ich das Handy nun nicht extra zur Hand nehmen, um festzustellen, dass ich einen Termin habe. Den dritten diese Woche. Oder vierten? Kommt drauf an, was man alles als Termin zählt, nehme ich an. Bouldern, Stammtisch, eine Geburtstagseinladung – alles Spaß, alles Stress. Freizeitstress. Dazwischen kommen die ganzen “Eigentlichs”. Eigentlich müsste man mal wieder. Da fällt ja so ungefähr alles drunter, von “zum Zahnarzt gehen” über “alte Freunde anrufen” bis hin zu “früher ins Bett gehen”.

Ein voller Terminkalender ist mittlerweile Standard, das merke ich, wenn ich mich mit jemandem verabreden will. Wie mit der Freundin, die ich im Oktober treffen wollte, dann im November, mittlerweile ist das Treffen auf unbestimmte Zeit verschoben (ich winke hier mal unauffällig rüber – es ist immer noch Saunazeit, meine Liebe!). Aktivität ist positiv, Produktivität ist Alltag. Selbst beim Seriengucken wird es doch heutzutage produktiv – schnell, die neue Staffel von der Lieblingsserie rein-bingen, damit wir den Anschluss bei der anderen Serie nicht verpassen, und einen Haken dranmachen können! Ich nehme mich da nicht aus, gerade bei Serien leide ich unter einem schweren Fall von #Fomo, mir fällt es wirklich schwer, Serien abzubrechen oder als “Interessiert mich nicht” abzulegen, insbesondere, wenn alle Welt begeistert ist. Und die ständige Verfügbarkeit von ganzen Staffeln ist zwar ganz schön, setzt aber auch unter Druck. Angst vor Spoilern! Mitreden können! Aber ich schweife ab.

Denn eigentlich geht es mir um Unproduktivität und das Gefühl, wie gut es tun kann, einmal völlig absichtlich gar nichts zu tun. Oder etwas, das kein Ziel hat. Zeit mit sich allein zu verbringen. Zeit nicht effizient zu nutzen – wie wir es tun, wenn wir in der Schlange im Supermarkt eben Instagram checken oder auf dem Weg ins Büro ein Hörbuch hören, das wir sonst nie gelesen kriegen würden, weil die Zeit fehlt. Sondern im Gegenteil: Zeit zu verschwenden, indem wir sie eben nicht nutzen. Denn diese Zeit ist nicht verschwendet, und wir tun nicht “gar nichts”. Wir laden unseren Akku auf, gewinnen vielleicht Selbsterkenntnis oder Ruhe. Ich persönliche verspüre nach solch “verschwendeter Zeit” oft ein wohliges Gefühl von Zufriedenheit und bemerke plötzlich ein Lächeln in meinem Gesicht – ob ich mir nun fünf Minuten oder eine Stunde gegönnt habe, oder auch mal einen ganzen Tag. “Mental Health Day” habe ich kürzlich gelesen – klingt ja auch besser als “schluffiger, fauler Sonntag”! 😉 Jedenfalls tut es mir gut, nichts zu tun. Eindeutig ein Grund, es weiterzuempfehlen!

Inspiriert von diesem Blogpost habe ich aufgeschrieben, was ich gern so unproduktives mache. Manches davon könnt ihr jetzt direkt, right now, einfach mal ausprobieren -anderes dauert etwas länger:

  1. Einen Spaziergang machen
  2. Ohne Kopfhörer
  3. Und ohne zu fotografieren, wenn dir ein Motiv über den Weg läuft
  4. Aus dem Fenster schauen
  5. Die Musik ausschalten
  6. Eine Zeitschrift durchblättern
  7. Das Fenster öffnen und die frische Luft einatmen
  8. Ein Buch lesen, das man schon kennt
  9. Oder einen Film schauen, denn man schon oft gesehen hat
  10. Ohne Smartphone-Ablenkung
  11. Ein Foto bewusst nicht machen
  12. Eine Email an Freunde schreiben – noch besser einen Brief, aber wir wollen realistisch bleiben
  13. Aufstehen und eine Runde durch die Wohnung gehen
  14. Auf dem Sofa sitzen. Die Wohnung anschauen.
  15. Eine Tasse Kaffee trinken
  16. Deine/n Liebste/n umarmen
  17. Atmen
  18. Bewusst Musik hören
  19. Eine Liste mit Ideen aufschreiben, was man schon lange mal machen wollte
  20. Nichts davon heute machen
  21. Oder nur etwas, was wirklich Freude macht

Wie nutzt ihr eure Zeit am liebsten unproduktiv?

Diebe! Piraten! Abenteuer! Ein Buchtipp.

Zwölf Götter gibt es in Camorr, dem Stadtstaat, in dem Locke Lamora lebt. Alles, was man so aus den üblichen Fantasy-Geschichten kennt, ist dabei. Da ist Iono, Gott des Wassers und des Meeres; Azra, Göttin des Krieges; oder Gandolo, Gott der Händler und Kaufleute. Locke Lamora, als Waisenkind in Camorr großgeworden, folgt keinem von ihnen. Er betet zum dreizehnten Gott: der namenlose Gott, der “korrupte Wächter”, der Schutzherr der Diebe und Ganoven. Von klein auf ist Locke bei Dieben in die Lehre gegangen, denn ich Camorr herrscht der “Geheime Frieden”, der besagt, dass Verbrecher relativ ungestraft davonkommen, solange sie sich an gewisse Regeln halten und der Aristokratie nicht schaden. Doch Locke hat andere Pläne. Größere Pläne…

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Das Buch “Die Lügen des Locke Lamora” von Scott Lynch stand bei uns schon seit Jahren im Regal. Eigentlich hat der Held es einmal geschenkt bekommen, aber wie das so ist, man hat so viele ungelesene Bücher, das manches in Vergessenheit gerät. Doch ich hatte schon viel gutes über den Roman gehört, daher nahm ich ihn kurz vor Weihnachten selbst in die Hand. Und nach einem etwas holprigen Einstieg war ich schnell gefesselt. Sehr gefesselt!

Persönlich tue ich mich immer etwas schwer, in völlig neue Fantasywelten einzutauchen. Auf den ersten Seiten muss man sich ja erst mal daran gewöhnen, wo man eigentlich ist: Was gibt es hier, was es in unserer Welt nicht gibt? Wie sieht alles aus? Was ist normal, wie sind die Sitten? Mag sein, dass mancher sich da sofort hineinwerfen kann, aber ich kann es nicht. Ich brauche ein-zwei Kapitel. Daher möchte ich den holprigen Einstieg auch gar nicht dem Buch vorwerfen. Es liegt an mir, nicht an dir…

Scott Lynch hat eine stimmige Welt erschaffen, die sich erst nach und nach eröffnet. Das fand ich sehr hilfreich. Das erste Buch spielt ausschließlich in der Stadt Camorr, und wir erfahren nur ein wenig über die Hintergründe der gesamten Welt. Stattdessen lernen wir Camorr von Kopf bis Fuß kennen. Die Verwaltung, die Aristokratie, aber auch die strengen Regeln der Unterwelt, in der klar festgelegt wird, wer wem unterstellt ist und wen man überhaupt bestehlen darf. Locke Lamora widersetzt sich diesen Regeln von klein auf. Daher muss der Lehrherr der Diebe ihn loswerden. Vater Chains, Priester des dreizehnten Gottes, nimmt ihn auf in seine Bande der Gentleman-Ganoven. So bleibt er kein bloßer Taschendieb oder gewöhnlicher Straßenräuber, sondern kann seinen Kopf einsetzen und lernt seine besten Freunde kennen, die bald wie eine Familie für ihn sind.

Das erste Buch springt noch recht viel hin und her zwischen Lockes Kindheit und seinem aktuellen Coup. Das kann manchmal etwas verwirrend sein, zumal Locke in seine Pläne gern Tarn-Identitäten, Plottwists und Betrug im Betrug einbaut. Wenn er gerade einen auf die Nase bekommt, weiß man nie, ob das nicht vielleicht eigentlich doch zu seinem gewieften Plan dazugehörte. Und selbst wenn nicht: Er hat es sicherlich schnell raus, diesen Rückschlag zu seinen Gunsten zu nutzen. Doch auch seine Gegner nutzen Intrigen und Täuschungsmanöver, und sind Locke und den Gentleman-Ganoven vielleicht schon einen Schritt voraus…

Im zweiten Buch “Sturm über roten Wassern” verschlägt es Locke dann in die weite Welt: Nachdem er aus Camorr fliehen muss, findet er sich unerwartet auf einem Piratenschiff wieder. Wir lernen weitere Orte, Herrscher, Traditionen kennen. Auch hier gibt es wieder unerwartete Wendungen noch und nöcher, und das Buch fängt schon mit einem unfassbaren Cliffhanger an, der erst ganz am Ende aufgelöst wird.

Ich habe beide Bücher verschlungen – schon lange habe ich keine solchen Page-Turner mehr gelesen. Wobei ich dennoch gute Bücher gelesen habe, aber halt keine, wo man un-be-dingt wissen muss, wie es weitergeht. Besonders gut hat mir gefallen, dass Locke Lamore und seine Kumpane keine eindimensionalen, schwarz-weißen Figuren sind. Es gibt Krisen, Streit, Loyalitätskonflikt, man gewinnt Vertrauen und verliert es wieder, jeder macht mal einen Fehler, keiner ist perfekt, und es “darf” auch mal gestorben werden (nicht ganz so viel wie bei George R.R. Martin, aber trotzdem werden hier auch Protagonisten nicht zwangsläufig geschont). In den Büchern wird gesoffen und geflucht. Da darf natürlich auch Sex nicht fehlen, auch wenn der Autor hier freundlicherweise nie sehr ins Detail geht – Kinderbücher sind es trotzdem nicht. Schön fand ich hier, dass es nicht nur relativ schnurz ist, wer jetzt wen liebt; generell sind Frauen in der Welt von Locke Lamora völlig gleichberechtigt, ohne das großes Aufheben darum gemacht würde. Dass der Kapitän oder der Kopf der Stadtwache Frauen sind, erkennt man plötzlich an den Pronomen (die Namen helfen nicht immer, wie das in Fantasiewelten nun mal manchmal so ist) und ist kurz überrascht, weil das immer noch nicht überall üblich ist. Ich persönlich fand es sehr angenehm.

Auch nach dem Ende des zweiten Buchs gibt es noch einige offene Fragen. Ich persönlich möchte ja endlich wissen, was aus Lockes alter Jugendliebe geworden ist und was es nun mit diesen geheimnisvollen Eldren auf sich hat, die überall in der Welt Bauwerke aus mysteriösen Materialien zurückgelassen haben, lang bevor dort Menschen lebten… Zum Glück sind bisher schon zwei weitere Bände erschienen: “Die Republik der Diebe” (hier geht es tatsächlich um Lockes erste Liebe) und “Das Schwert von Emberlain“. Diese beiden werden sicherlich bald den Weg in mein Bücherregal finden!

Was war euer spannendstes Buch der letzten Zeit?

Februar.

Der kürzeste Monat bricht an. Ich wünsche mir nichts als Ruhe – der Januar war voll mit (schönen) Terminen und schon gestern habe ich es so sehr genossen, abends einfach nur auf dem Sofa zu liegen, eingekuschelt in die Bettdecke, die ich mir extra aus dem Schlafzimmer geholt hatte, und die zweite Staffel von “The Man in the High Castle” zu starten. Und weil wir sonst gar nichts vorhatten, haben wir gleich drei Folgen hintereinander geschaut. Das war schön.

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Zum Abendbrot gab es überbackene Brote. Am Samstag haben wir Einweihungsparty gefeiert und seither essen wir nur noch Brot. Belegte Brote, überbackene Brote oder am Sonntagmorgen nach der Party auch erst einmal trockenes Brot. 😉

Im Februar steht ein Näh-Tag mit Julia an, auf den ich mich sehr freue. Außerdem steht ein 60. Geburtstag in der Nachbarschaft an (und somit aller Voraussicht nach auch ein 60.-Geburtstags-Geschenk-Vorbereitungsabend mit den anderen Nachbarn). Ansonsten: Dobby is a free elf! (Die Anzahl der einzelnen Socken, die sich mittlerweile in meinem Schrank tummeln, bestätigt das.)

Ich möchte viel lesen (meine aktuelle Lektüre ist wirklich super!), Serien schauen, Lego bauen (unser Weihnachtsgeschenk ist erst zu einem Drittel fertig gebaut) und vielleicht ein bisschen kreativ sein. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, mal etwas zu sticken. Es gibt so viele coole Stickmotive, und ich habe da eine Ecke, die dringend Deko benötigt. Der Gatte weiß das noch nicht, aber spätestens, wenn ich ihm ein Monkey Island-Bild sticke, ist er dabei. Oder vielleicht  macht er sogar mit? Ich kann jedenfalls noch gar nicht sticken, aber ich hoffe, es ist machbar. Und ich hoffe, dass ich darin besser bin als beim Stricken. 😀

Tja, so kehrt bei uns der Alltag ein. Eigentlich ein schönes Gefühl. Uns geht es so gut. Umso erschreckender die Nachrichten, die aus allen Ecken auf uns einprasseln. Trump. AfD. Terror. Ich möchte mich einfach nur in meine Decke einkuscheln und erst wieder aufstehen, wenn das alles vorbei ist. Geht leider nicht. Und so werde ich doch vermutlich nächste Woche gegen die AfD, die eine Veranstaltung in unserem schönen Rathaus abhalten will, demonstrieren gehen, werde mich informieren und widersprechen, wo es geht. “Alle sagen immer ‘Ich hätte nicht mitgemacht’, wenn es um die Nazi-Zeit geht – jetzt habt ihr die Chance, zu beweisen, wie es besser geht”, lese ich vielerorts. Immer mit einem süffisanten Unterton nach dem Motto “IHR habt immer große Töne gespuckt, jetzt zeigt mal, was ihr draufhabt – ich gehe mal davon aus, dass es nicht viel ist”. Und während mir die Leute, die das sagen, gestohlen bleiben können, frage ich mich selbst: Was ist nun zu tun? Was können wir tun, außer unsere Meinung zu vertreten und besorgt über den großen Teich zu schauen?

Vielleicht kuschle ich mich doch lieber wieder mit einem guten Buch in die Decke, frei nach dem Motto “Ignorance is bliss”, und warte, bis der Sturm vorüberzieht. Falls er vorüberzieht. Oder ich warte, dass Batman uns rettet. Was wahrscheinlich nicht passieren wird. Also doch wieder den Mund fusslig reden, retweeten und widersprechen und sich fragen, was man eigentlich tun müsste.

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12 von 12 im Januar 2017

Der Donnerstag beginnt heute mit einem außergewöhnlichen Ausblick. Wo meine Zehen hier hervorlugen, das ist nämlich nicht mein Bett. Nein, es ist unser Schlafsofa im Gästezimmer. Endlich haben wir eins! Ich habe es heute mitten in der Nacht bezogen, so gegen 3 Uhr, weil der erkältete Held im Schlafzimmer so laut vor sich hinschnorchelte, dass ich nicht mehr dort liegenbleiben und ihn alle 30 Sekunden anschubsen wollte. Auf dem Sofa hingegen habe ich dann geschlafen wie ein Baby! Nachts musste ich nur die Rückenkissen vom Sofa schubsen, wie man hier sieht.

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Heute fahre ich erst spät ins Büro. Ich bin abends in der Stadt verabredet, und da macht es wenig Sinn, zwischenzeitlich noch heimzufahren. Normalerweise arbeite ich dann einfach ein Stündchen länger. Da ich aber gestern und vorgestern schon so viele Überstunden gemacht habe, habe ich mich für heute einfach spät angekündigt. Ich wache daher super ausgeschlafen auf und beschließe, noch duschen zu gehen. Normalerweise dusche ich abends, weil es morgens zu knapp ist. Klar, dass es dank dieses Spontanplans dann plötzlich doch noch etwas hektisch wird?

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Nichtsdestotrotz bin ich ziemlich zufrieden mit meinem Morgen. Ich sortiere noch schnell ein bisschen Wäsche, die der Held später in die Maschine werfen kann, und ziehe ein schon vor Ewigkeiten genähtes Oberteil an, das ich vor kurzem noch mal so abgeändert habe, dass es mir wieder richtig gut gefällt (dazu meine “Spring-Hose” – anders komme ich nicht rein 😀 ). Startklar! Na gut, die Schuhe fehlen noch.

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Draußen ist es wunderbar und herrlich! Das Radfahren macht richtig Laune. Auf den Ohren die Best Of 2016-Folge meines Lieblingspodcasts Dear Hank and John, die mich zum lauten Lachen bringt; zu sehen gibt es blauen Himmel und gelbe Stoppelfelder und erwähnte ich schon, dass ich richtig schön ausgeschlafen bin?

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Es folgt: Arbeit. Unterbrochen von Kaffee, der mir momentan besonders gut schmeckt. Ich muss mal nachfragen, welche Sorte der Kollege gekauft hat. Auf der Schreibtischunterlage habe ich mir wichtige Dinge notiert: Der Hinweis, auf meine Haltung zu achten, und der noch dringendere Hinweis, nur eine Sache gleichzeitig zu machen. Hilft nur mäßig an der Stelle, vielleicht brauche ich einen aufdringlicheren Platz. Oder ein Popup am Computer.

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Nach der Arbeit habe ich ein Treffen vom Buchclub. Zuletzt haben wir “Alles Licht, das wir nicht sehen” gelesen – das war richtig toll und kann ich nur weiterempfehlen. Als neue Lektüren haben wir heute dann “Des Nebels Kinder” ausgesucht, darauf bin ich schon gespannt. Auf dem Weg muss ich noch kurz Geld abheben, damit ich meine Pizza später auch bezahlen kann. Das schöne Wetter ist allerdings verschwunden; dass es dunkel ist, ist natürlich keine Überraschung, aber es ist auch nass und kalt geworden.

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Da es morgens so schön draußen war, hatte ich die Schnapsidee, für die relativ kurze Strecke – von der Arbeit zum Geldautomaten und von da aus in die Stadt – die dicken Handschuhe in der Tasche zu lassen. Kann man machen. Wenn man Eisfinger haben möchte.

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Nachdem ich das Fahrrad ein Weilchen durch die Fußgängerzone geschoben habe (vorbildlich wie ich bin), stelle ich es ab. Direkt unter dem “Bitte keine Fahrräder abstellen”-Schild. Man kann nicht immer nur vorbildlich sein. Aber hey, mittlerweile regnet es und diese Stelle ist überdacht. Außerdem soll man da nur keine Räder abstellen, weil es zum Karstadt-Gelände gehört und da in Münster die Bürgersteige um 19 Uhr schon hochgeklappt werden, muss hier nun eh keiner mehr lang.

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Mit dem Buchclub gehen wir heute zum Italiener. Alle bestellen Pizza. Auf dem Bild sieht man: Ich habe keine Pizza. Jedenfalls noch nicht. Die Bedienung kommt kreuzunglücklich mit allen Pizzen außer meiner an den Tisch und entschuldigt sich, das sei ihr wirklich noch nie passiert, aber meine Pizza sei ihr in der Küche vom Teller gerutscht und ich sei jetzt obere Priorität des Kochs und ob ich schon mal ein paar Pizzabrötchen aufs Haus möchte. Da sag ich nicht Nein, genieße meine Pizzabrötchen mit vorzüglicher Kräuterbutter und bekomme bald nach den anderen meine Pizza. Die Bedienung hat sich dann noch ungefähr fünf Mal entschuldigt. Aber hey, sowas passiert.

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Der Held bietet mir zwar an, mich abzuholen, aber ich möchte meinen Podcast zu Ende hören und bin außerdem bewegungsmotiviert. Also schmeiße ich mich in die Regenhose und fahre durch den mittlerweile strömenden Regen nach Hause. Dort will dann noch die Wäsche aufgehängt werden. Zusammen mit dem Helden dauert das aber nur ungefähr 3 Minuten. Noch schnell die Tasche gepackt, die 12 von 12 gebloggt und ab ins Bett – morgen geht’s Richtung Elternhaus!

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Mehr 12 von 12 gibt’s wie immer bei Draußen nur Kännchen!

(Januar 2015, Januar 2013, Januar 2012)